I
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis III
1 Bedeutung der Clusterförderung für wirtschaftliche Entwicklung 1
2 Definitorische Grundlagen: Cluster und kritische Masse 2
2.1 Clusterbildung als besonderer Fall der Regionalentwicklung 2
2.2 Das Prinzip der kritischen Masse: Notwendigkeit des Vorhandenseins einer
ausreichenden Anzahl an Akteuren. 3
3 Clusterförderung durch politische Akteure: Gründe und Maßnahmen. 4
3.1 Gründe für eine politisch motivierte Clusterentwicklung: Effektive
Wirtschaftsf örderung mit dem Ziel der Schaffung lokaler Arbeitsplätze. 4
3.2 Maßnahmen zur Förderung der Clusterbildung: EU-Clusterförderung,
Infrastrukturausbau und Erhöhung der regionalen Attraktivität 5
3.2.1 Paradigmenwechsel auf Ebene der EU sowie in der Regionalpolitik:
Von der Struktur- zur Clusterförderung. 5
3.2.2 Ausbau unterstützender Infrastruktur: Bedeutung der Spezial-
ausbildung , öffentliche Forschungsinfrastruktur sowie Förderung
von Clustervereinen 7
3.2.3 Marketing nach innen und außen: Erarbeitung einer gemeinsamen
Vision und aktive Vermarktung der Region 9
3.3 Mangelnde Mitwirkung der Unternehmungen als Grenze öffentlicher
Infrastrukturentwicklung....................................................................................... 10
4 Clusterförderung durch Unternehmungen: Gründe und Maßnahmen 11
4.1 Gründe für unternehmungsseitige Clusterförderung: Produktivitätssteigerung
und Verbesserung der Innovationskraft durch Nutzung des Standortvorteils 11
4.2 Nutzung der EU-Fördermittel, Infrastruktur und regionalen Attraktivität
durch Unternehmungen. 12
4.2.1 Förderung durch die EU: Anreiz für eine Clusterbeteiligung seitens
der Unternehmungen 12
II
4.2.2 Infrastruktur als Basis eines Standortvorteils gegenüber isoliert
arbeitenden Unternehmungen ................................................................... 14 4.2.3 Gemeinsame Vision sowie regionale Attraktivität als wichtige
Erfolgsfaktoren.......................................................................................... 15 4.3 Geringe Aussagemenge zur betrieblichen Nutzung von Clustern als Defizit in
der Forschung........................................................................................................ 16
5 Chancen und Grenzen der gezielten Clusterförderung unter Einbezug
von Unternehmungen ..................................................................................................... 16
Literaturverzeichnis.............................................................................................................. 18
III
Abkürzungsverzeichnis
bspw. beispielsweise bzgl. bezüglich d. h. das heißt e. V. eingetragener Verein EU Europäische Union et al. et alii H. Heft Hrsg. Herausgeber i. Allg. im Allgemeinen i. d. R. in der Regel Jg. Jahrgang No. Number Nr. Nummer NRW Nordrhein-Westfalen o. J. ohne Jahr o. V. ohne Verfasser OECD Organisation for Economic Co-operation and Development pp. Pages S. Seite u. U. unter Umständen USA United States of America UVEK Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation v. a. vor allem vgl. vergleiche Vol. Volume
1
1 Bedeutung der Clusterförderung für wirtschaftliche Entwicklung
In den vergangenen Jahren war zu beobachten, dass das Thema der Regionalentwicklung mit einer damit einhergehenden Schaffung von Arbeitsplätzen zunehmend an Relevanz
gewann. 1 Für die Wirtschaftsförderung ergibt sich hieraus eine Situation, welche Chancen und Risiken zugleich beinhaltet - eine konsequente Orientierung an den Bedürfnissen der Unternehmungen gilt als grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche externe Unter-
stützung. 2 Zurückführen lässt sich der Perspektivenwandel in der Forschung auf den Niedergang verschiedener Industrieregionen. Die internen Strukturen rückten ab Mitte der achtziger Jahre in den Mittelpunkt des Interesses der Regionalökonomie. Gegenstand der
Untersuchungen waren fortan vermehrt die sektoralen Gestaltungsmöglichkeiten. 3 Als wichtige Idee einer regionalen Wirtschaftsförderung gilt insbesondere die Clusterkonzeption, bei welcher seit Anfang der neunziger Jahre eine wachsende Bedeutung zu ver-zeichnen ist. 4 Ausgangspunkt für das neu entwickelte Interesse ist das Werk The Competitive Advantage of Nations von Porter. 5 Das Phänomen der räumlichen Konzentration gab es allerdings schon lange vor dieser Veröffentlichung und kann bis in die Antike zurück-
verfolgt werden. 6 Clusterbildung lässt sich zudem nicht durch ein einziges Prinzip beschreiben, sondern besteht aus mehreren differierenden Ansätzen. 7 Folglich ist eine exakte Beschreibung schwierig, da in der Theorie weder über die genaue Ausgestaltung noch in
Bezug auf die räumliche Ausbreitung Einigkeit besteht. 8 Es kann jedoch festgestellt werden, dass verschiedene Autoren eine stärkere Fokussierung auf Cluster empfehlen. 9 Die vorliegende Arbeit soll die wichtigsten Aspekte dieses Phänomens sowie verschiedene Möglichkeiten einer Unterstützung aufzeigen. Hierzu erfolgt zunächst eine Darstellung wichtiger begrifflicher Grundlagen. Im Hauptteil geht es danach um die Motive einer Clusterförderung sowie diverse Maßnahmen, welche zur Zielerreichung eingesetzt werden können. Die Betrachtung wird zunächst für den Bereich der Politik durchgeführt; darauf aufbauend wird nachfolgend die Unternehmungsseite vorgestellt. Abschließend wird eine Zusammenfassung der Ergebnisse vorgenommen sowie kurz auf die Grenzen bei der praktischen Umsetzung eingegangen.
1 Vgl. Brenner/Gildner (2006), S. 1315; Meyer-Stamer (1999a), S. 2.
2 Vgl. Leuninger/Held (2003), S. 161.
3 Vgl. Rehfeld (1999), S. 34-35.
4 Vgl. Gordon/McCann (2000), S. 513.
5 Vgl. Jacobs/De Man (1996), S. 425.
6 Vgl. Haas/Neumair (2006), S. 419.
7 Vgl. Alecke/Untiedt (2005), S. 4.
8 Vgl. Raines (2002), S. 129.
9 Vgl. Porter (2002), S. 21; Schiele (2003), S. 13-23; Steinle/Schiele/Mietzner (2007), S. 236.
2
2 Definitorische Grundlagen: Cluster und kritische Masse 2.1 Clusterbildung als besonderer Fall der Regionalentwicklung
Aufgrund der verschiedenen Definitionen des Clusterbegriffs soll an dieser Stelle ein möglichst allgemeingültiges Zitat von Porter aufgeführt werden: „Clusters are geographic con-
centrations of interconnected companies and institutions in a particular field.“ 10 Die OECD ergänzte diese Erläuterung um die Wichtigkeit der integrierten Wertschöpfungsketten. 11 Die Firmen stehen zwar miteinander im Wettbewerb, arbeiten jedoch auch kooperativ zu-
sammen. 12 Zu den unterstützenden Organisationen sind z. B. Verbände und Forschungseinrichtungen zu zählen. Darüber hinaus sollten mit Zulieferbetrieben und bedeutsamen Kun-
den noch zwei weitere Akteursgruppen einem Cluster angehören. 13 Es sind demzufolge vielfältigere Voraussetzungen nötig als lediglich eine Anhäufung vergleichbarer Unter-
nehmungen. 14 Ein Cluster kann außerdem in verschiedene Dimensionen eingeteilt werden. Die horizontale Dimension beschreibt hierbei die Existenz mehrerer Firmen, welche vergleichbare Güter produzieren und somit als Konkurrenten anzusehen sind. Die vertikale Sichtweise gibt die Beziehungen einer Unternehmung zu ihren Lieferanten und Abneh-
mern wieder. 15 Daneben werden in der Literatur auch die institutionelle und die externe Dimension genannt. 16 Ferner ist festzuhalten, dass die Mitglieder eines Clusters eine möglichst hohe geographische Nähe zueinander aufweisen sollten. 17 Die räumliche Darstellung kann bildlich in Form einer Traube oder eines Schwarms ver-
standen werden. 18 Im Gegensatz zu den so genannten innovativen Milieus müssen die Branchen aber nicht notwendigerweise neuartig sein; auch bei konventionellen Industrie-zweigen ist eine Clusterbildung möglich. 19 Die hierfür notwendige Grundvoraussetzung in Form einer bestehenden kritischen Masse wird im nächsten Abschnitt erläutert. Dieses Prinzip spielt in der wissenschaftlichen Literatur eine wichtige Rolle und wird auch im Verlauf dieser Arbeit aufgegriffen. Insofern ist es erforderlich, die inhaltliche Aussage sowie die entscheidenden Aspekte kurz darzustellen.
10 Porter (1998), S. 78.
11 Vgl. Sternberg/Kiese/Schätzl (2004), S. 164.
12 Vgl. Scheuplein (2006), S. 14.
13 Vgl. Schiele (2008), S. 129.
14 Vgl. Schiele (2003), S. 29.
15 Vgl. Bathelt/Glückler (2002), S. 212-213.
16 Die institutionelle Dimension geht darauf ein, dass die Akteure eines Clusters Werte und technische Vorstellungen teilen; die externe Dimension drückt aus, dass eine Offenheit nach außen bestehen muss (Vgl. Haas/Neumair (2007), S. 98.).
17 Vgl. Maier/Tödtling (1996), S. 19.
18 Vgl. Steinle (2005), S. 552.
19 Vgl. Koschatzky (2001), S. 197.
3
2.2 Das Prinzip der kritischen Masse: Notwendigkeit des Vorhandenseins einer
ausreichenden Anzahl an Akteuren
Die Existenz einer bestimmten Anzahl an Unternehmungen und Arbeitskräften gilt als
Voraussetzung für den anzustoßenden Entwicklungsprozess. 20 Die kritische Masse ist somit als Schwellenwert zu verstehen und wird noch durch weitere Faktoren definiert. 21 So ist für das Entwicklungspotenzial auch entscheidend, dass „(…) hinreichende Ideen, An-strengungen und Projekte (…)“ existieren. 22 Dabei kann den Einflussgrößen je nach Branche eine unterschiedliche Wichtigkeit zugesprochen werden. 23 Besonders ausführlich mit diesem Prinzip haben sich Brenner und Fornahl beschäftigt.
Aufgrund der Problematik, dass eine exakte Definition der bestehenden kritischen Masse kaum realisierbar erscheint, sollte in der Praxis durch eine Bestandsaufnahme der wichtigsten Faktoren und einen Vergleich mit anderen Sektoren ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis erzielt werden. Eine erfolgreiche Clusterbildung kann durch eine Überquerung der virtuellen Trennlinie gelingen. Folglich sollte eine externe Förderung auch nur durchgeführt werden, wenn sich die Region in der Nähe dieser befindet. In einem solchen Fall könnten durch staatliche Maßnahmen die entscheidenden Impulse ausgelöst werden, welche zu der gewünschten Entwicklung führen. Liegt die Region allerdings weit unter bzw.
über dem Schwellenwert, sollte auf politische Aktivitäten verzichtet werden. 24 Die Form der Unterstützung ist auch abhängig von der Phase, in welcher sich der Cluster gegenwärtig befindet - so erfordert ein bereits existierender andere Eingriffe als ein poten-
zieller. 25 Eine Überschreitung der kritischen Masse dürfte dabei i. Allg. bei Innovationen, d. h. bei neuen Märkten oder Produkten, mit einem geringeren externen Aufwand zu reali-
sieren sein. 26 Erleichtert werden diese Vorhaben zudem, wenn bereits andere Produktionscluster in der betreffenden Region angesiedelt sind. 27 Ferner ist darauf zu achten, dass nicht unnötigerweise Ausgaben für ein von der Politik erwünschtes, aber nicht realisierba-res Projekt getätigt werden. 28 Ein solches Vorgehen dürfte zu einer geringen Überlebenszeit des Clusters sowie zu hohen finanziellen Ausgaben ohne Mehrnutzen führen. 29 Der
20 Vgl. Bruch-Krumbein/Hochmuth (2000), S. 87; Nappenbach/Schräder (2004), S. 24.
21 Vgl. Brenner/Fornahl (2002), S. 5-6.
22 Lageman/Schmidt (2007), S. 470.
23 Vgl. Brenner/Fornahl (2002), S. 5.
24 Zur nachfolgenden Darstellung vgl. Brenner/Fornahl (2002), S. 5-8.
25 Vgl. Fromhold-Eisebith/Eisebith (2005), S. 1252.
26 Vgl. Brenner/Fornahl (2002), S. 6.
27 Vgl. Rehfeld (1999), S. 97.
28 Vgl. Sautter (2004), S. 70.
29 Vgl. Rosenfeld/Franz/Heimpold (2006), S. 503-504.
4
externe Einfluss besteht vielmehr darin, die Wahrscheinlichkeit der Clusterbildung in der
Region zu steigern und diesen Prozess zu unterstützen. 30 Speziell für die im nächsten Kapitel dargestellte Gruppe der politischen Akteure ist die Kenntnis dieser aufgeführten Grundregel demzufolge von entscheidender Bedeutung.
3 Clusterförderung durch politische Akteure: Gründe und Maßnahmen 3.1 Gründe für eine politisch motivierte Clusterentwicklung: Effektive Wirtschaftsförderung mit dem Ziel der Schaffung lokaler Arbeitsplätze
Zwischen Politik und Ökonomie besteht in gewisser Weise ein wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis. Während letztere von Aktivitäten der öffentlichen Hand, bspw. dem Stra-
ßenbau, profitiert, ist diese auf einen funktionierenden privaten Sektor angewiesen. 31 Zudem ist die Aufrechterhaltung und Steigerung der Lebensqualität eine Obliegenheit der
Wirtschaftsförderung. 32 Hiervon lässt sich ableiten, dass eine möglichst effektive Unterstützung im Interesse der politischen Akteure liegt. Die gestiegene Relevanz der Regionen in den vergangenen Jahren beruht dabei nicht nur auf den Bemühungen und Fortschritten vereinzelter Sektoren, sondern lässt sich auch durch den bereits erwähnten Perspektiven-
wandel in der Forschung erklären. 33 Als entscheidender Aspekt gilt die zunehmende Globalisierung, welche oftmals eine verstärkte Zentralisation erforderlich werden lässt. 34 Hiermit ist die gestiegene sektorale Wichtigkeit zu begründen. 35 Die Vermutung, wonach sich durch die erhöhte internationale Orientierung eine größere Anpassung der Wirt-
schaftsnationen ergeben müsste, hat sich nicht bestätigt. 36 Die Unterschiedlichkeit von Regionen wird vielmehr als Chance angesehen. 37
Als Hauptziel der Wirtschaftsförderung gilt die Schaffung lokaler Arbeitsplätze. 38 Hierfür ist es notwendig, eine möglichst große ökonomische Leistungsfähigkeit zu erreichen;
durch Beschäftigung kann wiederum der Wohlstand des Sektors erhöht werden. 39 Aus diesem Grund ist bereits ein ausgeprägter Wettbewerb zwischen den Gebieten entstanden. 40 Ein wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang, dass Unternehmer und Angestellte
30 Vgl. Brenner (2004), S. 195-196.
31 Vgl. UVEK (2006).
32 Vgl. Widmaier/Beer/Gärtner/Hamburg/Terstriep (2004), S. 65.
33 Vgl. Perlik (2001), S. 7.
34 Vgl. Steinle/Schiele (2002), S. 849.
35 Vgl. Raines (2001), S. 3.
36 Vgl. Schiele (2003), S. 18.
37 Vgl. Wagner (2008), S. 53.
38 Vgl. Klessmann (2006), S. 11.
39 Vgl. Meyer-Stamer (1999b), S. 2.
40 Vgl. o. V. (2008a).
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Michael Dschida, 2008, Ansätze zur Clusterförderung durch die Politik und der Beitrag von Unternehmungen zur Infrastrukturentwicklung eines regional-sektoralen Wertschöpfungssystems, München, GRIN Verlag GmbH
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