Gliederung: Seite
1. Einleitung. 3
2. Der Kalte Krieg und Deutschland. 4
3. Die Konferenz von Potsdam und die Einheit Deutschlands. 5
4. Versuche der Einigung. 6
5. Die Einstellung der Besatzungsmächte. 8
5.1 Die Vereinigten Staaten. 8
5.2 Großbritannien. 10
5.3 Die Sowjetunion. 12
5.4 Frankreich. 13
6. Das Jahr 1947. 14
6.1 Die Konferenz von Moskau und die Truman-Doktrin. 16
6.2 Der Marshall-Plan und Deutschland. 18
6.3 Die Konferenz von London. 19
7. Fazit. 21
Quellen - und Literaturverzeichnis
1. Quellen. 23
2. Literatur. 24
2
1. Einleitung
Während des zweiten Weltkrieges wurden die Alliierten durch das Ziel zusammengehalten, das Dritte Reich zu besiegen. Trotz mehrerer Kriegskonferenzen konnten sich die Alliierten jedoch nicht auf ein gemeinsames Konzept für ein Nachkriegsdeutschland einigen. Nach dem Krieg entwickelten sich die Einstellung der Alliierten wesentlich auseinander. Besonders die Vereinbarungen der Kriegskonferenzen sowie die Potsdamer Konferenz wurden unterschiedlich interpretiert und umgesetzt. Ein Grund hierfür lag wohl auch in der Tatsache, dass die Grundsätze zur Behandlung Deutschlands durch die Alliierten „letztendlich so allgemein und unverbindlich gehalten“ waren, „dass sie jeder Siegermacht die Möglichkeit offen ließ, sie entsprechend den eigenen Vorstellungen mit politischen Inhalt zu füllen.“ 1 Während in meinem Referat die ökonomische Trennung als Element der Deutschen Teilung behandelt wurde, soll in dieser Arbeit die Teilung unter außenpolitischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Dazu sollen im Mittelpunkt dieser Arbeit die Jahre 1945 bis 1947 stehen, jener Zeitraum, in welchem sich das Schicksal Nachkriegsdeutschlands entscheiden sollte. Der Schwerpunkt soll dabei auf dem Ost-West Gegensatz und auf dem Jahr 1947 liegen. Es soll herausgearbeitet werden, welche Bedeutung dieses Jahr und der Kalte Krieg, die sich nun in Form der Truman-Doktrin äußert, für die Teilung Deutschlands hatte und wie die außenpolitischen Veränderungen die Ziele der Siegermächte beeinflussten. Es soll also der Frage nachgegangen werden, inwieweit die politischen Veränderungen in Europa die Herausbildung eines westdeutschen Staates begünstigte und ob seit diesem Jahr überhaupt noch die Möglichkeit existierte, die Einheit Deutschlands herzustellen bzw. ob es überhaupt noch im Sinn der Besatzungsmächte war, diese herzustellen? In der Literatur sind zwei Postionen erkennbar, zum einen die Theorie, dass die sowjetische Politik eine von den Westmächten verkannte Sicherheitspolitik war, zum anderen die Idee, dass die SU von vornherein einen revolutionären Umsturz der Verhältnisse in Deutschland erreichen wollte. Es muss jedoch gesagt werden, dass in dem wachsenden Konflikt hinsichtlich der Politik in Deutschland auch die Einstellung der anderen beiden Besatzungsmächte eine Rolle spielte. Auf der einen Seite war dies Großbritannien, als eine europäische Macht mit Sicherheitsinteressen, welches sich bedroht sah durch die sowjetische Expansion und ausgebeutet durch die Lieferung aus ihrer Zone an die Sowjetunion. Auf der anderen Seite Frankreich, welches innerhalb von einhundert Jahren drei Mal mit Deutschland Krieg geführt hatte und an dessen Spitze mit De Gaulle ein nationalistischer Staatsmann stand, welchem die zukünftige Sicherung Frankreichs gegen einen deutschen Nachbarn über Alles
1 Steininger, R.: Deutsche Geschichte 1945 - 1961, Frankfurt am Main 1983, S. 143.
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ging. Durch die formale Gleichheit der Besatzungsmächte hatten ihre Reaktionen ebenfalls einen Einfluss auf die Entwicklung Deutschlands im Zuge des sich entwickelnden Ost-West Gegensatzes.
2. Der Kalte Krieg und Deutschland
In der Anti-Hitler-Koalition hatten die militärisch-strategischen und die ökonomischtechnologischen Kooperationen im Vordergrund gestanden. Eine vergleichbare Kooperation und Abstimmung hinsichtlich der politischen Ziele für Deutschland nach dem Krieg erfolgte jedoch nicht. Zudem zeigte sich, dass die Frage nach der Zukunft Deutschlands eng mit der Frage nach einer künftigen Weltordnung verbunden war. Während Roosevelt eine Weltordnung mit vier Weltmächten, den USA, der UdSSR, Großbritannien und China befürwortete, war vor allem Churchill bereits von der großen Gefahr einer nach Mitteleuropa vordringenden Sowjetunion überzeugt, welche seine Vorstellung einer kontinentaleuropäischen Gleichgewichtspolitik gefährdete. 2 Stalin setzte diesen Vorschlägen seinen Plan von gegenseitig respektierten Einflusssphären entgegen. Die USA befürworteten demnach eine Weltordnung, welche ihrer Ansicht von liberalen Prinzipien und weltweiten Freihandel entsprach. Hierbei beriefen sie sich auf die Atlantikcharta, welche auch von der Sowjetunion ratifiziert worden war und allen Völkern das Recht geben einräumte „die Regierungsform zu wählen, unter der sie leben wollen“ und einen „gleichermaßen Zugang zu Handel und Rohstoffen der Welt“ gewähren sollte 3 . Die Charta wurde durch die von Roosevelt am 2. Februar 1945 vorgestellte Deklaration über das befreite Europa ergänzt, welche noch einmal die freie Wahl der Regierungsform sichern sollte. 4 Diese Vorstellung widersprach sowohl den Sicherheitsinteressen der Sowjetunion, als auch dem Plan Stalins, eine sowjetische Einflusssphäre in Form eines Gürtels von befreundeten bzw. abhängigen sozialistischen Staaten zu etablieren. Gegen die ökonomische Einflussnahme der USA konnte nur die Abschirmung und Gegenmaßnahmen wirken, welche aufgrund fehlender ökonomischer Macht politisch sein musste. Trotzdem garantierte Stalin den Westmächten freie Wahlen in Osteuropa, besonders hinsichtlich Polens und stimmte der Deklaration Roosevelts zu, um die Zustimmung zur Westverschiebung Polens zu bekommen, womit diese die Oder-Neiße Grenze als Ostgrenze Deutschlands vorläufig anerkannten, in der
2 Vgl. Halder, W.: Deutsche Teilung. Vorgeschichte und Anfangsjahre der doppelten Staatsgründung, Zürich 2002, S. 25.
3 Roosevelt, F. D.; Churchill, W. S.: Atlantik-Charta (12.8.1941); In: Steiniger, R.: Deutsche Geschichte 1945-1961. Darstellung und Dokumente in zwei Bänden, Bd. 1, Frankfurt am Main 1983, S. 37.
4 Vgl. Benz, W.: Deutschland unter alliierter Besatzung: 1945-1949/55, Berlin 1999, S. 212f.
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Hoffnung auf eine demokratische Entwicklung in Osteuropa. 5
Wie vorausschauend der britische Premierminister Churchill die Situation bereits einschätzte, zeigte sein an Präsident Truman gerichtetes Telegramm vom 12. Mai 1945: „Ich bin tief besorgt um die europäische Lage, [...] Ich habe immer für die Freundschaft mit den Russen gearbeitet, mache mit aber - genau wie Sie - große Sorgen wegen ihrer fälschlichen Auslegung der Entscheidungen von Jalta, ihrer Haltung gegenüber Polen, ihres überwältigenden Einflusses in den Balkanländern, [...] verbunden mit der kommunistischen Technik in so vielen anderen Ländern, und vor allem wegen der ihnen gegebenen Möglichkeit, so große Heere so lange Zeit im Feld zu behalten.“ 6
Erschwert wurde das sowjetisch-amerikanische Verhältnis jedoch zuerst durch die Ablehnung eines Kredites in Höhe von 6 Milliarden Dollar und den Stopp der Hilfslieferung 1945 durch die Vereinigten Staaten, eine Entscheidung, welche tiefgreifende Folgen für die deutsche Einheit haben sollte. Der Sowjetunion erschienen diese Entscheidungen der USA als Beweis, dass diese die Sicherung ihrer wirtschaftlichen Macht anstrebte. Dies, und die folgenden Auseinandersetzungen zeigt, dass die Wurzeln für die amerikanisch-sowjetischen Spannungen primär ökonomischen Ursprung hatten. Die Sowjetunion versuchte die ökonomische Unterlegenheit politisch auszugleichen. 7
3. Die Konferenz Potsdam und die Einheit Deutschlands
Bereits in Teheran und Jalta waren die unterschiedlichen Positionen der Alliierten zutage getreten. Nicht nur die unterschiedliche Mentalität, sondern auch die heterogene Kriegsführung Hitlers mit einem Vernichtungskrieg im Osten und einem Krieg im Westen, in welchem beträchtliche Opfer vermieden werden sollten, machten eine homogene Politik unmöglich. 8 Eine Tatsache, welche die Forderung nach Reparationen und Sicherheit zu einem wesentlichen Bestandteil der sowjetischen Politik machte.
In der Konferenz von Potsdam 1945 sollten die offenen Fragen der Alliierten geklärt werden. Zugleich stellte die Konferenz die letzte Möglichkeit dar, trotz des Vetorechts der Franzosen, in einer Phase, in welcher die Differenzen der Alliierten noch nicht so stark war, eine deutsche Regierung zu bilden. Im Zuge der „Dezentralisation der politischen Struktur“ wurde jedoch
5 Vgl. Meissner, B.: Die Frage der Einheit Deutschlands auf den alliierten Kriegs- und Nachkriegskonferenzen, In: Göttinger Arbeitskreis (Hrsg.): Die Deutschlandfrage von Jalta und Potsdam bis zur staatlichen Teilung Deutschlands 1949, Berlin 1993, S. 12.
6 Churchill, W. S.: Telegramm an Präsident Truman (12.5.1945); In: Michaelis, H.; Schraepler, E. (Hrsg.): Ursachen und Folgen. Vom deutschen Zusammenbruch 1918 und 1945 bis zur staatlichen Neuordnung Deutschlands in der Gegenwart. Eine Urkunden- und Dokumentensammlung zur Zeitgeschichte, Bd. 23, Berlin o. J., S. 397.
7 Vgl. Nolte, E.: Deutschland und der Kalte Krieg, ²Stuttgart 1985, S. 172.
8 Vgl. ebd. S. 136.
5
stattdessen die Bildung von „zentralen deutschen Verwaltungsabteilungen“ beschlossen. Zudem war ausdrücklich die Behandlung „Deutschlands als eine wirtschaftliche Einheit“ festgeschrieben, wozu später gemeinsame Richtlinien über Erzeugung und Verteilung der Produktion, über Ex- und Import Rationierung usw. erlassen werden sollten. 9 Wie zu erwarten entzündete sich der Konflikt zwischen den Mächten auf dem ökonomischen Sektor. Besonderen Stellenwert nahm hierbei die Frage nach den Reparationen ein. Die Sowjetunion forderte den Gegenwert von 20 Milliarden Dollar, davon 10 Milliarden für die Kriegsschäden im Osten, was von den USA und Großbritannien abgelehnt wurde. Eine Lösung bildete hier der Vorschlag des amerikanischen Außenministers Byrnes, dass jede Besatzungsmacht ihrer Reparationsansprüche aus der jeweiligen Besatzungszonen selbst befriedigen sollte. 10 Diese Vereinbarung war jedoch unpräzise und bedurfte weiterer Verhandlungen, welche bis zur indirekten Festlegung des Industrienivauplanes im März 1946 andauerten, einer Zeit in welcher in der sowjetischen Besatzungszone nicht nur umfangreich die Demontage betrieben sondern auch die Boden- und Industriereform eingeleitet wurden. Des weiteren hatte Stalin erfolglos die Vier-Mächte-Kontrolle über das Ruhrgebiet mit der Begründung gefordert, dass die sowjetische Besatzungszone nicht über ausreichendes Potential verfüge, um die Reparationsforderungen der Sowjetunion zu tragen. Auch die Diskussion über die Ostgrenze Deutschland und die Westverschiebung Polens wurde in einer Übergangslösung nur vorläufig geregelt.
Bei Abschluss der Konferenz waren die Probleme der Alliierten bezüglich einer einheitlichen Deutschlandpolitik aufgeschoben. Problematisch war jedoch, dass aufgrund der ungelösten Fragen und der Übergangslösungen ein Diskussionsbedarf bestand, welcher vor dem Hintergrund des Kalten Krieges ablaufen musste. Um Deutschland als Einheit zu bewahren musste eine konkrete Einigung erzielt werden.
4. Versuche der Einigung
Mit der Übernahme der obersten Regierungsgewalt trafen die Differenzen unmittelbar aufeinander. Während sich im Alliierten Kontrollrat die Alliierten gegenseitig blockierten, wurden die in Potsdam gefassten Beschlüsse unterschiedlich interpretiert und umgesetzt. Der Hauptstreitpunkt bei der Konferenz von London im Herbst 1945 war die von der Sowjetunion geforderte Höhe der Reparationen und die Forderung nach Mitbestimmung im Ruhrgebiet, was von den USA und Großbritannien weiterhin abgelehnt wurde.
9 Stalin, J.; Truman, H., Attlee, C. R.: Amtliche Verlautbarung über die Berliner Konferenz der drei Mächte (2.8.1945); In: Michaelis, H.; Schraepler, E. (Hrsg.): Ursachen und Folgen, Bd. 23, S. 480ff.
10 Vgl. Steininger, R.: Deutsche Geschichte, S. 79.
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Arbeit zitieren:
Johannes Pretzsch, 2008, Nachkriegsdeutschland im Spannungsfeld des Kalten Krieges, München, GRIN Verlag GmbH
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