Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 1
2 KOOPERATION IN SEQUENTIELLEN TAUSCHSITUATIONEN 2
2.1 SPIELTHEORIE ALS GRUNDLAGE DER MODELLIERUNG INDIVIDUELLEN HANDELNS 2
2.1.1 Gemischte vs. reine Strategiespiele illustriert am „Battle of Sexes“ 3
2.1.2 Das Gefangenendilemma: Wie Information und Zeit das Spiel beeinflussen 5
2.2 DIE EVOLUTION VON VERTRAUEN 8
2.2.1 Kommunikation 9
2.2.2 Indirekte Reziprozität und Reputation durch Institutionen 9
2.2.3 Soziale Netzwerke, Gruppenidentität und Normen 10
2.2.4 Rassenunterschiede und sozialer Status 12
3 ZUSAMMENFASSUNG 13
4 FAZIT 15
5 LITERATUR 16
1 Einleitung
Die Rational-Choice-Theorie ist eine Handlungstheorie auf Grundlage des methodologischen Individualismus. Dieser besagt, dass soziale Phänomene nur durch das Handeln von Individuen zu erklären und darauf zurückzuführen sind (Lindenberg 1985). Um aggregierte Phänomene erklären zu können, ist es demnach nötig das Verhalten Einzelner zunächst auf der Mikroebene zu erklären. Dabei ist zu beachten, dass das Handeln auf der Mikroebene ausgehend von der Makroebene durch die „Logik der Situation“ (Coleman 1990) plausibel gemacht werden muss. Anschließend ist es möglich soziale Phänomene auf der Makroebene über Brückenannahmen und die Aggregation individuellen Handelns zu entwerfen (Coleman 1990). Generell in der Rational-Choice-Theorie, also der Handlungstheorie auf der Mikroebene, wobei handelnden Akteuren rationales Verhalten zugeschrieben, welche auf Grundlage ihrer Präferenzen eine Nutzen maximierende, bewusste Entscheidung treffen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Bei der Modellierung von Interaktionen trifft man hierbei unweigerlich auf die Spieltheorie, die zu deren Veranschaulichung und Analyse von Interaktionen dient.
Im Folgenden soll zunächst die Spieltheorie anhand von den prominenten Beispielen des „Gefangenendilemmas“ und des „Kampf der Geschlechter“ genauer erläutert werden. Dabei trifft man unumgehbar auf die Rationalitätsfalle oder auch Tragik von Allmende (Paradoxon des Gefangenendilemmas). Diese Konzepte besagen, dass in nicht-kooperativen Spielen (siehe:
2.1.2) individuell rationale Entscheidungen zu kollektiv suboptimalen Ergebnissen führen
(Binmore 1992). Die simple Lösung dieses Problems lautet Kooperation der Akteure, welche durch gegenseitiges Vertrauen erreicht werden kann. Eigentlich ein recht einfaches Konzept, könnte man denken, aber „It turns out [...] [people] don’t like to trust [...], because trust is a form of risk that makes one vulnerable to betrayal” (Lambert 2006). Deswegen soll im zweiten Teil der vorliegenden Arbeit dargestellt werden, auf welche Art und Weise und unter welchen Umständen Vertrauen und somit Kooperation in Tauschsituationen zustande kommen kann.
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2 Kooperation in sequentiellen Tauschsituationen
Der methodologische Individualismus schreibt vor, soziale Phänomene von der Mikroebene aus, also auf Grundlage individuellen Verhaltens zu erklären. Vertrauen bildet sich interpersonell aus. Wie kommt es also bei rationaler Entscheidung auf Grundlage von individuellen Präferenzen dazu, dass sich Menschen vertrauen?
Hierbei stellt die Spieltheorie die Grundlage der Erklärung in der Handlungstheorie dar. Nach Colemans (1990) typischen Erklärungsansatz in der Soziologie ist aber auch klar, dass sich diese interpersonellen Handlungen aggregieren und zumeist ohne den Willen und/ oder das Wissen der Einzelnen durch soziale Mechanismen diffundieren und sich als soziale Phänomene niederschlagen. Zunächst also soll die individuelle Entscheidungslogik der Rational-Choice-Theorie anhand der Spieltheorie veranschaulicht werden, um auf deren Grundlage die Ausbildung von Kooperation durch Vertrauen und die daran geknüpften Bedingungen zu veranschaulichen.
2.1 Spieltheorie als Grundlage der Modellierung individuellen Handelns
Die Spieltheorie ist ein Analyseinstrument rationalen Verhaltens, das durch das Formalisieren von strategischen Entscheidungssituationen Lösungskonzepte zum Auffinden optimaler Strategien modelliert. Das wichtigste Kriterium hierbei ist das Auffinden einer dominanten Handlungsoption. Unter der üblichen spieltheoretischen Annahme der egoistischen Spieler, ist diejenige Alternative, die bezüglich jeder anderen Handlungsoption die höchsten Auszahlungen (Pay-Offs) bietet dominant und somit die optimale Lösung. Das wohl prominenteste Lösungskonzept (für nicht-kooperative Spiele) stellt das von John Forbes Nash stammende sog. Nash-Gleichgewicht dar. Dies ist die stabile Menge jener wechselseitig besten Spielkombinationen, von welchen aus kein einzelner Spieler durch Abweichen von seiner Strategie einen Vorteil erzielen kann. Für kooperative Spiele, in denen die Spieler bindende Verträge schließen können, kommen anderen Lösungsmöglichkeiten, wie die Nash-Verhandlungslösung oder die Imputationsmenge in Betracht, diese werden hier jedoch nicht weiter ausgeführt.
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Die Analyse von Interaktionen erfolgt formal anhand von mathematischen Modellen, die festlegen, welche Spieler es gibt, welchen Ablauf das Spiel hat und welche Handlungsoptionen jedem Spieler zur Auswahl stehen. Spiele können hierbei entweder in strategischer (Nor-mal-)Form, oder in extensiver Form dargestellt werden. Letztere wird vor allem bei sequentiellen Spielen eingesetzt, wobei Handlungsalternativen einzelner Spieler durch Knoten und gerichtet Graphen veranschaulicht werden. Ein solcher Spielbaum wird unter Punkt 2.1.2.1 anhand eines Beispiels illustriert. Die Beschreibung der meisten einstufigen Spiele erfolgt durch eine sogenannte Auszahlungsmatrix, welche jedem Spieler bei jedem Spielausgang einen „Pay-Off“, also Gewinn, zuordnet (siehe Beispiele zu 2.1.1 und 2.1.2). Unterschieden werden in der Spieltheorie gemischte und reine Strategien, kooperative und nicht-kooperative Spiele, sowie wiederholte und einmalige Spiele (Binmore 1992).
2.1.1 Gemischte vs. reine Strategiespiele illustriert am „Battle of Sexes“
Der „Battle of Sexes“ oder „Kampf der Geschlechter“ ist ein Problem der Spieltheorie, für welches es drei Lösungen gibt: Zwei stabile Nash-Gleichgewichte in reinen Strategien, wobei eindeutig, also deterministisch Handlungsoptionen individuell optimal sind, und eine Lösung in gemischter Strategie, wobei jeder Alternative eine Wahrscheinlichkeitsverteilung zugeordnet wird. An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass in gemischten Strategien mit endlichen Aktionsmengen, also Alternativen, immer ein Nash-Gleichgewicht gewährleistet ist, in reinen Strategien kann es aber auch kein oder mehrere stabile Lösungen, wie hier, geben. Die Spieler, Mann und Frau, wollen den Abend gemeinsam verbringen, wobei jeder seine eigenen Präferenzen hat. Die Entscheidung erfolgt unabhängig voneinander (siehe: nichtkooperatives Spiel: 2.1.2 ).
Tab. 1: Auszahlungsmatrix „Kampf der Geschlechter“
mer Abend würde wiederum nicht zustande kommen.
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Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist das Treffen eine Zufallsentscheidung. Dafür gibt es
ein Gleichgewicht in gemischten Strategien. Um dieses berechnen zu können wird für beide
Spieler eine Nutzenfunktion aufgestellt:
⋅ ⋅ = ) 1 ( ) 1 ( 1 ) 1 ( 0 ) 1 ( 0 2 p p p p p p p p E
Ff Fm Ff Fm Ff Fm Ff Fm m
+ − − + ⋅ = p p p p p p 1 2
Ff Fm Fm Ff Ff Fm
− − ⋅ + = p p p p 3 1 Fm Ff Ff Fm
− ⋅ − ⋅ + ⋅ + ⋅ ⋅ = ) 1 ( ) 1 ( 2 0 2 1 p p p p E Ff Fm Ff Fm f
+ − − + = p p p p p p 2 2 2 2 Ff Fm Fm Ff Ff Fm
− + + = p p p p 2 2 3 2 Fm Ff Ff Fm
Bei der Wahl der gemischten Strategie durch einen der beiden Spieler ergibt sich für den
zweiten Spieler Indifferenz zwischen den gemischten Strategien, so dass dann
− − ⋅ ⋅ + = − − ⋅ ⋅ + gilt und sich bei entsprechendem Vor- p p p p E 0 0 3 1 1 1 3 1 : Ff Ff Ff Ff m
gehen für den Erwartungswert der Frau ergibt, dass jeder der Spieler in 25% aller Fälle der
Präferenz des Partners zustimmt und entsprechend in 75% der Fälle seiner eigenen Präferenz
nachgeht (Wiens).
4
Quote paper:
Melanie Rottmüller, 2007, Die Ausbildung von Kooperation in sequentiellen Tauschsituationen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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