Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Thematische Einführung 6
2.1 Marketingtheoretische Vorüberlegungen 6
2.2 Wirtschaftshistorische Einordnung und Abgrenzung des Themas 8
2.3 Literatur und Quellenlage 10
3 Auf dem Weg zum professionellen Marketing Entwicklungspfade der Marke
tinggeschichte 12
3.1 Periodisierungsmodelle Sinnvolle ,Werkzeuge' zur Charakterisierung und
Abgrenzung der Marketinggeschichte? 12
3.2 Marketing im Wandel Das Periodisierungsmodell von Richard S. Tedlow 14
3.3 Vom Verkäufermarkt zum Konkurrentenmarkt Das Periodisierungsmodell
von Hermann Sabel 17
3.4 Marketing ,Made in USA' oder doch nur ,neuer Wein in alten Schläuchen' ?
Die Amerikanisierung der deutschen Absatzmärkte und die Durchsetzung der
Marktorientierung 21
3.5 Neue Herausforderungen auf saturierten und segmentierten Märkten Die
Professionalisierung des Marketings 27
4 Swatch. Der Aufstieg einer Plastikuhr zu einem Stück Popkultur ,Made in Swit
zerland' 30
4.1 Die Krise der schweizer Uhrenindustrie in den 1970er und 1980er Jahren 31
4.2 Reorganisation und Neustrukturierung Der Weg aus der Krise 34
4.3 Vom Auÿenseiter zum Marktführer Die professionelle Vermarktung der
Swatch 38
2
Inhaltsverzeichnis
5 Grundig. Video 2000 oder das Ende eines deutschen Wirtschaftsimperiums 43
5.1 ,Motor des Wirtschaftswunders' Der Aufstieg Grundigs 44
Fehlstart einer überlegenden Innovation 47
5.3 ,Krieg der Standards' Das Ende von Video 2000 und die Konsequenzen für
das Familienunternehmen Grundig 52
6 Schlussbetrachtung 58
6.1 Periodisierungsmodelle und ihre Relevanz für die Fallbeispiele 58
6.2 Zusammenfassung der Ergebnisse 61
7 Literaturverzeichnis 64
3
1 Einleitung
Jeden Morgen vor der Arbeit liest Herr N. seine Tageszeitung. Wenn er diese heute aufschlägt, fällt ihm wieder die aktuelle Werbebeilage eines groÿen Lebensmitteldiscounters entgegen. Während er wie gewohnt seine morgendliche Tasse ,Jakobs Krönung' trinkt, wirft er einen beiläugen Blick in die Beilage. Kommende Woche ist die ,Krönung' wieder im Angebot. Er macht sich eine kurze Notiz auf seinen Einkaufszettel und begibt sich auf den Weg zur Arbeit. In der Mittagspause gönnt er sich wieder einen kleinen Kaee vor der Kantine. Diesmal muss es ,Jakobs Krönung mild' sein. Selbst auf dem Pappbecher bendet sich das typische Markenlogo in seiner unverwechselbaren Farbgebung. ,Sanfter Genuss aus schonend gerösteten Kaeebohnen, aber dennoch voller Geschmack!', liest Herr N. den Werbeslogan auf dem Becher und geht wieder zurück an die Arbeit. Abends trinkt er noch eine dritte Tasse vor dem Fernseher. Die Werbeunterbrechung des Abendprogramms zeigt einen Spot für die neue ,Jakobs Krönung free', den Kaeegenuss bei Tag und Nacht. ,Die muss ich auch mal probieren!', sagt sich Herr N. und nimmt noch einen kräftigen Schluck aus seiner Tasse.
Hätte Herr N. auch ohne den alltäglichen Werbeeinuss auf seine Tasse Kaee Marke ,Jakobs' bestanden? Oder anders gefragt: Wie würde ein Alltag ohne professionelles Marketing aussehen?
Lässt man sich nur kurz auf dieses Gedankenspiel ein, wird oensichtlich, dass professionelles Marketing zumindest auf den ersten Blick einen immensen Stellenwert auf unseren modernen Märkten einnimmt. Ohne seine Existenz wären Marktmechanismen und Wirkungsgefüge stark gehemmt. Professionell angewandtes Marketing ist ein fester und selbstverständlicher Bestandteil unseres heutigen Wirtschaftslebens. Oftmals ist es im Alltag so geschickt integriert, dass es kaum erkannt oder gar nicht mehr wahrgenommen wird.
4
1 Einleitung
Ich vertrete die These, dass ohne professionelle Marketingstrategien die Mehrzahl bereits am Markt bestehender Produkte oder noch einzuführender Produktinnovationen auf längere Zeit keine oder kaum Überlebenschancen hätten. Stark segmentierte und umkämpfte Märkte erfordern teils kreative, teils aggressive Methoden, um die Aufmerksamkeit potentieller Konsumenten zu wecken und Kaufanreize zu stimulieren. Aus Sicht der Unternehmen ist professionelles Marketing somit der unersetzliche ,Schmiersto' für die reibungslose Funktionsfähigkeit moderner Absatzmärkte.
Ziel dieser Arbeit ist es, durch die Untermauerung der obigen These den unentbehrlichen Stellenwert professioneller Marketingmethoden auf modernen Absatzmärkten zu verdeutlichen.
Ich werde im zweiten Kapitel mit einer Einführung in das Thema der Arbeit beginnen. Neben marketingtheoretischen Vorüberlegungen wird eine wirtschaftshistorische Einordnung und Abgrenzung des Arbeitsthemas vorgenommen, die durch kurze Ausführungen zur vor-handenen Literatur und Quellenlage abgeschlossen wird. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit Entwicklungspfaden in der Geschichte des Marketings. Inhalt dieses Kapitels ist die kritisch reektierte Präsentation von Modellen und Ansätzen zur Periodisierung der Marketinggeschichte. Diese sollen die Entwicklungen von den Anfängen der Verkaufsförderung bis zur Professionalisierung des modernen Marketings veranschaulichen. Im vierten und fünften Kapitel werden zwei Fallbeispiele (Swatch und Video 2000) aus der Wirtschaftspraxis vorgestellt. Anhand dieser Beispiele soll die Bedeutung des professionellen Marketings auf modernen und tendenziell gesättigten Absatzmärkten am Ende des 20. Jahrhunderts unterstrichen und in einem weiteren Schritt zusätzlich überprüft werden. Im sechsten und letzten Kapitel wird die Arbeitshypothese anhand der Gesamtergebnisse bewertet, nachdem die im dritten Kapitel vorgestellten Periodisierungsmodelle zuvor allgemein und in Teilen auch speziell auf ihre praktische Relevanz überprüft wurden.
5
2 Thematische Einführung
Für den thematischen Einstieg in die Arbeit ist es sinnvoll, anhand einiger theoretischer Vorüberlegungen zunächst einen kurzen Blick auf die allgemeine Notwendigkeit und die Ziele des Marketings auf stark umworbenen Absatzmärkten zu richten.
2.1 Marketingtheoretische Vorüberlegungen
Jeder Mensch hat Bedürfnisse, die aus einem subjektiven Mangelempnden entstehen und befriedigt werden müssen. Das Primärziel in diesem Zusammenhang ist die Mangelbeseitigung. 1 Ein wesentliches Problem dabei ist die Ressourcenknappheit, da das Aufkommen der Bedürfnisse fast immer das Vorkommen vorhandener Ressourcen übersteigt. Es kommt zu ökonomischen Verteilungsproblemen mit einem daraus resultierenden Knappheitsargument, das sich im Wettbewerb um die Ressourcen niederschlägt. 2 Dieser Wettbewerb wird auf Märkten ausgetragen, die durch das Aufeinandertreen von Angebot und Nachfrage deniert sind. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zueinander bestimmt hierbei den Preis des Gutes, der sich auf dem Markt bildet. 3 Ein Grundsatz jeden ökonomischen Handelns beruht deshalb darauf, die Funktionstüchtigkeit der Märkte und somit ganzer Volkswirtschaften durch die Abstimmung von Angebot und Nachfrage untereinander aufrecht zu erhalten und somit den Wettbewerb zur ezienten Allokation der Ressourcen zu garantieren.
Hauptakteure auf den Märkten sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht Unternehmen. Sie verfolgen vorrangig die Produktion von Gütern und Dienstleistungen zur Fremdbedarfsdeck-
1 Schumann,Jochen, Meyer, Ulrich u. Ströbele, Wolfgang, Grundzüge der mikroökonomischen Theorie,
7.Au., Berlin u.a. 1999, S. 4.
2 Ebd. S. 6 u. S. 9.
3 Ebd. S. 22.
6
2 Thematische Einführung
ung und bieten diese zum Absatz am Markt an. 4 Erich Gutenberg deniert den Begri Absatz in einer weiten Fassung nicht nur als einfache Veräuÿerung von Wirtschaftsgütern, sondern auch als Gesamtheit aller Maÿnahmen, die zur optimalen Gestaltung von Verkaufstätigkeit und -verhältnis am Markt notwendig sind. 5 Diese Denition schlieÿt somit absatzförderliche Maÿnahmen mit ein. Aus heutiger Perspektive kann die Absatzförderung als Teil des modernen Marketings verstanden werden, auch wenn sich eine trennscharfe Denition dieses Begris als äuÿerst schwierig erweist. Denitionsversuche richten sich hierbei immer nach ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungslinien im Zeitverlauf und den daraus resultierenden Auassungen von Marketing. Allein für die letzten Jahrzehnte am Ende des 20. Jahrhunderts könnten mehrere Denitionsansätze angeführt werden. Durch das Studium einschlägiger Grundlagenliteratur wird deshalb schnell ersichtlich, dass für den Begri ,Marketing' keine eindeutige und zeitlose Denition erbracht werden kann. 6 Hinsichtlich des in dieser Arbeit betrachteten Zeitrahmens in Verbindung mit den im vierten und fünften Kapitel zu behandelnden Fallstudien soll deshalb als Arbeitsdenition folgende Eingrenzung der American Marketing Association (AMA) von 1985 festgelegt werden:
Marketing is the process of planning and executing the conception, pricing, promotion and distribution of ideas, goods, and services to create exchanges
7
that satisfy individual and organisational objectives.
Diese Denition hebt den Prozesscharakter des modernen Marketings hervor, und als Form der marktorientierten Unternehmensführung schlieÿt es unternehmensinterne sowie unternehmensexterne Prozesse gleichermaÿen ein. Unternehmensinterne Prozesse beziehen sich hierbei auf die Planung, Koordination und Kontrolle betrieblicher Aktivitäten. Dagegen bezieht sich der unternehmensexterne Prozess auf die Austauschbeziehungen zwischen Anbieter und Konsumenten. Speziell aus den Austauschbeziehungen wird noch eine andere wichtige Funktion des Marketings ersichtlich. So stellt es ein universelles Konzept der gezielten Marktbeeinussung eine Sozialtechnik dar. 8
4
Bea, Franz X. (Hg.), Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Bd.1: Grundlagen, 8.Au., Stuttgart 2000, S.
29-31.
5 Gutenberg, Erich, Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Bd.2: Der Absatz, 17.Au., Berlin u.a. 1984, S. 1 f.
6 Meert, Heribert, Marketing. Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung, 9.Au., Wiesbaden
2000, S. 4-11.
7 American Marketing Association (AMA), zitiert nach Meert, S. 9.
8 Ebd.
7
2 Thematische Einführung
Auch nach Hartmut Bergho erfüllt Marketing hauptsächlich diese Funktionen. Marketing ist einerseits Mittel zur Harmonisierung und Synchronisierung von Angebot und Nachfrage am Markt. Andererseits dient es als Sozialtechnik zur gezielten Beeinussung menschlicher, nur schwer vorhersagbarer Verhaltensmuster. 9
2.2 Wirtschaftshistorische Einordnung und Abgrenzung des
Themas
Der Schwerpunkt dieser Arbeit bezieht sich auf den Zeitraum von 1970 bis 1990. Diese Festsetzung orientiert sich in erster Linie an der historischen Entwicklung der Märkte und des Marketings im sozioökonomischen Kontext. So kann von professionellem Marketing und saturierten Märkten etwa erst mit Beginn der 1970er Jahre gesprochen werden, wie im theoretischen Teil dieser Arbeit noch deutlich werden wird. In den oben genannten Zeitraum fallen auch die ausgewählten Fallbeispiele, anhand derer die theoretischen Grundlagen und die Arbeitshypothese bewertet werden sollen. Zur umfassenden Bearbeitung des Themas ist es allerdings auch notwendig, soziale und ökonomische Entwicklungspfade seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu betrachten.
Nach 1945 war die europäische Wirtschaft durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges völlig zerstört, währenddessen die USA als mächtiger Gewinner aus dem Krieg her-vorgegangen waren. Oberste Priorität hatte der Wiederaufbau rechtlicher Gefüge und der öentlichen Ordnung. In allen Ländern Europas wuchs das öentliche Verlangen nach politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Reformen. Eine komplette Neustrukturierung von Wirtschaft, Staat und sozialer Daseinsfürsorge war zwingend notwendig. 10 Die amerikanische Antwort auf die desolate Lage in Europa war der Marshallplan, ein monetäres Wiederaufbauprogramm. 11 Durch die Verhärtung der politischen und militärischen Gegensätze zwischen den USA und der UdSSR wurde allerdings nur Westeuropa in das amerikanische Wiederaufbauprogramm eingebunden. Mit der Währungsreform von 1948 wurde der
9 Bergho, Hartmut, Marketing im 20. Jahrhundert. Absatzinstrument - Managementphilosophie - universelle Sozialtechnik, in: Hartmut Bergho (Hg.), Marketinggeschichte. Die Genese einer modernen Sozialtechnik, Frankfurt am Main 2007, S. 11 f.
10 Cameron, Rondo, Geschichte der Weltwirtschaft, Bd.2: Von der Industrialisierung bis zur Gegenwart, Stuttgart 1992, S. 229-231.
11 Ebd. S. 233 f.
8
2 Thematische Einführung
wirtschaftliche Aufschwung in Westdeutschland eingeleitet, und von 1948 bis 1973 erlebte nicht nur die deutsche Wirtschaft, sondern auch ganz (West-)Europa mit dem ,Wirtschafts-wunder' eine sehr lange Phase des Wachstums. Die technische Modernisierung sowie das Vorkommen an Humankapital gelten hierbei als entscheidende Faktoren für diesen rasanten Aufstieg. 12 13
Der Ölschock von 1973 galt als Ende des ,goldenen Zeitalters' der Nachkriegszeit in Europa. Damals wie heute waren die europäischen Volkswirtschaften stark von Erdöl abhängig. Die Verknappung der Ölexporte des Mittleren Ostens führte zu einem rasanten Preisanstieg für Rohöl auf den Weltmärkten sowie zu groÿer Verunsicherung in Wirtschaft und Gesellschaft. 14 Die ,Ölkrise' war allerdings nur der vorläuge Höhepunkt einer unspezischen Weltuntergangsstimmung. Bereits 1971 hatte das Ende des Bretton-Woods-Systems und der damit verbundene Übergang von festen zu exiblen Wechselkursen für Unsicherheiten auf den weltweiten Kapitalmärkten gesorgt. 15 Auch der 1972 veröentlichte Bericht des Club of Rome über die ,Grenzen des Wachstums' wurde vielerorts als Indiz für eine bevorstehende ,Zeit des Mangels' angesehen. 16 Ferner wurde die Krisenstimmung durch das allgemein sinkende bzw. stagnierende Wirtschaftswachstum in Verbindung mit steigender Arbeitslosigkeit und Ination, steigenden Lohn- und Sozialkosten und zunehmenden Arbeitskämpfen geschürt. Mitte der 1970er Jahre kam es zur ökonomisch kaum nachvollziehbaren ,Stagation', einer Kombination aus hoher Ination bei zeitgleichem Nullwachstum der Wirtschaft. 17
12 Ebd. S. 237 f. u. S. 240-243.
13 Eine andere Erklärung für das ,Wirtschaftswunder' sieht Werner Abelshauser im Rekonstruktionsansatz. Demnach war das Wirtschaftswunder die Folge eines dem Wirtschaftsprozess innewohnenden Mechanismus, der dafür sorgt, dass auch bei zeitlich begrenzten Rückschlägen das Ausgangsniveau einer Wirtschaft mehr oder weniger wieder automatisch erreicht wird. Somit wären Marshallplan, Währungs-reform, technische Modernisierung und das Vorkommen an Humankapital dem Rekonstruktionsprozess sicherlich zuträgliche, aber nicht ausschlaggebende Faktoren gewesen. Dieser Ansatz kann nachgelesen werden in: Abelshauser, Werner, Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945, München 2004, S. 282-288.
14 Crouzet, Francois, A History of the European Economy, 1000-2000, Charlottesville/London 2001, S. 220.
15 Ebd.
16 Borchardt, Knut, Zäsuren in der wirtschaftlichen Entwicklung. Zwei, drei oder vier Perioden?, in: Martin Broszat (Hg.), Zäsuren nach 1945. Essays zur Periodisierung der deutschen Nachkriegsgeschichte, München 1990, S. 26.
17 Vgl. Crouzet, F., A History of the European Economy, S. 221-224.
9
2 Thematische Einführung
Deutlich hervorzuheben ist, dass mit Beginn der Phase zwischen 1970 und 1990 die europäische sowie die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft von unspezischen Zukunfts- und Existenzängsten dominiert wurde, die auch zu einem veränderten Konsumverhalten auf mittlerweile immer stärker gesättigten (Käufer-)Märkten führen sollte.
Aus ökonomischer Perspektive zeigte die stärkere Betonung von Innovation und Marketing auf Märkten und in Unternehmen aber dennoch weitere Wachstumsperspektiven auf. Innovation und Marketing sollten Unternehmen in die Lage versetzen, auf bestehenden und zukünftigen Märkten auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen gewinn- und wachstumsorientiert zu agieren.
Ohne zu weit vorgreifen zu wollen, ist dennoch folgende Erläuterung angebracht: Die Bedeutung von Innovationen zeigt Klaus Brockho in Anlehnung Joseph A. Schumpeter, indem er Forschung und Entwicklung als Grundlage für Wettbewerbsvorteile und Vorsprung vor der Marktkonkurrenz herausstellt. Jedoch weist er darauf hin, dass Entwicklungserfolg keine Garantie, sondern nur eine notwendige Voraussetzung für den Innovationserfolg ist. Im Gegenteil: Reine Technikorientierung führt immer wieder zu unternehmerischen Krisen. 18 Der Innovationserfolg wird maÿgeblich in der Kombination mit Marketingmaÿnahmen erreicht. Brockho spricht hierbei von erfolgreichem Schnittstellenmanagement. 19 Die Notwendigkeit dieses Schnittstellenmanagements ist mitverantwortlich dafür, dass ab Ende der 1960er Jahre die sog. ,Professionalisierung des Marketings' einsetzte, auf die jedoch erst in einem späteren Kapitel genauer eingegangen werden soll.
2.3 Literatur und Quellenlage
Quellenmaterial für diese Arbeit sind ausgewertete Aufsätze aus Sammelbänden sowie Beiträge aus Monographien, Biographien oder wissenschaftlichen Zeitschriften.
18 Brockho, Klaus, Forschung und Entwicklung: Planung und Kontrolle, 3.Au., München 1992, S. 9-11.
19 Brockho, Klaus, Management organisatorischer Schnittstellen unter besonderer Berücksichtigung der Koordination von Marketingbereichen mit Forschung und Entwicklung, in: Berichte aus den Sitzungen der Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften e.V. Hamburg, Göttingen 1994, 12.Jg., Heft 2, S.
22 f.
10
2 Thematische Einführung
Einschlägige und fundierte Literatur zur thematischen Einführung sowie für den marke-tingtheoretischen Unterbau dieser Arbeit ist zahlreich vorhanden. Aktuelle Forschungsergebnisse und -ansätze stehen umfassend zur Verfügung.
Hinsichtlich der Fallstudien zeigt sich folgendes Bild: Die Basisliteratur zum Thema Swatch ist sehr umfangreich. Es kann auf allgemeine Untersuchungen zur Entwicklung des Schweizer Uhrenmarktes sowie auf spezielle Untersuchungen zum Marketingerfolg der Marke zurückgegrien werden. Auch die Beschäftigung mit der Unternehmerpersönlichkeit Nicolas G. Hayek kann aufgrund einer vorhandenen Biographie eingehend erfolgen. Die vorhandene Literatur zum Thema Grundig ist ebenfalls ergiebig. Es stehen umfassende Informationen zu Max Grundig und der geschichtlichen Entwicklung des Unternehmens zur Verfügung. Auch die Innovationserfolge der unmittelbaren Nachkriegszeit können gut belegt werden. In Bezug auf Video 2000 berichten zahlreiche Quellen über die Markteinführung der Videotechnologie und mögliche Gründe ihres Scheiterns. Allerdings existieren keine expliziten Quellen mit Studien zu den Marketingaktivitäten des Unternehmens, obwohl stellenweise Marketingversagen als möglicher Grund für den Misserfolg von Video 2000 genannt wird.
11
3 Auf dem Weg zum professionellen
Marketing Entwicklungspfade der
Marketinggeschichte
Für das Verständnis modernen Marketings ist es wichtig, Entwicklungspfade der Marketinggeschichte bis in die Gegenwart nachvollziehen zu können. Ohne marketinghistorische Kenntnisse ist es nicht möglich, Entwicklungen in der Vergangenheit angemessen zu verstehen und zu interpretieren, Handlungsempfehlungen für die Realität abzuleiten oder Prognosen für die Zukunft erstellen zu können.
Einen guten Einstieg in die marketinghistorische und somit auch -theoretische Materie bieten Periodisierungsmodelle, auf die in den folgenden Abschnitten intensiver eingegangen werden soll.
3.1 Periodisierungsmodelle Sinnvolle ,Werkzeuge' zur
Charakterisierung und Abgrenzung der
Marketinggeschichte?
Ganz gleich in welchem wissenschaftlichen Umfeld man sich bewegt sind theoretische Modelle ein weit verbreitetes Werkzeug zur vereinfachten Abbildung der Realität. Durch die Komplexitätsreduktion der Wirklichkeit erönen sich Möglichkeiten, komplizierte Zusammenhänge auf das Wesentliche zu beschränken und dadurch zu veranschaulichen. Theoretische Modelle begegnen uns auch in der Marketinggeschichte. Einige von ihnen dienen der Periodisierung und schaen Erklärungsansätze, um Entwicklungsabschnitte auf dem Weg zum modernen Marketing zeitlich einzuordnen und besser verstehen zu können.
12
3 Auf dem Weg zum professionellen Marketing Entwicklungspfade der Marketinggeschichte
Jedoch sollte man sich vor der Auseinandersetzung mit marketinghistorischen Periodisierungsmodellen immer die Frage stellen, welchen Beitrag sie wirklich für das Verständnis der Marketinggeschichte leisten können.
Eine pauschale Antwort auf diese Frage kann nicht gegeben werden. Im Gegenteil. Es muss zumindest eine zweiseitige Betrachtung erfolgen. So bieten Periodisierungsmodelle die Möglichkeit, Marketing als einen diusen und nur sehr schwer erfassbaren Komplex in Phasen abzugrenzen. Durch diese Abgrenzung kann ein allgemeiner Entwicklungsrahmen in der Marketinggeschichte skizziert werden. Dieser Entwicklungsrahmen kann dazu dienen, sich ähnlich wie beim Lesen eines Buches mit verschiedenen Entwicklungsverläufen in der
Marketinggeschichte kapitelweise und strukturiert auseinander zu setzen. Diese strukturierte Auseinandersetzung kann wiederum dazu beitragen, der Diusität des Themenkomplexes Marketing entgegen zu wirken und anhand bestimmter Charakteristika Pfadabhängigkeiten in der Marketinggeschichte zu oenbaren. Hierin liegt die groÿe Stärke von Periodisierungsmodellen.
Demgegenüber steht aber die Schwierigkeit, dass jeder Periodisierungsansatz (mehr oder minder stark) generalisiert. Begründet ist dies in der angesprochenen Komplexitätsreduktion des jeweiligen Modells. Im Falle der später betrachteten Periodisierungsmodelle werden beispielsweise die Komplexität der Märkte sowie die spezischen Besonderheiten unterschiedlicher Branchen vernachlässigt. Es entsteht ein logischer Zielkonikt, wenn sehr komplexe Zusammenhänge in Modellen vereinfacht dargestellt oder in feste Strukturen gepresst werden sollen. Denn eine Reduktion der Komplexität führt immer auch zu einer qualitativen Reduktion der Modellaussagen. Ein weiteres Problem liegt darin begründet, dass verschiedenen Periodisierungsmodellen auch verschiedene Ausgangspunkte bzw. Blickwinkel zugrunde liegen. Vergleicht man sie untereinander, sind sie teilweise äuÿerst unterschiedlich und widersprüchlich in ihrem Aufbau und ihren Aussagen. Einerseits wird dadurch die Vergleichbarkeit der Modelle untereinander sehr erschwert oder gar unmöglich. Andererseits kann aufgrund der Vielfalt an in sich schlüssig begründeter und hergeleiteter Modelle nicht auf ein allgemeingültiges Modell zur Erfassung der Marketinggeschichte geschlossen werden. Hierin liegen die groÿen Schwächen von Periodisierungsmodellen.
13
3 Auf dem Weg zum professionellen Marketing Entwicklungspfade der Marketinggeschichte
Man könnte auch sagen: Menschen neigen gerne zu Pauschalisierungen und streben nach festen Strukturen, an denen man sich vergleichbar mit dem Aufenthalt in einem Seilgarten entlang hangeln kann. Das Problem ist nur, dass sich die (Marketing-)Geschichte nicht in feste Strukturen fassen lässt. Periodisierungsmodelle können somit lediglich und nur unter Vorbehalt die Geschichte des Marketings umreiÿen. Trotzdem bieten sie unter Beachtung
ihrer Stärken und Schwächen die Möglichkeit zumindest punktuell und näherungsweise
Richard S. Tedlow
einen Einstieg in die Entwicklungen der Marketinggeschichte zu unternehmen.
3.2 Marketing im Wandel Das Periodisierungsmodell von Das Periodisierungsmodell von Richard S. Tedlow versucht, die historische Entwicklung des (amerikanischen) Marketings in Phasen einzuteilen und allgemeine Entwicklungspfade auf den Absatzmärkten darzustellen. Tedlow stellt sich im Vorfeld seines Drei- bzw. Vierphasenmodells die Frage, warum einige wenige Produktinnovationen im Gegensatz zu vielen anderen am Markt erfolgreich sind, und wodurch eine echte Innovation begründet wird. 20 Seiner Meinung nach führte das Marketing der Massenproduzenten zur Strukturie-
rung der schwer erfassbaren Konsumentennachfrage in den USA seit dem 19.Jahrhundert. 21 Tedlow teilt die Entwicklung des amerikanischen Marketings zunächst in drei Phasen (,Frag-
mentation', ,Unication' und ,Segmentation') ein: Die Phase der ,Fragmentation' ist durch die regionale Begrenzung der amerikanischen Märkte vor 1880 gekennzeichnet. Auf diesen weit über das Land verteilten Märkten waren Trans-portwege nur schlecht erschlossen. Warenverschiebungen über weite Strecken waren somit sehr zeit- und kostenintensiv. 22 Unternehmen produzierten relativ geringe Stückzahlen für
ein entsprechend kleines Einzugsgebiet, kalkulierten aber mit groÿen Gewinnspannen. 23 20 Tedlow, Richard S., The Fourth Phase of Marketing. Marketing History and the Business World Today,
in: ders. u. Georey Jones (Hg.), The Rise and Fall of Mass Marketing, London 1993, S. 8-10. 21 Bergho, Hartmut, Moderne Unternehmensgeschichte. Eine themen- und theorieorientierte Einführung,
Paderborn u.a. 2004, S. 314.
22 Vgl. Tedlow, R., The Forth Phase of Marketing, S. 10 f.
23 Vgl. Bergho, H., Moderne Unternehmensgeschichte, S. 314 f.
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Martin Zickert, 2008, Marketing is Everything? Die Bedeutung professionellen Marketings auf saturierten Märkten am Ende des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Publishing GmbH
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