Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund des Geschehens auf Kreta. 1
3 Theseus, der Minotaurus und Ariadne im Text von Ovid 2
3.1 Ovid - Leben, Werk und zeitgeschichtlicher Hintergrund 2
3.2 Zusammenfassung des Mythos bei Ovid 3
3.3 Analyse des Textes 4
3.3.1 Formal. 4
3.3.2 Inhaltlich 5
3.4 Interpretation. 6
4 Ariadne und Theseus - Darstellung in Jean-Baptiste Regnaults
Gem älde. 8
4.1 Jean-Baptiste Regnault - Leben, Werk und zeitgeschichtlicher Hintergrund 8
4.2 Analyse des Bildes. 9
4.3 Interpretation. 10
5 Vergleich zwischen Text und Bild. 11
6 Beurteilung von Theseus’ Verhalten. 12
6.1 Allgemeine Definition von Werten 12
6.2 Werte zur Zeit Ovids 12
6.3 Werte zur Zeit Regnaults 13
6.4 Werte heute 14
6.5 Bezug zum Mythos 15
7 Fazit 16
8 Anhang 17
8.1 Literaturangaben 17
Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Inhaltsverzeichnis
8.2 Antike Überlieferung des Mythos 18
8.3 Das Labyrinth - eine Gegenüberstellung des deutschen und des lateinischen
Textes. 19
8.4 Bilder 21
8.5 Erklärung der selbstständigen Erarbeitung 23
8.6 Einverständniserklärung 23
Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Einleitung
1 Einleitung
In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem antiken griechischen Mythos über Theseus und den Minotaurus. Ich versuche, das Verhalten von Theseus moralisch zu bewerten und beziehe mich dabei sowohl auf antike als auch auf neuzeitliche Wertmaßstäbe. Ich habe die Arbeit in drei größere Abschnitte untergliedert. Anfangen werde ich mit der Bearbeitung des Mythos aus 5
den Metamorphosen von Ovid. Der zweite Teil ist dem Gemälde „Ariadne und Theseus“ von Jean-Baptiste Regnault gewidmet. Sowohl den Text als auch das Gemälde analysiere ich zunächst und schließe dann eine Interpretation der jeweiligen Darstellung an. Ich beende diesen Teil mit einem Vergleich der beiden Werke. Der dritte und letzte Teil dient der Beantwortung meiner Leitfrage. Über eine allgemeine Wertebeschreibung komme ich zur Beurteilung des 10 Verhaltens von Theseus.
2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund des Geschehens auf Kreta
Mit dem folgenden einleitenden Kapitel soll ein Überblick gegeben werden über die Situation auf Kreta zu der Zeit, in der der Mythos angesiedelt werden kann. Ich habe die Geschichte und 15
die Traditionen Kretas bis zum Ende der minoischen Zeit dargestellt. Die ersten Menschen kamen zwischen 6000 und 5000 v. Chr. aus Asien oder Afrika nach Kreta. Sie wohnten erst halbnomadisch in Höhlen, begannen aber schon früh Wohnhäuser zu errichten. 3000 v. Chr. kamen erneut Einwanderer aus Hochkulturen Kleinasiens nach Kreta und assimilierten sich schnell mit der dort schon lebenden Bevölkerung. Sie brachten Kenntnisse und Fä-20
higkeiten mit, die Kreta schon bald zu einem Aufschwung führten: es entstand ein reger Handel und Austausch mit dem Festland und anderen Kulturen. Diese neue Bevölkerung nannte sich Minoer. (vgl. Fohrer, S. 74 f.)
2000 v. Chr. hatten sich die Minoer ihre Herrschaft im Mittelmeer gesichert und begannen Paläste zu bauen. Nachdem die Paläste Kretas durch eine Naturkatastrophe, wahrscheinlich durch 25
ein Erdbeben, um 1700 v. Chr. zerstört worden waren, wurden sie noch komplizierter und eindrucksvoller wieder aufgebaut. Die nächsten 250 Jahre gelten als der Höhepunkt der minoischen Kultur. Knossos war in dieser Zeit der Mittelpunkt der Insel. Der Handel und das Handwerk blühten und der Lebensstandard der Bevölkerung war gut. Zwischen 1450 und 1400 v. Chr. zerfiel die minoische Herrschaft und die Mykener übernahmen die Herrschaft auf Kreta sowie auf 30
dem Festland. (vgl. Fohrer, S. 74 - S.81)
Die Menschen, die aus Asien kamen, glaubten an die „Magna Mater“ (Mutter Erde). Sie lebten nicht in einem Patriarchat, sondern in einem Matriarchat, also einer weiblich-mütterlichen Kul-
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Theseus, der Minotaurus und Ariadne im Text von Ovid
tur. (vgl. Jaskolski, Kap. 3, S. 7 f.) Verehrt wurde „die große Göttin, die Mutter allen Lebens. Sie bleibt sich ewig gleich, während ihr Paredros, sozusagen ihr ‚ständiger Begleiter’, der stiergestaltige Geliebte, dem Wechsel der Jahreszeiten unterworfen, stirbt und aufersteht.“ (Jaskolski, Kap. III, S. 8).
Diese Vermutung lässt sich z.B. an den noch vorhandenen Darstellungen aus der minoischen 5
Zeit belegen, denn es wurden ausschließlich selbstbewusste Frauen mit entblößten Brüsten dargestellt, keine Männer. (vgl. Fohrer, S. 77 f./ S.80) Der Stier als symbolischer Begleiter der Muttergöttin wird geopfert, um das Königreich zu erhalten und zu stärken, da er das Symbol für Fruchtbarkeit und Stärke ist. (vgl. Jaskolski, Kap. III, S. 9 f.) Stieropfer lassen sich also durch diesen Kult erklären. 10
3 Theseus, der Minotaurus und Ariadne im Text von Ovid
3.1 Ovid - Leben, Werk und zeitgeschichtlicher Hintergrund
Um Ovid richtig einordnen zu können, ist es sinnvoll, auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund einzugehen. Ovid wurde im Jahre 43 v. Chr. in Sulmo geboren, zu einer Zeit, als die Bürger-15
kriege ihren Höhepunkt erreicht hatten. Auch Cicero wurde ein Opfer dieser Bürgerkriege. Deren Folge war die Beseitigung der römischen Republik und Demokratie sowie die Errichtung der Alleinherrschaft des Augustus. Der Einzelne verlor seine bürgerlichen Freiheiten und wurde auch in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt. Augustus betrieb eine Kulturpolitik, die zum Ziel hatte, die neue Monarchie zu propagieren. Das wirkte sich nachhaltig auf das gesamte Kul-20
turleben aus, natürlich auch auf Ovid. Nun zur Biographie Ovids:
Ovid wurde unter dem Namen Publius Ovidius Naso am 20.3.43 v.Chr. geboren. Seine Familie gehörte zum römischen Landadel. Aus diesem Grund konnte er ein Rhetorikstudium absolvieren und übte verschiedene untere Ämter in der Verwaltung Roms aus. Er war aufgrund seiner 25
guten juristischen Kenntnisse unter anderem als Richter in Zivilfragen tätig. Da er durch seine Familie die finanziellen Mittel besaß, zog er sich dann aus dem politischen Leben Roms zurück und begann sich als Dichter zu betätigen. Er war dreimal verheiratet und hatte eine Tochter. Es ist nur sehr wenig über sein Leben in Rom bekannt und auch der Grund für seine Verbannung durch Augustus im Jahre 8 n. Chr. bleibt im Dunkeln. Ovid wurde nach Tomi verbannt und 30
starb dort etwa um 17. n. Chr. (vgl. Holzberg, S. 9-13; http://www.gutenberg.spiegel.de) Vergleichbar mit Vergil entwickelte Ovid sein literarisches Können in drei Stufen. Er begann in jungen Jahren mit Kleindichtung, wie auch sein erstes Werk „Amores“ zeigt, welches in elegi-
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Theseus, der Minotaurus und Ariadne im Text von Ovid
schen Distichen 1 verfasst wurde. In der Kleindichtung legte Ovid den thematischen Schwerpunkt auf Erotik und Liebe. Auch auf der zweiten Stufe, der didaktischen Poesie, war das Thema der Erotik und Liebe wichtig. Es entstanden weitere Werke im Versmaß des elegischen Distichons, wie „Ars Amatoria“ (Liebeskunst) oder „Remedia amoris“ (Liebestherapie). Er erreichte die höchste Stufe der Dichtung mit den „Metamorphosen“ und den „Fasti“. Beide gehören zur 5
Form der epischen Dichtung, doch sind die „Metamorphosen“ ein Hexameteropus und die „Fasti“ sind in elegischen Distichen verfasst. Ovid sah in Vergil ein Vorbild, aber auch eine Konkurrenz. Obwohl beide einen sehr ähnlichen Werdegang hatten, war Vergil Ovid möglicherweise durch sein Alter lange Zeit überlegen. Jedenfalls stellte Ovid den bedeutenden Werken Vergils jeweils zwei eigene Werke entgegen. So stehen Vergils „Bucolica“ nicht nur Ovids 10
„Amores“, sondern auch seine „15 Epistulae Heroidum“ gegenüber. (vgl. Holzberg, S. 9-13) Bis heute gab es immer wieder Zeiten, von Ludwig Traube genannt „Aetas Ovidiana“ (Holzberg, S. 118), in denen die Menschen gerne Ovid lasen, in denen Ovid in der Schule behandelt und neu übersetzt wurde. Die erste Blütezeit der Ovidrezeption war zwischen dem 11.- 13. Jahrhundert. Nachdem Ovid für eine Weile weniger aktuell war, erlebten seine Werke, vor al-15
lem die „Metamorphosen“, in der frühen Neuzeit wieder einen Aufschwung. Gerade in dieser Zeit wurden die „Metamorphosen“ häufig Thema der bildenden Künste. Ab der Epoche der Klassik entstand vor allem in Deutschland eine feindliche Haltung der Menschen gegenüber Ovid und seinen Werken. Ab 1922 begann langsam eine Rehabilitierung Ovids in der Literatur. Der Durchbruch gelang 1988 mit dem Roman „Die letzte Welt“ von Christoph Ransmayrs. So 20
kann man sagen, dass es seit ca. 20 Jahren eine neue Blütezeit der Ovidrezeption gibt. (vgl. Holzberg, S.9-13, 118-121)
3.2 Zusammenfassung des Mythos bei Ovid
Als Grundlage meiner Ausführungen benutze ich die „Metamorphosen“ von Ovid in der Übersetzung von August von Rode und Gerhard Fink. (siehe: 8.3 Das Labyrinth) 25
Der Mythos um Theseus, den Minotaurus und Ariadne entstand um 8 n. Chr. Er behandelt das Thema eines Helden, der seine Heimatstadt und seine Landsleute von einem Monster befreit. Der Minotaurus 2 ist herangewachsen und er beschämt Minos, den König von Kreta, da er den Ehebruch seiner Frau Pasiphae für jedermann sichtbar macht. Also lässt Minos von Dädalus 3 ein Labyrinth bauen, in dem der Minotaurus eingesperrt wird. Dieses Labyrinth entsteht in der Mä-30
anderform und ist so verwirrend, dass Dädalus selbst den Ausgang fast nicht findet. Alle neun
1 Lateinisches Versmaß, bestehend aus Hexameter und Pentameter.
2 Mischwesen aus Stier und Mensch. Ging aus der Verbindung der Königin Pasiphae mit einem Stier hervor.
3 Bekannter Baumeister und Erfinder.
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Theseus, der Minotaurus und Ariadne im Text von Ovid
Jahre werden Menschen aus Athen ausgewählt, die in das Labyrinth geschickt und dadurch dem Minotaurus ausgeliefert und zum Fraß überlassen werden. Zu der dritten Gruppe von Opfern gehört Theseus. Die Tochter des Minos hilft ihm, indem sie ihm einen Faden gibt. Nachdem Theseus den Minotaurus bezwungen hat, findet er so zum Eingang des Labyrinths zurück und flieht mit der Königstochter (Ariadne). Theseus lässt sie dann aber auf Naxos 4 zurück. Dort fin-5
det Bacchus 5 sie und gibt ihr Schutz und Liebe. Außerdem nimmt er ihre Krone und lässt diese als Sterne zum Himmel hinaufwandern.
3.3 Analyse des Textes
3.3.1 Formal
Im Folgenden betrachte ich die Sprache und den Aufbau dieser Darstellung. 10
„Weil eine Jungfrau ihm half, kam er zur schwer auffindbaren Tür zurück, die keiner seiner Vorgänger zum zweiten Mal gesehen hatte; […].“ (Rode/ Fink, S. 188). Hier steht der Nebensatz an erster Stelle. Durch diese Anordnung liegt die Gewichtung nicht auf dem Hauptsatz, sondern auf dem untergeordneten Satz. Für Ovid scheint also die im Nebensatz erwähnte Hilfe sehr wichtig zu sein. Auch kann man annehmen, dass dieser Satzbau für Ovids Stil typisch war, 15
denn er ist mehrfach in dem Mythos zu finden.
Auffallend ist außerdem der häufige Gebrauch von Adjektiven. Ovid benutzt zur Beschreibung des Minotaurus ausschließlich Adjektive mit einer negativen Konnotation wie „schändlich“ (Rode/ Fink, S.187) und „grässlich“ (Rode/ Fink, S.187). Aber auch bei der Beschreibung des Labyrinths werden sehr viele Adjektive benutzt, die dem Leser das Gefühl von Gefahr und Fins-20
ternis geben. Dem Leser wird also die Empathie mit den Personen und der Gesamtsituation erleichtert. Das Wichtigste ist aber, dass insgesamt Adjektive mit wertendem Charakter verwendet werden. So wird uns unweigerlich die Meinung Ovids zu dem Mythos und dem Charakter der Personen mitgeteilt und leicht kommen wir, ohne es wirklich wahrzunehmen, mit seinem Urteil überein. 25
Den Eindruck des Labyrinths illustriert Ovid noch durch einen sehr ausführlichen Vergleich: „Gleichwie in Phrygien der klare Strom der Mäander sein Spiel treibt […].“ (Rode/ Fink, S.188). Die Art des Labyrinths und die Aussichtslosigkeit, jemals aus diesem zurückzufinden, werden so sehr deutlich gemacht. Außerdem lässt der Vergleich den Leser viele Eindrücke sammeln und seine Fantasie weit ausschweifen. 30
4 Insel in der Ägäis und liegt zwischen Kreta und Athen. Der römische Name war Dia.
5 Römischer Gott der Fruchtbarkeit und des Weins (griechisch Dionysos).
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Theseus, der Minotaurus und Ariadne im Text von Ovid
Die „Metamorphosen“ sind ein Hexameteropus und können der epischen Dichtung zugeordnet werden. _ v v _ _ _ / _ _ _ _ v v _ x 6 Vota Iovi Minos taurorum corpora centum
Dies ist der erste Vers des Mythos (siehe: 8.3 Das Labyrinth). Die eingetragenen Längen und 5
Kürzen sind typisch für einen Hexameter.
3.3.2 Inhaltlich
Inhaltlich steht im Mittelpunkt des Mythos nicht, wie man annehmen könnte, der Handlungsverlauf, sondern die Beschreibung des Labyrinths. Sie macht etwa ein Drittel des Textes aus. Dieser Teil scheint außerdem mit einer gewissen Begeisterung geschrieben zu sein. Das Labyrinth 10
wird detailliert und bildhaft beschrieben, wie schon vorher im Vergleich (siehe: 3.3.1 Formal) angedeutet. Das Ende des Abschnitts erscheint überspitzt. Dadurch entsteht ein Höhepunkt von fast satirischer Wirkung, denn „Dädalus [zieht] unzählige Irrgänge und hätte beinahe selbst nicht den Rückweg zum Eingang gefunden, so verwirrend ist sein Bauwerk!“ (Rode/ Fink, S.188). Wenn sich der Baumeister selbst nicht mehr in seinem Bauwerk zurechtfindet, kann 15
man auch von keinem anderen Menschen erwarten. So wird einerseits die Komplexität, Perfektion und Vielfalt von Dädalus Werk dargestellt und andererseits wird die Leistung von Theseus noch mehr verdeutlicht. Indirekt wird so auch die Wichtigkeit des Fadens der Ariadne angedeutet.
Im Gegensatz zum Labyrinth wird die Beziehung und Handlung zwischen Ariadne und Theseus 20
sehr kurz in etwa zwei Sätzen beschrieben, obwohl diese sehr umfangreich hätte sein können (siehe: 8.2 Antike Überlieferung). Das einzige Bemerkenswerte an diesem Teil ist das Wort „grausam“. Ovid benutzt es, um Theseus´ Verhalten gegenüber Ariadne zu beschreiben, als er sie auf Naxos verlässt.
Das Wort Minotaurus besteht aus den Worten „Minos“ und „Taurus“. „Minos“ lässt sich ein-25
fach erklären: Minos ist der König von Kreta und Mann von Pasiphae. „Taurus“ ist lateinisch und bedeutet „Stier“. Also heißt „Minotaurus“ nichts weiter als „Stier von Minos“. (vgl. Jaskolski, Kap. 1, S. 2)
Ovid hebt in seinem Text besonders die Abartigkeit und die Schrecken des Minotaurus hervor (siehe: 3.3.1 Formal). Um den Erwartungen der Leser gerecht zu werden, „ [stillt das Ungeheu-30
er] zweimal seinen Durst mit Athenerblut […].“ (Rode/ Fink, S. 188). Ovid lässt den Minotaurus für den Leser also sehr gefährlich und grausam erscheinen. Theseus wird, indem er also den Minotaurus tötet, für den Leser zum Erlöser, Retter und Helden.
6 _ = lange Silbe; V = kurze Silbe; X = Satzende
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Theseus, der Minotaurus und Ariadne im Text von Ovid
Ovid wählt außerdem ein ganz spezielles Ende. Bacchus bereitet Ariadne den Weg zum Olymp, indem er sie heiratet. Ariadne erhält damit sogar eine sehr viel wichtigere Position als vorher. Sie wird glücklich, obwohl Theseus sie verlässt. Die Verwandlung der Krone in ein Sternbild ist eine der Metamorphosen aus Ovids Werk.
3.4 Interpretation 5
Das Labyrinth hat eine zentrale Bedeutung in dem Mythos, es dient dort als Gefängnis für den Minotaurus. Die Kreter hatten Ehrfurcht vor diesem Wesen, das so anders war als sie. Die Bevölkerung musste zwar vor dem Minotaurus geschützt werden und doch bewunderten sie seine Erscheinung und nannten ihn „Asterion“ 7 . Da der Stier den Kretern heilig war, muss der Minotaurus für sie auch ein heiliges Wesen gewesen sein. Somit hatte das Labyrinth auch die Bedeu-10
tung eines Tempels. (vgl. Jaskolski, Kap.1, S.2)
Im Folgenden beziehe ich mich auf die Ergebnisse der modernen archäologischen Forschung. Ovid waren diese Erkenntnisse unbekannt, da die minoische und die mykenische Kultur untergegangen waren, ohne für die damalige Zeit lesbare Aufzeichnungen zu hinterlassen. Eine der bekanntesten Überlegungen über das Labyrinth stammt von Sir Athur Evans 8 (vgl. 15
Jaskolski, Kap.2, S.4). Der Palast von Knossos war tatsächlich ein sehr verschlungenes und verwirrendes Gebäude, wie man heute noch aufgrund der Mauer- und Treppenreste schließen kann (vgl. Fohrer, S.232). Ein Grund dafür könnte sein, dass an den Palast immer wieder Räume angebaut worden sind. So wurde aus einem kleinen Palast ein immer größeres, weitläufigeres Bauwerk. An vielen Stellen des Palastes ist das Symbol der Doppelaxt angebracht. Die 20
Doppelaxt (siehe: 8.4 Bilder) ist ein minoisches Kultsymbol, ähnlich dem christlichen Kreuz heute. Die Bedeutung der Doppelaxt ist ungeklärt. (vgl. Fohrer, S. 81/ S.232) Das Wort heißt im Altgriechischen „Labrys“. Klar erkennbar ist die sprachliche Verwandtschaft mit dem Wort Labyrinth, was soviel heißt wie „Haus der Doppeläxte“. So ist also die eine Erklärung des Labyrinths der Palast. (vgl. Hunger, S. 508) 25
Ariadne war tatsächlich eine minoische Göttin, wahrscheinlich eine Vegetationsgöttin (Herder, S. 30) und wurde sowohl auf Naxos als auch auf Kreta verehrt (Hunger, S.508). Auch Homer kommt auf sie in seiner „Ilias“ zu sprechen, als er die Abbildung auf dem Schild des Achilles beschreibt: „Und auf ihm bildete einen Reigen der ringsberühmte Hinkende, dem gleichend, den einst in der breiten Knosos Daidalos gefertigt hatte für die felchtenschöne Ariad-30
ne.“ (Jaskolski, Kap. 2, S. 3).
7 Asterion heißt Sternenwesen
8 Er hat den Palast von Knossos ausgegraben und mit seinem Privatvermögen teilweise wieder errichtet.
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Theseus, der Minotaurus und Ariadne im Text von Ovid
Die Griechen benutzten für „Reigen“ das Wort chorós. Es kann Tanz oder Tanzplatz bedeuten. Man kann also vermuten, dass es in Knossos entweder einen Tanzplatz oder einen Tanz für Ariadne gab. Da Ariadne aber auch als Herrin des Labyrinths bezeichnet wird, ist anzunehmen, dass der Tanzplatz oder der Tanz mit dem Labyrinth in Verbindung stehen. (vgl. Jaskolski, 5
Der Stier ist ein heiliges Wesen in der minoischen Kultur (siehe: 2. Zeitgeschichtlicher Hinter-grund) und wurde von den Bewohnern Kretas in Kulthandlungen geopfert. Wollte man also annehmen, dass Pasiphae, die Kuhgöttin, die Muttergöttin Kretas war, so war Minos ihr Paredros 9 . Erst lange Zeit nach dem Fall des minoischen Reiches wird der Begleiter der Pasiphae in drei unterschiedliche Gestalten geteilt: in Minos, der ihr Mann und König wird und seine Stiergestal-10
tigkeit verliert, in den Stier des Poseidon, der Minos geschenkt wird, damit er ihn opfere, und schließlich in den Minotaurus. (vgl. Jaskolski, Kap. 3, S. 9) Dabei wurde wahrscheinlich auch der Mythos der Ariadne in das Geschehen mit eingefügt.
Theseus ist der bedeutendste athenische Nationalheros. Er wird als Vater und Begründer aller athenischen Erfindungen genannt, wie z.B. der Demokratie und des Rechts. Immer wieder wird 15
versucht, seine sittlichen Vergehen, wie z.B. das Eindringen in die Unterwelt 10 , aus dem Theseusbild zu entfernen. (vgl. Hunger, S.507 - S. 509) Durch seine Erlebnisse, Abenteuer und Heldentaten wirkt Theseus vergleichbar mit Herakles 11 (Herder, S. 217) und wurde auch von diesem aus dem Hades errettet. Theseus erscheint, obwohl er als Retter Athens gilt, als machthungrig, herzlos und naiv. Er verursacht, zumindest indirekt, mehrere Tode: Er ist vor allem 20
schuld am Tod seines Vaters, der sich, nachdem er die schwarzen Segel, die für den Tod seines Sohnes stehen, gesehen hat, ins Meer stürzt. Außerdem muss er den Tod Minos´ verantworten, der auf der Suche nach seiner Tochter Ariadne auf Sizilien stirbt. (vgl. Richter-Ushanas, S7) Der Mythos an sich kann so gedeutet werden, dass die Kinder, welche die Athener nach Kreta schicken müssen, Symbol für die hohen Abgaben an Kreta sind. Athen ist zu dieser Zeit im Ge-25
gensatz zu Kreta höchstens eine kleine Stadt und Kreta ein mächtiges Königreich. Kreta hatte unter minoischer Herrschaft alle am Mittelmeer liegenden Städte unterworfen und die Herrschaft über das ganze Gebiet inne. Da der Stier ja, wie oben erläutert, ein heiliges Wesen für die Kreter war, kann man annehmen, dass der Minotaurus für die Insel Kreta steht. Indem Theseus, der symbolische Athener, den Minotaurus tötet, besiegt er die Minoer. 30
9 Genauere Erklärung siehe: Zeitgeschichtlicher Hintergrund des Geschehens auf Kreta.
10 Zusammen mit Peirithoos dringt er in die Unterwelt ein, um die Göttin Persephone zu entführen.
11 Sohn des Zeus und der Alkmene. Vollbringt zwölf Heldentaten.
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Ariadne und Theseus - Darstellung in Jean-Baptiste Regnaults Gemälde
4 Ariadne und Theseus - Darstellung in Jean-Baptiste Regnaults
Gemälde
4.1 Jean-Baptiste Regnault - Leben, Werk und zeitgeschichtlicher Hintergrund
Leben
Der französische Maler Jean-Baptiste Regnault wurde am 19.10.1754 in Paris geboren und ge-5
noss eine gute Erziehung und Kindheit als Sohn wohlhabender Eltern. Schon früh erkannte man seine Begabung und er wurde Schüler des Malers Jean Bardin. Mit diesem verbrachte Regnault fünf Jahre, von 1770 bis 1775, in Rom. Dort erhielt er 1776 den Prix de Rome 12 . Ab 1795 lehrte er an der französischen Akademie. In seinem Studio entstanden zahlreiche Gemälde, die keine Auftragswerke waren. Regnault konnte es sich also offenbar finanziell leisten, seine Kunst nach 10
seinem eigenen Geschmack und seiner Vorstellung zu entfalten. Am 12.11.1829 starb er in Paris. (vgl. Sells, S.119 f.; http://de.wikipedia.org; http://encyclopedia.jrank.org) Lange Zeit blieb Jean-Baptiste Regnault ein Unbekannter, da seine Werke anscheinend nicht dem Geschmack der kunstinteressierten Bevölkerungsschicht entsprachen. Erst in den 1960er Jahren wurde er wieder entdeckt. Trotzdem sind viele seiner Werke entweder zerstört oder be-15
finden sich in Lagern verschiedener Museen und sind deshalb für Kunstliebhaber nicht zugänglich. Außerdem sind zwei seiner Schlüsselwerke verschwunden. Noch heute wird häufig die Meinung vertreten, er sei weniger wichtig als Jaques Louis David 13 . Er sei sogar der Tiefpunkt der Akademiker der französischen Akademie. Tatsache ist jedoch, dass er einen sehr individuellen Stil besaß. (vgl. Sells, S. 119 f.) 20
Jean-Baptiste Regnault ist ein Maler des Klassizismus. Er hielt sich vor allem an allegorische, mythologische und historische Themen. In diesem Sinne stellt er vor allem nackte Leute dar, um sie zu heroisieren. Seine bekanntesten Werke sind „Les trois grâces“ (Die drei Grazien), welches im Louvre in Paris hängt, und „Liberté ou Mort“ (Zwischen Freiheit und Tod). Dieses Gemälde hängt momentan in der Hamburger Kunsthalle. (vgl. Sells, S. 119 f.) 25
Die Zeit, in der Regnault lebte, ist eine Ära des Umbruchs gewesen. Seine Jugend war geprägt von der absolutistischen Monarchie Ludwigs XVI. Mit 35 Jahren erlebte er die französische Revolution und begeisterte sich für ihre Ideen, wie auch das Bild „Liberté ou Mort“ verdeutlicht. Später malte er für Napoleon. Trotz dieser wechselhaften Zeiten lebte Regnault in wirtschaftlich guten Verhältnissen. 30
12 Künstlerstipendium mit Aufenthalt in Rom.
13 Gilt als wichtigster Vertreter des französischen Klassizismus.
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Ariadne und Theseus - Darstellung in Jean-Baptiste Regnaults Gemälde
4.2 Analyse des Bildes
Das Bild „Ariadne und Theseus“ von Jean-Baptiste Regnault ist im Musée des Beaux-Arts in Rouen zu sehen.
Das Bild stellt zwei Personen dar, die in Schrittstellung stehen und sich dabei ansehen. Der Mann ist nicht bekleidet, bis auf ein Tuch, welches leicht um seine Schultern weht. Außerdem 5
trägt er einen Helm, hält ein Schwert in der einen und einen weißen runden „Ball“ in der anderen Hand. Die andere, weibliche Person ist bekleidet mit einem schlichten und ärmellosen Ge-wand und schaut zu der männlichen Person auf. Sie hat einen Haarknoten und ein Haarnetz. Beide Personen tragen Sandalen. Auf der rechten Seite des Bildes befindet sich eine Tür oder ein Tor. Die Szene spielt in der Natur. Im Hintergrund sind viele Bäume und auch Hügel zu se-10 hen.
Das Gemälde ist dem Klassizismus zuzuordnen. Regnaults Gemälde sind hauptsächlich naturalistisch. Dieses Bild ist keine Ausnahme. Wie das Naturalistische, in diesem Bild entsteht wird im Folgenden geklärt.
Wenn man sich das Bild das erste Mal anschaut, fallen sofort die beiden Menschen auf. Ihre 15
Köpfe bilden sowohl geometrisch als auch in der Wahrnehmung des Betrachters den Mittelpunkt des Bildes. Erst später nimmt man den Hintergrund und die Tür an der Seite des Bildes wahr. Diesen Effekt erreicht der Maler durch die Auswahl und Zusammenstellung der Farben. Regnault benutzt für den Hintergrund vor allem dunkle Naturfarben, wie braun und grün. Dabei lässt er allerdings einen Teil des Bildes aus: In der linken oberen Ecke des Bildes ist der Hori-20
zont und darüber der Himmel zu erkennen. Auf diesem düsteren Hintergrund treten die beiden Personen hervor. Für ihre Darstellung verwendet der Maler helle Farben: Die Haut des Männerkörpers ist hell und das Gewand der Frau weiß. Das rote Tuch, mit dem die männliche Person bekleidet ist, sowie das gelbe Tuch der weiblichen Person sind durch die kräftige Farbgebung ein Blickfang. Außerdem setzt Regnault die Farbgebung gezielt dazu ein, den Eindruck eines 25
bestimmten Lichteinfalls und der Räumlichkeit zu erwecken. Die Szene wirkt leicht angestrahlt, wie auf einer Bühne, obwohl sie sich eigentlich in der Natur abspielt. Auch das imaginäre Licht trägt dazu bei, dass man zuerst die beiden Personen sieht. Die beiden Menschen stehen also im Rampenlicht und das wird jedem Betrachter sofort klar.
Regnault verwendet die wichtigsten Mittel zum Schaffen der Räumlichkeit: die Fluchtpunktper-30
spektive, Verdecken, Luftperspektive und die Farbperspektive.
Leicht erkennbar wird die Fluchtpunktperspektive, wenn man die Tür am rechten Bildrand betrachtet. Der obere Teil des Rahmens verläuft schräg zum Mittelpunkt des Bildes hin, optisch also ins Bild hinein, wenn man den Strich verlängern würde. Auch über der Tür und in der Türfassung kann man dies feststellen. Diese Technik wird verwendet, um dem Betrachter des Bil-35
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Ariadne und Theseus - Darstellung in Jean-Baptiste Regnaults Gemälde
des einen Standpunkt in dem Gemälde zu geben. Er bekommt so außerdem den Eindruck eines dreidimensionalen Raums. Die Figuren verdecken sich gegenseitig ein bisschen und auch die Bäume verdecken teilweise die Berge. Einige Dinge sind somit im Vordergrund und andere Dinge rücken durch das Verdecken in den Hintergrund. Dies ist ein wichtiges Mittel, um Räumlichkeit zu schaffen. Wie in der Wahrnehmung der Welt sind auch hier einige Dinge weiter hin-5
ten und mehr verdeckt von anderen Dingen, aber trotzdem sind sie da. Es entsteht also ein gewisser Eindruck von Wirklichkeit. Zum Horizont hin werden die Umrisse immer unschärfer. Dafür nimmt die Helligkeit in dem Bild nach hinten hin zu. Dies nennt man Luftperspektive. Dieses Phänomen ist in der Natur leicht nachzuvollziehen. Je mehr man in die Ferne sieht, desto mehr verschwimmen auch die Umrisse der Dinge, die zu sehen sind. Dies liegt an der Luft, die 10
zwischen dem Objekt und dem Betrachter vorhanden ist. Sie lässt die Konturen in weiter Entfernung verschwimmen. Regnault benutzt vorne andere Farben als hinten. Im Vordergrund sind hauptsächlich warme Farben zu sehen. Dies gilt insbesondere für die Tücher der beiden Personen, aber auch das Grünbraun der Hintergrundfärbung hat im Vordergrund bzw. in der Umgebung der beiden Personen einen höheren Gelbanteil. Weiter im Hintergrund dominiert eine ins 15
Blaue gehende Grüntönung. Noch weiter hinten, am Horizont, wirkt der Berg sogar blau. Man könnte sagen, dass dies die Räumlichkeit in einem Gemälde „verfeinert“. Die Farben wirken verschieden auf die Augen, weil sie an verschiedenen Stellen auf die Netzhaut treffen. Dadurch wirkt es z.B. so, als wenn Rot weiter vorne gemalt wäre als Grün. Viele Maler des Naturalismus nutzten dieses physikalische Phänomen für ihre Bildgestaltung. Durch Schatten entsteht außer-20
dem Plastizität. Die Personen wirken echt, beinahe wie auf einem Foto. Auch durch die Schatten entsteht der Eindruck, dass die beiden Figuren angestrahlt werden. Sie wirken sehr hell, haben aber einen Körper. Wie im Klassizismus üblich verwendet Regnault auch geometrische Figuren. Die Tür ist ein Rechteck und auch die erhobene Hand der männlichen Person bildet mit seinem Körper ein Quadrat. Deshalb wirkt das Bild insgesamt sehr ordentlich. 25
4.3 Interpretation
Es gibt einige Einzelheiten, auf die man in diesem Bild eingehen sollte, um die dargestellte Situation richtig einschätzen zu können.
Am meisten in diesem Gemälde sagen die Darstellungen von Ariadne und Theseus aus. Theseus trägt einen Helm, mit dem er auch in verschiedenen Werken anderer Künstler dargestellt ist 30
(z.B. Hunger, S. 511). Wahrscheinlich ist dieses der Helm der Athener, denn auch Athene wurde teilweise mit einem solchen Helm abgebildet (siehe: 8.4 Bilder). Dazu passen auch das Schwert in seiner Hand und der „Ball“. Es könnte der zum Knäuel aufgewickelte Faden der Ariadne sein. Er kann im übertragenen Sinne aber auch als Reichsapfel gedeutet werden, welcher
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Vergleich zwischen Text und Bild
zusammen mit dem Schwert und der Krone das Zeichen eines Königs ist. Alle sind Insignien der Macht gewesen. Auch der rote Umhang ist das Kennzeichen eines Herrschers. Regnault hat Theseus als Helden gemalt, da er ihn nackt dargestellt hat (siehe: 4.1 Jean-Baptiste Regnault). Trotzdem erscheint er nicht göttlich. Das Zeichen eines antiken Gottes war die Barfüssigkeit. Theseus und auch Ariadne tragen auf diesem Bild aber beide Sandalen. Ariadnes Kleidung ist 5
insgesamt nicht so auffällig. Ihr Haarknoten ist typisch für die minoische Zeit. Die Frauen trugen ihre Haare damals einfach zu einem Haarknoten gebunden und teilweise mit einem Haarnetz gehalten (vgl. http://www.messala.de). Die Tür oder das Tor am rechten Bildrand kann eigentlich nur als Eingang des Labyrinths erkannt werden. Ein anderer Bezug ist wenig wahrscheinlich. Das Verhalten der beiden Personen sagt viel über die Situation aus. Theseus wirkt 10
selbstsicher, von sich überzeugt, zielstrebig und überlegen. Er geht scheinbar schnellen Schrittes und hält den Faden der Ariadne fast schon siegessicher in der erhobenen linken Hand. Mit der rechten Hand hält er das Schwert, welches wie zufällig in Ariadnes Richtung zeigt, vielleicht um sie warnend am Weitergehen zu hindern; allerdings nicht, um sie zu verletzen. Scheinbar erstaunt blickt er sich nach Ariadne um, die ihn am Arm berührt. Sie blickt zu ihm auf und scheint 15
ihn um etwas zu bitten und ihn anzuflehen. Vielleicht will sie Theseus zurückhalten oder ihm Glück wünschen für seine Unternehmung.
Insgesamt gibt es zwei denkbare Möglichkeiten das Bild einzuordnen: Es könnte die Abschiedsszene zwischen Theseus und Ariadne dargestellt sein, bevor Theseus in das Labyrinth geht. Etwas freier ist die Deutung, dass es die Szene auf Naxos sein könnte, in der 20
sich Theseus für immer von Ariadne trennt. Für die erste Möglichkeit spricht die Tür am rechten Bildrand und auch der Ariadnefaden, den Theseus in der Hand hält. Für die zweite Möglichkeit spricht eher das Verhalten von Ariadne. Wirklich eindeutig klären lässt sich das nicht. Mich überzeugt die erste Deutung. 25
5 Vergleich zwischen Text und Bild
Das Bild und der Text haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Der wichtigste Unterschied ist, dass im Bild das Gewicht der Darstellung auf dem Menschlichen, der Beziehung zwischen Ariadne und Theseus, liegt. Dieses ist ein Kennzeichen der Moderne. Für Ovid dagegen steht das Labyrinth im Mittelpunkt des Mythos (siehe: 3.3.2 Inhaltlich). Das Labyrinth ist 30
jedoch im Bild von Regnault nur angedeutet.
Für Regnault scheint in diesem Mythos, vor allem Ariadne wichtig. Wie man sehr deutlich auf dem Bild sehen kann, hilft sie Theseus, indem sie ihm das Garnknäuel gibt.
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Beurteilung von Theseus’ Verhalten
Während Ovid Ariadne eher als emotionslos darstellt, legt Regnault Wert auf die Hervorhebung ihrer Gefühle: In seinem Bild nimmt sie eine etwas unterwürfige und flehende Haltung ein. Beide, Ovid und Regnault, stellen Theseus als Helden dar: Ovid, indem er schildert, wie Theseus den Schrecken der Athener, den Minotaurus, tötet und aus dem gewundenen und verwirrenden Labyrinth flieht und Regnault, indem er ihm bestimmte Zeichen zuschreibt, ihn siegesgewiss 5
und nackt als Helden malte.
6 Beurteilung von Theseus’ Verhalten
6.1 Allgemeine Definition von Werten
Werte sind Vorstellungen, Ideen oder Ideale. Werte geben dem Menschen eine personale oder 10
kollektive Identität. Sie sind die Kriterien, die jeder Mensch für die Art, die Mittel und die Ziele seines Handelns festlegt. Ein Mensch hat zu jedem Zeitpunkt physische Bedürfnisse, die sich unterscheiden können. Diese darf man nicht mit den Werten eines Menschen verwechseln. Sie sind nicht auf einen Zeitpunkt festgelegt, sondern begleiten einen Menschen von seiner Jugendzeit an. Man muss ganz klar zwischen den Werten und den Bedürfnissen unterscheiden. Oft 15
spiegeln die Werte die Bedingungen und Einflüsse der Menschen in ihrer Jugendzeit wider, da diese Zeit am meisten von allen anderen prägend ist. (vgl. Joas/ Wiegandt, S.389-393)
6.2 Werte zur Zeit Ovids
Die Wertvorstellungen der führenden Schichten im römischen Reich beruhten auf den Ideen der griechischen Philosophen. Diese Ideale, Überzeugungen und Leitbilder waren auch Vorbilder 20
des mittelalterlichen und neuzeitlichen Europas. (vgl. Joas/ Wiegandt, S. 94 f.) Die Griechen sind bekannt als Begründer der Demokratie. Sie lebten in kleinen Gemeinwesen, genannt Polis, in denen die Macht aufgeteilt war und jeder männliche Bürger ein Mitbestimmungsrecht hatte. Die Menschen sahen sich immer im Wettbewerb mit anderen, so waren auch Macht und Reichtum Ziele dieses Wettbewerbs. Die Bürger wollten durch ein solches Zusam-25
menleben eine persönliche Freiheit erlangen. Dadurch wurden auch bürgerliche und politische Gleichheit sowie Gerechtigkeit zu Werten. Als wichtiger Punkt wurde auch das Wissen aufgefasst. Bildung, auch im Hinblick auf die Kultur war für viele Bürger zugänglich. So entstand auch die Leidenschaft der Griechen philosophische Gedanken zu entwickeln. Es wurde zur Tugend, sich selbst in Frage zu stellen. Sport war eine ebenso wichtige Beschäftigung der Grie-30
chen. Er wurde zunehmend in der Öffentlichkeit vollzogen, wie z.B. in Olympia. Es entwickelte
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Beurteilung von Theseus’ Verhalten
sich das Idealbild von einem sportlichen Körper und einem vernünftigen Geist. (vgl. Joas/ Wie-gandt, S. 93-113)
Die meisten dieser Werte schlugen sich auch im römischen Recht nieder. So hatte z.B. jeder römische Bürger Anspruch auf Respektierung. (vgl. Meier in Joas/Wiegand S. 113-116) Ein sehr wichtiger Wert zur Zeit Ovids war das Pflichtbewusstsein. Was sich z.B. in Ciceros Werk 5
„De officiis“ zeigt: Wer nach seinem eigenen Vorteil handele, könne weder gerecht und freigiebig noch freundschaftlich sein. Cicero unterteilt die Pflichten in zwei Bereiche: Zum einen gebe es die vollkommene Pflicht. Sie bestehe aus guten Handlungen. Zum anderen gebe es die gemeine Pflicht. Dies seien Handlungen, die durch vernünftige Gründe gerechtfertigt werden könnten. Es könne aber passieren, dass ein Widerspruch zwischen dem moralisch Guten und 10
dem Nützlichen entstehe. In diesem Fall müsse man zwischen dem entstehenden Vorteil einerseits und dem Schändlichen der Handlung andererseits entscheiden. Auch der Vorteil könne gegenüber der Pflicht vertreten werden. (vgl. Cicero, in Prange, S. 400 - 404) Es ist anzunehmen, dass Ovid, Cicero folgend, die Tötung des Minotaurus durch Theseus als nützliche Tat wertet. Theseus hat zwar ein Verbrechen begangen, aber dadurch das Leben seiner 15
Mitbürger gerettet. Sein Verhalten Ariadne gegenüber wird von Ovid verurteilt.
6.3 Werte zur Zeit Regnaults
Die biographischen Daten Regnaults lassen vermuten, dass seine Werte mit den Vorstellungen der französischen Revolution übereinstimmen: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Auch in dieser Periode machten sich die Menschen Gedanken über die Freiheit. Locke, Rousseau und 20
Montesquieu sind wohl die bekanntesten Vertreter dieser Zeit. „Jeder Mensch“, so Locke, „befindet sich von Natur aus in einem ‚Zustand vollkommener Freiheit’. Diese Freiheit kennt nur eine Grenze: Sie hört auf, wo die Freiheit des anderen beginnt, weil alle Menschen Geschöpfe ein und desselben Gottes sind.“ (Prange, S. 532). Die Freiheit des Individuums gewinnt an Bedeutung. Auch die Gleichheit der Menschen wird wichtig. Die Menschen wollen keine Stände-25
unterschiede, sondern Gleichheit untereinander. Der Begriff der Brüderlichkeit steht meiner Meinung nach für eine aufkommende Solidarität. Ausgelöst durch Hunger und Elend der Massen, will das französische Volk zusammenstehen und gemeinsam etwas erreichen. Auf Regnaults Bild wird Theseus als Held dargestellt, der für die Freiheit der Stadt Athen und das Leben seiner Mitbürger kämpft. Diese Darstellung spiegelt die Werte der französischen Re-30
volution wider. Ähnliches gilt für Ariadne: Wie oben beschrieben (siehe: 4.2 Analyse des Bildes), zeigt sie individuelle Gefühlsregungen, die Ausdruck einer persönlichen Freiheit sind.
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Beurteilung von Theseus’ Verhalten
6.4 Werte heute
Unsere heutigen Werte sind entstanden durch viele verschiedene historische Ereignisse. Daher haben wir nun eine Vielfalt an Maßstäben. Eine wichtige Grundlage unserer Werte ist das Christentum, dessen Leitlinien in der Bergpredigt, dem Dekalog 14 und der Apostolizität 15 darge-5
Die Bergpredigt (Lk., 6,20ff.; Mt., 5,3ff.) ist die Verheißung eines besseren Lebens. Insbesondere durch den Wert der Fürsorge und der sozialen Verantwortung für schwächere Mitmenschen ist es die Aufgabe eines Christen, nach dem Reich Gottes auch auf der Erde und in der Gegenwart zu streben. Martin Luther lässt den Bergriff der Freiheit 1520 in einem neuen Licht dastehen: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan - ein 10
Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht unter alle Dinge und jedermann untertan“. (Luther, in Prange, S. 532). Das Christentum ist also die Grundlage des heutigen sozialen Selbstverständnisses. Historisch gesehen war der Auslöser dieser Überzeugung von sozialem Zusammenleben die Industrielle Revolution. Mit dem Aufkommen der „Sozialen Frage“ und dem Beginn ihrer Lösung durch die Bismarcksche Sozialgesetzgebung, die heute die Basis des deutschen Sozial-15
systems ist, bekam der Gedanke an Schutz und Fürsorge eine wichtige Rolle. (vgl. Floren, S. 129 f.) Die sozialen Aspekte und Werte sind in den ersten neunzehn Artikeln des deutschen Grundgesetzes zu finden: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (GG Art.1, §1). Der scheinbar wichtigste Wert ist die Freiheit. Sie ist für viele andere Werte eine Voraussetzung. Wie wäre Selbstentfal-20
tung und Individualität, wie sie in Artikel 2 des Grundgesetzes steht, ansonsten möglich? Im Grundgesetz verankert sind außerdem Werte wie Gerechtigkeit, Friede, Gleichheit und Bildung. Das Leben eines Menschen in unserer Gesellschaft baut darauf auf. Eine große Bedeutung hat in unserer Gesellschaft auch die Verantwortung des Einzelnen für sein eigenes Handeln. Der französische Philosoph des 20. Jahrhunderts, Jean-Paul Sartre, erklärt 25
die Verantwortung des Menschen so: „Es gibt keinen Zufall; jede Situation, in die ein Mensch gerät, ist seine Situation, weil sie das Abbild seiner freien Selbstwahl ist: Statt sich auf sie einzulassen, hätte er sich ihr durch seine Entscheidung ja auch entziehen können - und sei es durch Selbstmord.“ (Sartre, in Prange, S. 535)
14 Die zehn Gebote.
15 Nachfolge Jesu und in dieser Hinsicht Bewahrung des Ursprungs.
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Beurteilung von Theseus’ Verhalten
6.5 Bezug zum Mythos
Nach einer Auseinandersetzung mit vielen verschiedenen Werten kann man sagen, dass es zwei Möglichkeiten gibt, Theseus’ Verhalten zu bewerten.
Einerseits kann es einem scheinen, als ob Theseus eigentlich nichts Schlechtes getan habe. Wenn man nämlich annimmt, dass das minoische Reich tatsächlich ein Matriarchat war, hatte 5
Ariadne einen sehr großen Einfluss als Tochter der minoischen Herrscherin. Theseus kam als Opfer nach Kreta. Man kann sich vorstellen, dass er sich nicht frei auf der Insel bewegen durfte. Er war durch die bevorstehende Opferung mit dem Tode bedroht. Ariadne war durch ihre Stellung eine Repräsentantin der Gewalt über ihn. Sie konnte ihn in dieser Situation unter Druck setzen und Versprechen erpressen (siehe: 8.2 Antike Überlieferung). Er war im Sinne Homers 10
und Platons (siehe: 6.2 Werte zur Zeit Ovids) dementsprechend nicht frei zu entscheiden. Man kann ihn also, nach antiken Maßstäben, nicht für sein Verhalten verantwortlich machen. Dazu kommt, dass Theseus Ariadne nach Ovids Darstellung des Mythos nichts versprach. Er hat also in der ovidschen Auslegung keine Pflicht ihr gegenüber.
Er hatte aber eine Pflicht gegenüber seinem Staat und den Kindern oder anderen Opfern, die ihn 15
begleiteten und die er retten musste. Dieses Auftreten und diese Einstellung hat Regnault als Motiv in seinem Bild dargestellt, da Theseus siegesgewiss und mit den Merkmalen eines Herrschers ausgezeichnet ist. Daher war es seine Pflicht in diesem Falle, nicht das moralisch Richtige zu tun, sondern das Nützliche und Ariadne zu betören, um heil mit seinen Schutzbefohlenen nach Athen zurückkehren zu können. 20
Andererseits kann man sein Handeln auch verurteilen. Denn er ließ Ariadne aus Eigennutz auf Naxos zurück, nachdem er ihr, jedenfalls in der antiken Tradition des Mythos, vorher die Ehe versprochen hatte. Diese Vorstellung, jemanden hilflos und schutzlos in einer schwierigen Situation zurückzulassen, ist für uns heute in keiner Weise moralisch zu rechtfertigen. Er hintergeht sie bewusst und missbraucht ihr Vertrauen. Es gibt keinen Nutzen für ihn, der so groß wäre, 25
dass er die Verwerflichkeit der Handlung ausgleichen könnte.
Bevor er aber Ariadne verlässt, bringt er ihren Bruder, den Minotaurus, um. Der Minotaurus war, objektiv gesehen, nicht besonders gefährlich, denn er war immerhin in einem ausweglosen Labyrinth eingesperrt. Theseus’ Vorgehen zeigt seine Kompromisslosigkeit. Nach unserer heutigen Vorstellung hätte Theseus einen anderen Weg finden müssen, um die Tributpflicht aufzu-30 heben oder zu umgehen.
Theseus nutzt andere Menschen und Situationen immer zu seinem Vorteil. Moralisch richtig gewesen wäre, wenn er Ariadne wirklich mitgenommen hätte, wie er versprochen hatte, oder wenn er ihr Angebot abgelehnt hätte, auch wenn dies für ihn Komplikationen bedeutet hätte.
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Fazit
Besonders skrupellos und unverständlich erscheint es einem heute, wenn man überdies erfährt, dass Theseus vergaß, die weißen Segel zu setzen und dementsprechend einen glücklichen Ausgang seiner Mission zu verkünden. Denn aufgrund des Selbstmordes seines Vaters wird Theseus König. Man kann ihn also für den Tod seines Vaters verantwortlich machen. Denn jemand, der etwas so Wichtiges einfach vergisst, ist entweder gedankenlos oder handelt vorsätzlich und ist 5 daher kein Held.
Zugute halten kann man Theseus, dass er in jeder Situation zielstrebig versucht das Beste für seine Polis zu tun. Ob sein Verhalten heute noch als uneingeschränkt positiv bewertet werden kann, ist fraglich. 10
7 Fazit
Ich denke, mit dieser Arbeit konnte ich einen Überblick über dieses Thema geben. Ich habe verschiedene Deutungen für Theseus’ Verhalten herausgearbeitet, die unterschiedliche Urteile zulassen. Eindeutig klären ließ sich die Frage, ob Theseus nun richtig oder falsch gehandelt hat, nicht. Hätte man mehr Zeit und mehr Raum für diese Arbeit, könnte man vertiefend auf die ein-15
zelnen Aspekte von Theseus’ Handeln eingehen und so das Werturteil differenzieren. Man hätte z.B. auf die Bearbeitung des Mythos durch Euripides und Sophokles eingehen können sowie die Bedeutung von Theseus als athenischen Nationalhelden. Überdies wäre auch die Wertung aus den Zeiten der „Aetas Ovidiana“ interessant. Außerdem hätte man die Aussage des Mythos genauer beleuchten können, wie z.B. das antike Kräfteverhältnis zwischen Attika und dem minoi-20
schen Reich oder die Symbolkraft des Labyrinths.
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Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Anhang
8 Anhang
8.1 Literaturangaben
• Conti, Flavio: Wie erkenne ich klassizistische Kunst?. Bechtermünz Verlag, 2000
• Die Bibel: Nach der Übersetzung Martin Luthers. Fassung von 1984. Stuttgard: Deut-
sche Bibelgesellschaft, 1985. NT.
• Floren, Franz Josef. Das politische System der Bundesrepublik Deutschland. Paderborn:
Ferdinand Schöningh Verlag, 1994
• Fohrer, Eberhard. Kreta. 17. Auflage. Erlangen: Michael Müller Verlag, 2007
• Herder Lexikon - griechische und römische Mythologie. Freiburg: Herder, 1981
• Holzberg, Niklas. Ovids Metamorphosen. München: C.H. Beck, 2007
• http://de.wikipedia.org/wiki/Athene (Bild: Athene)
• http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelaxt (Bild: Doppelaxt)
• http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Baptiste_Regnault
• http://de.wikipedia.org/wiki/Ovid
• http://encyclopedia.jrank.org/RAY_RHU/REGNAULT_JEAN_BAPTISTE_1754_182.
html
• http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=19&autorid=451&autor_vorname=&autor_na
chname=Ovid&cHash=b31bbae2c6
• http://www.gymnasium-lilienthal.de/daten/bildana.pdf
• http://www.kunstkopie.at/a/regnault-jean-baptiste/ariadne-and-theseus.html (Bild)
• http://www.latein-pagina.de/index.html?http://www.latein-pagina.de/iexplorer
/Ovid_metas.htm
• http://www.messala.de/griechische-und-roemische-mode.htm
• Hunger, Herbert. Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Wien: Hollinek,
1988
• Jaskolski, Helmut. Das Labyrinth: Symbol für Angst, Wiedergeburt und Befreiung.
Stuttgart: Kreuzverlag, 1994
• Joas, Hans; Klaus Wiegand. Die kulturellen Werte Europas. Frankfurt (Main): Fischer
Taschenbuch Verlag, 2005
Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Anhang
• Lexikon der Kunst in 12 Bänden 9. Köln: Karl Müller Verlag, 1994
• Lücke, Hans-K., Susanne Lücke. Helden und Gottheiten der Antike. Wiesbaden: Ma-
rixverlag, 2006
• Ovid. Metamorphosen. Übers. August von Rode, Gerhard Fink. Düsseldorf: Albatros
Verlag, 2005
• Prange, Peter. Werte. Von Plato bis Pop. Alles, was und verbindet. Unter Mitarbeit von
Frank Baasner und Johannes Thiele. München: Droemer Verlag, 2006
• Poenicke, Klaus. Duden. Die schriftliche Arbeit. Mannheim/Wien/Zürich: Dudenverlag,
1985
• Richter-Usharas, Egbert. Der Diskus von Phaistos und die heilige Hochzeit von Theseus
und Ariadne. Bremen: Verlag Egbert Richter, 2005
• Sells, Christopher. Jean-Baptiste Regnault´s Judgement of Paris, in Bulletin of the De-troit Institute of Arts 53. 1975
8.2 Antike Überlieferung des Mythos
Im folgenden Text wird die antike Überlieferung des Mythos dargestellt. Es werden ausschließlich die Bücher „Lexikon der griechischen und römischen Mythologie“, 1988 von H. Hunger und „Helden und Gottheiten der Antike“ von H.-K. und S. Lücke als Quellen genutzt, daher die Abkürzungen Hn. für Hunger und Lck. für Lücke.
Athen schuldet den Kretern Tribut, da ein Sohn des Minos durch sie zu Tode gekommen war. Sie müssen jedes Jahr sieben Jungen und Mädchen nach Kreta schicken, die dem Minotaurus, der in einem Labyrinth eingesperrt ist, zum Fraß vorgeworfen werden. (vgl. Hg., S.505; Lck., S.544). „Entweder durch das Los oder freiwillig oder durch Minos ausgesucht, gehört Theseus jetzt zum dritten für den Minotaurus bestimmten Tribut.“ (Lck., S.544). Theseus beweist auf der Fahrt seine göttliche Herkunft vor Minos, indem er einen Ring aus dem Meer holte, den Minos vorher hineingeworfen hat. In Kreta verliebte sich die Tochter des Minos, Ariadne, in ihn (vgl. Hn., S.505; Lck. S544). Theseus versprach ihr die Ehe „und sie nach Athen mitzunehmen, wenn sie ihm zur Flucht aus dem Labyrinth und von der Insel verhilft“ (Lck., S. 544). Mit Hilfe Dädalus´ verschaffte sie Theseus ein Wollknäuel, mit welchem er, nachdem er den Minotaurus um Zweikampf überwältigt hatte, zum Eingang es Labyrinths zurückfand. In der Nacht segelte er mit den geretteten Kindern und Ariadne nach Naxos (vgl. Hn., S.505; Lck., S.544). Es heißt bei Hunger S. 506, dass Theseus Ariadne dort zurückließ, dann aber schon bald Dionysos erschienen sei und sie geheiratet habe. Bei Lücke S.545 wird gesagt, dass sich Ariadne aus Kummer erhängt habe oder vom verliebten Dionysos nach Lemnos entführt worden sei.
Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung
Anhang
Laut Hunger vergaß Theseus die schwarzen Segel, wie vor der Abfahrt aus Athen vereinbart, durch weiße zu ersetzen, wenn er lebend zurück käme. Als Aigeus die schwarzen Segel sah, stürzte er sich von einem Felsen. So wurde Theseus König von Athen.
8.3 Das Labyrinth - eine Gegenüberstellung des deutschen und des lateinischen Textes
Vota Iovi Minos taurorum corpora centum
solvit, ut egressus ratibus Curetida terram
contigit, et spoliis descorata est regia fixis.
cerverat obprobrium generis, foedumque patebat
matris adulterium monstri novitate biformis;
destinat hunc Minos thalamo removere pudorem
multiplicique domo caecisque includere tectis.
Daedalus ingenio fabrae celeberrimus artis ponti opus turbatque notas et lumina flexum ducit in errorem variarum ambage viarum.
Non secus ac liquidus Phrygiis Maeandros in arvis
ludit et ambiguo lapsu refluitque fluitque
occurrensque sibi venturas aspicit undas
et nunc at fontes, nunc ad mare versus apertum
incertas exercit aquas: ita Daedalus implet
innumeras errore vias vixque ipse reverti ad limen potuit: tanta est fallacia tecti.
Arbeit zitieren:
Jutta Hagedorn, 2008, Theseus auf Kreta - Versuch einer moralischen Wertung, München, GRIN Verlag GmbH
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