Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
„Frau Musika“ 3
1. Luthers Liedschaffen 4
1.1. Vorraussetzungen und Anfänge für Luthers Liedschaffen 4
1.2. Luthers Intention 5
1.3. Die Liederbücher 6
2. Die Lieder Luthers und ihre theologische Charakterisierung 9
2.1. Protest und „Zeitungslied“ 9
2.2. Glaubenslied 9
2.3 . 6 Psalmlieder 10
2.4. Advents- und Weihnachtslieder 13
2.5. Osterlieder 14
2.6. Pfingstlieder 15
2.7. Trinitatis 16
2.8. Katechismuslieder 16
2.9. Abendmahlslieder 17
2.10. Seelsorgelieder 17
2.11. Liturgische Gesänge 18
2.12. „Ein feste Burg ist unser Gott“ 19
2.13. „Spätlese“ 19
3. Die Theologie Luthers in 20
3.1 . „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ 20
3.2 . seinen Liedern 23
4. Schluss: Wirkung der Lieder 25
5. Literaturverzeichnis 26
Anhang 1 8 : Liedtexte
2
Einleitung
Ohne Zweifel ist Martin Luther die herausragende Persönlichkeit der Reformation. Sein reformatorisches Gedankengut und seine neue Lehre haben zu einem Umdenken und schließlich zur Kirchenspaltung geführt. Luthers Lehre ist eng mit seinem Leben verschlungen. Das mag folgende Gründe haben: Seit dem Jahr 1521 war Luther wegen seiner Lehre, die er vertrat, zum Tode verurteilt. Dass es nicht dazu kam, hatte Luther einflussreichen Politikern zu verdanken. Auch war er bereit, für seine Lehre das Martyrium auf sich zu nehmen, was Luther oft bezeugt hat. Sein Leben lang ist er darum bemüht gewesen, seine Lehre rein zu halten.
Das Blitzschlag-Erlebnis, das Luther veranlasst hat, sein Leben in Gottes Dienst zu stellen, war der ausschlaggebende Anfang, der seine reformatorischen Bemühungen in Gang gebracht hat. Diese Erfahrung großer Todesangst, die ihm durch den Blitzschlag widerfahren ist, lässt ihn diszipliniert an der Exegese der Bibel arbeiten. Während dieser Arbeit entdeckt er schließlich die Spannung von Gesetz und Evangelium. 1 Luther hat aber nicht nur die Lehre reformiert, sondern mit ihr auch den bestehenden Gottesdienst und damit auch das deutsche Kirchenlied.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Liedern Martin Luthers und ihrer theologischen Aussagekraft. Ausgehend von der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ soll untersucht werden, inwiefern sich diese zugrunde liegende Theologie in Luthers Liedern widerspiegelt. Dabei ist es zunächst erforderlich, einen Blick auf den Anstoß und den Beginn von Luthers Liedschaffen zu werfen. Vorrausetzungen, sowie Intention Luthers werden daher im 1. Kapitel näher beleuchtet. Ferner wird eine kurze Übersicht über die erschienen Liedsammlungen gegeben. Darauffolgend werden die Lieder im Einzelnen vorgestellt und soweit es möglich ist, charakterisiert und theologisch gedeutet. Zu denjenigen Liedern, die besondere Relevanz in Bezug auf theologische Aussagekraft haben, sind im Anhang dieser Arbeit die Liedtexte zu finden.
1 Vgl. Ebeling, Gerhard: Lehre und Leben in Luthers Theologie, Opladen 1984 (Vorträge / Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften: Geisteswiss.; G 270), S. 9-12.
1
Diese Übersicht über Luthers Lied-Opus ist meines Erachtens notwendig, um ein möglichst umfassendes Bild von seinem Liedschaffen zu gewinnen. Eine genaue differenzierte Aussage über jedes einzelne Lied Luthers würde den Rahmen dieser Arbeit sicherlich sprengen. Daher kann zu jedem Lied nur eine kurze, aber ausreichende Darstellung erfolgen.
Kapitel 3 erläutert im ersten Schritt den Gehalt der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ und davon ausgehend in einem zweiten Schritt den theologischen Grundtenor, der sich in seinen Liedern erkennen lässt. Auch läge eine differenzierte theologische Deutung im Bereich des Nicht-leistbaren, daher beschränkt sich die Beschäftigung mit Luthers Theologie auf die Aspekte Freiheit, Glaube und Errettung.
Zum Schluss soll die Wirkung und die Bedeutung, welche die Lieder damals hatten und heute immer noch haben, erörtert werden.
2
„Frau Musika“
Diese „Vorrede auf alle guten Gesangbücher“ ist von Luther für das Buch „Lob
und Preis der löblichen Kunst Musika“ von Johann Walther im Jahr 1538
geschrieben. Sie bezeugt, welchen Stellenwert die Musik in Luthers Leben hatte.
1. Luthers Liedschaffen
1.1. Vorraussetzungen und Anfänge Luthers Liedschaffen
Martin Luther kam schon sehr früh, nämlich während seiner Schulzeit, mit geistlicher Musik in Berührung. Das Singen gehörte zum festen Bestandteil des Unterrichts. Auch während seiner Studienzeit in Erfurt gehörte für Luther neben der Theologie auch Musik als Theoriefach im System der „Septem artes liberales“ zum Studium. 2 Für Martin Luther kommt die Musik direkt an zweiter Stelle nach der Theologie, wie er in seinem Traktat „über die Musik“ bekennt. Er sieht in der Musik ein Geschenk Gottes, welche die Seele fröhlich macht, den Teufel vertreibt und Freude weckt. Zudem herrscht sie in den Zeiten des Friedens. 3 Im Jahr 1523 wurde im Zuge der neuen Ausgestaltung des Gottesdienstes nun auch der Ruf nach dem deutschen Gemeindegesang lauter. Klippgen nennt die Einführung des deutschen Gemeindegesanges als den letzten Schritt zur Ausgestaltung des Gottesdienstes. 4
In Luthers Liedern geht es um Glaubensfragen, die ihm persönlich am Herzen liegen. Seine Hauptschaffenszeit liegt in den Jahren 1523-1524. In dieser Zeit hat Luther mit 24 Liedern zwei Drittel seiner Lieder geschrieben - eine äußerst fruchtbare Schaffensperiode. Der Anstoß dafür kam sicherlich von außen. Thomas Müntzer veröffentlichte 1523 zehn deutsche Übertragungen lateinischer Hymnen. Die Wittenberger waren somit aufgefordert, ebenfalls zu handeln. 5 Luthers erste beide Lieder waren allerdings noch nicht für den gottesdienstlichen Gebrauch bestimmt, dennoch haben sie das Liedschaffen eingeleitet. 6 Sie hatten Flugblatt-Charakter und waren damals Bestandteil der Massenmedien. „Man kann nur feststellen, dass Luther die Liedkunst zunächst zur Propagierung der neuen Lehre und erst dann, jedoch kurz danach, auch für die Erneuerung des Gottesdienstes entdeckte.“ 7
2 Vgl. Rößler, Martin: Liedermacher im Gesangbuch. Liedgeschichte in Lebensbildern, völlig überarb. und erw. Gesamtausgabe der 1990/91 erschienen drei Taschenbücher von Martin Rößler, Stuttgart 2001, S. 36-37
3 Vgl. Ebd., S. 65.
4 Vgl. Klippgen, Friedrich (Hg.): Martin Luther: Sämtliche deutsche geistliche Lieder. In der Reihenfolge ihrer ersten Drucke, Halle a. S. 1912, S. 3.
5 Vgl. Hahn, Gerhard (Hg.): Martin Luther: die deutschen geistlichen Lieder, Tübingen 1967, S. XIII-XIV
6 Vgl. Ebd., S. XV.
7 Jenny, Markus: Luthers geistliche Lieder und Kirchengesänge, Vollst. Neued. in Erg. zu Bd. 35 d. Weimarer Ausgabe, Köln 1985, S. 13.
4
Markus Jenny teilt den Beginn von Luthers Liedschaffen in zwei Stufen ein. Der erste Anstoß war das Ereignis des Feuertodes zweier Mönche in Brüssel, die wegen ihrer reformatorischen Lehre als Ketzer verbrannt wurden. Der zweite Anstoß liegt darin begründet, dass Luther den Gedanken hatte, Psalme in Lieder umzuwandeln.
1.2. Luthers Intention
Luther legte großen Wert darauf, dass im Gemeindegesang das Wort Gottes im Mittelpunkt stehe. Er wollte das bisher übliche Psalmodieren, welches er als leiernd und leertönend bezeichnet, verhindern. So sollen die Lieder Ausdruck des Glaubens sein, die die Gemeinde mündig macht. „Das geistliche Singen bekommt ein liturgisches Hausrecht, wo es bisher höchstens Zutat oder Zierrat bedeutet hat. Das Lied wird, wie die Predigt, Dienst am Wort als Stimme des Evangeliums und zugleich, über die Predigt hinaus, Möglichkeit der Antwort für die versammelte Gemeinde, eingebunden in das Dialoggeschehen des Gottesdienstes.“ 8
Eine bevorzugte Textquelle sieht Luther in den Psalmen der Heiligen Schrift, da sie poetisch geformt sind, viele Metaphern bieten und von starkem Glaubensausdruck geprägt sind. Rößler schreibt, dass das Psalmlied, das christologisch gefärbt und ausgelegt wird und somit als gesungene Bibel fungiert, Luthers persönliche Erfindung ist. Diese Ansicht vertritt auch Kantorin Dorothee Ludwig. In ihrem Skript des Vortrags „Luthers Liedschaffen“, welchen Sie am 07.07.96 in der Ev. Kirche in Gönningen hielt, heißt es: „Die Psalmen bieten sich als Textgrundlage für Lieder förmlich an. Ursprünglich ja als Lieder entstanden, sind sie aufgrund ihres regelmäßigen metrischen Aufbaus und ihrer starken dichterischen Bilder geradezu prädestiniert, in Kirchenlieder umgewandelt zu werden. Diese christologisch ausgedeuteten Psalmlieder fungieren als gesungene Bibel: Die Bibel legitimiert das Singen - Singen interpretiert die Bibeleine fruchtbare Wechselwirkung!“ 9
Luther beschränkt sich aber nicht auf seine neue Gattung der Psalmlieder. Er lehnt sich an die Tradition an, sichtet und prüft vorhandene Liedgattungen wie Hymnen, deutschsprachige Strophenlieder, oder Leisen. Vorhandene lateinische Hymnen
8 Rößler, M.: Liedermacher im Gesangbuch, S. 67.
9 Ludwig, Dorothee: Luthers Liedschaffen, Vortrag vom 07.07.96 in der Ev. Kirche in Gönningen. URL: http://ourworld.compuserve.com/Homepages/Alexander_Behrend/luthmusi.htm (19.02.08)
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Quote paper:
Stefan Jost, 2008, Die Lieder Martin Luthers und ihre theologische Bedeutung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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