DIE BEAT GENERATION
Inhaltsangabe
Vorwort 1
1. Ginsberg, Borroughs, Kerouac: Die Avantgarde der Beat Generation 1
1.1 Kindheit und Jugendzeit 1920-1940 2
1.2 Columbia University, New York 1940-1953 3
1.3 San Francisco Renaissance 1953-1962 5
1.4 Ginsbergs Nachlese 1962-1970 6
2. Hipster, Beatniks, Squares: Beat-Sprache und Beat-Ideologie 8
3. Das Erbe der Beat Generation 10
3.1 Drogenkonsum und Spiritualität 11
3.2 Beat-Literatur und psychedelische Musik: Die Überwindung der bestehenden
Kunstkonventionen 13
Literaturverzeichnis 15
Webquellenverzeichnis 15
DIE BEAT GENERATION
Vorwort
„Nehmen sie die Säume und Gewänder hoch, meine Damen, wir gehen durch die Hölle“ 1 . Als man Allen Ginsberg am 13. Oktober 1955 mit diesen Worten auf die Bühne der Six Gallery in San Francisco bat, ahnte wohl kaum jemand, dass der unscheinbare junge Mann zur Schlüsselfigur einer Gegenkultur zum kleinbürgerlichen Nachkriegsamerika avancieren würde. In der historischen Aufbereitung des Zeitgeschehens markiert die Lesung, insbesondere Ginsbergs Gedicht „Howl“, den Anfangspunkt für die öffentliche Wahrnehmung der Beat Generation. Als erste moderne Protestkultur zieht sich der Einfluss der Beat Bewegung durch alle nachkommenden alternativen und gesellschaftskritischen Kulturentwicklungen und ist überdies der direkte Wegbereiter für die Psychedelic-Szene. Dabei war gerade die Literatur das Zugpferd der Beat Mythologie, zu deren Vordenkern neben Ginsberg auch die Autoren William S. Burroughs und Jack Kerouac gehören.
Die vorliegende Arbeit evaluiert den kulturhistorischen Zusammenhang zwischen der Beat-Literatur, dem damit verbundenen Lebensgefühl und den „spirituellen Kindern“ der Beats, am Beispiel der Psychedelic-Bewegung. Dabei soll eine Perspektive entworfen werden, die sowohl direkte als auch indirekte Verbindungslinien zwischen der literarischen Tradition des Beats einerseits- und der psychedelischen Musik seit Anfang der 60er Jahre andererseits - offen legt. Neben persönlichen Beziehungen zwischen Autoren und Musikern, werden ferner auch formästhetische Parallelen zwischen den beiden Kunstformen Gegenstand der Analyse sein. Musik- und literaturwissenschaftliche Fachpublikation werden ebenso als Wissensfundus Verwendung finden, wie die bislang gehörten Vorträge im Seminar. Die soziale Verflechtung wichtiger Künstler, Selbsterfahrung durch Drogen, transatlantische Austauschprozesse, aber auch die Eigentümlichkeit lokaler Szenen - all dies wurde von den Referenten diskutiert. Dabei ist durch die Betrachtung der Einzelphänomene auch ein erkenntnistheoretischer Mehrwert gewachsen, man denke nur and die bisweilen unerwarteten Beziehungen zwischen einzelnen Zeitfiguren. Obschon sich die Psychedelic-Bewegung sicher nicht als autarke Jugendkultur typisieren lässt, repräsentiert sie doch einen speziellen Kunst- und Lebensstil, der weitaus facettenreicher ist, als es das angestaubte Klischee vom allzeit „zugedröhnten“ Hippie es suggerieren mag.
Zunächst findet sich im Folgenden eine Verdichtung der wichtigsten biographischen Hintergründe des Autorentriumvirats um Ginsberg, Burroughs und Kerouac. Erst eine Betrachtung der ineinander verwobenen Lebensläufe und der historischen Konstellation im Nachkriegsamerika wird deutlich machen, unter welchen Vorzeichen die Beats ihre gesellschaftskritische Attitüde entwickelt haben. Die sprachlich und inhaltlich extrem provokante Schreibweise ging dabei mit einer ebenso extremen Lebensführung einher. Drogen, Rebellion und Homosexualität waren nicht nur fiktive Themen, sondern
1 Zitat nach William Carlos Williams. Als Einleitung zu dem Gedichtband „Howl“ findet sich der Satz allerdings leicht modifi- ziert. Dort heißt es: „Nehmen Sie Ihre Röcke hoch, meine Damen - jetzt geht es durch die Hölle!“
DIE BEAT GENERATION
selbstverständlicher Bestandteil der täglichen Lebenspraxis. Insofern ist die Literatur der Beats ausgesprochen authentisch. Bemerkenswert ist zudem, dass sich die Genese der Beatgeneration bis in die Mitte der 1940’er Jahre zurückführen lässt, also zwanzig Jahre bevor sich die, im heutigen Bewusstsein sehr viel präsentere - wenn gleich deutlich kurzweiligere - Hippiekultur emanzipieren sollte. An diesem Punkt, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, wird der folgende biographische Abriss einsetzten. 1. Ginsberg, Borroughs, Kerouac 2 : Die Avantgarde der Beat Generation
Ich kann’s nicht glauben, aber wir drei sind bereits der Kern eines absolut neuen, historisch wichtigen amerikanischen Schaffens. 3 (Allen Ginsberg)
Mit diesen Worten wendete sich Allen Ginsberg 1951 an seinen Freund Jack Kerouac. Obwohl zu diesem Zeitpunkt keiner, der selbststilisierten Avantgardisten, jemals ein eigenes literarisches Werk publiziert hatte, wirkt Ginsbergs Einschätzung heute wie eine apodiktische Prophezeiung. Die Keimzelle des jugendlichen Überschwangs lag in New York. An der dortigen Columbia University trafen die Schlüssel-autoren der Beat Generation 1943 erstmals aufeinander. Dass sich das Dreigestirn aus sehr charismatischen Einzelpersonen zusammensetzte, zeigt sich besonders in der biographischen Aufarbeitung des Kulturhistorikers Steven Watson. 4
1.1 Kindheit und Jugendzeit 1920-1940
Watson macht deutlich, dass sich jeder der drei Autoren bereits in der frühen Lebensphase als Sonderling hervortut. So fällt Ginsberg bereits als Dreizehnjähriger mit einem überdurchschnittlich hoch entwickelten Intellekt aus der Reihe. Ausgestattet mit einem Wortschatz, der selbst das verbale Repertoire von Highschool-Absolventen übertraf, wurde er von Schulkameraden ehrfurchtsvoll „Professor“ genannt. 5 Mit der zunehmenden psychischen Erkrankung seiner Mutter Naomi, einer engagierten Kommunistin, sah sich Ginsberg bereits als Jugendlicher konfrontiert. Ihre paranoiden und schizophrenen Krankheitserscheinungen verarbeitet er in den Jahren nach ihrem Tod in dem Gedicht „Kaddish“. Seine literarische Inspirationsquelle ist der Dichter und Maler William Blake 6 .
2 Allen Ginsberg (*1926 - +1997), William S. Burroughs (*1914 - +1997), Jack Kerouac (*1922 - +1969). 3 Allen Ginsberg in einem Brief an Jack Kerouac (1951). Vgl. Steven Watson: „Die Beat Generation. Visionäre, Rebellen und Hipsters 1944-1960“ (Hier: Deutsche Übersetzung von Bernhard Schmid), Hannibal Verlag 1997, S. 6 4 Steven Watson: a.a.O. 5 Steven Watson: a.a.O. S. 24 u. 29
6 William Blake (*1757 - +1827) war bereits in der Romantik mit seiner sozialkritischen Dichtung eine kontroverse Figur. Ginsberg hatte mehrere traumhafte Erscheinungen des Dichters, die er als Eingebung deutete.
DIE BEAT GENERATION
Auch William S. Burroughs entwickelt sich bereits als Heranwachsender anders als seine Altersgenossen. Er war ein Außenseiter, experimentierte schon im Kindesalter mit explosiven Stoffen und fühlte sich früh von Feuerwaffen angezogen- eine Affinität die nicht ohne Folgen bleibt. Aus Neugier nahm er mit sechzehn eine hohe Dosis Schlafmittel an der er fast starb. „Für Nachbarn und Mitschüler war Burroughs ein merkwürdiges Kind und kein guter Einfluss.“, schreibt Steven Watson. 7 Trotz seiner morbiden Auswüchse, wird das geistige Potential Burroughs früh erkannt und man bereitet ihn auf den Besuch einer besseren Hochschule vor. Vier Jahre später erlangt er einen Abschluss in Anglistik am renommierten Harvard College. Trotz der elitären Ausbildung ist er nicht in der Lage seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen und begibt sich kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zunächst auf eine Europareise. Dort heiratet er die aus Österreich stammende Jüdin Ilse Klapper, um ihr die Emigration in die USA zu ermöglichen. 8 Dass die Ehe allein aus zweckdienlichen Motiven geschlossen wurde, lässt sich ebenso durch die, für ihn als immer stärker empfundenen, homosexuellen Neigungen erklären. Zurück in den USA folgt eine Phase der Orientierungslosigkeit. Er beschäftigt sich im Selbststudium mit den Grundfragen der Psychoanalyse, wird aber wenig später selbst zum Therapiefall. Burroughs hatte sich eine Geflügelschere gekauft und sich anschließend die Spitze des kleinen Fingers der linken Hand abgeschnitten, worauf er sich in psychiatrische Behandlung begab. 9
Es mag kaum mehr überraschen, dass auch der dritte Beat-Vordenker, schon früh aus der Reihe fällt. Jack Kerouac wächst in ärmlichen Verhältnissen, im franko-kanadischen Milieu, von Lowell Massachusetts auf. Erst in der Schule lernt er Englisch und wird, bedingt durch die Sprachbarriere, zum schüchternen Einzelgänger. „Er war wie eine Gruft- völlig eingeschlossen.“, erinnert sich ein Klassenkamerad. 10 Trotz der sprachlichen Defizite ist Kerouac ein guter Schüler und entdeckt, animiert durch seinen Englischlehrer, frühzeitig sein Interesse an der Literatur. Überdies war er ausgesprochen athletisch. Als Runningback im schuleigenen Footballteam wird er von Talentsuchern entdeckt und bekommt zum Ende der Highschool gleich mehrere Sportstipendien angeboten. Dennoch folgt er seinem inneren Ruf Künstler zu werden und kehrte, so Steven Watson, „der Leiter des konventionellen Erfolgs für immer den Rücken“. 11
1.2 Columbia University, New York 1940-1953
Als sich Ginsberg, Burroughs und Kerouac 1944 im studentischen Zirkel der Columbia Universität kennen lernen, scheint die Brisanz der Verbindung bereits vorgezeichnet. In ihrer New Yorker Kommune,
7 Steven Watson: a.a.O. S. 10ff 8 Vgl. Burroughs Buch S. 5 9 Vgl. Steven Watson: a.a.O. S. 16 10 Vgl. Steven Watson: a.a.O. S. 22
11 Vgl. Steven Watson (bzw. Bernhard Schmid in der dt. Übersetzung): a.a.O. S. 33
Arbeit zitieren:
Jens Frieling, 2007, Ein Portrait der Beat Generation als Wegbereiter der Psychedelic Bewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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