Gliederung
ABBILDUNGSVERZEICHNIS. I
1 EINFÜHRUNG. 1
1.1 Zielsetzung 1
1.2 Aufbau der Arbeit 1
2 AUßENHANDEL DER TÜRKEI. 1
2.1 Entwicklung des Außenhandels. 2
2.2 Wachstum und Veränderungen des türkischen Außenhandels 6
2.3 Entwicklung der Leistungsbilanz 11
3 GASTARBEITER AUS DER TÜRKEI IN DEUTSCHLAND. 12
3.1 Theoretische Grundlagen der Migration und zeitlicher Überblick 12
3.2 Qualifikationen und Haupttätigkeitsbereiche 14
3.3 Auswirkungen wirtschaftlicher Schwankungen auf die Beschäftigung von
Gastarbeitern. 18
3.4 Verdienstsituation und Berufsstatus - Vom Industriearbeiter zum Freiberufler
und Unternehmer. 19
3.5 Beispiele für erfolgreiche Unternehmensgründungen. 22
4 ÜBERTRAGUNGEN IN DIE TÜRKEI. 23
4.1 Übertragungsformen und ihre Wirkungen 23
4.2 Investitionen von Gastarbeitern und Rückkehrabsichten. 26
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 29
LITERATURVERZEICHNIS : II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Exporte der Türkei nach Ländergruppen 2001
Abbildung 2: Exporte der Türkei nach Ländern 2001
Abbildung 3: Einnahmen aus dem Tourismus
Abbildung 4: Ausländische Schulabsolventen nach Nationalität und Abschluss.
Abbildung 5: Vergleich der Arbeitslosenquoten ab 1970.
Abbildung 6: Selbstständige Türken in Deutschland
Abbildung 7: Übertragungen türkischer Gastarbeiter aus dem Ausland in die Türkei.
Abbildung 8: Rückkehrabsichten der Türken in
I
1 Einführung
1.1 Zielsetzung
Diese Seminararbeit hat zum Ziel, zunächst darzustellen, wie der Außenhandel und die veränderte Außenhandelspolitik der Türkei mit d em Thema Gastarbeiter zusammenhängen. Es werden die verschiedenen Wirtschaftssysteme der Türkei über den Zeitverlauf analysiert und verglichen. Dabei spielt die Politik der türkischen Regierung, in Verbindung mit der Förderung der Abwanderung von Arbeitskräften nach Europa, eine wichtige Rolle. Es werden Gründe für den tendenziell niedrigeren gesellschaftlichen Status und das geringere Bildungsniveau der Türken in Deutschland gefunden, aber auch die positiven Aspekte der Zuwanderung für die deutsche Volkswirtschaft und Gesellschaft erörtert.
1.2 Aufbau der Arbeit
Nach der Erarbeitung der Zielsetzung in Kapitel 1, erläutert Kapitel 2 die Außenhandelsentwicklung seit 1930, und es werden die Besonderheiten bei Waren- und Länderstrukturen dargestellt und analysiert.
In Kapitel 3 folgt die Verknüpfung mit dem weiteren Themenschwerpunkt Gastarbeiter. Hierbei werden die Hintergründe und Ursachen der Migration und die Haupttätigkeitsbereiche der arbeitenden Türken in Deutschland dargelegt, und im weiteren Verlauf der Wandel vom einfachen Arbeiter zum erfolgreichen Unternehmer an drei ausgewählten Beispielen beschrieben.
Im Anschluss folgt in Kapitel 4 eine Auswertung der Wirkungen von Übertragungen der Türken auf die türkische Volkswirtschaft. Diese werden verbunden m it den über den Zeitablauf veränderten Rückkehrabsichten bzw. dem Verbleib in Deutschland. Abschließend werden die Ergebnisse in Kapitel 5 zusammengefasst und es wird ein kurzer Ausblick gegeben.
2 Außenhandel der Türkei
Der türkische Außenhandel ist seit Jahren gekennzeichnet von hohen Defiziten in der Handels- und Leistungsbilanz, deren Ursachen und Veränderungen weit in die Geschichte z urückreichen. Im weiteren Verlauf dieses Kapitels erfolgt die Erklärung dieser Prozesse mit
1
einer Analyse der Veränderungen, der Zusammenhänge und einer näheren Betrachtung der Im- und Exporte und der anschließenden Entwicklung der Leistungsbilanz.
2.1 Entwicklung des Außenhandels
Als Folge der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1929 bis 1932 kam es in der Türkei zu einer starken Erhöhung des Handelsbilanzdefizits. Die Preise für Industriegüter und Rohstoffe erlitten einen großen Preisverfall, wobei der Rückgang der Preise für Rohstoffe noch stärker war (vgl. KEUTHEN 1993: 36).
Für die Türkei, die zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich Rohstoffe exportierte und industrielle Konsumgüter importierte, erklärt sich somit die große Veränderung in der Handelsbilanz.
Als protektionistische Maßnahme beschloss Mustafa Kemal Pasa, genannt Atatürk, den Etatismus (1929-1938) zum Schutz der inländischen Produkte einzuführen. Etatismus b edeutet eine gemischte Wirtschaftsform, in der sowohl ein staatlicher, als auch privater Wirtschaftssektor bestehen. Bei dieser Wirtschaftsform werden die wirtschaftliche Interessen des Staates als oberste Priorität angesetzt und staatliche Wirtschaftstätigkeiten zum Nachteil der freien Privatwirtschaft ausgedehnt (vgl. ARSLAN 1995: 72). Alle anderen Interessen werden denen des Staates untergeordnet. Der Staat, der sonst als Impulsgeber agiert, übernimmt weitere Rollen und greift interventionistisch in das Wirtschaftsgeschehen ein. Dabei agiert er als Hauptinvestor, Hauptproduzent, Hauptorganisator und Hauptkontrolleur des kompletten w irtschaftlichen Lebens (vgl. KEUTHEN 1993: 36). Somit gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Staat und Wirtschaft. Hierbei ist aber keine Verstaatlichung von Betrieben vorgesehen gewesen. Vielmehr sollte die Staatswirtschaft Fehlfunktionen der Privatwirtschaft ausgleichen und der Staat als Antriebsmotor für den privaten Sektor agieren. Es kam zu keiner strikten Handelsblockade gegenüber ausländischen Importen, weil die Türkei auf diese Waren in Form von Industrieprodukten wie z.B. Maschinen angewiesen war. Somit gab es eine begrenzte Handelsbarriere zum Schutz türkischer Produkte, durch die eine weitere Ausweitung des Defizits der Handelsbilanz vermieden werden sollte. Damit verbunden war auch eine erhebliche Anhebung des Außenzolls (vgl. SIEBERT 1989: 79).
Der Etatismus verfolgte das Ziel, die Industrialisierung zu beschleunigen, weil die Privatwirtschaft diese Aufgabe alleine nicht wahrnehmen konnte und dieser Versuch in den 20er Jahren gescheitert war. Als Grund hierfür wurde das fehlende Großkapital angeführt. Auch
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konnten die Produkte der traditionellen türkischen Familienbetriebe mit den weiterentwickelten Produkten aus Europa nicht konkurrieren (vgl. PAULI 1986: 72). Weiteres Ziel war das Erreichen einer ausgeglichenen Handelsbilanz. Atatürk lehnte a usländische Direktinvestitionen und hohe Kreditaufnahmen im Ausland ab. Es galt, den staatlichen Unter-nehmenssektor zu stärken, der so lange agieren sollte, bis der Privatsektor in der Lage wäre, das Land selbständig zu industrialisieren. Hierfür wurde 1934 der erste Fünfjahresplan eingeführt.
Mittels der Politik des Etatismus erreichte die Türkei im Verlauf der 30er Jahre ein überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum mit einer erheblichen Steigerung der Industrieproduktion. Der Heimatmarkt war zunehmend i n der Lage, die Bevölkerung zu versorgen. Die Handelsbilanz war wieder im positiven Bereich.
Durch diese Veränderungen der Wirtschaftsstruktur schaffte es die Türkei, den Außenhandel komplett umzugestalten. Das Land rückte von der Position eines Importeurs von Konsumgütern zu einem Importeur von Produktionsgütern auf (vgl. ARSLAN 1995: 44 ff.). Das Ende des zweiten Weltkrieges bedeutete für die Türkei eine neue Entwicklungsphase, bei der die Regierung von der neutralen Position eine stärkere politische und wirtschaftliche Annäherung an die USA anstrebte. Damit verbunden war eine Abkehr vom Etatismus und Protektionismus hin zum Liberalismus, der als Grundbaustein für eine Integration des Landes in die sich neu formierende Weltwirtschaft diente (vgl. ARSLAN 1995: 51).
Neuerungen waren z.B. die Zulassung von Wirtschafts- und Militärhilfen durch die USA. Gleichzeitig reduzierte die neue Regierung den Protektionismus im Außenhandel. Ab 1950 wurde der Protektionismus abgeschafft. Als politische Maßnahme wurde die Gleichbe-handlung ausländischer Investoren eingeführt, die in der Zeit des Etatismus nur eingeschränkt Kapital investieren durften und so oft benachteiligt waren. Die Öffnung des Heimatmarktes führte aber nicht zu der g ewünschten Zunahme ausländischer Investitionen, weil die Infrastruktur des Landes nicht attraktiv g enug war. Stattdessen kehrte sich das Gleichgewicht im Außenhandel in ein starkes Ungleichgewicht um. Importe nahmen w egen des Wegfalls protektionistischer Maßnahmen stark zu, während die Exporte stagnierten. Hauptexportgüter zu dieser Zeit waren zu 80% Agrarprodukte, wie z.B. Haselnüsse, Rosinen, Tabak und Baumwolle (vgl. EISENBACH 1991: 19). Die Folge des Ungleichgewichtes war eine stark negative Handelsbilanz, die in der zweiten Hälfte der 50er Jahre eine volkswirtschaftliche Krise auslöste. Anzeichen hierfür waren hohe Inflationsraten, Zahlungsbilanzschwierigkeiten und eine Abwertung der türkischen Lira. Die positive Wir-
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kung der Abwertung auf die Exporte war gering. Stattdessen war ein erheblicher Bedarf an Importwaren vorhanden, insbesondere in der Produktionsgüterindustrie, die nur durch das Ausland gedeckt werden konnte (vgl. DAGLIOGLU 1999: 69). Von außen betrachtet herrschte zu dieser Zeit absoluter Devisenmangel, der mittels eine Steigerung des Exportes beseitigt werden sollte. Aber die Industrie war trotz des Preisvorteils durch die Abwertung nicht in der Lage, die Produktion schnell zu steigern. Der Agrarsektor, der sehr von der Qualität der Ernten abhängt, konnte ebenfalls für keine Steigerung der Exporterlöse sorgen.
Die ausgebrochene Krise stellte einen erneuten Wendepunkt der Wirtschaftpolitik in der Türkei dar. Ab 1960 korrigierte das Militär, das durch einen Putsch an die Macht gekommen war, die Wirtschaftspolitik wieder in Richtung Etatismus und Protektionismus, jedoch mit dem Unterschied, dass an die Stelle von weiteren Industrialisierungsplänen die Strategie der Importsubstitution trat. Damit wurde die industrielle Entwicklung vorangetrieben mit einem Schwerpunkt auf dem privaten Sektor (vgl. PAULI 1986: 87). Die bisherigen Importsubstitutionen, die sich auf den Verbrauch von nicht-dauerhaften Konsumgütern, wie Textilien und Nahrungsmittel konzentrierte, wurde auf konsumtive Gebrauchsgüter wie Radios, Fernseher, elektrische Büro- und Haushaltsgeräte und Autos, in der zweiten Phase ausgeweitet. Damit deckte sich der Bedarf an diesen Gütern und gleichzeitig eine Entlastung der Handelsbilanz fand statt. Außerdem gab es zu den Importsubstitutionen gleichzeitig auch Überlegungen, die Exportwirtschaft zu stärken. Statt wie bisher hauptsächlich Agrarprodukte auszuführen, sollte die Verarbeitende Industrie stärker in den E x-port eingebunden werden (vgl. DAGLIOGLU 1999: 69).
Die Industrie erwirtschaftete mehr Devisen, um die Abhängigkeit zum Ausland zu verringern. Gleichzeitig dienten die Maßnahmen zu einer Stabilisierung der Inflation. Um die Arbeitslosigkeit einzudämmen, gab es die Förderung von Auslandsarbeit, die zum Ziel hatte, eine Verlagerung der Arbeitslosigkeit zu erreichen (vgl. KEUTHEN 1993: 56). Weitere Erläuterungen hierzu finden sich in Kapitel 3. Begleitet wurde diese Politik von Fünfjahresplänen, die ab 1963 das wirtschaftliche Bild der Türkei prägten und die Industrialisierung weiter vorantrieben.
Im Verlauf der folgenden Jahre begann die Strategie Erfolge zu zeigen. Die Importe von Maschinen, Autos und anderen industriellen Geräten konnten vermindert werden. Gleichzeitig wurden neben agrarischen Exportwaren auch Textilien, Baustoffe, Eisen und Stahl an das Ausland verkauft. Allerdings waren die Exporte aus dem Agrarsektor weiterhin mit über 80% dominierend. Dies war ein großes Problem der türkischen Volkswirtschaft und
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Arbeit zitieren:
Knut Bodeewes, 2003, Entwicklung des türkischen Aussenhandels, Gastarbeiter im Ausland und Übertragungen, München, GRIN Verlag GmbH
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