1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Soziale Herkunft. 2
3. Das Werk. 4
3.1. Überlieferung und Entstehung 4
3.2. Bedeutung für die Entwicklung eines Geschichtsverständnisses. 6
4. Methode. 8
5. Geschichtsauffassung 9
6. Ergebnis und Ausblick 11
7. Quellen und Literatur 13
7.1. Quellen 13
7.2. Literatur. 13
8. Karte 16
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem griechischen Geschichtsschreiber Thukydides von Athen und seinem Werk über den „Krieg zwischen den Peloponnesiern und Athenern“ 1 . Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Interpretation der Monographie hinsichtlich der thukydideischen Geschichtsauffassung. Damit lässt sich der Gegenstand der Darstellung auf die antiken Schauplätze des Peloponnesischen Krieges beschränken. 2 Es gibt zahlreiche Interpretationsversuche der Geschichte des Peloponnesischen Krieges. 3 Die historische Denkweise des Thukydides ist teilweise in solche Analysen miteinbezogen worden. 4 Sie fand allerdings kaum vorrangig Beachtung. Das liegt wohl an den Schwierigkeiten, eine solch tief zwischen den Zeilen verborgene und dazu noch antike Empfindung von Vergangenheit herauszukristallisieren. Es ist also durchaus noch Raum für neue Auslegungen des Stoffes in diesem Bereich vorhanden. Dabei sind verschiedene Kriterien zu berücksichtigen: Welcher sozialen Herkunft ist Thukydides zuzurechnen? Welche politische Einstellung vertritt er? Was sind seine Arbeitsmethoden als Historiker? Wie ist sein Werk thematisiert? Was für ein Ziel verfolgt seine Art von Historiographie? Wie stellt er das Thema dar? Welche Einstellung vertritt er hinsichtlich der griechischen Götterwelt? Wie grenzt er sich von seinen Vorgängern ab? Welcher Geisteshaltung ist Thukydides zuzurechnen? Diese und weitere Fragen werden im Zentrum der folgenden Ausarbeitungen stehen.
2. Soziale Herkunft
Da Thukydides bei Kriegsbeginn 431 v. Chr. ein junger Mann war und bei seinem späteren Amt als Stratege 424 v. Chr. ein gewisses Mindestalter vorausgesetzt werden muss, wird sein
1 Thuk. I 1,1.
2 Peloponnes (außer Argos und Achaia), Boitien, Phokis, Lokris und viele korinthische Kolonien vs. Attika,
Thrakien, Chios, Lesbos, Kerkyra, Akarnanien sowie zahlreiche karische bzw. ionische Inseln und Städte. Vgl.
Karte S. 16.
3 Cawkwell, G.: Thucydides and the Peloponnesian War (1997); Connor, W. R.: Thucydides ²(1985); Erbse, H.:
Thukydides-Interpretationen (1989); Finley, J. H.: Thucydides ²(1942); Gomme, A. W.: Historical commentary
on Thucydides. Vol. I-IV (1945-1970); Grosskinsky, A.: Das Programm des Thukydides (1936); Hornblower,
S.: A commentary on Thucydides. Vol. I-II (1991-1996); Ders.: Thucydides (1987); Regenbogen, O.: Drei
Thukydidesinterpretaionen (1930). In: Herter, H. (Hrsg.): Thukydides (1968), S. 10 ff.; Schwartz, E.: Das
Geschichtswerk des Thukydides ³(1960) etc.
4 Drexler, H.: Thukydides-Studien (1976); Egermann, F.: Zum historiographischen Ziel des Thukydides. In:
Historia 10 (1961), S. 435 f.; Erbse, H.: Zur Geschichtsbetrachtung des Thukydides. In: Antike und Abendland
(1961), S. 19 ff.; Luschnat, O.: Thukydides der Historiker. In: RE Suppl. XII (1970), Sp. 1229 ff. und Suppl.
XIV (1974), Sp. 768 ff.; Schadewaldt, W.: Die Geschichtsschreibung des Thukydides (1929); Strasburger, H.:
Die Wesensbestimmung der Geschichte durch die antike Geschichtsschreibung (1966); Ders.: Der
Geschichtsbegriff bei Thukydides. In: Schmitthenner, W. u. a. (Hrsg.): Studien zur Alten Geschichte, Bd. 2
(1982), S. 777-800 u. a.
3
Geburtsjahr um 460 v. Chr. vermutet. 5 Die sichersten Aussagen über die soziale Herkunft des Thukydides erfahren wir aus seinem Werk.
Der Name seines Vaters Oloros 6 lässt Verbindungen nach Thrakien erkennen. Oloros war der Name eines thrakischen Fürsten bzw. Königs. Dessen Tochter Hegesipyle war mit dem bekannten athenischen Feldherrn und Sieger von Marathon Miltiades verheiratet. Aus dieser Ehe stammte Kimon (der Jüngere), der Kopf der oligarchischen Bestrebungen in Athen nach den Perserkriegen. Miltiades und Kimon gehörten zum altadeligen Geschlecht der Philaiden, das in ständigen Konflikten zum Geschlecht der Alkmeoniden mit seinem bedeutendsten Vertreter Perikles stand. Väterlicherseits bestand wohl auch ein verwandtschaftliches Verhältnis 7 zum konservativen Politiker Thukydides 8 , dem Sohn des Melesias und innenpolitischen Hauptkontrahenten des Perikles. Aufgrund dieser familiären Verflechtungen ist es sehr verwunderlich, dass Thukydides in Perikles trotzdem das Idealbild eines Staatsmannes zu erkennen gibt. Dies entspricht wohl seiner Absicht, möglichst objektiv zu sein und seiner gemäßigten Einstellung gegenüber der Demokratie in Athen. Zusammengefasst ist Thukydides dem aristokratischen, wirtschaftlich und politisch einflussreichen Kreis der Philaiden zuzurechnen. Er spricht vom „Nutzrecht an den Goldbergwerken in dieser Gegend Thrakiens 9 und (dass er) daher einer der mächtigsten Männer auf dem Festland sei.“ 10 Bei Anaxagoras 11 soll Thukydides Philosophie und bei Antiphon 12 Rhetorik studiert haben. 13 Obwohl er aufgrund seiner Ausbildung scheinbar mit der Sophistik vertraut war, schlug er nicht den für junge aristokratische Männer üblichen Weg einer Redner oder Schriftstellerkarriere ein. 14 Vielmehr hat er vermutlich Kenntnisse über historiographisches Arbeiten gesammelt und später bei seinem großen Werk angewandt.
5 Schadewaldt, W.: Die Anfänge der Geschichtsschreibung bei den Griechen: Herodot, Thukydides. Tübinger
Vorlesungen, Bd. 2 (1982), S. 308; Taeger, F.: Hermes 64 (1929), S. 432 ff.
6 Thuk. IV 104,4.
7 Nach Lendle, O.: Einführung in die griechische Geschichtsschreibung: von Hekataios bis Zosimos (1992), S.
73 f.: durch Einheirat mit der namentlich unbekannten Tochter des Kimon; aber: nach Schadewaldt, S. 305:
durch Heirat der zweiten, unbekannten Tochter des Oloros. Aufgrund des neueren Forschungsstandes ist Lendle
zuzustimmen.
8 Damit ist nicht der Historiker gemeint.
9 Damit ist Skapte Hyle gegenüber der Agäisinsel Thasos gemeint.
10 Thuk. IV 105,1.
11 Anaxagoras, grch. Philosoph aus Klazomenai in Ionien, *um 500 v.Chr., Lampsakos (Hellespont) 428
v.Chr.; Lehrer in Athen, von wo er, der Gottlosigkeit angeklagt, fliehen musste. Er erklärte die Wirklichkeit aus
einer vom Nus, dem Weltgeist, verursachten Wirbelbewegung unendlich vieler Urteilchen (Homöomerien), die
sich qualitativ voneinander unterscheiden.
12 Antiphon, att. Redner und Sophist, *Rhamnus 480 v.Chr., (hingerichtet) 411 v.Chr. als Führer der
oligarch. Partei. Von ihm sind drei Prozessreden, Fragmente seiner eigenen Verteidigungsrede sowie 12
Musterreden, deren Echtheit angezweifelt wird, erhalten.
13 Markellinos-Vita 22. Die Angaben in der Markellinos-Vita konnten bisher nicht durch andere Quellen
gesichert werden.
14 Markellinos-Vita 23.
4
430/29 v. Chr. erkrankte Thukydides an der „Pest“, die in Athen grassierte. 15 Er überlebte die tödliche Seuche und wurde im Frühjahr 424 v. Chr. zu einem der zehn Strategen Athens gewählt. Durch seine Besitzungen in Thrakien schien er für diesen Amtsbereich prädestiniert. Er wurde mit einer Flotte in den Norden der Ägäis gesandt, erreichte im Winter 424/23 v. Chr. jedoch nicht rechtzeitig die athenische Kolonie Amphipolis, um sie vor der Einnahme durch den Spartaner Brasidas zu retten. 16 Als Strafe für diese Niederlage wurde er für zwanzig Jahre in die Verbannung geschickt. 17 Thukydides lebte in dieser Zeit vermutlich in Thrakien und unternahm ausgedehnte Reisen zu den Schauplätzen des Peloponnesischen Krieges, wo er „wegen der Verbannung auf beiden Seiten … in aller Ruhe genauere Erkundigungen einziehen konnte“. 18 Er kehrte nicht vor Kriegsende nach Athen zurück und muss nach 404 v. Chr. plötzlich verstorben sein, da er sein Werk nicht mehr vollenden konnte.
3. Das Werk
3.1. Überlieferung und Entstehung
In der Antike wurde dem Werk kein Titel gegeben oder er wurde nicht überliefert. Deshalb wird es nach dem ersten Satz im Proömium: „Der Krieg der Peloponnesier und Athener“ benannt. Die uns bekannte Einteilung der ersten großen Geschichtsmonographie in acht Bücher wurde nicht von Thukydides vorgenommen. Dem Inhalt zufolge ist aber eine Unterteilung in drei Kriegsphasen 19 zu erkennen, was dafür spricht, dass Thukydides den Ausgang des Krieges miterlebt hat und eine solche Abgrenzung vornehmen konnte. 20 Diese Phasen entsprechen auch heute noch unserem Bild vom Verlauf des Peloponnesischen Krieges.
Grundsätzlich berichtet Thukydides chronikartig über die Kriegsgeschehnisse nach Sommern und Wintern unterteilt und geht dabei streng historiographisch vor, ohne die umfangreichen und nebensächlichen Exkurse eines Herodots anzubieten. Das Werk ist nicht vollständig, da es im achten Buch mit dem 21. Kriegsjahr im Sommer 411 v. Chr. abrupt endet. Hierfür spricht auch die Tatsache, dass an den vorliegenden Büchern V und VIII die sonst übliche letzte rhetorische Überarbeitung und die Einarbeitung von direkten Reden kaum
15 Thuk. II 48,3.
16 Thuk. IV 103-107.
17 Thuk. V 26,5.
18 Ebenda.
19 I. Die Auseinandersetzungen zwischen Athen und Sparta 431 bis 421 v. Chr., die durch den Nikias-Frieden
beendet wurden; II. Die Sizilische Expedition der Athener von 415 v. Chr. bis zu ihrem Scheitern im Jahre 413
v. Chr.; III. Der erneute Krieg zwischen Athen und Sparta ab 413 v. Chr.
20 Thuk. V 26.
Arbeit zitieren:
Magister Artium Christian Hall, 2005, Betrachtungen zur thukydideischen Geschichtsauffassung, München, GRIN Verlag GmbH
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