1. Kommunikation in Randgruppen 3
2. Was ist eine Sekte 4
2.1 Der Sektenbegriff: Schwierigkeiten bei der Definition 4
2.2 Sekte als Randgruppe 5
3. Beispiel für eine Sekte: Die Zeugen Jehovas 7
3.1 Geschichte 7
3.2 Glaube 8
3.3 Organisation 9
4. Kommunikation in Sekten am Beispiel der Zeugen Jehovas 10
4.1 Exkurs: Die Sektensprache von Scientology 11
4.2 Kommunikationsmittel 12
4.3 Kommunikationsinhalte 13
5. Abschließende Betrachtung 17
6. Literaturverzeichnis 18
Internetquellen: 18
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1. Kommunikation in Randgruppen
Die Gesellschaft, in der wir leben, setzt sich zusammen aus unterschiedlichen Gruppen. Sie differenziert sich in verschiedene – einkommensstarke und eher einkommensschwache – Schichten, in unterschiedliche Altersklassen, zum Teil auch in unterschiedliche Nationalitä- ten. Damit eine solche Gesellschaft fortbesteht, muss gewährleistet sein, dass die Gruppen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, eine gemeinsame Basis haben und am Weiterbestehen dieser Gesellschaft in einer Form beteiligt sind. Gruppen, die sich von dieser „Hauptgesell- schaft“ abspalten, bezeichnet man als „Randgruppe“. Das Wörterbuch der Sozialpolitik sagt hierzu:
„Im Sozialarbeitsdiskurs bezeichnet der Begriff seit Ende der 1960er-Jahre Gruppen von Personen, die aufgrund
von Defiziten (der Bildung, des Einkommens, der Sprache, der Lebensverhältnisse, der Wohnsituation usw.)
nicht oder unvollkommen in die Kerngesellschaft integriert sind.“ (Wörterbuch der Sozialpolitik „Social Info“,
Stand: 24.02.2008)
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Kommunikation innerhalb einer Randgruppe. Es wird hierbei davon ausgegangen, dass sich eine Randgruppe durch eine spezifische Kommunikati- on von der so genannten „Kerngesellschaft“ unterscheidet und diese Kommunikation in einer Form das Fortbestehen dieser Randgruppe sichert, beziehungsweise die Randgruppe festigt. Als Beispiel für eine soziale Randgruppe gilt im Folgenden die Sekte der Zeugen Jehovas. Hierzu wird zunächst in Kapitel 2 erläutert, was überhaupt unter dem Begriff „Sekte“ zu ver- stehen ist und warum diese Gruppe als Randgruppe gelten kann (Kapitel 2.2.). In Kapitel 3 wird dann die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas als Beispiel für eine Sekte vorge- stellt und daran anschließend in Kapitel 4 die spezifische Kommunikation der Zeugen Jehovas analysiert.
Ziel dieser Arbeit ist es, die interne Kommunikation innerhalb der Randgruppe der Zeugen Jehovas zunächst einmal zu erkennen und dann auf die Frage hin zu prüfen, wie sie zur Ab- grenzung von der „Kerngesellschaft“ beiträgt.
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2. Was ist eine Sekte?
Da im weiteren die Sekte als eine mögliche Randgruppe betrachtet und die Kommunikation innerhalb dieser Gruppe analysiert werden soll, muss zunächst geklärt werden, was gemeint ist, wenn im Folgenden von „Sekte“ die Rede ist und weshalb diese als Randgruppe gelten kann. Dies soll in Kapitel 2.1 und 2.2. erfolgen.
2.1 Der Sektenbegriff: Schwierigkeiten bei der Definition
Der Religionspädagoge und Autor Hermann Schulze-Berndt sagt zur Bestimmung des Beg- riffs „Sekte“:
„Das Wort Sekte stammt aus dem Lateinischen. Zwei Vokabeln kommen als Ursprung in Frage: „secare“ (= schneiden, abspalten, trennen) und „sequi“ (= folgen). Beide Verben bieten Anhaltspunkte, den Begriff „Sekte“ inhaltlich zu bestimmen. Einerseits hat eine Sekte etwas mit Abspaltung oder Loslösung zu tun, andererseits mit Gefolgschaft. (…) Eine Sekte ist eine (religiöse und/oder weltanschauliche) Gemeinschaft, die sich von einer größeren Religion (zum Beispiel Hinduismus, Christentum) abgespalten oder sich aus deren Einflusszone (mehr oder weniger stark) entfernt hat und einer Gründer- und/oder Führungspersönlichkeit und deren Botschaft (mehr oder weniger innig) folgt.“ (Schulze-Berndt 2003: 18)
In der fast 10 Jahre älteren Abhandlung von Hansjörg Hemminger findet sich jedoch ein Hinweis darauf, dass die häufig zu findende Ableitung vom lateinischen „secare“ (abschnei- den, trennen) nicht richtig sei, den Wortsinn aber geprägt habe. (vgl. Hemminger 1995 : 14) Hier wird bereits eine Differenz in der Deutung der ursprünglichen Wortbedeutung des Wor- tes „Sekte“ ersichtlich. Einig sind sich die beiden Autoren jedoch in den Punkten der Abspal- tung und der Führerpersönlichkeit, wobei Hemminger sich in seinen Ausführungen um mehr Objektivität bemüht und die Klärung des Sektenbegriffs historisch beleuchtet:
„Schon in frühchristlicher Zeit wird Sektierertum von der christlichen Kirche also mit Verirrung oder Abfall gleichgesetzt, obwohl das Wort ursprünglich neutral gemeint ist und die Gruppe nicht bewertet.“ (Hemminger 1995: 14)
In Bezug auf die Führerpersönlichkeit sagt er an anderer Stelle:
„Meist steht am Anfang der religiösen „Partei“, der Sekte, eine charismatische Gründerpersönlichkeit. Häufig will der Gründer ursprünglich nicht die Trennung, sondern die Reform einer Religion, und erst die (aus seiner Sicht) Harthörigkeit der Gläubigen oder der Widerstand der Institutionen macht ihn zum Sektierer.“ (Hemminger 1995: 15)
Es gibt in der Literatur, die sich mit dem Thema „Sekten“ beschäftigt, also durchaus unter- schiedliche Herangehensweisen an das Phänomen. Vor allem aus theologischer Sicht geht es
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häufig nur um die Abgrenzung der Sekte von der eigenen Religion im negativen Sinne und damit auch um das Deutlichmachen eines eigenen Absolutheitsanspruches, weniger um eine neutrale Betrachtung des Phänomens. (Vgl. u.a. Gassmann 2006) Hemminger hingegen bemüht sich um eine Darstellung der historischen Entwicklung des Sektenbegriffs und beleuchtet verschiedene Aspekte, die bei der Definition eine Rolle spielen. Auch stellt er die Frage, wo die „offizielle“ Kirche aufhört und die Sekte beginnt. Dazu be- merkt er:
„Die Kirche als ganze darf nicht elitär werden, auch wenn sie elitäre Gruppen enthalten kann. Sie will zwar Ge- meinschaft der Heiligen sein, aber nicht Gemeinschaft der Heiligeren. Die Kirche darf daher auch keine ge- schlossene Gemeinschaft sein. Sie muß verschiedene Grade der Nähe und Ferne zum christlichen Glauben zulas- sen, sie muß unklare Grenzen in Kauf nehmen, sie muß der Menschen wegen sogar Unentschiedenheit ertragen. In diesen Punkten unterscheidet sie sich von den Sekten.“ (Hemminger 1995 : 24)
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird im Zusammenhang mit der internen Kommunikation noch einmal der elitäre Charakter einer Sekte zur Sprache kommen. Zunächst einmal soll im folgenden Kapitel deutlich gemacht werden, weshalb man bei einer Sekte von einer Rand- gruppe sprechen kann.
2.2 Sekte als Randgruppe
Die Feststellung von Hemminger bezüglich der Unterscheidung von Kirche und Sekte im vo- rangegangenen Kapitel ist insofern wichtig, als das an dieser Stelle eine Randgruppe beleuch- tet werden soll, eine Gruppe also, die innerhalb der Gesellschaft an den Rand gedrängt wird oder sich in hohem Maße von dieser Gesellschaft abgespalten hat. Im Fall der Sekte gelten also im europäischen Raum die evangelische und katholische Kirche als die „Hauptreligion“, das heißt die Religion, die der Staat mit seinen Zielen vereinbaren kann und die Sekte als Randgruppe, als eine Abspaltung von dieser Hauptreligion. Wie sieht nun jedoch diese Rand- gruppe der Sekte aus, wodurch zeichnet sie sich aus? Hierzu entwirft Hemminger ein Bild der „klassischen Sekte“. Zu diesem Bild gehört:
„- die christliche Wurzel der Gruppe
- ein Absolutheitsanspruch auf das Heil gegenüber der Ökumene der christlichen Kirchen
- Verweigerung der ökumenischen Gemeinschaft
- scharfe Kirchenkritik, aggressive Mission im Bereich der Großkirchen (Proselytismus)
- klarer Umriß der Gruppe mit deutlichen Grenzen zwischen Innenwelt und Außenwelt, soziale Konflikte mit der Außenwelt
- hierarchische, häufig zentralistische Machtstrukturen, ein geschlossenes Lehrsystem und eine normierte Le- benspraxis“ (Hemminger 1995: 29)
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Quote paper:
Anna Mölle, 2008, Kommunikation in Randgruppen am Beispiel der Zeugen Jehovas, Munich, GRIN Publishing GmbH
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