Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
1 Einleitung 8
1.1 Vorgehensweise 9
1.2 Aktualität und Quellen 11
1.3 Tätigkeits- und Aufgabenbereich des Verfassers 12
2 IPTV und WebTV 13
2.1 Begriffliche Abgrenzung 13
2.1.1 Differenzierungsmerkmale 15
2.1.2 Vergleich 18
2.2 Anbieter 19
2.2.1 Die Gruppe der IPTV-Anbieter 19
2.2.2 Verbreitung von WebTV-Anbietern 20
2.3 Zukunftsprognose 21
3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV 22
3.1 Netzinfrastruktur und Software 23
3.1.1 Breitband und Flatrate als Voraussetzung für WebTV. 23
3.1.2 Zukunftsprognosen zur Breitbandentwicklung und deren
Auswirkungen auf WebTV 24
3.1.3 Nutzung von WebTV mittels Videoplayer 26
3.1.4 Adobe Flash Player 28
3.2 Übertragungs- und Kompressionsverfahren 30
3.2.1 Streaming 30
3.2.2 Progressiver Download 31
-II-
Inhaltsverzeichnis
3.2.3 Vergleich der Verfahren 32
3.2.4 Kompressionsverfahren 33
4 Mediennutzung 36
4.1 Entwicklungen des Fernsehens 37
4.1.1 Klassisches Fernsehen unter Konkurrenzdruck 37
4.1.2 Veränderung in der Fernsehnutzung 39
4.1.3 Reaktionen der Rundfunkanstalten 41
4.2 Videonutzung im Internet 44
4.2.1 Motive für die WebTV-Nutzung 46
4.2.2 Nutzergruppen und Nutzungsverhalten 47
4.2.3 Bekanntheit von WebTV 49
5 Zeitungsmarkt 51
5.1 Lage der Zeitung in Deutschland 52
5.1.1 Auflagenentwicklung 52
5.1.2 Veränderung der Werbeeinnahmen 54
5.1.3 Merkmale und Funktionen einer Tageszeitung 55
5.2 Strategien und Geschäftsmodelle von Zeitungsverlagen 59
5.2.1 Reaktionen auf veränderte Marktbedingungen 59
5.2.2 Neue Geschäftsfelder von Zeitungen 61
5.2.3 WebTV als neues Angebot 63
6 Aufbau eines WebTV-Portals am Beispiel von STIMME.TV 65
6.1 Grundfragen der Videoproduktion 66
6.1.1 Zielsetzung und Strategie 67
6.1.2 Eigene Produktion oder externer Zulieferer 68
6.1.3 Personal 69
6.1.4 Digitale Videoproduktion 70
6.2 Produktionspraxis 73
-III-
Inhaltsverzeichnis
6.2.1 Schnittstelle zur Redaktion 73
6.2.2 Produktionsablauf 74
6.2.3 Einbindung von STIMME.TV im Onlineportal und der Zeitung 76
6.2.4 Formate und Sendungen 77
6.2.5 Erfolgskriterien für WebTV-Videos 78
7 Medienrecht 80
7.1 Rechtliche Grundfragen bei WebTV 80
7.1.1 Recht am eigenen Bild 80
7.1.2 Ausnahmen 83
7.1.3 Urheberrecht 86
7.1.4 Verwertungsgesellschaften 87
7.1.5 Ist WebTV Rundfunk? 89
8 Vermarktung 91
8.1 WebTV als Werbeträger 92
8.1.1 Vorbild TV-Werbung 93
8.1.2 Werbeformen im WebTV 95
8.1.3 Stärken und Schwächen von Video Ads 98
8.1.4 Vermarktung von Video Ads 99
8.2 Zusätzliche Einnahmequellen 102
8.2.1 Infomercials 102
8.2.2 Auftragsproduktionen 103
8.2.3 Crossmedia-Vermarktung 104
8.2.4 Nutzergenerierte Videos 106
9 Schlussbetrachtung 108
Literaturverzeichnis 111
Anhang 121
-IV-
Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
AFP Agence France-Presse GmbH AGF Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung BBC British Broadcasting Corporation BDZV Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V. BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. CMS Content-Management-System (Redaktionssystem) CNN Cable News Network DPA Deutsche Presse-Agentur GmbH DSL Digital Subscriber Line DVB Digital Video Broadcast EB Elektronische Berichterstattung FKT Fachzeitschrift für Fernsehen, Film und elektronische Medien FTD Financial Times Deutschland FTP File Transfer Protocol GEMA Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte HDTV High Definition Television IPTV Internet Protocol Television ISP Internet Service Provider KUG Kunsturheberrechtsgesetz OMS Online Marketing Service GmbH & Co. KG QoS Quality of Service TKP Tausend-Kontakt-Preis UMTS Universal Mobile Telecommunications System URL Uniform Resource Locator USA United States of America WAZ Westdeutsche Allgemeine Zeitung WDR Westdeutscher Rundfunk Köln
-V-
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Prognostizierte Bandbreitenverteilung
Abbildung 2: Mediennutzung im Tagesverlauf
Abbildung 3: Mediennutzung in Deutschland
Abbildung 4: Nutzung von Videos im Internet
Abbildung 5: Reichweitenentwicklung der Tageszeitungen in Deutschland
Abbildung 6: Vergleich der Verbraucherfunktionen von Zeitung und Internet
Abbildung 7: Glaubwürdigkeit der Medien
Abbildung 8: Nonlinearer Videoschnittplatz
Abbildung 9: Produktionsablauf bei STIMME.TV
Abbildung 10: STIMME.TV Hinweis in der Zeitung
Abbildung 11: Wertungspyramide für STIMME.TV-Videos
Abbildung 12: Schema zur Prüfung der Verletzung des KUG.
Abbildung 13: Beispiel eines Pre Roll Ad
Abbildung 14: Beispiel für ein crossmediales Medienpaket
-VI-
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Vor- und Nachteile von IPTV und WebTV .......................................... 18 Tabelle 2: Internetzugänge in Deutschland 1997 bis 2006 ................................ 23 Tabelle 3: Stärken und Schwächen von Video Ads ............................................ 98
-VII-
Kapitel 1 Einleitung
1 Einleitung
„Denn davon bin ich überzeugt: Die Zukunft der Zeitung ist digital. […] an unserem Geschäftsmodell aber hat sich nichts geändert. Information und Unter-
haltung für verschiedene Zielgruppen.“ 1 (Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG)
Das „digitale Zeitalter“ hat den Journalismus vor neue Herausforderungen gestellt. Die Branche der Zeitungsverleger, deren Heimat zuvor ausschließlich der Druck war, geht Mitte der neunziger mit Ihren Produkten online. Das Internet verändert seitdem die Zeitungsbranche und eröffnet neue Geschäftsfelder. WebTV ist eines davon, das derzeit die Verlage stark beschäftigt.
Das Thema der vorliegenden Diplomarbeit entstand aus der beruflichen Tätigkeit des Autors, dem Aufbau des WebTV-Portals „STIMME.TV“ 2 , für das Medienunternehmen Heilbronner Stimme GmbH & Co.KG 3 . Gegenwärtig gibt es keine detaillierten Untersuchungen dazu, wie eine WebTV-Produktion innerhalb eines Zeitungsverlags bestmöglich integriert werden kann. Demzufolge existieren kaum Erkenntnisse zur optimalen Vermarktung von WebTV. Selbiges gilt für das Potenzial, welches in diesem Geschäftsfeld steckt.
Der dringende Klärungsbedarf, der sich hieraus ergibt, wirft unter anderem, folgende Fragestellungen auf: Welche Motive und Ziele verfolgen Zeitungsverlage mit WebTV? Welche technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind wesentlich für eine erfolgreiche Umsetzung? Was ist beim Aufbau einer hauseigenen Videoproduktionsabteilung zu beachten? Welches Vermarktungspotenzial hat WebTV? Und: wie könnte sich dieses zukünftig entwickeln?
Neben der Klärung dieser Fragen liefert die Arbeit ein Gesamtverständnis von WebTV und Beispiele für praktische Umsetzungen in Zeitungsverlagen.
1 http://www.welt.de/print-welt/article215176/Der_Journalismus_lebt_-_Essay.html, (20.04.2008)
2 Siehe www.stimme.tv
3 Um eine bessere Lesbarkeit zu gewährleisten, im Folgenden als Heilbronner Stimme bezeichnet.
-8-
Kapitel 1 Einleitung
1.1 Vorgehensweise
Die Diplomarbeit gliedert sich in insgesamt neun Kapitel. Nach dieser Einleitung dient das zweite Kapitel der klaren Abgrenzung und Definition des bislang noch abstrakten Begriffs WebTV. Eine Vorstellung der derzeitigen und potenziellen Marktteilnehmer erlaubt die Abschätzung der Konkurrenzsituation für Zeitungsverlage im Allgemeinen. Zum Schluss des Kapitels wird mit einem Ausblick eine mögliche Konvergenz zwischen den abgegrenzten Videoübertragungsformen geprüft.
Die Untersuchung der Internetbandbreiten in Kapitel drei soll Rückschlüsse auf die aktuelle und zukünftige Reichweite von WebTV zulassen. Neben dem Internetzugang gilt auch der Videoplayer als wichtige Komponente, die die Nutzungsmöglichkeiten und Funktionen von WebTV bestimmen. Dabei spielt der Flash Player eine zentrale Rolle und wird daher genauer untersucht. Die Beschreibungen zu den möglichen Übertragungs- und Kompressionsverfahren erlauben dem Leser eine Abwägung und Beurteilung der jeweiligen Verfahren.
Das Fernsehen steht in enger Verwandtschaft zu WebTV und fließt daher in die Untersuchungen in Kapitel vier mit ein. Die Veränderungen im Fernsehmarkt und die damit verbundenen Reaktionen liefern Hinweise auf die veränderte Mediennutzung. Die genauere Betrachtung von Nutzergruppen und deren Verhalten, im Bezug auf WebTV, soll Bewertungen zur Formatentwicklung und Reichweite ermöglichen. Zum Abschluss des Kapitels wird auf die Notwendigkeit zur Bekanntmachung von WebTV eingegangen.
Das fünfte Kapitel behandelt den Zeitungsmarkt, ausgehend von den Veränderungen der Branche bis hin zu den Alleinstellungsmerkmalen der Tageszeitung, unter Verwendung aktueller Studien. Dies erlaubt eine Abschätzung der Bewegründe von Zeitungsverlagen zur Ausweitung ihrer Geschäftsfelder und deren Erfolgsaussichten. Anschließend wird das neue Angebot WebTV näher untersucht.
-9-
Kapitel 1 Einleitung
Die praktische Umsetzung eines WebTV-Portals am Beispiel der Heilbronner Stimme ist Gegenstand des sechsten Kapitels. Ausgehend von den strategischen Zielen, die der Verlag mit STIMME.TV verfolgt, wird die personelle und technische Umsetzung praxisnah erläutert. Besonders die Erfahrungen aus dem Produktionsablauf liefern neue Erkenntnisse zur Formatentwicklung und zeitlichen Optimierung von Videoproduktionen. Diese werden ergänzt und belegt durch die innerbetrieblichen Auswertungen aus über 200 WebTV-Produktionen.
In Kapitel sieben werden wesentliche rechtliche Aspekte im Zusammenhang mit der Produktion von Videos geprüft. Im Besonderen die Fragen zum Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht und zum Thema Rundfunkregulierung.
Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Frage der Vermarktung von WebTV. Analogien zur TV-Werbung lassen Schlussfolgerungen auf die Werbe- und Ver-marktungsformen von WebTV zu. Eine Betrachtung nationaler und internationaler Nachrichtenportale zeigt Beispiele für die praktische Umsetzung von Werbung im WebTV. Im Weiteren werden verschiedene Werbeformen vorgestellt und bewertet. Eine Abwägung der Stärken und Schwächen von Videowerbung dient als Grundlage zur nachfolgenden Beurteilung der Vermarktungsstrategien. Unter Verwendung praxisnaher Zahlenbeispiele werden die Erlöspotenziale von WebTV untersucht. Neben der reinen Werbefinanzierung werden weitere mögliche Einnahmequellen und Geschäftsfelder im Umfeld der Videoproduktion vorgestellt.
Die Schlussbetrachtung liefert die Antworten auf die zur Einführung gestellten Fragen, zeigt die Grenzen der Untersuchung und mögliche Schwächen des neuen Geschäftsfelds WebTV auf.
-10-
Kapitel 1 Einleitung
1.2 Aktualität und Quellen
Die hohe Aktualität und Dynamik des Themas verlangen zum einen gegenwärtige Informationsquellen, aber auch solche, die zukünftige Entwicklungstendenzen berücksichtigen. Häufig können Autoren nicht so schnell Bücher über die Informations- und Kommunikationswelt schreiben, wie der technologische Fortschritt diese verändert. Die klassische Literaturrecherche stößt schnell an ihre Grenzen sobald es sich um neuartige Themen wie WebTV, dessen technische Umsetzung, Nutzung und Vermarktung handelt. Aus diesem Grund beruht ein großer Teil dieser Arbeit, neben der bekannten Primärliteratur, auf aktuellen Studien, Zeitschriftenartikeln, Internetquellen, und Erfahrungen aus der beruflichen Tätigkeit des Autors. Über die Auswahl der Quellen wird zum einen sichergestellt, dass die Ergebnisse der vorliegenden Diplomarbeit die heutige Situation des Untersuchungsfeldes klar wiedergeben. Darüber hinaus ermöglichen sie einen Ausblick auf denkbare zukünftige Entwicklungen.
In der Welt der Internet Service Provider (ISP) gibt es derzeit kaum ein stärker diskutiertes Thema als IPTV. Im Gegensatz dazu ist der Bereich WebTV kaum erforscht. Obwohl IPTV und WebTV nur in Teilen vergleichbar sind, können Publikationen zu IPTV bei der Untersuchung von WebTV sehr aufschlussreich sein. Das gilt sowohl für Forschungen zur Akzeptanz, wie auch für die technische Realisierung von Videoübertragungen mittels des Internet Protokolls.
-11-
Kapitel 1 Einleitung
1.3 Tätigkeits- und Aufgabenbereich des Verfassers
Der Autor verantwortet den Aufbau der Abteilung „Videoproduktion“ im Medienunternehmen Heilbronner Stimme. Dazu gehört das WebTV-Angebot STIMME.TV, welches im März 2007 auf dem hauseigenen Nachrichtenportal www.stimme.de implementiert wurde. Nach einer erfolgreichen Testphase befindet sich das Projekt nun im zweiten Jahr der noch andauernden Entwicklungsphase. Seither wurden über 240 Videobeiträge produziert. 4 Neben der Optimierung und Koordination von Videoproduktionen zählen die Entwicklung von WebTV-Formaten und deren Vermarktung zu den Hauptaufgaben des Autors. Dieser Praxisbezug wird vor allem in die Kapitel 6 und 8 einfließen und bietet so eine realistische Betrachtung der theoretischen Inhalte.
4 Siehe Anhang A: Entwicklung von Output und Reichweite von STIMME.TV
-12-
Kapitel 2 IPTV und WebTV
2 IPTV und WebTV
Der stetige Ausbau der DSL-Infrastruktur und sinkende Anschlusspreise haben dazu beigetragen, das Angebot und die Nachfrage nach Videobeiträgen im Internet rasant wachsen zu lassen. Bewegtbilder können jedoch schon seit rund 10 Jahren via Internet übertragen werden. 5 In dieser Zeit sind unterschiedliche Techniken und Definitionen für die Übertragung von Video via Internet entstanden.
Zu Beginn dieses Kapitels wird eine klare Abgrenzung zwischen den Begrifflichkeiten geschaffen und deren Unterschiede sowie Vor- und Nachteile näher beleuchtet. Neben Verlagshäusern und Medienunternehmen gibt es weitere Anbieter, die im Markt von IPTV und WebTV eine Rolle spielen. Deren Absichten und Verbreitung sind Gegenstand des darauffolgenden Unterkapitels 2.2. Im Unterkapitel 2.3 erfolgt ein hypothetischer Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Videoübertragung mittels des Internetprotokolls.
2.1 Begriffliche Abgrenzung
„Internet Video“, „Streamingmedia“, „Internetfernsehen“, „Video-Podcast“, „Internet Television“, „IPTV“ und „WebTV“ sind nur einige der Begriffe, die für Videoübertragung via Internet stehen. Genaue Abgrenzungen und Definitionen der genannten Begriffe sind derzeit in der Literatur schwer zu finden. Eine Gemeinsamkeit lässt sich aber bei allen genannten Bezeichnungen feststellen: Das Trägermedium ist das Internet, beziehungsweise die Übertragung basiert auf Grundlage des Internet Protokolls. Unterschiede liegen hauptsächlich in der Bildqualität und den Inhalten der „Internet-Videos“.
5 Vgl. Schnepf, 2007, S. 58
-13-
Kapitel 2 IPTV und WebTV
Nach Ansicht des Autors lassen sich alle genannten Begriffe zwei Hauptgruppen zuordnen: Zur ersten Gruppe zählt die Übertragung von Videos in geschlossenen Breitbandnetzen von Telekommunikationsunternehmen. In diesem Fall werden die Videos vorrangig über ein Fernsehgerät mit ausgestrahlt. 6 Diese Form wird im folgenden Text als IPTV bezeichnet. Da dieser Begriff von den großen Telekommunikationsunternehmen geprägt wurde und über groß angelegte Marketingkampagnen innerhalb von Triple-Play-Angeboten 7 verbreitet wird, gibt es keine konkreten Synonyme. Zur zweiten Gruppe gehört die Bereitstellung von Videos über das Internet, mit dem vorrangigen Ziel der Darstellung auf Computer-monitoren. Die Bezeichnungen Internet Video, Internet TV und WebTV werden in diesem Zusammenhang am häufigsten genannt und synonym verwandt. Um Irritationen zu vermeiden, legt sich der Autor an dieser Stelle auf den Begriff WebTV fest. 8
Eine Sonderform des WebTVs ist der Video-Podcast. Darunter versteht man einen Videobetrag, der mittels RSS-Feed 9 abonniert werden kann. Ein prominentes Beispiel ist der Video-Podcast von Angela Merkel, 10 indem die Bundeskanzlerin eine wöchentliche Videobotschaft zu aktuellen Themen veröffentlicht.
Die digitale Übertragung von Videosignalen via Internet unterscheidet sich deutlich vom Digitalfernsehen. 11 IPTV und WebTV nutzen im Gegensatz dazu das Internet als Distributionsweg und den daran gekoppelten direkten Rückkanal. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist die dadurch gewonnene Interaktivität.
6 Breunig, 2007, S. 478 ; http://www.iptv-anbieter.info/unterschied-iptv-webtv.html, (08.01.2008) ;
Ebenda
7 Bei einem Triple-Play-Angebot erhält der Kunde über einen einzigen Lieferanten einen Breit-
bandzugang, Internet-Telefonie und IPTV.
8 Gründe für diese Entscheidung liegen unter anderem in der Verwandtschaft zu dem häufig zitier-
ten Begriff „Web 2.0“ und der subjektiven Wahrnehmung des Autors, dass WebTV in den, für die
vorliegende Arbeit verwendeten Studien, am häufigsten genannt wurde.
9 RSS-Feed (Really Simple Syndication) ist ein auf XML-basiertes Dateiformat. Der User wird
durch das Abonnieren eines RSS-Feeds automatisch auf Aktualisierungen einer Website hinge-wiesen.
10 Siehe http://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BK/DE/Aktuelles/VideoPodcast/video-podcast.html
11 Unter Digitalfernsehen bzw. Digital-TV versteht man die Übertragung des bisherigen Rundfunk-
programms, als digitales Signal, über die bereits etablierten Distributionswege Antenne (DVB-T),
Kabel (DVB-C) oder Satellit (DVB-S). ; Vgl. http://www.digitaler-zugang.de/, (08.01.2008)
-14-
Kapitel 2 IPTV und WebTV
2.1.1 Differenzierungsmerkmale
Der Begriff IPTV umfasst mehr als seine beiden Bestandteile „internet protocol“ und „television“. IPTV ist also mehr als Fernsehen auf Basis des Internetprotokolls. Wäre dem so, müssten ebenfalls alle anderen Techniken der Videoübertragung via Internet als IPTV bezeichnet werden. 12 IPTV ist im Zusammenhang mit der Triple-Play-Strategie der ISPs entstanden. Der Unternehmensberater und Publizist Werner Lauff formulierte 2007 folgende Definition für IPTV:
„Von IPTV kann man immer dann sprechen, wenn lineare Programme und on-demand-Bewegtbildinhalte auf individuelle Anforderung mittels des IP-Protokolls von einer Plattform unter Nutzung eines Servers oder eines als Server dienenden Clients (peer to peer) über ein Punkt-zu-Punkt-Breitbandnetz (gegebenenfalls auch hybrid unter Nutzung eines Rundfunknetzes) auf Fernsehgeräte oder PCs aus dem kontrollierten Bereich eines Netzbetreibers (»walled garden«) oder aus dem Internet in Echtzeit übertragen werden.“ 13
Nach dieser Definition ist es unerheblich, ob das Programm auf einem Fernsehgerät oder einem PC-Monitor betrachtet wird. Auch wenn andere Quellen das Fernsehgerät als Differenzierungsmerkmal von IPTV betrachten 14 , scheint die genannte Argumentation sinnvoll. Schon heute gibt es eine Vielzahl an Geräten 15 , die über zusätzliche Anschlüsse analoge Rundfunksignale verarbeiten können und zugleich als PC-Monitor dienen.
Ein weiterer Punkt, bei dem sich die Experten uneinig sind, ist das Kriterium des sogenannten „walled garden“. Damit ist ein in sich geschlossenes Übertragungsnetzwerk gemeint. Die Definition von Lauff aus 2007 ist in doppelter Hinsicht, im Bezug auf die Technik, offen. Zum einen beschränkt sie die Übertragung von IPTV nicht zwangsläufig auf DSL - auch via Kabel soll IPTV übertragbar sein.
12 Vgl. Studie „IPTV - Definition, Status und Ausblick“ (2005), S. 4
13 Lauff, 2007, S. 6
14 Vgl. http://www.iptv-anbieter.info/unterschied-iptv-webtv.html, (13.01.2008)
15 Beispiel eines solchen Gerätes wäre der Samsung Syncmaster 225MW,
siehe http://monitor.samsung.de/produkte/detail2_main.aspx?guid=93759964-63e0-4495-89ca-
a3d170dde78b, (16.01.2008)
-15-
Kapitel 2 IPTV und WebTV
Zum anderen ist auch eine Verbreitung über das Internet möglich. 16 Dagegen erläutert der Autor Breunig, die Telekommunikationsunternehmen hätten sich auf eine Walled-Garden-Strategie geeinigt, um die Kontrolle über ihre Inhalte zu behalten. 17 Somit soll IPTV, auch wenn es technisch möglich ist, nicht offen zugänglich, sondern über geschlossene Netze nur für Kunden des ISPs abrufbar sein. Auch aus lizenzrechtlicher Sicht dürfen viele Programmangebote der Rundfunkanstalten nicht weltweit bereitgestellt werden. 18
Ob IPTV letztendlich ausschließlich in geschlossenen Netzen angeboten wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Unabhängig davon, über welchen Distributionsweg der Konsument IPTV empfangen möchte: er braucht dafür einen speziellen Empfänger in Form einer Set-Top-Box. Diese übernimmt neben dem Enkodieren des Signals auch die Verschlüsselung und das DRM-System 19 . WebTV hingegen benötigt außer einem Internetanschluss nur die entsprechenden Plug-ins 20 im Browser.
„IPTV soll sich an den bisherigen Fernsehgewohnheiten und Qualitätsansprüchen der TV-Zuschauer orientieren, und nicht an der Leidensfähigkeit der Internetnutzer.“ 21
Demnach hebt sich IPTV hauptsächlich durch Quality of Service (QoS) von WebTV ab. Dazu zählen unter anderem eine fest definierte Verzögerungszeit, eine entsprechende Bildqualität durch hohe Übertragungsdatenraten und eine für Programmlieferanten wichtige Funktion zum Schutz der Urheberrechte. 22 Visuell anspruchsvolle Inhalte, wie zum Beispiel „Hollywood Blockbuster“ erfordern demnach eine hochauflösende Bildqualität, die über WebTV zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich ist. Um diese hohe Bildqualität zu erreichen, bedarf es sehr hoher Datenraten, die für eine geschlossene Netzstruktur sprechen.
16 Vgl. Lauff, 2007, S. 6
17 Vgl. Breunig, 2007, S. 479
18 Vgl. Breide/Glusa, 2007, S. 527
19 DRM (Digital Rights Management) ist eine Anwendung zur Nutzungskontrolle von Daten
20 Plug-ins dienen dem direkten Abspielen von Videodateien innerhalb eines Browserfensters, dazu
gehören neben Flash auch Quicktime, RealVideo und weitere.
21 Schnepf, 2007, S. 59
22 Ebenda ; Wöhler-Moorhoff, 2007, S. 14
-16-
Kapitel 2 IPTV und WebTV
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal liegt in den Programmformaten. Weitläufig wird unter dem Begriff IPTV die Verbreitung herkömmlicher Fernsehinhalte ver-standen. Dazu gehören neben den Free-TV-Programmen, auch Pay-TV Sender wie zum Beispiel Premiere. 23 Neue, extra für IPTV produzierte, Formate gibt es momentan noch nicht. Im Gegensatz werden für WebTV bereits eine Vielzahl eigenständiger Formate angeboten, wie zum Beispiel ehrensenf.tv 24 oder auch STIMME.TV.
Ein anderes wichtiges Differenzierungsmerkmal ist das Nutzungsverhalten. Während der Konsument bei der Betrachtung von WebTV am PC eine aktive Rolle einnimmt, hat er bei der Nutzung von IPTV Angeboten eine passive Haltung, vergleichbar mit der während des Fernsehkonsums. Man spricht bei ersterer auch von „lean forward“, wörtlich übersetzt „nach vorne gelehnt“. Also dem Bildschirm zugewandt und mit einer aktiven, angeregten Haltung. „Lean backward“ meint dagegen, die „zurückgelehnte“ Position, z.B. auf der Couch, mit dem Ziel der passiven Unterhaltung durch ein vorbestimmtes Programm. 25 Die bereits angesprochene technische Konvergenz von TV-Gerät und PC-Monitor und die steigende Verbreitung mobiler Displays 26 erschweren längerfristig die genaue Zuordnung des lean forward und lean backward Konsumverhaltens über ein bestimmtes Gerät.
Zusätzliches kann der Kostenfaktor als ein aus ökonomischer Sicht sehr bedeutsames Unterscheidungskriterium genannt werden, das in der Literatur nur selten erwähnt wird. Die Preise für IPTV sind zwar in der Vergangenheit stark gefallen und liegen aktuell beim günstigsten Anbieter bei 9,90 Euro pro Monat, zuzüglich 24,90 Euro für eine DSL-Flatrate 27 . Doch im Gegensatz dazu sind WebTV-Angebote in der Regel kostenlos verfügbar. Es fallen lediglich die Kosten eines DSL-Anschlusses an. Jegliche Kosten, auch in sehr geringer Höhe, bilden schnell eine Barriere für potentielle Nutzer. Hier kann ein über Werbung finanziertes WebTV-Angebot ansetzen.
23 Vgl. Lauff, 2007, S. 4-5 ; Schnepf, 2007, S. 60
24 Siehe http://www.ehrensenf.de/
25 Vgl. Studie „IPTV Fernsehen der Zukunft?“ (2007), S. 40 ; Studie „IPTV - Definition, Status und
Ausblick“ (2005), S. 5
26 Zu Displays zählen in diesem Fall auch Notebooks, Videoplayer, Handys mit Videofunktion usw.
27 Siehe http://www.alice-
dsl.de/kundencenter/export/de/residential/produkte/alice_light/details/index.html, (16.01.2008)
-17-
Kapitel 2 IPTV und WebTV
2.1.2 Vergleich
Mittels der oben genannten Unterscheidungsmerkmale und der begrifflichen Eingrenzung von IPTV und WebTV lassen sich deren Stärken und Schwächen aufzeigen. Zukünftige Veränderungen in der Übertragungsqualität und im Nutzerverhalten können in der Bewertung nicht berücksichtigt werden. In Tabelle 1 werden demnach ausschließlich die gegenwärtigen Vor- und Nachteile von IPTV und WebTV gegenübergestellt.
28 EPG (Electronic Programm Guide) fasst die elektronische Benutzeroberfläche und Navigation
innerhalb des IPTV-Angebots zusammen.
-18-
Kapitel 2 IPTV und WebTV
2.2 Anbieter
In diesem Unterkapitel werden die bisher am Markt agierenden Anbieter von IPTV und WebTV vorgestellt. Diese lassen sich wiederum in zwei Gruppen unterteilen, die sich stark in der Anzahl Ihrer Mitglieder unterscheiden. Während IPTV in Deutschland von einer regelrecht kleinen monopolistischen Gruppe angeboten wird, finden sich im Internet unzählige WebTV-Angebote unterschiedlicher Anbieter und Inhalte.
2.2.1 Die Gruppe der IPTV-Anbieter
Der Hauptgrund für diesen Zustand liegt in der hohen technischen und finanziellen Marktbarriere von IPTV. Nur große Telekommunikationsunternehmen beziehungsweise ISPs haben die Möglichkeit, über geschlossene Netzwerke, Programme anzubieten und dabei die Quality of Service einzuhalten.
Aktuell gibt es in Deutschland nur drei IPTV-Anbieter. Mit Alice homeTV startete die Firma HanseNet 29 im Mai 2006 das erste IPTV-Angebot. Die Deutsche Telekom AG folgte im Oktober 2006 mit dem Angebot T-Home. Arcor, ein Tochterunternehmen von Vodafone, startete im Mai 2007 einen ersten IPTV-Pilotversuch in Kassel und ist seit Dezember 2007 mit Arcor-Digital TV am Markt vertreten. 30
IPTV muss nicht zwangsläufig über einen Breitbandanschluss empfangen werden. Auch über die traditionellen Distributionswege, Kabel und Satellit, kann IPTV übertragen werden. Ein Einstieg der Kabelnetz- und Satellitenbetreiber in den IPTV-Markt würde sich anbieten, um den bislang fehlenden interaktiven Rückkanal zu erhalten.
29 HanseNet ist eine 100 Prozent Tochtergesellschaft der Telecom Italia
30 Vgl. Breunig, 2007, S. 483
-19-
Kapitel 2 IPTV und WebTV
2.2.2 Verbreitung von WebTV-Anbietern
Ganz im Gegensatz zur Markttransparenz der IPTV-Anbieter ist das WebTV-Angebot sehr groß, unübersichtlich und steigt kontinuierlich an. Die vielfältigen Angebote richten sich an sehr individuelle Zielgruppen. Laut einer Auflistung des „Global InternetTV Portals“ gibt es in Deutschland aktuell über 750 WebTV-Anbieter. Darunter befinden sich rund 150 WebTV-Programme konventioneller TV-Sender und 115 lokaler Fernsehsender. 31 Die tatsächliche Anzahl wird vermutlich um einiges höher liegen, da eine verlässliche Zählung, auf Grund der fehlenden Transparenz im World Wide Web, nicht möglich ist. Das WebTV-Angebot der Heilbronner Stimme wurde zum Beispiel nicht aufgelistet. 32 Nahezu alle Online-portale der großen Verlagshäuser in Deutschland haben WebTV als festen Be-standteil integriert. 33
Da sich WebTV relativ kostengünstig und technisch einfach umsetzen lässt, ist nahezu jede Person oder Institution in der Lage, als WebTV-Anbieter aufzutreten. Auf diese Gruppe von Anbietern wird an dieser Stelle nicht näher eingegangen, da sich die Untersuchungen dieser Arbeit auf kommerzielle WebTV-Angebote mit vorwiegend journalistischen Inhalten beschränken.
Technologisch sehr fortschrittlich sind die Auftritte der Automobilkonzerne. Sie nutzen WebTV, um dem Kunden die Emotionalität und Faszination der Automobilmarke zu vermitteln. Die Zielgruppe, die diese Anbieter ansprechen wollen, ist überwiegend männlich, wohlhabend, besser gebildet und verfügt über einen Breitbandinternetzugang. 34
Die große Vielfalt des WebTV-Angebots macht es dem Konsumenten schwer, einen Überblick vom Programmangebot zu bekommen. Hier liegt ein Vorteil von regionalen Zeitungsverlagen, die WebTV in einem rein theoretisch begrenzten Verbreitungsgebiet einfacher bekannt machen können.
31 Siehe http://www.global-itv.com/de.php, (17.03.2008) ; Siehe Anhang B und C: Auswahl an
WebTV-Angeboten der öffentlich-rechtlichen Sender und privaten Sender
32 Nach Aufforderung durch den Autor wurde STIMME.TV eingetragen.
33 Siehe Anhang E: Auswahl an bekannten WebTV-Angeboten von Verlagen
34 Vgl. Plag/Riempp (2007), S. 50 ; Siehe Anhang D: Auswahl an WebTV-Angeboten von Institutio-
nen und Städten
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Kapitel 2 IPTV und WebTV
Als Beispiel zielt das Angebot von STIMME.TV hauptsächlich auf das Verbreitungsgebiet der angeschlossenen Tageszeitung und lässt sich über diese bewerben. In Zukunft werden Videosuchmaschinen und Guides durch das Auswerten der Bild- und Tonspuren versuchen, das Angebot an Videos im Internet zu erfassen, zu kategorisieren und dem User überschaubar zu präsentieren - ähnlich einer Programmzeitschrift. 35
2.3 Zukunftsprognose
Gegenwärtig finden sich wenige Ansatzpunkte für eine Konkurrenzsituation zwischen IPTV und WebTV. Vielmehr ergänzen sich beide Angebote und könnten mittels einer Zusammenlegung eine Alternative zum digitalen Fernsehen darstellen. 36 Der Konsument hätte dadurch die Möglichkeit, sein traditionelles Fernsehprogramm über IPTV zu beziehen und mit WebTV seine spezifischen Interessen an Videonachrichten und Unterhaltung kostenlos zu befriedigen.
Die in Unterkapitel 2.1.2 angesprochenen Differenzierungsmerkmale zwischen IPTV und WebTV könnten im Laufe der Zeit verschwinden und zu einer Konvergenz der bis dato getrennten Videoübertragungsformen führen. Dafür sprechen die rasant voranschreitende technische Entwicklung von leistungsstarken Video-Codecs 37 und der weitere Ausbau von xDSL-Leitungen 38 . Dies führt dazu, dass die Qualität der WebTV-Angebote weiter zunimmt und sich den hochwertigen Programmen von IPTV nähert. Nach Wöhler-Moorhoffs Ansicht ist es fraglich, ob der Ausbau der Breitbandnetze die Quality of Service einer geschlossenen Netzstruktur inklusive Set-Top-Box ersetzen mag. 39 Dagegen vertritt Breunig die Meinung, IPTV dürfte sich in Zukunft als gemeinsamer Begriff durchsetzen. 40 Solange der Konsument den Mehrwert von IPTV gegenüber seinem bisherigen Fernsehprogramm nicht schätzt, befindet sich WebTV im Vorteil.
35 Vgl. Gugel/Müller, 2007, S. 18-19 ; Dazu mehr in Kapitel 4.2.3 Bekanntheit von WebTV
36 Vgl. Wöhler-Moorhoff, 2007, S. 14
37 Siehe Kapitel 3.1.3 Nutzung von WebTV mittels Videoplayer
38 xDSL steht als Synonym für schnelle ADSL, ADSL2+, HDSL und VDSL-Breitbandverbindungen
39 Ebenda
40 Vgl. Breunig, 2007, S. 480
-21-
Kapitel 3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV
3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV
WebTV kann mittels Internet Protokoll, unabhängig vom verwendeten Betriebssystem, über ein Ethernet, Modem, W-LAN oder sogar einer Mischung aus verschiedenen Netzwerktechnologien übertragen werden. Ökonomisch betrachtet bietet der Distributionsweg über das Internet günstige Übertragungskosten und eine vorhandene Infrastruktur. Nahezu alle momentan auf dem Markt erhältlichen PCs und Notebooks sind mit Ethernet-Schnittstellen ausgestattet und die IP-Software ist in der Regel kostenlos vorinstalliert. IP-Netzwerke sind nahezu weltweit vorhanden, alleine in den USA gibt es über 195 Millionen private IP-Netze. Sogar in Grönland und der Antarktis sind zusammen über 8.000 Internetanschlüsse vorhanden. 41 Neben privaten Zugängen gibt es auch immer mehr W-LAN Spots 42 in Hotels, Flughäfen, Cafés usw. Diese Flexibilität ist eine der großen Stärken der Übertragung von Video über das Internet Protokoll und damit auch von WebTV.
In diesem Kapitel werden die technischen Grundlagen und strukturellen Voraussetzungen vorgestellt, die für WebTV erforderlich sind. Abgesehen von der Breit-bandentwicklung spielt auch das Programm, mit Hilfe dessen der Videobeitrag abgespielt wird, der Videoplayer, eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung von WebTV. Im weiteren Verlauf werden die gängigen Übertragungs- und Kompressionsverfahren beschrieben und miteinander verglichen.
Bevor über journalistische Qualität und mögliche Formate nachgedacht werden kann, muss sich jedes Medienunternehmen über die technischen Rahmenbedingungen für die Einführung von WebTV im Klaren sein.
41 Vgl. Simpson/Greenfield, 2007, S. 5-8
42 Ein W-LAN Spot ist ein kabelloser Interzugang innerhalb eines bestimmten Radius.
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Kapitel 3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV
3.1 Netzinfrastruktur und Software
Bis Mitte der neunziger Jahre war es üblich, für den Hörfunk ein Radiogerät zu benutzen, für das traditionelle Fernsehprogramm ein Fernsehgerät und für die täglichen Nachrichten eine Zeitung zu lesen. Heute hebt der PC 43 mit Internetzugang diese Trennung auf. Ein Computer bietet dem Konsumenten erstmals die Möglichkeit, alle drei genannten Medien in einem Gerät zu empfangen. Radiosender lassen sich mittels Streaming 44 empfangen, Fernsehprogramme und Videos über WebTV und die Zeitung ist als E-Paper 45 auf dem PC-Monitor lesbar. Der PC hat sich im Laufe der Zeit zu einem multimedialen „Alleskönner“ entwickelt.
3.1.1 Breitband und Flatrate als Voraussetzung für WebTV
Vor rund zehn Jahren war eine flüssige Übertragung von Videos über ISDN-Leitungen nahezu undenkbar. Mit analogen Modems war für rund 80 Prozent aller Internetnutzer die Übertragungsrate auf 28,8 Kbit/s beschränkt. Ein Datenpaket mit einer Größe von zwei Megabyte benötigt bei dieser Datenrate fast zehn Minuten. Die Einführung der DSL-Übertragungstechnik im Jahre 2003, mit Datenraten von über 700 Kbit/s, ermöglichte erstmals die Übertragung von Videos mit höheren Datenraten und damit ansprechender Bild- und Tonqualität.
Quelle: Studie „Internet zwischen Hype, Ernüchterung und Aufbruch“ (2007), S. 7
Tabelle 2 zeigt, dass erst der schnelle Anstieg von Breitbandverbindungen ab dem Jahr 2005, WebTV für eine breite Bevölkerungsschicht zugänglich machte. Momentan besitzen 63 Prozent der Onlinenutzer einen DSL-Zugang, 20 Prozent
43 Mit PC (Personal Computer) sind in diesem Zusammenhang auch alle vergleichbaren Geräte
gemeint, wie z.B. Notebook, PDA, UMTS-Handy.
44 Siehe Kapitel 3.2.1 Streaming
45 E-Paper ist die elektronische Ausgabe einer Tageszeitung.
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Kapitel 3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV
nutzen ISDN und nur noch sieben Prozent gehen analog per Modem ins Internet. 46 Führende Nachrichtenportale wie beispielsweise SPIEGELONLINE.de 47 oder CNN.com 48 setzen bereits für die Nutzung ihres WebTV-Angebots, einen DSL-Anschluss voraus. 49 Damit beschränken sie ihre potenzielle Reichweite bewusst auf Breitbandnutzer und definieren eine Mindestqualität analog zu Quality of Service bei IPTV. Vereinzelt finden sich noch WebTV-Anbieter wie ksta.tv 50 , die eine geringere Qualität für ISDN- und Modemnutzer zur Auswahl bereitstellen.
Neben einer ausreichenden Bandbreite gilt die Internetabrechnung in Form einer „Flatrate“ als elementare Voraussetzung für die steigende Verbreitung von daten-und zeitintensiven Internetanwendungen wie WebTV. Im Jahre 2005 verwendeten 18 Prozent der Internetnutzer noch eine zeit- und datenvolumenabhängige Abrechnungsmethode, die eine zeitintensive WebTV-Nutzung auf Grund der hohen Zugangskosten unattraktiv machte. Im Folgejahr hatte jeder Zweite eine Festpreisabrechnung. Bei den DSL-Nutzern waren es bereits 77 Prozent. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Zeit- und Volumentarife in Zukunft vom Markt verschwinden werden. 51 Diese Preisentwicklung ist vermutlich auf die neuen mobilen Internetzugänge wie beispielsweise UMTS übertragbar und öffnet möglicherweise einen weiteren Verbreitungsweg für WebTV.
3.1.2 Zukunftsprognosen zur Breitbandentwicklung und deren Auswirkungen auf WebTV
Die potenzielle Reichweite von WebTV steht in direkter Abhängigkeit zu der Verbreitung von Breitbandanschlüssen. So stellt sich die Frage, ob in Zukunft die Breitbandzugänge weiterhin zunehmen oder es zu einer Wachstumspause oder gar Sättigung kommen wird.
46 Siehe Anhang F: Internetzugangsarten in Deutschland (2005 bis 2008) ; Vgl.
http://www.forschungsgruppewahlen.de/Studien/Internet-Strukturdaten/web_I_08.pdf, (10.04.2008)
47 Siehe http://www.spiegel.de/
48 Siehe http://www.cnn.com/
49 Auf den Nachrichtenportalen von SPIEGELONLINE.de und CNN.com findet sich im Bereich „Vi-
deo“ keine Auswahlmöglichkeit für niedrige Qualität bzw. Datenrate, (05.04.2008)
50 Siehe http://www.ksta.tv/
51 Vgl. Studie „Internet zwischen Hype, Ernüchterung und Aufbruch“ (2007), S. 8
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Kapitel 3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV
Nach Meinung der Ökonomie-Experten der Bundesnetzagentur sollen sich die Breitbandzugänge bis zum Jahr 2010 auf 21 Millionen erhöhen, das entspricht nahezu einer Verdopplung der Anzahl von 2005. 52 Merger Management Consulting kommt zu einer ähnlichen Prognose mit 20 Millionen Anschlüssen. Davon sollen allein 1,5 Millionen durch IPTV initialisiert werden. 53 Analog zur Entwicklung der Breitbandanschlüsse werden sich auch die Übertragungsraten stetig erhöhen. Abbildung 1 zeigt eine deutliche Verschiebung der Übertragungsraten zu Lasten der langsamen hin zu den schnellen Verbindungen. Dabei spielt die VDSL-Technologie 54 eine Schlüsselrolle. Die Werte in Abbildung 1 entsprechen dem Verbreitungsgrad der jeweiligen Datenrate im Vergleich zu den Jahren 2005, 2010 und 2015.
52 Vgl. Studie „Deutschland Online 4“ (2006), S. 24
53 Vgl. http://www.oliverwyman.com/de/pdf_files/OW_Charts_PM_TriplePlay_Medientage_cr.pdf,
(20.01.2008)
54 VDSL basiert auf der DSL-Technologie, erlaubt aber wesentlich höhere Datenraten.
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Kapitel 3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV
Der Trend zu höheren Datenraten führt zu einer Verbesserung der Videoqualität von WebTV-Anwendungen. Die in Unterkapitel 2.3 angesprochene Theorie zur Konvergenz von IPTV und WebTV wird somit realistischer. WebTV mit Übertragungsraten von über 50 MBit/s erlaubt zukünftig eine erhebliche Qualitätssteigerung in Bild und Ton. Geht man zusätzlich von einer weiteren Optimierung der Kompressionsverfahren aus, ist eine Fernsehqualität in hoher Auflösung durchaus denkbar.
Laut Untersuchungen der Studie „Mediascope Europe 2007“ waren vergangenes Jahr 169 Millionen Menschen in zehn europäischen Ländern online. Im Durchschnitt waren sie zwölf Stunden pro Woche im Internet. 55 Das enorme Wachstum des Internets birgt aber auch Risiken durch Überlastung der Netzinfrastruktur. Nach Meinung des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Nemertes Research stößt das Internet spätestens 2010 an seine Grenzen: Die stetig wachsende Zahl der Internetnutzer mit Breitbandanschluss und der damit verbundene Konsum von multimedialen Angeboten würden den Datenfluss im Web überlasten. Alleine die Videoplattform „YouTube“ 56 ist für zehn Prozent des weltweiten Internetdatenverkehrs verantwortlich. Das sind 27 Millionen Gigabytes pro Monat. 57 Wie objektiv die Studie ist und ob die Ergebnisse auch auf Deutschland anwendbar sind ist fraglich, da die Auftraggeber kommerzielle Interessen im Aufbau von Datennetzen verfolgen.
3.1.3 Nutzung von WebTV mittels Videoplayer
Videodateien liegen grundsätzlich auf einem Webserver und werden entweder als Link oder eingebettetes Objekt in eine Internetseite integriert. Das Video wird in einen Videoplayer eingebunden, der den Empfang und die Wiedergabe der Datenpakete regelt. Der Videoplayer bietet dem Nutzer individuelle Steuerungsfunktionen. Dazu gehören unter anderem Start/Stop, Spulen/Kapitelwahl, Lautstärke-
55 Vgl.Studie „Mediascope Europe 2007“,
http://www.eiaa.net/Ftp/casestudiesppt/EIAA_Mediascope_Europe_2007_Pan_European_Executiv
e_Summary.pdf, (02.02.08)
56 Siehe http://www.youtube.com/
57 Vgl. http://www.nemertes.com
/internet_singularity_delayed_why_limits_internet_capacity_will_stifle_innovation_web?, (27.01.08)
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Kapitel 3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV
regelung, Vollbildmodus und URL-Pfad anzeigen wie auch die Möglichkeit, das Video zu bewerten und weiterzuempfehlen. Je nach Verwendungszweck können diese Elemente auch individuell gestaltet werden oder komplett verborgen bleiben.
Damit der Konsument WebTV nutzen kann, muss er die gewünschte URL in seinem Browser aufrufen. Abhängig davon, mit welchem Codec 58 das Video komprimiert wurde, muss das entsprechende Plug-in oder der passende Videoplayer auf dem System installiert sein. Sollte der Nutzer nicht über den erforderlichen Videoplayer verfügen, wird er in der Regel darauf hingewiesen diesen herunterzuladen und zu installieren.
Die hohe Zunahme von Videoanwendungen im Internet führt kontinuierlich zu neuen Versionen von Codecs und Videoplayern, die ein regelmäßiges Update auf aktuellere Versionen benötigen. Die leistungsfähigen Codecs und meist vorinstallierten Videoplayer tragen entscheidend zur raschen Verbreitung von Videoübertragungen im Internet bei.
Zu den meistverbreiteten Videoformaten im Internet zählen Flash, Windows Media Video, QuickTime und RealMedia. Bei den aufgezählten Dateiformaten handelt sich um sogenannte Container, die verschiedene Daten unterschiedlicher Codecs enthalten können. Der Flash-Container kann beispielsweise eine, mit dem neuen H.264/AVC kodierte, Videodatei und eine MP3-Audiospur enthalten. Die Dateiendungen der Containerformate (.flv, .wmv, .mov, .rm) sagen somit nichts über den tatsächlich verwendeten Codec aus. 59 RealNetworks zählte 1998 mit dem RealPlayer bereits zu den Pionieren im Videostreaming, wurde aber durch den, im Betriebssystem integrierten, Windows Media Player schnell eingeholt. Seit Einführung von Flash Video im Jahr 2002 ist der Flash Player der weltweit am häufigsten installierte Videoplayer. 60
58 Ein Codec ist ein Verfahren/Algorithmus der Daten komprimieren und dekomprimieren kann.
59 Vgl. Biebeler, 2007, S. 12
60 Siehe http://www.adobe.com/products/player_census/flashplayer/, (25.01.2008)
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Kapitel 3 Technische Rahmenbedingungen von WebTV
3.1.4 Adobe Flash Player
Der Flash Player konnte sich in den letzten Jahren im Bereich WebTV weltweit durchsetzen. Aus diesem Anlass soll in diesem Unterkapitel genauer auf die Details und Möglichkeiten des Videoplayers eingegangen werden.
Mit der Version 6 aus dem Jahre 2002 unterstützte Flash erstmalig Videos. Vorher diente Flash vor allem der Integration von interaktiven Animationen in Websites. 61 Zur hohen Verbreitung des Flash Players trägt dessen Plattformunabhängigkeit und einfache Installation bei. Der Flash Player ist für die Betriebssysteme Windows, Mac OS und Linux verfügbar.
Im Gegensatz zu den drei anderen Videoplayern ist mit dem Flash Player momentan noch keine eigenständige Anwendung verknüpft, um Videodateien abzuspielen. Während zum Beispiel der Windows Media Player im Betriebssystem von Windows integriert ist und unterschiedliche Video und Audiodateien abspielen kann, ist der Flash Player als Plug-in im Internetbrowser verankert. Das wird sich voraussichtlich in naher Zukunft ändern, denn seit Oktober 2007 gibt es den Adobe Media Player als englische Betaversion zum Download. 62 Der Player kann lokal gespeicherte Videodateien abspielen. Außerdem können Podcasts, Videostreams und TV-Shows über das Internet angeschaut werden. Es ist noch offen, welche Interessen Adobe mit dem neuen Player verfolgt und welche Möglichkeiten für WebTV bestehen.
Das Design des Flash Players lässt sich innerhalb des Browsers individuell gestalten und grafisch in die Website einbetten. Dagegen können beim Browser-Plug-in des Windows Media Players lediglich die Steuerelemente ausgeblendet werden. Das aktuelle Installationspaket ist mit weniger als 1,5 MBit sehr klein und benötigt nur eine kurze Downloadzeit. Zudem erlaubt die neue „Express-Installation“ von Adobe ein benutzerfreundliches Player-Update, ohne den Browser verlassen zu müssen. 63
61 Vgl. http://www.adobe.com/de/devnet/flash/articles/video_guide_print.html, (26.01.2008)
62 Siehe http://labs.adobe.com/technologies/mediaplayer/install/, (26.01.2008)
63 Siehe http://www.adobe.com/de/support/flashplayer/ts/documents/6a253b75.htm, (26.01.2008)
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Arbeit zitieren:
Diplom-Wirtschaftsingenieur Manuel Maier, 2008, WebTV - Analyse eines neuen Geschäftsfelds von Zeitungsverlagen am Beispiel der Heilbronner Stimme, München, GRIN Verlag GmbH
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