Darfur - der vergessene Konflikt? Die Krise im Westen des Sudan und das zögerliche Engagement der Weltgemeinschaft 2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Hintergründe des Konfliktes 4
2.1. Geographie, Bevölkerung und Geschichte Darfurs. 4
2.2. Konfliktursachen 5
3. Konfliktverlauf 8
3.1. Ausbruch des Konfliktes (2003 - 2004) 8
3.2. Internationale Reaktionen und Friedensverhandlungen (2004 - 2006) 10
3.3. Erneute Eskalation und Einsatz der UNAMID (2006 - 2008) 14
4. Gründe für das zögerliche internationale Engagement 16
4.1. Fokussierung auf den Nord-Süd-Friedensprozess 17
4.2. Partikulare Interessen der Sicherheitsratsmitglieder. 18
4.3. Wachsende Skepsis gegenüber Humanitären Interventionen 21
4.4. „Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme“ 22
5. Fazit 23
6. Literaturverzeichnis: 24
7. Anhang 27
Darfur - der vergessene Konflikt? Die Krise im Westen des Sudan und das zögerliche Engagement der Weltgemeinschaft
1. Einleitung
Der Konflikt in der sudanesischen Provinz Darfur begann im Jahr 2003 und damit zu einer Zeit, als der jahrzehntelange Bürgerkrieg zwischen der Regierung des Sudan und den Rebellen der Sudan People’s Liberation Army/Movement (SPLA/M) im Süden des Landes kurz vor seiner Befriedung stand. Anfang dieses Jahres wurde schließlich eine gemeinsame Friedenstruppe der Vereinten Nationen (United Nations, UN) und der Afrikanischen Union (AU) 1 nach Darfur entsandt, um den Konflikt zu beenden. Dazwischen liegen fast fünf Jahre und eine von den Vereinten Nationen geschätzte Zahl von rund 300.000 Todesopfern und bis zu 2,8 Millionen Flüchtlingen (vgl. Auswärtiges Amt 2008).
Zwangsläufig kommt an dieser Stelle die Frage auf, warum die Internationale Gemeinschaft trotz der offensichtlichen Dringlichkeit eines schnellen Handelns so lange gezögert hat, den Menschenrechtsverletzungen in Darfur Einhalt zu gebieten. Schließlich hatte man doch nach dem Genozid in Ruanda das Gelöbnis „Nie wieder!“ abgegeben und derartige Gräuel künftig zu verhindern versprochen. In den Medien wurde daher in den letzten Jahren vermehrt der Vorwurf laut, die Weltgemeinschaft unternähme nichts, um die Grausamkeiten in Darfur zu beenden. Doch ist dem wirklich so? Handelt es sich bei der Krise in Darfur, wie es der Titel dieser Arbeit impliziert, um einen „vergessenen Konflikt“? Wenn nicht, warum hat sich die Internationale Gemeinschaft dann derart zögerlich in Bezug auf die Krise verhalten, anstatt schon sehr viel früher angemessene Maßnahmen zu ihrer Beendigung zu ergreifen? Vor dem Hintergrund dieser Fragen ist es die Intention dieser Arbeit, zu untersuchen, wie die Weltgemeinschaft auf den Konflikt in Darfur reagiert hat und zudem die Gründe aufzuzeigen, die für das zögerliche Engagement ausschlaggebend waren.
In einem ersten Schritt sollen, zum besseren Verständnis des Konfliktes, seine Hintergründe und Ursachen betrachtet werden. Dazu zählen, neben den grundlegenden Informationen über die Region und ihre Bewohner an sich, vor allem die überaus komplexen Beziehungen zwischen den einzelnen Volksgruppen Darfurs untereinander sowie zwischen Darfur und dem Rest des Landes, die letztendlich zum Ausbruch des heutigen Konfliktes geführt haben. Im Anschluss daran wird der Verlauf des eigentlichen Konfliktes von seinem Ausbruch im Jahr 2003 bis zum heutigen Tag untersucht, wobei besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, wie die Internationale Gemeinschaft auf die Krise reagiert hat. Zur besseren Übersicht wird der Konflikt dabei in drei Phasen unterteilt. Zuletzt sollen die wesentlichen Gründe aufgezeigt werden, die dafür ausschlaggebend waren, dass sich die Internationale Gemeinschaft so zögerlich in Bezug auf die Krise verhalten hat und es erst Anfang 2008 zur Entsendung einer UN-Friedenstruppe kam.
1 Die Afrikanische Union ging 2002 aus der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) hervor.
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2. Hintergründe des Konfliktes
2.1. Geographie, Bevölkerung und Geschichte Darfurs
Die Provinz Darfur 2 befindet sich im Westen des Sudan, des größten Landes auf dem afrikanischen Kontinent. Sie grenzt an Libyen, den Tschad und die Zentralafrikanische Republik und bildet die Grenze zwischen der arabischen Welt und Schwarzafrika. Darfur wird unterteilt in die Bundesstaaten Nord-Darfur (Schamal Darfur), West-Darfur (Gharb Darfur) und Süd-Darfur (Dschanub Darfur) (vgl. Strube-Edelmann 2006: 9). Insgesamt umfasst die Provinz ein Gebiet, das mit rund 500.000km² in etwa der Größe Frankreichs entspricht und ungefähr sechs bis sieben Millionen Einwohner beheimatet (vgl. Köndgen 2004: 8). Die Bevölkerung dieser Provinz ist als komplexes Gefüge verschiedener arabisch-und afrikanischstämmiger Volksgruppen zu verstehen, die sich im Wesentlichen in drei Hauptgruppen subsumieren lassen (vgl. Khalafalla 2005: 42):
1) Sesshafte, afrikanische Stämme, die von der Subsistenz-Landwirtschaft leben und vorwiegend im Westen Darfurs beheimatet sind. Hierzu zählen vor allem die Fur, die der Provinz ihren Namen geben, aber auch die Masalit, die Daju, die Qimr sowie die Tunjur, die die traditionell erste herrschende Elite Darfurs darstellen. 2) Nomadische, beziehungsweise halbnomadische afrikanische Stämme, wie etwa die Zaghawa, die Badayat und die Meidob. Diese leben in der Mehrheit im Norden Darfurs.
3) Arabische Stämme, die hauptsächlich Süd-Darfur bewohnen, wie die Messiriya (sesshafte Ackerbauern), die Zaiydiya (nomadische Kamelhirten) oder die Baggara 3 (nomadische Rinderhirten).
Die Volksgruppen, die in ihrem äußeren Erscheinungsbild für Außenstehende kaum voneinander zu unterscheiden sind, bewahren sich einerseits eine ausgeprägte Identität, etwa indem sie unterschiedliche Sprachen sprechen. 4 Auch gibt es traditionelle Stammesterritorien, so genannte dars, in denen sich die einzelnen Stämme zu einem gewissen Grad voneinander abgrenzen (vgl. Khalafalla 2005: 42). Andererseits sind Mischehen zwischen Angehörigen der verschiedenen Stämme in Darfur nicht ungewöhnlich und die ethnischen Identitäten oft fließend, sodass beispielsweise ein sesshafter Fur-Bauer mit einer entsprechenden Anzahl an Vieh zu einem Baggara werden und sich über wenige Generationen hinweg einen arabischen Stammbaum zulegen kann (vgl. Köndgen 2004: 8). Ein religiöser Unterschied zwischen den einzelnen Volksgruppen besteht hingegen nicht: Alle Einwohner Darfurs sind Muslime, seit die Region im 16. Jahrhundert vollständig
2 Von arabisch راد روف = Land der Fur.
3 von denen wiederum vier Hauptgruppen in Darfur leben: die Rizaiqat, die Habbaniya, die Ta'aisha und die Beni Halba.
4 Zwar ist das Arabische die Verkehrssprache in der Region und wird von den meisten Volksgruppen gesprochen, jedoch haben sich die großen afrikanisch-stämmigen Gruppen auch ihre nilo-saharische Sprache bewahrt.
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islamisiert wurde 5 (vgl. Hinsch/Janssen 2006: 202). Bis 1916 war Darfur ein unabhängiges Sultanat und wurde, nachdem der letzte Sultan Ali Dinar von den Briten gewaltsam abgesetzt worden war, als Provinz in den Sudan eingegliedert, der von 1899 bis zu seiner Entlassung in die Unabhängigkeit 1956 ein anglo-ägyptisches Kondominium war. Im Jahre 1994 wurde Darfur schließlich im Rahmen einer Verwaltungsreform in die oben erwähnten drei Bundesstaaten eingeteilt (vgl. Prunier 2007a: 13).
2.2. Konfliktursachen
Der Konflikt in Darfur ist nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen, sondern es überlagern sich vielmehr mehrere Konfliktdimensionen, die eng miteinander verknüpft sind. Ein wesentlicher Faktor, der für die Entstehung der Krise von Bedeutung ist, besteht in einem grundlegenden Zentrum-Peripherie-Konflikt zwischen Darfur und dem Zentralsudan. 6 Dieser geht zurück auf die Zeit der britischen Kolonialherrschaft im Sudan, als die Briten, deren Interesse an den Randprovinzen dieses riesigen Landes eher gering war, den überwiegenden Teil der staatlichen Investitionen auf die Nilregion um die Hauptstadt Khartum konzentrierten. Zudem wurde im Rahmen des von den Briten favorisierten Prinzips der „indirekten Herrschaft“ die Verwaltung des Landes einer Elite übertragen, die sich auf wenige arabische Stämme stützte (vgl. Hinsch/Janssen 2006: 204). Nach der Entlassung in die Unabhängigkeit bauten diese „Fluss-Anrainer“ aus der Nilregion, wo sich bereits zur Zeit der britischen Herrschaft nahezu sämtliche Bildungseinrichtungen konzentriert hatten, ihre dominierende Position im Land weiter aus. Die Folge war eine zunehmende wirtschaftliche und politische Marginalisierung Darfurs und seiner Bewohner. 7 Die Einnahmen aus den sudanesischen Erdölreserven wurden vorwiegend für die Finanzierung des Bürgerkrieges im Süden des Landes verwendet oder in die Region um die Hauptstadt Khartum investiert. Die Entwicklung in Darfur wurde hingegen vernachlässigt. 8 So erhielten die Bewohner der Provinz, verglichen mit den anderen sudanesischen Regionen, die niedrigsten Mittel für Erziehungswesen, Gesundheitsversorgung oder Entwicklungsprojekte und nahezu keine Möglichkeiten der Partizipation an der Zentralregierung (vgl. De Waal 2004b). Als ein Resultat besitzen heute nicht einmal die wichtigsten Städte Darfurs eine vernünftige Verkehrsanbindung zum Rest des Landes. 9 (vgl. Khalafalla 2004: 43f).
5 Zuvor existierten in Darfur seit dem Jahr 900 n.Chr. christliche Königreiche.
6 Selbiges gilt im Übrigen auch für die anderen peripher gelegenen Provinzen im Süden oder Osten des Landes.
7 Besonders deutlich wurde die Vernachlässigung Darfurs beispielsweise im Jahr 1984, als die sudanesische Regierung die akute Gefahr einer Hungersnot in der Provinz ignorierte, sodass in der Folge schätzungsweise 95.000 Menschen verhungerten.
Einzig dem Einsatz westlicher Hilfsorganisationen war es zu verdanken, dass diese Zahl nicht noch höher ausfiel (vgl. Prunier
2007a: 67ff).
8 Diese Marginalisierung betrifft wohlgemerkt alle Volksgruppen Darfurs in gleichem Maße.
9 So erhielt die Hauptstadt Süd-Darfurs, Nyala, zwar im Jahr 1959 einen Eisenbahnbahnanschluss, der Betrieb auf der Strecke ist jedoch nach wie vor äußerst unregelmäßig. El-Fascher, die Hauptstadt Nord-Darfurs, verfügt bis heute über gar keinen
Eisenbahnanschluss, sondern ist nur über unbefestigte Straßen zu erreichen (vgl. Köndgen 2004: 9). Ein größeres
Entwicklungsprojekt, die „Salvation Western Road“, welche Darfur mit Zentral-Sudan und Khartum verbinden sollte, wurde
wegen Korruptionsvorwürfen eingestellt (vgl. Khalafalla 2005: 44).
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Eine weitere zentrale Konfliktursache ist in den Spannungen zwischen den Volksgruppen innerhalb Darfurs selbst zu sehen. Diese Konflikte waren allerdings zunächst nicht in erster Linie ethnischer, sondern vielmehr ökonomischer Natur. So kommt es hier bereits seit Jahrhunderten zu Auseinandersetzungen zwischen sesshaften Bauern und nomadischen Viehhirten um Weiderechte, Landbesitz und Zugang zu Wasser. Diese
Landnutzungskonflikte lassen sich bis in die Zeit zurückverfolgen, als Darfur noch ein Sultanat war. 10 Traditionell wurden derartige Auseinandersetzungen im Rahmen von Friedenskonferenzen (so genannten mu’tamarat as-sulh) gelöst (vgl. Köndgen 2004: 10). Dabei nahmen die Stammesführer (shaikhs) die Rolle von Mediatoren (ajawid) ein und die Regierung in Khartum unterstützte die Konferenzen. Die lokalen Regierungsbehörden fungierten dabei als Garanten für die Einhaltung der getroffenen Abmachungen (vgl. Khalafalla 2005: 43). Im Laufe der letzten Jahrzehnte stieg jedoch der Wettbewerb um lebenswichtige Ressourcen wie Wasser und fruchtbares Land rapide an und die Auseinandersetzungen wurden zudem immer gewalttätiger. Die Gründe hierfür sind in erster Linie im Bevölkerungswachstum 11 und der eng damit zusammenhängenden fortschreitenden Desertifikation durch Überweidung und Überkultivierung zu sehen. Zudem wird die Region infolge des Klimawandels seit Mitte der achtziger Jahre von einer anhaltenden Dürreperiode geplagt (vgl. Köndgen 2004: 9). Die Situation verschärfte sich, als in den achtziger Jahren unter dem damaligen Premierminister Sadiq al-Mahdi Milizen durch die Bewaffnung arabisch-stämmiger Nomaden gebildet wurden, um in den Provinzen südlich von Darfur gegen die Rebellen der SPLA/M zu kämpfen. Diese setzten ihre Waffen jedoch in der Folge vor allem auch dafür ein, die Ressourcenkonflikte mit den sesshaften Ackerbauern für sich zu entscheiden (vgl. Köndgen 2004: 10). Hinzu kam die Tatsache, dass 1987 ein Krieg zwischen den Nachbarländern Tschad und Libyen um den Aouzou-Streifen ausbrach und Darfur mit modernen, automatischen Waffen regelrecht „überflutet“ wurde, sodass sich nun alle Volksgruppen leicht bewaffnen konnten (vgl. Prunier 2007a: 81ff). 1989 kam es zu einem ersten großen Konflikt zwischen dem Volk der Fur und einem Zusammenschluss von 27 arabischen Stämmen. Dieser konnte zwar noch durch eine traditionelle Friedenskonferenz beigelegt werden, jedoch fehlten letztendlich finanzielle Mittel und politischer Wille, die Beschlüsse umzusetzen (vgl. De Waal 2004b). Als der heutige Staatschef Umar Hasan Ahmad al-Baschir, der 1989 durch einen Militärputsch an die Macht kam, kurz darauf die arabischen Milizen in einem Gesetz zur Volksverteidigung (Popular Defense Act) legalisierte, war die Regierung schließlich selbst unmittelbar in den Ressourcenkonflikt involviert und konnte folglich keine neutrale Vermittlerrolle mehr
10 Damals dominierten die nicht-arabischen Ethnien, hauptsächlich die Fur, das Sultanat. Da sie sich durch die Nomaden in ihrem Lebensraum bedroht sahen, unterhielten sie eine schlagkräftige Kavallerie, und konnten so das Gleichgewicht zwischen
Nomaden und Ackerbauern einige Zeit erhalten. Dieses brach allerdings zusammen, als ein arabischer Sklavenhändler die
Macht an sich riss und den Baggara-Nomaden die Weidegründe der Fur zugänglich machte (vgl. Köndgen 2004: 8).
11 Innerhalb der letzten 60 Jahre verfünffachte sich die Bevölkerung Darfurs von ungefähr 1,3 Millionen auf heute 6-7 Millionen.
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einnehmen, sodass die tradierten Konfliktlösungsmechanismen vollends zusammenbrachen (vgl. Khalafalla 2005: 42). 12
Die einseitige Unterstützung im Sinne der gezielten Bewaffnung von „Friendly Forces“, also der arabischen Bevölkerung Darfurs, durch das Regime in Khartum macht deutlich, dass der Konflikt um Ressourcen mittlerweile von einer ethnischen Konfliktdimensionafrikanisch/sesshaft gegen arabisch/nomadisch - überlagert wird (vgl. Radeke/Paes 2006: 2). Die arabischen Eliten des Niltals, die den Sudan seit seiner Unabhängigkeit regierten, waren stets islamistisch und arabozentrisch geprägt und stützten ihre Herrschaft auf die Mobilisierung der arabisch-islamischen Solidarität in den Randgebieten. Vor allem aber in den letzten zwanzig Jahren unter dem Regime al-Baschirs wurden die Ressourcenkonflikte mehr und mehr für die eigenen Zwecke instrumentalisiert dabei eine rassistische Rhetorik verwendet, die durch Begriffe wie Zurq (Schwarzer) oder Abid (Sklave) geprägt ist und der das Gedankengut einer arabischen Überlegenheit zugrunde liegt 13 (vgl. Hinsch/Janssen 2006; 215; Köndgen 2004: 13).
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen gründeten sich im Jahr 2003 zwei Widerstandsbewegungen in Darfur, die SLA/M (Sudan Liberation Army/Movement) 14 und die JEM (Justice and Equality Movement), die sich hauptsächlich aus Mitgliedern nichtarabischer Stämme (vor allem den Fur, den Massalit und den Zaghawa) zusammensetzen (Köndgen 2004: 12). Obwohl zwischen den beiden Gruppen ideologische Unterschiede bestehen, ist ihnen gemein, dass sie, ähnlich wie die SPLA/M im Südsudan, für eine gerechtere Verteilung der politischen Macht im Land und für eine Beteiligung an den Erlösen, die durch Verkauf der Ressourcen erzielt werden, eintreten. Dabei spielen vor allem die Erdölvorkommen in Darfur, deren Kontrolle vom Regime in Khartum angestrebt wird, eine Rolle 15 (vgl. Hinsch/Janssen 2006: 214).
12 In der Folge fanden in den neunziger Jahren in Darfur mehrere Regionalkriege statt, die in ihrer Konstellation - arabische nomadische gegen afrikanische sesshafte Stämme - dem heutigen Konflikt durchaus ähnlich waren (vgl. Köndgen 2004: 10).
13 Die Grundlage für diese Entwicklung wurde bereits im Krieg zwischen Libyen und Tschad geschaffen, als die libysche Propaganda die arabischen Stämme Darfurs auf die eigene Seite zu ziehen versuchte, indem sie an die kulturelle
Überlegenheit der arabischen gegenüber den afrikanischen Völkern appellierte (vgl. Hinsch/Janssen 2006: 205).
14 Die SLA/M wurde zuvor zunächst unter dem Namen Darfur Liberation Front (DLF) gegründet, nannte sich jedoch später um, um zu verdeutlichen, dass ihr Ziel nicht nur in der Vertretung regionaler, sondern auch nationaler Interessen bestand (vgl.
Prunier 2007b).
15 In Süd-Darfur und der angrenzenden Provinz West-Kordofan befinden sich Erdölvorkommen, deren Größenordnung auf etwa 900 Millionen Barrel geschätzt wird und die einem Gegenwert von 30 Milliarden Dollar entsprechen sollen. Damit könnte
Khartum seine Erdölproduktion von 300.000 auf 500.000 Barrel pro Tag steigern. Weitere Vorkommen werden in West- und
Nord-Darfur vermutet (vgl. Köndgen 2004: 14).
Arbeit zitieren:
Christopher Schwarzkopf, 2008, Darfur – der vergessene Konflikt?, München, GRIN Verlag GmbH
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