Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung BMBF Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMWi Bundesministerium für Wirtschaft EU Europäische Union € Euro FuE Forschung und Entwicklung F&E Forschung und Entwicklung GF Grundlagenforschung GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung i.e.s. im engeren Sinn IfM Institut für Mittelstandsforschung i.w.s. im weiten Sinn KMU Klein- und Mittelständische Unternehmen Mio Millionen PPE Produkt- und Prozessentwicklung TE Technologieentwicklung u. und VE Vorentwicklung zB. zum Beispiel
2
1. Einleitung
Die Seminararbeit verfolgt das Ziel, das Innovationsmanagement in deutschen Klein- und
Mittelbetrieben 1 darzustellen. Die Bedeutung und die Durchführung von Innovationen in deutschen KMU sind aufzuzeigen. Der Schwerpunkt liegt in der Darstellung des Innovationsmanagements. In diesem Zusammenhang sind der Innovationsbegriff, die Innovationsarten, der Innovationsprozess und die innerbetriebliche Innovationskultur näher darzustellen. Im Rahmen der Innovationskultur ist die maßgebliche Bedeutung des Unternehmers herauszustellen. Die Innovationshemmnisse und Innovationswiderstände sind kurz aufzuzeigen. Auf mögliche Innovationsstrategien wird eingegangen. Der Schutz von Innovationen wird kritisch betrachtet. Spezielle staatliche Innovationsförderprogramme und Rahmenprogramme für Innovationen werden kurz erwähnt.
2. Gesamtwirtschaftlicher Überblick und Position der KMU in
Deutschland
Das Zusammenwachsen der nationalen und internationalen Märkte erhöht auch den Wettbewerbsdruck auf deutsche Unternehmen. Dadurch befinden sich auch räumlich weit entfernt angesiedelte Wettbewerber „direkt vor der eigenen Haustür“. Mit der weltweiten Verbreitung technischen Wissens und der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte in vielen Ländern geraten deutsche Unternehmen immer stärker in direkte Konkurrenz zu Unternehmen, die kostengünstiger produzieren und die Ergebnisse technischer und
organisatorischer Entwicklungen schneller, effektiver und effizienter nutzen können. 2 Vor diesem Hintergrund scheint der Erneuerungsfähigkeit eine zentrale Bedeutung zuzukommen. Diese Fähigkeit wird vor allem KMU zugeschrieben.
In wirtschaftlicher Hinsicht ist den KMU in Deutschland eine große Bedeutung beizumessen. Sie haben einen hohen Anteil an der Produktion und stellen Sachgüter und Dienstleistungen
bereit. Ferner sind sie wichtige Zulieferer der Großindustrie und sorgen für Wettbewerb. 3 KMU stehen in dem Ruf, innovativ, flexibel, effizient und kundennah zu sein. 4 Aufgrund dieser Eigenschaften gelingt es KMU, sich an wandelnde Rahmenbedingungen anzupassen.
1 Im Folgenden als KMU bezeichnet.
2 Blessin, Innovationen und Innovationsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, 1998, S.1.
3 Blessin, Innovations- und Umweltmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, 1998, S.10.
4 Mugler/Schmidt/Habersaat, 1995, S.298.
3
Die Abgrenzung der KMU von Großunternehmen erfolgt hier gemäß der EU-Definition in quantitativer- und qualitativer Hinsicht. Ein Betrieb ist ein KMU, wenn maximal 250 Mitarbeiter bei einem jährlichen Umsatz von bis zu 50 Mio. € oder einer Bilanzsumme von
bis zu 43 Mio. €, beschäftigt sind. 5
Unter Beachtung dieser europäischen Definition für KMU tritt die Bedeutung dieser Betriebe
noch stärker in den Vordergrund. Wendet man den Schwellenwert 6 für Beschäftigtenzahl gemäß der EU-Definition für KMU an, so beläuft sich der KMU-Anteil an der Anzahl der
deutschen Unternehmen auf über 99,0 %. 7 Diese KMU erwirtschafteten im Jahr 2004 Umsätze in Höhe von 40,3 % aller deutschen Unternehmen. 8 In ihnen waren nahezu 55,8 % aller Beschäftigten tätig. 9 Die deutsche Wirtschaft ist somit stark durch die kleinbetriebliche und mittelständische Struktur geprägt.
3. Begriff und Charakterisierung
3.1 Der Innovationsprozess im Rahmen des technischen Fortschritts
3.1.1 Begriff und Arten der Technologie
Technologien lassen sich nach ihren unterschiedlichen Arten charakterisieren. Hinsichtlich ihrer wettbewerbsstrategischen Bedeutung sind Basis-, Schlüssel-und
Schrittmachertechnologien zu unterscheiden. 10 Basistechnologien befinden sich in der Reife-oder sogar in der Degenerationsphase des Lebenszyklus. Sie verkörpern das allgemein zugängliche Basis-know-how, über das ein am Wettbewerb teilnehmendes Unternehmen verfügen muss.
Schlüsseltechnologien sind in der Wachstumsphase anzusiedeln. Sie sind für die Wettbewerbsposition eines Unternehmens von großer Bedeutung, da sie Differenzierungsmöglichkeiten zwischen den Wettbewerbern bieten. Schrittmachertechnologien stehen am Anfang des Lebenszyklus und lassen Auswirkungen auf Marktpotential und Wachstums-
dynamik in der Zukunft erkennen. 11
5 http://ec.europa.eu/enterprise/enterprise_policy/sme_definition/index_de.htm.; Abb.5, S.V, im Anhang.
6 Bis 249 Beschäftigte und bis 50 Mio. € Jahresumsatz.
7 Köhler, 1988, S.812.
8 http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=580.
9 http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=580.
10 Blessin, Innovationen und Innovationsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, 1998, S.5.
11 Blessin, Innovationen und Innovationsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, 1998, S.5.
4
3.1.2 Begriff und Arten der Innovation
Der Innovationsbegriff ist uneinheitlich, vielschichtig und als mehrdimensional gekennzeich-
net. 12 Das Wort Innovation bedeutet Erneuerung, Erfindung oder Entdeckung. 13 Folglich sind Innovationen die Verwirklichung neuer Ideen zu neuen Produkten oder neuen Verfahren
sowie deren Einführung in den Markt. 14 In Bezug auf den Grad der Neuerung variieren Innovationen von einer geringfügigen Veränderung bis hin zu einer fundamentalen, radikalen
Neuerung. 15
Innovationen sind durch weitere Merkmale wie Risiko, Unsicherheit und Komplexität gekennzeichnet. In Bezug auf das Risiko und die Unsicherheit von Innovationen kann nur über Analogien auf Erfahrungswerte der Akzeptanz der Innovation im Markt zurückgegriffen werden. Die Komplexität einer Innovation ergibt sich allgemein aus der Dynamik der Umwelt. Der Zeitbedarf für das Erlernen der Neuerung, die sich wandelnden Kundenbedürfnisse, die ständigen Veränderungen der Umwelt, der Gesetzgebung sowie der
Technologiesprünge kennzeichnen diese Bewegungen. 16 Im Speziellen ist die Komplexität einer Innovation durch die Verbindung von unterschiedlichen Technologien oder Denkweisen geprägt. Die Innovation und der Innovationprozess sind für das Unternehmen immer wieder
neu. Es fehlt somit eine komplexitätsmindernde Routine. 17
Innovationen sind in Prozess- und Produktinnovation einteilbar. Prozessinnovationen sind neuartige Faktorkombinationen, durch die die Produktion kostengünstiger, qualitativ hochwertiger, sicherer oder schneller erfolgen kann. Ziel dieser Innovation ist die Steigerung der Effizienz. Prozessinnovationen sind in der Regel nur innerbetrieblich durchzusetzen, es
sei denn, eine Unternehmung verwertet Prozessinnovationen am Markt. 18
Bei der Produktinnovation wird sowohl der Kombinationsprozess als auch der Verwertungs-prozess am Markt berührt. 19 Die Produktinnovation bietet dem Benutzer eine Leistung, mit der er neue Zwecke vollziehen kann.
12 Blessin, Innovations- und Umweltmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, 1998, S.122.
13 Drosdowski, Duden, S.349.; Hübner, Langenscheidts Fremdwörterbuch, S.315.; Hauschildt, 1993,S.3.; Witte,
1988, S.144.
14 Hauschildt, 1993, S.3-4.; Heinlein, 2004, S.17.
15 Meyer, 2006, S.211.
16 Meyer, 2006, S.211.; Pleschak/Sabisch, 1996, S.45.
17 Meyer, 2006, S.211-212.
18 Hauschildt/Salomo, 2007, S.9.
19 Hauschildt/Salomo, 2007, S.9.
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Durch die Produktneuerung wird der Anwendungsbereich des Produktes erweitert und somit auch der Kundennutzen erhöht. Der Kunde profitiert von der Produktneuerung, da maßgeblich die Qualität und die Handhabung gesteigert wurden.
3.1.3 Phasen des technischen Fortschritts
Der technische Fortschritt ist neben einer gesicherten Rohstoff- und Energiebasis ein zunehmend bestimmender Faktor hoch entwickelter Volkswirtschaften im internationalen Wettbewerb. Wird der technische Fortschritt durch konsequente Innovationen genutzt, ergeben sich daraus Wettbewerbsvorteile. Wettbewerbsvorteile entstehen so zB. aus einer Kostensenkung bei der Leistungserstellung, einer Differenzierungsmöglichkeit am Markt oder
einer Führungsposition im Innovationswettbewerb. 20 Dadurch besteht die Möglichkeit neue Märkte zu erschließen und den eigenen Marktanteil zu erhöhen. Der Vorgang des technischen Fortschritts unterteilt sich in den Innovations- und den Diffusionsprozess, parallel dazu
verläuft der Informations- und Lernprozess. 21
Abbildung 1: Die Phasen des technischen Fortschritts.
Quelle: Blessin, 1998, S.8.
3.2 Innovationsmanagement - eine Begriffsabgrenzung
Das Innovationsmanagement soll als das Management aller Aktivitäten des
Produktentstehungs- und Markteinführungsprozesses definiert werden. 22 Durch das Innovationsmanagement werden im Unternehmen die Grundlagen für eine systematisch- und
20 Blessin, Innovationen und Innovationsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, 1998, S.8.
21 Blessin, Innovationen und Innovationsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, 1998, S.8.
22 Blessin, Innovationen und Innovationsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, 1998, S.10.;
Specht/Beckmann, 1996, S.18.
6
wettbewerbsorientierte Weiterentwicklung geschaffen. Der Umfang des
Innovationsmanagements erstreckt sich auf das Management der Forschung und
Entwicklung 23 sowie das Technologiemanagement. Das FuE-Management beginnt mit der Grundlagenforschung und endet mit der Produkt- und Prozessentwicklung. Das Technologiemanagement, als Teilbereich des FuE-Managements, konzentriert sich auf die
Problematik der technologischen Wettbewerbsfähigkeit. 24
Abbildung 2: Abgrenzung von Technologie-, FuE- und Innovationsmanagement.
Quelle: Specht/Beckmann, 1996, S.18.
4. Innovationen im gesamt- und einzelwirtschaftlichen Kontext
4.1 Innovationsziele
Innovationen werden nicht um ihrer selbst willen durchgesetzt, sondern sie dienen stets der Erfüllung wirtschaftlicher und sozialer Ziele. Diese ergeben sich unmittelbar aus den Unternehmenszielen und den Anforderungen des Umfeldes. Insgesamt geht es für Unternehmen stets darum, durch die Innovation Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten zu erzielen. Innovationen müssen grundsätzlich zu einer Erhöhung des
Kundennutzens und zur Verbesserung der Produkte führen. 25 Weiter verfolgen sie das Ziel, die Kosten der Produkte und Prozesse zu reduzieren. Aus strategischer Sicht sind
23 Im Folgenden als FuE bezeichnet.
24 Blessin, Innovationen und Innovationsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, 1998, S.10-12.;
Specht/Beckmann, 1996, S.18.
25 Blessin, Innovations- und Umweltmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen, 1998, S.181.;
Hauschildt, 1993, S.222.; Pleschak/Sabisch, 1996, S.9.
7
Markteintrittszeitpunkt von Innovationen und die Dauer des Innovationsprozesses von großer
Bedeutung. 26 Die Kompatibilität der Innovationsziele mit den Kundenzielen ist die Voraussetzung für den Markterfolg der Innovation. 27
4.2 Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von Innovationen
Innovationen sind in den letzten Jahren zur Überlebensfrage vieler Unternehmen aber auch zu einer Frage der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wirtschaft geworden. Die Innovationsfähigkeit hat sich in ihrem Charakter von der Freiwilligkeit zur Notwenigkeit
gewandelt. 28 Die volkswirtschaftlichen Ursachen für diesen Bewusstseinswandel sind in erster Linie in den weltweiten Strukturveränderungen zu erkennen. Die Verknappung und Verteuerung wichtiger Rohstoffe, die Verlagerung von Produktionsstandorten in Länder mit günstigeren Kostenstrukturen, Veränderungen im Welt-Währungsgefüge und die im Inland gespaltene Konjunktur bei verhaltenem Wachstum sind nur einige der hier zu nennenden
Faktoren. 29
4.3 Die einzelwirtschaftliche Bedeutung von Innovationen
Innovationen werden in Forschung und Praxis als die zentralen Erfolgsfaktoren der KMU angesehen und stellen das Kernobjekt unternehmerischen Handelns dar. Mehr als große Unternehmen stehen KMU unter dem Druck, auf Rückflüsse aus einem jederzeit
ausgeglichenen Produkt-Portfolio angewiesen zu sein. 30
Somit sind in entwickelten Volkswirtschaften Innovationen zur Bewahrung der Wettbewerbsfähigkeit für KMU immer wichtiger. In Zeiten, in denen hier mit standardisierten Massenprodukten kaum noch auskömmliche Margen erzielt werden können, haben heimische Hersteller nur noch Entwicklungsperspektiven, wenn sie flexibel und innovativ differenzierte
Kundenbedürfnisse bedienen. 31 Die Stärken der KMU spiegeln sich gerade in der intensiven Kundenkommunikation, Kundennähe, Flexibilität und der Beweglichkeit wieder. Infolge schneller Veränderungen der angewandten Technologien, der Kundenanforderungen und des Marktes gewinnt die Flexibilität für KMU zunehmend an Bedeutung.
26 Hauschildt, 1993, S.279.; Pleschak/Sabisch, 1996, S.9.
27 Hauschildt, 1993, S 226.
28 Aßmann, 1979, S.1.
29 Aßmann, 1979, S.1.
30 Meyer, 2006, S.210.
31 Semlinger, 2007, S.147.
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Arbeit zitieren:
Karsten Roepke, 2008, Innovationsmanagement in deutschen Klein- und Mittelbetrieben, München, GRIN Verlag GmbH
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