Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Diktat im Deutschunterricht 2
2.1 Definition 3
2.2 Die Bedeutung des Diktats 4
2.3 Unterrichtspraxis 5
2.4 Die Problematiken des Diktats 7
2.4.1 Allgemeine Schwierigkeiten 7
2.4.2 Bewertung und Korrektur von Diktaten 8
3. Kritik am Diktat 10
3.1 Kritiken in der Fachwelt 10
3.2 Alternativformen 11
3.2.1 Das Eigendiktat 12
3.2.2 Das Stufendiktat 12
4. Fazit 14
5. Literaturverzeichnis 15
5.1 Verwendete Literatur 15
5.2 Internet 16
1
1. Einleitung
Nur wenige Themen wurden in den letzen Jahren so kontrovers diskutiert, wie die Rechtschreibreform. Aufgrund immer neuerer Versionen wurde die Verwirrung nur vergrößert. Die mittlerweile dritte Fassung ist 2006 eingeführt worden. Verbindlich ist sie aber nur für Schulen und Behörden. Hier gilt es kritisch zu hinterfragen, welchen Sinn Orthographie und Grammatik im Deutschunterricht noch haben. Sind diese Formen der Leistungsmessung noch zeitgemäß?
Das Diktat ist eine der gebräuchlichsten und umstrittensten Formen dieser Leistungsmessung. Kritisiert wird dabei vor allem wird die Ergebnisorientierung. Zu fragen ist hier, ob es Äquivalente oder neuere Formen für das Diktat gibt, die im Deutschunterricht übernommen werden können.
Die Hauptfragestellung dieser Arbeit lautet, ob die Kritik an das Diktat gerechtfertigt ist und welche Ziele es erfüllen kann. Für eine Beantwortung dieser Frage wird im ersten Teil dieser Arbeit die Form und Rolle des herkömmlichen Diktates analysiert. Daran schließt sich eine Diskussion über Diktate im Unterricht an. Im letzten Teil der Arbeit werden die Kritikpunkte am klassischen Diktat erörtert. Dazu gehören die Vorstellung von alternativen Formen des Diktates und Modifikationen an der alten Form.
2. Diktat im Deutschunterricht
Das Diktat als Übungs- und Prüfungsform galt bis in den frühen 1980er Jahre als didaktisch anerkanntes Instrument für den Rechtschreibunterricht im Fach Deutsch. Demzufolge wird es schulartübergreifend sowie auch in beruflichen Eignungstestverfahren eingesetzt. Es wird sowohl über alle Schularten hinweg praktiziert als auch immer wieder für Berufseignungstests verwendet. Allerdings ist es besonders in den letzten Jahren stark in die Kritik geraten.
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2.1 Definition
Zunächst gilt es jedoch, die klassischen Charakteristika des traditionellen Diktats zu
betrachten. Ein Diktat 1 bezieht sich auf einen vorgesprochenen Text, der niedergeschrieben, also diktiert werden muss. Nach Bischoff ist das Diktat „eine
phonologisch-phonetische Kodierung eines Textes“ 2 . Ein Schreiber (Empfänger + Reproduzent) fixiert einen Text orthographisch richtig, den er vom Sprecher (Sender) empfangen hat. Es geht demnach um einen Kommunikationsprozess, in dem der Empfänger fähig sein muss, das Gesprochene in schriftlicher Form korrekt festzuhalten. In einer anderen Definition von Riehme wird das Diktat als eine Maßnahme verstanden, in der die Schüler aufgefordert werden „mündlich vorgetragenes Sprachmaterial als
Übung oder Leistungskontrolle wortwörtlich aufzuschreiben“. 3 Diese Definition kommt dem allgemeinen Verständnis schon sehr nahe. Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass es sich beim Diktat um eine Methode handelt, in dem die Schüler einen Text vorgesprochen bekommen und sie gemäß der Rechtschreibnorm aufschreiben müssen.
Das Umsetzen von Lauten in Schriftzeichen während des Diktierens erscheint auf dem ersten Blick als ein rein äußerliches Verfahren. Das schließt aber nicht alle Prozesse ein, die die Schüler bewältigen müssen, da die deutsche Sprache keine reine Phonem- Graphem-Beziehung aufweist. Analogbildungen, Wortverwandtschaften, Morphemstrukturen und gelernte Regularitäten stellen die Schüler vor zusätzlichen Herausforderungen. Beim Diktat wird nicht der Prozess, sondern nur das Produkt geprüft (siehe hierzu Kap. 3.1). Für die meisten Lehrer ist es jedoch bis heute das
favorisierte Mittel, die Rechtschreibfähigkeit zu prüfen. 4 Unterstützt werden sie durch die Lehrpläne, die trotz aller Kritik am Diktat festhalten. Exemplarisch kann der neue Lehrplan für Gymnasien in Bayern genannt werden. Im Fachlehrplan der fünften Jahrgangsstufe für Deutsch werden die Ziele wie folgt benannt: „Die Schüler erlernen
1 Der Begriff stammt vom lateinischen Wort dictare (diktieren) bzw. dicere (sagen, sprechen,
bestimmen) ab.
2 Bischoff, Paul: Das Rechtschreibdiktat – Formen der Übung, Kontrolle und Prüfung. Wolfenbüttel:
Georg Kallmeyer Verlag 1978, S. 5.
3 Riehme, Joachim: Rechtschreibunterricht – Probleme und Methoden. Frankfurt a. M.: Diesterweg
Verlag 1987, S. 145.
4 Menzel, Wolfgang: Diktieren und Diktiertes aufschreiben. In: Praxis Deutsch 142 (1997), S. 15.
3
wesentliche Methoden der Grammatik und erweitern ihre Rechtschreibkenntnisse. [...] Sie üben und vertiefen das Gelernte systematisch an zusammenhängenden Texten und
in Form von Diktaten.“ 5 Auch wenn das Diktat nicht ausdrücklich als Prüfungsform genannt wird, bildet es im Rechtschreibunterricht dennoch einen herausragenden Bestandteil von Prüfungen. Das gilt in Bayern auch bei Vergleichsarbeiten und
Prüfungen für den Übertritt an das Gymnasium oder die Realschule. 6 In der Fachwelt wird immer öfter eine Aufgabe des Diktats gefordert. Die in dieser Arbeit genannten Beispiele zeigen jedoch, dass das Thema Diktat nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat. Man darf die Relevanz des Diktats für den Rechtschreibunterricht jedoch nicht unterschätzen. Im folgenden Abschnitt soll die Bedeutung des Diktats im Rechtschreiblernprozess genauer erläutert werden.
2.2 Die Bedeutung des Diktats
Bis vor zwei Jahrzehnten war das Hauptanliegen im Rechtschreibunterricht, die korrekte Verschriftlichung von Wörtern zu lehren, um eine größtmögliche Sicherheit mit orthographischen Normen zu erreichen. Das ständige Wiederholen eines Wortes sollte die Schüler diesem Ziel näher bringen. Damit avancierte das Diktat zu einem wichtigen Instrument im Rechtschreibunterricht. Es wurde sowohl zur Übung als auch zur Prüfung von Schülern eingesetzt. Die Objektivität der Messung und damit die Fehlerermittlung und die Bewertung der Orthographie schienen gewährleistet.
In den vergangenen Jahren hat sich aber eine neue Einstellung gegenüber diesem Vorgehen durchgesetzt. Das Diktat ist immer noch vorhanden, wird aber mittlerweile
eher als „ein Element des komplexen schriftsprachlichen Handlungsprozesses“ 7 verstanden. Der Schüler lernt nun nicht mehr nur die Wörter auswendig. Es kommt zu einem kognitiven Prozess, bei dem auch orthographische Strukturen und Muster erlernt werden. Dies befähigt den Schüler Transferleistungen zu erbringen. Das soll heißen,
5 http://www.isb.bayern.de: Lehrplan für das bayerische Gymnasium. Fachlehrplan Deutsch – 5.
Jahrgangsstufe, S. 1.
6 Vgl. http://www.isb.bayern.de: Vergleichsarbeiten/Prüfungen.
7 Hanke, Petra: Methoden des Rechtschreibunterrichts. In: Didaktik der deutschen Sprache. Hrsg. von
Ursula Bredel u.a. Paderborn/München: Schöningh Verlag 2003, S. 785.
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Sahar Mahmood Chopan, 2008, Diktate - Probleme und Herausforderungen im Rechtschreibunterricht, Munich, GRIN Publishing GmbH
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