Fachhochschule Jena
Fachbereich Sozialwesen
Hausarbeit
Leben in Zwischenwelten
Ausbildungslosigkeit
jugendlicher Migranten in Deutschland
Seminar: VT Arbeit mit Migranten
Denise Kouba
06.01.2006
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
EINLEITUNG 1
1 AUSLÄNDER ODER MIGRANT? 2
1.1 Die Wurzeln jugendlicher Migranten 2
1.2 Ausdifferenzierung des Migrantenbegriffs 2
2 BESTANDSAUFNAHME DER BILDUNGSBETEILIGUNG 4
2.1 Schule Ein- oder Abstieg im Bildungssystem? 4
2.2 Berufsausbildung eine reelle Chance? 5
2.3 Warteschleifen im Bildungssystem 6
3 BARRIEREN IM BILDUNGSBESTREBEN 7
3.1 Analphabeten in zwei Sprachen? 7
3.2 Einfluss der Eltern 9
3.3 Einstellung der Wirtschaft 10
4 CHANCEN UND FORDERUNGEN 111
4.1 Interkulturelle Kompetenzen 111
4.2 Vergleich der Generationen 122
4.3 Forderungen 122
SCHLUSSBETRACHTUNGEN 144
LITERATURVERZEICHNIS 166
Abbildungsverzeichnis
Abbildung. 1:
Anteil ausländischer Schüler im Schuljahr 2002/03 4
Einleitung
Hauptschulabschluss, abgebrochene Ausbildung, ein Jahr in einer Berufsvorbereitungsmaßnahme und jetzt noch ein weiteres Jahr in der Berufsvorbereitung die Erwerbsbiographie einer ausländischen Jugendlichen in Deutschland (Natalie, 17 Jahre).1
Jugendliche sind in ihrem Übergang von Schule zu Beruf besonders bedroht bereits vor ihrem Eintritt in die Berufswelt zu resignieren und die Orientierung zu verlieren. Vor allem ist das der Fall, wenn das Scheitern beim Berufseintritt nur die Fortsetzung einer negativen Schulbiographie darstellt.
Für die Teilhabe an den Lebenschancen, die das Bildungssystem in Form von Ausbildung oder Arbeit verteilt, stellt ein Bildungsabschluss die grundlegende Voraussetzung dar.2 Ein Leben ohne deutschen Pass bedeutet jedoch ein drastisch erhöhtes Risiko des Bildungsmisserfolgs. Der Berufsbildungsbericht bietet Zahlen die nach 30 Jahren Integrationsversuchen die deutsche Bildungslandschaft nur bloßstellen können und politischen Zündstoff bieten. Damit kommt der Analyse der Bildungs- und Ausbildungsbeteiligung jugendlicher Migranten immer noch und wieder eine entscheidende Bedeutung in der Frage der Integrationsfortschritte Deutschlands zu, berücksichtigt man auch, dass wir in Deutschland von einem Drittel der Kinder und Jugendlichen sprechen, die einen Migrationshintergrund besitzen.3
Doch wie sieht konkret die Bildungsbeteiligung jugendlicher Migranten aus? Wie weit greifen hierbei arbeitsmarktpolitische Integrationshilfen? Wo zeigen sich Gründe einer Bildungsbenachteiligung und welche Förderung der Jugendlichen ist in diesem Zusammenhang schließlich möglich? Zur Beantwortung dieser Fragen soll im ersten Teil der Arbeit die Gruppe der jugendlichen Migranten und deren Beteiligung am deutschen Bildungssystem sowie Ausbildungsmarkt untersucht werden. Anschließend werden Hemmnisse der Jugendlichen bei Ausbildungs- und Arbeitssuche aufgezeigt, um im dritten Teil Potentiale und Chancen der Jugendlichen darzustellen, die den Benachteiligungen entgegenwirken können.
Die Betrachtungen in dieser Arbeit sollen sich dabei auf die jugendlichen Migranten richten, deren Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind, da gerade bei dieser Gruppe jahrzehntelange Integrationsbemühungen bis heute zu keinen befriedigenden Ergebnissen geführt haben.
1 Vgl. Internationaler Bund, 2004, Datenerhebung
2 Vgl. Gogolin, I., 2001, Verantwortung, S. 18; Alt, C.; Granato, M., 2002, Ausbildung, S. 45; Seifert, W., 2000, Erwerbsmobilität, S. 51
3 Vgl. Bremer, P., Spaltung, S. 123; Granato, M., 2002, Qualifizierungspotentiale, S. 7
1 Ausländer oder Migrant?
1.1 Die Wurzeln jugendlicher Migranten
Momentan leben Hunderttausende jugendlicher Migranten in Deutschland, deren Eltern als Gastarbeiter meist in den 60er Jahren aufgrund des hohen Arbeitskräftebedarfs in Industrie und Bergbau nach Deutschland gekommen sind. Die zahlenmäßig stärksten Gruppen jugendlicher Migranten bilden dabei Türken, Jugoslawen, Griechen, Italiener und Spanier.
Sind die Beschäftigungen ausländischer Arbeitnehmer anfangs als vorübergehende Erscheinung bewertet und mittels Anwerbeabkommen rechtlich geregelt, entwickelt sich durch den Nachzug von Familienangehörigen eine neue Qualität der Migration.4 Gerade durch die Anwerbestopps 1973 entsteht bei den Ausländern Panik, dass ihre Familienangehörigen in Zukunft nicht mehr einreisen dürfen. So werden temporär geplante Aufenthalte immer häufiger zu einem zeitlich offen gehaltenen Dauerzustand und aus den Gastarbeitern ausländische Mitbürger und Einwanderer.
Auf den Zustrom ausländischer Kinder in den 70er und 80er Jahren ist die Infrastruktur Deutschlands jedoch nicht vorbereitet, was gravierende Folgen nach sich zieht. Sie werden als soziale Zeitbombe wahrgenommen und die Kreierung einer speziellen Ausländerpädagogik soll diese entschärfen. So erfolgt die Einrichtung spezieller Vorbereitungsklassen, die sich jedoch schnell zum Ghetto innerhalb deutscher Schulen entwickeln.5 Bis heute haben die Schulen der kulturellen Vielfalt kaum Rechnung getragen und Unterrichtsinhalte sowie Didaktik auf die Situation von Migrantenkindern eingestellt. So kämpft das deutsche Bildungssystem 30 Jahre später noch immer am gleichen Problem der Integration ausländischer Jugendlicher in das deutsche Schulsystem.
1.2 Ausdifferenzierung des Migrantenbegriffs
Die korrekte sprachliche Bezeichnung der Jugendlichen, deren Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind, gestaltet sich bei näherer Betrachtung als problematisch. Bezeichnet man den seit 40 Jahren in Deutschland lebenden Gastarbeiter und seine hier geborenen Kinder als Ausländer, gibt dies zwar ihren rechtlichen Status richtig wieder, scheint es aber ebenso paradox.6 Die Bezeichnung als Migrant, wird den Jugendlichen jedoch ebenso nicht [...]
7 Vgl. BMBF, 2005a, Qualifizierung, S. 264
8 Vgl. Beck-Gernsheim, E., 2004, Anderen, S. 115
9 Vgl. BMBF, 2005, Berufsbildungsbericht, S. 98; Herwartz-Emden,
L., 2005, Bildungssystem, S. 9
10 Vgl. Beck-Gernsheim, E., 2004, Anderen, S. 116; Meister, D.M., 1997, Zwischenwelten, S. 29
11 Vgl. Beck-Gernsheim, E., 2004, Anderen, S. 117f.
Quote paper:
Denise Kouba, 2006, Leben in Zwischenwelten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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