1. Einleitung 2
2. Klassische Kriege vs. Neue Kriege 3
2.1 Klassische Kriege 3
2.1.1 Kennzeichen 3
2.2 Drei Entwicklungen 4
2.2.1 Privatisierung 5
2.2.2 Asymmetrisierung 5
2.2.3 Entmilitarisierung 6
2.3 Neue Kriege 6
Virtuelle Kriege 8
3
3.1 Kennzeichen 9
3.1.1 Bildschirmkriege 9
3.1.2 Virtuelle Beteiligung 10
3.2 Ziel(e) 10
Opferbilanzen 11
4
4.1 Zahlen 11
4.2 Erklärungsansätze 12
5. Fazit 13
Literatur 14
Internetlinks 15
1
1. Einleitung
„Krachend schlägt eine Handgranate ein, die israelischen Soldaten hinter den Barrikaden ihres Militärpostens sterben mit einem tiefen ‚Ah’, und der Spieler erreicht eine neue Runde.“ 1 So beginnt ‚Under Siege’ das neue Computerspiel der Softwarefirma Afkar Media, das sich den ‚Befreiungskampf des palästinensischen Volkes’ zum Thema macht. Kriegscomputerspiele, mit denen man den Krieg virtuell von zuhause aus ‚erleben’ kann und in denen man Punkte für das Töten von Menschen bekommt, erleben zurzeit einen regelrechten Boom. 2 So scheint es nicht verwunderlich, wenn mit dem Begriff „Virtueller Krieg“ oft Computerspiele assoziiert werden. Der Begriff des virtuellen Krieges steht in der Politik natürlich nicht für Computerspiele, sondern vielmehr für eine neue Art der Kriegsführung. Und doch scheinen beide, der politische und der computerspielerische Begriff des virtuellen Krieges einiges gemeinsam zu haben. Zum einen wird der Krieg in den Computerspielen wie auch in der Wirklichkeit oft nur noch virtuell erlebt und zum anderen scheint er die Hemmgrenze zum Töten von Nonkombattanten gesenkt zu haben. 3 Herfried Münkler fasst letztere Entwicklung wie folgt zusammen: „In den bis Anfang des 20. Jahrhunderts geführten Kriegen gehörten etwa 90 Prozent der Gefallenen und Verwundeten zu den Kombattanten […], in den neuen Kriegen am Ende des
20. Jahrhunderts ist die Opferbilanz ziemlich genau ins Gegenteil verkehrt: Bei etwa 80 Prozent der Getöteten und Verletzten handelt es sich um Zivilisten und nur bei den restlichen 20 Prozent um Soldaten, die bei Kampfhandlungen zu Schaden kommen.“ 4 In dieser Arbeit soll deshalb der Frage nachgegangen werden, ob die Umkehrung des Opferverhältnisses als Konsequenz des virtuellen Krieges interpretiert werden kann. Um diese Frage zu beantworten, soll zunächst der klassische Krieg und die drei Entwicklungen, die zu seinem Bedeutungsverlust beitrugen sowie das Charakteristische der neuen Kriege, kurz dargestellt werden. Im Anschluss wird der virtuelle Krieg mit seinen Kennzeichen und Zielen erläutert. Danach werden die Opferbilanzen beider Kriegsformen sowie drei Erklärungsansätze für die Umkehrung des Op-
1 Vgl.:http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/31.03.2005/1729973.asp, Zugriff am 23.03.2007.
2 Das Spiel ‚Under Ashes’, der Vorgänge von ‚Under Siege’, wurde z.B. bereits 500.000 herunter geladen.
3 Einschränkend muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass es bei ‚Under Siege’ Punktabzug gibt, wenn ein Zivilist getötet wird. Anders ist das bei ‚American Army’, hier wird keine Rücksicht auf sog. Kollateralschäden genommen, vgl.: http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/31.03.2005/1729973.asp, Zugriff am 23.03.2007.
4 Münkler, Herfried: Die neuen Kriege, Reinbek bei Hamburg, Rowohlt, 2002, S. 28.
2
ferverhältnisses dargestellt. Im letzten Punkt soll dann mit einem Resümee die Fragestellung beantwortet werden.
2. Klassische Kriege vs. Neue Kriege
2.1 Klassische Kriege
In den klassischen Kriegen 5 , den sog. Staatenkriegen, galt der Staat als Monopolist des Krieges. 6 Dieses Modell des Krieges entwickelte sich nach der langsamen Herausbildung eines staatlichen Gewaltmonopols im neuzeitlichen Zentraleuropa. 7 Durch den vermehrten Einsatz der Artillerie und die gleichzeitige Entwertung von Burgen und Stadtmauern und dem zunehmenden Zwang, über drei Waffengattungen (Infanterie, Kavallerie und Artillerie) zu verfügen, kam es zu einer starken Verteuerung des Kriegswesens. Diese Verteuerung machte den Staat zum Monopolisten des Krieges, da nur er die Kosten für den Unterhalt eines entsprechenden Heeres aufbringen konnte. 8
Der idealtypische klassische Krieg war nach Geis eine vollkommen verstaatlichte, einigermaßen durch Regeln eingeschränkte Unternehmung von begrenzter Dauer und mit klarer politischer Zielrichtung. 9
2.1.1 Kennzeichen
Die klassischen zwischenstaatlichen Kriege waren u.a. dadurch gekennzeichnet, dass sich die gegnerischen Streitkräfte im Kampf gegenüberstanden. Es galt nach Ignatieff immer die stillschweige Vereinbarung: „Töte oder werde getötet.“ 10
5 In der Literatur wird die Bezeichnung ‚klassische Kriege’ synonym mit dem Begriff ‚alte Kriege’ ver-wandt. Der Einheitlichkeit halber wird in dieser Arbeit nur der Begriff ‚klassische Kriege’ gebraucht.
6 Vgl.: Münkler, Herfried: Die neuen Kriege, Bundeszentrale für politische Bildung, Reinbek bei Hamburg, 2002, S. 7f.
7 Vgl.: Kaldor, Mary: Neue und alte Kriege, Suhrkamp, Frankfurt, 2000, S. 26f.
8 Vgl.: Münkler, Herfried: Was ist neu an den neuen Kriegen? - eine Erwiderung auf die Kritiker, in: Geis, Anna: Den Krieg überdenken, Nomos, Baden-Baden, 2006, S. 139.
9 Vgl.: Geis, Anna: Den Krieg überdenken. Kriegsbegriffe und Kriegstheorien in der Kontroverse, in: Geis, Anna: Den Krieg überdenken, Nomos, Baden-Baden, 2006, S. 15.
10 Ignatieff, Michael: Virtueller Krieg, Rotbuch Verlag, Hamburg, 2001, S. 147.
3
Nach Kaldor durchliefen die klassischen Kriege in der Geschichte verschiedene Stadien: von den begrenzten Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts, die mit der wachsenden Macht des absolutistischen Staates einhergingen, über die revolutionären Kriege, bis hin zu den totalen Kriegen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dem darauf folgenden imaginären kalten Krieg. 11
„Jedes dieser Stadien zeichnete sich durch einen besonderen Modus der Kriegsführung aus, mit einem eigenen Typ von Streitkräften, eigenen Strategien und Techniken, eigenen Freund-Feind- Beziehungen und Kriegsmitteln.“ 12 Trotz der Unterschiede in den einzelnen Stadien handelt es sich bei all diesen Kriegen 13 um „ein Geschöpf des zentralistischen, >rationalistischen<, hierarchisch geordneten modernen Flächenstaats.“ 14
Nach Kaldor besteht in konventionellen bzw. regulären Kriegen das Ziel primär in der Eroberung von Territorium durch militärische Erfolge. 15
2.2 Drei Entwicklungen
Mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes ging auch die Ära des klassischen zwischenstaatlichen Krieges zu Ende. 16 Insbesondere in Folge der technologischen Entwicklung waren die zwischenstaatlichen Kriege unführbar geworden. Dies hatte zwei Gründe: zum einen wurden die Staatenkriege unführbar, infolge der Vernichtungskraft von Nuklearwaffen und zum anderen durch den dramatischen Anstieg der Verletzlichkeit moderner Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften. 17 Diese Entwicklungen hatten zur Folge, dass zwischenstaatliche Kriege zusammengenommen mehr kosteten als einbrachten und deswegen ihre Attraktivität verloren. 18
11 Vgl.: Kaldor, Mary: Neue und alte Kriege, Suhrkamp, Frankfurt, 2000, S. 27.
12 Kaldor, Mary: Neue und alte Kriege, Suhrkamp, Frankfurt, 2000, S. 27.
13 Angemerkt sei an dieser Stelle, dass es zu jeder Zeit auch Rebellionen, Kolonial- und Guerillakriege gab, diese wurden entweder mit dem Etikett „irreguläre Kriegsführung“ versehen oder gar nicht als Kriege, sondern als Aufstände, Revolten oder als Konflikte geringer Intensität eingestuft.
14 Kaldor, Mary: Neue und alte Kriege, Suhrkamp, Frankfurt, 2000, S. 27
15 Vgl.: Kaldor, Mary: Alte und neue Kriege, Suhrkamp, Frankfurt, 2000, S. 17.
16 Vgl.: Münkler, Herfried: Was ist neu an den neuen Kriegen? - eine Erwiderung auf die Kritiker, in: Geis, Anna: Den Krieg überdenken, Nomos, Baden-Baden, 2006, S. 135.
17 Vgl.: Van Crefeld, Martin: Die Zukunft des Krieges, Gerling Akademie Verlag, München, 1991, S.
30f.
18 Vgl.: Münkler, Herfried: Was ist neu an den neuen Kriegen? - eine Erwiderung auf die Kritiker, in: Geis, Anna: Den Krieg überdenken, Nomos, Baden-Baden, 2006, S. 140.
4
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