1. Einleitung 3
2. Der Unterhaltungsbegriff nach Zillmann 4
2.1 Gute versus schlechte Unterhaltung. 5
2.2 Eigenschaften von Unterhaltungsinhalten. 6
3. Mood-Management-Theorie 7
3.1 Ursprüngliche Theorie. 8
3.2 Zusatz a: Überprüfung der hedonistischen Prämisse 10
3.3 Zusatz b: Information versus Unterhaltung. 12
4. Analyseschritt 1: Überprüfung der Theorie 13
4.1 Langeweile-Stress-Experiment 13
4.2 Experiment zur Stimmungsregulierung durch Musik 15
5. Analyseschritt 2: Grenzen der Theorie. 17
6. Abschließende Betrachtung. 19
7. Literaturverzeichnis. 21
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1. Einleitung
Unterhaltungsformate machen mittlerweile einen großen Teil der medial vermittelten Massenkommunikation aus und sind vor allem aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Ein bekannter Privatsender wirbt mit dem Slogan „We love to entertain you“ [1] und auch der Grimme Preis wird jährlich nicht nur in der Rubrik „Information und Kultur“ sondern auch im Bereich „Unterhaltung“ verliehen. [2] Aber was genau bezeichnet dieser Bergriff eigentlich? So oft und selbstverständlich er auch tagtäglich verwendet wird, herrscht in der Forschung keinesfalls Einigkeit über eine Definition des Begriffs. Laut Peter Vorderer stehen einer für die Forschung brauchbaren Definition von Unterhaltung heutzutage zwei Missverständnisse entgegen, nämlich die Annahmen, Unterhaltung sei ein „inhärentes Merkmal der Medien(angebote) selbst und stehe dabei - zum anderen - in diametralem Gegensatz zur Information“. (Vorderer 2004: 544) Er hingegen vertritt die These „dass sich Unterhaltung psychologisch am besten als ein Rezeptionsphänomen auffassen und rekonstruieren lässt, das sich aus unterschiedlichen Dimensionen zusammensetzt.“ (Vorderer 2004: 544) Zu unterscheiden sei hier zwischen motivationalen, emotionalen und wirkungsspezifischen Aspekten (vgl. Vorderer 2004: 544). Er plädiert dafür, den Fokus von der Beschreibung des Medienangebotes auf die Beschreibung und Erklärung der Rezeption zu verschieben, da Information und Unterhaltung nicht immer klar zu trennen seien und in Bezug auf die Frage, was als unterhaltend erlebt wird „immer auch subjektseitige (…) und situative (…) Aspekte zählen.“ (Vorderer 2004: 547)
Die Mood-Management-Theorie von Dolf Zillmann, die im Folgenden behandelt werden soll, verbindet motivationale und emotionale Aspekte der Mediennutzung und wird den psychologischen Unterhaltungstheorien zugerechnet. (Wirth/ Schramm 2005: 59) „Sie erklärt primär, warum sich Menschen zwecks Stimmungsregulation (…) unterhaltenden Medien zuwenden und macht Aussagen darüber, welche Unterhaltungsangebote in Abhängigkeit der Stimmungslage von den Menschen ausgewählt werden.“ (Wirth/ Schramm 2005: 59)
Diese Arbeit hat eine Analyse und Überprüfung der Mood-Management-Theorie zum Ziel. Es soll geprüft werden, ob diese Theorie das Phänomen „Unterhaltung“ aus motivationaler Sicht erklären kann und somit gerechtfertigt ist, dass sie einen so zentralen und prominenten Stellenwert in der Kommunikationswissenschaft, beziehungsweise in der Unterhaltungsforschung, einnimmt. Hierzu wird zunächst der Begriff „Unterhaltung“ aus Zillmanns Sicht erläutert. Bevor die Theorie kritisch überprüft werden kann, muss geklärt werden, was Zillmann
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überhaupt erklären wollte, welche Fragestellung seiner Theorie zugrunde liegt. Erst wenn seine Vorstellung von unterhaltenden Medieninhalten deutlich geworden ist, kann in einem zweiten Schritt mit der Analyse der Theorie begonnen werden. Hierzu werden in Kapitel 3 sowohl die ursprüngliche Mood-Management-Theorie von 1986, als auch die Erweiterungen und Neuerungen, die Zillmann im Laufe der Jahre hinzugefügt hat, erläutert werden. Ist diese Grundlage geschaffen, kann mit der kritischen Überprüfung der Theorie begonnen werden. Zu diesem Zweck werden in Kapitel 4 einige Experimente analysiert, die die empirischen Belege und somit aus Zillmanns Sicht die Bestätigungen der These darstellen. Es muss geprüft werden, ob die Ergebnisse die Theorie wirklich bestätigen, oder ob sich eventuell Widersprüchlichkeiten ergeben. Ziel dieses ersten Analyseschrittes ist es, herauszufinden, ob Zillmann dahingehend erfolgreich war, dass es ihm gelungen ist, seine eigene Fragestellung zufrieden stellend zu beantworten. In Kapitel 5 sollen abschließend in einem zweiten Analyseschritt die Grenzen der Theorie aufgezeigt werden. An dieser Stelle soll geprüft werden, welche offenen Fragen vielleicht bleiben und welche Art der Unterhaltung die Theorie eventuell nicht vollständig erklären kann, wenn man beispielsweise den Unterhaltungsbegriff unterschiedlich auffasst.
2. Der Unterhaltungsbegriff nach Zillmann
Wie schon in der Einleitung deutlich geworden ist, lässt sich die Mood-Management-Theorie von Zillmann den psychologischen Unterhaltungstheorien zuordnen. Zillmann selber geht es jedoch scheinbar nicht darum, zu definieren, was der Begriff „Unterhaltung“ alles beinhaltet. Stattdessen setzt er voraus, dass es „entertainment stimuli“ (Zillmann 1986: 149) gibt, die von den Medien bereit gestellt werden und vom Rezipienten, abhängig von dessen Bedürfnissen, genutzt werden. In einer gemeinsamen Veröffentlichung von Bryant und Zillmann aus dem Jahre 1986 bietet er einen Einblick in seine Vorstellung des Phänomens: „If entertainment is crudely defined as any activity designed to delight and, to a smaller degree, enlighten through the exhibition of the fortunes or misfortunes of others, but also through the display of special skills by others and/or self, it becomes clear that the concept encompasses more than comedy, drama, and tragedy. It engulfs any kind of game play, athletic or not, competitive or not, whether witnessed only, taken part in, or performed alone.” (Bryant/ Zillmann 1986: 305)
Laut Zillmann kann Unterhaltung sowohl entstehen, wenn das Individuum sozusagen involviert ist, als auch, wenn es sich außerhalb des unterhaltenden Geschehens befindet. Diese Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Unterhaltungsstimuli wird in Kapitel 3.1 noch
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einmal aufgegriffen werden. Zillmann gibt in dieser Definition einen Hinweis auf die verschiedenen Arten von Unterhaltung (comedy, drama, tragedy und game play) und weist außerdem hin auf Unterhaltung als Darstellung von Glück und Unglück der beteiligten Personen. Hierauf soll im folgenden Kapitel eingegangen werden, wenn es darum geht zu erklären, was Zillmann unter guter Unterhaltung versteht.
2.1 Gute versus schlechte Unterhaltung
Auf die Eigenschaften von guter Unterhaltung geht Zillmann in einer weiteren Publikation ein, die bereits 1985 veröffentlich wurde. Er stellt an dieser Stelle die Frage: „What is it that makes for good entertainment? And what is it that makes entertainment fail?“ (Zillmann 1985: 233) Für ihn hängt gute Unterhaltung von menschlichen Konflikten ab und davon, in welcher Weise diese Konflikte gelöst werden. Der Rezipient müsse sowohl positive Gefühle für bestimmte Darsteller, als auch negative Gefühle für bestimmte Darsteller entwickeln und je nachdem, wie der Konflikt gelöst würde - ob zugunsten des Protagonisten oder des Antagonisten - würde das Publikum unterhalten oder nicht. (Vgl. Zillmann 1985: 234) „Indifference toward protagonists and antagonists is the antidote to good drama. Strong positive and negative affective dispositions toward the agents in any kind of drama are vital and must be created if the featured events are to evoke strong emotions, great enjoyment included.” (Zillmann 1985: 234)
Diese Form des “Mitfühlens”, also der Empathie, die der Rezipient empfindet, tritt nicht nur bei einem klassischen Drama 1 auf, sondern diese Formel der erfolgreichen Unterhaltung lässt sich laut Zillmann auch auf Sportereignisse beziehen (vgl. Zillmann 1985: 234), in denen der Rezipient beispielsweise mit der eigenen Mannschaft mitfiebert und der Ausgang des Wettkampfes darüber bestimmt, ob er sich gut unterhalten fühlt oder nicht. (Vgl. Zillmann 1985: 236) In Bezug auf Comedy sagt Zillmann:
„Comedy can, of course, be construed as a form of drama that differs from drama proper only by the presence of cues indicating that things are not to be taken too seriously.“ (Zillmann 1985: 236)
Dadurch, dass sich der Rezipient auf die Seite einer - wie Zillmann es formuliert - Partei stellt und dann ein, nach Empfinden des Rezipienten, guter Ausgang folgt, können sowohl
1 Im deutschen Sprachgebrauch wird die Bezeichnung „Drama“ meist für Filme mit negativem oder traurigem Inhalt verwendet. Gemeint ist hier jedoch das Drama im klassischen (aristotelischen) Sinne, wie es im englischen Sprachgebrauch auch verstanden wird.
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Filme, Comedy und Sportereignisse, als auch jegliche andere „dramatic confrontation“ (Zillmann 1985: 236) zu guter Unterhaltung werden. (Vgl. Zillmann 1985: 236)
2.2 Eigenschaften von Unterhaltungsinhalten
Bisher wurde gezeigt, was Zillmann sich unter Unterhaltung im Allgemeinen vorstellt und was für ihn gute Unterhaltung ausmacht, beziehungsweise wovon diese abhängt. Im Hinblick auf die Theorie der Stimmungsregulierung soll an dieser Stelle auf Eigenschaften eingegangen werden, die Zillmann unterschiedlichen Unterhaltungsinhalten zuschreibt und erläutert werden, wie diese sich auf die in Kapitel 3 aufgeführte Mood-Management-Theorie auswirken.
Thema dieser Arbeit ist es, zu prüfen, ob Dolf Zillmanns Mood-Management-Theorie als Theorie der Erklärung von Unterhaltung in Frage kommt. Zillmanns Anstoß für die Entwicklung der Theorie der Stimmungsregulierung war die Frage nach der Motivation von Rezipienten, die in unterschiedlichen Situationen scheinbar zufällig auf unterschiedliche Unterhaltungsangebote zurückzugreifen. „It seems that, more often than not, entertainment choices are made impulsively.“ (Zillmann 1985: 227) Die Mood-Management-Theorie ist also ein Versuch, dieses Phänomen zu erklären. Hierzu nimmt Zillmann zunächst eine Unterteilung der unterschiedlichen Unterhaltungsinhalte vor. Diese ließen sich in verschiedene Kategorien einteilen, beziehungsweise bildeten sie eine Art Hierarchie von nonarousing bis arousing. Je nachdem, wie erregend ein unterhaltender Stimulus ist, könne er sich unterschiedlich auf die Stimmung des Rezipienten auswirken. Nach dieser Einteilung stünden beispielsweise Naturfilme ganz unten in der Hierarchie, da sie laut Zillmann völlig unerregend (nonarousing) seien. Actionfilme, Comedy und Gameshows hingegen könnten - je nachdem, auf wessen Seite der Rezipient stünde (siehe Kapitel 2.1) - sehr erregend (arousing) sein. Besonders gewalttätige und Furcht hervorrufende Filme stünden schon an der Spitze der Hierarchie, obwohl nichtfiktionale Medieninhalte (wie Sport, Dokumentationen und Nachrichten) sogar noch stärkere erregende Reaktionen produzierten. Sexuelle Themen seien jedoch die stärksten Erreger. (Vgl. Zillmann 1986: 153)
An anderer Stelle führt Zillmann aus, wie sich das unterschiedliche erregende Potential auf die Stimmung des Rezipienten auswirken kann. Hierzu nimmt er eine weitere Einteilung der unterhaltenden Stimuli vor. Laut Zillmann hätten diese unterschiedliche Potentiale, namentlich das excitatory potential und das absorption potential. Stimmungen, die ein besonders hohes Maß an Erregung beinhalten, werden am besten aufrechterhalten durch Stimuli, die ein besonders hohes erregendes Potential (excitatory potential) haben. Dagegen werden solche
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Arbeit zitieren:
Anna Mölle, 2008, Stimmungsregulierung durch Unterhaltung?, München, GRIN Verlag GmbH
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