Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Definition - Armut kurz und bündig 4
3 Armenfürsorge heute - Innsbrucks wichtigste soziale Einrichtungen und ihre Funktionen 6
4 Wie es begann - Geschichte der heutigen sozialen Einrichtungen Innsbrucks 12
5 Schlussbetrachtung 16
6 Literaturverzeichnis 18
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit soll einen kleinen Einblick in die neuere Geschichte der Innsbrucker Armenfürsorge geben. Neben meinem persönlichen Interesse an diesem Thema, ging es mir auch darum, erstmals eine Chronologie dieses, literarisch noch nicht sonderlich gut erfassten Themas zu ermöglichen. Ganz bewusst habe ich dabei besonderes Augenmerk auch auf eine detaillierte Beschreibung der wichtigsten heutigen privaten Institutionen der Armenfürsorge gelegt, da diese eine essentielle Rolle in unserem so genannten zweiten (und gleichzeitig auch letzten) sozialen Versorgungsnetzes zu leisten haben. Da diese Arbeit die neuere Geschichte behandeln soll, enden die historischen Beschreibungen der einzelnen Institutionen jeweils bei ihren individuellen Anfängen. Da ich mit meiner Darstellung in der heutigen Zeit beginne und dann bis in die Anfänge der jeweiligen Institution zurückgehe, ergibt sich kein einheitlicher Abschluss mit einem bestimmten Jahr. Es wird vielmehr so sein, dass die Arbeit im jeweiligen Gründungsjahr der einzelnen sozialen Einrichtungen, naturgemäß auch zu unterschiedlichen Zeiten endet.
Um einen besseren Überblick über dieses vielseitige Thema bieten zu können, werde ich meine Arbeit in drei Bereiche trennen.
Zu Beginn möchte ich einige Definitionen des Begriffes der Armut darstellen. Gleichzeitig sollen hier aber auch die historischen Vorstellungen von Armenfürsorge kurz erläutert werden.
Der zweite Teil soll einen Überblick über die einzelnen Institutionen des zweiten sozialen Netzes in Innsbruck ermöglichen, wobei besonders auch auf deren Tätigkeitsfelder eingegangen wird.
Im letzten Abschnitt werde ich mich der Geschichte der heutigen sozialen Einrichtungen zuwenden. Die Beschreibungen können, wie bereits erwähnt, nicht mit einem Fixdatum enden. Sie werden vielmehr unterschiedlich weit in die Vergangenheit zurückreichen. Da ich für den Raum Innsbruck keine einheitliche Literatur zu diesem Thema finden konnte, war ich Großteils auf Internetberichte, Angaben in Tiroler Zeitschriften und mündliche Auskünfte der einzelnen Institute angewiesen. Auf diese Informationen stützt sich dann zum Großteil auch meine Arbeit. Besonders hilfreich war außerdem eine Diplomarbeit von Ralph Brunner aus dem Jahre 1995, die einen guten, wenn inzwischen auch schon etwas älteren Überblick über die damals aktuelle Armenfürsorge in Innsbruck bot. Für einen genauen Überblick zur älteren, öffentlichen Armenfürsorge in Tirol mit Schwerpunkt Innsbruck, empfehle ich den Aufsatz von Wilfried Beimrohr „die öffentliche Armenfürsorge in Tirol
vom 16. bis 19. Jhd.“ (erschienen in der in der Festschrift für Johann Rainer, den Historischen Blickpunkten aus dem Jahr 1988).
2 Definition - Armut kurz und bündig
Zum Begriff der Armut findet man viele Beschreibungen. In Meyers Lexikon wird sie beispielsweise als „wirtschaftliche Situation“ beschrieben, „in der es einzelnen Gruppen, oder ganzen Bevölkerungen nicht möglich ist, sich ihren Lebensunterhalt (Existenzminimum) aus eigenen Kräften zu beschaffen“. Eine präzise Umschreibung dieses kurzen Wortes ist jedoch mit äußerster Vorsicht zu genießen. Denn wer ist wirklich arm? Ist es beispielsweise auch derjenige, der sich arm fühlt?
Nachfolgend soll ein kurzer Überblick über die wichtigsten Einteilungsmöglichkeiten dieses Begriffes gegeben werden, anhand derer es möglich sein sollte, einer Definition näher zu kommen.
Die oben genannte Definition aus Meyers Lexikon erklärt im Großen und Ganzen die Attribute der absoluten Armut. Jemand, der als objektiv arm bezeichnet wird, ist vereinfacht gesagt auch wirklich arm, egal ob er sich so fühlt, oder nicht 1 . Personen hingegen, die sich, aufgrund von mangelnder Bedürfnisbefriedigung als arm bezeichnen, aber noch über das Notwendigste zum Überleben verfügen, werden als relativ arm angesehen. Hier kann aber gleichzeitig auch der Begriff der subjektiven Armut angewandt werden, da er Gleiches beschreibt. Eine andere Einteilungsart ist die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Armut. Diese Unterteilung stimmt vollständig mit der, der objektiven und relativen Armut überein.
Arm ist also nicht gleich arm. Hier gibt es auch enorme regionale Unterschiede. Menschen, die in Österreich als arm gelten, verfügen beispielsweise über das Vielfache der Mittel eines durchschnittlichen, nicht als arm angesehenen Sudanesen. Gleich groß wie die räumlichen Unterschiede sind natürlich auch die Zeitlichen. Die Lebensführung eines Armen Tirolers der frühen Neuzeit, ähnelt in keinster Weise, der eines heutigen Sozialhilfeempfängers. Hier
1Ralph Brunner, Armut in Innsbruck, phil. Dis., Innsbruck 1995, S.5.
fächern sich die Lebensalternativen in einem breiten Spektrum zwischen Entbehren, Darben und Verhungern 2 .
Fast gleich groß sind die Unterschiede bei den Vorstellungen von Armutsbekämpfung. Im Mittelalter halfen sich die Familien oder Sippenverbände, sowie die aufkommenden Zünfte gegenseitig aus. Wo das nicht möglich war, trat die Kirche auf den Plan, die durch das Gebot Gottes zur Nächstenliebe und Barmherzigkeit verpflichtet war 3 . Soziale Hilfeleistung stellte sich hier jedoch eher als Nebenprodukt dar. Wichtiger dürfte wohl gewesen sein, durch barmherzige Taten für sein Seelenheil gesorgt zu haben. Den meisten Armen, die in dieser Zeit wirklich objektiv arm waren, blieb allerdings nichts anderes übrig, als ihren Lebensunterhalt mit Betteln zu bestreiten.
Dies wurde schließlich immer mehr zum Problem. Mit der Herausbildung der Territorialstaaten in der frühen Neuzeit und dem langsamen Aufkommen einer staatlichen Macht, gabt es auch erste landesweite Ansätze der Armenfürsorge. In Tirol äußert sich diese Tendenz erstmals in einem Mandat, dass das Betteln Ortsfremder unterbinden sollte. Wie man daran schon erkennen kann, ging es den weltlichen Machtträgern wieder nicht um soziale Hilfeleistung, sondern vielmehr um die Bekämpfung des Bettelproblems. Weitere Entwicklungen, wie die Ernennung von besoldeten hauptberuflichen Armenpflegern, die wöchentlich Mittel an Arme verteilen sollten, waren zwar sehr lobenswert, hatten allerdings immer nur das gleiche Ziel, die Beseitigung des Bettlerproblems. Erste langsame Änderungen der Einstellung den Armen gegenüber, geschahen ab Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II.. Die Armenfürsorge trat nun gegenüber der Bettelbekämpfung immer mehr in den Vordergrund. Damit wurde eine neue Ära der Armutsbekämpfung eingeleitet, die nach etlichen Adaptierungen ihren - vorläufigen -Höhepunkt im heutigen Sozialhilfesystem gefunden hat, dessen wichtigstes Ziel es ist, Hilfsbedürftigen die Führung eines menschenwürdigen Lebens zu ermöglichen 4 . Grob vereinfacht kann man sagen, dass es diese drei Grundeinstellungen waren, die in Europa seit dem Mittelalter eine mehr oder weniger kontrollierte Armenfürsorge ermöglichten.
2Wilfried Beimrohr, die öffentliche Armenfürsorge in Tirol vom 16. bis 19. Jahrhundert, in Sabine Weiss (HG.), Historische Blickpunkte. Festschrift für Johann Rainer. Zum 65. Geburtstag dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern, Innsbruck 1988,S.11-33; S. 12.
3Wilfried Beimrohr, die öffentliche Armenfürsorge in Tirol vom 16. bis 19. Jahrhundert, in Sabine Weiss (HG.), Historische Blickpunkte. Festschrift für Johann Rainer. Zum 65. Geburtstag dargebracht von Freunden, Kollegen und Schülern, Innsbruck 1988,S. 11-33; S. 12.
4Adelheid Pacher, Sozialhilfe, S.4.
Arbeit zitieren:
Philipp Strobl, 2008, Armenfürsorge in Innsbruck, München, GRIN Verlag GmbH
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