Johannes Gutenberg - Universität Mainz Historisches Seminar, Abteilung für Mittelalterliche Geschichte Proseminar: „Barbaren und Bischöfe: Die Christianisierung Europas im Frühmittelalter“ SS 2002
Naemi Fast
Studienfächer:
1. Mittlere und Neuere Geschichte (02)
2. Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (02)
I
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
I. Die Lebenswelt des St. Patrick
Britannien und Irland im 4 . und 5. Jahrhundert 3
1. Das römische Britannien 3
2. Irland 5
II. Die mittelalterliche Überlieferung über St. Patrick 6
1. Patricks Schriften 7
a) Der Brief an die Soldaten des Coroticus 7
b) Die Autobiographie Patricks 8
c) Weitere Zeugnisse 8
2. Die Patricksviten des Mittelalters 9
a) St. Patrick in den Schriften Ultans und Tirecháns 9
b) Muirchús Patricksvita 9
c) Weitere Patrickslegenden 10
d) Patrick in der mittelalterlichen Poesie 10
III. Das Leben Patricks 10
1. Lebenszeit 10
2. Herkunftsort 11
3. Familie 12
4. Gefangennahme 12
5. Bekehrung S 13
6. Flucht 13
7. Ausbildung 14
8. „Berufung“ 14
9. Wirken in Irland 15
10. Gegner 16
11. Tod und Begräbnis 17
Schlußwort 17
Literaturverzeichnis 19
II
Einleitung
Mittelalterliche Heilige - sagenumwobene, von den Gläubigen verehrte Gestalten, denen oft übernatürliche Wunderereignisse und Taten zugeschrieben werden. Die mittelalterliche Hagiographie weist zahlreiche Heiligenviten auf, bei denen Geschichte und Legende miteinander verflochten und schwer zu trennen sind. Meistens haben sich die verehrten Personen durch eine besondere Leistung für den christlichen Glauben, die Kirche und die Menschen ausgezeichnet, aufgrund derer sie selig- oder heiliggesprochen, oder auch ohne offizielle Kanonisierung verehrt werden. Eine solche Gestalt, die im Dunkel der frühmittelalterlichen Geschichte fast versinkt, ist Patrick von Irland. In der Tradition gilt er als Begründer der irischen Kirche, die sich in einigen Hinsichten von der lateinischen unterscheidet. Er ist der schlechthin bekannteste und beliebteste Heilige Irlands, der aber nie in Rom kanonisiert wurde. Die Iren müssen schon vor Patrick Begegnungen mit dem Christentum gehabt haben, trotzdem ist er die Person, die man in erster Linie mit der Christianisierung Irlands verbindet, was an der starken Heroisierung seiner Persönlichkeit seit Mitte des 7. Jahrhunderts liegen mag. 1 Um die Lebensgeschichte Patricks ranken sich zahlreiche Legenden, im werden viele Wunder und weise Taten zugeschrieben, von denen in seinen eigenen Schriften nichts zu finden ist. Die vorliegende Hausarbeit ist ein Versuch, die Quellenlage mit Informationen über Patrick etwas zu überblicken und aus den als authentisch geltenden Quellen, also Patricks eigenen Schriften, herauszufinden, was über das Leben des historischen Patrick bekannt ist. Dabei erwähne ich gegebenenfalls nur die mittelalterlichen Patrickslegenden, gehe aber nicht näher auf sie ein. Historiker, die sich mit St. Patrick beschäftigt haben, liefern unterschiedliche Deutungen seiner Persönlichkeit - skeptische, bewundernde, verurteilende. Die mittelalterliche Legendenbildung hat seine Bedeutung als der Apostel Irlands wohl weit überschätzt, kritische Keltologen wie Heinrich Zimmer tun ihn dagegen als erfundene Fabel ab. 2 Die meisten Fachleute aber gehen von der Echtheit der Patricksschriften Confessio und der Epistola ad Milites Corotici aus und akzeptieren daher auch die tatsächliche Existenz Patricks im frühen Mittelalter. Danach habe auch ich mich in der Hausarbeit gerichtet. Außer der beiden oben erwähnten Schriften Patricks habe ich
1 Siehe dazu Bieler, Ludwig: Die Patrickslegende. Geschichtliche Bedingungen, thematische Entfaltung, literarische Formung. Sonderdruck aus dem Anzeiger der phil.-hist. Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Jahrgang 1965, Graz/Wien/Köln 1965
2 Nach A.C.J. Loos: Keltentum. Untergang und Auferstehung. Die altirische Kirche, 19xx, S. 80.
III
einige historische Abhandlungen und Artikel über die irische Kirche und den irischen Nationalheiligen zu meiner Arbeit herangezogen. Nach einer kurzen Darstellung des Umfeldes, in dem Patrick sich bewegte, gehe ich kurz auf die schriftlichen Quellen ein, aus denen man die Informationen über ihn hat und skizziere dann seinen Lebenslauf, wie man ihn anhand seiner eigenen Aussagen rekonstruieren kann.
Hinweis zur Terminologie: Die Begriffe Christ, Bekehrung, Kirche und Bischof haben in jener Zeit wesentlich stärker neutestamentlich orientierten Inhalt als heute und sind nicht in der heutigen kirchlich-säkularisierten Umdeutung zu verstehen. So wäre es vielleicht treffender, „Kirche“ als „Gemeinde“ zu bezeichnen und „Bischof“ als „Ältester“. Weil in der Forschung aber allgemein die Worte „Kirche“ und „Bischof“ verwendet werden, habe ich es in der Hausarbeit auch so gehalten.
Zur Schreibung: Da ich selbst an Gott und Seine Offenbarung in der Bibel glaube, ist es für mich ein Zeichen der Ehrfurcht, daß ich die Personalpronomen für Gott groß schreibe.
4
I. Die Lebenswelt des St. Patrick - Britannien und Irland im 4. und 5. Jahrhundert
1. Das römische Britannien 3 :
Es war eine unruhige Zeit, in welcher der als Irlandapostel bekannte Patrick sein Wirken entfaltete - die Zeit des Niedergangs der römischen Herrschaft auf der Insel Britannien.
Mit den Eroberungsfeldzügen des römischen Kaiser Claudius 43 n. Chr. begann die eigentliche Besetzung Britanniens durch die Römer. Die vorher dort dominierenden belgischen Stämme mit ihren Königen unterwarfen sich den Römern, nachdem sie ihnen 100 Jahre zuvor erbitterten Widerstand geleistet hatten. Bis 122 n. Chr. drangen die Römer weit in den Norden des Landes vor, und Kaiser Hadrian ließ zwischen Tyne und Solway Firth den „Hadrianswall“ 4 zur Absicherung der Grenze bauen. Um 210 verstärkte Kaiser Septimus Severus den Wall als endgültige Grenze, nachdem die eindringenden kaledonischen Stämme zurückgedrängt worden waren. Von Severus‘ Sohn Caracalla bekamen 212 alle freien Reichsangehörigen außer den halbkultivierten Stämmen durch die Constitutio Antonina das römische Bürgerrecht. Patrick wurde etwa 160 Jahre später in einer Familie geboren, die dieses Bürgerrecht besaß 5 . In der friedlichen Folgezeit konnte sich die römische Wohnkultur in den britischen Provinzen unter dem Schutz der beiden großen Militärzonen von Wales und Nordengland weit entfalten. Die zivile Kernzone des Landes südlich und östlich der Flüsse Trent und Severn war von großen Legionslagern mit etwa einem Zehntel des gesamten römischen Heeres bewacht. Die um 197 n. Chr. in Britannia inferior und Britannia superior eingeteilten Provinzen wurden bei der Umorganisation des Imperiums unter Diokletian (284-305) in die vier Provinzen Prima, Secunda, Maxima und Flavia gegliedert. Auf der Ebene der niederen Selbstverwaltung blieb man wahrscheinlich bei der älteren Stammesgliederung. London hatte sich unter den Römern von einer immer bedeutender werdenden Handelsstadt zur größten Stadt Britanniens, zur fünftgrößten Stadt der nördlichen Reichsprovinzen und zum Finanzzentrum entwickelt. Im 4. Jahrhundert erhielt es den Titel „Augusta“ und wurde zum Bischofssitz. Andere bedeutende Städte Britanniens waren Colchester mit dem Tempel des Claudius als Kultmittelpunkt, Lincoln, Gloucester, York und Verulamium. Nahe der großen Städte waren große römische Landsitze mit Bauern, Sklaven und Kleinindustrien entstanden. Die dort ansässigen Gutsherren waren ehemalige römische
3 nach Kluxen, Kurt: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart 1991, S. 2-11.
4 Der Hadrianswall ist ein 73 Meter langer Limes mit Wachttürmen und 17 Kastellen.
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Arbeit zitieren:
Naemi Fast, 2003, Patrick von Irland, München, GRIN Verlag GmbH
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