TU Darmstadt
Institut für Geschichte
Seminar: Past Perfect
Sommersemester 2007
Hausarbeit:
Heritage und Tourismus -
Die Suche nach Authentizität und ihr Einfluss auf die einheimische
Bevölkerung
Eingereicht von:
Michèle Bernhard
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung... 3
Theoretische Begrifflichkeiten... 4
Heritage vs. History... 4
Tourismus und die sozialwissenschaftliche Forschung... 6
Authentizität vs. Staged Authentizität... 8
Wieso reisen Menschen in fremde Länder? ... 10
Der Einfluss von Heritage und Tourismus auf Land und Leute... 12
Großbritannien ... 12
Wirtschaftliche Faktoren... 13
Heritage und die Hinterbühne... 14
Abschließende Betrachtung... 15
Literaturverzeichnis ... 17
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Einleitung
Die Suche nach Authentizität ist etwas, was viele Touristen antreibt in immer
außergewöhnlichere Länder zu reisen und dies auf möglichst unkonventionelle
Weise. Im Idealfall bekommt der Tourist Einblicke in das ,,tatsächliche" Alltagsleben
der Einheimischen und fällt nicht als Tourist auf.
Wie sich die Einheimischen auf die Touristen einstellen und was daran dann noch
das ,,wahre" Leben ist, ist eines der Themen, womit sich die vorliegende Arbeit
beschäftigt. Das Phänomen des Tourismus wird hier eng mit der Entwicklung der
Heritage-Industry verknüpft. Besonders in England hat sich dieses Phänomen weit
verbreitet. Die Gründe hierfür werden erläutert, denn auch in anderen europäischen
Ländern und in den USA erfreuen sich diese Orte an immer größerer Beliebtheit.
Vergangenheit ist attraktiv und zu einer Sehenswürdigkeit geworden. Touristen
bereisen die unterschiedlichsten Orte und wollen von der Vergangenheit etwas
erfahren und für die Gegenwart mitnehmen. Wollen sie dabei tatsächlich wissen, wie
es war oder geht es dabei um eine neue Art von Entertainment? Welche Rolle
spielen hierbei authentische Erfahrungen und was wird aus den Menschen vor Ort?
Auch dieser Frage widmet sich die vorliegende Arbeit.
Die Arbeit ist wie folgt gegliedert: Zunächst werden die Begriffe, die für die Thematik
von Bedeutung sind näher erläutert. Um über Heritage sprechen zu können, ist es
notwendig zu klären, was sich dahinter verbirgt, da die Übersetzung ins deutsche
,,Erbe" nicht hinreichend erklärend ist. Ähnlich verhält es sich mit der Bedeutung von
Tourismus, die auf die sozialwissenschaftliche Forschung bezogen wird und
letztendlich noch die Erläuterung, was in diesem Zusammenhang mit Authentizität
gemeint ist. Im zweiten Teil werden mögliche Gründe genannt wieso Menschen in
fremde Länder reisen und welchen Einfluss sie dadurch auf Land und Leute üben.
Abschließend wird Heritage und Tourismus aufeinander bezogen und gezeigt, was
sie gemeinsam haben und worin sie sich unterscheiden.
Die meiste Literatur zu der vorliegenden Thematik stützt sich auf MacCannell und
Cohen, die in den frühen 90iger Jahren die ersten waren, die sich mit den Themen
Tourismus und Heritage auseinandergesetzt haben. Es liegt nahe, dass auch bei
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dieser Arbeit die beiden Autoren von großer Bedeutung sind. Da sich MacCannell
dem Theorem der Hinter- und Vorderregion Goffmanns bedient, um das Streben
nach authentischem Erleben zu erklären, habe ich ihn ebenfalls für diese
Fragestellung genutzt. Außerdem ist Urrys Werk ,,The Tourist Gaze" besonders
hilfreich, um die Gründe des Heritage Booms und die Auswirkungen auf die
Menschen Vorort zu verstehen. Die Probleme, die durch den Tourismus in den nicht
westlichen Ländern auftreten, hat Mäder in seinem Werk thematisiert. Leider gibt es
wenig aktuelle Literatur, so gewinnt man den Eindruck, dass nur zu Anfang des
Auftreten dieses neuen Phänomens geforscht und publiziert wurde.
Theoretische Begrifflichkeiten
Heritage vs. History
,,Heritage übertreibt und spart aus, erfindet und vergisst in aller Unschuld, denn sie
gedeiht auf dem Nährboden der Unwissenheit und des Irrtums (Lowenthal 2000: 73).
Um zu verstehen was genau mit Heritage gemeint ist, ist es hilfreich ihr History
vergleichend gegenüber zu stellen. Mit History ist die klassische
Geschichtswissenschaft gemeint, die an Universitäten gelehrt wird. Historiker haben
es sich zur Aufgabe gemacht, die Vergangenheit nach strengen Regeln zu
erforschen, indem sie ihre Erkenntnisse aus Quellen ziehen, die jedem, mehr oder
weniger frei, zugänglich sind. Es geht darum, möglichst genau zu erfassen, wie
etwas war und dies - ganz im Gegensatz zu Heritage - ohne Ausschweifungen und
Ausschmückungen darzustellen. History ist demnach eher nüchtern, aber genau und
Heritage märchenhaft und lückenhaft. Die History stellt sich häufig klassisch in
Museen dar, welche durch ihre Exponate leben. History und Heritage haben beide
gemein, sich mit Vergangenheit zu beschäftigen, aber verfolgen dabei
unterschiedliche Ziele. Die Ziele der History sind eindeutiger zu beschreiben als die
der Heritage. Während History nicht auswählt, welche Vergangenheit erhalten
werden soll, wählt die Heritage bewusst aus. Heutzutage hat History nicht mehr den
Identitätsschaffenden Charakter und die Geschichtsschreiber sind nicht von der
Gunst irgendwelcher Führungspositionen abhängig. Heritage-Stätten d.h. Orte, die
ihrer Vergangenheit willen besucht werden, müssen finanziell gefördert werden und
spielen für die einheimische Bevölkerung nicht selten eine Identitätsschaffende Rolle.
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Die Gründe und Ziele variieren also je nach Standort und Betreiber. Die Bildung der
Besucher der Heritage-Stätte steht dabei nicht unbedingt im Vordergrund.
Die Heritage-Industry erschafft bzw. konserviert Orte, die darauf spezialisiert sind,
Besucher anzuziehen durch ihre Vergangenheit. In diesen Stätten, z.B. einem
Schloss oder einer alten Mühle, müssen Dinge geschehen sein, die interessant
genug sind, um für die heutige Zeit präsentiert und bewahrt zu werden. Hier ist schon
eine Problematik zu erkennen, denn man muss sich die Frage stellen: wer
entscheidet, dass sie interessant sind und zu welchem Zweck? Diese Frage ist nicht
eindeutig zu beantworten, da die Heritage-Industry, ausgehend von England, stets
von den unterschiedlichsten Gruppierungen gefördert wird. Nicht selten sind es die
Menschen vor Ort, die einen Verein gründen für die Erhaltung ihrer Heritage-Stätte
und sich dafür einsetzen, dass sie finanziert und gepflegt wird. Urry nennt drei
Bedingungen, die erfüllt werden müssen, damit ein Ort geeignet ist, zu einer
Heritage-Stätte zu werde (vgl. Urry 2002: 108).
1. Es müssen gut erhaltene Gebäude vorhanden sein aus einer ,,interessanten"
historischen Periode.
2. Diese Gebäude müssen einen Zweck erfüllt haben, der für die Besucher von
Interesse sein kann.
3. Das Gebäude sollte ein gewisse signifikante Bedeutung haben.
Nicht jede historische Periode ist interessant genug, um sie nutzbar machen zu
können für die Heritage-Industry. Besonders geeignet scheint das Mittelalter zu sein,
denn die Faszination für diese Epoche scheint am größten zu sein.
Auf den Burgen
und Schlössern lebt die Heritage insofern, als dort Leute anzutreffen sind, die sich
kleiden und verhalten als seien sie aus der Zeit und damit den Besuchern eine Art
Inszenierung bieten.
,,Heritage nutzt historische Spuren, um Geschichtsmärchen zu erzählen" (Lowentahl
2000: 72). Sobald etwas aus der Vergangenheit erhalten geblieben ist, wird es
konserviert und für die eigenen Zwecke gedeutet und präsentiert. Dabei werden auch
viele feststehende Tatsachen nicht berücksichtigt oder umgedeutet. Ein Schloss in
Lancaster wurde z.B. ursprünglich zu großen Teilen als Gefängnis genutzt, aber
diese Teile sind heute nicht der Öffentlichkeit zugänglich. Die Gefängnisinsel Alcatraz
vor San Francisco hingegen lebt von den Touristen, die sich die alten Zellen ansehen
möchten. An diesen beiden gegensätzlichen Beispielen lässt sich das Prinzip der
Heritage-Industry verdeutlichen. Nicht unbedingt die tatsächliche historische
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