2
Das Schicksal des Staates
h ängt vom Zustand der Familie ab.
Alexandre Rodolphe Vinet (1767-1847)
Inhalt
Inhalt 2
1. Einleitung 1
2. Der Geburtenrückgang und seine Ursachen 2
2.1 Die Beschäftigungsquoten von Frauen 2
2.2 Verwirklichung von Kinderwünschen 5
2.3 Berufsperspektiven von Müttern gegenüber Vätern 6
3. Familienpolitik im Wandel 10
3.1 Finanzielle Maßnahmen 11
3.1.1 Elternzeit und Elterngeld 11
3.1.2 Absetzbarkeit von Betreuungskosten 13
3.2 Betreuungsmaßnahmen 13
3.3 Arbeitszeitmaßnahmen 16
4. Ökonomische Effekte - Vor- und Nachteile 17
5. Fazit 20
Literaturverzeichnis 22
1
1. Einleitung
Der Begriff „Familienpolitik“ 1 bezeichnet alle verbandlichen und politischen Aktivitäten und die damit verbundenen gesetzgeberischen Maßnahmen, die zum Schutz der Familie dienen. Auch die wirtschaftliche und soziale Förderung von Familien ist in der Bezeichnung beinhaltet, worunter unter anderem beispielsweise Mutterschutz, Elternzeit aber auch Bildungs-, Steuer- oder Kulturpolitik einzuordnen sind. Demnach ist die Familienpolitik als ein Teilgebiet der Sozialpolitik zu verstehen. Nachhaltige Familienpolitik begründet ihren Anspruch auf Gestaltung der Rahmenbedingungen familiären Lebens mit dem Grundsatz, zukünftigen Generationen die gleichen Chancen zur Gestaltung eigener Lebensvorstellungen und Ziele zu ermöglichen, wie das für die jetzt aktive Generation der Fall ist. Ziele einer nachhaltigen Familienpolitik sind einerseits die Sicherung einer ausreichenden Kinderzahl, um der Alterung der Gesellschaft vorzubeugen sowie die Integration der Frauen in das Erwerbsleben, um einem antizipierten Mangel an Fachkräften entgegenwirken zu können. 2 In dem von uns besuchten Seminar „Die ökonomische Rolle der Frau in der Gesellschaft“ bei Frau Anne-Kathrin Last wurden unterschiedliche Aspekte der Stellung von Frauen in der heutigen Zeit bearbeitet. Wir setzten uns kritisch mit messbaren Unterschieden zwischen Männern und Frauen in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten auseinander. Gerade für uns als angehende Lehrerinnen ist eine Sensibilisierung für die Thematik Gleichstellung zwischen Frauen und Männern von Bedeutung, denn auch in der schulischen Arbeit mit Kindern und deren Ausbildung ist eine gleichberechtigte Behandlung und deren Vermittlung unerlässlich und Teil unseres Erziehungs- und Bildungsauftrags.
Der Schwerpunkt der hier vorliegenden schriftlichen Ausarbeitung liegt dabei auf der Betrachtung der einzelnen Zusammenhänge von Familienpolitik auf der Makroebene. Hierzu betrachten wir zunächst die Beschäftigungsraten der vergangenen Jahre der Bundesrepublik Deutschland im Vergleich mit den USA und gehen den unterschiedlichen Gründen des anhaltenden Geburtenrückgangs und der Problematik der Verwirklichung von Kinderwünschen nach. Im Anschluss betrachten wir das familienpolitische System unter Bezugnahme der Fra- 1 Schubert,Klaus; Klein, Martina: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006
2 Rürup.Bert & Gruescu, Sandra, 2003: Nachhaltige Familienpolitik im Interesse einer aktiven Bevölkerungs-
entwicklung. Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Berlin:
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
2
gestellung, ob die niedrigen Geburtenziffern sich durch eine veränderte Familienpolitik beeinflussen lassen.
2. Der Geburtenrückgang und seine Ursachen
In der Stadt wird das Familienleben weitgehend von den Ansprüchen einer Industriegesellschaft bestimmt. Auch wenn sich die Familie durchaus ihren patriarchalischen Charakter bewahrt hat, genießen die weiblichen Haushaltsmitglieder die in der Stadt leben einen höheren Status als jene in ländlichen Gebieten. Die Heirat und die finanzielle Versorgung durch den Ehemann sind für die Frauen nicht mehr die einzige Möglichkeit, ihren sozialen Status zu verbessern. Vielfach bedingt die ökonomische Notwendigkeit, dass die Frau zum Haushaltseinkommen beiträgt um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Eine akademische Ausbildung und die Erwerbstätigkeit gerade in Berufen, die eine hohe Qualifikation erfordern, sichern ihr ihre Unabhängigkeit und verhelfen ihr zu gesellschaftlichem Ansehen.
2.1 Die Beschäftigungsquoten von Frauen
Die gestiegene Erwerbstätigkeit von Frauen ist eine der wichtigsten Quellen unterschiedlicher Wachstumsraten wie beispielsweise das Wirtschaftswachstum, das Produktivitätswachstum oder das Bevölkerungswachstum. In den USA beispielsweise ist die Beschäftigungsrate berufstätiger allein erziehender Mütter seit 1975 stetig gestiegen. Waren es damals noch 36,7 %, hat sich diese Zahl bis 1999 nahezu fast verdoppelt auf 61,8 %. 3 Im Laufe der Zeit veränderte sich die gesellschaftliche Einstellung was die Rolle der Frau betrifft. Sie wurde nicht mehr nur als Hausfrau angesehen, es wurde zur Norm einer Mutter auch außerhalb des Haushalts zu arbeiten, selbst wenn sehr junge Kinder vorhanden waren. Allein erziehende Mütter sind hierbei statistisch gesehen öfter erwerbstätig als verheiratete Mütter, was vermutlich in der Notwendigkeit liegt, sich und den Kindern den gewünschten Lebensstandard bieten zu können und nicht in die Armut abzurutschen. Trotzdem waren im Jahr 2000 64,2 % der verheirateten Paare mit Kindern unter 18 Jahren Doppelverdiener, selbst die Hälfte aller Mütter von ein Monat alten Kleinkindern stiegen wieder in ihren alten Beruf ein. 4 Im Jahr 2005 waren EUweit 61 Prozent der Frauen zwischen 20 und 49 Jahren berufstätig wenn sie Kinder hatten, bei Frauen ohne Kinder hingegen lag die Beschäftigungsrate bei 76 Prozent, heißt es in dem Gleichstellungsbericht der EU-Kommission. 5
3 Hoffmann, Saul D.; Averett, Susan L.: Women and the economy: family work and pay. Pearson Education,
Inc., Publishing as Pearson Addison Wesley
4 Hoffman, Saul; Averett; Susan (2005): Women and the economy, S. 535
5 http://www.focus.de/politik/deutschland/kinderbetreuung_aid_125968.html (Stand: 10.06.2008, 12:07 Uhr)
Auch hier zeigt sich erneut, dass Deutschland im europäischen Vergleich das Schlusslicht ist. Kinder UND Beruf zu vereinbaren scheint demnach in Deutschland immer noch ein Problem darzustellen. Neben Deutschland fällt es insbesondere den südeuropäischen Staaten mit einem traditionellen Rollenverständnis schwer, die Konflikte zwischen Berufstätigkeit und Elternschaft zu lösen. Zusammen mit Spanien, Griechenland und Italien bildet Deutschland das Schlusslicht sowohl bei der Geburtenrate als auch beim Beschäftigtenanteil von Müttern mit Kindern unter fünf Jahren. Während in Portugal, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Österreich sowie Großbritannien über 60 Prozent der Mütter mit kleinen Kindern beschäftigt sind, sind es in Deutschland lediglich 44,3 Prozent und nur 37,1 Prozent der allein erziehenden Mütter. Hinzu kommt, dass im Anschluss an eine familienbedingte Auszeit oft nur eine Teilzeittätigkeit mit geringer Stundenzahl ausgeübt wird, obwohl die Erwerbswünsche deutlich umfangreicher ausfallen. Die traditionell starke Trennung zwischen Familienverantwortung und Berufstätigkeit zeigt sich auch daran, dass Deutschland mit 44,3 Prozent den höchsten Anteil an Alleinverdienerhaushalten hinter Griechenland aufweist. Es zeigt sich, dass es sowohl hierzulande als auch in den USA geschlechtsspezifische und familienspezifische Unterschiede bezüglich der Einkommen gibt. Nachfolgende Grafik stellt die Gesamtbeschäftigungsrate der Frauen im erwerbsfähigen Alter innerhalb der EU dar.
Abb. 2.1 Anteil der erwerbstätigen Frauen im erwerbsfähigen Alter (15-64 Jahre). 6 Die obige Grafik zeigt, dass es auch in Europa deutliche Unterschiede in Bezug auf die Beschäftigungsraten bei Frauen gibt. Deutschland befindet sich hier im Mittelfeld, während die skandinavischen Länder die Spitze anführen. Die dort bereits vor Jahrzehnten durchgeführte Umsetzung einer gleichberechtigten Familienpolitik scheint einer der Gründe für diese Spitzenposition zu sein, lässt sich jedoch nur anhand von Vermutungen nachweisen.
6 Statistisches Bundesamt, 2006: Im Blickpunkt: Frauen in Deutschland 2006, S. 27
Arbeit zitieren:
Bettina Freude-Schlumbohm, Ingalisa Krantz, 2008, Familienpolitik - Die ökonomische Rolle der Frau in der Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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