Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 1
2. Bulgariens Weg zum Sozialismus 2
2.1. Politischer Zustand bis 1944 2
2.2. Politischer Zustand nach 1944 3
3. Die türkische Minderheit in Bulgarien 7
3.1. Die türkische Minderheit vor 1944 7
3.2. Die Politik der kommunistischen Partei 8
4. Die türkische Integration nach 1989 12
4.1. Politische Situation nach 1989 in Bezug auf die Minderheiten 12
4.2. Die Frage nach der Tolleranz 13
Exkurs : Die Roma und die Juden 15
Die Juden 15
Die Roma 17
5. Fazit 20
II
1. Einleitung
Nach dem russisch-türkischen Kreig von 1878 wurde ein unabhängiger bulgarischen Staat neu geschaffen. Nach der fast 500 jährigen türkischen Herrschaft musste das Leben der Bulgaren neu geregelt werden, das Land sollte seinen neuen Weg zur eigenständigen ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklung finden. Obwohl Bulgarien nach dem Berliner Kongress im selben Jahr anfänglich in Fürstentum Bulgarien und das autonome Gebiet Ostrumelien geteilt wurde und somit im bulgarischen Verständnis als „Verlierer“ des Kriegs betrachtet wurde, schaffte es noch in den nächsten paar Jahren die beiden Teile wieder zu vereinigen.
Die Wiedergeburt des damals starken Landes ist durch viele Schwierigkeiten geprägt, was seine neue Miteinbeziehung in die europäische Kultur und Standart nach einer so langen „Abwesenheit“ keine leichte Aufgabe war.
Aus der Zeit des Kriegs datiert auch die bulgarische Sympatie gegenüber Russland, später der Sowjetunion. Die Russen wurden als Befreier aufgenommen, ihre Politik und Entwicklung, die zu ihrer militärischen Stärke führten, wurden von den meisten politischen Kräfte in Bulgarien als Beispiel seiner Politik genommen. Noch dazu war der bulgarische Zar Allexander Battemberg eng mit der russischen Dynastie durch Verwandschaftsbeziehungen verbunden, die ihm auch zum Thron verhalf, und somit auch politisch abhängig von Russland. Nach dem Ende des russisch-türkischen Krieges wurde in dem Fürstentum eine provizorische russische Regierung geschaffen. Im Großen und Ganzen half diese Regierung viel zu der anfänglichen Entwicklung Bulgariens. Sie führte zur Lösung des Agrarproblems, indem sie neue wiftschaftliche Institutionen und Regeln einführte und den bulgarischen Zugang zu der Schwarzmeerküste und zu den Seehäfen am Ägäischen Meer sicherte. Ihr gelang es, den bulgarischen Charakter Ostrumeliens bis zur Vereinigung zu behalten, sie liquidierte das osmanische Feudalsystem und gründete neue staatliche Institutionen. Neben dem Verlust des zweiten Weltkriegs sind das weitere Gründe, die erklären sollen, warum seitens Bulgariens der Anfang des sowjetisch beeinflussten sozialistischen Regimes widerstandslos akzeptiert wurde..
Ziel der vorliegenden Arbeit ist, die politischen Ereignisse in Bulgarien und ihre Auswirkungen auf die Minderheiten auf bulgarischem Territorium zu zeigen. Aufgrund der politischen Situation nach 1944 besteht in der bulgarischen Historiografie keine Sicherheit zum Thema der Innenpolitik Bulgariens. Sie fehlt sogar teilweise, besonders über
1
Periode zwischen 1944 und 1957. Mit Hilfe der bestehenden Mittel werden aber die Ereignisse so präsentiert, wie sie allgemein bekannt geworden sind.
2. Bulgariens Weg zum Sozialismus
2.1. Politischer Zustand bis 1944
In den Beschlüssen des Versailler Vertrags, der das Ende des Ersten Weltkriegs bezeichnet, steckt ein Hintergrund für einen zukünftigen Krieg. Bis zum Ende der dreißiger Jahre vertreten die Großmächte wieder verschiedene Meinungen. Einerseits wollten Großbritanien, Frankreich und die USA ihren Status quo behalten, andererseits wollten die Länder mit faschistischer Ideologie wie Deutschland, Italien, Japan u.a. mehr „Lebensraum“ für sich schaffen. Getrennt von allen führt die UdSSR eine eigenständige Politik. Für Bulgarien ist die Teilnahme an dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Entscheidung, indem von ihr abhängt, ob das Land eine neue nationale Katastrophe erleben, oder endlich ihre nationale Vereinigung erreichen wird. Für die bulgarische Entscheidung, sich am 1. März 1941 Deutschland anzuschließen, spielt der deutsche Sieg über Frankreich und seine neugeschaffene Hegemonie in Europa eine erhebliche Rolle. Zur selben Zeit ist ein Erfolg für die bulgarische Regierung, dass trotz des bulgarischen Anschlusses zu den Dreimächten, die diplomatischen Beziehungen mit Russland bis zum 5. September 1944 erhalten wurden und die Tatsache, dass der Staat keine Armeen an den östlichen Front geschickt hat. Das sicherte teilweise die Chancen, dass Bulgarien seine vorherigen Grenzen nach dem Krieg behalten konnte.
Noch vor dem Beitritt zum Dreimächtepakt sind in Bulgarien faschistische Spuren zu bemerken. Die Regierung des Königs Boris III. verwandelt sich mit der Zeit zur Eigenmacht. 1 Mit dem bulgarischen Anschluss zu dem Krieg ist ein Gesetz zur bürgerlichen Mobilisierung aufgenommen worden, das zum Ziel hat, das bulgarische Leben an den Zwecken des Krieges anzupassen. Die Getreidepreise wurden erhöht und ein Lebensmittelmarkensystem wurde eingeführt. Dieses System zielte den Lebensmittelverbrauch innerhalb des Staates zu regulieren, damit mehr Waren ins Ausland (vor allem nach Deutschland) exportiert werden können. Andere faschistische Zeichen der Regierung in den vierziger Jahren waren das Gesetz des Nationsschutzes, das die bulgarischen Juden außerhalb des Landesgesetzes lässt und das
1 Crampton, R. J.: Bulgaria (New York, 2007); S. 249
2
Gesetz zur Organisation der bulgarischen Jugend, das als Vorbild die faschistische „Hitlerjugend“ hatte. Die bulgarische Organisation war direkt dem Premierminister untergestellt und widersprach den demokratischen Traditionen Bulgariens, weswegen sie erhebliche Proteste seitens der Schüler und der Studenten herrief.
Ab Mitte des Jahres 1943 herrscht in Bulgarien eine schwere politische Krise, die eine Folge des Anschlusses des Staates an die Seite des Dreimächtepaktes ist. 2 Im August, als der bulgarische König Boris III. starb, wurde die Situation noch schlimmer, weil sein Nachfolger Simeon II. minderjährig war und seine Regentschaft im Widerspruch zur bestehenden Konstitution bestimmt wurde. Außerdem standen die Regenten Prinz Kiril, Bogdan Filow und Nikola Mihow stark auf der deutschen Seite im Krieg. Anfang 1944 begann die Regentschaft, eine Gendarmerie zu schaffen, die die Partisanengruppen, die sich den Machtentscheidungen der Regierung widersetzten, verfolgen und vernichten sollte, die Aufruhrs und die verbotenen Manifestationen unterdrücken sollte. Durch diese Tätigkeit wurde die Gendarmerie bis heute als eine der grausamsten bulgarischen Organisationen bezeichnet - ganze Familien wurden getötet, Häuser wurden verbrannt und Leichen wurden auf den Straßen gelassen, damit sie Angst in der Bevölkerung verursachen konnten. Es wurden noch einige Konzentrationslager gebaut, wo „für die Macht gefährliche“ politische und geselschaftliche Funktionäre eingesperrt wurden.
Im Juni 1944, als das erfolglose Ende des Kriegs bereits vorauszusehen war, suchte die Regierung eine Rettung für sich und für die schlechte Lage Bulgariens. Eine neue Regierung mit dem Vorsitzenden Iwan Bagryanow wurde einberufen, die aber die außenpolitische Richtung Bulgariens nicht mehr wenden konnte.
2.2. Politischer Zustand nach 1944
Die in der bulgarischen Historiographie als „Nachkriegsgeschichte“ bezeichnete Periode in Bulgarien fängt noch vor dem eigentlichen Kriegsende an. In der Nacht vom 8-9. September 1944 wurde die bisher faschistische Regierung des Staates von dem Vaterländischen Front 3 zusammen mit der Gruppe „Zweno“ übernommen. 4
Die „Zweno“ Gruppe entwichelte sich als Opposition der Zarenpolitik schon seit langem. Als aber die Niederlage Deutschlands noch 1943 bereits zu sehen war, war das Überdenken der zaristischen Politik äußerst notwendig.
2 Crampton, R. J.: Bulgaria (New York, 2007); S. 271
3 Aus dem bulgarischen „Otechestwen front“, kurz OF
4 Härtel, Hans-Joachim; Schönfeld, Roland: Bulgarien (Regensburg, 1998); S. 190
3
Der Vaterländische Front bestand aus Mitgliedern des Bulgarischen Bauernvolksbundes, der Demokratischen Partei und der linken Sozialdemokraten. Eben die Mitglieder des sozialdemokratischen Teils waren diejenigen, die sich später als „Bulgarische Kommunistische Partei“ 5 formten.
Als sich die russische Armee im September 1944 den bulgarischen Grenzen näherte und die sowjetische Regierung Bulgarien den Krieg erklärte, übernahmen in den nächsten Tagen die Oppositionellen die Regierung. Dieser Wechsel war mehr oder weniger ein politisches Spiel, das den Wechsel der Kriegsposition Bulgariens zu rechtfertigen suchte. Noch am 9. September brach Bulgarien alle diplomatischen Beziehungen mit Deutschland ab und erklärte ihm den Krieg auf der Seite der Roten Armee. Für diese Maßnahmen war es aber zu spät und so befand sich Bulgarien unter russischer Kontrolle in dem sogenannten „eisernen Vorhang“. Nach den Absprachen bezüglich der Aufteilung der besiegten Länder zwischen Churchill und Stalin im Oktober 1944 sollten 80% Bulgariens unter der politischen Kontrolle Russlands fallen. Deswegen, obwohl der Vaterländische Front sich vorher von den Kommunisten distanzierte, lag nach 1944 die praktische Macht vorwiegend in kommunistischen Händen, deren Politik eng mit dieser der russischen kommunistischen Partei verbunden war. Die eigentliche Machtübernahme von den Kommunisten begann ab 1947, als der Friedensvertrag unterschrieben und in Kraft gesetzt wurde. Die sich innerhalb des Vaterländischen Fronts befindenden Kommunisten schafften es, alle anderen demokratischen Kräfte in ihrem Umkreis zu beseitigen und den sowjetischen politischen Kurs fortzusetzen. Abgesehen von dem politischen Hintergrund war die sozialistische Septemberrevolution eine Fortsetzung bzw. Nachahmung der Bolschewistischen Revolution in Russland 1917, die eben eine neue, moderne Gesellschaft auf der Grundlage der Gleichberechtigung aber unter den Voraussetzungen gesellschaftlicher und politischer Rückständigkeit zu schaffen versuchte. 6 Der erste Schritt der neuen bulgarischen Regierung war die Säuberung von allen Anhängern des zaristischen Regimes. Im Widerspruch zu der damals bestehenden Konstitution wurden selbst die Zarenregenten beseitigt und von einem Volkstribunal zum Tode verurteilt. Im September 1946 wurde ein Referendum gehalten, das die Monarchie in Bulgarien abschaffte und das Land zu einer Volksrepublik erklärte. Nach den offizielen Angaben, in der kommunistischen Zeitung „Duma“ (Wort) veröffentlicht, stimmten für die Abschaffung der Monarchie etwa 95,63% der Bevölkerung 7 , wofür als Grund die Kriegsposition des Königs Boris III. und ihre katastrophalen Folgen für das Land betrachtet wurde. Bezüglich dieser
5 Aus dem Bulgarischen: „Balgarska komunisticheska partiya“, kurz: BKP
6 Brunnbauer, Ulf: Die sozialistische Lebensweise (Wien, Köln, Weimar; 2007); S. 16
7 http://www.duma.bg/2006/0906/150906/obshtestvo/ob-3.html - offizielle Webseite von Duma Zeitung
4
Arbeit zitieren:
Evelina Kirova, 2008, Die Minderheiten in Bulgarien seit 1944, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zu: Pierre Bourdieu - Die feinen Unterschiede
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Die Semantisierung der Großstadt in Honoré de Balzacs "Le Père Go...
Romanistik - Französisch - Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Einfluss ehemaliger Eliten auf ökonomischen Reformerfolg
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Hausarbeit, 18 Seiten
Annäherung der Russischen Föderation an die EU
VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Seminararbeit, 14 Seiten
Emile Zola: Der Experimentalroman
Romanistik - Französisch - Literatur
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Die Bevölkerungskrise nach Malthus und deren kritische Betrachtung
VWL - Makroökonomie, allgemein
Studienarbeit, 15 Seiten
Evelina Kirilova's Text Die Minderheiten in Bulgarien seit 1944 ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Evelina Kirilova hat den Text Die Minderheiten in Bulgarien seit 1944 veröffentlicht
Evelina Kirilova hat einen neuen Text hochgeladen
Werkverzeichnis der Gemälde
Wolfgang Immenhausen, Almut von Tresckow
Bulgarische Rezepte: Spezialitäten der Küche Bulgariens
Die besten Gerichte und Rezept...
Vorgässer Frank
0 Kommentare