Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 2
2 Quellenkritik. 3
3 Theoretische Überlegungen 5
3.1 Vorbemerkungen 5
3.2 Politische Bemühungen und Forderungen. 6
3.2.1 Massnahmen zur Gleichstellung von Frauen. 6
3.2.2 Der Betrieb als realsozialistisches Lebenszentrum 8
3.2.3 Familien- und Frauenpolitik und deren Unregelmässigkeiten. 9
4 Historischer Abriss von Frauenerwerbstätigkeit in der DDR 13
4.1 Frauenerwerbsarbeit in den Anfängen der DDR 13
4.2 Vorboten der Transformation in der Endzeit der DDR. 15
4.3 Frauenerwerbsarbeit und die Auswirkungen der Transformation. 17
5 Zwei Beispiele von Frauenerwerbsarbeit. 18
5.1 Frauen in der Industrie in der Prignitz 18
5.2 Frauen in der Landwirtschaft in Merxleben 20
6 Schlussfolgerungen 23
7 Literaturverzeichnis. 25
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1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen der im Wintersemester 2006/07 angebotenen Veranstaltung des Instituts der Europäischen Ethnologie „Gesellschaftliche Transformation in Europa“ verfasst. Sie widmet sich der Erwerbsarbeit von Frauen in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik 1 und ist ein Versuch, durch die Analyse sozialpolitischer Massnahmen und Deutschlands 2 Bemühungen der Sozialistischen Einheitspartei sowie
wissenschaftlicher Literatur ein Bild darüber entstehen zu lassen, wie sich die Erwerbsarbeitstätigkeit ostdeutscher Frauen neben anderen Lebensbereichen gestaltete. Brisant ist diese Thematik besonders, da von Seiten der SED wiederholt betont wurde, „die besondere Sorge des Staates [gelte] der Frau und Mutter und dem Schutz der Familie“ (Pfau et al. 2004:52). Sozialpolitische Bemühungen sollten nach sozialistischer Auffassung in die Richtung der Emanzipation von Frauen aus ihren bürgerlichen Zwängen weisen. Doch besonders nach der Systemtransformation traten geschlechtsspezifische Ungleichheiten an den Tag, die sich in verschiedensten Lebensbereichen widerspiegelten und dies auch heute noch tun. Besonders tritt hervor, dass die Arbeitslosigkeit bei Frauen Anfang 1990 deutlich höher ausfällt als bei ihren Arbeitskollegen (Haller 1992:21). Es stellt sich daher die Frage, in welche Richtung die angestrebten sozialpolitischen Massnahmen der SED zielten, welche Effekte sie haben sollten und welche tatsächlichen Konsequenzen sich letztlich daraus ergeben haben.
Die Arbeit folgt den Annahmen, dass durch die politisch festgelegten Massnahmen keine „wirkliche“ Emanzipation der Frauen stattfand, da diese nicht aus eigener Initiative der Frauen gefordert wurde; die Arbeitsteilung in der DDR sich nicht von bürgerlichen Rollenmustern gelöst hat; und Frauen zwar in hohem Masse an der Erwerbsarbeit beteiligt waren, diese jedoch durch die Doppelbelastung und die geschlechtsspezifische Segregation in der formellen Arbeit prädestiniert waren, nach der Wende stärker von sozialer Ungleichheit betroffen zu sein. Ich werde dabei so vorgehen, dass im ersten Teil der Arbeit nach einer kurzen theoretischen Vorbemerkung ein grober Umriss gegeben werden soll, der als theoretische Orientierung dient. Da es sich bei der Literatur zu diesem Thema um
1 Im folgenden als DDR abgekürzt
2 Im folgenden als SED abgekürzt
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sehr unterschiedliche und teils auch widersprüchliche beziehungsweise realitätsferne da ideologische Schriften handelt, wird am Ende des ersten Teils eine kurze Quellenkritik folgen.
Im zweiten Kapitel der Arbeit geht es insbesondere darum, aufzuzeigen, welche politischen Massnahmen von Seiten der SED gesetzt wurden und welche Überlegungen diesen zugrunde liegen. In den Fokus rücken dabei insbesondere die Gleichstellung der Frauen nach sozialistischem Prinzip, die Rolle des Betriebes in der Sozialpolitik der DDR und die Frauen- und Familienpolitik, wobei hier besonderer Wert auf die Hervorhebung der Widersprüchlichkeiten gelegt wird. Im folgenden Teil soll ein historischer Überblick über die Bedingungen unter denen Erwerbsarbeit von Frauen geleistet wurde, gegeben werden. Es ist hier besonders von Interesse, auch im Kontext gesamtgesellschaftlicher Prozesse den Wandel der Frauenerwerbsarbeit zu durchleuchten und die Vorboten der Transformation bis hin zu deren Auswirkungen auf die Arbeitstätigkeit von Frauen zu thematisieren. Im letzten Kapitel wird anhand zweier unterschiedlicher, jedoch an sich strukturell durchaus vergleichbarer Beispiele aufgezeigt, wie sich die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung während der Zeit der DDR gestaltete und wie hier bereits angelegt war, was letztlich zu einer verstärkten Herausdrängung von Frauen aus der Erwerbsarbeit nach der Transformation zu Beginn der 1990er Jahre führte. Abschliessend folgt eine Zusammenfassung und Schlussfolgerung, in der unter anderem aufgezeigt wird, dass es sich bei der Politik der SED nicht um unterstützende Bemühungen bezogen auf die Emanzipation der Frauen handelte, sondern um stützende Massnahmen der ohnehin schwachen Wirtschaft.
2 Quellenkritik
Die für diese Arbeit herangezogenen Quellen sind aus zweierlei Hinsicht stets kritisch zu hinterfragen. Wie später ausführlicher beschrieben werden soll, haben sich erstens einige Perzipienten der Transformation Ostdeutschlands damit schwer getan, die beobachteten Prozesse in einem Verhältnis zu betrachten, welches nicht bloss Frauen als so genannte „Quasigruppe“ (Sauer 1996:132) darstellt, sondern auch deren Beteiligung und Mitwirken an den Veränderungen einfängt. So gibt es eine Fülle an Literatur, welche zuletzt besonders die ethnologische Perspektive des handelnden Subjekts gänzlich verloren hat und damit wenig Informationsgehalt für die angestrebte Erörterung bietet. Zweitens zeugen journalistische und wissenschaftliche Arbeiten aus der Zeit des Realexistierenden Sozialismus in
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Ostdeutschland, von einer Abstinenz der Beschreibung alltäglicher Lebensumstände. Diese Tatsache rührt daher, dass „auf dem Gebiet der Presse […], wohlwollend ausgedrückt, der paternalistische Anspruch des Staates geltend gemacht [wurde]: die Erziehung seiner Bürger/innen in seinem Sinne, indem sie mit einer besonderen Art Fürsorglichkeit, wie sie in der Frauenförderpolitik ebenfalls sichtbar wird, in ihrer Persönlichkeitsbildung gefördert, angeleitet und mehr oder weniger sanft in die gewünschte Richtung gedrängt wurden“ (Schmidt 1999:36).
Zu Blatt kamen daher Reportagen des Alltags und Porträts von Personen, die mit zu erreichenden parteilichen Zielvorstellungen ausgeschmückt und ausgestattet waren. „Sie sollte[n] gewährleisten, dass der „Vorsprung“ des Vorbilds bei der Erreichung des Ideals bzw. des Sozialistischen Erziehungsziels die Lesenden zu eigenem Handeln motivierte“ (Schmidt 1999:43). Ähnlich verhält es sich mit der wissenschaftlichen Auseinadersetzung von Problemlagen der Bevölkerung und einzelner Gesellschaftsgruppen. Während diese Quellen fast gänzlich ungeeignet sind, um einen Eindruck der Situation und der Rolle von Frauen in der DDR zu generieren, eignen sie sich besonders für die Analyse der Zielvorstellungen der SED. Denn „Aufgrund des besonderen Stellenwerts der Situation von Frauen für das Selbstverständnis der DDR war auf Seiten der DDR die Forschung zu diesem Thema reichhaltig, wenn auch […] einseitig und im wesentlichen tabuisiert“ (Schmidt 1999:66).
Aus diesem Grunde wurde in dieser Arbeit einzig auf wissenschaftliche Schriften aus der DDR zurückgegriffen, sofern sie der Nachempfindung des theoretischen Bezugsrahmens der SED-Politik dienlich waren.
Anders verhält es sich mit der Literatur, die von Autoren aus der DDR stammt. Denn gerade „weil die Presse ihrer Informationspflicht nur unzureichend nachkam und weil damit eine Plattform zu öffentlicher Kommunikation fehlte, wurden diese wesentlichen Aufgaben der Presse, mindestens zum Teil, an die Literatur der DDR delegiert“ (Schmidt 1999:46). Wenn auch spärlich, so lassen sich doch einzelne Passagen in der Literatur aus der DDR finden, die für die angestrebte Analyse von nicht zu unterschätzendem Wert sind. Diese sind teilweise in die Erörterung mit eingeflossen.
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3 Theoretische Überlegungen
Ausgehend von der Kritik Birgit Sauers 3 , an der sozialwissenschaftlichen Herangehensweise an den sozialen Wandel der ehemaligen DDR, soll an dieser Stelle eine theoretische Orientierung folgen.
3.1 Vorbemerkungen
Das methodische Grundproblem, welches für Birgit Sauer besonderer Aufmerksamkeit bedarf, ist eine Spaltung des Untersuchungsgegenstandes „entlang einer Linie zwischen „institutionellen“ und „mikrosoziologischen bzw.
sozialstrukturellen Ansätzen“. […] Das Problem dieser Spaltung besteht nach Renate Mayntz nun gerade darin, das die Kardinalfrage der Transformation, nämlich das „tendenzielle Auseinanderfallen“ von formaler Organisation von Politik und Gesellschaft sowie von sozialen Lagen, Einstellungen und Verhaltensweisen aus dem Blick gerät“ (Sauer 1996:131).
Einerseits besteht durch das Festlegen auf einen Teilaspekt der Gesellschaft, die Gefahr soziale Tatbestände entkoppelt von bestehenden Strukturen zu betrachten. Konkret bedeutet dies, dass Frauen „als sozial benachteiligte „Quasigruppen“ oder als Problemfälle - beispielsweise im Zusammenhang mit dem rapiden Rückgang der Geburtenraten in den neuen Bundesländern Deutschlands - perzipiert“ (Sauer 1996:132) werden, ohne dabei „eine ergänzende analytische Sicht auf diskriminierende Strukturen des wohlfahrtsstaatlichen Arrangements“ (Sauer 1996:133) zu haben, der es bedürfte. Andererseits werden die Lebensverhältnisse in der ehemaligen DDR oftmals im Hinblick auf „Fragen der Macht, der Repression, der Anpassung oder des Widerstandes“ (Fulbrook 2004:115) untersucht. Wobei Abhängigkeiten zwischen den Lebensverhältnissen auf der Mikroebene und Strukturen der Makroebene hergestellt und gesetzt werden, die nicht als Interaktion begriffen sind. Damit wird die Rolle der Frauen „als Akteurinnen des Übergangs“ (Sauer 1996:132) verkannt und es scheint die Kritik berechtigt, dass einige Ostdeutsche „in den wissenschaftlichen Diktaturanalysen ihre eigenen Biographien nicht wieder finden können“ (Fulbrook 2004:115).
3 Birgit Sauer beschreibt in ihrem Beitrag mit dem Titel: „Transition zur Demokratie? Die Kategorie
“Geschlecht” als Prüfstein für die Zuverlässigkeit von sozialwissenschaftlichen
Transformationstheorien“ ausführlich, wie zwischen den dominanten Forschungsansätzen in der
Frühphase der politikwissenschaftlichen Untersuchungen zu dem sozialen Wandel in der DDR, die
Kategorie „Geschlecht völlig verschwindet“ (Sauer 1996:132f).
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3.2 Politische Bemühungen und Forderungen
In den nachfolgenden Unterkapiteln sollen nun gewisse Teilaspekte der Sozialpolitik und deren Grundlagen, sowie einzelne widersprüchliche Verordnungen von Seiten der Politik, bezogen auf die Rolle der Frauen diskutiert werden. Mit dem Ziel die Hintergründe des politischen Interesses an den Frauen nachvollziehbar zu machen und das sozialpolitische Engagement besser einordnen zu können.
3.2.1 Massnahmen zur Gleichstellung von Frauen
„Wenn man der Auffassung folgt, die DDR als „Arbeitsgesellschaft“ zu bezeichnen, so wird damit ein besonderes Gewicht auf die Arbeitstätigkeit und die sozialpolitische Rolle der Betriebe gelegt“ (Bouvier 2002:98; siehe auch Schier 2001:194). Wie sich zeigt, war der Begriff der Emanzipation der Frauen in der ehemaligen DDR stark davon geprägt, hauptsächlich auf die Berufstätigkeit und die Integration im Arbeitsprozess reduziert, beurteilt zu werden. Besonders die Überlegung Fourniers spielte in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, die Emanzipation der Gesellschaft allein an dem emanzipatorischen Fortschritt der Frauen, der sich in der Zulassung der Frauen zu formeller Arbeit zeigt, dingfest machen zu können. Er schrieb: „Die Veränderung einer geschichtlichen Epoche lässt sich immer aus dem Verhältnis des Fortschritts der Frauen zur Freiheit bestimmen, weil hier im Verhältnis des Weibes zum Mann, des Schwachen zum Starken, der Sieg der menschlichen Natur über die Brutalität am evidentesten erscheint. Der Grad der weiblichen Emanzipation ist das natürliche Mass der allgemeinen Emanzipation“ (Uhlmann / Hartmann 1979:94). Politische Massnahmen zielen in diesem Sinne vorerst auf die Beseitigung juristischer Beschränkungen, welche die Rechte der Frau in ein gleiches Verhältnis zu denjenigen des Mannes setzten sollen. In anderen Worten wird damit auf rechtlicher Ebene die Gleichheit zwischen den Geschlechtern als Ausgangspunkt verstanden, weitere soziale Prozesse der Gleichberechtigung, im Sinne einer Befreiung der Frauen aus ihrer bürgerlichen Rolle, zu begünstigen. Die Neuausrichtung der Rechte, auf der Basis des Gleichheitspostulats ist damit nicht Ausdruck, sondern eine wegbereitende Massnahme erwünschter Gleichberechtigungsbemühungen in der DDR. Lenin hat derartige Prozesse folgendermassen beurteilt: „Je mehr wir den Boden von dem Schutt der alten bürgerlichen Gesetze und Einrichtungen gesäubert haben, umso klarer ist es für uns geworden, dass dies nur die Ebnung des Bodens für den Bau, aber noch nicht der Bau selber ist.“ (Uhlmann / Hartmann 1979:97). Lenin geht dabei, im Anschluss an
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Arbeit zitieren:
Valentin Schnorr, 2007, Gelenkte Emanzipation oder wirtschaftliche Unentbehrlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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