"...da hab ich mich so frei gefühlt".
Spielstunden im SOS-Beratungszentrum aus der
Sicht der Kinder
Interviews mit Kindern und Beraterinnen/Beratern in der Erziehungsberatungsstelle
Diplomarbeit im Fach Psychologie
an der Ludwig-Maximilians-Universität
vorgelegt von Ines Schelhas
München im September 2007
1 Einleitung S.5
1.1 Begriffsdefinition S.6
2 Konzept und Fragestellung S.7
2.1 Zur "Grounded Theorie" S.8
2.2 Die Entwicklung der Fragestellung S.9
2.3 Reflexive Sozialpsychologie und qualitative Sozialforschung S.10
3 Überblick zum Stand der Forschung S.12
3.1 Quantitative Studien S.13
3.2 Qualitative Untersuchungen S.14
4 Kinder in der Erziehungsberatung S.16
4.1 Effekte der Erziehungsberatung S.17
4.2 Beurteilung der Erziehungsberatung aus Kindersicht S.18
4.3 Die Entwicklung des Settings in der Beratung S.21
4.3.1 Das familienorientierte Setting S.21
4.3.2 Die Kombination aus Einzel- und Familiensetting S.22
5 Das SOS-Beratungs- und Familienzentrum S.24
5.1 Konzept der Einrichtung und Leitbild S. 24
5.2 Praxisforschung und Qualitätsmanagement S.27
5.3 Der Weg zur Erziehungsberatungsstelle S.28
5.3.1 Das Aufnahmeverfahren S.29
5.3.2 Die Beratungsanlässe S. 29
5.4 Beratung oder Therapie? S.31
5.4.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede S.31
5.4.2 Die Spielstunden in der Beratungsstelle S.33
5.5 Emotionale Störungen bei Kindern S.34
5.5.1 Risiko- und Schutzfaktoren der kindlichen Entwicklung S.35
5.5.2 Merkmale emotionaler Störungen S.37
6 Spieltherapie S. 37
6.1 Die Nichtdirektivität in der Spieltherapie S.39
6.2 Die Rolle der TherapeutInnen S.40
6.3 Das Spielzimmer als Schutzraum S.42
6.4 Spieltherapie als "Reifungshilfe" S.43
6.5 Abgrenzung zur Lösungsorientierten Therapie S.44
6.6 Die Einbeziehung der Eltern S. 44
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6.7 Wirksamkeit von Psychotherapie S.46
7 Methodisches Design S.48
7.1 Das Leitfaden-Interview S.49
7.1.1 Die Erstellung des Interviewleitfadens S.50
7.1.2 Die Entwicklung des Playmobiltests S.51
7.2 Die Durchführung der Interviews und des Playmobiltests S.52
7.2.1 Das Problem der Suggestion S.53
7.3 Die Untersuchungsgruppen S.55
7.3.1 Vorstellung der Kinder S.56
7.3.2 Die Beraterinnen und Berater S.57
7.3.3 Exkurs: Zur Methodologie der Kindheitsforschung S.58
7.4 Die Methodik der Auswertung S.59
8 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Zeitpunkt I S.62
8.1 Die Lebenssituation der Kinder S. 62
8.1.2 Die Problemdefinition der Kinder S. 62
8.1.3 Die Lebenssituation aus Sicht der BeraterInnen S.65
8.1.3.1 Exkurs: gegenwärtige Lage von Kindern als Asylbewerber in Deutschland S.66
8.1.4 Die familiären Beziehungen der Kinder S.69
8.1.5 Wünsche und Phantasien der Kinder S.71
8.1.6 Bisherige Lösungsversuche und Ressourcen S.73
8.2 Der Zugang zur Beratungsstelle und zu den Spielstunden S.75
8.2.1 Partizipation der Kinder an Entscheidungsprozessen S. 75
8.2.2 Erwartungen der Kinder S.79
8.3 Die Spielstunden S.80
8.3.1 Das Setting der Spielstunden S. 80
8.3.2 Die Spielstunden als Freiraum S.82
8.3.2.1 Die Spielstunden als Freiraum: die Sicht der Kinder S.83
8.3.2.2 Die Spielstunden als Freiraum: die Sicht der BeraterInnen S.85
8.3.3 Die Beziehung zwischen Kindern und ihren BeraterInnen S.87
8.3.3.1 Die Beziehung aus der Sicht der Kinder S. 87
8.3.3.2 Die Beziehung aus der Sicht der BeraterInnen S.90
8.4 Vorläufiges Resümee nach den ersten Interviewgesprächen S.92
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9 Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Zeitpunkt II S.93
9.1 Die Lebenssituation der Kinder S. 92
9.1.1 Die externen Veränderungen S. 92
9.1.2 Individuelle Veränderungen beim Kind S.95
9.1.2.1 Die individuellen Veränderungen aus der Sicht der Kinder S. 95
9.1.2.2 Die individuellen Veränderungen aus der Sicht der BeraterInnen S.97
9.1.3 Veränderungen der familiären und sozialen Beziehungen S.100
9.2 Die Spielstunden S.101
9.2.1 Das Setting der Spielstunden S.102
9.2.2 Die Spielstunden als Freiraum S. 102
9.2.2.1 Die Spielstunden als Freiraum: die Sicht der Kinder S.103
9.2.2.2 Die Spielstunden als Freiraum: die Sicht der BeraterInnen S.107
9.2.3 Die Beziehung zwischen Kindern und ihren BeraterInnen S.109
9.2.3.1 Die Beziehung aus der Sicht der Kinder S.109
9.2.3.2 Die Beziehung aus der Sicht der BeraterInnen S.110
9.2.4 Der Abschied von den Spielstunden S.112
9.3 Wünsche und Phantasien der Kinder S.113
10 Persönliche Stellungnahme S.116
10.1 Diskussion und Zusammenfassung der Ergebnisse S. 116
10.2 Ausblick und Folgerungen für die Praxis S.120
11 Literaturverzeichnis S.123
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Danksagung
Für seine Beratung und Unterstützung möchte ich Dr. Bernhard Kühnl vom SOS-Beratungszentrum danken. Mein Dank gilt auch seinen Kolleginnen und Kollegen, deren Kooperation diese Arbeit ermöglicht hat. Weiter möchte ich Dr. Joachim Hohl für die Betreuung der Arbeit von Seiten der Universität danken sowie Renate Laub, die mir bei der Vorbereitung zu den Interviews geholfen hat. Frau Mittelsten Scheid dafür, mir geduldig Gehör zu schenken und natürlich meinem Mann für seine Anteilnahme und Unterstützung. Besonderer Dank gilt auch meinen Eltern.
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1 Einleitung
Erziehungsberatung ist dem Wort nach ein Angebot für Eltern, die Hilfe bei der "Erziehung" ihres Kindes suchen. Seit den 1970er Jahren ist in diesem Zusammenhang jedoch auch der Kontext der Familie ins Blickfeld gerückt. Die Kinder werden stärker miteinbezogen und erhalten parallel zur Beratung der Eltern oftmals Einzelspielstunden in der Erziehungsberatungsstelle heute versteht sich Erziehungsberatung als Erziehungs- und Familienberatung (vgl. Lenz 2001, S.7).
Doch wie nehmen Kinder eigentlich die Angebote wahr, die ihnen in der Erziehungsberatungsstelle gemacht werden? Welche Sicht haben sie auf sich selbst, ihre Familie und auf die BeraterInnen? Kinder werden in der Kinder- und Jugendhilfe nicht automatisch als Klienten, als eigenständige Personen wahrgenommen, die etwas zur Problematik der Familie zu sagen und eine Meinung zu der (mit ihnen durchgeführten) Maßnahme haben. Ihre Meinung ist aber hörenswert, weil es sich um die Wahrnehmung der Betroffenen handelt. Schließlich suchen Eltern eine Erziehungsberatungsstelle auf, weil etwas mit dem Kind "nicht stimmt" und das Kind familiäre Konflikte verursacht oder deutlich macht. Die Stimme der Kinder ist wertvoll, weil niemand bessere Anregungen für die Optimierung und Weiterentwicklung von pädagogischen oder therapeutischen Maßnahmen liefern könnte als sie. Ihre Stimme ist wertvoll, weil Kinder ein Recht haben, gehört und ernst genommen zu werden. Und sie ist wertvoll, weil Kinder eine leise Stimme haben, die nicht von alleine hörbar ist, sondern erfragt werden muss. Die "neue Kindheitsforschung" betont die Notwendigkeit, "Kindern `Gehör′ zu verschaffen, ihnen eine Stimme zu geben" (Mey 2001, Absatz 11) seit vielen Jahren. Die Kinder, die ich im Rahmen dieser Arbeit befragt habe, besuchten die Spielstunden in der SOS-Beratungsstelle in München Berg-am-Laim und haben mir Antworten auf folgende Fragen gegeben: Wie bewerten die Kinder die Spielstunden im SOS-Beratungszentrum? Was finden sie gut oder schlecht? Über welche Veränderungen können sie berichten?
Im Rahmen dieser Arbeit können zwar nicht die Wirkfaktoren der Spielstunden benannt werden, ich möchte jedoch die Veränderungen beschreiben und vorsichtige Schlussfolgerungen ziehen, womit sie zusammenhängen könnten. Die Aussagen der BeraterInnen sollen dabei helfen, das Bild der Kinder um einige Facetten aus der Sicht der Erwachsenen zu bereichern. Ich möchte dazu beitragen, die Spielstunden und die Beratung
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der Familie im Sinne der Klienten (und eben nicht nur der erwachsenen Klienten!) weiterzuentwickeln. Durch mein Praktikum in der SOS-Beratungsstelle konnte ich selbst Einblicke in die Spielstunden gewinnen und mich langsam der oben genannten Fragestellung annähern. Außerdem habe ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Sozialpädagogin in einer sozialpädagogischen Tagesgruppe erlebt, dass bei allem guten Willen und den Bemühungen um Hilfestellung für die Familien oftmals die Kinder aus dem Blickfeld rücken; vielleicht auch, weil es "einfacher" ist, Maßnahmen ohne deren Mitwirkung zu planen (gemäß dem Motto "wir wissen, was gut für dich ist"). Ohne die Beteiligung der unmittelbar Betroffenen läuft man jedoch allzu leicht Gefahr, völlig an deren Bedürfnissen vorbei zu agieren. Meine Motivation, mich der Befragung der Kinder zuzuwenden, entstand zudem in Folge der Tatsache, dass bisher nur wenige Publikationen existieren, die die Wahrnehmung der Kinder als Klienten, Patienten oder gar "Kunden" von psycho-sozialen Einrichtungen beschreiben. Obwohl die Maßnahmen sich in der Kinder- und Jugendhilfe um das Wohl und die Entwicklung der Kinder bemühen, laufen Entscheidungen und Prozesse häufig ohne Partizipation der Kinder ab, so dass den Kindern oft kaum mehr bleibt, als sich in das bereitgestellte Helfer-System einzufügen.
Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich versuchen, den Fokus auf die Wahrnehmung der Kinder als junge Klienten zu richten und die wissenschaftliche "Lücke" in diesem Bereich damit ein Stück weit zu schließen. Ich möchte den Kindern für ihre Bereitschaft mir zu helfen, meinen Fragen auf die Spur zu kommen, danken. Die Interviews waren für mich ein eindrucksvolles Erlebnis. Sie haben mir gezeigt, dass, wer zuhört, von Kindern Erstaunliches erfahren kann. Die Gespräche waren bereichernd und haben mich in meiner Vermutung bestätigt, dass Kinder sehr viel zu sagen haben und erstaunlich reflektiert über sich und ihre Umwelt berichten können.
1.1 Begriffsdefinition
Um Missverständnissen vorzubeugen, erscheint es mir wichtig, zwei Begriffe zu erläutern, die in der vorliegenden Arbeit zentral sind:
- Spielstunde: In der Einleitung war von den "Spielstunden" die Rede, die die Kinder im SOS-Beratungszentrum besuchen. Dabei findet wöchentlich für 50 Minuten ein Einzelkontakt einer/s Beraterin/s mit dem Kind im Spielzimmer der Einrichtung statt. Das
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Setting unterscheidet sich formal und inhaltlich kaum von dem einer "Spieltherapie". Die Beratungsstelle stellt aber nur Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) VIII bereit, so dass keine heilkundlichen Leistungen angeboten werden dürfen. Rechtlich gesehen handelt es sich deshalb nicht um Therapie. Im Konzept des SOS-Beratungszentrums ist von "Einzelbetreuung" für Kinder mit einer "eindeutigen emotionalen Problematik" (SOS-Beratungs- und Familienzentrum 2003, S.8) die Rede. Weiter heißt es: "Methodisch dient das Spiel als Hauptmedium. Die konkreten Umgangsweisen sind nondirektiv oder verhaltenstherapeutisch/ gestalttherapeutisch" (ebd.). Auch wenn praktisch gesehen also die Spielstunden einer Therapie entsprechen, dürfen sie nicht als solche bezeichnet werden. Ich werde aus diesem Grund im Folgenden den Begriff "Spielstunde" verwenden. Eine vertiefte Auseinandersetzung zur Unterscheidung der Begriffe "Therapie" und "Beratung" findet sich unter Punkt 5.4.
- BeraterInnen: Die Spielstunden werden von den Beraterinnen und Beratern des SOS-Beratungszentrums durchgeführt, die den "Fall", also die Familie übernehmen und neben dem Kind auch die Eltern regelmäßig zu Gesprächen sehen. Es arbeiten Diplom-PsychologInnen und Diplom-PädagogInnnen sowie Diplom-SozialpädagogInnen mit den Familien. Die FachmitarbeiterInnen verfügen in der Regel über eine therapeutische, mediatorische oder supervisorische Zusatzausbildung. "Mehrere MitarbeiterInnen sind als Psychologische Psychotherapeuten bzw. Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen approbiert" (SOS-Beratungs- und Familienzentrum 2003, S.11). Die Spielstunden werden jedoch nicht zwingend von KinderpychotherapeutInnen durchgeführt. Außerdem können auch StudentInnen der Psychologie oder Sozialpädagogik im Rahmen eines Praktikums im SOS-Beratungszentrum Spielstunden mit einzelnen Kindern abhalten (was während meines Praktikums auch der Fall war). Sie werden dabei von einer Fachkraft angeleitet und supervidiert, führen die Stunden aber eigenverantwortlich durch. Im Folgenden werde ich im Sinne einer einheitlichen Formulierung von "BeraterInnen" sprechen, um den beschriebenen Personenkreis abzudecken.
2 Konzept und Fragestellung
In diesem Kapitel möchte ich den Prozess der Entwicklung, ausgehend von meinen noch vagen Fragen bis hin zum Konzept für die vorliegende Arbeit darstellen. Diese Entwicklung zu skizzieren erscheint mir wichtig, da es sich um eine zirkuläre Annäherung zu einer Fragestellung handelt und nicht um ein Konzept mit klaren Hypothesen, das von
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Anfang an feststand. Die Untersuchung wurde mit den Methoden der qualitativen Sozialforschung durchgeführt, die ich später genauer erläutern werde. In diesem Zusammenhang ist ein Verweis auf das Vorgehen nach der sogenannten "Grounded Theorie" angebracht, um darzulegen, wie sich die Fragestellung und somit das Konzept prozesshaft weiterentwickeln konnten.
2.1 Zur "Grounded Theorie"
Die "Grounded Theorie" wurde von B.G. Glaser und A.L. Strauss in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts innerhalb der amerikanischen Soziologie entwickelt. Sie geht davon aus, dass der Forscher während der Datensammlung theoretische Konzepte, Konstrukte und Hypothesen entwickelt, verfeinert und verknüpft, so dass Erhebung und Auswertung sich überschneiden. Damit wird ausdrücklich zugelassen, dass sich das Konzept während der Datenerhebung weiterbildet und sich erst im Laufe der Zeit ein theoretisches Gerüst entwickelt, das Stück für Stück vervollständigt wird. Stößt der/die ForscherIn während der Arbeit auf interessante Aspekte, kann davon ein neuer Impuls zur Datenerhebung ausgehen. Diese Kreisprozesse führen dann zur endgültigen Fassung der theoretischen Konzepte (Mayring, S. 82f.). So steht also nicht eine Theorie, die verifiziert oder falsifiziert werden soll, am Anfang der Untersuchung, sondern ein eher weitgefasster Untersuchungsbereich, dem sich der/die ForscherIn annähert. Im Voraus getroffene theoretische Annahmen und Erwartungen haben einen "offenen" Charakter und können sich im Laufe des Forschungsprozesses verändern. Dabei "sollten [sie] idealiter in einem steten Austauschprozess zwischen qualitativ erhobenem Material und zunächst noch wenig bestimmtem theoretischen Vorverständnis präzisiert, modifiziert oder revidiert werden" (Hopf 1979, S.15).
So galt meine Neugier zu Anfang ganz generell den Meinungen der Kinder über die Spielstunden und erst im Laufe der Zeit kristallisierte sich heraus, was im Bezug darauf bedeutsam ist (z.B. die Zuschreibungen der Kinder, weshalb sie zur Spielstunde gehen). Die "Grounded Theorie" bietet die Möglichkeit, Neues zu entdecken und sich auf ein Terrain zu begeben, das sich erst mit der beginnenden Untersuchung eröffnet, weil Datensammlung, Auswertung und das Entwickeln einer Theorie in einer wechselseitigen Beziehung zueinander stehen. Mit anderen Worten: "Der Forscher arbeitet nicht mit einer vorgefertigten Theorie, die er durch seine Untersuchung bestätigen möchte, sondern
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entwickelt im Rahmen seiner empirischen Vorgehensweise seine Theorie weiter" (Kühnl 2000, S.60).
Im vorliegenden Fall habe ich zunächst einen Leitfaden für die Interviews erarbeitet, der so offen gehalten wurde, dass alle möglichen und interessanten Aspekte zur Sprache kommen konnten. Der Interview-Leitfaden stellt vorerst eine grobe Strukturierung dar, die dem/der ForscherIn im Gespräch Orientierung verschafft und den Befragten gleichzeitig die Möglichkeit lässt, neue Aspekte und Bereiche anzusprechen. Diese neuen Aspekte werden im Sinne der "Grounded Theorie" in die Entwicklung der Theorie aufgenommen. Kurz gesagt, der/die ForscherIn sucht nicht nur nach "Beweisen" für eine bestehende Theorie, sondern arbeitet mit dem, was auf dem "Weg" liegt und sich als bedeutsam erweist. Im Verlauf der Datenerhebung wurde mir deutlich, in welche Richtung die Fragestellung weist. Die Schwierigkeit bestand für mich vor allem darin, Wesentliches zu erkennen und mich für eine von vielen möglichen Richtungen zu entscheiden. Die größte Herausforderung lag darin, mich auf wenige interessante Aspekte zu beschränken und auf andere Bereiche (im Rahmen dieser Arbeit) nicht weiter einzugehen.
2.2 Die Entwicklung der Fragestellung
Nach dem eben erfolgten Verweis auf das Vorgehen im Rahmen der "Grounded Theorie" möchte ich einen Schritt zurück gehen und die Entwicklung der Fragestellung darstellen: Mein Interesse für dieses Thema wurde geweckt durch meine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Kindern und dem Wunsch danach, deren Bedürfnisse besser zu verstehen und angemessen darauf reagieren zu können. Die Perspektive der Kinder ist den Erwachsenen fremd und vertraut zugleich, da jeder von uns einmal Kind war und dennoch die meisten "verlernt" haben, wie ein Kind zu denken und zu fühlen. Es ist deshalb oftmals nicht einfach, die Lebenswelt des Kindes aus dessen Perspektive zu sehen. Durch den intensiven Einzelkontakt zu einem Jungen während der Spielstunden im Rahmen meines Praktikums in der SOS-Beratungsstelle wollte ich mehr über die Wahrnehmung der Kinder in Bezug auf die Spielstunden erfahren. Nach Sichtung der Literatur erstellte ich eine Liste mit interessanten Aspekten, die ich kurz benennen möchte:
- Wie definieren die Kinder das "Problem?
- Wie steht es um die Beteiligung der Kinder an Entscheidungen?
- Welche Erwartungen haben sie bezüglich der Spielstunden?
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Dipl. Soz.-Päd., Dipl. Psych. Ines Schelhas, 2007, "...da hab ich mich so frei gefühlt." - Spielstunden im SOS-Beratungszentrum aus der Sicht der Kinder, Munich, GRIN Publishing GmbH
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