Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Begriff und Definition 3
3. Wandel des Bewusstseins 4
4. Kulturbegriff 5
5. Motivationsansätze zur Alternativbewegung 6
5.1. Kritik an der Schulmedizin 6
5.2. Faszination von Mystik und Fremde 7
5.3. Erkennen der Eigenverantwortlichkeit 8
5.4. Einfluss der Massenmedien 9
6. Krankheitsverständnis 10
7. Gesundheitsverständnis 11
8. Körper- Geist- Zusammenhang 12
9. Rolle des Arztes 13
10. Zur Metaphorik ausgewählter Bilder 14
10.1. Natur 14
10.2. Weltbild 16
10.3. Religion 17
11.Schluss 19
12. Literaturverzeichnis 21
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1. Einleitung
Das Thema meiner Hausarbeit ist die Begrifflichkeit der Alternativmedizin. Diese auch hinsichtlich einer Abgrenzung zu dem Oppositionsbegriff der Schulmedizin zu definieren, soll dabei den Anfang, die Basis, bilden. Anschließend möchte ich den Begriff des Wandels aufgreifen, welcher im Hinblick auf die derzeitige Situation im Bewusstsein vieler Menschen in Bezug auf die Medizin von Bedeutung ist. Daran anknüpfend scheint es mir nötig, den Kulturbegriff zu betrachten, da die Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit in einem kulturellen Kontext zu sehen sind. Darüber hinaus differieren die Ansätze hierzu in der Alternativ- und Schulmedizin deutlich voneinander, was mit dem Vorstellungswandel vieler Menschen heutzutage korreliert und somit in den Fokus meiner Betrachtung rückt. Anschließend an das Verständnis von Gesundheit, welches heutzutage einen mehrdimensionalen Charakter zeigt, sollen die dafür relevanten Ansichten von Körper und Geist verdeutlicht werden. Des Weiteren möchte ich, auf dem Selbstverständnis des medizinischen Systems aufbauend, die Rolle des Arztes betrachten, um unter anderem die Differenzen beider Systeme und die daraus resultierenden Emotionen der Patienten zu verdeutlichen. Im Anschluss will ich auch noch die „Bilder“ von Natur, Welt und Religion näher fokussieren, welche mir im Rahmen des Themas erwähnenswert scheinen, da sie in ganzheitlichem Zusammenhang stehen und den Status quo der Gesellschaft, sowie die Attitüden ihrer Mitglieder aufzeigen.
Ein wichtiger Bestandteil meiner Hausarbeit sind außerdem die Vorstellungen und Motivationen vieler Menschen, im Hinblick auf ein „neues“ Denken, welches letztendlich zu einem Wandel im Bewusstsein und dem Interesse an alternativen Heilmethoden führt. Die Quellen meiner Arbeit habe ich einerseits durch Fachliteratur 2. und 3. Ordnung bezogen, andererseits erhielt ich Informationen 1. Ordnung durch offene, explorative Befragungen sowie strukturierte Interviews mit mir zum Teil bekannten, betroffenen bzw. interessierten Menschen. Daneben erfolgte meine nicht- reaktive Datenerhebung durch Internetrecherche und sequentielles analysieren ausgesuchter Quellenliteratur. Als reaktive Datenquelle waren mir bekannte Heilpraktiker, Ärzte und Heiler hilfreich, sowie meine eigenen Erfahrungen auf dem Gebiet der Alternativmedizin.
Im Rahmen meiner Recherchen zur Hausarbeit ist mir schon zu Beginn die weitreichende und unüberschaubare Menge an Informationsmaterial aufgefallen, wobei im Ausmaß der Steigerung keine Grenzen absehbar sind. Dies betrifft nicht nur allein den Anteil an Literatur,
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sondern auch die Medien, das Internet, Zeitschriften usw. Der Begriff „alternativ“ erfreut sich größter Beliebtheit und allumfassender Präsenz. Der Markt alternativer Heilmethoden „boomt“, die Nachfrage steigt laut repräsentativer Umfragen 1 und bedingt somit das wachsende Angebot. Probleme der Selektion ergeben sich automatisch aufgrund der Vielfalt unzähliger Denkansätze, von Begrifflichkeiten und entstehenden Teilbereichen. Dies gilt nicht nur für mich, sondern auch die Vielzahl der Menschen, die Laie sind auf dem Gebiet und nach stichhaltigen Informationen suchen. Gerade durch das breite Angebot werden Möglichkeiten der Scharlatanerie eröffnet, was den wahren Nutzen der Alternativmedizin in den Schatten stellt. Der zynische Unterton in einiger Literatur lässt eine Kritik an der ungeordneten Pluralität der Ideen auf dem alternativen Markt hervortreten, welche ebenso die Naivität der „unkritischen Nachfrager auf dem immer größer werdenden Markt“ (Jütte 1996, S.62) trifft. In der nicht- wissenschaftlichen Literatur werden oft euphorische, aber auch euphemistische Aussagen getroffen, die dadurch schwer zu erfüllende Hoffnungen freisetzen. Daneben klingt aber auch Kritik und Unmut an, was den Zwiespalt zwischen Alternativ- und Schulmedizin in Form eines kritischen Schreibstils in der verfassten Literatur widerspiegelt, was meist durch einen hoffnungsvollen, verbessernden Blick in die Zukunft zu lösen versucht wird. Eine Zukunft, die eine sinnvolle „medizinische Alternative“ (Jütte 1996, S.12) zum Bestehenden bereitstellt und den als ungünstig empfundenen Momentanzustand auflöst. Die derzeitig zu beobachtende steigende Nachfrage im Bereich der Alternativmedizin, einhergehend mit einer wachsenden Präsenz in den Medien, dem Literaturmarkt, allgemein im kollektiven Bewusstsein, ist Ausgangspunkt meiner Forschungsfrage, die zu klären versucht, was die Hintergründe des Bewusstseinswandels sind, wie die Situation der Gesellschaft, des medizinischen Systems ursächlich in Zusammenhang stehen und wie die Erwartungen, Hoffnungen, Motivationen der Menschen, welche sich auf einen „alternativen Weg“ begeben, zu begründen sind.
2. Begriff und Definition
Zu Beginn will ich betonen, dass die Begriffe Schulmedizin und Alternativmedizin Konstrukte sind und ursprünglich infolge der Auseineinadersetzungen beider Oppositionsparteien entstanden sind. Der Begriff Schulmedizin eruiert aus der homöopathischen Kritik an der allopathischen Humoralpathologie des 19. Jahrhundert, wobei die Alternativmedizin als Begrifflichkeit im Rahmen einer Gegenbewegung zu sehen ist,
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hinter der eine „medizinkritische Massenbewegung“ (Jütte 1996, S.12) steht und die sich damit von der Schulmedizin abgrenzen will.
Für das weite Feld der nicht- schulmedizinischen Behandlungsmethoden wird somit die Bezeichnung Alternativmedizin oder auch Komplementärmedizin benutzt, da sie Komplementärmethoden zur schulmedizinischen Behandlung darstellt. Das Wort „alternativ“ ist heutzutage zu einem Modewort avanciert und dementsprechend vielfältig sind auch die Definitionsansätze, sowie die Richtungen die damit in der Medizin in Verbindung gebracht werden. Da steht die Alternativmedizin, die Komplementärmedizin, die Erfahrungs- oder Naturheilkunde, welche ihrerseits in unzählige Spezialrichtungen wie Homöopathie, Anthroposophie, Akupunktur, Phytotherapie, Neuraltherapie, Reiz- und Regulationstherapie, sowie chinesische, japanische, indische, tibetische Verfahren aufgespalten ist, der anderen, der Schulmedizin, der wissenschaftlichen Medizin, der Allopathie, der Krankenhaus- oder Apparatemedizin scheinbar unversöhnlich gegenüber. Eine allgemein anerkannte Definiton für Alternativmedizin gibt es nicht. Dieses Schlagwort ist ein Sammelbegriff für verschiedenste Heil- und Diagnoseverfahren, die sich im Gegensatz zur Schulmedizin weitgehend nicht- invasiver und natürlicher Heilmittel und auch psychologischer Verfahren bedienen.
Als „alternativ“ werden Heilweisen bezeichnet, die in einer bestimmten medikalen Kultur, die selbst wiederum einem historischen Wandlungsprozess unterworfen ist, zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über einen längeren Zeitraum von der herrschenden medizinischen Richtung mehr oder weniger stark abgelehnt werden, weil sie die Therapieformen der herrschenden medizinischen Richtung teilweise oder völlig in Frage stellen bzw. auf eine unmittelbare und grundlegende Änderung des medizinischen Systems abzielen 2
Die Einschlagung eines alternativen Weges impliziert das Bedürfnis nach Umorientierung, nach Wandlung, was nicht bloß auf persönliche Veränderungsprozesse beschränkt bleibt, sondern weitreichenden, gesellschaftlichen Wandel sowohl voraussetzt, als auch erneut provoziert.
3. Wandel des Bewusstseins Der beobachtbare Wandel des Gesundheitsbewusstseins ist Teil eines
gesamtgesellschaftlichen Wandels unserer Zeit, der mit Veränderungen von grundlegenden gesellschaftlichen und soziokulturellen Werten einhergeht. Ein Wandel findet auf vielen
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Ebenen statt und vollzieht sich im Sinne der Medizin zyklisch und temporär über einen längeren Zeitraum.
Das Interesse an alternativer Medizin ist das Produkt eines Bewusstseinswandels, welcher ein „neues Denken“ impliziert. Ein Denken, das mit dem Selbstverständnis der Schulmedizin, basierend auf dem kartesianischen Weltbild, einer Subjekt- Objekt Trennung, in Konflikt gerät. Dieses Denken umfasst dabei Dimensionen ganzheitlicher Art, welche in einer individuellen oder sogar kollektiven Umorientierung münden. Ein gesellschaftlicher Wandel impliziert einen Wendepunkt, an dem auch unsere Institutionen, Organisationsstrukturen und Rollen zu überdenken sind. Dabei verlaufen Neubestimmungen von Medizin und Gesundheit parallel zu neuen Definitionen einer Vielzahl von anderen Disziplinen. Wandel beinhaltet Veränderung, materiell und immateriell, in der soziokulturellen Umwelt sowie in Normen, Werten und Vorstellungen, welche nicht mehr adäquat sind. Im Zuge der Industrialisierung und Technisierung und den damit verbundenen Konsequenzen ist bei vielen der Wunsch eines allgemeinen Wandels zum Natürlichen entstanden. Die Abwendung von der unpersönlichen Apparatemedizin vieler Patienten hin zu alternativen Therapieformen, die als persönlich, preisgünstig und relativ ungefährlich angesehen werden, kann man auch mit den Polaritäten „männlich“ und „weiblich“ symbolisieren. Die abendländische Medizin war eine Domäne der Männer mit entsprechend „maskulinen“ Therapiemethoden, wogegen sich die Medizin infolge der gesellschaftlichen Veränderungen im Verhältnis zwischen Mann und Frau mehr und mehr weiblichen Einflüssen öffnet mit „femininen“ und „sanften“ Therapieformen. Die Integration beider Ansätze erschließt eine holistische Perspektive des Heilens, welche sich im Sinne des polaren Antagonismus des chinesischen „Yin - Yang - Symbols“ manifestieren lässt.
4. Kulturbegriff
Wenn man sich der Begrifflichkeit eines Wandels im gesundheitlichen System zu nähern versucht, wird die Bedeutung des Kulturbegriffs besonders deutlich. Die Erfahrung von Gesundheit und Erkrankung steht in einem starken kulturellen Zusammenhang, welche different ist und dabei das individuelle Krankheitsempfinden und -verhalten jedes einzelnen beeinflusst. Es scheint daher, dass ein neuer Rahmen für die Gesundheit nur dann wirksam sein kann, wenn er auf Vorstellungen und Ideen beruht, die in unserer eigenen Kultur verwurzelt sind und sich entsprechend der Dynamik unserer gesellschaftlichen und kulturellen
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Arbeit zitieren:
Bettina Nicole Dorscheid, 2003, Körper-Kultur-Krankheit: Zum Begriff der Alternativmedizin, München, GRIN Verlag GmbH
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