Inhalt
1. Einleitung 2
2. Inwieweit sind Verfahren der Demokratiemessung in der Lage die politische Realität
zu erfassen (Bsp : Russland) 3
2.1 Verfahren zur Demokratiemessung 3
2.1.1 Historische Entwicklung und Anspruch von Demokratiemessverfahren 3
2.1.2 Vanhanens Index der Demokratisierung 5
2.1.3 Der Freiheits-Index von Freedom House 7
2.2 Die politische Situation in Russland unter der Präsidentschaft Wladimir Putins 9
2.3 Die Erfassung der politischen Realität in Russland durch Vanhanens Index der
Demokratisierung und den Freedom House-Index 12
2.3.1 Das Messergebnis des Vanhanen Index der Demokratisierung 12
2.3.2 Das Messergebnis des Freedom House-Index 13
2.4 Wird die politische Realität Russlands durch die Messergebnisse
Wiedergegeben 13
3. Fazit 15
Literaturverzeichnis 16
1
1. Einleitung
Als „lupenreinen Demokraten“ 1 bezeichnete der damalige Kanzler Gerhard Schröder im Jahr 2004 den russischen Staatschef Wladimir Putin.
Doch wie demokratisch ist der russische Staat wirklich? Bereits 2004 waren starke Einschränkungen im Bereich der Meinungsfreiheit und im Umgang mit den Massenmedien bekannt geworden. Auch die Justiz war zunehmend Gängelungen durch den Kreml ausgesetzt. 2 Wie lässt sich also der demokratische Gehalt eines Staates ermitteln?
Lange Zeit beschränkte man sich auf dichotomische Verfahren. Beispielsweise unterschied James Bryce 1921, abhängig von den jeweiligen Staatsverfassungen, zwischen Demokratien und Nicht-Demokratien. 3 Robert Dahl führte 1971 anhand von sieben Hauptmerkmalen (darunter: Wahl und Abwahl der Amtsinhaber, freie Meinungsäußerung, u. a.) eine weitergehende Messung durch. Darauf aufbauend wurden vor allem in den 80er und 90er Jahren eine große Anzahl weiterer Messverfahren entwickelt. 4 Diese Messungen fördern allerdings zum Teil sehr verschiedene und abstruse Ergebnisse zu Tage. Am Beispiel Russland ist dies gut zu erkennen. So ergibt sich für den Vanhanen-Index der Demokratisierung für das Jahr 2007 ein Wert von etwa 19. 5 Kriterien des Vanhanen-Index sind Partizipation und Wettstreit. Damit liegt Russland im Mittelfeld der verfassungsmäßig demokratischen Staaten. Betrachtet man hingegen die Berechnungen von Freedom House desselben Jahres, so stellt man fest, dass es sich bei Russland um einen Staat der Kategorie „not free“ handelt. 6 Der Freedom House-Index berechnet anhand eines Fragenkataloges die politischen Rechte und die Bürgerrechte, welche elementare Bedingungen einer Demokratie darstellen.
Welchen Anspruch haben also solche Messverfahren und inwieweit sind sie in der Lage die politische Realität zu erfassen?
Gerade Russland, als relativ junge Demokratie und unter dem Aspekt der politischen Entwicklung unter Wladimir Putin, scheint ein interessantes Beispiel zu sein.
1 Mommsen, Margarete/Nußberger, Angelika (2007): Das System Putin, München, S165f. 2 Vgl. ebd. S. 105-114.
3 Vgl. Schmidt, Manfred (2000): Demokratietheorien. Eine Einführung, Opladen, S. 390. 4 Vgl. ebd. S. 397.
5 Eigene Berechnung.
6 Freedom House, Inc., Freedom in the World – Russia (2007), S. 1, http://www.freedomhouse.org/template.cfm?page=22&country=7258&year=2007 (10.03.2008).
Somit ergibt sich die Frage: Inwieweit sind die Verfahren zur Messung des demokratischen Gehalts eines Staates (Vanhanen Index der Demokratisierung und Freedom House-Index) in der Lage, die politische Realität zu erfassen? Dies soll am Beispiel Russlands erläutert werden.
Die Entscheidung für diese beiden Messverfahren, ergibt sich aus den divergierenden Ergebnissen und den unterschiedlichen Herangehensweisen.
Im Folgenden wird grundsätzlich und im Besonderen auf die beiden ausgewählten Messverfahren eingegangen. Anschließend soll untersucht werden, inwieweit diese in der Lage sind, eine politische Situation zu erfassen. Dies soll am Beispiel Russland geschehen, wozu auf die politische Entwicklung des Landes während der Ära Putin genauer eingegangen werden soll. Der Hauptteil der Arbeit soll mit einem qualitativen Vergleich der beiden Verfahren und einer Kritik an ihnen beendet werden. Das Fazit soll eine abschließende Bewertung der Ergebnisse der Hausarbeit vornehmen.
2. Inwieweit sind Verfahren zu Demokratiemessung in der Lage
die politische Realität zu erfassen (Bsp.: Russland)?
2.1 Verfahren zur Demokratiemessung
Zunächst werden die Verfahren zur Demokratiemessung grundsätzlich vorgestellt. Im Anschluss wird auf den formalen Aufbau der beiden ausgewählten Indizes genauer eingegangen.
2.1.1 Historisch Entwicklung und Anspruch von Demokratiemessverfahren
Den Anfang auf diesem Gebiet machte Aristoteles, der die zu seiner Zeit existierenden Herrschaftsformen verglich und damit über lange Zeit ein „Solitär“ 7 blieb. Erst Anfang des
20. Jahrhunderts und mit der Konstituierung der Politikwissenschaft als eigene
wissenschaftliche Disziplin wurden derartige, vergleichende Messungen wieder durchgeführt.
7 Abromeit, Heidrun/Stoiber, Michael (2006):Demokratien im Vergleich. Einführung in die vergleichende
Analyse politischer Systeme, Wiesbaden, S. 25.
3
So beispielsweise James Bryce, der 1921 einen verfassungsmäßigen Vergleich zwischen Demokratien und Nicht-Demokratien vornahm. 8 Die vergleichende Forschung, als Unterdisziplin der Politikwissenschaft, konzentrierte sich damit lange Zeit auf den reinen Vergleich von Regierungssystemen. Eine Weiterentwicklung fand erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als Folge der Beobachtung, dass sich demokratische Systeme in diktatorische transformierten und der Auflösung der Kolonialreiche, statt. 9 Darüber hinaus stiegen die Anforderungen an die vergleichende Politikwissenschaft mit der so genannten „Dritten Welle“. Dieser Begriff von Huntington beschreibt den „eindeutigen und in seinen Ausmaßen bislang einmaligen Trend in Richtung Demokratie“ 10 , der seit den 1980er Jahren einsetzte. Diese Entwicklung verlangte eine größere Differenzierung der Messverfahren, da nicht nur die reine Zahl der Demokratien stieg, sondern auch eine Reihe von Systemen entstand, die sich in einer Grauzone zwischen reinen Diktaturen und reinen Demokratien ansiedelten. Innerhalb dieser modernen Demokratiemessung ist besonders die Arbeit von Robert Dahl hervorzuheben. In seinem Werk „Polyarchy“ (1971) erfasste er anhand von sieben Hauptmerkmalen (Wahl und Abwahl der Amtsinhaber, regelmäßig stattfindende freie und faire Wahlen, freie Meinungsäußerung, u.a.) 26 polyarchische Demokratien, drei Spezialfälle mit größeren wahlpolitischen Einschränkungen und sechs Beinahe-Polyarchien. Unter dem Begriff „Polyarchy“ versteht Dahl die Repräsentativdemokratien des 20. Jahrhunderts. Der Unterschied zu früheren Erhebungen liegt vor allem darin, dass Dahl auch die Funktionsvoraussetzung einer Demokratie in seine Messung mit einbezieht. 11 Aufbauend auf Dahls Berechnungen wurden, insbesondere in den 1980er und 90er Jahren, weitere Messverfahren entwickelt. Hervorzuheben sind hier die Studien von Bollen, Vanhanen, Coppedge/Reinicke, Freedom House und Gurr. In diese neueren Messverfahren fanden nun auch Methodenprobleme bei der Klassifizierung von Regimen Berücksichtigung. 12 Welchen Zweck, bzw. welchen Anspruch verfolgen die Verfahren der modernen Demokratiemessung?
Zunächst muss man feststellen, dass größere Unterschiede zwischen bestimmten Staaten ohne jegliche Messung erkannt werden können. Beispielsweise war die DDR, im Gegensatz zur BRD, äußerst undemokratisch. Allerdings sind Unterschiede in den Herrschaftsformen nicht
8 Schmidt, a.a.O., S. 390.
9 Vgl. Abromeit/Stoiber, a.a.O., S. 26.
10 Lauth, Hans-Joachim/Pickel, Gert/Welzel, Christian (Hrsg.) (2000): Demokratiemessung. Konzepte und Befunde im internationalen Vergleich, Wiesbaden, S. 7.
11 Vgl. Schmidt, a.a.O., S. 393-395.
12 Vgl. Lauth/Pickel/Welzel, a.a.O., S. 11.
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Arbeit zitieren:
Warin Jaeger, 2008, Demokratiemessverfahren, München, GRIN Verlag GmbH
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