Inhaltsverzeichnis 4
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 10
I. Theoretischer Teil
1. Grundlagen der Hypnose 12
1.1. Was ist Hypnose? 12
1.2. Eine historische Einordnung der Hypnose 12
1.2.1. Hypnose im Altertum 12
1.2.2. Die Entwicklung vom Magnetismus zur wissenschaftlichen Hypnose 14
1.3. Unterscheidung von direkter und indirekter Hypnose 16
1.3.1. Direkte Induktion 17
1.3.2. Indirekte Induktion 18
1.4. Verschiedene Phänomene und Begriffe in der Hypnose 20
1.4.1. Hypnotische Phänomene 20
1.4.2. Suggestion 24
1.4.3. Fremdsuggestion und Autosuggestion 24
1.4.4. Posthypnotischer Auftrag / Posthypnotische Suggestion 24
1.4.5. Trancelogik 24
1.4.6. Vollzug im Unterbewusstsein 25
1.4.7. Suggestive Menschen 25
1.4.8. Suggestibilität 25
1.4.9. Fremdhypnose und Selbsthypnose 26
1.4.10. Spontanhypnose 26
1.4.11. Wirkungen der Hypnose 26
1.4.12. Negative Sinnestäuschungen 26
1.4.13. Positive Sinnestäuschungen 27
1.4.14. Eingeengte Bewusstseinslage 27
1.4.15. Trance/Trancetiefe 28
1.4.16. Rapport 28
1.5. Theoretische Erklärungsansätze zur Hypnose 29
1.5.1. „Hypnose als Schlaf“ 30
1.5.2. „Hypnose als Hypersuggestibilität“ 30
Inhaltsverzeichnis 5
1.5.3. „Hypnose als konditionierte Reaktion“ 30
1.5.4. „Hypnose als Regression“ 30
1.5.5. „Hypnose als Dissoziation“ 31
1.5.6. „Hypnose als eine besondere Bewusstseinsstufe“ 32
1.5.7. „Hypnose als Rollenhandeln“ 32
1.5.8. „Hypnose als Realitätsverkennung“ 32
1.5.9. „Theorie der Hypnose als Alltag“ 33
1.6. Theorien der Hypnose nach der modernen Wissenschaftsauffassung 33
1.6.1. Die State-Theorien 33
1.6.2. Die Non-State-Theorien 35
1.6.3. Hypnose in der Tradition von Erickson 36
1.6.4. Problem der modernen Hypnosetheorien 37
1.6.5. Hypnose im Fouries ökosystemischen Ansatz 39
1.7. Anwendungsmöglichkeiten und Anwendungsgebiete 41
1.7.1. Hypnose in der Medizin 41
1.7.2. Hypnose in Klinischer Psychologie und Psychiatrie 42
1.7.3. Hypnose im forensischen Bereich 43
1.7.4. Hypnose bei Sport 43
1.8. Modellbeispiel einer Hypnosesitzung 44
1.9. Abgrenzung/Gefahren/Kritik/Ängste zu Hypnose 45
2. Grundlagen der Verhaltenstherapie 47
2.1. Was ist Verhaltenstherapie bzw. kognitive Therapie? 47
2.2. Entwicklung der Verhaltenstherapie 48
2.3. Theoretische Grundlagen der Verhaltenstherapie 49
2.3.1. Lerntheoretisch 49
2.3.2. Soziale Lerntheorien 50
2.3.3. Kognitive Lernmodelle 50
2.4. Verhaltenstherapeutische Methoden und Techniken 51
2.4.1. Kognitiv-behaviorale Therapie 51
2.4.2. Kognitive Therapie 52
2.4.3. Biofeedback 52
2.4.4. Systematische Desensibilisierung 52
2.4.5. Reizkonfrontation 53
Inhaltsverzeichnis 6
2.4.6. Angewandte Anspannung 54
2.4.7. Angewandte Entspannung 54
2.4.8. Informationsvermittlung 54
2.4.9. Stress-Management 54
2.4.10. Nondirektive Therapie 55
2.4.11. Training sozialer Kompetenz 55
2.5. Hypnose und Verhaltenstherapie 55
2.5.1. Vorteile der Methodenkombination 56
3. Angststörungen 60
3.1. Phobische Störungen 61
3.1.1. Agoraphobie 62
3.1.2. Soziale Phobie 62
3.1.3. Spezifische Phobie 62
3.2. Andere Angststörungen 63
3.2.1. Panikstörung 63
3.2.2. Generalisierte Angst 63
4. Grundlagen von Meta-Analysen 64
4.1. Einführung in die Meta-Analyse 64
4.2. Effektgrößen 65
4.2.1. Verschiedene Arten zur Berechnung von Effektstärken 66
4.2.2. Weitere Darstellungen von Effektgrößen 70
4.3. Probleme bei der Erstellung von Meta-Analysen 70
4.3.1. Inklusionskriterien 71
4.3.2. Fehlenden Angaben in Primärstudien 72
4.3.3. Berechnung von Effektgrößen 73
4.3.4. Einfluss der Stichprobe auf die Effektgrößen 74
4.3.5. Einfluss der Variablen auf die Effektgrößen 75
4.3.6. Interpretation der Effektstärken 75
4.3.7. Sonstige Probleme bei Meta-Analysen 75
4.4. Metaanalysenprogramm von Ralf Schwarzer 76
4.4.1. Allgemeine Informationen 77
4.4.2. Was leistet das Programm? 77
4.4.3. Genauere Betrachtung der Rechenverfahren 77
Inhaltsverzeichnis 7
4.4.3.1.Ergänzende Bemerkungen zu den verschiedenen Rechenverfahren 80
4.4.3.1.1. Wahrscheinlichkeiten (p-Werte) 80
4.4.3.1.2. Effektstärke (d-Werte) 81
4.4.3.1.3. Effektstärke (r-Werte) 81
4.4.4. Zusätzliche Rechenverfahren (Utilities) 82
4.4.4.1.„Conversions to r“ 82
4.4.4.2.„Effect Sizes d“ 82
4.4.4.3.„Significance of Correlation“ 83
4.4.4.4.„Weighted M, Variance Correlation“ 83
4.4.4.5.„t-Test“ 83
4.5. Methoden und Ergebnisse bereits durchgeführter Meta-Analysen 83
4.5.1. Smith, Glass und Miller (1980) 84
4.5.2. Grawe, Donati und Bernauer (1994) 85
4.5.3. Revenstorf und Prudlo (1994) 87
4.5.4. Romminger (1995) 88
4.5.5. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis (2000) 89
4.5.6. Bongartz, Flammer und Schwonke (2002) 89
4.5.7. Weitere Veröffentlichungen 90
5. Fragestellungen der Untersuchung 92
II. Empirischer Teil
6. Material und Methodik der Untersuchung 94
6.1. Literaturrecherche 94
6.2. Auswahlkriterien der Studien 94
6.3. Kodierung der Studien 95
6.4. Berechnung der Effektstärken 96
6.5. Weitere Berechnungen 98
7. Ergebnisse der Untersuchung 101
7.1. Effektivität von Verhaltenstherapie bei Angststörungen 102
7.1.1. Effektivität psychologischer Therapien von spezifischer Phobie 102
7.1.2. Effektivität psychologischer Therapien von sozialer Phobie 104
7.1.3. Effektivität psychologischer Therapien von Panik und Agoraphobie 106
7.2. Beschreibung der ausgeschlossenen Studien 109
7.2.1. Ammond, D M et al (1971) 110
Inhaltsverzeichnis 8
7.2.2. Johnson, L. R. et al (1984) 111
7.2.3. Spies, G. (1979) 111
7.2.4. Sapp, M. (1991) 112
7.2.5. Benson, H. (1978) 112
7.2.6. Stetter, F. (1994) 113
7.2.7. Glick, B. S. (1970) 114
7.3. Beschreibung der aufgenommenen Hypnosestudien 114
7.3.1. Agoraphobie (F 40.0) 116
7.3.1.1.Dyck, R. V. et al (1997) 116
7.3.2. soziale Phobie (F 40.1) 119
7.3.2.1.Stanton, H. E. (1991) 119
7.3.3. spezifische Phobie (F 40.2) 120
7.3.3.1.Horowitz, S. L. (1970) 122
7.3.3.2.O´Brien, R. et al (1981) 123
7.3.3.3.Hammerstrand, G. et al (1995) 124
7.3.3.4.Moore, R. et al (1996) 125
7.3.3.5.Boutin, G. E. et al (1983) 126
7.3.3.6.Melnick, J. et al (1976) 127
7.3.3.7.Stanton, H. E. (1988) 128
7.3.3.8.Stanton, H. E. (1992) 128
7.3.3.9.Stanton, H. E. (1984) 129
7.3.4. Panikstörung (F 41) 130
7.3.4.1.Stanton, H. E. (1978) 131
7.3.4.2.O´Neill, L. M. et al (1999) 131
7.3.4.3.Stanton, H. E. (1984) 132
7.3.5. Zusammenfassende Auswertung der Meta-Analyse 133
7.3.5.1.Vergleich von „reiner Hypnosetherapie“ und „kombinierter
Hypnosetherapie “ 134
7.3.5.2.Vergleich von Prä-Post und Prä-Follow-up bei Hypnosetherapie 138
7.3.5.3.Zusammenfassung 141
7.4. Vergleich von Verhaltenstherapie und Hypnose 142
7.4.1. Prä-Post Vergleich 142
7.4.2. Prä-Follow-up Vergleich 148
Inhaltsverzeichnis 9
7.4.3. Zusammenfassung 154
8. Diskussion und Zusammenfassung 156
8.1. Möglichkeiten und Grenzen der Meta-Analyse 159
8.2. Anmerkungen zu Effektstärkenberechnungen 160
8.3. Kritik und Verbesserungsvorschläge 161
9. Literaturverzeichnis 164
Anhang
Anlage X 1: Effektstärkenübersicht der Hypnosestudien 194
Anlage X 2: Mittelwerte, Standardabweichung, sonstige Parameter 200
Anlage X 3: Berechnungsbeispiele aus dem Meta-Analysen-Programm
(Schwarzer, 1989) 210
Einleitung 10
___________________________________________________________________________ Einleitung
Hypnose ist ein sehr altes und zugleich modernes Heilverfahren. Es ist stark in medizinischen und psychotherapeutischen Anwendungen verbreitet. In den letzten 50 Jahren hat diese Therapieform vielfältige Veränderungen durchgemacht und sich zu einem differenzierten Behandlungsansatz entwickelt, der sich direkter, indirekter, symptom- und problemorientierter, aufdeckender und lösungsorientierter Verfahren bedient, und mit dem sich akute und chronische Schmerzen, psychosomatische Probleme, Ängste, Traumata, Verhaltensstörungen, Abhängigkeiten und vieles andere beeinflussen lassen. In dieser Diplomarbeit wird die Effektivität von verschiedenen Behandlungsmethoden in Bezug auf Angststörungen untersucht. Zu Beginn der Diplomarbeit wird ein umfangreicher Überblick zur Hypnose abgefasst. Darin wird Hypnose zunächst historisch eingeordnet und anschließend deren Phänomene, Techniken und Begriffe erklärt. Anschließend wird versucht, die Vielzahl verschiedener grundlegender Theorien zum Thema Hypnose darzustellen und einzuordnen. Nachfolgend wird von Anwendungsmöglichkeiten und Anwendungsgebieten der Hypnose berichtet und ein Modellbeispiel einer Hypnosesitzung vorgestellt. Am Ende des Kapitels wird Hypnose in kritischer Hinsicht beurteilt.
An der durchgeführten Untersuchung hat Verhaltenstherapie einen maßgeblichen Anteil und wird deshalb in Kapitel 2, wenn auch nicht so ausführlich, ebenfalls historisch eingeordnet und erläutert. Ergänzend wird auf die Kombination von Hypnose und Verhaltenstherapie gesondert eingegangen.
In Kapitel 3 werden dann die untersuchten Angststörungen, Agoraphobie, soziale Phobie, spezifische Phobie und Panikstörungen, nach dem ICD-10 definiert. Im darauf folgenden Kapitel 4 sollen die methodologischen Grundlagen dargestellt werden, die zum Verständnis der durchgeführten Untersuchung notwendig sind. Dabei wird auf Probleme von Meta-Analysen hingewiesen und erklärt, wodurch es bei Meta-Analysen zu unterschiedlichen Ergebnisse kommen kann. Um die Durchführung zukünftiger Meta-Analysen zu erleichtern, wird in dem Kapitel ein weit verbreitetes Meta-Analysen-Computerprogramm von Schwarzer (1989) erklärt. Zum Abschluss des Kapitels wird eine Übersicht von bereits durchgeführten Meta-Analysen, in denen Hypnosetherapie untersucht wurde, vorgestellt.
Hauptziel dieser Diplomarbeit ist es, die Wirksamkeit von Hypnosetherapie bei den ausgewählten Angststörungen Agoraphobie, soziale Phobie, spezifische Phobie und
Einleitung 11
___________________________________________________________________________ Panikstörungen zu bestimmen und diese mit verhaltenstherapeutischen Behandlungsmethoden zu vergleichen. Die Fragestellungen dazu werden in Kapitel 5 formuliert. Anschließend werden in Kapitel 6 die metaanalytischen Grundlagen definiert und auf zusätzliche Ausführungen hingewiesen. Im nachfolgenden Kapitel 7 erfolgt dann die Beschreibung der Hypnosestudien und Meta-Analysen die zu der Untersuchung herangezogen wurden. Auf Basis von berechneten und gemittelten Effektstärken erfolgt dann schließlich der Vergleich zwischen Hypnosetherapie und Verhaltenstherapie.
Am Ende der Arbeit werden in Kapitel 8 die Erkenntnisse der Arbeit, auch in Bezug auf Meta-Analysen, nochmals zusammengefasst und kritisch bewertet.
Grundlagen der Hypnose 12
___________________________________________________________________________ 1. Grundlagen zu Hypnose
1.1 Was ist Hypnose?
Eine genaue Definition von Hypnose ist immer noch schwierig, obwohl man ihre Phänomene inzwischen gut kennt. Wie mannigfaltig diese Definitionsversuche sein können, zeigt Kossak (1997, S.64) auf. Aus diesem Grund wird nicht näher auf eine allgemeingültige Definition eingegangen, weil der Begriff Hypnose, wie auch der Begriff Verhaltenstherapie, nicht die unzähligen dahinter verborgenen Variationen alleine erklärt. Sehr vereinfacht kann man jedoch bei Hypnose feststellen, dass es zwischen Wachzustand und dem Schlaf so etwas wie einen „schlafähnlichen Bewusstseinzustand“ gibt. In diesem Zustand sind die körperlichen Funktionen herabgesetzt, während die geistigen aktiviert sind. Die Hypnose kann demnach als ein vorübergehender Zustand veränderter Aufmerksamkeit beim Patienten, in dem verschiedene Phänomene spontan oder als Reaktion auf verbale und andere Reize auftreten können, verstanden werden. Diese Phänomene umfassen eine Veränderung des Bewusstseins und des Gedächtnisses, gesteigerte Empfänglichkeit für Suggestionen sowie Antworten und Gedanken beim Patienten, die ihm in seinem gewohnten Geisteszustand nicht vertraut sind. Unter anderem können im hypnotischen Zustand Phänomene wie Anästhesie, Paralyse, Muskelstarre und vasomotorische Veränderungen hervorgerufen und unterdrückt werden.
Eine genauere Beschreibung der Hypnose geben die nun folgenden Themengebiete.
1.2 Eine historische Einordnung der Hypnose
Die erhaltenen Keilschriften aus den Ländern an Euphrat und Tigris zeigen uns, dass das älteste bekannte Kulturvolk der Erde, die Sumerer, bereits im vierten Jahrtausend vor Christus eine Art Hypnose gebrauchten (Kossak, 1997).
1.2.1 Hypnose im Altertum
In der berühmten Priesterschule von Erech wurde seit urdenklichen Zeiten ein geschriebenes Werk aufbewahrt, das der Beweis dafür ist, dass in jenen Zeiten besonders ausgebildete Priesterärzte Kranke durch hypnotische Suggestionen im Schlaf heilten. Auch waren damals schon die drei Stufen, wie leichte, mittlere und tiefe Hypnose, des hypnotischen Zustandes bekannt, ähnlich wie heute die gleichen Stufen der Hypnose unterschieden werden.
Grundlagen der Hypnose 13
___________________________________________________________________________ Auch in der ältesten Sanskriturkunde der Inder, in Manus Gesetzbuch, werden bereits ähnliche Einleitungen der Hypnose beschrieben. Damals wurde es noch als Wachschlaf, Traumschlaf und Wonneschlaf bezeichnet. Bei vielen fortgeschrittenen Yogatechniken spielt die Selbsthypnose eine große Rolle (Jacobson, 1967).
Im alten Ägypten wurde Hypnose ebenfalls schon als therapeutisches Mittel verwendet. Auf einem dreitausend Jahre alten Papyrus, dem sogenannten Papyrus Ebers, sind die Methoden beschrieben, mit deren Hilfe die Heiler damals die Hypnose anwendeten. Sie sind den heutigen Methode sehr ähnlich. Die Heiler leiteten die Hypnose ein, indem sie den Kranken glänzende Metallscheiben vor die Augen hielten, um die Augen zu ermüden und so den hypnotischen Schlaf herbeizuführen. Dies kann mit der heute gebräuchlichen Fixationsmethode verglichen werden (Kossak, 1997).
Auch bei den Griechen war die Hypnose bekannt. Sie bezeichneten sie als Tempelschlaf. Die Kranken, die den Tempel aufsuchten, mussten zunächst eine bestimmte Diät einhalten. Die Vorbereitungen auf die eigentliche Behandlung wurden mit wohlriechenden Bädern und rituellen Waschungen fortgesetzt. Danach erzählte ein Priester den Kranken von den bereits erfolgten Heilungen, um sie auf das bevorstehende Ereignis einzustimmen und die Erwartungsspannung zu erhöhen. Dann erst durften sich die Kranken im Tempel zum Schlaf niederlegen. Während des Schlafes flüsterten Priester jedem Kranken bestimmte Suggestionen ins Ohr, damit diese unter dem Eindruck der Tempelatmosphäre ihre Selbstheilungskräfte aktivieren konnten. Vorher mussten sie geloben, all das was ihnen die Götter im Schlaf kundtun würden, auch zu befolgen (Ludwig, 1964). Die Anwendung der Hypnose in Form des Tempelschlafs hielt sich bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts. Dann übernahmen mehr und mehr christliche Mönche das Erbe der Tempelpriester mit Gebeten, Weihwasser und Reliquien von Märtyrern sowie durch Handauflegen. Daran beteiligten sich auch Päpste und Könige (Lichtenthaeler, 1982).
Im 11. Jahrhundert ist die erste Überlieferung der Selbsthypnose bei den Mitgliedern eines Mönchsordens, den Hesychasten auf dem Berg Athos zu finden. Diese pflegten eine Art Selbsthypnose dadurch herbeizuführen, dass sie den Blick beider Augen auf den eigenen Nabel richteten. Daher Omphalopsychiker oder Nabelschauer genannt. Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493 - 1541), bekannt als Paracelsus, lehrte, dass der entscheidende Antrieb aller Heilungen der innere Arzt sei. Er berichtete, dass Mönche Kranke dadurch heilten, dass sie diese in glänzende Kristallkugeln blicken ließen. Die Kranken seien danach gewöhnlich in einen tiefen Schlaf gesunken. Im Schlaf gaben die
Grundlagen der Hypnose 14
___________________________________________________________________________ Mönche den Kranken dann die entsprechenden Suggestionen zur Genesung. Erst die Inquisition ließ diese Form der Heilkunst in Vergessenheit geraten und stellte die Anwendung dieser Verfahren unter Strafe. Jeder der sie ausübte, geriet in Gefahr, als Teufelsbeschwörer verbrannt zu werden (Jovanovic, 1988).
1.2.2 Die Entwicklung vom Magnetismus zur wissenschaftlichen Hypnose Im Jahr 1646 berichtete der Jesuitenpater Athanasius Kirchner (1606 - 1680) aus Rom in seinem Buch „Experimentum Mirable“ von der ,,Verzauberung" eines Hahnes. Dies war die erste wissenschaftlich behandelte klassische Erscheinung der sogenannten Tierhypnose und kann als Vorläufer des Mesmerschen ,,Magnetismus animalis" angesehen werden (Kossak, 1997).
Ein anderer Jesuitenpater und bekannter Astronom, Professor Maximilian Hell (1720 - 1792), führte bereits zahlreiche ,,magnetische Kuren" durch. Er fertigte Magnete an und befestigte diese auf den schmerzhaften Körperstellen. Die Ergebnisse waren überraschend. Er heilte durch diese Kuren so 60 bis 70 Prozent der Kranken (Kossak, 1997). Durch solche Berichte wurde Franz Anton Mesmer (1734 - 1815) zu der Erkenntnis angeregt, dass es zum Hervorrufen dieser Erscheinungen eigentlich gar keines Himmel-, Mineral- oder Eisenmagnetismus bedürfe. Es genüge die Wirkung des von dem Kranken ausgehenden ,,Fluidums" zur Magnetisierung. Er nannte dies ,,Magnetismus animalis", also den tierischen Magnetismus.
Mit Mesmer begann somit die moderne Geschichte der Hypnose. Er übertrug dieses ,,Fluidum" durch Streichbewegungen auf die Kranken (von Kopf bis Fuß), mit dem nach ihm benannten ,,Mesmerschen Strichen". Im Jahr 1775 schickte Mesmer ein Rundschreiben an alle bedeutenden Ärzte, in dem er in 27 Lehrsätzen seine Theorie erklärte. Durch seine aufsehenerregenden Heilerfolge machte er sich in der Ärzteschaft große Feinde. Er floh von Wien nach Paris, wo er viele Freunde und begeisterte Anhänger fand. Auf Anforderung des Königs wurde 1784 von der französischen Akademie der Wissenschaften eine Kommission gebildet, die die Lehren Mesmers überprüfen sollte. Diese Kommission verwarf die Lehre Mesmers und erklärte die ,,tierisch-magnetische Fluidum-Theorie" für unwissenschaftlich. Die Heilergebnisse des Mesmerismus wurden der Einbildungskraft zugeschrieben. Somit gab Mesmer, obwohl von falschen Voraussetzungen ausgehend, den Anstoß, dass die Hypnose international wissenschaftlich geprüft wurde. Demnach ist Mesmer als ein Vorkämpfer der modernen Psychotherapie zu bezeichnen (Kossak, 1997).
Grundlagen der Hypnose 15
___________________________________________________________________________ Den Anstoß zur heutigen Suggestionslehre gab der portugiesische Abbé Faria (1755 - 1819). Er hatte in Indien hypnotische Erscheinungen studiert und war zu der Überzeugung gekommen, dass zur Erzeugung des hypnotischen Schlafs keinerlei Fluidum seitens des Hypnotiseurs erforderlich ist, sondern dass die Suggestion die entscheidende Wirkung auslöse. Seine Hypnosemethode bestand darin, dass er einfach an den Kranken herantrat, ihn scharf anblickte und ihm plötzlich zurief: ,,Dormez!" (Schlafen Sie!). Fast 50 Prozent der Kranken fielen dabei schon in Hypnose. Mann kann dies als Vorläufer der Spontanhypnose (siehe Kapitel 1.4.10) deuten.
Einen entscheidenden Schritt zur Weiterentwicklung der Hypnose tat im Jahre 1841 der englische Augenarzt James Braid (1795 - 1860) aus Manchester. Er benutzte seine Frau und Freunde als Versuchspersonen. Zu seiner eigenen Überraschung gelang es ihm, diese in einen hypnotischen Schlaf zu versetzen, indem er ihnen einen glänzenden Gegenstand vor die Augen hielt. Durch seine Tätigkeit als Augenarzt war ihm bekannt, dass die Fixation eines glänzenden Gegenstandes Müdigkeit hervorruft. Er nannte diesen künstlichen Schlaf ,,Hypnose", nach dem griechischen Wort „hypnos“ (Braid, 1843).
Emile Coué (1857 - 1926) entwickelte die Lehre von der Autosuggestion. Er erkannte, dass die Hypnose im Grunde eigentlich immer Selbsthypnose ist. Der Hypnotiseur erzeugt in der Versuchsperson lediglich eine mehr oder weniger starke Vorstellung der beabsichtigten Wirkung. Er prägte den Lehrsatz: ,,Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns, sondern die Vorstellungskraft.“(Kossak, 1997)
Die Erforschung einer anderen Seite der Hypnose ist ein Verdienst des russischen Forschers I. P. Pawlow (1849 - 1936). Nach zahlreichen Versuchen mit Tieren fasste er seine Erkenntnis wie folgt zusammen: ,,Jeder dauernde oder systematisch sich wiederholende Reiz, der durch entsprechende Nervenbahnen einen bestimmten Punkt der Hirnrinde erreicht, führt früher oder später zu einer zwangsartigen Schläfrigkeit, dann zum Schlaf bzw. zur Hypnose.“(Pawlow, 1927).
Braid prägte im 19. Jahrhundert den heutigen Begriff Hypnose, indem Hypnose zu dieser Zeit von englischen und schottischen Ärzten mit Erfolg zur Analgesie in der Chirurgie eingesetzt wurde (Jovanovic, 1988).
Um die Jahrhundertwende wurde die durch den Einsatz chemischer Betäubungsmittel in Vergessenheit geratene Hypnose insbesondere von Charcot, aber auch von seinen Schülern Janet und Freud, als psychiatrisch charakterisiertes Phänomen wiederentdeckt.
Grundlagen der Hypnose 16
___________________________________________________________________________ Gleichzeitig beschäftigten sich Liebeault und Bernheim mit der Hypnose als normalpsychologischem Phänomen. So durchlief die Hypnose einen Wandel von einer religiös-spirituellen zu einer eher wissenschaftlichen Charakterisierung. In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts verblasste jedoch wieder das Interesse an der Hypnose, woran Freud durch seine spätere Missbilligung der Hypnose aufgrund ihrer mangelnden Zuverlässigkeit einen nicht unerheblichen Beitrag leistete (Pattie, 1967; Kline, 1958). In der praktischen Nutzanwendung lebt sie heute hauptsächlich in der eingeschränkten Form des von Schultz (1932) begründeten Autogenen Trainings weiter, das sich als eine Art Selbsthypnose mit formelhaftem Inhalt bezeichnen lässt.
Mit Beginn der dreißiger Jahre versuchte die Forschung, hier ist besonders Hull (1933) zu erwähnen, die Hypnose weitgehend mit experimentellen Methoden zu erfassen, etwa mit Hilfe einer Standardisierung der hypnotischen Phänomene oder der psychometrischen Erfassung der Suggestibilität. T.X. Barber (1984) hinterfragte insbesondere die Notwendigkeit formeller Induktion und die charakteristische Qualität des hypnoiden Zustandes.
Ab 1950 und später, nahm die Hypnose in der praktischen Nutzanwendung, wie z.B. in der klinischen Psychologie, immer mehr zu. Von großer Bedeutung war hier Milton H. Erickson (1901-1980), der die Hypnose insbesondere bei Verhaltensstörungen, Neurosen und psychosomatischen Beschwerden anwandte (siehe Kapitel 1.6.3). Heute ist Hypnose Bestandteil der Forschung und Wissenschaft und es werden moderne Hypnosemethoden in der Praxis angewendet (Revenstorf, 1993).
1.3 Unterscheidung von direkter und indirekter Hypnose
Vor hypnotischen Phänomenen bzw. der hypnotherapeutischen Phase liegen die Induktions- oder Einleitungsverfahren. Unterscheiden kann man hauptsächlich zwei Formen, die direkte und die indirekte Induktion.
Untersuchungen, die Effektivitätsnachweise bzw. Unterschiede zwischen direktem und indirektem Stil erforschen, sind sehr spärlich. Die wenigen Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Differenz im jeweiligen Untersuchungsdesign klein ist (Edwards, 1979; Mullins, 1980). Hammond (1986) führt ganz im Sinne von Erickson an, dass beide Vorgehensweisen je nach Therapiesituation flexibel genutzt werden sollten. Es kann deshalb auch von Interesse sein, welche Induktionsmethode in den Primärstudien verwendet wurde.
Grundlagen der Hypnose 17
___________________________________________________________________________
1.3.1 Direkte Induktionen
Die der Allgemeinbevölkerung aufgrund verschiedener Bühnenshows, im Fernsehen usw. am besten bekannte Induktionsmethode ist die Technik der klassischen direkten Hypnose nach Schultz (1932). Hierbei wird Schritt für Schritt über Verbalsuggestionen die Trance aufgebaut. Ziel der Instruktion ist es, den Klienten in einen Zustand der Müdigkeit und Entspannung zu führen. Zunächst wird hierzu seine Aufmerksamkeit meist auf einen äußerlichen Punkt oder Gegenstand gelenkt und durch verbale Suggestionen fixiert. Eine verwendete Form hierbei ist z.B. die Fixationsmethode. Dabei richtet der Klient seine Augen z.B. auf ein unbewegtes Objekt, wie Finger des Hypnotiseurs oder einen Punkt im Raum. Dieses längere Fixieren bewirkt eine erhöhte Anspannung der Muskeln der Augenlider, der Augäpfel und der Pupillen, was zu deren Ermüdung und somit zum Lidschluß führt. Im weiteren Verlauf der direkten Induktion beschreiben Suggestionen relativ genau die subjektiv wahrnehmbaren und vom Suggestor gewünschten Veränderungen. Vorrangig kommen direkte Suggestionen zum Einsatz, wie z.B. „Sie sehen einfach nur auf diesen Punkt“. Auf diese Weise soll letztendlich die Aufmerksamkeit in entspannender Art und Weise nach innen gelenkt werden.
Andere Vorgehensweisen lenken die Aufmerksamkeit auf den Körper (sensorische Wahrnehmung) oder ein anderes inneres Erleben (Handlevitation). Das gleichmäßige monotone und wiederholte Vortragen der Suggestionen soll das Erreichen der Trance erleichtern. Bei sehr genauen Zustands- und Veränderungsbeschreibungen durch den Hypnotiseur, ohne Berücksichtigung des persönlichen Tempos oder den persönlichen Ambivalenzen des Klienten bzgl. der Induktionsinhalte, kann es zu Abweichungen in der subjektiven Wahrnehmung des Klienten kommen bzw. der Klient fühlt sich zu sehr dirigiert, sodass er letztendlich mit Widerstand reagiert.
Alle direkten Induktionsverfahren, die mit genauen dirigistischen autoritären Anweisungen arbeiten, können bei entsprechenden Personen Abwehrreaktionen hervorrufen. Durch das autoritäre Auftreten des Hypnotiseurs wird bei dieser Methode insbesondere der kindlichregressive Anteil im Probanden angesprochen und der Anteil der Fremdbestimmtheit gefördert.
Im Gegensatz zu den ganz frühen autoritären Fixationsmethoden, wird heutzutage bei den direkten Methoden mehr Wert auf die Wahrnehmung des Individuums und seiner persönlichen Veränderung gelegt. Genaue Beobachtung und eine gewisse Anpassung des
Grundlagen der Hypnose 18
___________________________________________________________________________ Hypnotiseurs sind die Regel. Trotz dieser Flexibilisierung ist der Rahmen sehr eng und wird erst bei der indirekten Induktion entscheidend erweitert.
1.3.2 Indirekte Induktionen
Der Allgemeinbevölkerung weniger bekannt ist die Technik der indirekten Hypnose, weil dieser wesentlich subtilere Züge enthält und aufgrund ihrer eingeschränkten Publikumswirksamkeit nicht so stark propagiert wird. Sie wurde zum großen Teil von M.H. Erickson (1948) konzipiert. Sie betont stärker die Einzigartigkeit des Patienten und der besonderen, vertrauensvollen Beziehung zwischen Hypnotiseur und Hypnotisiertem. Trance wird als sehr persönliche Erfahrung betrachtet, ebenso der Weg (Induktion) dorthin. Universelle formalisierte Induktionen werden als unrealistisch abgelehnt. Man möchte dadurch, im Gegensatz zur direkten Hypnose, autonome Prozesse beim Probanden berücksichtigen und zur Geltung kommen lassen. Es werden meist lediglich indirekte Suggestionen benutzt, z.B. „Während Sie mir zuhören, dürfen Ihre Gedanken Ihre eigenen Wege gehen“. Nach Möglichkeit versucht man, auf individuelle Präferenzen des Probanden in der Wahrnehmung, sozialer Interaktion, kognitiven Stil usw. Rücksicht zu nehmen (Utilisationsprinzip). Treten unmittelbare Reaktionen auf, so werden diese vom Hypnotiseur nach Möglichkeit so genutzt, dass sie die erwünschte Reaktion begünstigen (Inkorporation) (Heigl, 1993). Im Utilisationsansatz geht es darum, augenblickliches Erleben zur Kenntnis zu nehmen und darauf einzugehen, sowie Veränderungen in den sensorisch-perzeptiven, emotionalen und kognitiven Prozessen wahrzunehmen und sie zur Herbeiführung der Trance zu nutzen. Die Trance kann aber auch aus einem unverfänglichen Gespräch entstehen, in dessen Verlauf die Aufmerksamkeit immer mehr nach innen gelenkt wird und Inhalte angeboten werden, die die Imagination stimulieren z.B. Erinnerungen an Kindheit oder Schule. Bei der utilisativen Induktionsform wird auch die augenblickliche Stimmungslage oder das Bewegungspotential akzeptiert und genutzt, wie z.B. ein Bewegungsdrang wird zum Sitzen und zur Ruhe geleitet und schließlich in Entspannung und Trance geführt (Erickson 1979). Angewandte Formen der indirekten Induktion/Suggestion sind z.B. die Einstreutechnik, Gemeinplätze/ Tautologien/ Binsenweisheiten, vage zeitliche Angaben, Abdecken aller Möglichkeiten einer Kategorie von Reaktionen oder Bindung und Doppelbindung (siehe Tabelle 1.3.2.1).
Grundlagen der Hypnose 19
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Tabelle 1.3.2.1: Möglichkeiten der indirekten Suggestionen (entnommen aus Kossak 1997, S.138-139).
Um den Klienten für ungewöhnliche Erlebnisse und Denkweisen zu öffnen, bietet sich eine Konfusion an, die durch zunächst verworrene aber erscheinende Mitteilungen erreicht werden kann. Das kann wie folgt geschehen: „Sie können träumen dass sie wach sind, obwohl sie sich in Trance befinden. Oder sie können so tun, als ob sie in Trance sind, obwohl sie wach sind. Und obwohl sie nicht richtig zu wissen glauben, was die Trance eigentlich ist, können sie das Bedürfnis verspüren sie zu erleben und tiefer und tiefer sich in Trance begeben.“ (Revenstorf, 1983). Dem Verhalten des Klienten zu folgen und es zunächst evtl. wiederzuspiegeln und rückzumelden (pacing), sowie Veränderungen zu initiieren, die in die Trance führen (leading), sind weitere grundlegende Induktionsprinzipien. Immer geht es darum, dass Klienten den hypnotischen Zustand auf eine ihnen angemessene Weise erreichen.
1.4 Verschiedene Phänomene und Begriffe in der Hypnose
Bei der Frage nach eindeutigen Merkmalen, die die Hypnose beschreiben, stößt man auf das Problem, dass Phänomene, die unter Hypnose in Erscheinung treten können, nicht ausschließlich und zwangsläufig in Zusammenhang mit Hypnose auftreten, sondern auch im normalpsychologischen und pathologischen Bereich ihren Platz haben (Svoboda, 1984). Um ein besseres Verständnis von der Hypnose zu erhalten, werden in den folgenden Kapiteln erst verschiedene Begriffe und Eigenschaften in Zusammenhang mit Hypnose erläutert und anschließend, werden auftretende Phänomene mit einigen Beispielen beschrieben. Die Phänomene sollen jedoch weder als hypnosespezifisch betrachtet werden, noch erheben diese einen Anspruch auf Vollständigkeit.
1.4.1 Hypnotische Phänomene
Werden die gängigen Induktionstechniken (siehe Kapitel 1.3) angewandt, so kann man zunächst einen herabgesetzten Muskeltonus beobachten, der vom Hypnotisierten als ein Gefühl der Schwere wahrgenommen wird und auch als ein solches vom Hypnotiseur suggeriert wird. Die Atemintensität und auch die Herzfrequenz werden vermindert. Die
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___________________________________________________________________________ peripheren Gefäße weiten sich, was zu einem Gefühl der Wärme führt und häufig tritt auch eine allgemeine Umstellung des Stoffwechsel- und Ernährungszustandes ein, was sich z.B. in einer Veränderung der Magengeräusche äußert (Svoboda, 1984). All diese Ereignisse treten jedoch auch gehäuft bei einem allgemeinen Zustand der Entspannung auf. Hier wird das Problem einer eindeutigen Abgrenzung deutlich. Der sogenannte „hypnoide Zustand“, der v.a. auch durch die Dissoziation vom Alltag, d.h. durch die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf Realitätsfremdes gekennzeichnet ist, zeigt sich z.B. beim lesen eines spannenden Buches (evasorisches Lesen), wenn sich der Leser ganz in der Welt die der Autor aufbaut befindet.
Welche Verhaltens- und Erlebensweisen in Hypnose nun konkret auftreten, hängt sehr stark von den Suggestionen bzw. von den bearbeiteten Inhalten und der Suggestibilität des Klienten ab. Bei Fortbestand der Trance können kataleptische Reaktionen beobachtet werden. Es tritt ein besonders unwillkürlicher Muskeltonus ein, der zu "wächsernen Biegsamkeit" führt, was sich beim Hypnotisierten z.B. im Lidschluss äußert und im subjektiven Gefühl der Unfähigkeit, etwa die Augen zu öffnen oder den Mund zu verziehen, die Arme zu heben oder aufzustehen. Im Gegensatz dazu, kann der Hypnotisierte durch Suggestionen der Leichtigkeit auch in die Lage versetzt werden, z.B. die Arme über größere Zeiträume ohne nennenswerten Kraftaufwand in der Luft „schweben“ zu lassen (Levitation) (Kossak, 1989) Ungewöhnlich ist die verzerrte Wahrnehmung der während der Trance vorübergehenden Zeitspanne. Wenn nichts Gegenteiliges suggeriert wird, unterschätzen die meisten Hypnotisierten die tatsächlich verstrichene Zeit fast um die Hälfte (Zeitverdichtung). Es kann aber auch die gleiche Zeitspanne als ein stundenlanges Ereignis suggeriert und so wahrgenommen werden (Zeitausdehnung) (Svoboda, 1984).
Weitere von der Zeit abhängige hypnotische Phänomene sind die Revivifikation und die Altersregression. Bei der Revivifikation erlebt der Patient vergangene Begebenheiten aus seinem Leben noch einmal. Alle späteren Erinnerungen, die sich auf die Zeit nach der revivifizierten Altersstufe beziehen, sind für den Zeitraum der Trance „gelöscht“. Bei der Altersregression wird ebenfalls Vergangenes wiedererlebt, spätere Erinnerungen sind aber nicht gelöscht.
Das Phänomen der Altersprogression sollte nur nach sorgfältiger Abwägung evoziert werden. Es handelt sich hierbei um eine Pseudo-Orientierung in der Zeit, d.h. der Klient wird in die „Zukunft“ versetzt. Er wird z.B. gebeten, ein Ereignis, das real erst noch bevorsteht, als „Erinnerung“ zu schildern. Dies ist z.B. bei der Vorbereitung eines Patienten auf größere
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___________________________________________________________________________ medizinische Maßnahmen wie Operationen und Chemotherapien sinnvoll, um latente Ängste zu erkennen und entsprechende therapeutische Maßnahmen zu ergreifen. Da aber diese Vorwegnahme der Zukunft der üblichen Erlebensweise widerspricht, kann es bei der Rückkehr zum normalen Bewusstsein zu Zweifeln und Verwirrung kommen. Dadurch kann der therapeutische Erfolg ausbleiben. Deshalb wird empfohlen, eine posthypnotische Amnesie zu suggerieren (Svoboda, 1984).
Das Vergessen bestimmter Ereignisse (Amnesie) kann nach einer Sitzung spontan auftreten, kann aber durch die posthypnotischen Suggestionen des Hypnotiseurs bewusst herbeigeführt werden. Eine vollständige Amnesie für die in der Trance bearbeiteten Inhalte tritt aber nicht immer ein. Es kann unter Hypnose auch zu einer enorm gesteigerten Gedächtnisleistung, zu einer Hypermnesie kommen, wobei der Hypnotisierte sich an längst vergessene Ereignisse genau erinnern kann, was ihm bei einem normalpsychologischen Aufmerksamkeitszustand nicht möglich wäre.
Nicht leicht von einer Hypermnesie abzugrenzen sind Halluzinationen. Diese können auf reaktivierten Erinnerungen oder aber auch auf bloßen Vorstellungen beruhen. Man unterscheidet positive Halluzinationen, bei denen mehr als tatsächlich vorhanden wahrgenommen wird (z.B. zwei Stühle statt einem) von negativen Halluzinationen, bei denen weniger wahrgenommen wird (z.B. ein real vorhandener Stuhl wird nicht wahrgenommen). Mit Hilfe der Dissoziation und der Halluzination, insbesondere der negativen Halluzination, kann eine hypnotische Analgesie und Anästhesie bewirkt werden. Dissoziierte Körperteile sind schmerzunempfindlich. Der dadurch hervorgerufene Mangel an Schmerzbewusstheit und Empfindungslosigkeit wird durch den Morphinantagonist Naloxon nicht aufgehoben, was gegen die Verantwortlichkeit endogener Endorphine für dieses Phänomen spricht. Auch im EMG zeigt sich, dass eine schmerzauslösende Gewebereizung fortbesteht, die aber in hypnotischer Analgesie nicht als solche empfunden wird.
Ein weiteres interessantes Phänomen ist das des hypnotischen Traums. Sowohl die Inhalte eines zu träumenden Traumes als auch die Frage, wann dieser Traum geträumt werden soll, lassen sich suggestiv manipulieren. Dabei gibt es, v.a. bei gut hypnotisierbaren Menschen, kaum Unterschiede zwischen normalen und induzierten Träumen (Kossak, 1989) Der Somnambulismus tritt nur in tiefer Trance auf und ist meist mit einer Spontanamnesie verbunden. Das auffälligste Merkmal ist die tiefe Entspannung auch bei geöffneten Augen. Beim Somnambulismus handelt es sich um eine Form des Dämmerzustandes, in dem der Betroffene weiter bestimmte Handlungen ausführen kann.
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___________________________________________________________________________ Die schon mehrfach erwähnten posthypnotischen Suggestionen führen zu Empfindungen oder Handlungen, die nach der Beendigung der Hypnose vollzogen werden. Sie sind qualitativ einer Zwangshandlung ähnlich.
Eine Vielfalt der hier aufgeführten Phänomene kann man als Hinweise auf die Tiefe einer Trance heranziehen (siehe Tabelle 1.4.1.1).
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___________________________________________________________________________ 1.4.2 Suggestion
Das Wesen der Suggestion besteht darin, dass im Unterbewusstsein der eigenen Person oder in einem anderen Menschen auf irgendeine Weise eine bestimmte Vorstellung erzeugt wird. Dadurch erreicht man eine Beeinflussung seiner Gefühle, Einstellung, Urteile oder Verhaltensweisen. Je deutlicher und je stärker diese Vorstellung erzeugt wird, desto leichter kann sie sich beim anderen durchsetzen und desto länger wird die Wirkung anhalten.
1.4.3 Fremdsuggestion und Autosuggestion
Wird diese Suggestion bei einer anderen Person erzeugt, so sprechen wir von Fremdsuggestion. Erzeugen wir diese Vorstellung bei uns selbst, sprechen wir von Autosuggestion. Auch eine Fremdsuggestion muss jedoch, um wirksam werden zu können, in unsere Vorstellung aufgenommen und damit in Autosuggestion umgesetzt werden. Jede Suggestion, auch die von außen gegebene Fremdsuggestion, ist letztlich eine Autosuggestion.
1.4.4 Posthypnotischer Auftrag/ Posthypnotische Suggestion
Hierzu gehören alle Suggestionen, deren Ausführungen erst nach Ende der Hypnosesitzung realisiert werden. Die Spannbreite kann von einfachen direkten Aufträgen bis zu komplexen Anweisungen reichen, die mehr oder weniger spezifiziert werden. Erickson (1976) verstehen unter posthypnotischen Suggestionen sowohl die direkte Anweisung als auch die Unterbreitung von Ideen/Anregungen (priming), die durch den rezeptiven Zustand des Klienten, evtl. unter Umgehung bestehender Schemata, leichter integriert und individuell ausgeführt werden können.
In zahlreichen therapeutischen Settings spielen „implantierte Reaktionsketten“, die im Sinne von posthypnotischen Aufträgen wirken sollen, eine verbreitete Rolle (z .B. PrüfungGelassenheitZuversicht). Jedoch wird das individuelle, motivationale und soziale Gefüge einer Person in dieser Vorgehensweise, häufig nicht berücksichtigt.
1.4.5 Trancelogik
Unter der Trancelogik wird die Toleranz des Hypnotisierten gegenüber den Absurditäten und Inkongruenzen des hypnotischen Geschehens verstanden. Logische oder
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___________________________________________________________________________ inhaltliche Fehler von Suggestionen, große Zeitsprünge bei der Altersregression oder Zukunftsprojektion, sowie scheinbar Gesehenes (Halluzinationen) werden wie ganzheitliche Realitäten angenommen. Unvereinbare Geschehnisse (z.B. Urlaubsort und Prüfungssituation) können nebeneinander bestehen.
1.4.6 Vollzug im Unterbewusstsein
Eine Suggestion vollzieht sich nicht im Bewusstsein. Sie kann nur wirksam werden, wenn wir sie durch die Autosuggestion in eine bildhafte Vorstellung umwandeln. Auch sämtliche Hypnoseerscheinungen sind die Folge von Suggestionen bzw. Autosuggestionen. Der Gedanke ist der Anfang aller Dinge. Hieraus entsteht die bildhafte Vorstellung. Dann erst kann die Ausführung folgen. Alle Suggestionen sind lediglich Auswirkungen unseres eigenen Glaubens.
1.4.7 Suggestive Menschen
Es gibt Menschen, mit einer sehr starken suggestiven Ausstrahlung und damit andere leicht überzeugen können. Es sind Persönlichkeiten, die von ihren eigenen Fähigkeiten überzeugt sind und daher auch andere überzeugen können. Solche Menschen eignen sich sehr gut als Hypnotiseure. Ein Mensch der nicht an sich selbst glaubt, kann unmöglich erwarten, dass andere an ihn glauben.
1.4.8 Suggestibilität
Es besteht zwar ein enges Verhältnis zwischen Hypnose und Suggestion bzw. Suggestibilität, aber dennoch ist diese ein außerhalb der Hypnose liegendes Phänomen. In Hypnose werden zwar Richtungen, wie z.B. bei der Altersregression, vorgegeben, aber deren inhaltliche imaginative bzw. halluzinative Realisation fällt meist individuelle aus und nimmt häufig auch überraschende Verläufe. Das Zustandekommen der Hypnose in Forschung oder Therapie wird aus dem Zusammenwirken mehrerer Variablen erklärt, dazu gehören Rapport, Suggestion, Kontext und Erwartung. Motivation und individuelle kognitive Stile beeinflussen die Suggestibilität. Um die Suggestibilität eines Menschen zu erfassen, werden in der Forschung, wie auch in der Hypnosetherapie, spezielle Tests und Suggestibilitätsskalen verwendet (z.B. Hilgard, 1977; Barber, 1965; Weitzenhoffer & Hilgard, 1959; Spiegel, 1974).
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___________________________________________________________________________ Jedoch bestehen zwischen Hypnotisierbarkeit und Therapieerfolg ungewisse Zusammenhänge (vgl. Bernheim, 1886; Weitzenhoffer, 1980;Evens, 1989; Bowers, 1989; Hüber, 1993).
1.4.9 Fremdhypnose und Selbsthypnose
Im Vorgang der Fremdhypnose (Heterohypnose) wird eine von außen kommende Vorstellung an den Menschen herangetragen und von ihm angenommen. Bei der Selbsthypnose wird eine Vorstellung von ein und demselben Menschen erzeugt und angenommen. Ohne Annahme, Billigung der Vorstellung ist eine Wirkung ausgeschlossen. Deshalb ist im Grunde jede Hypnose Selbsthypnose. Die Vorstellung kann durch häufige Wiederholung zu einem bedingten Reflex und damit zu einem Teil der Persönlichkeit werden. Wichtig für eine dauerhafte Wirkung ist also auch eine Wiederholung.
1.4.10 Spontanhypnose
Fällt eine Person plötzlich in Trance, ohne dass dafür eine besondere Intervention eingeleitet wurde, so spricht man von einer Spontanhypnose. Tatsächlich bewirkt hier nicht der Hypnotiseur die Hypnose, sondern der Hypnotisierte versetzt sich selbst in Hypnose, nachdem der Hypnotiseur in ihm die Vorstellung von dem Einsetzen der Hypnose erzeugt hat. Die Hypnose tritt dann ein, weil der Hypnotisierte sie erwartet. Eine vertrauensvolle Erwartung der Patienten bestimmt die Wirksamkeit der Hypnose. Bevor man eine Hypnose einleitet, sollte man also in einem vorbereitenden Gespräch einen Kontakt zur Versuchsperson herstellen, was eine Atmosphäre des Verständnisses und der Sympathie schafft.
1.4.11 Wirkungen der Hypnose
Die Hypnose hat tiefgreifende Wirkungen auf den gesamten Organismus. So lassen sich in der Hypnose Atmung und Pulsfrequenz verlangsamen oder beschleunigen. Außerdem können Funktionen wie die Magensaftsekretion, die Schweißabsonderung, Husten, Erbrechen, Niesen, sexuelle Funktionen, die Menstruation usw., beeinflusst werden. (siehe Kapitel 1.7)
1.4.12 Negative Sinnestäuschungen
Bei einer negativen Sinnestäuschung können z.B. bestimmte vorhandene Gegenstände
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___________________________________________________________________________ nicht wahrgenommen werden, wenn eine entsprechende Suggestion gegeben wird. So kann man auch völlige Blindheit suggerieren.
1.4.13 Positive Sinnestäuschungen
Mit dem gleichen Erfolg kann man natürlich auch positive Sinnestäuschungen suggerieren. Wird der Versuchsperson in Hypnose die Suggestion gegeben, dass sie Limonade trinkt, obwohl es sich lediglich um Leitungswasser handelt, so wird sie trotzdem das Gefühl haben, Limonade zu schmecken.
1.4.14 Eingeengte Bewusstseinslage
Spricht man von Hypnose, dann denkt man meist an einen Schlafzustand, den sogenannten hypnotischen Schlaf. Äußerlich gleicht der hypnotische Zustand meist einem leichten Schlaf, aber tatsächlich bestehen große Unterschiede zwischen Schlaf und Hypnose (siehe Tabelle 1.4.14.1).
Tabelle 1.4.14.1: Unterschied Hypnose und Schlaf (Kossak, 1989)
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___________________________________________________________________________ Die Hypnose ist ein Zustand eingeengten Bewusstseins, aber innerhalb dieser begrenzten Bewusstseinskegels können alle Schattierungen zwischen Schläfrigkeit und Wachheit vorkommen.
1.4.15 Trance/Trancetiefe
Hypnose und damit auftretende Phänomene werden von Fourie und Lifschitz (1987) aus interaktionaler Sicht interpretiert. Die Hypnotiseur-Hypnotisand-Beziehung stellt den Beziehungsrahmen dar, innerhalb dessen die Phänomene auftreten, und zwar unabhängig von ihrer Schwierigkeit oder der Trancetiefe. Die Suggestibilität wird dementsprechend nur als Maß für die Weite einer hypnotischen Beziehung gewertet, und nicht als Maß für Hypnoseempfänglichkeit. Folgt man dieser Auffassung, so ist das Nichtzustandekommen bestimmter Phänomene das Resultat der Interaktion zwischen Hypnotiseur und Klient. Die Fähigkeiten und die Gestaltung der Situation von Seiten des Hypnotiseurs und das Vertrauen und/oder die imaginative Fähigkeit des Hypnotisierten waren zu diesem Zeitpunkt nicht ausreichend, um gewisse Phänomene zuzulassen.
1.4.16 Rapport
In der Hypnose ist das Bewusstsein im Wesentlichen auf den Hypnotiseur gerichtet. Diesen Kontakt nennt man ,,Rapport“. Bei diesem Kontakt ist die Kritikfähigkeit zwar deutlich verringert, aber trotzdem vorhanden. Das zeigt sich deutlich, wenn der Versuchsperson eine Suggestion gegeben wird, die außerhalb ihrer Persönlichkeitsstruktur liegt, z.B. sie solle sich entkleiden oder auf einen anderen schießen. In diesem Fall bricht die Hypnose sofort zusammen und die Versuchsperson ist hellwach.
In anderen Therapieformen werden z.B. oft die Schlüsselbegriffe Kongruenz, Empathie und positive Achtung genannt, in der Hypnotherapie hat der Begriff des Rapports, dem auch bei anderen Therapiearten ein bedeutungsvolles Gewicht zugedacht wird, eine wichtige Rolle. Im weitesten Sinne kann ein guter Rapport in den Medien beginnen, die auf Hypnoseangebote hinweisen. Als wechselseitiger Beziehungsaspekt durchzieht er wie ein roter Faden die gesamte Kommunikation zwischen Hypnotiseur und Klient. In der Vorbereitungsphase können es Informationsfragen sein, die es zu beantworten gilt. Vorerfahrungen, Vorurteile und Ängste gilt es zu erkennen und zu klären. Es können auch leichte Imaginationsübungen
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___________________________________________________________________________ zum Einstimmen auf die Methode durchgeführt werden, damit kann der Klient seine Fähigkeit und die Bedeutsamkeit seiner Mitarbeit erfahren. Positive wechselseitige Gefühle des Einverständnisses dienen als Wachstumsmedium für die therapeutische Veränderung. Achtsamkeit in der Anfangsphase ermöglicht dem Therapeuten seinen Zugang zum Klienten auf dessen Interaktionsstil abzustimmen. Mitteilungen des Klienten eröffnen einen Fundus für spätere individuelle Suggestionen und Interventionen (Interessen, Einstellungen, Ressourcen). Schäfer und Revenstorf (1987) sehen im Rapport ein Bindeglied zwischen Trancetiefe und Suggestibilität und meinen damit, dass guter Rapport die Trancetiefe begünstigt und somit der Klient besser für therapeutische Suggestionen erreichbar ist. Bandler und Grinder (1984) sprechen vom Gleichschalten mit dem Anderen (um ihn dort abzuholen, wo er ist) und sprechen eben dieser Kunst einen wichtigen Teil des hypnotherapeutischen Erfolgs zu. Lynn, Nash, Rhue (1984) belegen mit ihrer Untersuchung das guter Rapport wesentlich ist, um die als unwillkürlich erlebten „Reaktionen“ zuzulassen. Guter Rapport ist also eine Grundvoraussetzung für den therapeutischen Prozess und somit wohl auch für dessen Erfolg und Effektivität. Im gleichen Sinne betonte auch Erickson (siehe Gordon, 1978), dass es zunächst wichtig ist die Sichtweise des Klienten zu akzeptieren, ihre Welt zu begreifen und nachzuvollziehen. Auf dieser Grundlage intervenierte Erickson (siehe Kapitel 1.6.3).
1.5 Theoretische Erklärungsansätze zur Hypnose
Es gibt eine beachtliche Vielfalt von Theorien zur Erklärung der Hypnose. Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen haben sich mit dem Phänomen der Hypnose konfrontiert und verschiedene Theorien aufgestellt. Lediglich in dem Punkt, dass Hypnose deskriptiv etwas mit veränderter Aufmerksamkeit bzw. verändertem Bewusstsein zu tun hat, scheinen sich die meisten Forscher einig zu sein. Barber (1984) definierte die Hypnose als eine Situation, „in der Personen durch geeignete Wahl der Worte (verbale Interaktion) und nonverbale Kommunikation sowie Kontextvariablen dahin geführt werden, dass sie Aufmerksamkeit anders verteilen: die Alltags- und Außenwahrnehmung wird zugunsten der Innenwahrnehmung bezüglich Denkens, Fühlens, Vorstellens und Empfindens reduziert.“(zit. Schorr, 1993, S. 338). Zu der Frage, wie diese Situation entsteht, gibt es nun verschiedene Erklärungen.
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___________________________________________________________________________ 1.5.1 „Hypnose als Schlaf“
Pawlow griff 1973 die schon seit langem bestehende Assoziation auf und ging davon aus, dass es sich bei der Hypnose um einen partiellen Schlaf handelt. Er stellte die Behauptung auf, im Zentralen Nervensystem gebe es bestimmte kortikale Prozesse, die sowohl in Hypnose als auch im Schlaf vorhanden seien. Bei beiden Phänomenen lässt sich, so Pawlow, eine neuronale Hemmung der Hirnhemisphären beobachten, die immer dann zustande kommt, wenn der Betroffene bewegungslos verharrt und ausreichend lang möglichst schwachen, monotonen Reizen ohne Verstärkung ausgesetzt ist. Im Schlaf ist die neuronale Hemmung lückenlos und andauernd. In Hypnose sind nach Pawlow sogenannte „Wachpunkte“ auf der Gehirnrinde festzustellen, während denen der Kontakt zwischen Hypnotiseur und Proband ermöglicht wird.
1.5.2 „Hypnose als Hypersuggestibiltät“
Diese Theorie leitete Hull (1933) aus dem ideomotorischen Gesetz ab, nach dem, das Fehlen andersartiger Ideen vorausgesetzt, allein der Gedanke an eine Bewegung genau diese Bewegung zumindest in Bruchstücken auslöst. Die Hull'sche Theorie besagt, dass sich Hypnose vom normalpsychologischen Zustand lediglich quantitativ im Sinne einer erhöhten Suggestibilität unterscheidet. Die in Hypnose hervorgerufenen Phänomene können auch im Normalzustand erreicht werden, wenn auch nur in abgeschwächter Intensität.
1.5.3 „Hypnose als konditionierte Reaktion“
1947 fasste Welch die Hypnose als konditionierte Reaktion auf. Seiner Ansicht nach spielen konditionierte symbolische Stimuli, d.h. die Worte des Hypnotiseurs, die Hauptrolle. Er betrachtet die Hypnose im Wesentlichen als eine Sequenz von Ereignissen zwischen Hypnotiseur und Hypnotisierten: Der Hypnotiseur stellt eine Behauptung auf und beginnt so den Konditionierungsprozess. Sein Gegenüber reagiert auf diese Behauptung in Form von Handlungen oder bestimmten Erlebnissen, die auf die Behauptungen des Hypnotiseurs zurückführbar sind. Wenn diese Reaktion unmittelbar erfolgt, entsteht eine Bereitwilligkeit, reflexartig auf andere Behauptungen zu reagieren, die auf der Anfangssituation beruhen. Wesentlich ist die Überzeugung, dass die Suggestionen richtig und angemessen sind.
1.5.4 „Hypnose als Regression“
Die Theorie der Hypnose als Regression betrachtet die Hypnose als eine
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___________________________________________________________________________ herbeigeführte Regression zu primitiven mentalen Funktionen unserer stammesgeschichtlichen Vorfahren; hypnotische Phänomene werden also als frühe phylogenetische Reaktion aufgefasst (Meares, 1960a). Fremde Gedanken werden ohne Kritik übernommen, logisches Denken und kritische Bewertung sind so gut wie nicht vorhanden. Gill und Brenman (1959) sehen den Grund hierfür in einer teilweisen Aufhebung der Kontrolle des „Es“ über das „Ich“ und dem damit einhergehenden partiellen Verlust der Realitätsanbindung. Dadurch verliert dieser untergeordnete Teil des „Ich“ seine Autonomie. Aufgrund dieser dadurch ausgelösten psychologischen Desorientierung kommt es zu einer Suche nach einer starken Figur, die Schutz und Betreuung bieten kann (Gill, 1972). Es kommt also zum Aufbau eines Subsystems im „Ich“. Dem „Ich“ bleibt aber auch in Trance ein „Realitäts-Ich-Kern“ zur Verfügung, der im Kontakt zum Hypnotiseur steht und diesem auch nur zeit- und versuchsweise die Kontrolle über das Subsystem überlässt (Grill, 1972).
1.5.5 „Hypnose als Dissoziation“
Janet (1925) beobachtete, dass viele Phänomene der Hysterie und der multiplen Persönlichkeit in Trance forciert werden können. Daher interpretierte er die Hypnose als eine pathologische Erscheinung. Seine Theorie der Hypnose als Dissoziation geht zurück auf die Annahme, dass sich das Bewusstsein aus zwei miteinander verbundenen Teilen zusammensetzt, dem „Bewusstsein“ und dem „Mit-Bewusstsein“ (Svoboda, 1984). In Hypnose, wie auch bei Hysterie, kommt es zu einer Trennung dieser beiden Teile, so dass diese nicht mehr gemeinsam, sondern nebeneinander arbeiten.
Hilgard (1977) knüpfte an Janets Hypothese der Dissoziation an und begründete damit die Neodissoziationstheorie. Er interpretierte die Hypnose allerdings nicht als pathologischen Zustand. Er ging davon aus, dass der mentale Apparat aus vielen teilweise autonomen Teilsystemen (Logik, Kreativität, Emotion, ZNS, Immunsystem usw.) aufgebaut ist, die durch eine Exekutiv-Institution kontrolliert werden. In Trance wird nun diese Exekutiv-Institution unterlaufen, so dass die einzelnen Teilsysteme sowohl auf kognitivem als auch unter Umständen auf somatischem Niveau direkt kontaktierbar werden und in ihrer Wirkungsbreite nicht mehr durch die Exekutiv-Institution eingeschränkt werden. Auf die Frage, wie dieser Zustand erreicht werden kann, bietet die unmittelbar zuvor abgehandelte Theorie der Hypnose als Regression eine mögliche Antwort.
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___________________________________________________________________________ 1.5.6 „Hypnose als eine besondere Bewusstseinsstufe“ Im Kontext einer „Ich-psychologischen“ Theorie betrachtete Fromm (1977) die Hypnose als eine besondere Bewusstseinsstufe. Solche Bewusstseinsstufe sind z.B. Alltags-Bewusstsein oder Traum-Bewusstsein. Danach liegt die Hypnose zwischen dem normalen Wachzustand und dem psychotischen Zustand, nahe dem halluzinatorischen Zustand. Die Ichpsychologische Theorie baut auf drei Einheiten auf: Der Ich-Aktivität, der Ich-Passivität (Fromm, 1972) und der Ich-Rezeptivität (Deikmann, 1971). Immer dann, wenn man sich willentlich und aus freien Stücken für etwas entscheidet, ist das Ich aktiv. Passiv ist das Ich dann, wenn es diese Entscheidungsfreiheit an das Es, die Umwelt oder das Über-Ich verliert. Sobald das kritische Denken und der Realitätsbezug verloren gehen, ist das Ich rezeptiv. In diesem Zustand, vergleichbar einem psychotischen Zustand, kann Material aus dem Unbewussten frei in das Bewusste übertreten. Die Hypnose ist nun ein Zustand, in dem einerseits die gesamte Aufmerksamkeit auf einen Punkt hin ausgerichtet ist, andererseits das Ich aber auch aktiv und v.a. in erhöhtem Maße rezeptiv ist. Daraus erklärt sich einerseits die erhöhte Beeinflussbarkeit in Trance, andererseits das Unvermögen, Dinge gegen den Willen des Hypnotisierten von diesem durchführen zu lassen.
1.5.7 „Hypnose als Rollenhandeln“
Sarbin (1972) erörtert in seiner Theorie der Hypnose als Rollenhandeln Hypnose weniger aus dem subjektiven Erleben heraus, sondern eher aus der Situation, in der das Phänomen sich abspielt. Es handelt sich also um einen sozialpsychologischen Ansatz. Danach kann jeder Mensch in unterschiedlichem Maße in verschiedene Rollen involviert werden. Je stärker diese Involvierung wird, desto mehr nimmt die Trennung psychischer und somatischer Prozesse ab bis sie schließlich aufgehoben wird und die Phantasie Realitätscharakter erhält. In dieser „Realität der Phantasie“ kommt es dann zu starken somatischen Effekten, die u.U. sogar irreversibel sein können, wie beispielsweise beim Voodoo-Tod.
1.5.8 „Hypnose als Realitätsverkennung“
Die Theorie der Hypnose als Realitätsverkennung konzentriert sich auf das subjektive Erleben des Hypnotisierten. Orne (1966, 1971) nutzt hierzu die Berichte Hypnotisierter über ihre Erfahrung in Trance als Quelle. Nach diesen Berichten kann man von Hypnose sprechen, wenn der Betroffene daran glaubt, hypnotisiert zu sein bzw. hypnotisiert gewesen zu sein. Wesentliche Erfahrungen, die die Trance charakterisieren, sind Gedächtnis-, Wahrnehmungs-
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___________________________________________________________________________ und Empfindungsstörungen (Sheehan & Perry, 1976). Der Hypnotisierte empfindet seine Suggestionen als echt und kann dann nicht mehr zwischen Phantasie und Realität unterscheiden.
1.5.9 „Theorie der Hypnose als Alltag“
In seinem Ansatz aus den 60er Jahren, der Theorie der Hypnose als Alltag, reduziert T.X. Barber (1984) den Effekt der Hypnose auf Prozesse, zu denen der Mensch immer dann in der Lage ist, wenn sowohl eine positive Einstellung und eine positive Erwartungshaltung als auch die Fähigkeit zur plastischen Vorstellung gegeben sind. Dann und nur dann ist ein Mensch fähig und bereit so zu denken, zu fühlen oder zu handeln, wie es den Suggestionen entspricht. Eine positive Erwartungshaltung und die damit einhergehende Kooperationsbereitschaft können sich aber nur dann entwickeln, wenn dem zu Hypnotisierenden die behandelnde Person ebenso wie die Prozedur an sich glaubwürdig und vertrauenswürdig erscheinen. Das bedeutet, dass auch bei der Hypothese, es handle sich bei der Hypnose nicht um einen besonderen Bewusstseinszustand, sondern um einen willentlichen Entschluss zur Kooperation, die hypnotische Beziehung die wesentliche Rolle spielt.
1.6 Theorien der Hypnose nach der modernen Wissenschaftsauffassung Die folgenden Ausführungen sollen einen Überblick über die drei wichtigsten Richtungen der Hypnosetheorien geben, die State - Theorien, Non - State - Theorien und die Hypnose in der Tradition von Erickson. Anschließend werde die Probleme dieser drei Ansätze diskutieren und eine andere wissenschaftstheoretische Sichtweise des Phänomens Hypnose, den ökonomischen Ansatz von Fouries (1994) vorstellen. Anzumerken ist, dass dieses Kapitel der Diplomarbeit nur einen skizzenhaften Einblick in die Theorien der Hypnose geben kann und auch nur als Überblick verstanden werden soll.
1.6.1 Die State - Theorien
Die State - oder Zustandstheorien die von Wissenschaftlern wie z.B. Hilgard (1977) oder Evans (1977) vertreten werden, sind in historischer und konzeptueller Sicht den älteren Theorien am ähnlichsten. Die Hypnose wird hier als ein besonderer, außergewöhnlicher Bewusstseinszustand betrachtet. Dieser wird durch zwei Faktoren bestimmt, der hypnotischen Suggestibilität der Klienten und der vom Hypnotiseur verwendeten Induktionstechnik. Das
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___________________________________________________________________________ hauptsächliche Interesse bei diesen Theorien liegt auf dem Klienten, ihrem Verhalten und subjektiven Erfahrungen. Dabei betonen die State - Theoretiker, dass die Versuchspersonen von einem „besonderen Zustand“ berichten, den sie unter Hypnose erfahren haben. Weiterhin ist für die State- Theoretiker enorm wichtig, dass es während der Hypnose zu einer „Dissoziation“ von verschiedenen kognitiven Funktionen kommt, die, und das ist wichtig, von den dargebotenen Suggestionen des Hypnotiseurs abhängen. Demnach beschreibt Hilgard (1977) das Konzept der „Dissoziation“ folgendermaßen: „Die übliche geordnete und mehr oder weniger festgefügte Hierarchie der Kognitionen ist während der Hypnose gelockert und zum Teil aufgespalten, und diese Teile können während der Trance und zum Teil noch danach neu assoziiert werden.“ (zit., Asanger, 1992, S.308). Voraussetzung für eine erfolgreiche „Dissoziation“ sind nach dieser Auffassung, gemäß den Bedingungen für die Hypnose, ein genügender Grad an Suggestibilität und eine „situationsgemäße“ Induktionstechnik. Aus diesem Grunde verstehen State - Theoretiker die Suggestibilität als Hypnotisierbarkeit, die auch mit verschiedenen Skalen gemessen werden kann. Die Testaufgaben der Skalen bestanden aus immer schwieriger werdenden hypnotischen Phänomenen, wobei die kompliziertesten (wie z.B. Halluzinationen) demgemäß nur noch von sogenannten hochsuggestiblen Personen bewältigt werden konnten. Das Konzept der Suggestibilität wurde jedoch in verschiedenen experimentellen und klinischen Arbeiten kritisiert (vgl. Kapitel 1.4.8). Besonders fraglich bleibt, ob Suggestibilität mit Hypnotisierbarkeit gleichzusetzen ist. Weiterhin ergeben sich bei dem Versuch Suggestibilität zu messen zahlreiche methodische Schwierigkeiten. Fourie (1994) kritisiert, dass die Newtonsche Perspektive der Suggestibilität irreführende Auswirkungen hat, da sie die Suggestibilität ähnlich einer Eigenschaft wie dem Körpergewicht ansieht. Er macht dies treffend deutlich: „...während das Besteigen einer Waage das Gewicht einer Versuchsperson nicht deutlich verändert, hat die Messung der Suggestibilität einen Einfluss auf die hypnotischen Fähigkeiten“ (zit. Fourie, 1994, S. 46). Das Konzept der Suggestibilität wird aber auch in den Non - State - Theorien und den Theorien Ericksons vertreten. Kossak (1989) definierte die Suggestibilität folgendermaßen: „... die Fähigkeit einer Person, sich auf bestimmte ihr übertragene Instruktionen einzulassen und darauf angemessen zu reagieren.“ (zit. Kossak, 1989, S. 180 ). Mann kann die State -Theorie und die Theorien Ericksons von den Non- State - Theorien dadurch abgrenzen, dass diese einen „besonderer Bewusstseinszustand“ annehmen. Die Anhänger der State- Theorien verweisen auf die subjektiven Berichte von Klienten, die aber nicht ausreichen um einen „besonderen Bewusstseinszustand“ zu beweisen. Auch die physiologischen Veränderungen
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___________________________________________________________________________ unter Hypnose sind keine Beweise für die Annahme dieser Hypothese. Man nimmt heute an, dass eine Einflussnahme auf physiologische Prozesse über Suggestion und Imagination möglich ist. Einen „besonderen Bewusstseinszustand“ anzunehmen wäre demnach überflüssig. Letztlich wird sogar nachgewiesen, dass die Tiefe der Entspannung in Hypnose durchaus nicht stärker ist als bei normalen Entspannungsverfahren (Edmonston, 1972; McAmmond, Davidson & Kovitz, 1971). Sogar die therapeutisch so bedeutsame Lebhaftigkeit und subjektive Realität der Vorstellungen ist durch aufgabenmotivierende Instruktionen in gleicher Weise zu bewirken (Ham & Spanos, 1974; Spanos & Ham, 1973; Starker, 1974). Diese Daten, die die Annahme eines Hypnose- Zustandes widerlegen, verneinen jedoch nicht, dass Hypnoseinduktionen Verhaltensänderungen bewirken können. Sie sind nur keine Beweise für ein verändertes Bewusstsein (Kossak, 1989, S.59).
1.6.2 Non - State - Theorien
In den Non - State- oder Nicht - Zustands - Theorien existiert die Annahme eines „besonderen Bewusstseinszustand“ nicht. In diesen Theorien wird versucht, die Hypnose mit Alternativen zum herkömmlichen Trancekonzept zu erklären. Die Hypnose wird mit Hilfe von gewöhnlichen sozialpsychologischen Konzepten wie Rollenanforderung und der Kongruenz der eigenen Rolle erklärt. Der Hypnosebegriff ist in diesen Theorien mehr ein operationaler Arbeitsbegriff. „Insgesamt bedeutet dies, dass hypnotische Phänomene nichts eigenständiges anderes, sondern mit anderen Sozialverhaltensweisen vergleichbar sind. So tritt die „Hypnosereaktion“ nicht unwillkürlich (evtl. unkontrollierbar) ein, sondern sie ist durch das Vorwissen um Hypnose und die Form der sozialen Kommunikation bedingt.“ (zit. Kossak, 1989, S. 58) Die durch den hypnotischen Kontext geschaffenen Anforderungen werden von den Versuchspersonen erfüllt, indem sie sich verschiedener Fähigkeiten (z.B. Aufmerksamkeitsablenkung) bedienen, um sich dann wie hypnotisierte Personen zu verhalten. Dabei gibt es natürlich interindividuelle Unterschiede, und die Qualität der Hypnose hängt somit von dem Grad der Fähigkeiten der Versuchspersonen ab, den Anforderungen der hypnotischen Situation nachzukommen. Die Non - State - Theoretiker gehen also offensichtlich davon aus, dass die Hypnose durch drei Faktoren hervorgerufen wird: der Suggestibilität der Versuchspersonen, deren Wahrnehmungen in der situationsspezifischen, hypnotischen Anforderungen und der durch die Versuchspersonen verwendeten kognitiven Strategien, um diesen Anforderungen nachzukommen.
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___________________________________________________________________________ Anhänger der Non - State - Theorie sind z.B. T. X. Barber (1979), Spanos (1982) und Sarbin und Coe (1972). Kossak (1993) bezeichnete Fourie als Non - State - Theoretiker, weil dieser auch eine kontextbezogenen Sichtweise des Phänomens Hypnose hat und einen „besonderen Bewusstseinzustandes“ annimmt. Jedoch ist diese Bezeichnung hinsichtlich der Epistemologie von Fourie nicht ganz zutreffend. Die dadurch auftretenden theoretischen Unterschiede werden kurz im Kapitel 1.6.5, über Fouries ökosystemischen Ansatz, skizziert.
1.6.3 Hypnose in der Tradition von Erickson
Die Ansätze, die sich unter diesen Punkt subsumieren lassen, gründen sich auf die Arbeit von Milton H. Erickson (1901 - 1980) und wurden von einigen seiner ehemaligen Schüler wie Lankton (1983), Rossi (1980) und Zweig (1982) weiter ausgearbeitet. Erickson war ein bekannter amerikanischer Psychotherapeut, der vor allem durch seine vielseitigen Therapiemethoden und Techniken für die Klinische Hypnose sehr bedeutungsvoll wurde. Die Ansätze, die sich auf ihn berufen, unterscheiden sich vor allem von den Non - State- und State - Theorien dadurch, dass das Konstruktes der hypnotischen Suggestibilität und der Anwendung indirekter Induktionstechniken in Frage gestellt wird, um unter Umgehung des „Bewussten“ das „Unbewusste“ anzusprechen. Vereinfacht kann man die Mehrzahl der Hypnosetheorien die sich auf Erickson berufen, durch 3 Punkte kennzeichnen. Erstens ist Hypnose ein häufig mit dem Begriff „Trance“ bezeichneter Bewusstseinszustand, zweitens wird ein „Unbewusstes“ angenommen und eine sich daraus ergebende Dichotomie in Verbindung mit dem „Bewussten“ und drittens, dass es ungenutzte Ressourcen im Inneren der Individuen gibt, die insbesondere durch die Formen der indirekten Suggestionen utilisiert werden können. Die Hypnose umgeht das „Bewusste“, um zu den „unbewussten“ Ressourcen vorzudringen.
Diese Konzepte sind in den Ericksonschen Theorien sehr wichtig, sodass ihr eigentlicher Status als Konstrukte oder Annahmen häufig übersehen wird und diese Prämissen vergegenständlicht werden. Der Versuch Lanktons (1983) das „Unbewusste“ bzw. das „Bewusste“ in der rechten bzw. linken Hirnhemisphäre zu lokalisieren, kann bereits als ein Versuch gewertet werden, solch eine Vergegenständlichung vorzunehmen. Havens schrieb zu diesem Thema: „ ... als Erickson sich auf das Unbewusste berief, sprach er von einem sehr realen Phänomen, das sich beobachten und demonstrieren ließ. Er gebrauchte den Begriff nicht nur als Metapher oder Konstrukt, sondern war der Meinung, dass Menschen tatsächlich über ein Unbewusstes verfügen ... so wie sie auch Arme und Beine haben“ (Havens 1986,
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___________________________________________________________________________ S.55). Bei aller theoretischen Kritik an Erickson haben die praktischen klinischen Methoden Ericksons großen Einfluss und Erfolg in der Psychotherapie erzielt. Das Besondere seiner Methoden liegt dabei in seinen indirekten Suggestionsmethoden. „Die indirekten Formen von Suggestion sind semantische Folien, die das Erleben neuer Reaktionsmöglichkeiten erleichtern“ (zit. Erickson & Rossi, 1981, S. 35).
1.6.4 Probleme der modernen Hypnosetheorien
Die wesentlichsten Merkmale moderner Newtonscher Erklärungen von hypnotischen Phänomenen sind der Reduktionismus, die lineare Kausalität und der Begriff der neutralen Objektivität.
Beim Reduktionismus geht es darum, komplizierte Phänomene zu vereinfachen, indem sie in Bestandteile zerlegt werden, die als die wesentlichen Elemente des Phänomens angesehen werden. Das Problem hierbei ist, dass die Ganzheit oder die „Gestalt“ des Phänomens verloren geht und dies zu einer verkürzten Sichtweise des Phänomens führen kann. Denn wie Perls (1969) schon anmerkte, kann durch die bloße Synthese der Einzelelemente häufig nicht das Ganze verstanden werden. Die Theorien über Hypnose, die unter den drei beschriebenen Richtungen zu finden sind, reduzieren das Phänomen Hypnose, indem man sie als etwas betrachtet, was mit oder in dem Klienten geschieht. Die Konzentration liegt immer auf dem Klienten. Der Lebenszusammenhang und die Erfahrungen der an der hypnotischen Situation Beteiligten, wie z.B. die Erwartungen anderer Personen in Hinsicht auf die hypnotische Situation der Klienten, wird wenig Beachtung geschenkt. Bei den State - Theorien wird dies deutlich an der Betonung, dass Hypnose ein „besonderer Zustand“ im Klienten ist. Deutlich wird dies bei der Definition von Revenstorf (1983): „Hypnose ist ein durch Suggestion herbeigeführter, eingeengter, schlafähnlicher Bewusstseinszustand mit vegetativen Veränderungen.“ Auch in den Non - State - Ansätzen liegt das Hauptaugenmerk auf dem Klienten, wenn ihre hypnotischen Reaktionen auch mit kontextuellen Elementen erklärt werden. Die Klienten bedient sich kognitiver Strategien, um sich so zu verhalten, als wäre sie in Hypnose, d.h. die intrapsychischen Vorgänge des Klienten, wie z. B. Aufmerksamkeitsablenkung spielen die zentrale Rolle. Bei den Ericksonschen Theorien wird der Reduktionismus noch deutlicher, da die Hypnose als „Trance“ gesehen wird, die eine intensive Konzentration auf die innere phänomenale Realität darstellt. Trotz des Wissens, dass hypnotische Erfahrungen eingebettet sind in eine komplexe soziale Realität, wird die Komplexität des Phänomens in diesen drei Ansätzen auf Ereignisse reduziert, die im inneren
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___________________________________________________________________________ des Klienten stattfinden. Der Gebrauch der vergegenständlichten Konzepte, wie „Bewusstseinszustand“ (State - Theorien), „fantasy - prone personality“ (Non - State -Theorien) und „Unbewusstes“ (Ericksonsche Theorien) unterstreicht diese Aussage. Die drei Ansätze sind zwar unterschiedlicher Meinung, wie die Hypnose herbeigeführt wird, verwenden aber die gleiche Art der Argumentation, dass Hypnose in linearer Art von einer Person oder durch eine spezielle Prozedur verursacht wird. Das heißt, dass eine Situation erst dann als hypnotisch qualifiziert wird, wenn es den Wünschen und Vorstellungen des jeweiligen Hypnotiseurs entspricht.
Die Annahme, dass eine „objektive“ Beobachtung möglich und wünschenswert sei, lässt sich bei den drei Ansätzen ebenfalls erkennen. Bei den State - Theorien wird dies an dem Bemühen deutlich, einen „besonderen Bewusstseinszustand“ objektiv zu beweisen. Gruzelier und Brow (1985) haben in einem Experiment gezeigt, dass die Hypnose einen veränderten Bewusstseinszustand darstellt, da sich bestimmte Funktionen im Gehirn verändern. Was in diesem Experiment als „Hypnose“ bezeichnet wurde, war eine sehr spezielle Prozedur, die nur bei einigen (von den Versuchsleitern als ‘hochsuggestibel’ bezeichneten) Versuchspersonen Erfolg hatte. Es waren auch genau diese Probanden, bei denen es zu Veränderungen der Hirnfunktionen kam. Überdies hatten sich bei den Teilnehmern aufgrund der vorhergehenden Arbeit mit den Autoren besondere Erwartungen bezüglich des Phänomens aufgebaut. Diese Faktoren wurden in den Schlussfolgerungen der Autoren nicht berücksichtigt, da diese sich an das strenge Gebot der Objektivität hielten (Fourie, 1994). Weiterhin ist der Drang vieler Non - State - oder State - Anhänger zur „Objektivität“ an den vielen Versuchen zu erkennen, Suggestibilität oder Hypnotisierbarkeit messen zu wollen. Die Vergegenständlichung des Konzeptes der Suggestibilität führt dann dazu, kontextuelle und attributive Faktoren der hypnotischen Situation außer Acht zu lassen. Die Ericksonianer gehen davon aus, dass der Hypnotiseur durch die Beobachtung seines Klienten objektiv entscheiden kann, welche Hypnosetechnik gewählt werden muss und wie sie angewendet werden muss. Da die Ericksonschen Therapieformen hauptsächlich pragmatisch und veränderungsorientiert sind, müssen die geplanten Veränderungen exakt definiert werden, was eine Diagnose voraussetzt.
Dieser Abschnitt sollte zeigen, wie ähnlich die zugrunde liegenden Denkarten der drei wesentlichsten Ansätze zur Hypnose sind, was nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass sie inhaltlich sehr unterschiedlich sind. Trotzdem bringt die Verwurzelung im modernen Newtonschen Denken Probleme mit sich, die, wie skizziert, alle drei Ansätze einschließen.
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___________________________________________________________________________ Wie sich diese Probleme auf die Praxis der Hypnose auswirken, zeigt Fourie (1994) in seinem Buch (Kapitel 4). Diese hier zu erörtern, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Zum Abschluss wird nur noch auf die alternative theoretische Sicht Fouries zu den Newtonschen Sichtweisen der Hypnose eingegangen.
1.6.5 Hypnose in Fouries ökosystemischen Ansatz
Fouries ökosystemischer Ansatz ist keine neue Theorie der Hypnose, sondern mehr eine andere wissenschaftstheoretische Sichtweise des Phänomens Hypnose. So kann diese Denkweise auf der epistemologischen Ebene von der Denkweise der drei wichtigen Hypnoseansätzen (des newtonschen Ansatzes, State - Theorie, Non - State - Theorie, Ericksonsche Theorien) unterschieden werden.
Die anschließenden Ausführungen sollen kurz darstellen welche Konsequenzen es hat, wenn der ökosystemische Ansatz auf die Hypnose angewendet wird. „Aus ökosystemischer Perspektive ist die Hypnose keine Entität, wie ein Bewusstseinszustand, in dem es zu Entspannung, Starrheit der Körperglieder, Amnesien und Analgesien kommt. Sie ist ein Konzept, das von verschiedenen Wissenschaftlern gebraucht wird, um ausgewählte Verhaltensweisen in (von ihnen oder anderen) als hypnotisch definierten Situationen zu beschreiben. Hypnose existiert nicht als „Gegenstand“. Der Begriff wird auf bestimmte Verhaltensweisen angewandt, wenn sie in einer Situation stattfindet, die man als „Hypnose“ bezeichnen kann oder sollte“ (zit. Fourie, 1994, S.64). Nach dieser Sichtweise gibt es kein Verhalten, dass dem Wesen nach hypnotisch ist. Verhaltensweisen, die unter Hypnose auftreten, können auch von Zeit zu Zeit im normalen Leben auftreten (z.B. Arm anheben, keinen Schmerzen spüren, Augen schließen usw.). Wenn sie aber in einer Situation auftreten, die als eine hypnotische ausgewiesen ist, werden diese Verhaltensweisen auch als hypnotisch klassifiziert. Die Versuchsperson oder der Proband verhält sich meist so, wie es von ihm erwartet wird, er wird ruhiger und bewegt sich anders, wodurch er anzeigt, dass es sich nicht um eine alltägliche Situation handelt. Der Hypnotiseur spricht oft mit einer ruhigen und monotonen Stimme mit dem Patienten. Dabei redet er mit dem Patienten so, als ob dieser ein Beobachter der eigenen Handlungen ist. Sind Zuschauer vorhanden, verhalten sie sich ruhig und konzentrieren sich auf den Patienten. Alle diese an der Hypnose beteiligten Personen klassifizieren die Situation gleichzeitig und bilden so ein Netzwerk gegenseitiger und reziproker qualifizierender oder disqualifizierender Handlungen. Die entstehende hypnotische Situation wird über die Zeit immer komplexer und gewinnt ihren besonderen und
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___________________________________________________________________________ einzigartigen Charakter, abhängig von den in der Hypnose interagierenden Personen. Mantura (1975) bezeichnete diese als „Bereich der Übereinstimmung“. Diese Sicht lässt es nicht mehr zu, Hypnose als von jemanden oder durch eine Prozedur verursacht anzusehen. Trotzdem kommt dem Hypnotiseur eine besondere Stellung in der Hypnosesituation zu, da dies in einer als Hypnose definierten Situation von ihm erwartet wird. Er ist es, der die Induktion durchführt, die Situation definiert und den Patienten ins Zentrum des Geschehens rückt. Die Induktion ist der Zeitpunkt ab dem bestimmte Verhaltensweisen erwartet werden, die als hypnotisch klassifiziert werden können. Natürlich tragen intrapsychische Vorgänge (siehe Non - State - Theorien) der Versuchsperson dazu bei, die Patienten von der „Realität“ der Hypnose zu überzeugen, sie sind jedoch nur Teilaspekte einer komplexen sich ständig entwickelnden sozialen Interaktion. „Aus ökosystemischer Perspektive gesehen, findet die Hypnose in einem komplizierten sozialen Kontext statt, in dessen Rahmen eine große Anzahl miteinander in Wechselwirkung stehender Variablen wirksam sind: die Definition des Kontextes als hypnotisch, die Erwartungen und Attributionen sowie die zwischenmenschlichen und intrapsychischen Fähigkeiten aller Anwesenden. Es ist unmöglich einer dieser Variablen die ursächliche Wirkung zuzuschreiben. Bestenfalls könnte man sagen, dass der Prozess multikausal ist “ (zit. Fourie, 1994, S. 67). Die Konzentration der weiter oben geschilderten Hypnoseansätze liegt eindeutig auf dem Klienten. In der ökosystemischen Sichtweise liegt der Schwerpunkt auf dem Gesamtkontext, in dem sich die Hypnose abspielen soll. Dabei wird dieser Gesamtkontext nicht vorwiegend bestimmt von den physischen Gegebenheiten des Ortes (Einrichtung, anwesende Personen), sondern besonders von den Vorstellungen, Erfahrungen und Attributionen aller Beteiligten. Diese Ausführungen sollen genügen, um den ökosystemischen Ansatz der Hypnose von den Hypnoseansätzen zu unterscheiden, die sich auf die Newtonsche Wissenschaftsauffassung berufen. Zusammenfassend vertritt der ökosystemische Ansatz die in Tabelle 1.6.5.1 dargestellten Annahmen.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Psych. Andreas Escher, 2003, Effektivität von Hypnose/Hypnosetherapie bei ausgewählten Angststörungen - Ein metaanalytischer Vergleich zwischen Hypnosetherapie und Verhaltenstherapie, München, GRIN Verlag GmbH
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