Inhalt
Inhalt........................................................................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Entstehung und Inhalt des Verschollenen 4
3. Kafka und das Kino 6
3.1. Der Ursprung des Kinos 6
3.2. Kafka Der Kinogänger 7
3.3. Kafka ein reflektierter Kinogänger 8
3.4. Der Einfluss des Kinos auf Kafkas Werk 9
3.5. Die Verbindung zwischen der Kinematographie und dem Roman Der Verschollene 10
3.5.1. Die objektiven Bildaussagen 11
3.5.2. Die Montage 12
3.5.3. Die Handlungsaussagen 12
4. Eine allgemeine Bestimmung des Begriffs Körpersprache 13
4.1. Zur Funktion der Gebärde im Verschollenen 14
4.2. Die Gebärde des Händefassens und ihre Deutung 17
4.3. Die Analogie der Gebärde 21
5. Das Ergebnis der Analyse 23
Literaturverzeichnis 24
I Quellen 24
II Forschungsliteratur 24
III Wörterbücher und Lexika 24
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Zur Funktion der Körpersprache in Kafkas Roman Der Verschollene 1
1. Einleitung
Kafkas Roman Der Verschollene gibt auch heute noch Anlass für ständig neu zu diskutierende Fragen, die in der Forschung auf unterschiedlichste Arten und Weisen aufgegriffen werden. Kafka und sein Werk sind für den Rezipienten immer noch mehrdeutig, rätselhaft und durch die so bedingten immer neuen Deutungsversuche stets aktuell. Dieser Eindruck hat sich auch in der Auseinandersetzung mit Sekundärliteratur, wie in dem Diskussionsbedarf der Seminarteilnehmer zu Kafka bestätigt. Bei meinem ersten Leseeindruck des Verschollenen ist mir vor allem die prägnante Körpersprache der Figuren aufgefallen, die ich selbst nach Aktivierung meines Weltwissens nie zufrieden stellend deuten konnte und auch die dahinter liegende Intention des Autors war mir ein schwer zu lösendes Rätsel.
Deshalb möchte ich in dieser Arbeit vor allem der Frage nachgehen, welche Funktion die Körpersprache in Kafkas Roman Der Verschollene hat.
Um diese Frage beantworten zu können, werden ich zunächst analysieren, inwieweit Kafka von dem Medium seiner Zeit – dem Kino – beeinflusst wurde und ob sich dies in seinem Werk indirekt widerspiegelt.
Vor allem Hans Zischler mit seinem Aufsatz Kafka geht ins Kino 2 , Peter-André Alt mit Franz Kafka. Der ewige Sohn 3 und Wolfgang Jahn mit Kafkas Roman „Der Verschollene“ („Amerika“) 4 , aber auch die Beiträge von Hans Dieter Zimmermann 5 und Bodo Plachta 6 geben dazu weit reichende Informationen.
Zum besseren Verständnis werde ich kurz auf die Entstehung und den Inhalt des Romans eingehen, sowie den Ursprung des Kinos und dessen Einfluss auf Kafka und sein Werk 1 Kafka, Franz: Der Verschollene. Stuttgart 1997 (RUB 9688);
Bei Zitaten aus diesem Werk, wird der entsprechende Seitenachweis nicht als Fußnote, sondern unmittelbar nach der Belegstelle in Klammern erfolgen.
2 Zischler, Hans: Kafka geht ins Kino. Reinbeck 1996 3 Alt, Peter-André: Franz Kafka. Der ewige Sohn. München 2005 4 Jahn, Wolfgang: Kafkas Roman „Der Verschollene“ („Amerika“). Stuttgart 1965 5 Zimmermann, Hans Dieter: Kafka für Fortgeschrittene. München 2004 6 Plachta, Bodo: Der Verschollene. In: Interpretationen. Franz Kafka. Romane und Erzählungen. Hrsg. von Michael Müller. Stuttgart 1994
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betrachten. Ich werde mich dann auf die Visualisierung des Figureninnenlebens mittels Körpersprache in Kafkas Roman konzentrieren, um einen wesentlichen Aspekt von Kafkas Beeinflussung durch das Filmbild zu zeigen. Im Hauptteil der Arbeit werde ich eine kurze Definition von Körpersprache geben und anhand bestimmter Aussagen von Autoren, namentlich von Jörg Wolfradt 7 , Markus Vorauer 8 und Georg Guntermann 9 die Bedeutung der Gebärde näher zu fassen suchen. Am Text möchte ich dann exemplarisch zeigen, wie vor allem Hartmut Binder und Jörg Wolfradt die Gebärden im Verschollenen interpretieren. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass es den Rahmen einer Hausarbeit sprengen würde, alle im Roman beinhalteten Körperhaltungen zu analysieren. Deswegen werde ich mich vordergründig auf die Deutung der Arm-, Hand- und Fingergebärden in Kafkas Roman konzentrieren.
2. Entstehung und Inhalt des Verschollenen
Die erste Fassung des Romans Der Verschollene schrieb Kafka zwischen 1911 und 1912. Sie blieb unvollendet. Er empfand sie sogar als völlig ungeeignet und vernichtete sie. 10 Michael Müller beschreibt im Nachwort des Romans, warum Kafka dennoch ermutigt war, die Arbeit am Verschollenen Ende September 1912 wieder aufzunehmen:
[…] vorausgegangen war ein Erlebnis, das Kafka nur noch in der Überzeugung bestärkte, seine wahre Berufung liege auf dem Gebiet der Literatur. In der Nacht vom 22. auf den 23. September hatte er die Erzählung Das Urteil geschrieben, der erste Text, der ihm wirklich gelungen schien und der für ihn den „Durchbruch“ der Literatur bedeutete. 11
Kafka, der die Erzählung in einer einzigen nächtlichen Sitzung zu Papier brachte, geriet in einen produktiven Rausch, der etwa vier Monate anhielt und die Arbeit am Verschollenen positiv vorantrieb. Trotz seiner beruflichen Verpflichtungen und der exzessiven Korrespondenz mit Felice Bauer, seiner späteren Verlobten, arbeitete er fast jede Nacht und vollendete sieben Kapitel. Nur durch das Schreiben an der Erzählung Die Verwandlung wurde die Arbeit unterbrochen.
7 Wolfradt, Jörg: Der Roman bin ich. Schreiben und Schrift in Kafkas Der Verschollene. Würzburg 1969 8 Vorauer, Markus: Kafkaeskes im Film. Film als kafkaeskes Zeichensystem. In: Im Labyrinth. Texte zu Kafka. Hrsg. von Michael Aichmayr und Friedrich Buchmayr. Stuttgart 1997 9 Guntermann, Georg: Vom Fremdwerden der Dinge beim Schreiben. Kafkas Tagebücher als literarische Physiognomie des Autors. Tübingen 1991 10 Vgl. Müller, Michael: Nachwort. In: Kafka, Franz: Der Verschollene. Stuttgart 1997 (RUB 9688). S. 300 11 Ebd. S. 304
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Obwohl Kafka das Ende der Romanhandlung wahrscheinlich schon wusste, gelang es ihm ab Ende Januar 1913 nicht mehr, die dafür erforderliche Konzentration weiterhin aufzubringen. Erst im Herbst 1914 nahm er das Manuskript noch einmal vor und verfasste das Kapitel über Das Naturtheater von Oklahoma. Danach unternahm er jedoch keine weiteren Anstrengungen mehr, den Roman zu vollenden.
Aus einer Bemerkung gegenüber seinem Verleger Kurt Wolff geht hervor, dass es Kafkas Ehrgeiz war, das neuzeitlichste Amerika zu darzustellen. Da er selbst aber niemals amerikanischen Boden betreten hatte, war er ausschließlich auf sekundäre Quellen angewiesen: Reisebücher, Vorträge, Fotos, Berichte von Verwandten und etwa ab 1908 auch auf Eindrücke aus dem Kino. Der Verschollene ist das einzige Werk Kafkas, das auf gezielten und umfänglichen Recherchen beruht. Nur so war es möglich, ein einigermaßen realistisches Bild einer hektischen Massengesellschaft zu zeichnen, mit Streiks, Wahlkämpfen, Verkehrschaos, Akkordarbeit und gigantischen Betrieben. 12
Die Geschichte des 16jährigen Karl Rossmann, der von seinen Eltern verstoßen und nach Amerika geschickt wird, hat die Form eines Stationendramas, wobei jede Station einen weiteren sozialen Abstieg bedeutet. Auf diese Weise kommt Karl mit Vertretern verschiedenster sozialer Schichten in Berührung, angefangen beim Senator bis hin zur Prostituierten.
Zugleich ist der Roman durchsetzt von den für Kafka typischen Verhörszenen, die in einem merkwürdigen Kontrast zur ausgestellten Modernität des Landes stehen. Das Kernmotiv des einsamen, verstoßenen Sohnes ist bereits aus Das Urteil und Die Verwandlung vertraut, obgleich es dort in einem völlig anderen Kontext und Milieu angesiedelt ist. Beide Texte sind in dem Zeitraum des Verschollenen entstanden und Kafka wünschte sich von seinem Verleger „eine gemeinsame Veröffentlichung“ 13 von Der Heizer, das Urteil und Die Verwandlung, denn sie gehörten für Kafka inhaltlich zusammen.
Mit seiner raffinierten Erzähltechnik hebt sich Der Verschollene jedoch von allen anderen Werken Kafkas ab. Denn die Handlung ist fast ausschließlich aus der Sicht des Protagonisten geschildert.
12 Ebd. S. 299-306 13 Ebd. S. 318
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Zu Lebzeiten Kafkas wurde lediglich das erste Kapitel, Der Heizer publiziert. Das Manuskript des gesamten Romans wurde von Max Brod aus dem Nachlass herausgegeben, allerdings unter dem Titel Amerika.
3. Kafka und das Kino
Mit der Untersuchung in den folgenden Kapiteln geht es mir vor allem darum zu zeigen, dass das Kino oder der Kinematograph in Kafkas Leben und höchstwahrscheinlich auch in seinem Werk Der Verschollene eine bedeutende Rolle spielte.
Um diese These zu belegen, werde ich kurz die Anfänge des Kinos schildern, die Bedeutung des Kinos für Kafka als Kinogänger klären und anschließend den Einfluss, den es möglicherweise auf sein Werk und seine Prosa hat, analysieren. Danach werde ich filmische Bezüge im Verschollenen versuchen aufzuzeigen, um im vierten Kapitel die Darstellung der Körpersprache besser verstehen und erklären zu können.
3.1. Der Ursprung des Kinos
Peter-André Alt beschreibt in seinem Aufsatz Franz Kafka. Der ewige Sohn 14 die Entstehungsgeschichte des Kinos.
In Europa kam 1896 erstmals das Phänomen der bewegten Bilder durch die Brüder Lumière auf. Und seitdem hatte der Film einen festen Platz in der Unterhaltungskultur. 1900 wurde das ambulante Lichtspieltheater erfunden, dass sich auf Jahrmärkten mit Kurzfilmen einem staunenden Massenpublikum präsentierte. Erst nach 1908 stieg die Zahl der etablierten Kinos nennenswert an. Ihre Expansion wurde durch abendfüllende Spielfilme ermöglicht, die schließlich den Kurzfilm von den Jahrmärkten verdrängten.
Durch das niedrige Eintrittsgeld war das Kino für jeden erschwinglich, aber als Unterhaltungsmedium stand der Film in dieser Zeit unter Verdacht der künstlerischen Bedeutungslosigkeit. Unterstützt wurde seine Verbreitung durch Verleihfirmen, die den Filmtheatern zu einem abwechslungsreichen Programm verhalfen. Das bedeutete, dass sie Kopien gegen eine Gebühr verliehen. Die französische Pathé-Gruppe war solch eine
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Josephine Rittenbach, 2006, Zur Funktion der Körpersprache in Franz Kafkas Roman "Der Verschollene", Munich, GRIN Publishing GmbH
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