Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die Bedeutung der Ungleichgewichts-Theorie 2
2.1 Gleichgewichtsbegriffe 2
2.2 Die Grundannahmen der Allgemeinen Gleichgewichts-Theorie 3
3 Das Modell von Clower 4
3.1 Clower über Keynes und Patinkin 4
3.2 Die Duale Entscheidungshypothese 5
3.3 Die Clower- und die Drèze-Nachfrage. 8
4 Die Wirkung von Clower und Drèze im wissenschaftlichen Diskurs 9
Literaturverzeichnis 12
II
1 Einleitung
„Vertreter der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie neigen gelegentlich dazu, die Bemühungen ihrer auf dem Gebiet der Makroökonomik arbeitenden Kollegen mit einer gewissen Geringschätzung zu betrachten: deren Analyse fehle eine konsistente mikroökonomische Fundierung, sie operiere mit wenig plausiblen ad hoc-Hypothesen, es mangele ihr an Allgemeinheit […]. Die gelegentliche Überheblichkeit einiger Abkömmlinge von Walras macht auf eingefleischte Makroökonomen wenig Eindruck. Die Abkömmlinge von Keynes pflegen nicht selten wie folgt zu reagieren: Zugegeben, die Allgemeine Gleichgewichtstheorie ist rigoros formuliert, allein sie ist irrelevant. Sie kann nicht nachweisen, daß es zu einem Walrasianischen Gleichgewicht kommt und sie trägt nichts zur Klärung unfreiwilliger Arbeitslosigkeit bei. Die präferenz- und produktionstheoretischen Prämissen der Theorie sind höchst fragwürdig (Hagemann/Kurz/Schäfer 1981, S. 13).“
Einer der hier beschriebenen „Abkömmlinge von Keynes“ ist der 1926 in Pullmann (Washington) geborene Robert W. Clower. Dabei darf der Begriff Abkömmling nicht missverstanden werden. Clower befasste sich sehr kritisch mit den Erkenntnissen und Auslegungen der Keynesianischen Theorie. Mit seinem berühmten Artikel „The Keynesian Counterrevolution“ von 1965 kritisierte er die bis dahin herrschende und aus seiner Sicht inkonsistente Verbindung von neoklassischem und keynesianischem Gedankengut. Mit diesem „Anschlag“ wurde er der Wegbereiter für die „Neokeynesianische Theorie“ (vgl. Berlemann 2005, S. 318f). Zahlreiche Ökonomen wie Leijonhufvud, Barro, Grossman, Benassy und Drèze entwickelten aus der Clowerschen Keynes-Interpretation weiterführende Neokeynesianische Modelle (vgl. Hagemann/Kurz/Schäfer 1981, S. 225).
In dieser Seminararbeit werden der Ansatz von Clower und die von ihm entwickelte „Duale Entscheidungshypothese“ näher beleuchtet. Zunächst soll jedoch die Bedeutung der Ungleichgewichts-Theorie skizziert werden, die auch als Synonym für die Neokeynesianische Theorie gilt. Dabei werden Unterschiede von Gleichgewichtsbegriffen verdeutlicht und die Grundannahmen der walrasianischen Gleichgewichts-Theorie vorgestellt. Da sich Clower in seinen Artikeln kritisch mit der Interpretation von Keynes und dem Ansatz von Patinkin beschäftigt und dies gleichzeitig ein wichtiger Schritt im wissenschaftlichen Diskurs darstellte, wird im Kapitel „Clower über
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Keynes und Patinkin“ kurz darauf eingegangen. Mit diesem Hintergrundwissen wird im Weiteren die Duale Entscheidungshypothese von Clower vorgestellt und die „Lösungsansätze im Ungleichgewicht“ skizziert, die er und sein neokeynesianischer Mitstreiter Jacques Drèze mit der so genannten Clower- bzw. Drèze-Nachfrage entwickelten. Abschließend wird die Wirkung von Clower und Drèze im wissenschaftlichen Diskurs beispielhaft skizziert.
2 Die Bedeutung der Ungleichgewichts-Theorie
2.1 Gleichgewichtsbegriffe
Da in dieser Seminararbeit der Begriff „Gleichgewicht“ eine zentrale Rolle einnimmt, scheint es angebracht zunächst die unterschiedlichen Bedeutungen des Gleichgewichtsbegriffs zu klären. In der ökonomischen Theorie existieren drei grundlegende unterschiedliche Ausprägungen. Eine recht weiche und unscharfe Verwendung, beschreibt im Kern stabile Beziehungen unterschiedlicher wirtschaftlicher Akteure. Dort geht es nicht um einen unveränderlichen Ruhepunkt, sondern vielmehr um einen Zustand, in dem in Interdependenz zueinander stehende Elemente eine konsistente Beziehung zueinander haben, ohne Spannungen und Umschichtungstendenzen. Als Beispiel ist hierbei ein sich im Gleichgewicht befindender Saat zu nennen, in dem die Handlungen von Exekutive, Parlament, Judikative und Bevölkerung mehr oder weniger reibungslos zusammenwirken und keine unmittelbaren Umwälzungen erwarten lassen (vgl. Rothschild 1981, S. 3).
Ein zweiter Gleichgewichtsbegriff bezieht sich auf die Beharrungstendenz einer Situation. Dieser Begriff ist etwas schärfer als der erste und skizziert nicht nur eine stabile Konstellation von Elementen, die ja im Regelfall in Volkswirtschaften gegeben ist, sondern Verfestigungstendenzen innerhalb dieser Konstellationen. Das „Keynesianische Unterbeschäftigungs-Gleichgewicht“ kann hierfür als Beispiel genannt werden (ebd. S. 4).
Maßgeblich für die nationalökonomische Theorie wird ein dritter Gleichgewichtsbegriff verwendet, dessen Charakter der Mechanik entnommen ist. Gleichgewicht herrscht dann, wenn bestimmte Kräfte gerade die Balance halten. Leichte Störungen dieser Situation führen entweder dazu, dass durch Gegensteuerung das System zum
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Arbeit zitieren:
Raoul Weise, 2007, Ungleichgewichts-Makroökonomik: Die Ansätze von Clower und Drèze, München, GRIN Verlag GmbH
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