Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kyros Charakterisierung in der Historiographie 4
2.1 Kyros bei Herodot (1 95 1 122) 4
2.2 Kyros bei Xenophon 6
2.3 Kyros im Alten Testament 7
3. Kyros Eroberungszüge in Asien 7
3.1 Die Eroberung Mediens 8
3.2 Die Eroberung Lydiens 8
3.3 Die Eroberung griechischer Städte in Kleinasien 9
3.4 Die Eroberung Babyloniens 9
3.5 Kyros gegen die Massageten 10
4. Fazit 11
Literaturverzeichnis 12
Quellenverzeichnis 12
2
1. Einleitung
Herodot von Halikarnassos lebte um 484 – um 425 v. Chr. und gilt als der erste griechische Historiker seiner Zeit. Seine berühmten Historien umfassen neun Bücher und berichten über die Perserkriege um 700 – um 479 vor Chr. Sein erstes Buch, das die Grundlage dieser Arbeit sein wird, befasst sich mit der Geschichte der Lyder und Kroisos und der Unterwerfung Babyloniens, der Massageten und Kleinasiens durch Kyros` Eroberungszüge in den Jahren um 550 – um 530 v. Chr. Diese Arbeit befasst sich hauptsächlich mit der Darstellung der Persönlichkeit und dem Weg des ersten Großreichherrschers zu seiner Macht. Es ist bemerkenswert, dass Kyros in nur ca. 20 Jahren so viele Gebiete unter seine Herrschaft bringen und seine Macht in einem Großreich festigen konnte.
Der griechische Geschichtsschreiber Xenophon schildert in seinem Werk „Kyrupädie“ einen Idealherrscher, dass nach dem Vorbild Kyros die Eroberung Asiens bis zu seinem Tod in Form eines Romans beschreibt. Sein Ruhm und seine Beliebtheit werden sogar an vielen Stellen der Bibel dargestellt.
Diese Arbeit wird im zweiten Kapitel demzufolge die überragende Persönlichkeit Kyros` gegenüber seinen besiegten Gegnern darstellen. Auch im zweiten Kapitel wird Herodots erstes Buch als Grundlage dienen. Um eine umfangreiche Charakterisierung Kyros darstellen zu können, werden einige Bibelstellen und Xenophons berühmtes Werk „Kyrupädie“ hinzugezogen.
Im dritten Kapitel dieser Arbeit werden die Eroberungsfeldzüge Kyros dargestellt und analysiert, die gleichzeitig den Weg zu einer persischen Großmacht einleiten. Im vierten Kapitel folgt eine inhaltliche Zusammenfassung über die Anfänge des persischen Imperiums und seines wohl erfolgreichsten und beliebtesten Gründers Kyros. Vor allem ist es wichtig, dass in diesem Kapitel die militärische Genialität Kyros, dessen Strategien besonders die Römer nachahmten, und seine Großzügigkeit (besonders!) gegenüber dem jüdischen Volk, den Griechen, Babyloniern usw. heraus zu kristallisieren.
Auf den letzten Seiten befindet sich ein alphabetisch geordnetes Literatur- und Quellenverzeichnis.
2. Kyros Charakterisierung in der Historiographie Kyros der Große wird in der Historiographie mehrfach erwähnt bzw. ausführlich über sein Leben berichtet. Aischylos (um 525 v. Chr. – um 456 v. Chr.), ein griechischer Tragödiendichter, beschreibt Kyros als einen friedliebenden Herrscher, dem Gott so gesonnen ist. Für den griechischen Philosoph Aristoteles ist Kyros der Befreier und Wohltäter der Völker. Er spielt auf die Rebellion der Meder gegen ihren eigenen König und die Befreiung der Juden aus der Sklaverei der Babylonier an. 1 Die Befreiung der Juden aus der Sklaverei hat im Alten Testament eine besonders wichtige Bedeutung, auf die später noch eingegangen wird.
2.1 Kyros bei Herodot (1,95 – 1,122)
Herodot lebte ca. 100 Jahre nach Kyros und überliefert somit die zeitnächste Darstellung. Seine Erzählung beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod des Herrschers bei der Schlacht gegen die Massageten. Er bietet dem Leser eine komplette Darstellung seines Lebenslaufes. Herodot zufolge ist Kyros der Sohn des persischen Königs Kambyses I. und der Tochter des Mederkönigs Mandane. Mit ihm werden zwei mächtige Königsdynastien miteinander verbunden, die der Archaiminäden und der Meder 2 . Sein Großvater, der Mederkönig Astyages, führt bereits nach der Geburt seines Enkels eine Intrige durch, er erteilt den Mordbefehl an ihm. Kyros überlebt diesen Mordkomplott seines Großvaters, denn niemand führt diesen Befehl aus, stattdessen wird er von einem Rinderhirten und seiner Frau mit der Identität eines Sklavenjungen in den Bergen großgezogen 3 . Bereits nach zehn Jahren wird die Wahrheit über Kyros eigentlicher Herkunft gelüftet. Während eines Spiels wird Kyros von anderen Kindern zum König bestimmt. Mit zehn Jahren weiß er genau wie er sich als König verhalten muss. Er teilt Befehle aus, übergibt anderen Kindern Aufgaben, die sie als königliche Diener erfüllen sollen, bei Missachtung seiner Befehle reagiert er mit Bestrafung und körperlicher Züchtigung 4 . Nachdem er für diese untypische Spielweise dem Mederkönig Rechenschaft abliefern soll, sagt Kyros: „Die Kinder aus dem Dorf, [...], machten mich im Spiel zum König. Ich schien ihnen dafür am geeignetsten zu sein.“ 5 Sein Großvater erkennt ihn wieder, denn „[...] 1 Vgl. Hinz, Walter: Darius und die Perser,S.85.
2 Vgl. Herodotus: Historien, Abschnitt: 108.
3 Vgl. ebd., 1,113.
4 Vgl. ebd., 1,114.
5 Ebd., 1,115.
die Eigentümlichkeit seiner Gesichtszüge schien seinen eigenen zu ähneln, [...] und der Zeitpunkt seiner Aussetzung schien zum Alter des Kindes zu passen.“ 6 In den folgenden Jahren lebt Kyros bei seinen leiblichen Eltern. Bereits in jungen Jahren lässt sich Kyros von einem engeren Verwandten zu einem Feldzug gegen die Meder überreden, denn die Meder wollen Astyages absetzen und unter einem neuen und humanen König weiterleben. Kyros nimmt Medien ein und entmachtet seinen Großvater. Der Einzug nach Medien leitet den weiteren Verlauf seiner Eroberungszüge ein und machte den Weg zur Gründung des ersten Weltreiches frei. Nachdem Kyros den Mederkönig entmachtete, handelte er untypisch für einen König. Astyages war zwar ein Kriegsgefangener, „Kyros aber fügte dem Astyages kein weiteres Leid mehr zu und nahm ihn bei sich auf, bis er starb.“ 7 Auch gegen seinen Herausforderer Kroisos handelt Kyros auf eine ähnliche Weise. Bereits mit der Entmachtung seines Großvaters handelt Kyros für einen Herrschen untypisch, denn er lässt er ihn als seinen persönlichen Berater weiterleben, weil er erkannte, „[...] dass Kroisos ein gottgeliebter und tüchtiger Mann war[...] und behandelte ihn mit großer Rücksicht; er selbst und alle seine Begleiter blickten voll Bewunderung auf ihn.“ 8 Kyros Toleranz gegenüber anderen Volksgruppen wird ganz besonders gegenüber den Lydern deutlich, nachdem er die Aufstände der Lyder beendet hatte. Statt sie zu versklaven, änderte er ihre Lebensgewohnheiten und schaffte ein friedvolles Leben zwischen Persern und den Lydern. 9 Als Kyros einen Feldzug gegen die Massageten vorbereitet, obwohl er ausdrücklich von der Herrscherin Tomyris davor gewarnt wurde, berichtet Herodot über seine letzten Tage. Kyros ist nicht aufzuhalten, denn „[...] er glaubte mehr als ein Mensch zu sein -, dann auch das Glück, das er in den Kriegen gehabt hatte. Denn gegen welches Volk auch immer Kyros einen Feldzug unternahm, es konnte ihm nicht entrinnen.“ 10 Während eines Beratungsgesprächs zwischen Kyros und Kroisos, also noch vor dem Angriff gegen die Massageten, wird deutlich, dass Kyros einen fatalen Fahler begehen und dieser Feldzug seinen Tod einleiten wird.
„Meine schlimmen Leiden sind mir Lehre geworden. Wenn du glaubst unsterblich zu sein und eben ein solches Heer zu befehligen, dann dürfte es keinen Wert haben, dir meine Meinung kundzutun. Wenn du aber
7 Ebd., 1,130 .
8 Ebd., 1,87.
9 Vgl. ebd., 1,155.
10 Ebd., 1,204.
erkannt hast, dass auch du nur ein Mensch bist und über andere Menschen gebietest, dann begreife zunächst, dass es in menschlichen Angelegenheiten einen Kreislauf gibt und dass er, in ständiger Bewegung, nicht zulässt, dass immer dieselben Glück haben.“ 11
Er hinterlässt seinem Sohn und Nachfolger Kambyses II. ein festgefügtes und gutverwaltetes Reich.
2.2 Kyros bei Xenophon
Xenophon (um 430 – um 354 v. Chr.) lebte zu Zeiten des Peloponnesischen Krieges. Xenophon beginnt in seinem Hauptwerk „Kyrupädie“ mit der Kindheitsdarstellung und Erziehung Kyros des Großen, desweiteren wird die Eroberung Asiens bis zum Tod des persischen Königs beschrieben. Es handelt sich um einen fiktiven Bildungsroman, in dem Kyros als Idealherrscher eines Idealstaates und Heldenfigur verehrt wird, „[...] denn er [Kyros] unterschied sich so sehr von allen anderen Königen, ob sie nun ihre Herrschaft von ihren Vorfahren erobert oder aus eigener Kraft erworben hatten [...]“. 12 Menschenfreundlichkeit, Ehrgeiz, Wissbegierde und Redseligkeit sind die Eigenschaften, die er Kyros für seinen Ruhm und Erfolg zuschreibt. 13 Während seine Vorfahren in Vergessenheit geraten sind, bleibt Kyros weiterhin eine Persönlichkeit, die die Menschen auch noch lange nach seiner Zeit fasziniert. Auch Jahrhunderte später sprachen die Perser noch immer hochachtungsvoll und ehrwürdig über den Gründer ihres Reiches. 14 Kyros begründet seinen Erfolg als Herrscher darauf, dass er nicht nur in Notsituationen freundlich und gewissenhaft gegenüber den Menschen ist, sondern in allen Lebenssituationen, aber vor allem in Zeiten, an denen es ihm gut geht. 15 „Kyrupädie“ geht der Frage nach, wie ein Staat aufgebaut sein muss, um langfristig bestehen zu können. Aber vor allem versucht Xenophon die Frage zu beantworten, welche Eigenschaften einem Herrscher zugeschrieben werden müssen, um ein Reich zu leiten und sein Volk zu führen. Die Antwort auf die Fragen findet Xenophon bei Kyros. Kyros ist der Idealherrscher, denn sein Charisma, seine Führungsqualitäten und seine Toleranz gegenüber anderen Völkern und Dynastien macht ihn schon zu seiner Zeit zu einem 11 Ebd., 1,207.
12 Xenophon: Kyrupädie,S.9.
13 Vgl. ebd., S. 39.
14 Vgl. ebd., S. 11.
15 Vgl. ebd., S. 72.
überragenden Führer, dem die Menschen Respekt erweisen und ihm auf seinem Weg, Kulturen zusammen zu führen und das erste Großreich zu schaffen, folgen.
2.3 Kyros im Alten Testament
Der Perserkönig wird im Alten Testament an sechs Stellen erwähnt. Eine besonders starke Rolle spielt Kyros bei der Darstellung der Befreiung des jüdischen Volkes aus der Knechtschaft der Babylonier im 2. Buch der Chronik (36:22), im Buch Esra (1:1ff) und im Buch des Propheten Jesaja (44:28). Im Alten Testament geht Kyros als Sieger über Babylonien und als Befreier des verschleppten Volkes hervor und ist somit im jüdischen Verständnis ein Werkzeug Gottes. Am Schluss des 2. Buches der Chronik und zu Beginn des Buches Esra heißt es: „Der Herr, der Gott des Himmels, hat mir alle Reiche der Erde verliehen. Er selbst hat mir aufgetragen, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen.“ 16 Auch hier wird die These, Kyros sei von Gott auserwählt und ein von Gott gewollter Herrscher, so wie Herodot sie vertritt, nochmal hervorgehoben. Desweiteren wird Kyros als „der Gesalbte“ bezeichnet, der Messias, der von Gott berufen wurde, um seinem Volk die Freiheit zu schenken und mit dem Bau des Tempels den Juden ihr Allerheiligstes wiederzugeben. 17 Einmal im Jahr, zu dem höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, ist es dem Hohepriester im Tempel in Jerusalem gestattet, den direkten Kontakt zu Gott aufzunehmen und um Versöhnung zu bitten für die begangenen Sünden. Mit der Eroberung Babylons und der Befreiung der Juden wird Kyros auch im Alten Testament ehrenvoll gewürdigt.
3. Kyros Eroberungszüge in Asien
Um 635 v. Chr. eroberten die Meder große Teile des Irans und machten die Perser zu ihren Vasallen. Die Eroberung der medischen Hauptstadt Ekbatana, etwa ein Jahrhundert später, leitete die Expansion des Perserreiches unter ihrem Gründer Kyros dem Großen ein. Mit weiteren erfolgreichen Feldzügen gegen die Lyder, griechische Küstenstädte und die Babylonier dehnt sich das Perserreich von Thrakien bis nach Nordwestindien aus und grenzt an Ägypten, das Zentrum lag aber immer im heutigen Iran.
16 2. Buch der Chronik 36:23 und Buch Esra 1:2.
17 Buch Jesaja 45:1.
3.1 Die Eroberung Mediens Um Rache an dem Mederkönig Astyages zu nehmen, verbündet sich Harpagos mit Kyros. 18 In ihm sieht Harpagos den Befreier, der sie von ihrem unbeliebten und bereits mit dem medischen Volk verfeindeten König befreien soll. Harpagos berichtet Kyros von dem Mordplan seines Großvaters und garantiert ihm den Sieg über das medische Heer. Kyros überredet die persischen Stämme der Pasargader, Maraphier und Maspier von den Medern abzufallen und mit ihm gegen seinen Großvater zu kämpfen. 19 Um 550 v. Chr. beginnt Kyros seinen Feldzug gegen den Mederkönig und kann ihn mit Hilfe der verbündeten Verbände unterwerfen. 20 Astyages wird lebend gefangen genommen. 21 Die Eroberung Mediens war der Beginn eines ruhmreichen Feldzuges, denn „jetzt aber seien die Meder statt zu Herren zu Sklaven geworden,[...]; die Perser aber, früher Untertanen der Meder, seien jetzt zu Herren geworden.“ 22 An der Stelle, wo Kyros seinen Großvater besiegte, gründete er die neue Stadt Pasargadae und baute sie zur seiner Hauptstadt und Residenz aus. 23 Mit seinem ersten Eroberungsfeldzug dehnt Kyros sein Reich bis zum Halys (heute: Kizilirmak) aus, dem längsten Fluss in der heutigen Türkei.
3.2 Die Eroberung Lydiens
Der Lyderkönig Kroisos wollte sich an seinem Schwager Astyages rächen und verbündete sich mit den Babyloniern, Ägyptern und Spartanern, denn er sah sich und sein Reich von den Persern gefährdet. Um 540 v. Chr. zog er in Kappadokien ein. 24 Er unternahm einen Feldzug gegen ein „raues Land“. 25 Es bestand die Gefahr, dass ein Volk, das „nichts besitzt“ 26 und nachdem es Kroisos unterwürfig ist und von seinem Reichtum und seinen Gütern gekostet hat, mehr verlangen könnte. Nachdem die ersten Schlachten in Pteria mit einem Unentschieden unterbrochen wurden, zog sich Kroisos mit seinem Heer nach Sardes zurück, um Kyros erst im Frühjahr wieder anzugreifen. 27 Wahrscheinlich hätte Kyros gegen die guten Reiter und die langen Speere des lydischen Heeres verloren, wenn Kyros nicht all seine 18 Vgl. Herodotus: Historien, 1.Buch, a.a.O., 1,123.
19 Vgl. ebd., 1,124.
20 Vgl. Wiesehöfer, Josef: Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreiches, S. 23. 21 Vgl. Herodotus: Historien, a.a.O., Abschnitt 128.
22 Vgl. ebd., 1,129.
23 Vgl. Frey, Richard: Persien. Bis zum Einbruch des Islams, S. 164.
24 Wiesehöfer, Josef: Das frühe Persien, a.a.O., S. 24.
25 Herodotus: Historien, a.a.O., 1,71.
26 Ebd., 1,71.
27 Vgl. Ebd.,1,77.
Kamele umrüstete und seine Soldaten mit Reiterausrüstung auf seine Kamele ließ. Er wusste, dass Pferde den Anblick sowie den Geruch der Kamele scheuen würden. 28 Kyros Plan erfüllte sich. Nachdem Kroisos sich nach Sardes zurückgezogen hatte, rückte Kyros Heer immer weiter nach Sardes ein, um seinen Gegner aus dem Hinterhalt anzugreifen. Die Perser schlugen die Lyder hinter ihren Stadtmauern und nahmen ihren König Kroisos fest.
„Die Perser also eroberten Sardes und nahmen Kroisos selbst lebend gefangen, nachdem er 14 Jahre regiert hatte, 14 Tage belagert worden war[...]“ 29
In Herodots Historien heißt es, Kyros hätte den gestürzten Lyderkönig später zu seinem persönlichen Berater ernannt. 30 Aber die heutige Wissenschaft geht davon aus, dass Kroisos in der Schlacht gegen Kyros gefallen sei und nur in der griechischen Überlieferung überlebt habe. 31
3.3 Die Eroberung griechischer Städte in Kleinasien
Harpagos, ein Meder und Verwandter des Astyages, verhalf Kyros zu seiner Macht, indem er ihn zum Kampf gegen seinen Großvater überredet hatte. Kyros bezwang seinen Vorfahren und ernannte Harpagos zur Belohnung zu seinem Feldherrn. Sein Feldzug beginnt bei den Phoikern in Ionien. 32 Während Harpagos und sein Heer sie belagerten, zogen sie weiter nach Chios und überließen ihre Stadt kampflos den Persern. 33 Auch die ionischen Inselbewohner lieferten sich aus Furcht gegenüber den Persern kampflos aus. 34 Nach der Unterwerfung Ioniens führt Harpagos weitere Feldzüge gegen die Karer, Kaunier, Lykier und Knidier, die er auch ohne Mühe schnell unterwarf. 35
3.4 Die Eroberung Babyloniens
Nachdem Kyros auch über Kleinasien herrschte, zog er weiter, um die Assyrer anzugreifen. Mit höchster Priorität verfolgte er das Ziel, Babylonien zu besiegen und es zu beherrschen. 36 Im Gegensatz zu den Volksstämmen in Kleinasien gaben die 28 Vgl. Ebd., 1,80.
29 Ebd., 1,86.
30 Vgl. ebd., 1,86.
31 Vgl. Wiesehöfer, Josef: Das frühe Persien, a.a.O., S.24.
32 Vgl. Herodotus: Historien, a.a.O. 1,162.
33 Vgl. Ebd., 1,164.
34 Vgl. Ebd., 1,169.
35 Vgl. Ebd., 1,171.
36 Vgl. Ebd., 1,178.
Babylonier ihr Reich nicht kampflos auf. Dennoch besiegten die Perser die Babylonier außerhalb ihrer Stadtgrenze. Die Babylonier in der Stadt waren vor dem Einzug der Perser ahnungslos und „feierten gerade ein Fest“. 37 Ende Oktober 539 v. Chr. zog Kyros in Babylon ein und zum ersten Mal in seiner Regierungszeit gelang ihm ein Sieg gegen ein so großes und mächtiges Reich. 38 Nachdem das Perserreich Babylonien unterworfen hatte, grenzte es nun auch an das Großreich der Ägypter.
3.5 Kyros gegen die Massageten
Das Reich der Massageten wurde von einer Frau namens Tomyris regiert. Kyros hatte zunächst die Absicht sie zur Frau zu nehmen. Tomyris erkannte schnell Kyros eigentliches Vorhaben, er warb nicht um sie, sondern um ihr Königreich. 39 Der einst ein vornehmer und taktisch-kluger Herrscher war, wurde mit seiner wachsenden Macht übermutig und waghalsig. Kyros plant den Fluss Araxes zu überqueren und einen offenen Feldzug gegen die Massageten zu beginnen. 40 Um 530 v. Chr. kam es zu Kämpfen zwischen den Massageten und den Persern, bei denen der Sohn der Herrscherin ums Leben kam. Herodot zu Folge war die Schlacht der Perser gegen die Massageten „die gewaltigste aller Schlachten“. 41 „Der größte Teil des persischen Heeres wurde eben dort an Ort und Stelle vernichtet, und auch Kyros starb, nachdem er 29 Jahre König gewesen war“. 42 37 Ebd., 1,191.
38 Wiesehöfer, Josef: Das frühe Persien, a.a.O., S. 25.
39 Vgl. Herodotus: Historien, a.a.O., 1,205.
40 Vgl. Ebd., 1,205.
41 Ebd., 1,214.
42 Ebd., 1,214.
4. Fazit
Das erste Weltreich der Antike wurde besonders durch seine verschiedenen Kulturen und seine ethnische Vielfalt gekennzeichnet. Dies ermöglichte sein Gründer Kyros der Große. Kyros schicksalhaftes Überleben, die Geheimhaltung seiner Herkunft und die durch einen Zufall eingeleitete Entlüftung seiner eigentlichen Herkunft sind für Herodot drei wichtige Argumente, dass Kyros ein von Gott gewollter Herrscher war. Der griechische Schriftsteller Xenophon geht sogar so weit, dass er Kyros eine Vorbildfunktion für die früher miteinander verfeindeten griechischen Stämme zuschreibt.
Die Bibel hat zwar eine andere Intention als Herodot oder Xenophon, dennoch wir Kyros auch im Alten Testament als der von Gott Berufene dargestellt. Er ist der Messias, der von Gott berufen wurde, um dessen Volk aus dem babylonischen Exil zu befreien.
Während seiner Feldzüge zeigt sich Kyros als friedvoller und toleranter Herrscher. Das medische Volk sieht in ihm den Befreier und Erlöser, der sie von der menschenunwürdigen Herrschaft ihres Königs Astyages befreien soll. Laut Herodot nimmt Kroisos nach seinem Fall als Lyderkönig eine ehrenvolle Position als persönlicher Berater in allen Angelegenheiten ein.
Desweiteren beschreibt Herodot den Übermut und Fall des persischen Herrschers Kyros des Großen. Die Siege über die Könige, die Unterwerfung ihrer Völker, die ihm entgegengebrachte Achtung und Anerkennung ließen seine Macht zum Verhängnis werden. In der verheerenden Schlacht gegen die Massageten findet Kyros 531 v. Chr. seinen Tod. Aufkommende Überheblichkeit und Größenwahn sind für Herodot die Gründe dafür.
Literaturverzeichnis
Fahr, Heinz; Koch, Klaus (1985): Herodot und Altes Testament. Frankfurt a.M.: Lang. Europäische Hochschulschriftenreihe23, Theologie, Bd.266.
Frye, Richard (1975): Persien. Bis zum Einbruch des Islams. Essen: Magnus Verlag.
Hinz, Walter (1976): Darius und die Perser. Eine Kulturgeschichte der Achämeniden. Uwe K. Paschke ( Hg.). Baden – Baden: Holle- Verlg. Holle vergangene Kulturen.
Schlögl, Albert ( 1998): Herodot. Orig.-Ausg. Reinbeck bei Hamburg. Rowohlt- Tachenbuch-Verl. Rowohlts Monographien, Bd. 50590.
Wiesehöfer, Josef (2006): Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreiches. Orig.-Ausg.,3.,durchges. und aktualisierte Aufl. München: Beck. Beck`sche Reihe, Bd. 2107: C.-H.-Beck-Wissen.
Quellenverzeichnis
Herodotus; Brodersen, Kai; Ley-Hutton, Christine ( 2002):Historien 1.Buch. Griechisch/Deutsch. Stuttgart: Philipp Reclam.
( 1998): Die Bibel. Altes und Neues Testament; Einheitsübersetzung. Lizenzausg. Freiburg: Herder- Verlag.
Xenophon (1992): Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros; griechisch/deutsch. Lizenzausg. Nickel, Rainer (Hg.). Darmstadt:Wiss.Buchges.
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