Versicherung
Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig verfasst und keine außer den angegeben Hilfsmitteln verwendet habe.
Konstanze Nitsche
2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
2. Der Offene Unterricht 6
2.1. Zum Begriff Offener Unterricht 6
2.2. Kriterien für einen Offenen Unterricht 7
2.3. Formen des Offenen Unterrichts 10
2.3.1. Morgenkreis 10
2.3.2. Freiarbeit 11
2.3.3. Projektarbeit 12
2.3.4. Stationen- und Werkstattunterricht 14
2.3.5. Wochenplanarbeit 16
2.4. Offene Unterrichtsformen im Religionsunterricht 18
3. Religionspädagogische Materialien für den Offenen Unterricht
in der Grundschule 20
3.1. Einführung 20
3.2. „Sara und Abraham gehen ihren Weg im Vertrauen auf
Gott “ - Angebote für einen offenen Unterricht im Fach
Religion 21
3.2.1. Vorstellung des Materials 22
3.2.2. Theologische Hintergründe 22
3.2.3. Religionspädagogische und didaktische
Hintergr ünde 23
3.2.4. Zu den einzelnen Themenbereichen 24
3.2.5. Beurteilung des Materials auf Basis der Kriterien für
einen Offenen Unterricht 32
3.3. Materialienerprobung in der Praxis - Unterrichtsversuch
an der Albrecht- Dürer- GS Halle 33
3.3.1. Vorstellung der Schule und der räumlichen
Voraussetzungen 33
3.3.2. Vorstellung der Lerngruppe 33
3.3.3. Vorbereitung des Unterrichtsversuches 34
3.3.4. Planung des Unterrichtsversuches 39
3.3.5. Unterrichtsversuch 40
3.3.6. Auswertung 44
3
3.3.6.1. Auswertung durch die Lehrerin 44
3.3.6.2. Eigene Auswertung 48
3.3.7. Fazit 50
4. Schlussbemerkung 53
5. Literatur 54
5.1. Zum Offenen Unterricht 54
5.2. Religionsdidaktik 55
5.3. Zeitschriften 55
6. Anhang 56
6.1. Piktogramme 56
6.2. Arbeitskarten für die Stationen 62
6.3. Schablone für Pappfiguren 65
6.4. Malvorlagen 66
6.5. Vertrauensstern 72
6.6. Mandalas 73
6.7. Memory - Vorlagen 76
6.8. Lieder 80
6.9. Rezepte 82
6.10. Ausführlicher Unterrichtentwurf 83
6.11. Fragebogen zur Auswertung 84
4
1. Einleitung
Die Thematik des „Offenen Unterrichts“ ist bis heute viel diskutiert und in der Literatur vielseitig beschrieben wurden. In den meisten Fällen wird hierbei von einem fächerübergreifenden Unterricht ausgegangen, bei welchem leider der Religionsunterricht, ob nun evangelisch oder katholisch, außen vor gelassen wird. (vgl. Peschel, Falko: Offener Unterricht, Teil 1, 2002) Ebenso ist in der religionsdidaktischen Literatur in der Regel nur die Rede von der Freien Arbeit. (vgl. Lehmann, Christine 1997; Berg, H.K. 1997 u. 1999) Mit dieser Arbeit möchte ich nun aufzeigen, dass sich der Religionsunterricht ebenso wie andere Grundschulfächer für Offene Unterrichtsformen eignet. Dabei werde ich zunächst den Offenen Unterricht theoretisch betrachten und auf Kriterien und Formen eingehen. Im Anschluss an diesen Theorieteil werde ich mich zu Offenen Formen im Religionsunterricht äußern. Damit schließt sich der zweite große Teil der Arbeit an, in dem es um religionspädagogische Materialien für den Offenen Unterricht geht. Da die Vorstellung aller Materialien dieser Art allerdings Rahmen sprengen würde, werde ich hier ausschließlich ein Unterrichtsangebot zur „Geschichte von Sara und Abraham“ im Besonderen betrachten. Zu diesem Material hat auch ein Unterrichtsversuch stattgefunden, der im Anschluss an die Vorstellung des Materials dargelegt und ausgewertet wird. Ich denke, dass ich auf diese Art und Weise die Möglichkeiten Offener Unterrichtsformen im Religionsunterricht gut aufzeigen kann.
5
2. Der Offene Unterricht
2.1. Zum Begriff Offener Unterricht
Anfang der 70er Jahren kam es zu einer wiederholten Reformbewegung in der Pädagogik.
Dieser Reform lagen verschiedene Überlegungen und Ziele zugrunde. „Andere, schülergerechtere, didaktische Zugangsweisen“ 1 für Schüler und Schülerinnen standen im Vordergrund. Dementsprechend wurden besonders das Verhältnis von Schulformen und der Gesellschaft, die Lehrpläne bzw. Rahmenrichtlinien und ebenso die Didaktik betrachtet. Bei letzterem beschäftigte man sich vor allem mit der Öffnung von Schule und Unterricht und legte damit eine Basis für die heutige Schulpädagogik. In gewisser Weise scheiterte jedoch auch diese Reform. Denn während andere europäische Länder diese Unterrichtsform bereits erfolgreich praktizieren, steckt sie doch in Deutschland noch in den „Kinderschuhen“. Dies trifft vor allem in den neuen Bundesländern zu. Dem hohen Durchschnittalter der Lehrkräfte entsprechend wird hier meist noch frontal unterrichtet. Für viele ist der Offene Unterricht ungewohnt und damit auch beängstigend. Auf eine veränderte Lehrerrolle wollen sich hier leider immer noch nur wenige einlassen.
Doch was heißt nun eigentlich Offener Unterricht?
Versucht man diesen Begriff nachzuschlagen, fällt schnell auf, dass es scheinbar schwierig ist, eine wirkliche Definition zu formulieren. Letzten Endes stößt man dann aber doch auf die „Definition“ von Wulf Wallrabenstein, die meiner Meinung nach alle Perspektiven des Offene n Unterrichts kurz und bündig darstellt und dennoch viele
Interpretationsmöglichkeiten zulässt:
1 Eiko Jürgens, Hartmut Hacker, Petra Hanke, Rainer Lersch: Die Grundschule- Zeitströmungen und
aktuelle Entwicklungen, Seite 123
6
Offener Unterricht ist ein „Sammelbegriff für
unterschiedliche Reformansätze in vielfältigen Formen
inhaltlicher, methodischer und organisierter Öffnung
mit dem Ziel eines veränderten Umgangs mit dem Kind
auf der Grundlage eines veränderten Lernbegriffs.“ 2
2.2. Kriterien für einen Offenen Unterricht
Basierend auf Reformansätzen von Dewey, Montessori, Peterson, Freinet
oder anderen lassen sich Kriterien für eine n in bezug auf die Umwelt und des
Lebens der Kinder Offenen Unterricht formulieren.
Diese beziehen sich auf das Lehrerverhalten, das Schülerverhalten, das
lernmethodische Grundprinzip und die Lern- und Unterrichtsformen.
a) „Lehrerverhalten
Zulassung von Handlungsspielräumen und
selbstverantworteten Unterrichtsarrangements, Förderung von
(spontanen) Schüleraktivitäten
Preisgabe bzw. Relativierung des Planungsmonopols
„Symmetrisierung“ der Kommunikationsstruktur
Orientierung an den (subjektiven) Interessen, Ansprüchen,
W ünschen und Fähigkeiten wie den Grund- und
Lebensbed ür fnissen der Schülerinnen und Schüler
b) Schülerverhalten
Eigene Entscheidungen über Arbeitsformen und -
m öglichkeiten, soziale Beziehungen, Kooperationsformen o.ä.
Selbst - bzw. Mitbestimmung bei der Auswahl von
Unterrichtsinhalten , der Unterrichtsdurchführung und des
Unterrichtsverlaufs
Selbst ändigkeit (durch Selbstbetätigung) in Planung, Auswahl
und Durchführung von Aktivitäten
2 Wulf Wallrabenstein: Offene Schule - Offener Unterricht, 54
7
c) Lernmethodisches Grundprinzip
d) Lern-/ Unterrichtsformen
Ob es sich um Offenen Unterricht oder offene Formen handelt, lässt sich an verschiedenen Kennzeichen feststellen, in denen man die oben genannten Kriterien wiederfindet.
Der erste Blick fällt meist auf eine veränderte Lernumgebung. Keine Frontale Sitzordnung, sondern eine lockere Atmosphäre mit Werkstattcharakter. So finden wir offene Lernflächen und Lernzonen, aber auch Bastel- und Spielecken. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Aus dieser veränderten Lernumgebung ergibt sich auch eine Lernatmosphäre, die den Schwerpunkt auf individuelles Lernen, Förderung, klare Regeln und einen Gemeinschaftssinn setzt. Und so sind die Lernmethoden vielfältig. Es ist ein individuelles Arbeiten, bei dem man als Schüler oder Schülerin sehr viel frei entscheiden kann und somit aber auch Verantwortung für sich selbst übernimmt. Man arbeitet alleine oder in Gruppen. Braucht man Hilfe, ist der erste Weg der Mitschüler oder die Mitschülerin. Nach Beendigung einer Aufgabe kann der Schüler oder die Schülerin durch Selbstkontrolle seine bzw. ihre Ergebnisse vergleichen. Manchmal kontrollieren aber auch die Mitschüler ihre Aufgaben gegenseitig. Eine letzte Möglichkeit ist natürlich auch hier immer noch die Kontrolle durch den Lehrer oder die Lehrerin. Die Schüler und Schülerinnen stellen S achen her, erarbeiten sich Lerninhalte, untersuchen, experimentieren, setzen und drucken, erzählen,
3 Eiko Jürgens, Hartmut Hacker, Petra Hanke, Rainer Lersch: Die Grundschule- Zeitströmungen und
aktuelle Entwicklungen, Seite 124
8
dokumentieren und schreiben und natürlich vieles mehr. Am Ende entstehen Arbeitsergebnisse, Geschichten und Gedichte, Bilder, Spiele, aber auch Theaterstücke und Karteien u.a. (vgl. Wulf Wallrabenstein: Offene Schule -Offener Unterricht, Seite 61 f.)
Alles in allem kommt der Offene Unterricht bei den Kindern sehr gut an. Fragt man Schüler und Schülerinnen nach ihren Erfahrungen mit dieser Unterrichtsform, so bekommt man in den meisten Fällen positive Aussagen, wie zum Beispiel folgende:
„ ‚Heute war Helge fertig, und Isi kam nicht weiter, da hat Helge Isi geholfen! - Ich finde es gut, daß wir nicht immer an uns selbst denken, daß wir auch was für andere machen. Und daß man mehr mit Kindern zusammenkommt, aber auch mit der Lehrerin! - Ich finde es gut, mit Sachen aus der Natur zu lernen. Manchmal beraten wir im Kreis, und manchmal bringen wir Ideen mit. - Bei der Projektwoche fand ich es gut, die Tiere zu beobachten - auch darüber zu reden und zu besprechen, was wir schreiben...’ “ 4
„ ‚Man kann sich auch die Aufgaben aussuchen. Man kann sich das dann richtig einteilen, wenn man dann schon eher fertig ist, kann man auch so rumgehen und sich erkundigen. Das macht mehr Spaß, als wenn man das so vorgesetzt kriegt bei irgendwelchen Lehrern. Sich einfach mal zu überlegen, Mensch jetzt hat man Zeit, jetzt könnte man doch etwas dazunehmen...’ Mathias, 4. Klasse, zum Wochenplan“ 5
„ ‚Da kann man sich aussuchen, was man macht. Wo man nicht immer das machen muß wie andere. Wir kriegen auch ganz viele Möglichkeiten, Karteien und Drucken und so. Wir stellen
4 Wulf Wallrabenstein: Offene Schule - Offener Unterricht, Seite 52
5 Ursula Drews, Gerhard Schneider, Wulf Wallrabenstein: Einführung in die Grundschulpädagogik,
Seite 148
9
da Sachen aus. Die das gefunden haben, schreiben etwas dazu...’ “ 6
2.3. Formen des Offenen Unterrichts
Innerhalb des Offenen Unterrichts gibt es verschiedene Arbeitsformen, die in den folgenden Abschnitten erläutert werden.
2.3.1. Morgenkreis
7:30 - alle Schüler und Schülerinnen treffen sich zusammen mit ihrem Lehrer oder ihrer Lehrerin in einem Stuhlkreis, um gemeinsam den Morgen zu beginnen und damit auch den Schultag z u eröffnen. Diese „Eröffnung“ übernimmt entweder die Lehrkraft oder ein Schüler bzw. eine Schülerin. Der Inhalt des Morgenkreises ist frei bestimmbar. So kann man zum Beispiel den Wochentagen verschiedene Inhalte zuordnen: Montag werden Wochenenderlebnisse erzählt. Dienstag singt man vielleicht gemeinsam ein Lied. Während am Mittwoch ein Schüler oder eine Schüler eine Geschichte vorliest. ...
Natürlich sind aber auch zum Beispiel themen- oder jahreszeitliche Inhalte möglich.
Im Weiteren sollte man den Morgenkreis nutzen, um den Unterrichtstag gemeinsam zu planen.
So stellt der Morgenkreis damit Verschiedenes dar. Zum einen ist es eine Sozialform, bei der die Klasse in einem Stuhlkreis sitzt. Weiterhin ist es als Erzählkreis eine Gesprächsform. Und letztlich hat der Morgenkreis auch eine disziplinierende Funktion. Die Schüler und Schülerinnen lernen so Rituale, Gesprächsregeln, soziale Kompetenzen und Demokratie bei der gemeinsamen Planung kennen. (Vgl. Rudolf W. Keck, Uwe Sandfuchs: Wörterbuch Schulpädagogik, Seite 225ff.)
6 Wulf Wallrabenstein: Offene Schule - Offener Unterricht, Seite 53
10
Am Ende eines Unterrichtstages bzw. mindestens am Ende einer Woche sollte eine Abschlusskreis stattfinden. Dieser schließt den Tag bzw. die Woche ab und dient zur Reflexion und Auswertung des Gelernten oder Erarbeiteten. Schließlich verabschiedet man sich gemeinsam ins Wochenende.
So bilden Wochen- und Abschlusskreis nicht nur einen Rahmen im Offenen Unterricht, sondern ebenso einen Rahmen der Woche, die sie eröffnen und beenden.
2.3.2. Freiarbeit
„Freiarbeit ist weder eine Unterrichtsmethode n och ein eigenes Schulfach, sondern ein pädagogisches Konzept mit der Zielsetzung, selbständiges, lehrerunabhängiges Lernen zu fördern, den Schülern Gelegenheit zum handlungs- und erfahrungsbezogenen Entwickeln eigener Lern- und Arbeitsinteressen zu geben und sie verantwortlich an der Verfügung über und Nutzung von schulischer Lernzeit zu beteiligen.“ 7 Basierend auf der Reformpädagogik und einem veränderten Lernbegriff steht somit das Kind mit seinen Interessen und individuellen Lernmöglichkeiten im Vordergrund. Dabei muss man einen Unterschied zwischen Freiarbeit und Freier Arbeit machen. Während die Freiarbeit fächerübergreifend ist, spricht man von Freier Arbeit, wenn sie sich auf ein Unterrichtsfach bezieht. Dass diese Unterscheidung anscheinend sehr schwierig, sieht man sowohl in der Praxis als auch in der Theorie. Liest man doch oft zum Beispiel von „Freiarbeit im Religionsunterricht“. (z. Bsp.: Berg, H.K.: „Freiarbeit im Religionsunterricht, 1997; Lehmann, C.: „Freiarbeit - ein Lern- weg für den Religionsunterricht?“, 1997)
Der Lehrer oder die Lehrerin bietet seiner bzw. ihrer Klasse eine „Lernlandschaft“ 8 mit den verschiedensten Angeboten. Über den Inhalt entscheiden dabei Lehrkraft und Klasse gemeinsam. Die Materialien bzw. Angebote sollten sowohl handlungs- als auch zielorientiert, aber auch arbeitsanregend und motivierend sein. Diesbezüglich gibt es
7 Dietlind Fischer: Freiarbeit im Religionsunterricht in Friedrich Schweitzer, Gabriele Faust- Siehl:
Religion in der Grundschule, Seite 296
8 Ursula Drews, Gerhard Schneider, Wulf Wallrabenstein: Einführung in die Grundschulpädagogik,
Seite 146
11
lehrplanorientierte Materialien, wie Karteien, Lernspiele, Arbeitshefte u.a. und kinderorientierte Materialien, wie Kinderbücher und -zeitschriften, Sachbücher, Lexika u.a.
Während der Arbeitsphase können die Schüler und Schülerinnen selber entscheiden, was sie wann, wo und wie bearbeiten. So eignen sie sich die Lerninhalte selbständig an und entwickeln eigene Lernwege. Lehrer oder Lehrerin stehen hier nur in einer beratenden Funktion zur Seite, denn hauptsächlich sollen sich die Schüler und Schülerinnen untereinander helfen. So werden nicht nur Selbstvertrauen und Eigeninitiative, sondern auch soziale Kompetenzen gefördert. In diesem Zusammenhang ist es natürlich auch nötig, klare Regeln und Ordnungsprinzipien zu vereinbaren, damit ein reibungsloses Arbeiten möglich ist. Zusammenfassend kann man Freiarbeit als eine Unterrichtsform beschreiben, „bei der die Schülerinnen und Schüler weitgehend selbständig über die Auswahl ihrer Tätigkeiten bzw. Tätigkeitsbereiche, die Sozialform und die Planung, Durchführung und Auswertung ihres Lern- und Arbeitsablaufs bestimmen können. Dabei stehen die Elemente der Selbststeuerungsfähigkeit und Selbstaktivierungsfähigkeit sowie der Planungsfähigkeit im Mittelpunkt. Daneben geht es vorrangig um die Förderung der Selbsterfahrung und des sozialen Lernens.“ 9
2.3.3. Projektarbeit
• „Projekte helfen, soziale Regeln des Miteinander- Lernens zwischen dem einzelnen und der Gruppe zu e ntwickeln. • Sie erlauben Kindern durch ihre Fülle der praktischen Möglichkeiten, individuellen Neigungen und Interessen zu folgen.
• Sie führen zu neuen, häufig in Lehrplänen nicht enthaltenen Erkenntnissen und Wissenszusammenhängen. • Sie fördern die Fähigkeit, auch andere als die eigenen Perspektiven, Erfahrungen und Meinungen zu einem Lerngegenstand zu akzeptieren.
9 Eiko Jürgens: Die ‚neue’ Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht, Seite 107
12
• Sie fordern aktives Lernen heraus und ermutigen zur Selbstgestaltung der Arbeit.“ 10
Geschichtlich betrachtet geht der Projektunterricht auf Dewey und Kilpatrick mit ihrem „learning by doing“ zurück. Dabei verstand Dewey es als ein gemeinsames Projekt von Lehrer und Schülerinnen und Schülern, während Kilpatrick es vor allem als Projekt für die Schüler sah. Insgesamt ergeben sich folgende Anforderungen für den Projektunterricht: • Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit dem Projektziel identifizieren und dessen Bedeutung erkennen können. • Das Projekt gliedert sich in Themen- oder Projektfindung, Planung, Durchführung und Reflexion.
• Innerhalb des Projektunterrichts stehen Handlungsorientierung, Ganzheitlichkeit, Kreativität, Selbständigkeit des Lernenden und kooperative Arbeitsformen im Vordergrund.
• Dabei sollte es auch möglich sein, fächerübergreifend zu arbeiten. • Ziel ist die Förderung von Selbst-, Sach- und Sozialkompetenz. (Vgl. Peschel, Falko: „Offen bis geschlossen - Formen und Chancen offenen Unterrichts“ in Gesing, Harald: „Pädagogik und Didaktik der Grundschule, Neuwied, 1997, Seite 246)
Leider sieht der sogenannte Projektunterricht nicht so aus, wie er eigentlich sollte. Auch wenn immer von Projekten gesprochen wird handelt es sich meist eher um „themenzentrierte Unterrichtsreihen“ 11 . Schließlich bestimmt die Lehrkraft den Zeitpunkt des Projektes und macht verschiedene Themenvorschläge. So wird für die meisten Schülerinnen und Schüler die Projektarbeit eher zu einer „Bearbeitung“ als zu einer Arbeit voller Begeisterung und Interesse am Projekt selbst.
10 Wulf Wallrabenstein: Offene Schule - Offener Unterricht, Seite 102
11 Peschel, Falko: Offener Unterricht, Teil 1, Seite 25
13
Arbeit zitieren:
Konstanze Herzberg, 2002, Religionspädagogische Materialien für den Offenen Unterricht in der Grundschule, München, GRIN Verlag GmbH
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