Einleitung 3
1. Der Gewaltbegriff 4 1.1 Personale Gewalt 4
1.1.1 Physische vs. psychische Gewalt 5 1.2 Strukturelle Gewalt 5
2. Ausgewählte Theorien zur Gewaltentwicklung 6 2.1 Katharsisthese 6 2.2 Inhibitionsthese 8 2.3 Stimulationsthese 8 2.4 Habitualisierungsthese 8 2.5 These der kognitiven Unterstützung 9 2.6 Theorie der Wirkungslosigkeit 9 2.7 Sozial-kognitive Lerntheorie (Lerntheorie I) 10 2.8 Lerntheorie II 11
3. Zur Einschätzung des Forschungsstandes 13
4. Entwicklungsphase Jugend 15 4.1 Kognitive, emotionale und soziale Entwicklungsfaktoren 15 4.2 Die Rolle der körperlichen Entwicklungsfaktoren bei Jungen 17 4.3 Die jugendliche Identitätsfrage und neue Ideale 18
5. Die Faszination Jugendlicher an medialen Gewaltdarstellungen 20
6. Horrorfilmkonsum und der Einfluss des sozialen Status‘ 24
Schlusswort 26
Literatur 28
2
Einleitung
Die Diskussion um Gewalt in den Medien ist etwa so alt wie die Medien selbst. Diskussionsansätze findet man bereits in der Antike bei Platon und Aristoteles, die sich mit der Frage beschäftigten, welche Reaktionen dargestellte Gewalt beim Betrachter auslösen. Mit dem Einzug der neuen Medien wie Fernseher, Videorecorder, DVD-Player und PC in Privathaushalte entflammte die Diskussion erneut. Spätestens seit dem 26. April 2002, als der 19-jährige Robert Steinhäuser in seiner Schule in Erfurt erst 16 Menschen und dann sich selbst erschoss 1 , erreichte die Debatte um Gewalt in den Medien einen neuen Höhepunkt. Während die einen von Kriminalisierung unserer Jugend durch Fernsehen und PC sprechen, negieren die anderen einen direkten Zusammenhang zwischen Aggressivität und medialer Gewalt. Es ist anzunehmen, dass das Fernsehen und der Computer für viele Jugendliche eine immer größere Rolle spielen, und dass sie sich aufgrund ihrer entwicklungsbedingten hohen Aufnahmefähigkeit schnell verleiten lassen. Gestützt wird diese Annahme durch den Fakt, dass gewaltreiche Medienangebote besonders von Jugendlichen konsumiert werden. Betrachtet man auch den Aspekt der Kriminalität, so lässt sich unschwer erkennen, dass besonders Jugendliche in dieser sensiblen Lebensphase ein hohes Maß an Straffälligkeit aufweisen.
In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit den verschiedenen Theorien zur Gewaltwirkung befassen. Dabei werde ich auf die Besonderheiten der jugendlichen Lebensphase aus entwicklungspsychologischer Sicht eingehen und auf die verschiedenen Motive selbst, die Jugendliche dazu bringen sich Gewaltfilme anzuschauen. Auf die einzelnen Bedeutungsebenen der verschiedenen Horrorfilmgenres möchte ich in diesem Rahmen jedoch nicht eingehen. Vielmehr soll neben den möglichen Wirkungsthesen die Faszination der Filmgewalt aus der Sicht der Jugendlichen erklärt und sowohl in den Rahmen ihres besonderen Entwicklungsprozesses als auch in die Frage nach dem sozialen Status eingeordnet werden.
1 Müller (2004) S.7
3
1. Der Gewaltbegriff
Gewalt ist heutzutage ein weitreichender und viel diskutierter Begriff. Der
allgemeingültige Brockhaus definiert Gewalt als eine „Anwendung von physischem oder psychischem Zwang gegenüber Menschen.“ 2 Dabei umfasst sie „die rohe, gegen Sitte und Recht verstoßende Einwirkung auf Personen“ 3 und „das Durchsetzungsvermögen in Macht- und Herrschaftsbeziehungen.“ 4 Entgegen dem Englischen und Französischen vereint der deutsche Begriff ‚Gewalt’ jedoch verschiedene Bedeutungsträger. Einerseits bezeichnet er die staatliche Machtbefugnis, andererseits bezeichnet er die darüber hinausgehende Gewaltherrschaft und die individuelle Gewalttätigkeit. 5 Im Rahmen des thematischen Kontexts meiner Arbeit möchte ich mich jedoch auf Letzteres beschränken. Eine im Rahmen meiner Arbeit passende Definition von Gewalt findet man u.a. bei Schorb und Theunert: „Gewalt ist die Manifestation von Macht und/oder Herrschaft, mit der Folge und/oder dem Ziel der Schädigung von einzelnen oder Gruppen von Menschen.“ 6
1.1 Personale Gewalt
Differenziert man den Gewaltbegriff weiter, so muss zwischen personaler und struktureller Gewalt unterschieden werden. Kunczik definiert personale Gewalt als eine „beabsichtigte physische und/oder psychische Schädigung einer Person, von
Lebewesen und Sachen durch eine andere Person“. 7 Bei der personalen Gewalt gibt es also eine klare Täter-Opfer-Beziehung mit einer deutlich sichtbaren Handlung. Dabei übt eine Person direkte Gewalt aus, während eine andere diese Gewalt direkt erfährt. 8
2 Brockhaus multimedial 2005
3 Brockhaus multimedial 2005
4 Brockhaus multimedial 2005
5 Brockhaus multimedial 2005
6 Schorb/Theunert in: Wierth-Heining (2000) S.15
7 Kunczik in: Merten (1999) S.22
8 Wierth-Heining (2000) S.15
4
1.1.1 Physische vs. psychische Gewalt
Psychische Gewalt ist nicht immer eine sichtbare Aktion und richtet sich gegen die Psyche. Dahingegen hat die physische Gewalt eine Verminderung der körperlichen Unversehrtheit zum Ziel und ist meistens sichtbar. „Physische Gewalt äußert sich als direkte Aggression gegen eine Person (z.B. schlagen), während sich psychische Gewalt in indirekte Weise z.B. durch Verhaltensweisen wie Nichthören, absichtliches Missverstehen, Vergessen wichtiger Angelegenheiten u.a. manifestieren kann.“ 9 Unter physischer Gewalt lassen sich also alle Formen der körperlichen Zerstörung, Schädigung oder Verletzung zusammenfassen. Sowohl in den Medien als auch in der Realität kann sich dies u.a. durch Schlagen, Kämpfen, Treten oder Schädigung des Körpers mittels Gegenständen äußern. Psychische Schäden durch Gewalteinwirkung können auf vielen vielschichtigen Ebenen zum Tragen kommen. Beispielsweise können sich auf geistig-kognitiver Ebene Konzentrationsstörungen und Unfähigkeit zur Meinungsäußerung ergeben, während Angst, Verzweiflung und Misstrauen Schäden auf emotional-affektiver Ebene bedeuten können. Auch Kontaktschwierigkeiten und Redehemmungen sind ein Beispiel psychischer Schädigung, die sich auf kommunikativer Ebene auswirken. Die Beispiele der Schäden durch psychische Gewalteinwirkung reichen weit. 10
Nicht zuletzt muss auch erwähnt werden, dass der Aspekt der physischen Gewalt mit der psychischen verbunden sein kann. Wer körperliche Gewalt erfährt, trägt neben den körperlichen Schäden nicht selten auch psychische Beeinträchtigungen mit davon.
1.2 Strukturelle Gewalt
Während sich die personale Gewalt mit den Beziehungen mindestens zweier Personen direkt zueinander beschäftigt, konzentriert sich die strukturelle Gewalt eher auf das Problem der sozialen Ungerechtigkeit. Galtung beschreibt die strukturelle Gewalt als eine „strukturelle [...] Gewalt, bei der es kein handelndes Subjekt gibt; es tritt niemand
9 Neubauer et al.in: Merten (1999) S.25
10 Wierth-Heining (2000) S.16f.
5
in Erscheinung, der direkt Schaden zufügt: [...] Die Gewalt ist in das System eingebaut und äußert sich in ungleichen Machtverhältnissen und folglich in ungleichen Lebenschancen“ 11 . Ergänzend fügt Wierth-Heining hinzu, dass strukturelle Gewalt sich hauptsächlich in dauerhaften (gesellschaftlichen) Zuständen zeigt, und dass sie nur in ihren Folgen, nicht aber direkt, sichtbar ist. Außerdem richtet sich strukturelle Gewalt in der Regel nicht direkt gegen andere Personen. Sie führt zwar zur Schädigung einzelner Individuen, ist aber in ihrer Intention nicht absichtlich gegen diese gerichtet, da sie mehr auf ein Kollektiv bzw. eine bestimmte Gruppe abzielt. 12
11 Galtung in: Merten (1999) S.23
12 Wierth-Heining (2000) S.18
6
2. Ausgewählte Theorien zur Gewaltentwicklung
Bevor ich die einzelnen Theorien zur Gewaltwirkung näher vorstelle, muss erwähnt werden, dass die Auswirkungen einer bestimmten Sendung mit violenten Darstellungen abhängig vom Inhalt selbst, von der Persönlichkeit des Zuschauers, sowie von der Situation, in der sie gesehen wird, abhängt. 13
2.1 Katharsistheorie
Eine der ältesten Theorien, die sich mit den Wirkungen von Gewaltdarstellungen auf den Zuschauer beschäftigt, ist die Katharsistheorie. Sie lässt sich bis zu Aristoteles zurückführen. Der Begriff „Katharsis“ ist griechisch und bedeutet Reinigung. Die Anhänger dieser Theorie, die zumeist von einem angeborenen Aggressionstrieb ausgehen, behaupten, dass fiktive Gewalt im Fernsehen den Zuschauer von seinen Aggressionen und Angstgefühlen reinigt. Der Zuschauer sieht und erlebt Gewalt im Fernsehen. Er schießt und kämpft mit, wenn im Fernsehen gekämpft wird. Laut dieser Theorie reagiert er seine inneren Ängste und Aggressionen dadurch ab und erlebt am Ende eine positive Reinigung. Demzufolge ist der Konsum von Gewaltsequenzen nach dieser Theorie nicht nur nicht schädlich, sondern aufgrund der reinigenden Wirkung sogar förderlich. 14 Im Laufe der Zeit wurde die Katharsisthese mehrmals überarbeitet. Merten unterscheidet dabei drei nennenswerte Formen. Zum Einen erzeuge jede Fantasieaggression kathartische Effekte. Des Weiteren wird die Wirkungstheorie insoweit eingeschränkt, dass die Rezeption von Gewalt in den Medien nur dann aggressionsreduzierend wirken kann, wenn der Zuschauer auch emotional erregt und zur Aggression geneigt ist. In der dritten Variante wird aufgeführt, dass aggressionsmindernde Effekte nur dann auftreten können, wenn Verletzungen und Schmerzen in ausdrucksstarker Form gezeigt werden. 15
Alle drei Formen der Katharsistheorie gelten heute als weitestgehend widerlegt.
13 Bundesministerium des Inneren (1996) S.16
14 Merten (1999) S.130f.
15 Merten (1999) S.131
7
Arbeit zitieren:
Anja Kleint, 2007, Horrorfilm und Lebensphase Jugend, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Anja Kleint hat den Text Horrorfilm und Lebensphase Jugend veröffentlicht
Anja Kleint hat einen neuen Text hochgeladen
On Rules and Monsters. Essays zu Horror, Film und Gesellschaft
Benjamin Moldenhauer, Christoph Spehr, Jörg Windszus
0 Kommentare