Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Untersuchungsteil 3
1. Präsentation der zu analysierenden Handbücher 4
1.1 Historia de España y su influencia en la historia universal 4
1.2 Historia de España 4
1.3 Historia general de España y América 5
2. Die sprachliche Präsentation der Darstellungen 5
3. Der Umgang mit Quellen und Forschung 7
4. Die Darstellung der Vertreibung 8
4.1 Der Fall Granadas 1492 - Das Ende der Reconquista 8
4.2 Das Schicksal der Mauren - Zwangstaufe und Verfolgung 10
4.3 Ursachen und Folgen der Migration 12
5. Bewertung der maurischen Herrschaft in Spanien 14
III. Schlussbetrachtung 15
Bibliographie 17
2
I. Einleitung
Die Vertreibung der Mauren von der Iberischen Halbinsel, seit Jahrhunderten im Zuge der Reconquista von den Spaniern betrieben, wurde 1492 mit dem Fall Granadas besiegelt. In der Kapitulationsakte wurden den Mauren zunächst Zugeständnisse in Bezug auf freie Religionsausübung gemacht, doch schon nach wenigen Jahren unterlagen sie zahlreichen Restriktionen. In Granada erhoben sich schließlich die Mauren, doch ihre Aufstände wurden von der spanischen Krone niedergeschlagen und führten 1502 zu Zwangstaufe beziehungsweise Vertreibung der Muslime aus Kastilien, der 1525/26 die Muslime Aragóns folgten. Weitere Aufstände führten 1609 zur Vertreibung der Morisken, der getauften Muslime, aus ganz Spanien. Wie viele andere Migrantengruppen der Frühen Neuzeit waren sie gezwungen ihre Heimat aus religiösen Gründen zu verlassen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung dieser Vertreibung in der modernen spanischen Historiographie des 20. Jahrhunderts. Dazu wurden drei Handbücher ausgewählt: Historia de España y su influencia en la Historia Universal von Antonio Ballesteros y Beretta 1 , Historia de España, herausgegeben von Ramón Menéndez Pidal 2 , sowie die Historia General de España y América, herausgegeben von Luis Suárez Fernández 3 . Anhand dieser Werke, die im Folgenden kurz vorgestellt werden, soll die Auseinandersetzung spanischer Gelehrter mit der Vertreibung der Mauren in der Historiographie verdeutlicht werden. Dazu werden die Werke bezüglich Darstellung, Umgang mit Quellen und Forschung sowie sprachlicher Präsentation untersucht. Neben den Ursachen für die Vertreibung aus Spanien sollen auch die Folgen der Migration in den Blick genommen werden. Abschließend wird nach einer Bewertung der maurischen Herrschaft in Spanien durch die Geschichtsschreibung gefragt. Aus Platzgründen wird dabei die Kenntnis der Geschichte vom Fall Granadas 1492 bis zur Vertreibung der Mauren aus Spanien 1609 vorausgesetzt.
II. Untersuchungsteil
Einer kurzen Präsentation der Handbücher folgt der Vergleich dieser unter verschiedenen Aspekten. Dabei sollen auch Sprache und Umgang mit Quellen und Forschung berücksichtigt werden, das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Untersuchung der einzelnen Darstellungen
1 Antonio Ballesteros y Beretta: Historia de España y su influencia en la Historia Universal, 9 Bde. Barcelona
1918-1941.
2 Ramón Menéndez Pidal (Hrsg.): Historia de España, 42 Bde. Madrid 1954-2003.
3 Luis Suárez Fernández (Hrsg.): Historia General de España y América, 19 Bde. Madrid 1985-1991.
3
bezüglich des Falles von Granada mit den Kapitulationsverhandlungen, der beginnenden Vertreibungen und Zwangstaufen sowie der Folgen der Migration für die Spanische Krone.
1. Präsentation der zu analysierenden Handbücher
Zur besseren Vergleichbarkeit entstammen die ausgewählten historiographischen Darstellungen unterschiedlichen Epochen. Die entsprechenden Bände der jeweiligen Handbücher erschienen zum Ende der Monarchie, zu Beginn der Diktatur Primo de Riveras, in der FrancoÄra und zur Zeit der Demokratie. Vor der inhaltlichen Analyse sollen diese zunächst bezüglich Umfang, Aufbau und Ausrichtung beschrieben werden.
1.1 Historia de España y su influencia en la Historia Universal
Das neunbändige Handbuch Historia de España y su influencia en la Historia Universal von Antonio Ballesteros y Beretta erschien zwischen 1918 und 1941 in Barcelona. Schwerpunktmäßig behandeln die einzelnen Bände des Madrider Geschichtsprofessors die politische Geschichte Spaniens. Am Ende eines jeden Kapitels finden sich Anmerkungen, Literaturangaben am Ende des Bandes. Die Sekundärliteratur umfasst spanische, katalonische, portugiesische, italienische und französische, aber auch deutsche und englische Texte. Zahlreiche Abbildungen von berühmten Persönlichkeiten, Bauwerken, Statuen, Gemälden, Gegenständen und Unterschriften dienen der Veranschaulichung. Die für die Fragestellung dieser Arbeit relevanten Bände des Professors für Spanische und Amerikanische Geschichte in Madrid erschienen in den Jahren 1922 und 1926.
1.2 Historia de España
Die 42 Bände umfassende Historia de España, herausgegeben von Ramón Menéndez Pidal, erschien zwischen 1954 und 2003 in Madrid. Nach seinem Tod 1968 übernahm José María Jover Zamora, Professor für Neuere Geschichte in Madrid und Mitglied der Königlichen Akademie für Geschichte, die Leitung 4 . Die einzelnen Bände haben jeweils eine Epoche zum Gegenstand, etwa „España Romana“, „España Visigoda“ oder „La epoca de Franco“. Die Historia de España zeichnet sich gegenüber Ballesteros y Beretta durch kürzere Kapitel aus, die die Reihe übersichtlicher und leserfreundlicher gestalten. Für die Fragestellung dieser Arbeit sind insgesamt fünf Bände relevant. So zum Beispiel die zwei Volumen umfassende „España de los Reyes Católicos (1474-1516)“, erschienen 1969, sowie der 2000 von Jover Za-mora herausgegebene Band „El reino nazarí de Granada (1232-1492) - Sociedad, vida y cul-
4 Vgl. http://todoenciclopedias.com/espasa/obras/menendezpidal.html (letzterZugriff am 16.03.07).
4
tura“. Die einzelnen Bände behandeln schwerpunktmäßig Politikgeschichte. Zu Beginn eines jeden Kapitels wird eine Übersicht über die jeweilige Quellen- und Forschungslage gegeben, am Ende des Kapitels finden sich die Anmerkungen. Zahlreiche Abbildungen, in den neueren Bänden farbig, dienen der Veranschaulichung.
1.3 Historia General de España y América
Zwischen 1985 und 1991 erschien in Madrid die 19 Bände umfassende und von Luis Suárez Fernández, Professor für Mittelalterliche Geschichte in Madrid, herausgegebene Historia General de España y América. Die einzelnen Bände beschäftigen sich mit Epochen der Spanischen und Hispanoamerikanischen Geschichte wie z.B. der Franco-Ära, der Zweiten Republik und dem Spanischen Bürgerkrieg oder Amerika im 17. Jahrhundert. Behandelt werden verschiedene Bereiche der Geschichte wie Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Gesellschaft und Kirche. Abbildungen von Bauwerken, Gemälden, Urkunden, Grundrisse und Karten dienen dabei der Veranschaulichung. Von Interesse sind hier der 1981 erschienene Band „Los Trastámara y la unidad española (1369-1517)“ sowie die beiden Bände „La época de plentitud (1517-1598)“ und „La crisis de la hegemonía española, siglo XVII“ von 1991. Anhand der kommentierten Kurzbibliographie, die sich am Ende eines jeden Kapitels findet, wird deutlich, dass Suárez Fernández hauptsächlich Sekundärliteratur - spanische, italienische, französische und deutsche Texte - und nur vereinzelt Quellen verwendet. 5
2. Die sprachliche Präsentation der Darstellungen
Alle drei Werke sind in der Umgangssprache abgefasst und berücksichtigen damit einen wichtigen Aspekt der Historiographie. Darüber hinaus relevant ist sprachliche Objektivität, d.h. der Gebrauch sachlicher Äußerungen, die weder von Gefühlen noch von Vorurteilen bestimmt sind. In der Geschichtswissenschaft wird Objektivität allerdings zum Problem: Einerseits beanspruchen die Wissenschaftler für ihre Ergebnisse Allgemeingültigkeit, andererseits ist ihre Arbeit abhängig von ihren persönlichen Einstellungen und denen ihrer Leser. 6 Bei Ballesteros y Beretta 7 lassen sich im Hinblick auf die Araber wertende Aussagen finden: Neben sachlich korrekten Bezeichnungen wie "musulmanes hispanos" 8 , "moro" 9 , "moros" 10 ,
5 Vgl. Suárez Fernández: Historia General, Bd. 5: Los Trastámara y la unidad española (1369-1517). Madrid
1981, S. 538, 612f.; Bd. 6: La época de plentitud (1517-1598). Madrid 1991, S. 332; Bd. 8: La crisis de la hege-
monía española, siglo XVII. Madrid 1991, S. 646f.
6 Vgl. Christian Meier: Programm einer Geschichtsschreibung. In: Sprache der Geschichte, hrsg. von Jürgen
Trabant. München 2005 (Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 62), 149-164, S. 151f.; Jörn Rüsen: Ob-
jektivität. In: Handbuch der Geschichtsdidaktik, hrsg. von Klaus Bergmann. Seelze 1997, 160-163, S. 160.
7 Vgl. Ballesteros y Beretta: Historia de España, Bd. 3, S. 671-690.
8 S. Ballesteros y Beretta: Historia de España, Bd. 3, S. 671.
5
Arbeit zitieren:
Astrid Ahl, 2007, Die Vertreibung der Mauren in der spanischen Historiographie des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Papstschisma und Synode von Pavia 1160
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 25 Seiten
Die Verfolgung der Conversos durch die spanische Inquisition
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Abtreibung und Verhütung im Mittelalter
Philosophie - Philosophie des Mittelalters (ca. 500-1350)
Hausarbeit, 29 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 21 Seiten
Die natur- und heilkundlichen Theorien der Hildegard von Bingen
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 23 Seiten
Mode um 1500 und im "Narrenschiff"
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 17 Seiten
Friedrich I. Barbarossa und die oberitalischen Städte - Brennpunkt Mai...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 18 Seiten
Das Leben und Wirken des Erzbischofs Rainald von Dassel
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Magisterarbeit, 122 Seiten
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Gesellschaft und Wirtschaft in Al-Andalus
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Die maurische Stadt in Spanien
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Hausarbeit (Hauptseminar), 43 Seiten
Ketzerbekämpfung im 13. Jahrhundert
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
Das islamische Spanien im Blick von Moslems und Christen
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Das Seelenheil von ungetauft verstorbenen Kindern und die Topografie d...
Seminararbeit, 18 Seiten
Astrid Ahl's Text Die Vertreibung der Mauren in der spanischen Historiographie des 20. Jahrhunderts ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Astrid Ahl hat den Text Die Vertreibung der Mauren in der spanischen Historiographie des 20. Jahrhunderts veröffentlicht
Astrid Ahl hat einen neuen Text hochgeladen
Deutsche Gewerkschaften und europäische Integration im 20. Jahrhundert
Mitteilungsblatt des Instituts...
Willy Buschak, Bernd Bühlbäcker, Cyril Gläser, Holger Heith, Karl Lauschke, Klaus Mertsching, Jürgen Mittag
Beiträge zur Freiburger Historiographie des 18. und 19.Jahrhunderts
Guillimann - Alt - Berchtold -...
Christoph Pfister
Die Philosophie des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts 3
Lebensphilosophie und Existenz...
Rainer Thurnher, Wolfgang Röd, Heinrich Schmidinger
Wissenschaftsforschung zur Genese der Psychologie in Deutschland vom a...
Susanne Guski-Leinwand
0 Kommentare