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Proseminar: Vatergestalten in der französischen Literatur des 19. & 20. Jahrhunderts
Sommersemester 2004
Albert Camus - Der erste Mensch
Auf der Suche
Diana Eckl
eingereicht am: 01. 10. 2004
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Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis: ... 2
I. Einleitung... 3
II. Die Suche nach dem unbekannten Vater ... 4
II.1 Algier die Mutter... 5
II.2 Monsieur Bernard ... 5
II.3 Bône ... 7
II.4 Der Anhang ... 9
III. Die Suche nach sich selbst ... 9
III.1 Das Lycée ... 10
III.2 Erwachsen werden ... 10
III.3 Heimat ... 12
IV. Fazit... 14
V. Bibliografie ... 16
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I. Einleitung
,,Le premier homme" schließt den Kreis von Camus` Werken. ,,Le premier homme" ist ein
Roman der Wiederkehr: zurück zur Welt der Kindheit und der Jugend in Algerien, zurück zur
Mutter, aber auch Suche nach dem Vater, dem Ursprung, der Kolonialgeschichte. Mit ,,Le
premier homme" knüpft Camus an seine ersten Texte an, die er 1937 unter dem Titel
,,L'Envers et l'Endroit" veröffentlichte. Dieser autobiografische Roman, der die algerische
Kindheit einerseits und die Suche nach dem unbekannten Vater andererseits verarbeitet,
veranlasste die Autoren vieler Camusbiografien, ihre bisherigen Spekulationen zu annullieren.
Erst 34 Jahre nach dem Tod Albert Camus` entschloss sich seine Tochter, diesen Roman zu
veröffentlichen und so das Bild von Camus in der Öffentlichkeit zu verändern.
Albert Camus wird am 7. November 1913 in Mondovi (Ostalgerien) als zweiter Sohn
französischer Einwanderer geboren. Sein Vater stirbt 1914 nach einer Verwundung in der
Marneschlacht. Seitdem muss die Familie in Belcourt, einem armen Stadtviertel Algiers, mit
der Großmutter und einem Onkel in einer kleinen Wohnung leben.
Die Armut ist allgegenwärtig und wird Camus grundlegend formen.
Albert Camus arbeitet während des Philosophiestudiums (1933-1936) an der ,,Maison de la
culture" und gründet das ,,Théâtre du Travail". Von 1943 bis 1944 arbeitet er als Journalist für
die Widerstandszeitung ,,Combat" und übernimmt später deren Leitung. In dieser Zeit lernt er
Jean-Paul Sartre kennen. Am 10. Dezember 1957 erhält Albert Camus, begleitet von heftiger
Kritik, den Nobelpreis für Literatur. 1958 bis 1959 arbeitet er am Roman ,,Der erste Mensch".
Am 4. Januar 1960 stirbt er bei einem Unfall im Wagen von Michel Gallimard auf der Fahrt
von Lourmarin nach Paris. (vgl. Sändig, Brigitte 1997: 135-136)
Die folgende Arbeit widmet sich der Aufgabe, den Titel ,,Der erste Mensch" zu untersuchen.
Die vorgegebene grobe Strukturierung des Romans wird beibehalten, so dass im ersten Teil
die Suche nach dem Vater erläutert wird. Im zweiten Teil wird die Suche nach dem ersten
Menschen näher untersucht.
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II. Die Suche nach dem unbekannten Vater
Der Roman ,,Le premier homme" gliedert sich in zwei Teile: der erste Teil beschreibt die
Suche nach dem Vater, den Jacques so der Name der die Hauptfigur in diesem Roman nie
kennengelernt hat, weil dieser gestorben ist, als er noch nicht einmal ein Jahr alt war.
Der Vater ist in der Marneschlacht im 1. Weltkrieg durch einen Granatsplitter verwundet
worden und schließlich in einem Lazarett in der Bretagne verstorben.
Jacques wächst also ohne Vater und eigentlich auch ohne Mutter auf, denn diese lebt in sich
gekehrt, in einer gewissen ,,Zerstreutheit" (EM
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1998: 138), ausgelöst durch ihre
Sprachbehinderung und den Analphabetismus. So erzieht ihn allein seine Großmutter doch
diese mit aller Härte und Disziplin. Zum Haushalt gehören ebenfalls der taube und fast
stumme Onkel Étienne und Jacques älterer Bruder Lucien.
Das Kapitel 6a beginnt mit der neutralen Feststellung: ,,Jener hatte seinen Vater nicht
gekannt..." (EM: 153). Einige Zeilen weiter dann die Erkenntnis, dass ,,die Abwesenheit eines
Vaters [...] nie wirklich spürbar gewesen war". Und trotzdem macht er sich als 40jähriger auf
die Suche nach diesem Vater. Er will ergründen, was für ein Mensch sein Vater war, wo die
Wurzeln seines eigenen Lebens liegen und seine eigene Lebensgeschichte begreifen.
Er reist nach Saint-Brieuc zum Grab seines Vaters, nachdem ihn seine Mutter mehrmals
darum gebeten hatte und er erfährt durch den Friedhofswärter, dass sein Vater am 11. Oktober
1914 in einem Lazarett in Saint-Brieuc gestorben ist. Er empfindet diesen Besuch als nutzlos,
zum einen weil er seinen Vater nicht gekannt hatte und ,,sich [deshalb auch] keine Pietät aus
den Fingern saugen konnte", zum anderen da seine Mutter, die nie über seinen verstorbenen
Vater sprach, ,,sich von dem, was er sehen würde, nichts vorstellen konnte" (EM: 29). Beim
Lesen der Jahreszahlen auf dem Grabstein bekommt er plötzlich Mitleid mit diesem Vater,
der bereits mit 29 Jahren starb und so viel jünger war als er selbst. Die ,,natürliche Ordnung"
(EM: 31) war hier aus den Fugen geraten.
Jacques macht sich nun also auf nach Algier, um dort nach seinem Vater zu forschen und
dabei wird er viel über seine Familie erfahren. Dieses Entdecken drückt sich durch den letzten
Satz des vierten Kapitels aus: ,,Am Ende der Nacht würde er Algier finden." (EM: 62).
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Das häufig zitierte Buch ,,Der erste Mensch" wird unter der Abkürzung ,,EM" angeführt.
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II.1 Algier die Mutter
In Algier trifft er auf seine Mutter, von der er möglichst viel über seinen Vater erfahren
möchte, doch das fällt ihm schwer.
Er findet heraus, dass sein Vater früh seine Eltern verloren hat und ihn seine Geschwister ins
Waisenhaus gaben. Ebenso entdeckt er, dass sein Vater bis zum zwanzigsten Lebensjahr nicht
lesen und schreiben konnte. Er erinnert sich an ein Treffen mit seinem ehemaligen Rektor, der
ihm von seinem Vater eine Episode aus dem Marokkokrieg erzählte, in welchem sie
gemeinsam gekämpft hatten. Jacques erkennt, dass er aus diesen bisher für unwichtig
bewerteten Einzelheiten das meiste über seinen Vater erfährt: ,,Ein harter, bitterer Mann, der
sein Leben lang gearbeitet, auf Befehl getötet und alles akzeptiert hatte [...]." (EM: 75). Er
urteilt daher über seinen Vater: ,,Ein armer Mann, kurz gesagt." (EM: 76).
Von seiner Mutter hätte er gern mehr über seinen Vater erfahren, v.a. ,,daß sie sich dafür
begeisterte, ihm einen vor vierzig Jahren gestorbenen Mann zu beschreiben, dessen Leben sie
fünf Jahre geteilt hatte [. . .]"(EM: 91). Jacques stellt sich die Frage, ob seine Mutter seinen
Vater überhaupt jemals leidenschaftlich geliebt hat in diesen wenigen Jahren.
An anderer Stelle spricht er von der ,,unvermeidlichen Ehe", die sein Vater in seinem ,,ganz
und gar unfreiwilligen Leben" zu akzeptieren hatte. (vgl. EM: 216)
II.2 Monsieur Bernard
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,,Germain ist für Albert ein zweiter Vater oder der erste." (Todd 2001: 26).
Dieser Lehrer seiner letzten Volksschulklasse gab Jacques den Halt, den er brauchte und er
ermöglichte ihm, das Gymnasium zu besuchen, was einen wesentlichen Schritt in Jacques
Leben bedeutete. Monsieur Bernard, der auch im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte, wollte
versuchen, seine ,,toten Kameraden zu ersetzen". (vgl. EM: 171)
Diese väterliche Liebe wird vor allem auch deutlich bei den jährlichen Besuchen, die Jacques
dem alten Lehrer abstattet: ,,Seit fünfzehn Jahren besuchte Jacques ihn jedes Jahr..." und
Monsieur Bernard war es, ,,der Jacques in die Welt geworfen hatte, indem er ganz allein die
Verantwortung dafür übernommen hatte, ihn zu entwurzeln, damit er sich zu noch größeren
Entdeckungen aufmache." (EM: 178/179). Diese ,,Entdeckungen" waren denn auch vielfältig:
zum einen der Besuch des Gymnasiums als Stipendiat, danach das Philosophiestudium an der
Universität in Algier, das ihm ,,Nietzsche, Kierkegaard und Schopenhauer [...], Pascal,
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der wirkliche Name wird nur einmal im Roman auf Seite 165 genannt: Monsieur Germain
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