2
(2a) und lernen Napoleon kennen (3a). Schließlich erwerben die Schüler Einblicke in das private Lebensumfeld einiger Mitglieder der Hohenzollern (1a), die ihnen dabei helfen, diese historischen Persönlichkeiten in der sonst im Unterricht üblichen ereignisgeschichtlichen Perspektive wieder zu erkennen.
3.Methodisch-didaktische Begründung und Verlaufsplanung der Exkursion
Der hier vorgestellten Exkursion sollten etwa 3 Geschichtsstunden zur Unterrichtseinheit „Aufgeklärter Absolutismus“ vorangegangen sein, sodass die Schüler die wichtigsten Ereignisse (wie den 7-jährigen Krieg) und historischen Persönlichkeiten (Friedrich Wilhelm II., Friedrich II.) zuordnen können.
Zu Beginn der Besichtigung des Neuen Flügels 2 des Schlosses Charlottenburg, das immerhin die größte noch erhaltene Hohenzollern-Residenz in Berlin ist 3 , sollen sich die Schüler in Vierer-Gruppen zusammenfinden. Eine derartige Aufteilung bietet sich einerseits aus aufsichtstechnischen Gründen an, da ansonsten bei der Größe der zu besichtigenden Räumlichkeiten eine etwa 27-köpfige Klasse kaum angemessen betreut werden könnte (selbst für die Arbeit in 4er-Gruppen empfiehlt sich eine zweite Aufsichtsperson, die im linken Teil des Obergeschosses als Ansprechpartner fungiert), andererseits soll durch die Bearbeitung der Aufgabenstellungen in Gruppen auch für einen gegenseitigen Austausch, Diskussion, Denkanstöße und kritische Reflexion gesorgt werden. Durch Letzteres werden so auch soziale Lernziele berücksichtigt. 4
Nach dem Zusammengehen der Schüler in Gruppen werden die Arbeitsblätter AB1 (zu den Räumen 362-367) und AB2 (Räume 352-358) auf Vorder- und Rückseite ausgeteilt und die Arbeitsaufträge erläutert. Die Räume können in freier Reihenfolge besichtigt werden, wobei zunächst die Fragen zu den Teilen A und B auf AB2 bearbeitet werden sollen - als Zeitvorgabe werden 120 Minuten genannt.
Die Fragen sind dabei so konzipiert, dass eine Mischung aus offenen und geschlossenen Fragestellungen erreicht wird, die einem Mittelweg zwischen bloßem Auffinden von Informationen und der Reproduktion / dem Transfer von vorher erworbenen Kenntnissen zum aufgeklärten Absolutismus in Preußen zum Ziel haben soll.
2 Und nur dieser bietet durch seinen Ausstellungscharakter die Möglichkeit ohne Führung, selbständig erkundend, die Räumlichkeiten zu besichtigen und die dazugehörigen Fragestellungen zu bearbeiten. Das Erdgeschoss des alten Schlosses wäre nur mit Führung zugänglich gewesen, das Obergeschoss hätte lediglich eine Porzellanausstellung geboten.
3 Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (Hg), Schloss Charlottenburg, Potsdam 1999.
4 Vgl. Lernziel 5.
3
Teil A, mit seinen Fragen auf AB2 zu den Wohnräumen Friedrich II., steht vermutlich am Anfang der Schülerbesichtigung. Jedoch ist das Arbeitsblatt so konzipiert, dass ein Beginnen mit Teil B, den Winterkammern Friedrich Wilhelm II., ebenfalls denkbar und problemlos möglich ist.
Die beiden prunkvollsten Räume, der Weiße Saal ( R362 ) und die Goldene Galerie ( R363 ), in ihrer Größe imposant und die Macht des Königs Friedrich II. repräsentierend, sollen in wenigen Stichworten miteinander verglichen werden. Der Sinn dieser Aufgabenstellung ist es, dass die Schüler dazu angehalten werden, näher auf die Komposition der Räume einzugehen, auf deren reiche Verzierungen, auf überaus pompöse Kostbarkeiten und gestalterische Spielereien. Für die Schüler soll hierbei ein Zusammenhang von königlicher Macht und architektonischem Prunk erkennbar werden, wie es auch heutzutage durchaus noch üblich ist, Macht über Repräsentativ-Bauten zum Ausdruck zu bringen 5 .
Mit zwei offenen Fragestellungen wird nach dieser einführenden Aufgabe fortgesetzt, wenn darüber spekuliert werden soll, welchem Zwecke die Räume gedient haben könnten (Aufgabe 2) und - emotionaler - welchen Eindruck die Farbgestaltung und Ornamentik in der Goldenen Galerie vermitteln (Aufgabe 3). Während Frage 2 noch darauf abzielt, den repräsentativen Charakter dieser Räume (in ihrer Funktionalität als Speise- und Tanzsäle) zu unterstreichen und damit gewissermaßen die Pracht zu begründen (im Gegensatz zum spartanisch eingerichteten Schlafsaal beispielsweise), will Aufgabe 3 die Schüler auf emotionaler Ebene erreichen, indem sie sich mit Aspekten der Raumgestaltung auseinandersetzen und Gefühle wie Eindrücke verbalisieren. 6 Möglicherweise wird dabei sogar die Ursprungsintention des Architekten zum Ausdruck gebracht, der durch den grünen Anstrich mit den vielen goldenen Deckenranken den Eindruck erwecken wollte, als befände man sich inmitten der Natur. Sollte dies auch nur ansatzweise Fragen bei den Schülern zum damaligen Zeitgeist, ästhetischen Ideal (das man später mit dem Fachbegriff des Barock oder Rokoko betiteln kann) oder vielleicht sogar zur musischen Persönlichkeit Friedrich II. 7 hervorrufen, wäre schon außerordentlich viel erreicht. Der Brückenschlag zurück zur ereignisgeschichtlichen Ebene soll durch Aufgabe 4 bewirkt werden, in der lediglich nach den Jahreszahlen zur Einrichtung, Plünderung 8 , Zerstörung und Rekonstruktion des Schlosses Charlottenburg gefragt wird. Diese recht einfache Aufgabe soll ein Gegengewicht zu den sehr subjektiven und anspruchsvollen Fragen 2 und 3 bilden, das gerade die schwächeren Schüler zur weiteren Mitarbeit in ihrer Gruppe bewegt und herausfordert. Letztlich wäre es sogar denkbar, dass die
5 Vgl. Teillernziele 4a & 1a + Herstellung eines Gegenwartsbezugs.
6 Vgl. Teillernziel 4b.
7 Vgl. Teillernziel 1a.
8 Vgl. Teillernziel 2a.
4
Gruppe die Fragestellungen unter sich aufteilt - unter diesem Gesichtspunkt, wären die Aufgaben 1 und 4 sogar als Differenzierungsmaßnahme zu betrachten. Nicht vergessen werden soll, dass durch Frage 4 ebenfalls dem Lernziel 4 ein wenig genüge getan wird, denn die verschiedenen Jahreszahlen helfen zweifellos dabei, das Schloss Charlottenburg zeitlich besser einordnen zu können.
Die Aufgaben zum Bereich B auf AB2, zu den Winterkammern Friedrich Wilhelm II., sind deutlich konkreter gestaltet als die des vorangegangenen Teils A. Zum einen liegt dies daran, dass mit der Behandlung des Monarchenpaares Friedrich Wilhelm III. und Friederike Luise von Hessen-Darmstadt, der zeitliche Rahmen der Unterrichtseinheit „Aufgeklärter Absolutismus“ eigentlich schon überschritten ist, das heißt, auf größere Vorkenntnisse der Schüler aus vorherigen Unterrichtsstunden nicht mehr gebaut werden darf. Zum anderen bieten sich die ausgestellten Exponate der Winterkammern einfach dazu an, durch Hervorhebung in den Fragestellungen in den Mittelpunkt des Schülerinteresses gerückt zu werden. Die Aufgabenstellung ist hierbei sowohl ein Stück Orientierungshilfe für die sonst weitgehend selbständig arbeitenden Schüler, als auch der Versuch ereignisgeschichtlich relevante Geschehnisse an konkrete Gegenstände zu knüpfen, um sie dadurch für die Schüler einprägsamer werden zu lassen. In diesem Zusammenhang steht beispielsweise Frage 1 („Wen zeigt das Bild, auf dem 2 junge Frauen vor einer Büste stehen ?“), zum Gemälde Friedrich Wilhelm Weitschs, das die Prinzessinnen Luise und Friederike von Hessen-Darmstadt vor der Büste ihres Schwiegervaters Friedrich Wilhelm II zeigt und damit als historisch bedeutsame Persönlichkeiten einführt, aber auch die Fragen 2 und 3. Letztere („Vor wem floh das Königspaar 1806 nach Schlesien ?“) bringt erstmalig den Namen Napoleon ins Spiel, um einen ersten Ausblick auf das Thema der nachfolgenden Unterrichtseinheit „Frankreich: Ursachen der Revolution, Phasen ihres Verlaufs“ 9 zu gewähren. 10 Frage 4 schließlich schlägt den Bogen zurück zum vorherigen Aufgabenbereich A, indem anhand der ausgestellten, kunstvoll verzierten Tabatieren, ein weiterer privater Aspekt Friedrichs II. aufgegriffen wird, der er den Schülern ermöglicht, diese historische Persönlichkeit einmal aus einer anderen, nicht ereignisgeschichtlichen Perspektive zu betrachten. 11
Der Lückentext auf AB 1, mit den dazugehörigen Fragen, dient schließlich lediglich der didaktischen Absicherung der Exkursion und ihrer Einbettung in den vorherigen
9 http://www.senbjs.berlin.de/schule/rahmenplaene/rahmenplan/gesch-o-7-10.pdf, Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Geschichte - Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule, Klasse 7-10, Seite 9.
10 Vgl. Lernziel 3 und Teillernziel 3a.
11 Vgl. Teillernziel 1a.
Arbeit zitieren:
Stephan Kilter, 2005, Darstellung eines Stundenentwurfs zur Exkursion ins Schloss Charlottenburg, München, GRIN Verlag GmbH
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