1 Unterrichtvoraussetzungen
1.1 Lernvoraussetzungen und Sozialstruktur der Lerngruppe
Die Lerngruppe besteht aus 16 Jungen der Klasse 8 c und d des Gymnasiums und ist mir seit Januar dieses Schuljahres 2001 / 2002 aus Unterrichtshospitationen und der frühzeitigen Übernahme von Unterrichtssequenzen und- stunden bekannt. Die ersten selbstgehaltenen Stunden standen verstärkt im Zeichen vom kennen lernen. Ab Februar 2002 übernahm ich diese Lerngruppe als eigenverantwortlichen Unterricht. Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrer hat sich inzwischen recht gut entwickelt und ist geprägt von Respekt und gegenseitiger Akzeptanz. Dieser Sachverhalt wirkt sich insgesamt positiv auf ein entspanntes Unterrichtsklima aus. Das motorische Leistungsniveau der Lerngruppe ist im hinteren Mittelfeld einzustufen. Die konstitutionellen Voraussetzungen und die motorischen Leistungsfähigkeiten der Jungen sind weitgehend schultypisch heterogen. Einzelne Schüler treiben auch außerhalb der Schulzeit aktiv Sport (J., C., M., S. und M.). Dies reicht vom Basketball und Tischtennis spielen bis hin zum Fußball im Verein. Erfahrungen und Fertigkeitsniveau dieser Schüler werden in den Unterricht einbezogen, in dem sie Übungen demonstrieren, einzelne Unterrichtsphasen übernehmen oder Vorgänge erläutern. Andere haben vor allem im konditionellen bzw. im koordinativen Bereich (C., O. und P.) einige Defizite.
Sie bemühen sich dennoch um gute Leistungen und Anerkennung. Diese Bereitschaft wird honoriert und regt zur Weiterarbeit an. Die Lerngruppenteilnehmer sind vorwiegend engagiert, kooperativ und leistungsbereit. Sie versuchen, die gestellten motorischen und kognitiven Aufgaben im Rahmen ihrer Fähigkeiten zu erfüllen. Beim selbstständigen Er- und Bearbeiten von Unterrichtsinhalten sind die Schüler noch ungeübt. Um den Aspekt der Selbstständigkeit zu schulen, bin ich bemüht, die Gestaltung einzelner Unterrichtsphasen, z.B. Funktionsgymnastik, Übungsphasen weitestgehend in die Hände der Schüler zu legen.
1.2 Inhaltliche Voraussetzungen und Stellung der Lehrprobenstunde
innerhalb der Unterrichtsreihe
Für die Klasse 8 stand seit Februar des Schuljahres 2001 / 2002, die Sportart Gerätturnen (Bereich A) im Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehen. Seit 3 Doppelstunden befindet sich das Mannschaftsspiel, das im Lehrplan SI der Kerngruppe des Bereiches B 1 zugeordnet wird, im Fokus des Unterrichts. Die Schwerpunkte des Unterrichtsgeschehens lagen bisher in der Ballgewöhnung und Ballgeschicklichkeit mit dem Spielmaterial sowie der Einführung der Techniken Dribbling (Ballführung) und der Passform Innenseitstoß beim Passen und Dribbling gefestigt werden. In den darauf folgenden Unterrichtseinheiten werden weitere Passformen eingeführt und gefestigt sowie mit den bereits erlernten Techniken verbunden. Ein solches Festigkeitsspektrum soll in einer spielerischen - situationsorientierten Ballschule gefestigt werden.
1.3 Institutionelle, räumliche und organisatorische Bedingungen
1.3.1 Institutionelle Bedingungen
Am Gymnasium stehen für die Klassenstufe 8 lediglich zwei Sportstunden pro Woche zur Verfügung. Für die Jungen der Klasse 8 c und d finden diese Unterrichtsstunden montags in der ersten und zweiten Stunde statt. 1.3.2 Räumliche Bedingungen
Die Sportstunden finden in den Hallen des Gymnasiums statt, deren räumliche Ausstattungen für besonders gut befunden werden. In beiden Hallen stehen jeweils zwei Handballtore zur Verfügung, die aber bei Nichtbenutzung schnell und unkompliziert abgebaut werden können. 1.3.3 Organisatorische Bedingungen
Für die Schulung in der Sportart Fußball steht jedem Schüler ein Fußball zur Verfügung. Die großen Hallenspielfelder können je nach Differenzierung von Leistungsgruppen halbiert oder sogar durch Turnbänke gedrittelt werden. Somit kann auf verschiedenen Feldern je nach Leistungsniveau eine gute Ausbildung gewährleistet werden. Durch den Einsatz von Kastenteilen bzw. einigen Pylonen können abgewandte Torgrößen als Ziele gewonnen werden. Sollte die Lehrkraft eine größere Schülerzahl unterrichten, so ist dies auch möglich, da die Nutzung der Hallen innerhalb des Sportlehrerkollegiums flexibel ist.
1 MBWW Rheinland-Pfalz (Hrsg.), Lehrplan Sport Sekundarstufe 1 (Klasse 5-9 /10), Grünstadt 1998, S. 10.
2 Didaktische Überlegungen und Entscheidungen
2.1 Didaktische Begründungen
Die Sportart Fußball lässt sich im Lehrplan Sport der Sekundarstufe I der Kerngruppe des Inhaltsbereiches B zuordnen. Die zu bearbeitende Technik (Innenseitstoß beim Dribbling und Passen) findet man im Lehrplan Sek. I für die Klassenstufe 8 im Anforderungsniveau 2 mit folgenden Bearbeitungsaspekten (Zuspiel im spielnahen Situationen + beidfüßige Ballführung). Die Sportart Fußball besitzt einen hohen Freizeitwert und Anforderungscharakter, bei dem zwei Mannschaften gegeneinander bzw. miteinander spielen, um erfolgreich Tore zu erzielen. Darüber hinaus ermöglicht das Fußballspiel eine Einbindung von schwächeren Schülern (Perspektive: Miteinander). Dieses Spiel umfasst einige Aspekte, die ich kurz erläutern möchte. Die Spielgedanken und die Regeln sind leicht verständlich, eindeutig und klar und sind somit relativ überschaubar. Eine steigende Spannung und Lösung im gesamten Spielverlauf durch erfolgreiche und misslungene Aktionen, den individuellen Spielwitz, Unberechenbarkeit und Zufälle werden im Fußball stark ausgeprägt (Perspektive: Leistung).
Dieses Mannschaftsspiel lässt sich von den Schülern schnell erlernen und vermittelt im Unterricht ein attraktives Spielerlebnis in vielen unterschiedlichen Spielformen (Perspektive: Spannung und Spiel). Die Handlungen des Fußballspiels sind gekennzeichnet durch eine relativ ungebundene Motorik mit einem hohen Wahlcharakter. Ein taktisch großer Handlungsspielraum ermöglicht selbstständige Schülerentscheidungen. Bereits auf einem niedrigen technischen Niveau können die Schüler beim Üben und im Spiel eine recht hohe Bewegungsintensität erzielen und damit ihr enormes Bewegungsbedürfnis befriedigen. Somit können neben der Koordination auch die konditionellen Fähigkeiten, wie Beweglichkeit, Ausdauer und Schnellkraft geschult und verbessert werden (Perspektive: Gesundheit). Insgesamt lässt sich feststellen, dass dieses Mannschaftsspiel als Schulsportart besonders gut durch seinen hohen Freizeitwert und durch eine Vielzahl von Vereinen unterstützt wird. Somit können die konditionellen und koordinativen Fähigkeiten gefördert und auch von schwächeren Schülern schnell und erfolgreich erfasst werden.
Die Sportart Fußball erfüllt die Anforderungen eines mehrperspektivischen Sportunterrichts, dessen Ziel es in der Klassenstufe 8 ist, durch verschiedene Bewegungs- und Spielformen die
Handlungsfähigkeit der Schüler in bestimmten Bereichen der Methoden-, Sozial-, und Sachkompetenz zu verbessern. 2 2.2 Struktur des Inhalts
Bei der heutigen Festigungsstunde steht die Technik Innenseitstoß in Verbindung mit dem Passen und Balldribbling im Mittelpunkt. Die Verknüpfung beider Fertigkeiten wurde schon bei der Technikeinführung in den letzten Stunden thematisiert und soll jetzt innerhalb als Repertoireerweiterung- bzw. alternativen für das Zielspiel dienen. Beide grundlegenden Balltechniken werden innerhalb der Spiel- und Anwendungsphasen stets benötigt und stellen so eine Basis für eine spezielle Technikerweiterung dar.
Im Folgenden wird die technische Ausführung des Innenseitstoßes und des Balldribblings mit der Fußinnenseite hinsichtlich der für die Ausbildung an Schulen bedeutsamen Bewerbungsmerkmalen beschrieben. Es lassen sich detaillierte Bewegungsanalysen in einschlägiger Fußballfachliteratur finden, so z.B. Thissen, Gerd, Sportiv Fußball, Leipzig 1999; Hartwig / Müller / Stockhausen, Niedersächsischer Fußballverband e. V. (Hrsg.), Arbeitshilfen zur Trainer-Ausbildung im Fußball (B-Lizenz), Barsinghausen 1994; Bisanz / Gerisch, Fußball, Training, Technik, Taktik, Reinbek 1988. Für die Passform des Innenseitstoßes lassen sich folgende Bewegungsmerkmale in drei Phasen einteilen: In der Ausholphase (Abb. 1 Phasenbild 1-2) erfolgt der Anlauf geradlinig zum Ball. Dabei wird der Ball schon anvisiert. Das Standbein wird etwa eine Fußbreite neben dem Ball auf Ballhöhe abgesetzt. Bei hohem Schuss kann das Standbein nicht neben, sondern hinter dem Ball stehen. Es ist im Sprung-, Knie- und Hüftgelenk leicht gebeugt. Die Fußspitze des Standbeins zeigt bereits in Spielrichtung. Das Körpergewicht wird auf das Standbein verlagert. Dabei wird der Oberkörper leicht nach vorn über den Ball gebeugt. Bei einem hohen Zuspiel wird der Oberkörper etwas zurückgebeugt. Das Spielbein holt im Hüft- und Kniegelenk nach hinten aus und wird am Körper vorbeigeführt. Dabei ist das Spielbein im Hüftgelenk nach außen gedreht und im Knie- und Fußgelenk leicht gebeugt. Das Spielbein schwingt gerade nach vorn zum Ball. Dabei ist die Fußspitze etwas angehoben und nach außen gewinkelt. Die Ferse zeigt nach unten und das Fußgelenk ist festgestellt.
In der Treffpunktphase (Abb. 1 Phasenbild 4 und 4a / b) schwingt das Spielbein gerade nach vorn zum Ball. Dabei ist die Fußspitze etwas angehoben und nach außen gewinkelt. Die
2 Vgl. MBWW Rheinland-Pfalz (Hrsg.), Lehrplan Sport Sekundarstufe I (Klasse 5-9 / 10), Grünstadt 1998,
S. 36-37.
Ferse zeigt nach unten und das Fußgelenk ist festgestellt. Die Trefffläche wird von der Innenseite des Fußes gebildet, die von Ballen, Ferse und Knöchel begrenzt wird. In der Ausschwungphase (Abb. 1 Phasenbild 4-5) schwingt das Spielbein geradlinig in Spielrichtung nach bzw. durch. Die Fußspitze des Spielbeins ist weiterhin angehoben. Dies gilt ebenfalls für die leichte Hüft- und Kniedrehung des Spielbeins nach außen. Der Blickkontakt wird vom Ball gelöst und zeigt nun in die Stoßrichtung. Nach dem Stoß nimmt der Spieler eine erwartende Grundstellung ein, um erneut einen Ball optimal zu passen. Dabei orientiert er sich wieder in Richtung des anrollenden Balles. 3
Abb. 1: Innenseitstoß 4
Zusätzlich möchte ich kurz den Bewegungsablauf für das Balldribbling mit der Innenseite beschreiben. Die Fertigkeit lässt sich in zwei Phasen gliedern:
In der Einleitungsphase (Abb. 2 Phasenbild 1-2) wird je nach Spielsituation die Ball An- und Mitnahme aus dem Stand oder aus der Vorwärtsbewegung eingeleitet. Dabei zeigt die Fußspitze des im Kniegelenk gebeugten Standbeines in Richtung des anrollenden Balles. Der Oberkörper ist dem Ball zugewandt und das Körpergewicht wird zum Standbein hin verlagert. Das Spielbein ist in der Hüfte nach außen gedreht und wird dem anrollenden Ball etwas entgegengeführt.
In der Treffpunkt- und Führungsphase (Abb. 2 Phasenbild 3-5 + 3a / b) wird im Moment der Ballberührung der Oberkörper leicht nach vorn zur Standbeinseite über den Ball geneigt.
3 Vgl. Thissen, Gerd, Sportiv Fußball, Leipzig 1999, S. 35.
4 Ebd., S.35.
Arbeit zitieren:
Sven Starkloff, 2002, Unterrichtseinheit: Fußball - Festigung der Grundfertigkeit Innenseitstoß beim Passen und Dribbling, München, GRIN Verlag GmbH
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