Inhalt:
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I. Einleitung
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II. Die Nachkriegszeit: Zwischen Mangelwirtschaft und
Politisierung der Ost-West-Beziehungen
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III. Der Kampf der DDR um die Anerkennung der politischen
Souver änität
Die fünfziger Jahre - Annäherung in Zeiten der Abschottung 8
III.1
Die sechziger Jahre - laute Worte und stille Taten 12
III.2
Die siebziger Jahre - Zeiten der Anerkennung 18
III.3
21
IV. Schlussbemerkungen
23
V. Literatur- und Quellenverzeichnis
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I. Einleitung
Die Arbeit mit dem Titel „Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR und die Frage der Anerkennung (1945-1973)“ geht der Frage nach, inwieweit und mit welchem Erfolg die Wirtschaftsbeziehungen zu Frankreich von der SBZ 1 /DDR politisch instrumentalisiert wurden, um die diplomatische Anerkennung der DDR in den nichtkommunistischen Staaten voranzutreiben.
Die Arbeit ist chronologisch aufgebaut und beginnt mit der unmittelbaren Nachkriegszeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges. In Kapitel 2 wird zunächst die damalige allgemeine weltpolitische Lage grob skizziert und die noch bestehenden Wirtschaftskontakte zwischen Frankreich und der SBZ/DDR und deren zunehmende Politisierung. Das 3. Kapitel beginnt mit den fünfziger Jahren. In diesem wird dargestellt, dass die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, trotz aller politischen Abschottungsmaßnahmen, in einem kleinen Rahmen überdauern konnten und zunehmend instrumentalisiert wurden. Auch in den sechziger Jahren konnte trotz Mauerbau und weiterer Ost-West-Konflikte dieser Weg der Kontaktaufnahme ausgebaut werden, ohne offizielle diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Mit Frankreichs diplomatischer Anerkennung der DDR im Februar 1973 endet die Arbeit. Mit welchem Erfolg der Einsatz der Außenwirtschaftspolitik zu diesem Ergebnis beigetragen hat, wird noch am Ende der Arbeit konstatiert. Wenn von den deutsch-französischen Beziehungen nach 1945 gesprochen wird, ist fast ausschließlich das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich gemeint. Dass aus französischer Perspektive nur ein vermindertes Interesse an dem zweiten deutschen Staat bestand, scheint offensichtlich: Es bestand keine direkte Grenzverbindung, die Wirtschaftskraft der DDR war zu vernachlässigen und sie lag auf der anderen Seite des Eisernen Vorhanges, mit dem entsprechend anders gearteten politischem und gesellschaftlichem System. Für die DDR hingegen lagen die Vorteile einer geregelten Beziehung zu Frankreich auf der Hand: Frankreich als Teil der offiziellen Siegermächte nach 1945, ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates und als bedeutender Staat in Westeuropa nahm aus der Perspektive der DDR eine Schlüsselrolle unter den kapitalistischen Ländern ein. Die diplomatische Anerkennung durch diesen Staat würde den Herrschaftsanspruch der SED sowohl nach innen, als auch nach außen legitimieren und stabilisieren, weshalb die Anerkennungsfrage zum zentralen Anliegen der DDR-Außenpolitik wurde.
1 Sowjetisch Besetzte Zone (SBZ)
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Auch wenn nach Stefan Heym die DDR „nur eine Fußnote der Geschichte“ ist und diese Arbeit demnach nur ein Teilaspekt einer Fußnote sein kann, so sind die instrumentalisierten Wirtschaftsaktivitäten auch ein Beispiel dafür, wie auf allen gesellschaftlichen Ebenen ein Kampf der Systeme ausgetragen wurde. Dabei kann die Beschäftigung mit den außenpolitischen Beziehungen der DDR zu kapitalistischen Staaten neben der Bundesrepublik auch eine andere Perspektive auf die deutsche Teilung und die deutsch-deutschen Beziehungen liefern.
Bezüglich des Forschungsstandes ist der Aspekt der deutschen Teilung und die Entstehung beider deutscher Staaten bereits eingehender in der Wissenschaft reflektiert wurden, aber die Beziehungen zwischen der DDR und Frankreich noch weitgehend unerforscht. Hervorzuheben sind jedoch in diesem Zusammenhang die durchaus als Grundlagenwerke zu bezeichnenden Arbeiten von Ulrich Pfeil, insbesondere die 2004 erschienene Ausgabe „Die ‚anderen’ deutsch-französischen Beziehungen. Die DDR und Frankreich 1949-1990.“
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II. Die Nachkriegszeit: Zwischen Mangelwirtschaft und Politisierung der Ost-West-Beziehungen
Frankreich gründete seine Stellung als Teil der alliierten Siegermächte unter anderen mit einer eigenen Besatzungszone in Deutschland und Berlin und das Recht auf gleiche Mitsprache bei der Gestaltung der deutschen Nachkriegsverwaltung. General de Gaulles Forderungen in der Frage um den Umgang mit Deutschland waren zu diesem Zeitpunkt radikal: Er verlangte die Wiederherstellung souveräner deutscher Teilstaaten und die Abtrennung des linken Rheinufers sowie des Ruhrgebietes, um den Erbfeind Deutschland endgültig zu beseitigen. Aufgrund der schwachen Stellung, die Frankreich im Rat der Kriegsalliierten einnahm und nachdem de Gaulle auch Josef Stalin nicht von seinen Plänen überzeugen konnte, mussten diese Überlegungen von Seiten Frankreichs jedoch aufgegeben werden. Hinzu kamen Aufstände in den ehemaligen Kolonien Frankreichs - die schwersten in Algerien und Indochina - die große militärische und finanzielle Mittel banden und die politische Glaubwürdigkeit Frankreichs herabsetzte. 2
Wirtschaftliche Beziehungen wurden bereits 1946/47 wieder durch Kontakte zwischen Unternehmen und Verwaltungen aufgenommen. So präsentierten sich französische Geschäftsleute im Mai 1946 auf der Leipziger Messe und unter strenger Geheimhaltung wurde ein Kompensationsgeschäft 3 vereinbart, bei dem Frankreich gegen die Lieferung von mecklenburgischen Saatkartoffeln nordafrikanisches Rohphosphat bereitstellte. 4 Auf diese Weise fand auf beiden Seiten eine Versorgung mit Mangelgütern statt. Unter den Zeichen des beginnenden Kalten Krieges fand ab 1948/49 jedoch eine zunehmende Politisierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der SBZ/DDR und Frankreich statt. Nachdem verschiedene Punkte des Potsdamer Abkommens bezüglich der deutschen Nachkriegsverwaltung von den alliierten Siegermächten je nach politischen Interessen unterschiedlich ausgelegt und der Marshall-Plan von der Sowjetunion abgelehnt wurde, da dieser an politische und wirtschaftliche Bedingungen geknüpft war, erfolgte eine zunehmende wirtschaftliche Umorientierung zu den jeweiligen Lagern.
Zum Ausbau der internationalen Kontakte wurde in der DDR bereits Anfang 1948 mit dem Aufbau einer Auslandsabteilung begonnen, die sich zunächst aber ausschließlich um den
2 Vgl.: WEISENFELD, Ernst: Deutsch-Französische Beziehungen 1945-2000, in: KOLBOOM, Ingo u.a. (Hrsg.), Handbuch Französisch. Sprache - Literatur - Kultur - Gesellschaft, Berlin 2002, S. 586-593, hier S. 586f.
3 Kompensationsgeschäfte sind Tauschgeschäfte, die hauptsächlich im Import-Export-Sektor üblich sind, wenn die Geschäftspartner oder Partnerländer finanzschwach bzw. devisenschwach sind.
4 Vgl.: PFEIL, Ullrich: Die „anderen“ deutsch-französischen Beziehungen. Die DDR und Frankreich 1949-1990, in: Zeithistorische Studien, Bd. 26, Köln/Weimar/Wien 2004, S. 394.
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Ausbau der Kontakte zwischen der SED und kommunistischen Parteien im Ausland kümmerte. 5
Mit der Durchführung der Währungsreform in den Besatzungszonen der Westalliierten und den Westsektoren Berlins im Jahr 1949, die ohne Absprache mit der Sowjetunion durchgeführt wurde, verschärfte sich der Ost-West-Konflikt. Die UdSSR sah darin einen Bruch mit dem Potsdamer Abkommen und reagierte mit der Berlin-Blockade, die West-Berlin von jeglichen Handels- und Wirtschaftstätigkeiten ausschloss. Durch die Berliner Luftbrücke konnte aber die völlige Isolation der Westsektoren Berlins verhindert werden und damit auch das Erzwingen von politischen Zugeständnissen an die Sowjetunion. Auch als Reaktion auf diese Ereignisse wurde im Mai 1949 die drei von den Westalliierten kontrollierten Zonen zur Bundesrepublik Deutschland (BRD) vereint und ein westliches Militärbündnis (NATO) gegründet. Die Sowjetunion reagierte darauf im Oktober 1949 mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), womit die Teilung Deutschlands und Europas endgültig vollzogen wurde.
Trotz dieses verschärften Konfrontationskurses erfolgte in der Regierungserklärung des Ministerpräsidenten der DDR, Otto Grotewohls, das Angebot, mit allen Staaten freundschaftliche und friedliche Beziehungen herzustellen. Wenige Zeit später wurde das dafür zuständige Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten (MfAA) gegründet. Das MfAA konnte zunächst jedoch nur sehr eingeschränkt arbeiten, da eine wirkliche staatliche Souveränität fehlte und noch große Abhängigkeiten zur Sowjetunion bestanden. 6 Frankreich versuchte sich in dieser Situation zunächst neutral zu verhalten. Auch die Vereinigung der drei Besatzungszonen der Westalliierten wurde anfangs abgelehnt. Doch die weitere Verschärfung des West-Ost-Konfliktes und die zunehmende Abhängigkeit Frankreichs von amerikanischen Krediten bewegte die französische Regierung dazu, sich der Politik der restlichen Westalliierten anzuschließen. Der kommunistische Umsturz in Prag und die Berlin-Blockade hatten bei der Entscheidung großen Einfluss: „Für viele Franzosen begann nun ‚die Gefahr aus dem Osten’ nicht mehr am Rhein, sondern an der Elbe.“ 7 Es wurde nun auch von Frankreich die schnelle Eingliederung des neuen westdeutschen Staates in die westliche Staatengemeinschaft angestrebt, die eine „Zusammenfassung der
5 Vgl.: LEMKE, Michael: Prinzipien und Grundlagen der Außenbeziehungen der DDR in der Konstituierungsphase des DDR-Außenministeriums 1949-1951, in ders. (Hrsg.): Sowjetisierung und Eigenständigkeit in der SBZ/DDR (1945-1953), Köln 1999, S. 233-274, hier S. 250.
6 Vgl.: MUSCHIK, Alexander: Die beiden Deutschen Staaten und das neutrale Schweden. Eine Dreiecksbeziehung im Schatten der offenen Deutschlandfrage 1949-1972, in: Nordische Geschichte, Bd. 1, Münster/Hamburg/Berlin/London 2005, S. 97.
7 WEISENFELD, Ernst: Deutsch-Französische Beziehungen, S. 587.
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Arbeit zitieren:
Henning Zühlke, 2008, Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Frankreich und der DDR und die Frage der Anerkennung (1945-1973), München, GRIN Verlag GmbH
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