1 Einleitung
In den 1641 vorerst anonym erschienenen „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ versucht René Descartes die Tauglichkeit der von ihm gefundenen Methoden als Grundlage gewisser Erkenntnisse zu erweisen.
Er wendet in seiner ersten Meditation „Woran man zweifeln kann“ den methodischen Zweifel an und klammert alle Erkenntnisse aus, die er aus den Prinzipien der Sinneswahrnehmung oder der Wissenschaften wie Arithmetik oder Geometrie gewonnen hat, um sich von einem ‚betrügenden Gott auf diesen Wegen nicht täuschen zu lassen. (Descartes 1993: 15ff)
Anschließend findet er in seiner zweiten Meditation „Über die Natur des menschlichen Geistes; dass seine Erkenntnis ursprünglicher ist als die des Körpers“ einen Fixpunkt, von dem aus er weiterführend argumentieren kann. Er stellt fest, dass der Satz „Ich bin, ich existiere“ (Descartes 1993: 22) notwendig wahr sei und auch ein ihn betrügender Gott ihm diesen Beweis seiner eigenen Existenz nicht streitig machen könnte. (Descartes 1993: 20ff)
In dieser Arbeit sollen nun nur die dritte, vierte und fünfte Meditation behandelt werden. In der dritten Meditation „Über das Dasein Gottes“ wird er zunächst einen Gottesbeweis anführen, der darin resultiert, dass der vorerst angenommene betrügende Gott nicht existent sein kann, da es einen Makel seiner Vollkommenheit wäre seine Schöpfung zu täuschen. (Descartes 1993: 30ff)
Darauf soll in der Meditation „Über das Wahre und Falsche“ gezeigt werden, dass Fehlannahmen in den Wissenschaften der Menschheit nicht auf einen unvollkommenen Gott, sondern auf die endliche Fähigkeit der Menschen, Wahres zu beurteilen zurückzuführen sind. (Descartes 1993: 48ff)
Um in der folgenden fünften Meditation „Vom Wesen der materiellen Dinge, und nochmals von der Existenz Gottes“ auch noch seine Zweifel an der sinnlichen Wahrnehmung auszuräumen, führt er einen weiteren Gottesbeweis an. (Descartes 1993: 57ff) Hierzu wird auch in der letzten Meditation „Vom Dasein der materiellen Dinge und von der realen Verschiedenheit des Geistes vom Körper“ wieder die Vollkommenheit Gottes als Argument für die Existenz von Körpern und körperlichen Empfindungen herangezogen. (Descartes 1993: 64ff)
Nach diesem Überblick werden die dritte, vierte und fünfte Meditation eingehender besprochen und abschließend reflektiert.
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2 Dritte Meditation. Über das Dasein Gottes
Descartes beginnt seine Meditation damit, seine Augen zu verschließen, die Ohren zu verstopfen, alle seine Sinne abzulenken und die übrigen in seinem Bewusstsein befindlichen Bilder zu tilgen oder wenigstens als falsch zu erachten. Nach dieser Abschottung gegen die Außenwelt konstatiert er, dass er ein denkendes Wesen mit Einbildungen und Empfindungen ist und dies alles sei, was er wahrhaftig wisse (Descartes 1993: 30).
Es soll nun als eine erste Regel aufgestellt werden, dass „alles wahr ist, was ich ganz klar und deutlich einsehe“ (Descartes 1993: 30). Hierbei geht es nicht um Dinge wie Sterne, den Himmel oder die Erde, da von solcherlei Entitäten in seinem Verstande nur eine Vorstellung existiert und weniger die Dinge an sich. Es soll vielmehr um einfache Gesetzmäßigkeiten gehen wie die Tatsache, dass 2+3=5 ergibt oder das Wissen, dass ich existiere, wenn ich denke zu wissen, dass ich es tue (Descartes 1993: 31). Es wäre doch nicht anzunehmen, es gäbe einen Gott, der das ‚Ich in diesem Punkt betrügt, solange Descartes sich ja noch nicht ein mal sicher sei, ob es denn überhaupt einen Gott gibt. Hier steckt sich Descartes das Ziel, auf das diese dritte Meditation herauslaufen soll: Er will, um allen Zweifel auszuräumen, klären, ob es einen Gott gibt und Beweise anführen, dass ein betrügerischer Gott nicht existent sein kann, er also vollkommen sein muss (Descartes 1993: 32). Zunächst sollen alle Gedanken in Klassen eingeteilt werden um zu prüfen, „in welchen von ihnen [...] Wahrheit und Falschheit auftritt“ (Descartes 1993: 32). Die erste Klasse sollen die Bilder im Geist sein, also die Vorstellungen. Die anderen beiden seien die Willensakte oder Gemütsbewegungen und die Urteile. Die ersteren beiden Klassen können laut Descartes keine Falschheit in sich tragen, denn wenn ich mir auch etwas noch so abwegiges vorstelle, so bleibt es doch wahr, dass ich es mir vorstelle. Ein ähnliches Prinzip wird auf die Willensakte angewandt, denn ich könne etwas wollen, dass real nie existieren mag, es bliebe aber wahr, dass ich es will. Es blieben also die Urteile, die für Irrtümer anfällig seien. Besonders, so Descartes, habe man sich vor dem Fehler zu hüten, dass man urteilt, eine Vorstellung sei einem außerhalb des eigenen Selbst befindlichen Körper gleich oder ähnlich. Solche Vorstellungen seien nun in dreierlei Varianten gegeben; die angeborenen (Verständnis von Wahrheit, Bewusstsein), die erworbenen (Sinneseindrücke) und die selbst gemachten (Fabelwesen, Fantasien) Vorstellungen (Descartes 1993: 33). Da es gegeben sei, dass man erworbene Vorstellungen auch gegen den eigenen Willen empfängt, zum Beispiel das Gefühl von Wärme an einem Feuer, läge
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die Annahme nahe, man bekäme die Eindrücke von etwas, was sich außerhalb des eigenen Selbst befindet, obwohl die Existenz solcher Entitäten noch unbewiesen bleibt (Descartes 1993: 34). Wichtig sei auf jeden Fall zu unterscheiden, dass es nicht das natürliche Licht - also die angeborene intellektuelle Anlage, der Wille zur Tugendhaftigkeit - ist, das diese Vorstellungen hervorbringt. Sei das natürliche Licht doch niemals trügerisch, sondern nur die natürlichen Triebe, wenn sie einen zum Schlechten anstifteten (Descartes 1993: 34). Descartes führt als Beispiel das vom reinen Trieb hervorgebrachte, verfälschte Bild der Sonne an, welche ihm als sehr klein vorschwebt, obwohl sie in Wirklichkeit doch um ein Vielfaches größer sei als die Erde. Diese Tatsache soll ihm genügen anzunehmen, er sei bisher nicht aufgrund rationalen Urteilens von der Existenz von außer ihm befindlichen Dingen ausgegangen, sondern aus purem Trieb (Descartes 1993: 35). Es sei jedoch auch auf anderem Wege möglich zu prüfen, ob solche äußeren Entitäten bestehen. Vergleiche man alle Vorstellungen in ihrer Ungleichheit, so sei es doch augenscheinlich, dass einige mehr Gehalt hätten als andere. Die Vorstellung eines allmächtigen Gottes sei dabei die gehaltvollste und bloße Zustandsbestimmungen die gehaltlosesten. Da nun eine Vorstellung mit einem bestimmten Gehalt als Ursache nicht ein Ding haben könne, welches weniger Gehalt besitze, als die Vorstellung von eben diesem, so könne nichts aus dem Nichts entstehen und etwas vollkommeneres nicht aus etwas minder vollkommenerem (Descartes 1993: 36).
Im nächsten Schritt soll eine weitere Fehlerquelle aufgetan werden, da sich Vorstellungen nur so weit erklären ließen, als dass sie körperliche Ausdehnung aufweisen. Vorstellungen von Attributen wie Licht, Ton, Farbe oder Temperatur seien doch sehr unklar. Man spräche hier von einer „psychologischen Unwahrheit“ (Descartes 1993: 39), die eben dann vorläge, wenn eine Vorstellung gar nichts darstelle, dies aber auf eine Weise, als sei sie etwas. Seien diese nichtigen Vorstellungen nun unwahr, so schließt Descartes, sei es auf die eigene Unvollkommenheit zurück zu schließen, dass man sie nicht als unwahr erkenne. Wären sie aber wahr, so gäbe es keinen Grund, dass sie nicht auch aus einem selbst entstünden, sei ihr Sachgehalt doch so gering, dass er sich nicht vom Gehaltlosen unterscheiden ließe (Descartes 1993: 40). Des weiteren sei es möglich, sich Entitäten wie Engel, andere Menschen oder Tiere allein aus dem eigenen Geist und der Erkenntnis über das eigene Dasein vorzustellen. Es bliebe lediglich zu prüfen, ob „die Vorstellung Gottes [...] nicht aus mir selbst hervorgehen könne“ (Descartes 1993: 41), so Descartes. Da er sich Gott als „unendlich, unabhängig, allwissend und allmächtig“ (Descartes 1993: 41), sowie als den Schöpfer von allem vorstellt, und etwas derartiges nicht aus ihm selber hervorgehen könne, so sei es doch unausweichlich, dass die Substanz ‚Gott notwendig
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Julian Behnen, 2008, Reflektion der "Meditationen über die Grundlagen der Philosophie" von René Descartes, München, GRIN Verlag GmbH
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