VORWORT
In einer Zeit der Urbanisierung und des Wandels zur postindustriellen Gesellschaft, welche sich zunehmend von der Natur entfernt, ist es wichtig sich immer wieder bewusst zu machen, welche Relevanz die Umwelt für die Menschheit, aber auch für jeden Einzelnen hat. Dem rasanten Wirtschaftswachstum der gegenwärtigen Zeit stehen große, hauptsächlich anthropogene Umweltprobleme gegenüber. Auch Waldbrände werden hauptsächlich durch den Menschen verursacht. Meist ist es gerade das wirtschaftliche Wachstum, gegenüber dem die Umwelt benachteiligt wird. Doch „nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“. 1 Eine solche Entwicklung ist möglich und die Informationsgesellschaft kann hierzu einen entscheidenden Beitrag leisten, indem sie das Umweltbewusstsein und das Verantwortungsgefühl des Einzelnen stärkt. 2 Unter diesem Gesichtspunkt ist die vorliegende Arbeit zu verstehen, nämlich als Informationsmöglichkeit, nicht nur für Griechen, sondern für jeden, da Waldbrände ein globales Problem darstellen.
Ohne die Unterstützung vieler Beteiligter, wäre diese Diplomarbeit in der vorliegenden Form nicht zustande gekommen. Bei diesen möchte ich mich herzlich bedanken. Mein Dank gilt vor allem Prof. Dr. Hans Ruge, der freundlicherweise meine Arbeit betreut hat, obwohl er sich im Ruhestand befindet. Ein spezieller Dank richtet sich auch an Herrn Gerd Höhler vom Tagesspiegel, der mich äußerst hilfsbereit mit Informationen versorgte, welche mir selbst nicht zugänglich waren. Auch den Mitarbeitern der Informationsstelle der Europäischen Kommission (Europe Direct) sowie Herrn Petteri Vuorinen von der UN-Welternährungsorganisation (FAO) möchte ich für ihre aktive Mitarbeit danken, wann immer ich Fragen hatte.
Zu guter Letzt möchte ich meine tiefe Dankbarkeit gegenüber meinen Eltern ausdrücken, durch deren liebevolle Unterstützung mein Studium überhaupt ermöglicht wurde, sowie meinem Freund, dessen Idee das Thema dieser Arbeit wurde.
Germersheim, im Frühling 2008
1 s. Weltkommission für Umwelt und Entwicklung
2 vgl. Forum Informationsgesellschaft, S. 26
3
INHALTSVERZEICHNIS
VORWORT............................................................................................................. 3
INHALTSVERZEICHNIS 4
1 EINLEITUNG 7
1.1 Literatur zur Waldbrandforschung 9
1.2 Zusammenfassung 10
2 EINFÜHRUNG IN DAS PHÄNOMEN WALDBRÄNDE 12
2.1 Die Rolle des Feuers in feuerabhängigen Ökosystemen 12
2.2 Veränderte Feuerregime 14
3 DAS MEDITERRANE BZW. GRIECHISCHE FEUERREGIME 16
3.1 Degradationsstadien und Anpassungsmechanismen der Vegetation 17
3.2 Statistische Erfassung der Entwicklung der Waldbrandsituation 19
3.2.1 Datenerfassung in der Vergangenheit 19
3.2.2 Entwicklung und Tendenzen 20
4 URSACHEN DES PROBLEMS IN GRIECHENLAND 26
4.1 Der sozioökonomische Hintergrund als begünstigender Faktor 28
4.2 Vorsätzliche Brandstiftung 29
4.2.1 Der rechtliche Rahmen 29
4.2.1.1 Die Schaffung von Bauland 29
4.2.1.2 Politische Interessen 32
4.3 Fahrlässige Brandstiftung: die Rolle des Staats 33
4.3.1 Die Vernachlässigung der Forstpolitik 33
4.3.1.1 Der finanzielle Aspekt 34
4.3.1.2 Der Forschungsaspekt 36
4.3.1.3 Der verwaltungstechnische Aspekt 37
4.3.1.4 Ein Beispiel: das Jahr 1998 38
4.3.2 Brandvorsorge vs. Brandbekämpfung 39
4.4 Fahrlässige Brandstiftung: die Rolle der Bürger 40
5 FOLGEN 42
5.1 Ökologische Folgen 43
5.1.1 Auswirkungen auf den Boden 44
5.1.2 Auswirkungen auf die Flora und Fauna 45
5.1.3 Auswirkungen auf das Klima und die Atmosphäre 45
5.2 Soziale und wirtschaftliche Folgen 46
5.2.1 Tote und Verletzte 46
5.2.2 Auswirkungen auf die Gesundheit 47
5.2.3 Direkte und indirekte Schäden 48
6 MASSNAHMEN 50
6.1 Feuermanagement 50
6.2 Die vier Säulen des Feuermanagements 51
6.2.1 Vorbeugung 51
6.2.2 Vorbereitung 56
4
6.2.3 Brandbekämpfung 60
6.2.4 Wiederherstellung 63
7 AUSBLICK 65
LITERATURVERZEICHNIS 66
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 75
TABELLENVERZEICHNIS 76
ANHANG 77
5
Anmerkung:
Im Fließtext vorkommende griechische Eigennamen, Ausdrücke, Titel von Werken o.Ä. wurde nach ISO 3 transkribiert, um die Lesbarkeit für nicht Griechisch sprechende Leser zu gewährleisten.
Um der Forderung nach Wahrung der Einheitlichkeit gerecht zu werden, wurde sowohl in den Fußnoten als auch im Literaturverzeichnis für Titel griechischer Werke sowie für Autorennamen, die auf solche hinweisen, die griechische Schreibung verwendet. Letztere sind im Literaturverzeichnis gesondert aufgeführt.
3 ISO 843:1997
6
1 EINLEITUNG
„Aus welchem Material wird der Sarg des Waldes sein?“ 4
"Hölle" 5 , "Feuer-Albtraum ohne Ende" 6 , "Holocaust" 7 -so lauten die Schlagzeilen
einiger griechischer Zeitungen am letzten Augustwochenende 2007. "Es gibt keine
4 Richter, S. 40
5 «).1», þ ú!./#, 25.8.2007
6 «*! " 032" $&!" 2 "», . ., 25.8.2007
7 « .*2&.», ú. 25.8.2007
7
Worte" titelt dagegen die Eleftherotypia 8 in ihrer Sonntagsausgabe und erscheint mit einem pechschwarzen Titelblatt.
Es herrscht Chaos in Griechenland. In allen Fernsehkanälen sind dieselben Bilder des Schreckens zu sehen: Männer mit Gartenschläuchen und Eimern in der Hand rennen umher und versuchen verzweifelt, ihr Hab und Gut vor den Flammen zu retten. Eine ältere Frau wehrt sich schluchzend, als die Feuerwehrmänner versuchen sie zu überreden, ihr brennendes Haus zu verlassen. Ein Dorf im Wald, versteckt hinter dichten Rauchwolken, und ein Bewohner, der sich beschwert, dass keine Löschfahrzeuge geschickt wurden und Verstärkung von der Feuerwehr fordert. Politiker, die sich schweigend über die Asche zu abgebrannten Dörfern führen lassen. Oppositionspolitiker, die Beschuldigungen gegen die Regierung aussprechen, Parteivorsitzende, die ihre Wahlkampfkampagne aufschieben. Auch der Beginn der griechischen Fußball-Liga wird wegen der Katastrophe verlegt. Gleichzeitig wird in den Medien, in Cafés, im Freundes- und Bekanntenkreis eifrig diskutiert: Schon wieder wurde ein neuer Brandherd gemeldet. Gibt es denn genügend Löschflugzeuge? Wie hoch ist inzwischen die Anzahl der Toten? Hat man die Brandstifter schon festgenommen? Im Sommer 2007 gibt es, wie in fast jedem Sommer seit mindestens 40 Jahren, nur ein Thema: Waldbrände. Über die Frage, wer die Verantwortung trägt, gibt es eine Reihe unterschiedlicher Meinungen. Im Gegensatz zu der vorherrschenden öffentlichen Meinung, dass Waldbrände auf keinen Fall geschehen dürfen, wird in der vorliegenden Arbeit die Auffassung vertreten, dass Waldbrände weder ganz verhindert werden können noch sollen, denn nur unter bestimmten Umständen stellen sie ein Problem dar: wenn sie nicht kontrollierbar sind. Übertriebene Brandvermeidung kann verheerende Folgen haben und sollte deshalb nicht angestrebt werden. Im Rahmen eines ausgewogenen Feuermanagements dagegen, können Schäden vermieden und Brände sogar gezielt eingesetzt werden, um dem Menschen zu dienen.
8 «û0 #!$ # 0"», #!.2 ü0#0! 2#., 26.8.2007
8
1.1 Literatur zur Waldbrandforschung
Seit Beginn den 70er Jahre entwickelte sich ein neuer Wissenschaftszweig in der Ökologie: Die Feuerökologie erforscht die naturgemäße Rolle von Feuer in Wäldern, Buschländern und anderen Ökosystemen. 9 Die wesentlichen Denkanstöße kamen aus den USA und aus Kanada, wo die Bedeutung von Bränden frühzeitig 10 erkannt und die feuerökologische Forschung in die Wege geleitet wurde. Nicht viel später erwachte auch in Australien und Südafrika das wissenschaftliche Interesse an dem Thema. Der hohe Stand des Wissens über die Rolle des Feuers in Ökosystemen, insbesondere in jenen der gemäßigten Zone, manifestiert sich in einer Fülle wissenschaftlicher Darstellungen und Zusammenfassungen (z.B. Kozlowski und Ahlgren 1974; Wright und Bailey 1982; Gill et al. 1981; Wein und McLean 1983). Auch die Rolle des Feuers in Gebieten mit mediterraner Vegetation ist dargestellt worden (u.a. USDA Forest Service 1977; Booysen und Tainton 1984; Goldammer und Jenkins 1990). 11
Doch der heutige Wissensstand auf diesem Feld ist nicht in allen Ländern derselbe. Besonders die anwendungsbezogenen Aspekte der Feuerforschung können nicht überall angewandt werden, da jedes Ökosystem und somit auch das Feuerverhalten unterschiedlich ist. Die weiterführende Forschung und Entwicklung zum Zweck der Anpassung an die regionalen Verhältnisse ist unerlässlich für die Umsetzung in die Praxis. „Johann Georg Goldammer ist Europas einziger Professor für Feuerökologie. Er leitet das Global Fire Monitoring Center (GFMC) und die Arbeitsgruppe Feuerökologie des Max-Planck-Instituts für Chemie, angesiedelt an der deutschen Universität Freiburg in Breisgau“. 12
Die griechische Forstwirtschaft, welche in hohem Maß nach deutschem Vorbild strukturiert ist, hatte der Rolle von Waldbränden bis Ende der 70er Jahre, keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Als sich das Problem in den 80ern allmählich abzuzeichnen begann, versuchten wissenschaftliche Mitarbeiter der Forstbehörde und der Fakultät für Forstwissenschaften der Aristoteles-Universität in Thessaloniki
9 vgl. Max-Planck-Institut, „Feuerökologie“
10 Bereits gegen Ende der 50er wurde in den USA beispielsweise das Forschungsinstitut Tall Timbers gegründet, welches sich unter anderem mit der Forschung rund um die Feuerökologie beschäftigte.
11 vgl. Max-Planck-Institut, „Einleitung“, S. 1
12 s. Brotz, S.9
9
anhand der internationalen Bibliographie, den Wissensmangel auf diesem Gebiet zu beheben. Diese Versuche erwiesen sich jedoch als unzureichend, besonders wenn es um die praktische Nutzung theoretischer Erkenntnisse ging. Hinzu kommt, dass es bis Anfang der 90er Jahre in Griechenland keinen auf Waldbrände spezialisierten Wissenschaftler gab. Dies änderte sich jedoch einige Jahre später, als eine kleine Zahl von Wissenschaftlern nach Griechenland zurückkehrte, die sich hauptsächlich in den USA auf Waldbrände spezialisiert hatten. 13 Dr. Gavriil Xanthopoulos, einige dessen Veröffentlichungen einen wichtigen Beitrag zu dieser Arbeit geleistet haben, ist einer der wenigen Waldbrandexperten in Griechenland. Er erwarb sein Diplom als Forstwirtschafter in Thessaloniki und absolvierte seine postgradualen Studien an der University of Montana. Heute ist er als Forscher auf den Gebieten Feuerverhalten, Waldbrandgefahr, Waldbrandbekämpfung und Brandgutmanagement tätig. 14
Dennoch ist die Feuerökologie in Griechenland heute noch ein praktisch unerforschtes Gebiet. Zwar ist die Anzahl der Forstwissenschaftler seit den 80ern gestiegen, aber um internationale Bibliographie, z.B. zu anwendungsorientierten Disziplinen, wie dem Feuermanagement, weiterzuentwickeln und umzusetzen werden Waldbrandspezialisten dringend benötigt.
8 1.2 Zusammenfassung
Waldbrände brechen jedes Jahr an vielen Orten auf der ganzen Welt aus. Da diese jedoch nicht überall negative Folgen nach sich ziehen, stehen nur einige Gebiete ihretwegen im Blickpunkt der Öffentlichkeit, wie z.B. Australien, Kalifornien und der Mittelmeerraum. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Rolle der Waldbrände in der griechischen Realität. Aufgrund deren großer Häufigkeit und der Tatsache, dass der Mensch nur selten in der Lage ist, die Brände unter Kontrolle zu bringen, kommt es zu einer Reihe gravierender sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Konsequenzen. Angesichts der Verschärfung der Situation in den letzten 40 Jahren, des Verlusts an Menschenleben, der Vernichtung der Lebensgrundlage vieler und der Zerstörung der Umwelt wird deutlich: Die ergriffenen Maßnahmen haben das Problem nicht gelöst. Um festzustellen, welche Maßnahmen eventuell zusätzlich
13 vgl. .) # " 1998, S. 66f
14 vgl. Xanthopoulos, G., “Curriculum Vitae”
10
erforderlich sind und inwiefern die bisherige Vorgehensweise geändert werden muss, wurde in der vorliegenden Arbeit als Erstes nach den Entstehungsursachen geforscht. Aufgrund der Vergleichbarkeit der Waldbrandsituation in den südlichen EU-Mitgliedsstaaten erschien es zudem sinnvoll, zu untersuchen, wie in diesen Ländern mit dem Problem umgegangen wird, welche Fehler begangen werden und ob woanders getroffene, erfolgreiche Maßnahmen eventuell auch in Griechenland anwendbar wären, mit dem Ziel, ein Bild des idealen Brandschutzsystems für den Mittelmeerraum zu skizzieren, dessen Realisierung zukünftig zu einer Verbesserung der Lage führen könnte.
11
2 EINFÜHRUNG IN DAS PHÄNOMEN WALDBRÄNDE
Waldbrände sind in vielen Regionen der Welt ein natürliches Phänomen, in mehreren sogar ein wichtiger Bestandteil deren Waldökosysteme. Die Geschichte des Phänomens Waldbrände reicht mehr als 300 Millionen Jahre zurück. In Steinkohleflözen an verschiedenen Stellen der Erde lässt sich aufgrund eingeschlossener Holzkohle erkennen, dass große Brände in Wäldern stattgefunden haben. Diese versanken über Jahrmillionen in Sümpfen und bildeten dort später die Kohlelagerstätten. Auch Brände in Steinkohleflözen und deren Auswirkungen auf die sie umgebende Waldlandschaft sind für prähistorische Zeiträume nachweisbar. 15
2.1 Die Rolle des Feuers in feuerabhängigen Ökosystemen
In Regionen, in denen die herrschenden Klimaverhältnisse keine ausreichende Zersetzung der Humusanlage (abgestorbenes Holz, abgefallenes Laub, Nadeln, Äste usw.) durch Mikroorganismen zulassen, da es zum Beispiel zu kalt oder zu trocken ist, wie beispielsweise in der Taiga, sind Waldbrände für die Regeneration der Wälder 16 und die Versorgung der Vegetation mit Nährstoffen und Mineralien notwendig. In anderen Gebieten, wie z.B. in den kanadischen Nadelbaumwäldern, werden Waldbrände benötigt, damit sich die Zapfen durch die Hitze in der Nähe des Feuers öffnen und Samen für die neuen Waldgenerationen freisetzen. Durch die Brände werden außerdem optimale Bedingungen für die jungen Bäumchen geschaffen, da die Konkurrenz durch andere Pflanzenarten nach einem Brand gering ist. Waldbrände regulieren die Artenzusammensetzung sowie das Alter der Vegetation und sorgen für eine große Biodiversität, welche wiederum äußerst wichtig für die Regulierung der Ausbreitung von Insekten und Krankheiten verbreitenden Arten ist. 17
Dem WWF zufolge 18 ist fast die Hälfte aller Ökoregionen weltweit (46%) von Feuer abhängig oder beeinflusst. Dazu gehören tropische und subtropische Savannen,
15 vgl. WWF 2007, S. 7
16 vgl. .) # ", 1998, S. 62
17 vgl. WWF 2005, S. 1; vgl. WWF 2007, S. 8f
18 vgl. WWF 2007, S. 8
12
immergrüne tropische Regenwälder, saisonale Wälder der Tropen und Subtropen, mediterrane Feuerlandschaften, Wälder in der gemäßigten Zone und boreale Nadelwälder (Taiga). 19 Diese feuerabhängigen Ökosysteme haben sich mit dem Feuer entwickelt. Dies bedeutet einerseits, dass die Brände deren typische Struktur und Zusammensetzung erhalten haben und andererseits, dass sich die dortige Flora und Fauna an das Vorkommen von Bränden angepasst hat, das heißt eine Widerstands- und Erholungskraft entwickelt hat, die es ihr erlaubt, die Auswirkungen der Brände zu deren Erhaltung und Entwicklung zu nutzen. Dabei sind sowohl die Anpassungsmechanismen der Pflanzen und Tiere als auch die Art, auf die jede Landschaft brennt, sehr unterschiedlich. Abhängig von natürlichen Faktoren wie Klima, Vegetationstyp, Blitzschlägen, Biomassenakkumulation oder
Geländebeschaffenheit können für eine Region beispielsweise häufige Bodenfeuer mit geringer Intensität typisch sein, wie dies in vielen Graslandschaften oder Savannen der Fall ist. Diese Art von Feuer lässt offene Landschaftsstrukturen mit vielen Sträuchern entstehen. Für andere Regionen dagegen sind selten auftretende, aber intensive Brände charakteristisch, durch welche der Bestand verjüngt wird. Ein solches Beispiel sind die Buschlandschaften des Mittelmeerraums. 20 Diese „Schemata des Auftretens, der Größe und des Ausmaßes von Bränden in einem bestimmten Gebiet oder Ökoregion einschließlich der Vegetation und den Auswirkungen des Feuers“ 21 nennt man Feuerregime. 22 „Ein natürliches Feuerregime ist das gesamte Verhaltensmuster von Bränden im Laufe der Zeit, das für ein natürliches Ökosystem charakteristisch ist“. 23
19 vgl. Max-Planck-Institut, „Feuerökologie“
20 vgl. WWF 2005, S. 1; vgl. WWF 2007, S. 8f
21 s. FAO: Glossary of forest terminology, zit. n. WWF, S. 9
22 vgl. ebd.
23 s. ebd.
13
2.2 Veränderte Feuerregime
Wie bereits erwähnt haben sich die Tiere und Pflanzen in feuerabhängigen Ökosystemen an die Brände angepasst und können dadurch deren positive Effekte nutzen. Dies geschieht allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Häufigkeit und das Ausmaß der Brände innerhalb der durch natürliche Faktoren bestimmten Grenzen liegen. Greift jedoch der Mensch ein, kann es zu gefährlichen Veränderungen der Ökosysteme kommen. „Von einem veränderten Feuerregime spricht man, wenn das derzeitige Verhaltensmuster in Schlüsselattributen wie der Häufigkeit und dem Ausmaß der Brände abweicht von der natürlichen, historischen oder ökologisch akzeptablen Variationsbreite, die für das jeweilige Ökosystem charakteristisch ist“. 24 Solche Veränderungen können verschiedener Art sein und müssen nicht unbedingt durch Brandstiftung eingeleitet werden. In den USA und Australien hat die Verhinderung kleiner, natürlicher Brände im Rahmen einer Brandbekämpfungspolitik zum Schutz der Bevölkerung dazu geführt, dass sich die typische Graslandschaft, welche auch zum Weiden von Tieren benutzt wurde, in einen dicht geschlossenen Kiefernwald umwandelte, der wiederum Brennstoff für große und äußerst zerstörerische Waldbrände lieferte. Durch eine über die ökologisch akzeptablen Maße hinausgehende Veränderung zentraler Merkmale von
24 s. WWF 2007, S. 9
14
Feuerregimes kann das Überleben der für das Ökosystem typischen Flora und Fauna und folglich dessen Artenvielfalt gefährdet werden. Das Ökosystem wird dann degradiert und seine Struktur wie Zusammensetzung verändert, es kann sich sogar zu einem völlig anderen Ökosystem mit einem neuen Feuerregime entwickeln. Wird ein solcher Kreislauf in Gang gesetzt, ist es äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich, ihn zu unterbrechen oder rückgängig zu machen. Ein Beispiel hierfür ist die zunehmende Wüstenbildung im Mittelmeerraum. 25
25 vgl. ebd., S. 9f.
15
3 DAS MEDITERRANE BZW. GRIECHISCHE FEUERREGIME
Der griechische ist wie der gesamte Mittelmeerraum eine typische Feuerlandschaft. Waldbrände kommen hier seit jeher als natürlicher Bestandteil der Ökosysteme vor.
Schon in der Antike wurden Waldbrände in Attika und anderen Gegenden erwähnt. Das für die Region typische begünstigt Ausbruch Verbreitung Waldbränden. Lange
und niederschlagsarme Sommer mit durchschnittlichen Tagestemperaturen meist weit über 30 Grad von Juni bis Oktober, manchmal sogar länger, lassen Waldstreu und Erdboden austrocknen, so dass schon ein kleiner Funken ausreicht, um ein Feuer zu entfachen. Als weiterer Einflussfaktor kommen starke Winde hinzu wie der Mistral in Frankreich, der Levante in Spanien und die Meltemia 27 in Griechenland. Diese fachen Feuer weiter an und verteilen die Funken. 28 Auch die leichten Brisen entlang der Küsten können aus einem kleinen Feuer schnell einen Flächenbrand machen. 29 In Griechenland brechen die meisten Brände in Küstengebieten aus. Die dortigen klimatischen Verhältnisse (Licht, Feuchtigkeit, Temperatur) begünstigen eine schnelle Erzeugung von Biomasse durch die Photosynthese. Die
Biomassenakkumulation erfolgt jedoch mit größerer Geschwindigkeit als jener, mit der die abgestorbene organische Substanz wieder abgebaut wird, mit dem Ergebnis, dass ein Überschuss entsteht, der ohne einen alternativen Abbauprozess das Ökosystem daran hindern würde, sich zu regenerieren. Dieser alternative Vorgang existiert in der Natur in der Form von Feuer. Wo die überschüssige organische
26 vgl. .) # " 1998, S. 62
27 starke Winde, die im Sommer aus dem Norden, Nordosten im östlichen Mittelmeer wehen
28 vgl. Velez, zit. n. WWF 2007, S. 15
29 vgl. Dimitrakopoulos, S. 1
16
Arbeit zitieren:
Ina-Eleftheria Sachariadis, 2008, Waldbrände in Griechenland, München, GRIN Verlag GmbH
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Wasserprobleme in Kalifornien, USA
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