Elite durch Bildung
Eine Analyse des Zusammenhangs zwischen deutscher Macht-Elite und dem Einfluss der Bildung
Eine Hausarbeit im Rahmen des Seminars: Soziale Mobilität
WS 2007/08
Bielefeld, 14. Juni 2008
Inhaltsverzeichnis
Abstract 3
1. Einleitung 3
2. Der Begriff Elite und seine soziologische Bedeutung 3
2.1 Elite nach Dahrendorf 4
2.2 Elite nach Scheuch 5
2.3 Elite nach Geißler 6
2.3.1 Die deutsche Macht-Elite 6
2.3.2 Elite, Schicht und Bildungszugang 10
2.3.3 Bildungstendenzen und Bildungschancen in Deutschland 12
2.3.4 Die Ursachen der Bildungsungleichheit 15
3. Resümee 17
4. Literaturverzeichnis 19
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Abstract
Elite is a term we came to use very often in everyday life. We relate this term to many different branches of life. Without having a clear idea of what elites really are, we are talking about financial elites as well as scientific elites and sports elites. In this essay we are going to outline the sociological definition of the term elite and the emergence and recruitment of these.
1. Einleitung
Der Begriff Elite begegnet uns im alltäglichen Sprachgebrauch immer häufiger in den unterschiedlichsten Kontexten. Wir sprechen über Finanz-Eliten, Bildungs-Eliten, Sport-Eliten, etc. Eine genaue Begriffsdefinition haben wir dabei meistens nicht im Kopf. Der Begriff Elite hat sich eingebürgert und beschreibt etwas, wovon man eigentlich kein klares Bild hat, aber trotzdem Subjekte der Gesellschaft zuordnen kann. Auch über die Frage, wie sich Eliten konstituieren machen wir uns keine Gedanken, wenn wir über Eliten sprechen.
In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, was der Begriff Elite in der Soziologie überhaupt bedeutet und wie sich Eliten eigentlich rekrutieren. Zu Beginn wird der Begriff Elite unter Berücksichtigung verschiedener theoretischer Ansätze vorgestellt. Im Anschluss wird die Entstehung, bzw. Rekrutierung von Eliten genauer beleuchtet. Daran anschließend erfolgt eine Diskussion der Zugangschancen zum Bildungssystem in Deutschland und wie diese mit dem Zugang zur deutschen Macht-Elite zusammenhängen. Es werden die Ähnlichkeiten der Auswahl in beiden Systemen aufgezeigt und herausgearbeitet wie Bildungsabschlüsse den Einzug in Eliten beeinflussen.
2. Der Begriff Elite und seine soziologische Bedeutung
In diesem Teil der Arbeit wird ein Überblick über verschiedene Ansätze zur theoretischen Beschreibung von Eliten gegeben. Im historischen Verlauf haben sich viele verschiedene Autoren mit diesem Thema auseinandergesetzt. Natürlich würde der Rahmen dieser Arbeit gesprengt, wenn alle Ansätze vorgestellt würden und so beschränkt sich diese Arbeit auf die Vorstellung einiger weniger aussagekräftiger Ansätze.
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Im soziologischen Kontext wird Elite als Begriff verwendet, der sich auf die politische Elite eines Landes bezieht. Der Begriff geht einher mit dem Begriff Macht und in diesem Kontext kennzeichnet er die Gruppe der Machtinhaber. Das Lexikon der Soziologie beschreibt Elite als ,,die Summe der Inhaber von Herrschaftspositionen, deren Entscheidungen aufgrund ihrer Positions-Rollen gesamtgesellschaftliche Folgen haben können." (Fuchs-Heinritz u.a. 1995: 163). In einem nächsten Schritt wird die politische Elite Deutschlands nach Dahrendorf und Scheuch kurz erklärt, die sich jeweils aus unterschiedlichen Sicht- und Herangehensweisen mit Elite auseinandergesetzt haben. Danach wird das Modell von Geißler vorgestellt.
2.1 Elite nach Dahrendorf
Dahrendorf bezieht sich bei seinen Ausführungen auf die deutsche Elite und beschreibt diese als pluralistisch. Er erkennt keine Einheit in der Elite, die als verbindendes Merkmal die Elite kennzeichnen könnte. Diese Aussage manifestiert er durch die Anbringung des Beispiels der politischen Elite in Deutschland. Hier sei besonders gut zu erkennen, dass die Elite pluralistisch ist, da sie in unterschiedliche, gleichgestellte und unabhängige Teileliten aufgeteilt ist, die darüber hinaus untereinander in einem Konkurrenzkampf stehen (vgl. Dahrendorf 1968: 296f.).
Auch auf der sozialen Ebene stellt Dahrendorf einen Pluralismus fest. Die Eliteangehörigen weisen sehr unterschiedliche Lebensläufe auf und unterhalten zumeist keine verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Verhältnisse untereinander. Auch kulturell bildet sich keine einförmige Elite heraus, da die einzelnen Mitglieder über eigene Ansichten und Meinungen verfügen und diese auch vertreten und somit auch hier kein gemeinsamer Nenner ausgemacht werden kann (siehe hierzu Dahrendorf 1968: 258, 296).
Zur Rekrutierung von Eliten erklärt Dahrendorf, dass diese sich in den meisten Fällen selbst rekrutieren. Die Rekrutierung erfolgt häufig aus den höheren sozialen Schichten. Besonders Beamte und Juristen gehören seiner Meinung nach der deutschen Elite an. Die deutsche Elite ist ,,durch Positionshäufungen und informelle Beziehungen miteinander verflochten, doch reichen diese Gemeinsamkeiten seiner Meinung nach nicht aus, um die deutsche Elite zu einer etablierten, d.h.: kohärenten und monistischen Elite zu machen" (Felber 1986: 47). Die einzige Gemeinsamkeit der Elitemitglieder ist laut Dahrendorf ihre Zugehörigkeit zur Elite. In diesem Zusammenhang spricht er auch von einer "abstrakten Elite" (Dahrendorf 1968: 306).
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Zur Erklärung des Fehlens einer kohärenten Elite in Deutschland führt Dahrendorf an, dass sich im historischen Verlauf gezeigt habe, dass die einzelnen Gruppen in Deutschland schon immer gegeneinander in einem Konkurrenzkampf gestanden hätten und so die Ausbildung einer homogenen Elite dem Kampf der Einzelnen um die Macht zum Opfer gefallen sei (vgl. hierzu Dahrendorf 1968: 297).
An diesem Beispiel wird deutlich, wie schwierig es ist, Elite zu definieren. Aus Dahrendorfs Annahmen lässt sich jedoch ableiten, dass sich Eliten durch Homogenität auszeichnen sollten. Sie sollten über einen gemeinsamen Nenner verfügen, ein Bindeglied haben und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dahrendorf konnte eine solche Elite in Deutschland nicht feststellen, obwohl er zugab, dass sich die Elite aus sich selbst rekrutiert. Dass also Elitemitglieder neue Mitglieder aus gleichen Schichten, also mit ähnlichen Attributen wie den eigenen, rekrutiert. Dies spricht schon für einen gemeinsamen Nenner innerhalb der Elite Deutschlands, denn die Elitemitglieder scheinen nach bestimmten Kriterien die Auswahl der neuen Mitglieder zu treffen. Innerhalb der Elite scheint es also doch einen gemeinsamen Nenner zu geben, der auch die Auswahlkriterien beeinflusst. Nur scheint dieser innerhalb Deutschlands unter den Teileliten stark zu differieren, so dass sich keine homogene Elite etablieren konnte.
2.2 Elite nach Scheuch
Den Pluralismus der deutschen Elite erklärt Scheuch systemtheoretisch-funktionalistisch. Er bezeichnet die Aufgabe der Elite als das Treffen von Entscheidungen für gesellschaftliche Gruppen, denen so Entscheidungen erleichtert und sogar abgenommen werden können. Die Elite besteht aus Menschen, die selbst nur über eingeschränkte Informationsverarbeitungs- und Entscheidungskapazitäten verfügen. Um diese Kapazitäten nicht zu überbeanspruchen, ist es eine notwendige Bedingung, dass von der Elite Entscheidungen in begrenzter Zeit mit begrenzten Informationen getroffen werden können (vgl. Felber 1986: 51). Durch die stetige Weiterentwicklung der Gesellschaft wird es für die Elite immer schwieriger zu Entscheidungen zu kommen, da die Komplexität stark angestiegen ist und die Kapazitäten der Elite immer mehr an ihre Grenzen bringt und überfordert. Die Elite reagiert auf diese Veränderungen mit einer Verringerung der Komplexität und einer Reduktion ihrer Überforderung. Scheuch spricht von einer Arbeitsaufteilung innerhalb der Elite...
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Dipl. Soz. Carolin Schneider, 2008, Elite durch Bildung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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