INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG 3
2 DER PRESSETEXT 4
2.1 ALLGEMEINE MERKMALE 4
2.2 BEDEUTUNG FÜR DIE ÜBERSETZUNGSWISSENSCHAFT 4
2.3 DAS KOMMUNIKATIONSMODELL EINES ÜBER AUSLÄNDISCHE THEMEN BERICHTENDEN
PRESSEARTIKELS 5
3 KULTURSPEZIFIK UND KULTURELLE UNTERSCHIEDE. 7
3.1.1 Unterscheidung der Kulturspezifika. 9
3.2 KULTURABHÄNGIGKEIT VON TEXTEN 9
3.3 KULTURABHÄNGIGKEIT AUF LEXIKALISCHER EBENE 11
3.3.1 Definition und Abgrenzung des Begriffs Kulturem 11
3.3.2 Übersetzungsschwierigkeiten durch Kultureme. 12
3.3.3 Übersetzungsverfahren für Kultureme 13
4 KORPUSANALYSE 15
5 FAZIT. 18
6 LITERATURVERZEICHNIS 20
6.1 QUELLEN UND IM KORPUS VERZEICHNETE SIGLEN 20
6.2 INTERNETADRESSEN. 20
6.3 LEXIKA. 20
6.4 FACHLITERATUR 20
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1 Einleitung
Seit einigen Jahrzehnten rückt die Weltbevölkerung immer näher zusammen. Telefone, Mobiltelefone, Internet und Flugverkehr ermöglichen internationale Beziehungen und eine schnelle, weltweite Kommunikation. Dieser Trend zeigt sich auch in der Entwicklung der einzelnen Sprachen: Einerseits strebt man sowohl in den Wissenschaften als auch in Wirtschaft und Technik nach einem fachspezifischen, internationalen Wortschatz, andererseits werden durch den engen Kontakt der Sprachen fremdsprachliche Wörter übernommen oder entlehnt. Entgegen dieser Entwicklung gibt es bestimmte Lexeme, die man als ‚nationalen Wortschatz’ bezeichnen könnte, einen kultur- und landesspezifischen Wortschatz, der von Geschichte und Tradition eines Landes bestimmt ist. Dieser kulturspezifische Wortschatz bereitet Übersetzern große Schwierigkeiten und Mühen. Das Ziel dieser Arbeit ist es daher, die Kulturspezifika zu definieren und für diese verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten darzustellen und ihre Funktionen und
Verwendungsmöglichkeiten zu diskutieren.
Ausgehend vom Titel dieser Arbeit Kultureme: Deutsches in italienischen Medientexten werden zunächst der Pressetext, seine Merkmale und sein Kommunikationsmodell genauer analysiert. Anschließend ist dargestellt, was in der Übersetzungswissenschaft unter den Begriffen Kulturspezifik und kulturellen Unterschieden verstanden wird. Darüber hinaus wird untersucht, wie sich diese auf Text- und lexikalischer Ebene wiederfindet. Auf lexikalischer Ebene ist der Begriff des Kulturems Gegenstand der Analyse und die durch Kulturspezifik entstehenden Übersetzungsprobleme werden aufgezeigt.
Dieser Arbeit liegt eine mehrmonatige Untersuchung verschiedener italienischer Printmedien zugrunde. Bei der Zusammenstellung des Korpusmaterials war es von besonderer Bedeutung, ein möglichst breites und repräsentatives Spektrum an Printmedien auf Kultureme zu untersuchen. Daher waren vier verschiedene Tageszeitungen, il Messaggero, la Repubblica, la Stampa und der Corriere della Sera, neben der Wochenzeitung l’ Espresso, der wöchentlich erscheinenden Frauenzeitschrift Donna, dem Monatsreisejournal Meridiani und der monatlich erscheinenden militärischen Fachzeitschrift Rivista Italiana Difesa Gegenstand der Korpusanalyse. Auch die untersuchten Artikel sollten möglichst über verschiedene landesspezifische, geographische, institutionelle, politische oder soziale Sachverhalte oder Ereignisse der Bundesrepublik Deutschland berichten.
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Das Korpus ist nach verschiedenen Kriterien gegliedert: Erstens sind die Kultureme in einer Primärtafel nach Datum und Zeitschrift sortiert aufgelistet und anschließend nummeriert, und zweitens sind sie nach ihrer formalen Gestalt sortiert.
2 Der Pressetext
2.1 Allgemeine Merkmale
Der Zeitungstext ist meist ein gemeinsprachlicher Text mit Elementen aus politischen, wirtschaftlichen oder anderen Fachsprachen. Seine Hauptfunktion besteht in der Übermittlung von Nachrichten in stilistisch wertfreier und kritikloser Weise (Lüger 1983:66). Ein Pressetext dient jedoch nicht nur dazu, seine Leser zu informieren, sondern er kann auch anderen publizistischen Funktionen dienen, wie beispielsweise der Meinungsbildung oder der Unterhaltung. Analog zu diesen unterschiedlichen publizistischen Funktionen variiert auch die Darstellungsform der Zeitungsartikel, die entweder tatsachenbetont, meinungsbetont oder phantasiebetont orientiert sein kann (Lüger 1983:18). Stilistisch zeichnen sich Pressetexte durch kurze Einfachsätze (Lüger 1983:23), Abnahme der hypotaktischen Satzformen (Lüger 1983:25) und Nominalstil (Lüger 1983:25,26) aus. Unter Nominalstil versteht Lüger (1983:26), dass durch die Aneinanderreihung vieler Nomen Satzgefüge wie beispielsweise Temporalsatz-Hauptsatz auf einen Einfachsatz verkürzt werden und deren Information komprimiert wird.
2.2 Bedeutung für die Übersetzungswissenschaft
Lüger zufolge spiegelt die Sprache in Pressetexten den „Sprachzustand ihrer Zeit“ (Lüger 1983:22) 1 und kann deshalb besonders gut als Grundlage für allgemeinere synchrone und diachrone Sprachbeschreibungen genutzt werden. Überträgt man diese Feststellung auf eine Untersuchung von Pressetexten, kann diese demnach Aufschluss darüber geben, inwiefern deutsche Kulturspezifika in der italienischen Gemeinsprache vorhanden sind, in welcher sprachlichen Form sie anzutreffen sind und Kulturspezifika aus welchen Themenbereichen als bekannt und welche als unbekannt vorauszusetzen sind. Das bedeutet wiederum, dass Schwierigkeiten der Übersetzung von kulturspezifischen Elementen durch eine Untersuchung von Pressetexten gemindert werden könnten. Die Medientextanalyse könnte die Rolle einer Voruntersuchung einnehmen, die über den Bekanntheitsgrad von kultur-
1 Erbezieht sich auf Eggers, H. (1977): Deutsche Sprachgeschichte, Bd. IV, Reinbek.
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spezifischen Elementen eines Landes in dem Sprachgebrauch eines anderen Landes informiert. Eine solche Analyse von Medientexten könnte dem Übersetzer eine Arbeitserleichterung und Entscheidungshilfe bei der schwierigen Frage der Übersetzung von Kulturspezifika sein.
Henschelmann (1980:31,32) warnt jedoch davor, das Sprachverhalten der Tagespresse im Bezug auf moderne kulturspezifische Elemente unreflektiert nachzuahmen, da journalistisches Arbeiten oftmals unter Zeitdruck und daher selten sorgfältig erfolgt. Diese Warnung scheint berechtigt, denn Journalisten sind keine Übersetzer, haben also nicht notwendigerweise Fremdsprache- und Landeskundeunterricht genossen. Das Korpus bestätigt mehrfach, wie fehlerhaft und unsauber Journalisten mit Übersetzungsaufgaben umgehen. In der Ausgabe vom 26.06.2001 der Wochenzeitung il Secolo wurde die Junge Union, die politische Jugendorganisation der CDU, als cuotidiano [186] 2 , also Tageszeitung bezeichnet , in der Ausgabe von März 1998 des Meridiani definierte man das deutsche Lexem „Diele“ [252] als „il magazzino per i carri e gli attrezzi“, als Aufbewahrungsort für Wagen und Werkzeuge. Sowohl im Corriere della Sera [77] als auch im Messaggero [5] vom 06.07.2001 bezeichnet man Hannelore Kohl in Analogie zum Begriff „First Lady“ als „erste Frau“ Deutschlands. Die Presse suggeriert fälschlicherweise, dass es sich um eine konventionelle, deutsche Bezeichnung für die Ehepartnerin des Bundeskanzlers handelt.
2.3 Das Kommunikationsmodell eines über ausländische Themen berichtenden Presseartikels
Grundsätzlich unterscheidet sich die Kommunikationssituation eines Pressetextes von Kollers (2001:106) zweisprachigem Kommunikationsmodell, in dem der Übersetzer die Funktion des Empfängers und des Senders zugleich übernimmt. Basierend auf Bühlers Organonmodell der Sprache (1934:28) und analog zu Kollers zweisprachigem Kommunikationsmodell (2001:106) wird im Folgenden ein Kommunikationsmodell für den Pressetext erstellt, das um eine Ebene der Kulturzugehörigkeit erweitert ist. Die drei Fundamente des Modells, also Sender, Text, Empfänger sind jeweils einer Kultur und Sprachgemeinschaft zugeordnet, so dass
2 Im Folgenden markiert die eckige Klammer mit Nummerierung, dass das Beispiel aus dem anhängenden Korpus stammt und gibt an, wo es dort nachzuschlagen ist.
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deutlich wird, wo und wie sich die Kulturspezifik niederschlägt. Ein Presseartikel jedweden Themenbereichs stellt eine einsprachige Kommunikationssituation da.
Der Sender kommuniziert über das Medium eines Zeitungsartikels mit dem Empfänger. Das Besondere dieses Modells ist, dass der Sender, der Journalist, und der Empfänger, der Zeitungsleser, grundsätzlich der selben Kultur- und Sprachgemeinschaft angehören. Der Zeitungsartikel ist ein übliches Kommunikationsmedium derselben Sprachgemeinschaft. Nur die Inhalte, über die der Journalist seine Leser zu berichten anstrebt, sind unmittelbar mit der fremden Kultur verbunden. Er informiert sie beispielsweise über Ereignisse aus den unterschiedlichsten inhaltlichen Bereichen eines fremden Landes, wie dies zumeist in Tageszeitungen oder Wochenzeitungen geschieht, oder er stellt das Land, seine traditionellen und geographischen Besonderheiten vor, wie dies eher in Reisezeitschriften oder im Kulturteil der Tageszeitungen möglich ist. Sachliche Informationen und Fakten über das fremde Land werden vom Sender im Text umgesetzt und werden als kulturspezifische Elemente des fremden Landes markiert. Aus diesen Feststellungen ergeben sich wichtige Schlussfolgerungen für die Kompetenzen des Journalisten:
1. Zunächst muss der Journalist die Kulturspezifik als solche erkennen und verstehen.
2. Darüber hinaus benötigt er eine tiefe Kenntnis der fremden Sprache und der fremden Kultur.
3. Da ein Journalist seine Informationen nicht immer persönlich notiert, sondern von einer zentralen Nachrichtenagentur erhält, in Deutschland von der DPA und in Italien von der Ansa, sollte er durch seine eigenen Kenntnisse die Möglichkeit haben, die Informationen seiner Quelle zu überprüfen.
Diese Kompetenzen sind als besonders wichtig zu erachten, da er ebenfalls durch das Verfassen eines Textes über eine fremde Kulturgemeinschaft, wie der Übersetzer durch die Translation eines fremdsprachlichen Textes zu einem
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Arbeit zitieren:
Dr. phil. Kristina Bonn, 2002, Kultureme: Deutsches in italienischen Medientexten, München, GRIN Verlag GmbH
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