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Inhalt
Einleitung 3
1 Allgemeines 4
2 Zur Gabe-Philosophie Derridas - das Paradox der Unmöglichkeit der Gabe 5
2.1 Dissemination des Gebens und Nehmens 5
2.2 Dimensionen des Gebens 6
2.3 Äquivalenz und Ambivalenz im Gabe-Ereignis 8
2.4 „es gibt“ sprachliche Eigenarten und ihre Paradoxien 9
Fazit 11
Literatur- und Quellenverzeichnis 12
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Einleitung
„En même temps nous pensons l'impossible,
Mit der „Möglichkeit des Unmöglichen“ wird nun, nachdem die Soziologie Jahrzehnte lang die Tausch- und Gabeereignisse in verschiedenen Kulturen beschrieben hat, die semantische Seite der Gabe und des Gebens geöffnet und betrachtet. Jacques Derrida spielt in diesem Kontext eine entscheidende Rolle in der postmodernen Philosophie, fordert und fördert neue Denkprozesse und polemisiert den Gabebegriff in Marcel Mauss' Essai sur le don. Die Kernfrage, die sich Derrida stellt lautet: Gibt es Gabe? Dabei geht er formalistischen und strukturalistischen Ansätzen nach, indem er den Begriff der Gabe einerseits aus ökonomischen Aspekten, andererseits jedoch auch aus linguistischen Erkenntnissen her konstruiert. Die Gefahr der Formalisierung des Gabeereignisses in der Hinsicht, dass es sich jeden Augenblick selbst zerstören und zu einem bloßen Tauschakt werden könnte, zeigt die Polemik des Gabendiskurses, der Derrida entschieden und mit einem Komplex von Fragen nachgeht. Kann man geben, ohne zurückzugeben? Kann man schenken, ohne sich im ökonomischen Kreislauf von Tausch, Verpflichtung und Schuld zu verstricken? Kann man „sich geben“? Zwar begibt sich Derrida bei dem Versuch, diese Fragen zu klären, immer wieder auf einen gedanklichen Spießrutenlauf durch die unlogische Logik der Paradoxien, zeigt aber gerade dadurch, dass man mit einem anderen Denken neue Erkenntnisse gewinnen kann. Er fordert eine klare Abgrenzung der Gabe vom ökonomischen Kreislauf, aber gleichzeitig sieht er die Integration (wenn auch nicht statisch) der Gabe im selben System. Ist es denn überhaupt möglich, in einer Gesellschaft, die so stark von ihren Ökonomien geprägt ist, zu „geben“? Wenn ja, wie kann die Gabe als „reine“ Gabe dann stattfinden ohne sich gleichzeitig wieder im ökonomischen Teufelskreis zu verirren und sich somit selbst zu annullieren? Vielleicht kann eine Diskussion über offensichtliche Paradoxien selbst nur im Paradox enden, jedoch gewinnt man in diesem Gedankenprozess neue Erkenntnisse und Einsichten, die die Mauss'sche Vor-gabe des Gabenverständnisses neu überdenken lässt.
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1 Allgemeines
Die Leitthese, die Bernhard Waldenfels in seinem Aufsatz über »Das Un-ding der Gabe« aufstellt zeigt gleich zu Anfang einen sich selbst widersprechenden Punkt, der in das Paradox der Gabe einführt. Er spricht von einem gleichzeitigen Erscheinen und Nichterscheinen der Gabe. Als Voraussetzung sei hierfür ein „ungeschriebener Vertrag“ 1 zwischen miteinander kommunizierenden Menschen notwendig. Dies zeigt sich schon in den Ausdrücken, die man einem Referenten gegenüber äußert: „ihm Aufmerksamkeit schenken“ oder „Sinn geben“. Das heißt also, dass zwischen diesen Parteien in gewisser Weise unbewusst ein Vertrag konstituiert sein muss, der dem Redner eine Vor-gabe 2 ermöglicht, die durch seine Rezipienten beantwortet wird (eben durch ihre Aufmerksamkeit etc.). Derrida selbst schreibt dem Gabenereignis eine ternäre Struktur zu: „»irgend›einer‹« (A) hat die Intention, B an C zu geben“ 3 . Durch diese formalistische Ausdrucksweise droht jedoch eine stetige Mutation der gegebenen Sache zu einem Tauschobjekt. Durch diesen formalistischen Ansatz entsteht eine Skepsis an derer Möglichkeit überhaupt einer „Gabe“. Etwas soll also existieren, indem es seine Eigenexistenz selbst annulliert. 4 Dieses offensichtliche Paradox wird dadurch erklärbar, dass die Gabe sich als unmöglich erweist, „indem sie als Tausch konzipiert und praktiziert wird“ 5 . An dieser Stelle zeigt sich gleichzeitig der Vorwurf an Mauss, der den Widerspruch des Gabeereignisses zum Tauschakt nicht bedacht habe. Aufgrund dessen analysiert Derrida die (vermeintliche) Gabe, in Abgrenzung zum Tausch, als klarer Kritikpunkt zu Mauss:
„Man könnte soweit gehen zu sagen, daß selbst ein so monumentales Buch wie der Essai sur le don von Marcel Mauss von allem möglichen spricht, nur nicht von der Gabe: der Essai handelt von der Ökonomie, dem Tausch und dem Vertrag (do, ut des), vom Überbieten, dem Opfer, der Gabe und der Gegengabe, kurz von allem, was aus der Sache heraus zur Gabe drängt und zugleich dazu, die Gabe zu annullieren.“ 6
1 Bernhard Waldenfels: »Das Un-ding der Gabe«, in: Ders./Hans-Dieter Gondek (Hg.): Einsätze des Denkens. Zur Philosophie von Jacques Derrida, Frankfurt 1997, Seite 386.
2 Ich werde im Folgenden die von Derrida verwendete Getrenntschreibung von bestimmten Schlüsselbegriffen verwenden, da diese so semantisch noch besser erfasst werden können.
3 Jacques Derrida: Falschgeld. Zeit geben I, München 1993, Seite 21.
4 Waldenfels, Seite 388.
5 Ebd.
6 Derrida: Falschgeld, Seite 37.
Arbeit zitieren:
Mathias Seeling, 2008, Das Un-Ding der Gabe, München, GRIN Verlag GmbH
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