I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. I
Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis. V
Symbolverzeichnis VI
1 Einleitung und Motivation 1
2 Begriffliche Grundlagen 4
2.1 Nonprofitorganisationen. 4
2.1.1 Definition und Abgrenzung. 4
2.1.2 Wirtschaftliche Bedeutung. 7
2.2 Outsourcing. 11
2.2.1 Definition und Formen 11
2.2.2 Motive und Risiken des „Outsourcing“ bei Nonprofitorganisationen 13
2.2.3 „Outsourcing-Felder“ der Nonprofitorganisationen. 18
2.3 Geschäftsmodell. 20
2.3.1 Begriffsbestimmung und Definition. 20
2.3.2 Inhaltliche Schwerpunkte 22
2.3.3 „Outsourcing“ im Geschäftsmodell 24
3 Das Beispielunternehmen Rostocker Stadtmission Wirtschaftsdienste
GmbH 25
3.1 Das Unternehmen - Geschichte und vertragliche Grundlagen 25
3.2 Weitere betriebswirtschaftliche Eckdaten 29
3.3 Betriebswirtschaftliche Herausforderungen. 32
4 Problemlösungsansätze, Instrumente und Methoden zur Fundierung
der Elemente des zu erstellenden Geschäftsmodells. 35
4.1 Herausforderungen während des Umsetzungsprozesses des „Outsourcing“ 35
4.1.1 Betriebsübergang nach § 613a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) 35
4.1.2 Stammkapitalaufbringung für eine steuerpflichtige Kapitalgesellschaft 42
4.1.3 Umsatzsteuerliche Organschaft 46
II
4.2 Aktuell zu lösende Herausforderungen. 51
4.2.1 Kostenstellenstruktur und verursachungsgerechte Verteilung von Kosten. 51
4.2.2 Entwicklung einer konfliktfreien Managementgebühr 58
4.2.3 Kalkulation von Essenspreisen. 63
4.2.4 Neue Ansätze der Budgetierung und Festlegung von Kennzahlen 68
5 Geschäftsmodell der Rostocker Stadtmission Wirtschaftsdienste
GmbH 71
5.1 Externes Rahmenmodell. 71
5.2 Produkt- und Dienstleistungsmodell 72
5.3 Akteursmodell. 72
5.4 Kapital- und Kontrollmodell. 73
5.5 Strategiemodell 73
6 Kritische Würdigung 74
7 Fazit und Ausblick 77
Literaturverzeichnis. VII
Anhangverzeichnis XII
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Gang der Untersuchung.
Abbildung 2: Beschäftigungsanteile der Tätigkeitsbereiche im „Nonprofitsektor“ 1995.
Abbildung 3: Finanzierungsstruktur des „Nonprofitsektors“ in Deutschland 1995.
Abbildung 4: Formen des „Outsourcing“
Abbildung 5: Motive des „Outsourcing“ bei Nonprofitorganisationen
Abbildung 6: Risiken des „Outsourcing“
Abbildung 7: Kern- und Sekundärprozesse der Wertschöpfung einer Pflegeeinrichtung
Abbildung 8: Teilmodelle innerhalb eines Geschäftsmodells.
Abbildung 9: Modellveränderungen durch Outsourcing von Verpflegungsleistungen
Abbildung 10: Vertragliche Grundlagen und Abhängigkeiten des Beispielunternehmens.
Abbildung 11: Wichtige Leitungsstellen bzw. Organe von Verein und GmbH.
Abbildung 12: Einflüsse zu lösender Herausforderungen im Umsetzungsprozess des
„Outsourcing“ auf die Teil-Geschäftsmodelle
Abbildung 13: Übergang der Arbeitsverhältnisse gemäß § 613a BGB
Abbildung 14: Kostenstellen und deren Verteilung der GmbH
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Tarifrechtliche Regelungen des Betriebsübergangs nach § 613a BGB 38
Tabelle 2: Bestimmung der freien Rücklage der Vermögensverwaltung 45
Tabelle 3: Freie Rücklage nach den sonstigen zeitnah zu verwendenden Mitteln. 45
Tabelle 4: Einfluss der umsatzsteuerlichen Organschaft auf die Steuerbelastung. 49
Tabelle 5: Mögliche Kostenstellenstruktur der Reinigungsleistung der GmbH 52
Tabelle 6: Mögliche Kostenstellenstruktur der Verpflegungsleistung der GmbH. 54
Tabelle 7: Beispiel für das Umlageverfahren der GmbH. 57
Tabelle 8: Kostenermittlung der Beköstigungstage in der Verpflegung. 58
Tabelle 9: Höhe der Managementvergütung in Abhängigkeit der Kosten der GmbH. 59
Tabelle 10: Managementvergütung in Abhängigkeit der Dienstleistung. 60
Tabelle 10: Berücksichtigung der Wertigkeit von BKT durch Umrechnung 61
Tabelle 11: Reduktion der Managementgebühr in eine leistungsbezogene Vergütung 62
Tabelle 12: Beteiligung des externen Managements an einer Kostenersparnis 63
Tabelle 13: Planung der Beköstigungstage von Küche 1. 64
Tabelle 14: Personalkostenplanung der Küche 1 65
Tabelle 15: Sachkostenplanung der Küche 1 66
Tabelle 16: Gesamtkostenkalkulation der Küche 1. 66
Tabelle 17: Kosten eines BKT der von Küche 1 belieferten Einrichtungen 67
Abkürzungsverzeichnis
AO Abgabenordnung BAG Bundesarbeitsgericht BGB Bürgerliches Gesetzbuch BKT Beköstigungstag (e) BW Betreutes Wohnen bzw. beziehungsweise CIRIEC Centre International de Recherches et d'Information sur l'Economie
Publique, Sociale et Coopérative d. h. das heißt EDV elektronische Datenverarbeitung EG Europäische Gemeinschaft EM Electronic Markets EuGH Europäischer Gerichtshof e. V. eingetragener Verein f. folgende Seite ff. folgende Seiten f & w führen und wirtschaften im Krankenhaus GeNeME Gemeinschaften in Neuen Medien ggf. gegebenenfalls GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung HMD Handbuch der maschinellen Datenverarbeitung Hrsg. Herausgeber IT Informationstechnik KfZ Kraftfahrzeug Kita Kindertagesstätte KST Kostenstelle LK Lütten Klein (Stadtteil von Rostock) Mill. Millionen MMH Maria-Martha-Haus NPO Nonprofitorganisationen Nr. Nummer o. ä. oder ähnliches o. g. oben genannten
S. Seite u. a. unter anderem UStG Umsatzsteuergesetz usw. und so weiter u. U. unter Umständen vgl. vergleiche WiSt Wirtschaftswissenschaftliches Studium wö. wöchentlich z. B. zum Beispiel ZDF Zweites Deutsches Fernsehen
Symbolverzeichnis
% Prozent € Euro T€ Tausend Euro
§ Paragraph Ø Durchschnitt h Stunden
1 Einleitung und Motivation
Im Bereich der Nonprofitorganisationen entstanden die großen Verbände im Umfeld von Industrialisierung und Erstem Weltkrieg bzw. Nachkriegsrezession. 1 Im Vordergrund stand die unmittelbare Hilfeleistung auf der Grundlage christlicher, humanistischer oder politischer Überzeugungen. 2 Seit den frühen 1960er Jahren existiert ein ökonomisch relevanter „Dritter Sektor“ zwischen Staat und Wirtschaft. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Subsidiaritätsprinzip, die Verpflichtung der Gemeinschaft zur Hilfeleistung gegenüber ihren Mitgliedern, im Bundessozialhilfegesetz, im Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie im Sozialgesetzbuch verankert. 3 Dabei soll der Vorrang der Gewährung der Hilfeleistung der jeweils bürgernächsten Einheit zukommen. Durch diese Gesetzgebung wurde der Staat verpflichtet, mit den Nonprofitorganisationen zu kooperieren sowie ihnen finanzielle Unterstützung zu gewähren. 4 Es entstand ein geschützter Markt, in dem vor allem Nonprofitorganisationen, die den sechs Spitzenverbänden 5 angeschlossen waren, einen privilegierten Status hatten und kommerzielle Anbieter keinen Marktzutritt erhielten. 6 Es erfolgte eine Ökonomisierung vor allem im Gesundheitswesen, bei sozialen Dienstleistungen, im Sport und weiteren Bereichen. Allein im Sozial- und Gesundheitswesen beschäftigen die Nonprofitorganisationen derzeit über eine Million hauptamtliche Mitarbeiter. 7 Diese Ökonomisierung führte zu einer Zunahme wirtschaftlicher Risiken und erfordert eine Differenzierung der betrieblichen Organisation sowie eine Professionalisierung der Leitungsebene von
Nonprofitorganisationen. 8 Unterbleiben derartige Anpassungsprozesse, kommt es zu Insolvenzen oder wirtschaftlichen Schieflagen.
Im aktuellen Tagesgeschehen wird zusätzlicher Kostendruck durch die leeren öffentlichen Kassen und den damit verbundenen Veränderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen
1 Einzelne Einrichtungen haben eine weitaus längere Tradition als die verbandlichen Organisationen, siehe z.
B. zur geschichtlichen Entwicklung kirchlicher Organisationen Falterbaum, J. (2000), S. 29 ff.
2 Vgl. Koch, C./von Holt, T. (2002), S. 315.
3 Vgl. Kraus, M./Stegarescu, D. (2005), S. 32 f.
4 Vgl. Klug, W. (1997), S.10 ff.
5 Deutscher Caritas-Verband, Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche Deutschlands, Deutscher
Paritätischer Wohlfahrtsverband, Arbeiterwohlfahrt, Deutsches Rotes Kreuz und Zentralwohlfahrtsstelle der
Juden in Deutschland.
6 Vgl. Kraus, M./Stegarescu, D. (2005), S. 33.
7 Weitere Einzelheiten zur Beschäftigungsentwicklung bei Nonprofitorganisationen in Zimmer, A/Priller, E.
(2004), S. 15 ff.
8 Vgl. Koch, C./von Holt, T. (2002), S. 315.
ausgelöst. 9 Auch deshalb werden die Unternehmen im Nonprofitbereich gezwungen, über neue Wege zur wirtschaftlichen und zukunftssicheren Betriebsführung nachzudenken.
Besonders im Sozial- und Gesundheitswesen erfolgte über Jahrzehnte eine starke Annährung an den staatlichen Sektor, die sich in Abhängigkeiten von staatlichen Planungs- und Finanzierungsgebaren, aber auch in der Entwicklung komplementärer, behördenähnlicher Strukturen äußerte. 10 Mit den Neuregelungen in der Gesetzgebung, vor allem der Öffnung des Marktes für gewinnorientierte Unternehmen, den demographischen Veränderungen und der daraus folgenden Überlastung der öffentlichen Kassen wird die Notwendigkeit von Effizienzverbesserungen und organisatorischen Veränderungen im Management von Nonprofitorganisationen offenkundig. 11 Als ein wesentliches Instrument wird auch bei Nonprofitorganisationen über die Option zum Outsourcing bestehender Unternehmensteile diskutiert. 12
Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, die bestehenden betriebswirtschaftlichen Herausforderungen eines „outgesourcten“ Beispielunternehmens aus dem Nonprofitbereich aufzuzeigen und einen Beitrag zur Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells zu leisten. Dies schließt Instrumente und Methoden für die Beurteilung konkreter Fragestellungen zur Fundierung des Geschäftsmodells mit ein. Das zu entwickelnde Geschäftsmodell gibt Anregungen für die Optimierung interner Prozesse und Strukturen des Beispielunternehmens, ist aber auch für Externe wie beispielsweise Banken und ihre Kreditvergaben Nutzen stiftend. Des Weiteren wird ein Einblick in bestimmte Problemfelder des „Outsourcing“ und deren Bewältigung bzw. Lösung gegeben. Die Arbeit gibt vor allem Unternehmen im Nonprofitbereich und Unternehmen aus dem öffentlichen Sektor eine Entscheidungshilfe für oder gegen das Outsourcing und soll helfen, Fehler im Umsetzungsprozess zu vermeiden. Durch die Lösung von konkreten betriebswirtschaftlichen Problemen wie der Essenspreiskalkulation, der Kostenstellenstrukturentwicklung oder der verursachungsgerechten Verteilung von Kosten werden jedoch auch Unternehmen aller Branchen und Organisationsformen angesprochen.
Zur Lösung der Zielstellung wird folgende Struktur gewählt. Ausgehend von der Abgrenzung und Definition sowie der Erläuterung der wirtschaftlichen Bedeutung von
9 Vgl. von Holt, T. (1997), S. 4.
10 Vgl. Koch, C./von Holt, T. (2002), S. 315.
11 Vgl. Kraus, M./Stegarescu, D. (2005), S. 35.
12 Vgl. o. V. (http://www.actus-partner.de/dokumente/Fragebogenonline.pdf) (2006), S. 1.
Nonprofitorganisationen in Kapitel 2.1, erfolgt eine Begriffsbestimmung des Outsourcing sowie ein Überblick über die Formen, Motive, Risiken und Felder bei Nonprofitorganisationen in Kapitel 2.2. Voraussetzungen für das weitere Vorgehen werden mit der Auseinandersetzung des Begriffs Geschäftsmodell und den dazu gehörigen inhaltlichen Schwerpunkten in Kapitel 2.3 geschaffen. In Kapitel 3 folgt eine Vorstellung des Beispielunternehmens Rostocker Stadtmission Wirtschaftsdienste GmbH. Hier werden die zu lösenden Problemfelder und betriebswirtschaftlichen Herausforderungen aufgezeigt. Das Hauptanliegen dieser Arbeit, die Entwicklung des Geschäftsmodells des
Beispielunternehmens unter Zuhilfenahme von vorher aufgezeigten Problemlösungsansätzen, Instrumenten und Methoden zur Fundierung dieses Modells, wird in den Kapiteln 4 und 5 aufgearbeitet. Anschließend werden die erarbeiteten Inhalte in Kapitel 6 einer kritischen Würdigung unterzogen. Das Schlusskapitel gibt eine Zusammenfassung und einen Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen und weiterführenden Forschungsbedarf. Eine schematische Darstellung der Vorgehensweise findet sich in Abbildung 1.
Abbildung 1: Gang der Untersuchung
Quelle: selbst erstellte Abbildung
2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Nonprofitorganisationen
2.1.1 Definition und Abgrenzung
Nonprofitorganisationen 13 sind alle diejenigen Organisationen, die innerhalb des „Nonprofitsektors“ auftreten. Als „Nonprofitsektor“ oder auch „Dritter Sektor“ wird im Allgemeinen in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur und in der politischen Diskussion derjenige Teil der Volkswirtschaft bezeichnet, der weder zum öffentlichen noch zum privaten gewinnorientierten Sektor gehört und der als Anbieter von gemeinwirtschaftlichen Gütern und Dienstleistungen am Markt auftritt. 14 Eine akzeptierte einheitliche und genaue Definition des „Nonprofitsektors“ liegt jedoch nicht vor, so dass die Abgrenzung von den anderen Sektoren und die internationale Vergleichbarkeit häufig mit Problemen verbunden sind. 15
Zwei unterschiedliche Konzepte des „Nonprofitsektors“ herrschen in der Literatur vor. Auf der einen Seite gibt es das aus den USA stammende und von der John Hopkins University entwickelte Konzept, indem im Rahmen einer international angelegten umfangreichen Erforschung 16 dieses Sektors eine Definition für Nonprofitorganisationen erarbeitet wurde. 17 Es war der erste groß angelegte Zugriff der Wissenschaften auf diesen Sektor. Demnach sind Nonprofitorganisationen Organisationen, die:
• formal-rechtlich begründet und strukturiert sind, einen institutionellen Aufbau haben und in der Öffentlichkeit auftreten;
• privat und damit institutionell und organisatorisch vom Staat unabhängig sind;
• eigenständig verwaltet werden, also selbst die Kontrolle über ihre Geschäfte ausüben;
• nicht primär gewinnorientiert sind im Sinne, dass sie Gewinne an Mitglieder, Eigner und insbesondere Management nicht ausschütten dürfen; sowie
13 Der Begriff „nonprofit organizations“ stammt aus den USA und bezeichnet alle Organisationen, die nach
dem Artikel 501 (c) des Bundessteuergesetzes (Internal Revenue Code) näher klassifiziert sind.
14 Vgl. Kraus, M./Stegarescu, D. (2005), S. 6.
15 Vgl. Kraus, M./Stegarescu, D. (2005), S. 6.
16 Das “John Hopkins Comparative Nonprofit Sector Project” umfasste in der ersten Projektphase von 1990 -
1995 acht Industrie- sowie fünf Entwicklungsländer und konnte in der zweiten Phase von 1995 - 2000 auf 22
Länder erheblich erweitert werden. Es dient der Zielsetzung, weltweit einen wesentlichen Beitrag zur
Sichtbarmachung des „Dritten Sektors“ vor allem in quantitativer Hinsicht zu leisten, womit die Diskussion
über die Chancen und Potenziale des Sektors auf eine gesicherte empirische Grundlage gestellt werden soll.
Das Projekt und die Definition werden ausführlich in Salamon, L.-M./Anheier, H.-K. (1996), S. 10 ff. und
Zimmer, A./Priller, E. (2004), S. 29 ff. beschrieben.
17 Diese Definition lehnt sich an die Definition im „System of National Accounts“ der United Nations an.
• freiwillig sind, d. h. zu einem gewissen Grad ehrenamtliche Mitarbeiter einsetzen, von freiwilligen Beiträgen und Spenden getragen werden und keine Zwangsverbände darstellen. 18
Diese einschränkende Definition fokussiert auf den Nonprofitcharakter der Organisationen, hierdurch ist jedoch ein auf die Organisation selbst bezogenes Gewinninteresse nicht ausgeschlossen. Die Überschüsse dürfen lediglich nicht an die Gründer, Eigner, Mitglieder oder Vorstände verteilt werden, die die Organisation kontrollieren, sondern müssen in die Arbeit der Organisation wieder einfließen. 19 Andererseits kann ein wesentlicher Teil ihrer Einnahmen aus staatlichen Zuwendungen bestehen, vorausgesetzt die Organisation kann autonom über deren Verwendung entscheiden. Von der o. g. Definition ausgehend wurden für die deutsche Teilstudie des „John Hopkins Comparative Nonprofit Sector Projects“ die folgenden Institutionen, Einrichtungen oder Organisationen ermittelt:
• eingetragene und gemeinnützige Vereine, Geselligkeitsvereine;
• Stiftungen;
• Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege, freie Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen;
• Gemeinnützige GmbHs und ähnliche Gesellschaftsformen;
• Wirtschafts- und Berufsverbände, Gewerkschaften;
• Verbraucher- und Selbsthilfeorganisationen;
• Bürgerinitiativen und Umweltschutzgruppen sowie staatsbürgerliche Vereinigungen. 20
Auf der Ebene der Tätigkeitsbereiche der erfassten Organisationen wurde folgende Einteilung vorgenommen:
• Kultur und Erholung;
• Bildung und Forschung;
• Gesundheitswesen;
• Soziale Dienste;
• Umwelt- und Naturschutz;
• Entwicklung, Wohnungswesen und Beschäftigung;
• Rechtswesen, Bürger- und Verbraucherinteressen, Politik;
• Stiftungs- und Spendenwesen, Ehrenamtlichkeit;
18 Vgl. Salamon, L.-M./Anheier, H.-K. (1992), S. 125 ff.; Salamon, L.-M./Anheier, H.-K. (2001), S. 9;
Zimmer, A./Priller, E. (2004), S. 32.
19 Vgl. Zimmer, A./Priller, E. (2004), S. 33.
20 Vgl. Zimmer, A./Priller, E. (2004), S. 33.
• Internationale Aktivitäten;
• Religion;
• Wirtschafts- und Berufsverbände, Gewerkschaften; sowie
• Sonstige. 21
Auf der anderen Seite existiert das eher historisch begründete europäische Konzept des „Dritten Systems“ oder der „Sozialwirtschaft“, welches in einigen Punkten enger, in vielerlei Hinsicht jedoch auch weiter gefasst ist. 22 Bei dieser Sichtweise erscheint der Sektor als ein drittes Wirtschaftssystem, dessen konstitutive Elemente wirtschaftliche und von der Rechtsform unabhängige Unternehmen sind. Dieses Konzept legt den Schwerpunkt auf den sozialen und gemeinnützigen Zweck der Tätigkeit und weniger auf den Nonprofitcharakter. Folglich steht die Erwirtschaftung kollektiver oder gemeinwirtschaftlicher Gewinne im Mittelpunkt dieser Organisationen, während private, individuelle Gewinninteressen eingeschränkt sind. 23 Zur „Sozialwirtschaft“ gehören somit Organisationen, die:
• Güter und Dienstleistungen für ihre Mitglieder oder die Gemeinschaft bereitstellen und Sozialkapital produzieren;
• formal-rechtlich begründet und strukturiert sind und demokratisch funktionieren;
• eigenständig verwaltet werden;
• sowohl institutionell und organisatorisch als auch finanziell vom Staat unabhängig sind;
• nicht primär gewinnorientiert sind, ihre Gewinne aber an Mitglieder oder Eigner ausschütten dürfen. 24
Nach dieser Definition werden beispielsweise Genossenschaften und Organisationen auf Gegenseitigkeit 25 zu den Nonprofitorganisationen gezählt, obwohl sie im Laufe der historischen Entwicklung ihre sozial-ökonomische Orientierung weitestgehend eingebüßt haben. 26 Sie agieren mittlerweile sowohl im Hinblick auf ihre wirtschaftlichen Strategien und Zielsetzungen als auch in Bezug auf ihre Entscheidungsfindungsstrukturen im Wesentlichen
21 Vgl. Zimmer, A./Priller, E. (2004), S. 34.
22 Der europäische Ansatz ist Ergebnis der von der Europäischen Kommission 1997 auferlegten Pilotaktion
„Drittes System und Beschäftigung“ und umfasste 81 Projekte mit einer Laufzeit zwischen 6 und 24
Monaten.
23 Vgl. CIRIEC (2000), S. 102; Die vom “International Center of Research and Information on the Public and
Cooperative Economy“ durchgeführte Studie war eine der bedeutendsten innerhalb der Pilotaktion “Drittes
System und Beschäftigung” der Europäischen Kommission.
24 Vgl. CIRIEC (2000), S. 11.
25 Z. B. Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit im Bereich der privaten Krankenversicherung.
26 Vgl. CIRIEC (2000), S. 186 ff.
wie kommerzielle Unternehmen. Darüber hinaus werden im Unterschied zum John Hopkins Projekt diejenigen Stiftungen oder Vereine ausgeschlossen, die hauptsächlich durch Staatsmittel finanziert werden und somit als quasi-öffentliche Einrichtungen fungieren wie beispielsweise Krankenhäuser. 27
Neben den Begriffen des „Dritten Sektors“ oder „Nonprofitsektors“, der „Sozialwirtschaft“ und des „Dritten Systems“ stößt man auch auf den des „gemeinnützigen Sektors“, der „Gemeinwesenökonomie“ oder der „sozialen Ökonomie“ und andere. Auf der Ebene der darin verorteten Organisationen bekommt man es außer mit Nonprofitorganisationen, mit „Non-Governmental-Organisationen“, „sozialen Betrieben“, „gemeinnützigen Unternehmen“ oder „Organisationen ohne Erwerbszweck“ zu tun, um nur im deutschen Sprachraum zu bleiben. Dies zeigt die verwirrende Vielfalt und das uneinheitliche Verständnis der Begrifflichkeiten schon innerhalb eines Landes. Demnach sind Definitionen auf internationaler Ebene aufgrund der unterschiedlichen historischen, politischen und kulturellen Voraussetzungen und Gegebenheiten nur schwer erreichbar.
Im Folgenden wird die Definition des zuerst vorgestellten Konzeptes der John Hopkins University aufgrund deren weiter Verbreitung, überwiegenden Akzeptanz und zum Zweck der internationalen Vergleichbarkeit verwendet. Trotz unterschiedlicher Definitionen und Abgrenzungen herrscht Einigkeit über die erhebliche wirtschaftliche Bedeutung dieser Organisationen.
2.1.2 Wirtschaftliche Bedeutung
In Deutschland existiert keine amtliche Statistik des „Nonprofitsektors“. Alle Veröffentlichungen, auf die mangels Alternative Bezug genommen werden muss, bieten veraltetes Material.
Es bleibt das Verdienst des “John Hopkins Comparative Nonprofit Sector Project”, die weltweite Bedeutung des „Nonprofitsektors“ als beachtlichen Wirtschaftsfaktor empirisch belegt zu haben. Noch immer zehren wissenschaftliche und außerwissenschaftliche Debatten von den Ergebnissen des ersten international vergleichenden Projektes, obwohl diese zum größten Teil bereits bis zur Mitte der 90er Jahre ermittelt wurden. Danach waren im Jahre 1995 knapp 5 % aller Beschäftigten, gleichbedeutend mit 2,1 Millionen Arbeitnehmern, im „Nonprofitsektor“ der Bundesrepublik Deutschland tätig. 28 Das entspricht einer 373 %igen
27 Vgl. Kraus, M./Stegarescu, D. (2005), S. 7.
28 Vgl. Priller, E./Zimmer, A. (2001), S. 17; Priller, E. et al. (1999), S. 100 f.
Steigerung gegenüber 1960, während die Beschäftigung innerhalb des Marktsektors seit 1960 stagniert. 29 Der Zuwachs an Arbeitsplätzen wird neben der erhöhten Nachfrage nach Betreuungs- und Pflegeangeboten durch demographischen Wandel auf die Strukturbesonderheiten der Nonprofitorganisationen zurückgeführt. Diese erstellen zu einem hohen Prozentsatz personenbezogene Dienstleistungen, ein Bereich, der nur bedingt rationalisierungsfähig ist. Der Anteil der Ausgaben der Nonprofitorganisationen machte dabei etwa 4 % des deutschen Bruttoinlandsproduktes aus. 30
Als Arbeitgeber erreichte der „Nonprofitsektor“ mit knapp 5 % im Jahr 1995 dasselbe Beschäftigungsvolumen wie der gesamte Transportsektor und ließ andere Branchen wie die Druck-, Textil- oder chemische Industrie weit hinter sich. 31 Allein die sechs großen Wohlfahrtsverbände beschäftigten mit 1,28 Millionen Personen mehr Menschen als die Maschinenbau- und fast doppelt so viele wie die Kfz-Branche. 32 Und schließlich waren die beiden größten Wohlfahrtsverbände, das Diakonische Werk und der Caritasverband, mit jeweils annähernd 450.000 Beschäftigten gleichzeitig die größten Arbeitgeber Deutschlands, noch vor den beiden deutschen Konzernen Siemens und Daimler Benz AG. 33
Die Schwerpunkte der Tätigkeit im deutschen Nonprofitsektor lagen 1995 in den Bereichen „Soziale Dienste“ 34 und „Gesundheitswesen“, 35 wobei anzunehmen ist, dass diese Tätigkeiten auch aktuell dominierend sind. Mit einem Anteil von 39 % bzw. 31 % an den gesamten bezahlten, hauptamtlich Beschäftigten im „Nonprofitsektor“ lagen diese Bereiche deutlich über dem internationalen (18 % bzw. 20 %) und westeuropäischen (27 % bzw. 22 %) Durchschnitt. 36 Dagegen trugen in Deutschland die Zweige „Bildung und Forschung“ und „Kultur und Erholung“ deutlich weniger als im internationalen Durchschnitt zum Beschäftigungsvolumen des „Gesamt-Nonprofitsektors“ bei. Festgestellt wurde zudem ein höherer Frauenanteil an den Beschäftigungsverhältnissen (ca. zwei Drittel) und ein höherer Anteil an Teilzeitbeschäftigung (25 %) des „Nonprofitsektors“ gegenüber der
29 Vgl. Zimmer, A./Priller, E. (2004), S. 55 f.; Priller, E. et al. (1999), S. 100 f.
30 Vgl. Zimmer, A./Priller, E. (2004), S. 54.
31 Vgl. Priller, E. et al. (1999), S. 102.
32 Vgl. Zimmer, A./Nährlich, S. (2003), S. 75 f.
33 Diese hatten zu diesem Zeitpunkt 379.000 bzw. 290.000 Beschäftigte, davon aber jeweils ein großer Teil im
Ausland; vgl. Zimmer, A./Nährlich, S. (2003), S. 75 f.
34 Z. B. Alten- und Jugendwohnheime, Tagesheime, Behindertenhilfe, Kindertagesstätten und
Katastrophenschutz.
35 Z. B. Krankenhäuser, Pflegeheime und sonstige Einrichtungen des Gesundheitswesens.
36 Vgl. Priller, E./Zimmer, A. (2001), S. 25; Priller, E. et al. (1999), S. 106.
Gesamtwirtschaft. Die folgende Abbildung 2 zeigt die prozentuale Aufteilung in Tätigkeitsbereiche der bezahlten Beschäftigten innerhalb des deutschen „Nonprofitsektors“ 1995.
Abbildung 2: Beschäftigungsanteile der Tätigkeitsbereiche im „Nonprofitsektor“ 1995
Quelle: selbst erstellte Abbildung 37
Die Ergebnisse des John Hopkins Projekts zeigen aber auch die große Staatsnähe des „Nonprofitsektors“ in Deutschland auf. Insgesamt finanzierten sich die Organisationen und Unternehmen dieses Sektors zu 64,3 % aus öffentlichen Mitteln 38 (Durchschnitt international: 40 %, westeuropäisch: 56 %), zu 32,3 % aus selbst erwirtschaften Mitteln (Durchschnitt international: 49 %, westeuropäisch: 37 %) und lediglich zu 3,4 % aus Spenden und Sponsoring (Durchschnitt international: 11 %, westeuropäisch: 7 %). 39 Bezogen auf die Tätigkeitsbereiche der Nonprofitorganisationen ergaben sich jedoch deutliche Unterschiede, was die Finanzierungsquellen betraf. So waren die öffentlichen Mittel in den beschäftigungsintensiven Bereichen „Gesundheitswesen“, „soziale Dienste“ und „Bildung und Forschung“ besonders hoch. Spenden spielten dagegen nur bei den „Internationalen Aktivitäten“ eine wesentliche Rolle. Eine Übersicht über die Anteile der
37 Für das Zahlenmaterial vgl. Priller, E./Zimmer, A. (2001), S. 25; Priller, E. et al. (1999), S. 107 f.
38 Hierunter werden auch die Zuweisungen und Leistungsentgelte der Sozialversicherungen gefasst.
39 Vgl. Priller, E./Zimmer, A. (2001), S. 30; Priller, E. et al. (1999), S. 109 ff.
Finanzierungsquellen der einzelnen Tätigkeitsbereiche sowie die Gesamtfinanzierungsstrukur des „Nonprofitsektors“ wird in Abbildung 3 dargestellt.
Abbildung 3: Finanzierungsstruktur des „Nonprofitsektors“ in Deutschland 1995
Quelle: selbst erstellte Abbildung 40
Zuallererst signalisiert das John Hopkins Projekt aber den Bedarf an aktualisierten Daten. Erst eine standardisierte Dauerbeobachtung brächte zuverlässige Ergebnisse über Entwicklungspotentiale und -trends. Erschwert werden solche Datenerhebungs- und Auswertungsprozeduren durch die sozial- und arbeitsmarktpolitischen Umgestaltungen der letzten Jahre, mit deren Tempo die Datenlieferung der Wissenschaft nicht Schritt halten kann. Und schließlich wird die Abgrenzung von Nonprofitorganisationen sowohl zu staatlichen als auch zu herkömmlichen Wirtschaftsunternehmen durch neue Entwicklungen nicht einfacher. Zu diesen Entwicklungen gehören z. B. die zunehmende Privatisierung von öffentlichen Betrieben, der vermehrte Auftritt von gewerblichen Anbietern bei „Sozialen Diensten“, aber
40 Für das Zahlenmaterial vgl. Priller, E. et al. (1999), S. 112; Zimmer, A./Priller, E. (2004), S. 62.
auch die Tendenz von Organisationen des „Nonprofitsektors“, Teilbereiche „outzusourcen“, also auszugliedern oder auszulagern.
2.2 Outsourcing
2.2.1 Definition und Formen
Der Begriff „Outsourcing“ ist eine Wortschöpfung aus den englischen Begriffen „outside“ (außerhalb), „resource“ (Mittel) und „using“ (Nutzung). 41 Ins Deutsche übersetzt bedeutet diese Wortzusammensetzung Übertragung von Aufgabenbereichen oder
Wertschöpfungsaktivitäten an Drittunternehmen, d. h. es erfolgt eine Nutzung von „Außen-Mitteln“. 42 In der Verwendung implizierte der Begriff „Outsourcing“ ursprünglich immer den Bezug einer Leistung, die einmal innerhalb des Unternehmens erstellt wurde. Beim heutigen Gebrauch trifft dies nicht mehr zwangsläufig zu, so dass eine Leistung ebenso von vornherein im Rahmen eines „Outsourcing“ bezogen werden kann. 43 Auch wurde der Begriff zunächst nur auf die IT-Infrastruktur oder IT-intensive Prozesse angewendet, da er in den 80er Jahren im Zusammenhang mit großen EDV-Auslagerungsverträgen von General Motors und Eastman Kodak bekannt wurde. 44 Seit dieser Zeit steht „Outsourcing“ immer wieder in der Diskussion, da ein zentraler Aspekt der Unternehmensgestaltung, ob Eigenerstellung oder Fremdbezug, tangiert wird. Inzwischen wird der Begriff in Dienstleistungs- und Produktionsfirmen aller Branchen verwendet.
Wesentliches Merkmal von „Outsourcing“ ist, dass an ein rechtlich selbstständiges Unternehmen nicht nur allein eine Aufgabe übertragen wird, sondern es die Verantwortung für eine bestimmte Funktion bzw. einen Prozess übernimmt. 45 Die Aufgabenübertragung kann beispielsweise durch eine Ausgliederung oder eine Auslagerung erfolgen. Die Ausgliederung, der Leistungsbezug innerhalb eines finanziell abhängigen Verbundes rechtlich selbstständiger Unternehmen, wird auch als „internes Outsourcing“ oder „Outsourcing im weiteren Sinne“ bezeichnet. 46 Beispiele hierfür sind die Verlagerung der Aktivitäten auf eine Tochtergesellschaft, eine Beteiligungsgesellschaft oder ein Gemeinschaftsunternehmen. Die
41 Vgl. Ebert, C. (2006), S. 1; Steinel, M./Knappe, A./Schade, A. (2000), S. 15.
42 Vgl. Steinel, M./Knappe, A./Schade, A. (2000), S. 15.
43 Vgl. Jouanne-Diedrich, H. v. (2004), S. 127.
44 Vgl. Jouanne-Diedrich, H. v. (2004), S. 125; Franze, F. (1998), S. 3 ff.
45 Vgl. Wolff, P. (2005), S. 6.
46 Unter Zugrundelegung von Teilen der Literatur ließe sich unter „Outsourcing im weiteren Sinne“ selbst das
Führen von Abteilungen als Profitcenter verstehen. Dieser Auffassung wird hier nicht gefolgt, da eine
Verwässerung des Begriffs zu befürchten ist und eine sinnvolle Nutzung kaum noch möglich wäre.
Auslagerung dagegen, die Aufgabenübertragung an völlig fremde „Dritte“, wird auch als „externes Outsourcing“ oder „Outsourcing im engeren Sinne“ bezeichnet. 47 Wichtiges Entscheidungskriterium zwischen „internem und externem Outsourcing“ ist aufgrund des Grades der finanziellen Abhängigkeit die Möglichkeit der direkten Einflussnahme auf die Unternehmensentscheidungen des „outgesourcten Bereiches“. Diese Einflussmöglichkeit ist aufgrund der kapitalbezogenen Verflechtungen nur nach einem „internen Outsourcing“ gegeben.
Neben dieser Form der „Outsourcing-Unterscheidung“ nach finanzieller Abhängigkeit gibt es weitere Möglichkeiten. In der Literatur finden sich fast 40 Komposita mit der Silbe „sourcing“. 48 Vorgestellt werden die Formen, die neben dem „IT-Outsourcing“ vor allem für die „Outsourcing-Felder“ (vgl. Kapitel 2.2.3) von Nonprofitorganisationen anwendbar sind.
Im Hinblick auf die Anzahl der Dienstleister ist zwischen „Single-Sourcing“ und „Multi-Sourcing“ zu differenzieren. Bei einem „Single-Sourcing“ erfolgt die Zusammenarbeit nur mit einem „Outsourcing-Partner“, wohingegen beim „Multi-Sourcing“ die extern vergebenen Leistungen auf mindestens zwei „Outsourcing-Partner“ aufgeteilt werden. 49 Die Dimension des Standorts trägt der Entwicklung Rechnung, dass zunehmend auch Leistungen in andere Länder bzw. andere Kontinente verlagert werden. Während beim „Onshore-Outsourcing“ der Lieferant aus dem Land des Kunden kommt und beim „Nearshore-Outsourcing“ aus einem benachbarten Land, geht es beim „Offshore-Outsourcing“ um eine große geographische Distanz zwischen Kunden und Lieferanten. 50 Der Aspekt des Leistungsumfanges berücksichtigt den Grad des externen Leistungsbezugs. Im Maximalfall erfolgt ein „Totales-Outsourcing“, bei dem nahezu alle Aufgaben eines Bereiches extern vergeben werden. 51 Der andere Extremfall, bei dem fast alle Leistungen intern erbracht werden, wird als „Totales-Insourcing“ bezeichnet. Sofern nur teilweise Leistungen am externen Markt bezogen werden, wird von „Selektivem oder Partiellem Sourcing“ gesprochen. 52 In der Literatur findet sich auch der Begriff „Business Process Outsourcing“, er beschreibt das „Outsourcing“ von kompletten Geschäftsprozessen oder Teilen davon, bezieht sich demzufolge auf ein konkretes
47 Vgl. Jouanne-Diedrich, H. v. (2004), S. 128.
48 Vgl. Jouanne-Diedrich, H. v. (2004), S. 127.
49 Vgl. Söbbing, T. (2002), S. 47 f.
50 Vgl. Ebert, C. (2006), S. 13.
51 Vgl. Zahn, E./Barth, T./Hertweck, A. (1999), S. 3 ff.
52 Vgl. Oecking, C./Westerhoff, T. (2002), S.93; Zahn, E./Barth, T./Hertweck, A. (1999), S. 3 ff.
Arbeit zitieren:
Diplom-Kaufmann Marco Scheffler, 2007, Outsourcing bei NPO - Betriebswirtschaftliche Herausforderungen bei der Entwicklung des Geschäftsmodells, München, GRIN Verlag GmbH
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