Die Tobin-Steuer
Michael Spranger
Inhaltsverzeichnis
A. Inhaltsverzeichnis I
B. Die Tobin-Steuer
I. Funktionsweise 2
II. Ziele
(1) Stabilisierung von Wechselkursen 6
(2) Erschließung neuer fiskalischer Quellen 8
(3) Gerechtigkeits- und Umverteilungsaspekte 9
III. Nachteile und Kritik
(1) Negative Auswirkungen der Tobin Steuer 10
(2) Problem der Freistellungen 13
(3) Sachliche Ausweichreaktion 14
IV. Fazit 14
C. Literaturverzeichnis II
Die Tobin-Steuer:
Die Tobin-Steuer ist das Konzept einer Devisentransaktionssteuer. Der amerikanische Ökonom James Tobin äußerte seine Idee einer Besteuerung von Devisengeschäften erstmalig 1972 in einer Vorlesung an der Princeton University1. Er entwickelte diese Idee weiter und veröffentlichte sie im Eastern Economic Journal 19782 . Dass solch ein Konzept überhaupt entstand, ist auf den Zusammenbruch des Bretton-Woods-Geld-Dollar- Standards zurückzuführen. Ziel dieser Steuer war nach Ansicht von Tobin, ein gewisses Maß an nationaler Autonomie in der nationalen Geldpolitik zu wahren und gleichzeitig die Wechselkurse weitgehendst zu stabilisieren3. Er wollte kurzfristige Spekulationsgeschäfte, welche sich seiner Ansicht nach destabilisierend auf den Finanzmarkt auswirken, verhindern, ohne dabei den langfristigen Investitionen Schaden zuzufügen. Der amerikanische Nobelpreisträger für Wirtschaft (1981) verstarb am 11. März 2002 im Alter von 84 Jahren.
Anfangs fand die Idee kaum Beachtung. Erst Mitte der Neunziger Jahre, als man auf der Suche nach neuen Einnahmequellen für die internationale Entwicklungshilfe war und mehrere Krisen, wie die Mexikokrise 94´ oder Crashs in Südostasien, Brasilien etc., die Finanzwelt erschütterten, erlebte das Konzept Tobins eine Renaissance4. Als Motor der Bewegung für eine Regulierung der Finanzmärkte kann die französische Organisation ATTAC (Association pour une Taxation des Transaktions financieres pour i´Aide aux Citoyens) gesehen werden, deren Bewegung sich zahlreiche Organisationen in Europa, Nordamerika und auch in einigen Entwicklungsländern angeschlossen haben. Im Folgenden wird die Funktionsweise der Tobin-Steuer genauer untersucht. Danach wird dargelegt welche Ziele damit verfolgt werden und anschließend wird auf die Kritik eines solchen Konzeptes eingegangen. Schließlich werden eine Zusammenfassung und ein kurzes Resümee folgen.
I. Funktionsweise5
Die Idee ist grundsätzlich recht einfach aufgebaut. Professor Tobin ging davon aus, dass Spekulationen die Wechselkursvolatilität erhöhen. „Spekulationen sind definiert als das Eingehen von Positionen (Käufe bzw. Verkäufe von Gütern oder finanziellen Aktiva) mit dem Ziel, kurzfristig erwartete Preisbewegungen durch die baldige Auflösung dieser Positionen gewinnbringend auszunützen“6.
Er schlug daher vor, einen geringen Prozentsatz (zwischen 0,1-1%) auf jede Devisentransaktion zu erheben. Dieser Satz wäre bei langfristigen Investitionen nicht von großer Bedeutung hätte aber auf Transaktionen bei denen der Kauf und Verkauf von Devisen innerhalb eines Tages, einer Woche oder eines Monats erfolgt großen Einfluss. Die genaue Funktionsweise soll anhand des Beispieles von Patterson und Galliano erläutert werden.
Es wird angenommen dass ein Spekulant mit einem Ansteigen des USD – Kurses gegenüber dem Euro rechnet. Er schließt einen Vertrag über den Verkauf von 1 Mio. EUR zu 1,1 Mio. USD binnen einer Woche ab. Steigt nun der USD-Kurs in diesem Zeitraum auf den gleichen Kurs wie der EUR, könnte unser Spekulant die 1.1 Mio. USD für 1.1 Mio. EUR verkaufen. Er hätte einen Gewinn von 100 Tausend EUR, dies entspricht 10 %, erzielt. Zweifellos hätte er die normalen Steuern auf seinen Gewinn zu zahlen, diese können aber kaum die Spekulation unterbinden. Die Tobin-Steuer jedoch würde auf die jeweiligen Bruttobeträge anfallen. Gehen wir von einem Satz von 0,5 % aus. Das hieße in unserem Fall eine Zahlung beim Verkauf von 5.000 EUR, und noch eine Zahlung beim Kauf, nämlich diesmal 5.500 USD (entsprechen in unserem Fall 5.500 EUR). Dies entspräche einer Gesamtbelastung von 10.500 EUR respektive 10,5 %. Eine abschreckende Wirkung ist wohl immer noch nicht zu erwarten, da erwähnter Spekulant immer noch einen Gewinn in Höhe von 80.500 EUR für sich verbuchen könnte.
Nehmen wir aber an, die erwartete Kursbewegung hätte nicht stattgefunden und der Kurs USD : EUR wäre konstant geblieben. Unser Spekulant hätte trotzdem die Belastung der Tobin-Steuer zu tragen. Er würde in diesem Fall also einen Kapitalverlust erleiden. Selbst bei einer Verschlechterung des Kurses wäre diese Abgabe zu entrichten. Es gilt nun ferner die Steuersätze auf Jahresbasis bei unterschiedlichen Transaktionszeiträumen zu betrachten. Nur wenn der annualisierte Steuersatz bei kurzfristigen Transaktionen erheblich steigt ist das Ziel von Professor Tobin, nämlich kurzfristige Spekulationsgeschäfte zu verhindern, erreicht.
[....]
1 Vgl. Wahl und Waldow (2001), S.4.
2 Vgl. Tobin (1978) ,S.153.
3 Vgl. Tobin (2001) ,Absatz 3.
4 Vgl. Wahl und Waldow (2001), S.4.
5 Folgendes vgl. Ben Patterson, Mickäl Galliano.
6 Gerhard Aschinger.
Quote paper:
Michael Spranger, 2003, Die Tobin Steuer, Munich, GRIN Publishing GmbH
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