Abstract I
Abstract
Diese kurze Arbeit stellt den psychoanalytischen Begriff der 'Übertragung' in seiner anfänglichen Konzeption dar, so wie er in Freuds frühen Schriften, den Studien über Hysterie (1895 zusammen mit Josef Breuer) und Bruchstück einer Hysterie-Analyse (1905), verstanden und gebraucht wird. Die Analyse der Patientin Dora aus der letzten Schrift nimmt breiten Raum ein, da sie Freud dazu führte, die umfassende und elementare Bedeutung der Übertragung für die Therapie anzuerkennen. Schon zu dieser Zeit, den Anfängen der Psychoanalyse, konnte Freud nicht mehr übersehen, dass der Erfolg der psychoanalytischen Kur mit dem Erkennen und dem richtigen Umgang der 'Übertragung' steht oder fällt. Sie stellt den Analytiker vor die größte Herausforderung, erweist sich jedoch zugleich als das größte Hilfsmittel, um die Behandlung gelingen zu lassen.
Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
Abstract. I
Inhaltsverzeichnis II
1 Einleitung 3
2 Studien über Hysterie 5
3 Bruchstück einer Hysterie-Analyse 9
3.1 Krankengeschichte der Dora 9
3.2 Ausführungen zur Übertragung. 12
Literaturverzeichnis 19
Einleitung 3
1 Einleitung
In dieser Seminararbeit sollen zwei frühe Schriften Freuds - die Studien über Hysterie von 1895, zusammen mit seinem Freund und Kollegen J. Breuer veröffentlicht, und Bruchstück einer Hysterie-Analyse aus dem Jahre 1905 (1901)hinsichtlich der Bedeutung des Terminus 'Übertragung' besprochen werden. Von dem erstgenannten Buch nahm die Psychoanalyse praktisch ihren Ausgang, was damit zusammenhing, dass in den Studien eine vollkommen neue Methode vorgestellt wurde, die J. Breuer 'Katharsis' nannte und bei seiner Patientin Anna O. erfolgreich gewesen war. 1 Freud änderte die Breuersche Methode dahingehend ab, dass er immer mehr auf die Hypnose verzichtete und diese durch die Drucktechnik ersetzte, einen Kniff, bei dem der kranken Person die Hand auf die Stirn gelegt wurde, um auftretende Widerstände durch leichten Druck zu überwinden.
Ein zusätzlicher wichtiger Punkt in dieser frühen Schrift betrifft Freuds Verständnis der Ätiologie der Neurosen: Die Ursache für den Erwerb einer Neurose findet man in sexuellen Momenten begründet, genauer gesagt war er der Meinung, dass "verschiedene sexuelle Momente, ganz allgemein genommen, auch verschiedene Bilder von neurotischen Erkrankungen erzeugen." 2 In Bruchstück einer Hysterie-Analyse sind eindeutig die sexuellen (traumatischen) Erlebnisse Doras für die Erkrankung ausschlaggebend - eine Thematik, die die gesamte Abhandlung durchzieht. Man kann annehmen, dass die um Jahre verzögerte Veröffentlichung der Krankengeschichte nicht zuletzt den Bedenken des Autors gegenüber ihrem explizit sexuellen Inhalt zuzuschreiben war. Freud bemerkt hierzu in seinem Vorwort:
1 Die kathartische Methode brachte ein hysterisches Symptom dadurch zum Verschwinden, dass der Betreffenden unter Hypnose die verursachende Situation mit allen Details in Erinnerung gerufen wurde und die Patientin dem unterdrückten Affekt Ausdruck verlieh.
2 Freud, Studien über Hysterie, S. 206.
Einleitung 4
In dieser einen Krankengeschichte (…) werden nun sexuelle Beziehungen mit aller Freimütigkeit erörtert, die Organe und Funktionen des Geschlechtslebens bei ihren richtigen Namen genannt, und der keusche Leser kann sich aus meiner Darstellung die Überzeugung holen, dass ich mich nicht gescheut habe, mit einer jugendlichen weiblichen Person über solche Themata in solcher Sprache zu verhandeln. 3
Er geht ebenfalls auf die veränderte psychoanalytische Technik ein, die sich seit den Studien ergeben hatte. Waren damals die Symptome Ausgangspunkt der psychoanalytischen Arbeit gewesen, so lag zu dieser Zeit die Betonung auf der Initiative des Patienten: er durfte das Thema der Arbeit bestimmen, während der Analytiker praktisch die Oberfläche in Angriff nahm, die das Unbewusste der Aufmerksamkeit des Patienten entgegenbrachte. 4 Im Rahmen von Freuds Gesamtwerk schließt sich die Krankengeschichte der Dora der Traumdeutung aus dem Jahre 1900 an, da zwei Träume der Kranken ausführlich gedeutet und in die Behandlungsgeschichte eingeflochten werden. Zugleich nahm Freud hier einiges vorweg, was später in den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905) ausgearbeitet wurde.
3 Freud, Bruchstück einer Hysterie-Analyse, S. 12.
4 Freud, Bruchstück, S. 15.
Studien über Hysterie 5
2 Studien über Hysterie
Kranke, die sich der psychoanalytischen Methode überantworten, räumen dem Arzt ein Vertrauen ein, das selbst intimste Angelegenheiten umfasst. So ist es in der Analyse nur natürlich, dass die persönliche Beziehung zum Therapeuten ins Zentrum rückt, ja sogar erst die Möglichkeit für den Einfluss des Arztes und die Lösung des Problems schafft. 5
Bei der Überwindung des psychischen Widerstands 6 sah Freud zwei Momente am Werk. Zum einen das gesteigerte Interesse des Patienten an psychischen Vorgängen, sozusagen ein intellektuelles Interesse, das den Kranken zum Mitarbeiter in der Analyse werden lässt und ihn zur objektiven Betrachtung seiner selbst anleitet. Das zweite Moment beruht auf affektiven Gegebenheiten: Zwischen Krankem und Arzt sollte ein positives (persönliches) Verhältnis bestehen, denn ohne die persönliche Geltung des Analytikers ist der Widerstand nicht zu überwinden. Freud beschreibt diese Aufgabe folgendermaßen:
Man wirkt, so gut man kann, als Aufklärer, wo die Ignoranz eine Scheu erzeugt hat, als Lehrer, als Vertreter einer freieren oder überlegenen Weltauffassung, als Beichthörer, der durch die Fortdauer seiner Teilnahme und seiner Achtung nach abgelegtem Geständnisse gleichsam Absolution erteilt; man sucht dem Kranken menschlich etwas zu leisten, soweit der Umfang der eigenen Persönlichkeit und das Maß von Sympathie, das man für den betreffenden Fall aufbringen kann, dies gestatten. 7
5 Freud, Studien, S. 213.
6 Um den Begriff 'Widerstand' verständlicher zu machen, werde ich einige Worte zur Entstehung des hysterischen Symptoms anfügen: Zuerst wurde die unverträgliche Vorstellung, d. h. eine Vorstellung, die beim Kranken peinliche Gefühle hervorruft, vom ICH abgewehrt und so aus dem Bewusstsein verdrängt. Gerade diese Abstoßung und Verdrängung ließ die Vorstellung pathogen werden, ein Zusammenhang, den Freud KONVERSION nennt. Während der Analyse wird dem Arzt dann jedes Mal, wenn er der unbewussten Vorstellung näher kommen möchte, Widerstand entgegengesetzt. Bei ihm handelt es sich um dieselbe psychische Kraft wie beim Verdrängungsvorgang, denn das ICH widersetzt sich dem Bewusstwerden der pathogenen Vorstellung (Studien, S. 215 f.).
7 Freud, Studien, S. 227 f.
Arbeit zitieren:
M. A. Michael Röder, 1993, Der Begriff "Übertragung" in Studien über Hysterie und Bruchstück einer Hysterie-Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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