I
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Ziel der Arbeit 2
1.3 Aufbau der Arbeit 2
2. Theoretische Grundlagen 3
2.1 Begriffsbestimmungen 3
2.1.1 Lernen 3
2.1.2 Elearning 6
2.1.3 Medien 7
2.2 Lernen 8
2.2.1 Veränderung der Gesellschaft und Auswirkungen auf das Lernen 10
2.2.2 Lebenslanges Lernen 11
2.2.3 Kompetenzlernen 12
2.2.4 Wissen und Wissensmanagement 13
2.3 Elearning 18
2.3.1 Erwartungen an das Elearning 18
2.3.2 Grenzen und Risiken von Elearning 21
2.3.3 Voraussetzungen für das Funktionieren von Elearning 23
2.3.4 Die digitale Spaltung 24
2.3.5 Elearning im Unternehmen 25
2.3.5.1 Gründe für den Einsatz von Elearning 25
2.3.5.2 Neue Formen der Unternehmenskommunikation 27
2.3.6 Der Markt von Elearning 29
2.3.6.1 Anbietermarkt 29
2.3.6.2 Nachfragemarkt 31
2.3.7 Formen des Elearning 32
2.3.7.1 CBT oder WBT 32
II
2.3.7.2 IST Intelligente Tutorielle Systeme 32 2.3.7.3 Konstruktivistische Lernangebote 33 2.3.7.4 Varianten des Tele-Lernens 33 2.3.8 Lerneffizienz und Bildungscontrolling 36 2.3.9 Die Bedeutung der Medien in der Zukunft 41 2.3.9.1 Prognosen des Elearning 41 2.3.9.2 Zukunft der Arbeit 42 2.3.9.3 Zukunft der Gesellschaft 43 2.3.10 Internet und Persönlichkeit 45
3. Benachteiligte Personengruppen 47 3.1 Benachteiligung in der Gesellschaft 47 3.2 Bildungsbenachteiligte 48 3.3 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz 3.4 Förderung der EU 52
3.5 Behinderte 53 3.5.1 Der Begriff des Behinderten 53 3.5.2 Gesetzliche Grundlagen 55 3.5.2.1 Gleichbehandlungsgesetz 55 3.5.2.2 Neuntes Sozialgesetzbuch 55 3.5.3 Die Situation Behinderter im Unternehmen 57 3.5.4 Bedeutung der Medien für Behinderte 60 3.5.5 Methoden des Elearning für Behinderte 61 3.5.6 Werkzeuge des Elearning für Behindert 62
3.6 Migranten 64 3.6.1 Migranten und Medien 64 3.6.2 Das Lernen bei Migranten 66 3.6.3 Methoden des Elearning bei Migranten 67 3.6.4 Werkzeuge des Elearning bei Migranten 68
III
3.7 Ältere 70 3.7.1 Leben im Alter heute 70 3.7.2 Lernen für Ältere 72 3.7.3 Methoden des Elearning für Ältere 73 3.7.4 Werkzeuge des Elearning für Ältere 73
3.8 Frauen 77 3.8.1 Probleme der Frauen mit der Gleichberechtigung 77 3.8.2 Frauen im Arbeitsleben 80 3.8.3 Frauen mit den neuen Medien 82 3.8.4 Elearning für Frauen 83 3.8.5 Methoden des Elearning für Frauen 84
4. Fazit 86
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Lerntheorien Abb. 2 Medien Abb. 3 Erfahrungsorientierter Lernzyklus (Kolb, 1984) Abb. 4 Die Wissensspirale nach Nonaka/ Takeuchi Abb. 5 Die Wissenstreppe nach North Abb. 6 Erfüllte Erwartungen von Elearning Abb. 7 Gründe für die Einführung von Elearning Abb. 8 Elearning Markt als Schnittmenge Abb. 9 Varianten des Tele-Lernens Abb.10 Faktoren von Benachteiligung Abb.11 Anteil und Altersdurchschnitt Behinderter Abb.12 Braille Tastatur Abb.13 Anteil älterer Online Nutzer im Vergleich Abb.14 Geschlechterverteilung im Internet
V
Abkürzungsverzeichnis
Abb. = Abbildung
AGG = Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
BGG = Behindertengleichstellungsgesetz
bspw. = beispielsweise
bzgl. = bezüglich
bzw. = beziehungsweise
ca. = circa
CBT = Computer Based Training
CMS = Content Management Systeme
EU = Europäische Union
GdB = Grad der Behinderung
GG = Grundgesetz
GmbH = Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Hrsg. = Herausgeber
LMS = Learning Management Systeme
SchwbAV = Schwerbehinderten- Ausgleichsabgabeverordnung
SGB = Sozialgesetzbuch
VI
u.a. = unter anderem
v.a. = vor allem
WBT = Web Base Training
1
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
Der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt lässt viele Menschen verzweifeln. In einer Gesellschaft der Globalisation, ständiger Innovationen und enormem Wettbewerbsdruck wird schon vom einfachen Arbeitnehmer Flexibilität und stetige Lernbereitschaft verlangt. Lebenslanges Lernen und die Motivation dazu stellen eine Voraussetzung für die Zukunft dar. Es reicht nicht mehr, eine Ausbildung zu machen und dann ein Leben lang bei einem Unternehmen zu bleiben.
Um in einer so rasanten Gesellschaft mithalten zu können, müssen die Menschen sich ständig weiterbilden. Sie müssen, um am Arbeitsmarkt Chancen zu haben, Kompetenzen erlernen.
Wo schon ein gesunder und gut ausgebildeter Mensch Mühe hat, Schritt zu halten, bleiben die Benachteiligten auf der Strecke. Nur mit guter Qualifikation können auch Behinderte und Migranten, sowie Frauen sich am Arbeitsmarkt behaupten.
Doch wie soll ein Behinderter, der einer normalen Beschäftigung nachgeht, noch zusätzlichen den Aufwand auf sich nehmen und eine Abendschule besuchen? Kann ein Migrant, der aufgrund seiner mangelnden Sprachkenntnisse kaum mit den Deutschen konkurrieren kann, auf ein Seminar gehen, bei dem er den Dozenten nicht versteht? Diese Menschen sind ohnehin benachteiligt und sie haben Zugangshürden zur Bildung zu überbrücken.
Die neuen Medien sind flexibel in Ort, Zeit und Methode. Daher stellte sich die Frage, in wieweit Elearning eine Alternative zum konventionellen Lernen für Benachteiligte darstellt.
Nachfolgend wird aufgezeigt, welche Probleme Behinderte, Frauen, Ältere und Migranten beim Lernen haben und in wie diese mit Elearning zu lösen sein könnten.
2
1.2 Ziel der Arbeit
Behinderte, Ältere, Frauen und Migranten sind bildungsbenachteiligt, sie haben nicht die gleichen Voraussetzungen wie andere. Dennoch wollen diese Gruppen auch Bildung genießen. Elearning soll flexibel in Ort und Zeit sein, der Lernende kann in Ruhe zuhause sein Lernziel erreichen. Ziel dieser Arbeit soll es sein, herauszufinden, ob Elearning tatsächlich eine gute Alternative ist, um den Benachteiligten Möglichkeiten zu bieten, ihre Nachteile auszugleichen.
1.3 Aufbau der Arbeit
Zunächst wird im theoretischen Teil auf die wichtigsten Begriffe und der Entwicklung des Lernens eingegangen. Es wird deutlich, wie wichtig heute das lebenslange Lernen und die Erlangung von Kompetenzen sind.
Anschließend wird das Elearning näher erläutert, aufgezeigt, welche Grenzen es hat und welche Voraussetzungen für das Nutzen notwendig sind. Hier kommt dann deutlich hervor, wie wichtig Medienkompetenz für Elearning ist. Die Vermittlung der Medienkompetenz auch für schwache Gruppen ist gerade für die Gesellschaft wichtig, da es sonst zu einer digitalen Spaltung kommt. Zusätzlich wird noch die Kommunikation in Unternehmen und die Trends der Zukunft in Bezug auf die künftige Arbeit dargestellt.
Im zweiten Teil der Arbeit werden die Benachteiligten einzeln nach ihren Lernproblemen und Benachteiligungen aufgeschlüsselt. Dazu werden Methoden erläutert und Hinweise, auf was bei den einzelnen Gruppen besonders zu achten sind, um ein Elearning Konzept anzubieten.
Abschließend soll das Fazit sichtbar machen, in wieweit Elearning für benachteiligte Personengruppen eine Alternative darstellt.
3
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Lernen
Edelmann sieht Lernen als „ Aneignung von Wissen durch das Verarbeiten von Informationen“. 1
Ebenso meint Müller, dass der Lernende aufgrund des Lernens imstande ist, anders zu denken, sich anders zu verhalten und demnach anders zu handeln. Lernen ist also der Erwerb von Handlungs- und Verhaltensopportunitäten. 2
Lerntheorien
Es gibt laut der derzeitigen Literatur drei gängige Theorien zum Lernen. Zuerst meinten die Menschen, Lernen wäre eine Reaktion auf Umweltreize und müsse durch Verstärkung oder Bestrafung gesteuert werden. Das gesamte Lernen wurde nur durch den Lehrenden gelenkt.
Es herrschte die Annahme, dass es ein objektiv richtiges Wissen gibt und ein verlässliches Wissen über die Welt existiert. Diese Richtung nennt man behavioristische Lerntheorie. Sie war die einflussreichste Gruppierung bis in die 50er Jahre, dann kam die sogenannte „kognitive Wende“.
1 vgl. Edelmann „Lernpsychologie“ 2000, Kapitel 1
2 vlg. Müller „Lerneffizienz mit E-Learning“ 2004, S.41
4
Heute finden behavioristische Lernansätze aufgrund ihrer mechanischen Vorstellung vom menschlichen Verhalten kaum noch Zustimmung. 3
Aufgrund neuer Erkenntnisse der kognitiven Forschung, wurde Lernen nun als Prozess der Informationsverarbeitung betrachtet. Wissen wurde als Menge von Fakten und Regeln, welches unabhängig von Personen existiert, gesehen. Das Wissen über die Welt war nun das Ergebnis eines subjektiven Konstruktionsprozesses und keine passive Abbildung objektiver Sachverhalte mehr.
Doch auch diese Theorie wurde kritisiert, demnach wurde menschliche Wahrnehmung nur noch auf die Denkprozesse beschränkt. Die Bedeutung sozialer, emotionaler und motivationaler Prozesse werde vernachlässigt. 4
Ein weiterer Paradigmenwechsel folgte daher in den 90er Jahren. Diese Theorie ist jedoch noch nicht ausgereift und noch gibt es keine wirkliche Einigung. Allerdings weiß man nun, dass Lernen auch die Lebenswelt des Lernenden einschließt. Wissen ist demnach nun eine eigenständige Konstruktion des Lernenden aus seinen eigenen Erfahrungen und in Bezug auf seine eigenen Probleme und Lebensumstände. 3
3 vgl. vgl. e-teaching@university „Einsatz digitaler Medien an der Hochschullehre aus
lerntheoretischer Sicht“
4 vgl. vgl. Erik Minass „Dimensionen des E-Learning „ 2002
5
Lerntheorien im Überblick
Abb.1 Lerntheorien
Quelle: 5 Gartz S. 28 Lernen im Netz- pädagogische Aspekte Institut für Arbeit und Technik, Gelsenkirchen 2000
6
2.1.2 Elearning
Elearning ist ein relativ neuer Begriff, er soll erst im Jahre 1998 entstanden sein 6
Jedoch gibt es bisher noch keine klar abgegrenzte Definition und über den Ursprung gibt es Uneinigkeit. Während die einen Autoren meinen, Elearning wäre in der elektronischen Bewegung entstanden, durch die Richtungen Netze und Elektronik, meint die andere Seite, Elearning sei aus dem Distance learning entstanden. Dabei handelt es sich um die klassische Form des Fernunterrichtes durch Korrespondenzkurse 6
Die führenden Spezialisten auf diesem Gebiet, wie z.B. Esser und Kerres verbinden Elearning vor allem mit der Anwendung der Medien. 7
Müller bezeichnet mit Elearning alle vernetzten Formen elektronischer Wissensvermittlung, bei denen Lerninhalte mit Hilfe von Computern (Multi)medial vermittelt und durch den Lernenden verarbeitet werden.
Also handelt es sich zusammengefasst bei Elearning um Systeme, die Lernen ermöglichen und Lerninhalte darbieten. Diese Systeme sind örtlich unabhängig und das Lernen erfolgt meist gruppenbezogen oder individuell.
6 vgl. Erik Minass „Dimensionen des Elearning- Neue Blickwinkel und Hintergründe
für das Lernen mit dem Computer“ 2002
7 Kerres, Michael „Multimediale und mediale Lernumgebungen“ S. 55ff 8 Esser, Friedrich Hubert „ELearning in der Berufsausbildung“ 2000, S. 26
7
2.1.3 Medien
Medien sind Gegenstände und Geräte, die Informationen veranschaulichen, oder aufbereiten.
Dabei orientieren sie sich vor allen nach den menschlichen Sinnesorganen, in visuelle (Texte, Einzelbild, Bewegbild) oder auditive (Sprach, Geräusche, Musik) 9
Abb. 2 Medien
Multimedia
Werden mehrere Sinneskanäle gleichzeitig angesprochen und mehrere Medien verknüpft, spricht man von Multimedia, welche heute fast nur noch zu finden ist. 10
9 vgl. Maier 1998 Grundkurs Medienpädagogik S. 16
10 vgl. Müller „Lerneffizienz mit Elearning“ S. 97
8
2.2 Lernen
Mit der traditionellen behavioristischen Lerntheorie wurde vorwiegend durch Aufnehmen und Behalten und dem willkürlichen Erinnern des zu lernenden Inhaltes Wissen vermittelt. Es wurde auswendig gelernt, die Fächer waren stark abgegrenzt, Lernkontrollen erfolgten streng und führten daher oft zu negativen Assoziationen mit dem Lernen. 11
Der Lernende an sich nahm eine passive Rolle ein. Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich der Lernende allerdings vom passiven Zuhörer zu einem mitdenkenden Akteur in der experimentellen Lerntheorie verwandelt. 12
Lernen bedeutet nun „ ein Prozess, bei dem der Mensch Erfahrungen sammelt und über gemachte Erfahrungen nachdenkt“.
Kolb bildete einen Lernzyklus, bei jedem Durchlauf dieses Zykluses lernte der Mensch aus seinen Erfahrungen und baut sein Gedankenmodell über die Welt aus .13
Die kognitive Forschung der Psychologie und der Informatik sieht „Wissen als eine Ansammlung von Fakten (deklariertes Wissen) und Regeln (prozedurales Wissen) die unabhängig von Personen objektiv besteht.“ Lernen wird dann als ein Prozess gesehen, bei dem ein Lehrer versucht, einen Teil dieses objektiven Wissensbestandes zu vermitteln. Wir wissen allerdings heute, dass Wissen nicht allein von Person zu Person übertragbar ist, sondern immer durch einen aktiven Kontraktionsprozess des Lernenden beeinflusst wird.
Das Gelernte kann nicht von der Lernsituation getrennt werden. Dieses ist jedoch empirisch schwer überprüfbar.
11 vgl. Müller „Lerneffizienz mit Elearning“ S. 50
12 vlg. Issing, Ludwig „Information und Lernen mit Multimedia“ S. 197
13 vgl. Schulmeister, Rolf „Didaktisches Design aus hochschuldidaktischer Sicht“ S. 22
Abb. 3 Erfahrungsorientierter Lernzyklus (Kolb, 1984)
Das Lernen aus Situationen heraus muss auch anders geplant werden, es ist schwieriger zu kontrollieren, in welchem Maße die einzelnen Lernenden davon profitieren, die Erstellung ist meinst kostspielig und die Distanz von der Lernsituation und der Anwendungssituation kann oft nicht vollständig geschlossen werden. Die Grenze zur Realität verschwindet allmählich. 15
Erfolgreiches Lernen erfolgt nach Grüning vor allem, durch Lernkompetenz. Spaß macht es dann, wenn die Lernfähigkeiten mit den Herausforderungen übereinstimmen. Man kann sich dann vollkommen auf diese Aktivität konzentrieren. Es handelt sich dabei um das sogenannte „Flow-Gefühl“ ein Zustand, in dem alles fließt. 15 Demnach ist Lernen nicht nur Wissensvermittlung, sondern auch die emotionale Beteiligung des Lernenden am Thema und die Herstellung einer emotionalen Verknüpfung mit diesem. 16
14 vgl. Schulmeister, Rolf „Didaktisches Design aus didaktischer Sicht“ S. 22
15 Christian Grüning 2005 „Garantiert erfolgreich lernen“ S.43
16 Stang, Richard „Bibliotheken und lebenslanges Lernen“ S. 12
10
2.2.1 Veränderung der Gesellschaft und Auswirkungen auf das Lernen
Im 18. Jahrhundert dauerte es noch 1000 Jahre bis sich das Wissen
verdoppelte, heute sagt man es dauert nur noch 5 Jahre. Durch die Entstehung der Informationsgesellschaft ist Information und Wissen immer mehr als wertvoller Faktor in den Mittelpunkt geraten. In der Ökonomie verschärft sich der Wettbewerb, ein Lebenszyklus eines Produktes wird immer kürzer, die Globalisierung schreitet voran und ein Wissensvorsprung ist oftmals der entscheidende Wettbewerbsfaktor, der ein Unternehmen erfolgreich macht. 17
Doch auch die Technologie verändert sich rasant. Überall entstehen Netzwerke und Wissen wird immer mehr überall ohne Zeitverzögerung verfügbar. Die Ausbreitung von Netzen wird auch durch die massiv gesunkenen Kosten für die Verarbeitung, Speicherung und Übertragung von Daten enorm verstärkt. 18
Es wird davon ausgegangen, dass sich das Fachwissen in weit weniger als zehn Jahren weitgehende erneuert, wobei zu erwarten ist, dass die Innovationszyklen noch kürzer werden. Wissen wird also immer wichtiger, doch wächst auch das Bewusstsein seiner zunehmenden Wertminderung über die Zeit. Daher tun sich die Länder, vor allem Deutschland mit den Investitionen in die Bildung schwer.
Mit etwas über 5 % des öffentlichen Haushalts steht Deutschland im OECD Vergleich der Staaten Frankreich Schweden USA bei den Ausgaben für Schule und Hochschule am Schluss. Diese Bildungskrise betrifft aber nicht nur die Investitionen, sondern auch die Fortschrittsfeindlichkeit, ein Beispiel hierfür ist die Vergabe der Studienplätze bei der ZVS. 19
17 vgl. Müller, Matthias „Lerneffizienz bei Elearning“ S. 30
18 vgl. Feld G. Mobile Wirtschaft-immobile Gesellschaft- Die verkannte Chance der
Globalisierung in NZZ Fokus Zürich 1999 S. 22-24)
19 vgl. Glotz/Hamm „Wirtschaftliche bildungspolitische Prämissen in Deutschland“
11
2.2.2 Lebenslanges Lernen
Lange ging man davon aus, dass die Schulbildung und Erstausbildung als Wissensgrundlage für das Arbeitsleben ausreicht, damals war dies auch durchaus möglich. Doch in der heutigen Zeit, in der sich das Wissen so schnell verändert, ist es kaum mehr denkbar, allein mit der Ausbildung genug Kenntnisse zu haben, um ein ganzes Arbeitsleben erfolgreich zu sein. Daher ist es unumgänglich, die Lücke zwischen Ausbildung und geforderter Qualifikation fortwährend zu schließen. Es handelt sich dabei um einen lebenslangen Lernprozess. Lebenslanges Lernen ist allerdings nicht auf die Weiterbildung reduzierbar, sondern besteht überwiegend auch aus Lernen im Bereich der Arbeit, im sozialen Umfeld und auch mit Multimedia. 22
„Die wichtigste Fähigkeit, die den Lebenslauf eines Menschen bestimmt, ist heute bereits die, neue Fähigkeiten zu erwerben, für neue Konzepte offen zu sein, neue Situationen einschätzen zu können, mit dem Unerwarteten fertig zu werden.“ 20
Im Jahre 2003 einigten sich die Politik und die Wirtschaft in einer Konferenz der OECD über die Finanzierung von Lebenslangem Lernen. Lebenslanges Lernen zu fördern, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sie nutzt den Menschen, dem Staat, der Wirtschaft und der Gesellschaft vor allem auf dem Weg zur Wissensgesellschaft. Gefördert muss v.a. die Stärkung des
Individuums und seiner Nachfrage, Zugang zu Bildung ermöglichen auch für bildungsferne und lernschwache Gruppen. Für die Bildung muss mehr investiert werden. 21
20 vgl. Papert (1994) „Revolution des Lernens, Kinder Computer Schule in einer
digitalen Welt“
21 vgl. OECD Konferenz 2003, S. 1
22 vgl. Zeller, Beate „Zukunft der einfachen Arbeit“ 2004
12
2.2.3 Kompetenzlernen
Wie schon zuvor beschrieben sind Kompetenzen die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und Arbeiten. So zählt bei einer Führungskraft immer weniger das Fachwissen oder die Fachkompetenz, wie die Fähigkeit mit seinen Untergebenen umzugehen. Eine fachliche Frage lässt sich durch den Zugang zu den Medien schnell beantworten, sozialer Umgang untereinander oder die Fähigkeit zu motivieren jedoch sind heute wichtiger den je.
Die Menge von Informationen wächst ständig und die wirkliche Herausforderung und Kompetenz besteht nun darin, die gewünschten
Informationen zu erkennen und zu bewerten, das wichtige vom unwichtigen zu unterscheiden. Nicht mehr das feste Fachwissen ist das ausschlaggebende, sondern die Selbstorganisation und Kompetenz zum Lernen. „Wer ein hohes Maß an Selbstorganisationsdisposition - als Metakompetenz - besitzt, kann mit formellen wie mit informellen Wissen in offenen, kreativitätsfördernde Situationen ganz anders umgehen, als derjenige, bei dem diese Disposition nur schwach ausgeprägt ist.“ Beispiel hierfür, ist „nicht der gering qualifizierte Computerfreak, der einen Unmenge über spezifische Hard- und Softwareprodukte weiß und im stillen Kämmerchen anwendet, hat berufliche Chancen, sondern der gering qualifizierte Computerbegeisterte, der selbständig neue Programmierlösungen oder Internetauftritte für andere Personen und Firmen entwickelt, der sich Reparaturaufgaben selbst sucht und Vertriebsaufgaben selbst organisiert.“ 23
Im Umgang mit den neuen Medien kommt der Lernende nicht ohne Medienkompetenz zurecht. Medienkompetenz wird zum einen als die „ maßgebliche Basisqualifikation für den Erfolg im Berufsleben betrachtet, zum anderen als eine Art Schutzhülle gegenüber möglichen negativen Einflüssen der Medien“ 24
23 vgl. Zeller, Beate „Zukunft der einfachen Arbeit“ 2004
24 vgl. Bonfadelli, H. „Die Wissenskluftperspektive Massenmedien und gesellschaftliche
Information“
13
2.2.4 Wissen und Wissensmanagement
Wie in den vorigen Kapiteln klar wurde, ist Wissen und das richtige Einsetzen dieses Wissens der entscheidende Faktor für den Erfolg, zum einen für Unternehmen, zum anderen für den Menschen im Berufsleben überhaupt. Doch was nutzen einem Unternehmen Mitarbeiter, die sich enormes Wissen angeeignet haben, dieses aber nicht bereit sind, weiterzugeben. Man könnte sich beispielsweise auch einen Migranten vorstellen, der eine spezielle Sprache beherrscht, diese aber nicht anwenden kann, weil niemand davon weiß. Aus diesem Grunde ist es für moderne Managements unverzichtbar, das Wissen eines Unternehmens zu managen. Wissensmanagement erfasst, selektiert, aktualisiert und strukturiert Wissen, es macht es für andere zugänglich und fördert die Nutzung dieser Erkenntnisse. Die Basis des Wissens eines Unternehmens umfasst alle Daten, Informationen, Fähigkeiten und alles Wissen, welches zur Bewältigung der Unternehmensaufgaben erforderlich ist. Mit dem Wissensmanagement kann das Unternehmen diese Wissensbasis beeinflussen und besser nutzen.
Beim Wissensmangement werden nicht nur die Technologien, sondern auch die Menschen und die Organisation mit einbezogen. Es handelt sich um ein Konzept, welches sich auf das gesamte Unternehmen auswirkt. In der Folge der Globalisierung ist die Nachahmung von Produkten weit verbreitet, einzelne Bauteile, Systeme können leicht kopiert werden, jedoch das Wissen und die Erfahrungen der Belegschaft ist das wertvollste und nicht so einfach
nachzuahmende Kapital eines Unternehmens. Vgl. 25
25 vlg. Hasebrook / Otte „Elearning im Zeitalter des E-Comerce“2002, S. 26
14
Die Japaner Nonaka und Tekeuchi entwickelten die Wissensspirale, demnach Wissen entweder impliziert oder expliziert ist. Der Unterschied von Expliziertem und impliziertem Wissen besteht darin, dass explizierte Wissen außerhalb der Köpfe einzelner Personen steht, impliziertes Wissen jedoch lässt sich nicht in Worte fassen, ist Intuition oder Erfahrung, und es ist im Kopf einer Person gespeichert, daher Personengebunden. Laut Nonaka/Tekeuchi sind impliziertes und expliziertes Wissen komplementär, also nicht von einander zu trennen. Wissen wird durch eine Interaktion zwischen Beiden Bereichen geschaffen und erweitert. (Wissensumwandlung. Westliche und japanische Unternehmen gehen auch unterschiedlich mit ihrem Wissen um. Im Gegensatz zu den Japanern stellen westliche Firmen ihre Schwerpunkte auf expliziertes Wissen, analytische Fähigkeiten. Es existieren Datenbanken, Handbücher Dokumente und so weiter. Konzepte werden fast immer von der Führung geschaffen. Japanisch Unternehmen hingegen nutzen eher die bildliche Sprache, ihre körperlichen Erfahrungen zur Wissensschaffung. Da Japaner eher schwach analytisch ausgebildet sind, kompensieren sie dies mit häufigem zwischenmenschlichem Austausch. 26
Abb. 4 Die Wissensspirale nach Nonaka / Takeuchi Quelle: Nonaka/Tekeuchi
26 vgl. Nonaka/Takeuchi „Die Organisation des Wissens“
15
North hat in seiner Treppe das Wissen in Stufen unterteilt. Vom den untersten einfachen Daten wird die Treppe nach oben hin immer höher und das Wissen komplexer. Je höher die Treppe, desto schwerer lassen sich diese Informationen kopieren und dementsprechend imitieren.
Das Können und Handeln geht über zur Kompetenz, die Fähigkeit, richtig zu handeln. Wie unter dem Punkt „Kompetenzlernen“ schon erläutert, sind Kompetenzen heutzutage unverzichtbar. Es genügt nicht mehr nur Fertigkeiten zu haben, sondern der Mitarbeiter sollte auch Problemlösungsstrategien selber erarbeiten können. Auf der obersten Stufe steht die Einzigartigkeit eines Unternehmens. Damit sind alle kompetenten Mitarbeiter zusammen gemeint. Nur mit so einer Belegschaft hat ein Unternehmen diese Einzigartigkeit, welche sie benötigt, um einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten zu haben. Denn nur so kann ein Unternehmen am Markt erfolgreich sein. 27
Abb. 5 Die Wissenstreppe nach North
Quelle: North, Klaus S. 31 Wissensorientierte Unternehmensführung
27 vgl. North;“ Klaus Wissensorientierte Unternehmensführung“ 2005, S. 32
16
Zusammenfassung:
Lernen zu dürfen ist ein Privileg, noch vor einigen hundert Jahren waren Bücher ein Luxus, den sich nur die Kirche leisten konnte. Geschrieben Worte waren wertvoll, da sie umständlich von Hand abgeschrieben werden mussten. Lesen und Schreiben konnte fast niemand.
Im westlichen Europa hat in der heutigen Gesellschaft jeder Mensch die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Kinder wachsen heran mit Lerncomputern, strategischen Spielen und Internet. Sie werden mit Informationen überhäuft, alles ist wichtig und alles ist informativ. Die Menschen sehen sich die Nachrichten mit übermäßigen Bildern von Bomben und Zerstörung an, als wären sie live dabei. Egal wo man hingeht, überall kann man noch mehr erfahren, gibt es wieder neues zu lernen. Der Drill von früher ist vergessen, das Lernen heute ist Erleben und Entdecken. Es soll Spaß machen, sich auf die eigene Erfahrung beziehen.
Die Aussicht, heute überall an Informationen zu kommen, veränderte die Lerneinstellung der Menschen. Interessierte sitzen vorm Computer und finden Dinge, dessen Suche sie in Bibliotheken Monate gekostet hätte. Es können Museen virtuell besucht werden, Texte von berühmten Leuten gelesen, sich mit Menschen unterhalten werden, denen man sonst nie begegnet wäre. Kurz gesagt, die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Auch für die Unternehmen hat sich mit der Informationsgesellschaft einiges geändert. Nun kann sich ein Betrieb nicht mehr darauf ausruhen, einfach nur zu produzieren. Zu groß ist die Gefahr, gerade im derzeitigen Wettbewerb, dass ein Konkurrent ein selbes Produkt besser oder günstiger anbietet. So müssen Unternehmen ihre Informationen sichern, das Wissen der Mitarbeiter managen und vor allem die Kompetenzen der Belegschaften fördern.
Gelernte Dinge verändern sich nun auch sehr schnell wieder. Der Mensch muss nun das zuvor gelernte vergessen können und neues hinzulernen. Er muss flexibler sein, immer auf dem neuesten Stand des Wissens in seinem Fachgebiet. Lebenslanges Lernen ist zu einer Verhaltensvoraussetzung geworden.
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Diplom Betriebswirtin Manuela Boettcher, 2008, E-Learning für Benachteiligte , München, GRIN Verlag GmbH
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