Wien, 29. Juni 2008
„Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbständig verfasst, in der Bearbeitung und Abfassung keine anderen als die angegebenen Quellen oder Hilfsmittel benutzt, sowie wörtliche und sinngemäße Zitate als solche gekennzeichnet habe. Die vorliegende Diplomarbeit wurde noch nicht anderweitig für Prüfungszwecke vorgelegt.“
Manuel Thomas Baumgartner
DANKSAGUNG
Diese Arbeit bietet mir nicht nur die Möglichkeit, meine interessante interdisziplinäre Arbeit des letzen Semesters zu dokumentieren, sondern eröffnet mir vielmehr die Gelegenheit, den Menschen zu danken, die zum Erfolg dieser Arbeit maßgeblich beigetragen haben.
Ich möchte diese Diplomarbeit meinen Eltern Erna und Walter Baumgartner widmen, die, davon abgesehen, dass sie mir das Studium ermöglichten, stets großes Interesse für meine Arbeit gezeigt haben und mich in sämtlichen Belangen zu jeder Zeit tatkräftig unterstützt haben. Ohne ihre Hilfe hätte diese Arbeit nicht entstehen können. Außerdem gilt mein Dank auch allen Freunden und Verwandten, die bei zahlreichen Re- cherchen und Diskussionen wertvolle Beiträge für meine Arbeit einbrachten.
Inhaltsverzeichnis I
INHALTSVERZEICHNIS
Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis V
1 Einleitung 1
2 Ausgangssituation 4
2.1 Gründungsquoten und Entwicklungstendenzen in Österreich 4
2.2 Österreichische Gründungsquote im internationalen Vergleich 5
2.3 Ursachenforschung 7
3 Klärung zentraler Begrifflichkeiten 8
3.1 Unternehmertum vs. Entrepreneurship 8
3.1.1 Unternehmertum 8
3.1.2 Entrepreneurship 8
3.2 Potentieller Unternehmensgründer 9
3.3 Gründer 10
3.4 Jungunternehmer 10
3.5 Phasen der Unternehmensgründung 10
3.5.1 Vor-Gründungsphase 11
3.5.2 Gründungsphase 11
3.5.2.1 Latenzphase 11
3.5.2.2 Planungsphase 12
3.5.3 Nach-Gründungsphase 12
3.6 Arten der Gründung 12
3.7 Hemmende Faktoren im Gründungsprozess 13
3.8 Cluster-Regelung 13
4 Interne Hemmnisse der Unternehmensgründung 16
4.1 Cluster Gründer 17
Inhaltsverzeichnis II
4.1.1 Mangelnde Ausdauer und Durchhaltevermögen 18
4.1.2 Mangelndes Selbstbewusstsein und unsicheres Auftreten 18
4.1.3 Mangelnde kommunikative Fähigkeiten 19
4.1.4 Angst vor dem Scheitern 19
4.1.5 Risikoaversion und fehlende Machbarkeitsüberzeugung 20
4.1.6 Mangelnde Flexibilität und Disziplin 20
4.1.7 Mangelndes Unabhängigkeitsstreben 21
4.1.8 Ideenlosigkeit und mangelndes Innovationsvermögen 21
4.1.9 Unzureichendes Problemlösungspotential 21
4.2 Cluster Management 23
4.2.1 Unzureichende Planungskompetenz 24
4.2.2 Fachliche Probleme 25
4.2.3 Mangelnde Branchenerfahrung 26
4.2.4 Mangelnde Führungskompetenz 26
4.2.5 Kaufmännische Probleme 27
5 Externe Hemmnisse zur Unternehmensgründung 28
5.1 Cluster Umwelt 29
5.1.1 Mangelnde Unterstützung des sozialen Umfelds 29
5.1.2 Unzureichende Erziehung zur Selbstständigkeit 30
5.1.3 Negatives Image des Unternehmertums in der Öffentlichkeit 31
5.1.4 Unzureichende Vermittlung unternehmerischen Denkens 33
5.1.5 Fehlende Gründungsinfrastruktur 33
5.1.5.1 Gründungsberatung 34
5.1.5.2 Gründerausbildung 35
5.1.6 Unüberwindbare Markteintrittsbarrieren aufgrund zu hohen Wettbewerbs 36
5.1.7 Opportunitätskosten als Gründungshemmnis 39
5.1.8 Mangel an qualifizierten Arbeitskräften 40
5.1.9 Steuerliche Gründungshemmnisse 41
5.1.10 Rechtliche Barrieren 42
5.1.10.1 Fehlen von Genehmigungen als Gründungshemmnis 43
5.1.10.2 Fehlen von Befähigungsnachweisen oder Konzessionen als Gründungshemmnis 44
5.1.11 Schwer überwindbare bürokratische Hürden 44
5.1.12 Sozialversicherung für Unternehmer als Gründungshindernis 46
5.2 Cluster Ressourcen 49
5.2.1 Mangelnde Kapitalverfügbarkeit 49
5.2.2 Niedriger Informationsgrad über das Gründungs-geschehen 52
5.2.3 Fehlendes soziales Netzwerk 53
5.2.4 Die Auswirkungen der Förderlandschaft auf die Gründungsquote 54
Inhaltsverzeichnis III
6 Wissenschaftliche Methodik 56
6.1 Wahl des Mediums 56
6.2 Die Stichprobe 57
6.3 Der Fragebogen 57
6.4 Repräsentativität der Stichprobe für die Grundgesamtheit 58
7 Empirie 59
7.1 Filterfragen 59
7.2 Die Barrieren der Unternehmensgründung 59
7.3 Zusammenfassung der empirischen Datenlage 63
7.4 Neutrale Betrachtung der Hemmnisfaktoren 65
7.5 Vorschläge zur Verbesserung des Gründungsklimas in Österreich 66
8 Fazit 69
Literaturverzeichnis 71
Anhang 79
IV Abkürzungsverzeichnis ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
EU Europäische Union GEM Global Entrepreneurship Monitor KMU Klein- und Mittelständische Unternehmen OECD Organization of Economic Cooperation and Development ORF Österreichischer Rundfunk USA United States of America WIFO Institut für Wirtschaftsforschung Österreich WKO Wirtschaftskammer Österreich WKW Wirtschaftskammer Wien
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
ABBILDUNG 1: UNTERNEHMENSNEUGRÜNDUNGEN IN ÖSTERREICH 1993 - 2005
ABBILDUNG 2: GRÜNDUNGSQUOTEN DER GE-MSTAATEN VERGLICHEN MIT DEM BIP 2007
ABBILDUNG 3: NEUGRÜNDUNGSSTATISTIK 2007 FÜR DIE 42 GE-MMITGLIEDSSTAATEN
ABBILDUNG 4: HEMMENDE FAKTOREN DER UNTERNEHMENSGRÜNDUNG
ABBILDUNG 5: INTERNE GRÜNDUNGSHEMMNISSE
ABBILDUNG 6: EXTERNE GRÜNDUNGSHEMMNISSE
ABBILDUNG 7: NÜTZUNG DES WEITERBILDUNGSANGEBOTS IN ÖSTERREICH
ABBILDUNG 8: FIVE-FORCES-MODEL VON PORTER
ABBILDUNG 9: WORLD COMPETITIVENESS SCOREBOARD 2007
ABBILDUNG 10: VERGLEICH DER SOZIALVERSICHERUNGSLEISTUNGEN IN ÖSTERREICH
ABBILDUNG 11: SOZIALVERSICHERUNGSLEISTUNGEN ALS GRÜNDUNGSHEMMNIS
ABBILDUNG 12: FINANZIERUNG DER UNTERNEHMENSGRÜNDUNG
ABBILDUNG 13: INTERNATIONALER ANTEIL VON PE/VC-INVESTMENTS AM BIP
ABBILDUNG 14: STUDIENERGEBNISSE ZUM FÖRDERUNGSANGEBOT IN ÖSTERREICH
ABBILDUNG 15: GRAPHISCHE AUSWERTUNG ZU FRAGE 1
ABBILDUNG 16: AUSWERTUNG DER EMPIRISCHEN ERHEBUNG ZUM CLUSTER GRÜNDER
ABBILDUNG 17: AUSWERTUNG DER EMPIRISCHEN DATEN ZUM CLUSTER MANAGEMENT
ABBILDUNG 18: AUSWERTUNG DER EMPIRISCHEN ERHEBUNG ZUM CLUSTER UMWELT
ABBILDUNG 19: AUSWERTUNG DER EMPIRISCHEN DATEN ZUM CLUSTER RESSOURCEN
ABBILDUNG 20: DIE HEMMENDSTEN FAKTOREN DER UNTERNEHMENSGRÜNDUNG
ABBILDUNG 21: WICHTIGKEIT DER EINZELNEN FAKTORENGRUPPEN
ABBILDUNG 22: VERGLEICH DER RELEVANZ INTERNER UND EXTERNER FAKTOREN
TABELLENVERZEICHNIS
TABELLE 1: URSACHEN FÜR DIE GERINGE GRÜNDUNGSRATE IN ÖSTERREICH
TABELLE 2: MAßNAHMEN ZUM ABBAU DER GRÜNDUNGSBARRIEREN
1 Einleitung
1 EINLEITUNG
Unternehmensgründungen bilden einen wesentlichen Beitrag zur dynamischen Entwicklung einer Volkswirtschaft. Wo neue Unternehmen gegründet werden, werden Innovationen hervorgebracht und dadurch Arbeitsplätze geschaffen. 1
Darüber hinaus bildet die Gründung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) durch ihre wettbewerbsrevitalisierende Fähigkeit ein wirtschaftliches Gegengewicht zu den Großkonzernen und gilt somit als wichtiger Faktor für die Erhaltung eines funktionierenden ökonomischen Apparats. 2
Da die Wettbewerbsintensität wesentlich von der Zahl der auf einem Markt auftretenden Unternehmen beeinflusst wird, ist eine ausreichende Anzahl an Unternehmensneugründungen vonnöten, um die Marktabgänge im Interesse der Sicherheit des Wettbewerbs zu kompensieren. Der Eintritt neuer Unternehmen in den Markt schafft demnach zusätzliche Konkurrenz, verhindert eine monopolistische Anbietersituation und bewirkt insofern eine Belebung des Wettbewerbs. 3
Des Weiteren liegen die Vorteile der Bearbeitung kleiner Marktsegmente - im Optimalfall von Marktnischen - in der im Allgemeinen hier niedrigeren Wettbewerbsintensität sowie dem weitgehenden Fehlen von Preiskämpfen. 4 Dadurch, dass KMU häufig Marktnischen bedienen, die ein für ein Großunternehmen unrentables Volumen aufweisen, bzw. durch die Fähigkeit, Innovationen äußerst schnell zu vermarkten, wird der langfristige Erfolg dieser Unternehmen gewährleistet.
Aufgrund einer überschaubareren Organisationsstruktur und des oft unmittelbaren Kontakts mittelständischer Unternehmen sowohl zu ihren Abnehmern, als auch zu ihren Lieferanten, kann unter der Voraussetzung einer gegebenen Unternehmensflexibilität stärker auf Kundenwünsche eingegangen werden, woraus vor allem in Zeiten gesteigerten Wohlstandes und eines individualisierten Konsums eine weitere Stärke kleiner und mittelständischer Unternehmen resultiert.
1 Vgl. Statistik Austria, 2007, S. 2
2 Vgl. Wenz, 1993, S. 1
3 Vgl. Joos, 1987, S. 10
4 Vgl. Henrich; Kirsch, 1994, S. 30f
2 Einleitung
Eine vom Gründerservice der WKO (Wirtschaftskammer Österreich) im Jahr 2003 durchgeführte Studie versuchte dahingehend, die gesamtwirtschaftlichen Effekte österreichischer Unternehmensneugründungen im Detail zu untersuchen. 5
Daraus ging hervor, dass nicht nur in neu gegründeten Unternehmen selbst Beschäftigung und Wirtschaftsleistung generiert wird. Positive Effekte entstehen vor allem auch in vorgelagerten und nachgelagerten Branchen. Darüber hinaus ergab die Studie, dass eine Neugründung in Österreich durchschnittlich drei Arbeitsplätze im Unternehmen selbst schafft. Weitere 3,8 Arbeitsplätze entstehen durch Folgeeffekte in der Gesamtwirtschaft. In absoluten Zahlen bedeutete dies im Jahr 2003 174.000 in Österreich entstandene Arbeitsplätze aus im Vorjahr gegründeten Unternehmen. 6
Um die volkswirtschaftliche Bedeutung von kleinen und mittleren Unternehmen zu unterstreichen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass im Jahr 2007 in Österreich 65% aller Erwerbstätigen in KMU beschäftigt waren. Dies bedeutete einen KMU-Anteil von 99,6% aller registrierten österreichischen Unternehmen. 7
Durch die Darstellung der genannten Tatsachen ist nachvollziehbar, dass die Thematik der Unternehmensgründung in Österreich mehr und mehr in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses rückt. Aus diesem Grund sollte es ein Anliegen sein, diesem Thema auch die notwendige wissenschaftliche Relevanz beizumessen.
Dabei ist es für potentielle Unternehmensgründer zunächst von größter Bedeutung, sich über sämtliche Probleme und Hemmnisse, die mit einer Unternehmensgründung einhergehen und welche deren Erfolg oder Misserfolg beeinflussen können, im Klaren zu sein. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, sämtliche hemmenden Faktoren innerhalb des Gründungsprozesses zu erarbeiten, um somit einerseits dem Gründer wichtige Informationen über die Entwicklung seines Unternehmens zugänglich zu machen. Andererseits sollen typische Problembereiche und Konfliktsituationen im Gründungsprozess aufgedeckt werden, welche künftigen Unternehmensgründern eine Hilfestellung bei ihrer Entscheidungsfindung bieten sollen.
5 Vgl. Gründerservice der Wirtschaftskammer Wien, 2003, S. 5ff
6 Vgl. Wirtschaftskammer Österreich: Gesamtwirtschaftliche Aspekte der Unternehmensgründung in Öster-
reich, 2003. - URL: http://portal.wko.at/wl/format_detail.wk?AnglD=1&StlD=50876&DStlD=0,
[Stand 16/03/2008].
7 Vgl. Bornett, 2005, S. 3ff
3 Einleitung
Darüber hinaus werden durch eine empirische Primärdatenerhebung diese hemmenden Faktoren für die Unternehmensgründung bewertet. Die daraus resultierenden Ergebnisse werden zusammen mit der Literaturrecherche synthetisiert, um so zu neuen Erkenntnissen über die zugrundeliegende Hypothese zu gelangen.
In weiterer Folge besteht das mit dieser Studie verfolgte Anliegen darin, jene Faktoren und Faktorengruppen zu identifizieren, die eine Unternehmensgründung in der Planungs- und Latenzphase behindern und daraus Maßnahmen abzuleiten, die geeignet sind, die Zahl der Unternehmensneugründungen in Österreich zu erhöhen.
Um zum gewünschten Ergebnis zu kommen, erfolgt im zweiten Kapitel eine kurze Darstellung der Gründungssituation in Österreich, woraus die Fragestellung dieser Arbeit hervorgeht.
Das dritte Kapitel fokussiert auf einer detaillierten Abgrenzung der Thematik durch eine präzise Erarbeitung sämtlicher für diese Arbeit relevanter theoretischer Begriffe und Forschungskonzeptionen.
Im vierten und fünften Kapitel werden auf Basis einer Literaturrecherche die hemmenden Faktoren einer Unternehmensgründung ausführlich dargestellt. Dem Leser soll mithilfe dieses Kapitels vor allem die Komplexität und Dynamik des Gründungsprozesses nähergebracht werden. Außerdem soll eine ausführliche Wissengrundlage geschaffen werden, welche im Anschluss an dieses Kapitel eine strukturierte Betrachtung der empirischen Studie ermöglicht.
Im sechsten Kapitel soll durch eine umfassende Darlegung der wissenschaftlichen Methodik eine Basis für die im siebenten Kapitel ausgewertete Primärdatenerhebung geschaffen werden. Zweck der besagten Untersuchung ist es, herauszufinden, welche Einflussgrößen am hemmendsten auf potentielle Unternehmensgründer in Österreich wirken. Die Ergebnisse dieser Erhebung werden im achten Kapitel zusammengefasst und mit den theoretischen Grundlagen des vierten und fünften Kapitels verglichen, um zu neuen Er- kenntnissen über die zugrundeliegende Thematik zu gelangen.
4 Ausgangssituation
2 AUSGANGSSITUATION
Der nun folgende Abschnitt setzt sich zum Ziel, die Gründungssituation in Österreich näher zu beleuchten. Dabei wird zunächst versucht, anhand von z.T. internationalen Vergleichsdaten Besonderheiten und vor allem Mängel innerhalb der österreichischen Grün-derlandschaft zu erarbeiten, welche zur finalen Fragestellung für die zugrundeliegende Arbeit führen werden.
2.1 Gründungsquoten und Entwicklungstendenzen in
Österreich
Das nationale Gründungsverhalten zeichnet sich durch eine große Anzahl auffälliger Eigenschaften aus. So stehen beispielsweise einer vergleichsweise niedrigen Insolvenzquote 8 eine im Durchschnitt bescheidene Wachstumsdynamik sowie eine nach wie vor niedrige Zahl an Gründungen gegenüber.
Von der WKO veröffentlichte Statistiken zeigen, dass es trotz Zunahme der Zahl an Unternehmensneugründungen in den letzten Jahren und entgegen bisheriger Erwartungen zu keiner weiteren Beschleunigung der Gründungsdynamik kam. 9
8 Vgl. Burger; Darlap, 1998, S. 2
9 Vgl. Wirtschaftskammer Österreich, 2006, S. 18
5 Ausgangssituation
Österreichs Selbstständigenquote beträgt derzeit 9,1% 10 (exklusive Landwirtschaft), eine Tatsache, die dem Land einen der letzten Ränge innerhalb der EU zuweist. Absolut gesehen verfügt Österreich demnach über 299.100 Selbstständige in der gewerblichen Wirtschaft. 11
2.2 Österreichische Gründungsquote im internationalen
Vergleich
Der jährlich erscheinende Report des GEM (Global Entrepreneurship Monitor) ist die weltweit umfangreichste Analyse zum Thema Unternehmensgründungen und deren Wirkung auf das Wirtschaftswachstum. Im Rahmen dieser Studie wurden im Jahr 2007 die 42 Mitgliedsstaaten der GEM 12 u.a. auf ihre Neugründungsquoten verglichen mit dem nationalen BIP (Bruttoinlandsprodukt) untersucht. Dabei rangierte Österreich im Jahr 2007 im internationalen Vergleich, gemessen an den Zugängen bei kammerähnlichen Organisationen, bei einem Zuwachs von lediglich 2,4% an Neugründungen.
10 Vgl. Wirtschaftskammer Österreich: Selbstständige/Selbstständigenquote, 2006. - URL:
http://www.wko.at/statistik/eu/europa-selbstaendigenquote.pdf [Stand 08/05/2008].
11 Vgl. Wirtschaftskammer Österreich: Selbstständig Erwerbstätige, 2007. - URL:
http://wko.at/statistik/jahrbuch/am-selbstaendige.pdf [Stand 07/05/2008].
12 Vgl. Bosma et al., 2007, S. 6
6 Ausgangssituation
Bereits im Jahr 2005 ergab der GEM Report, dass sich das Land gemessen an der Gründungsquote im internationalen Schlussfeld der 35 untersuchten Nationen befand, woraus hervorgeht, dass Österreichs geringe Quote an Unternehmensgründungen kein kurzfristiges Phänomen ist.
Wie aus den Abbildungen 2 und 3 hervorgeht, beträgt die Neugründungsquote eines Großteils der untersuchten EU-Staaten zwischen 2,5% und 7,5%. Österreich liegt hierbei jedoch weit unter dem internationalen Durchschnitt. Es wies demzufolge lt. GEM Report im Jahr 2007 die geringste Neugründungsrate aller 42 untersuchten Mitgliedsstaaten auf.
Die folgende Gegenüberstellung der GEM-Mitgliedsstaaten, im Speziellen der Industriestaaten, welche im linken Teil der Abbildung angefügt sind, untermauert die schlechte Neugründungssituation Österreichs.
7 Ausgangssituation
2.3 Ursachenforschung
Nun gilt es der Frage nachzugehen, warum die Anzahl der Gründungen in Österreich so gering ist, somit festzustellen, in welchen Bereichen konkrete Gründungshemmnisse vorliegen. Die daraus resultierende Fragestellung für die zugrundeliegende Arbeit lautet dem- zufolge: Welche Hemmnisse finden potentielle Unternehmensgründer in Österreich vor?
8 Klärung zentraler Begrifflichkeiten
3 KLÄRUNG ZENTRALER BEGRIFFLICHKEITEN
Um eine theoretische Grundlage zu schaffen, sollen eingangs die wesentlichsten wissenschaftlichen Grundbegriffe und Forschungskonzeptionen, welche für die zugrundeliegende Arbeit von Bedeutung sind, dargestellt werden.
3.1 Unternehmertum vs. Entrepreneurship 13
Das folgende Unterkapitel beschäftigt sich mit der Definition und Gegenüberstellung der beiden Begriffe Entrepreneurship und Unternehmertum.
3.1.1 Unternehmertum
Die Definition des Unternehmers im steuerrechtlichen Sinn gibt Aufschluss über die tatsächliche Bedeutung des Begriffs. Demnach besagt das Steuerrecht:
„Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig ausübt. Das Unternehmen umfasst die gesamte gewerbliche oder berufliche Tätigkeit des Unternehmers. Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzielen, fehlt, oder eine Personenvereinigung nur gegenüber ihren Mitgliedern tätig wird.“ 14
Daraus geht hervor, dass rein rechtlich gesehen jede Person, die eine Absicht zur beruflichen Selbstständigkeit in die Realität umsetzt, als Unternehmer zu bezeichnen ist.
3.1.2 Entrepreneurship
Der Begriff Entrepreneurship kommt aus dem Französischen und leitet sich vom Verb entreprendre ab, was so viel bedeutet wie etwas unternehmen 15 . Die deutsche Übersetzung des im angloamerikanischen Sprachraum verwendeten Begriffs Entrepreneurship ist jedoch
13 Vgl. Risak; Exner; Stadler, 1998, S. 33ff
14 § 2 Abs 1 Umsatzsteuergesetz (UStG) 1994 idF BGBl. Nr. 201/1996. - URL:
http://www.steuerberater.at/gesetze/ustg/2/ [Stand 16/04/2008]
15 Vgl. Kraif, 2008, S. 256
9 Klärung zentraler Begrifflichkeiten
nicht vollwertig übernehmbar. Auch wenn in der deutschen Sprache der Begriff Unternehmertum häufig Verwendung findet, kommt damit nicht dasselbe zum Ausdruck. Der Begriff Entrepreneurship bezeichnet die Entwicklung eines Strebens nach unabhängiger Verfolgung von innovativen Geschäftsgelegenheiten (opportunities). Dabei orientiert sich der Entrepreneur an der Errichtung wachstumsorientierter Wirtschaftseinheiten durch das kreative Erkennen, Schaffen und Nutzen von Marktchancen, 16 ohne sich durch die zur Verfügung stehenden Ressourcen in der Verfolgung dieser Geschäftsgelegenheiten einschränken zu lassen. 17
Demzufolge ist ein Entrepreneur, wer durch das Streben nach Innovation die Gründung von neuen Wirtschaftseinheiten erwirkt und durch eigene Kreativität Neues in einen bestehenden Markt einführt. Schumpeter bezeichnet dieses Vorhaben als Kreative Zerstörung 18 , den klassischen Unternehmer hingegen als Wirt, als Imitator von bereits Bestehendem. Die Fähigkeiten der in der Gesellschaft nur spärlich vorhandenen Entrepreneure charakterisiert Schumpeter hingegen in seinen Ausführungen wie folgt: „Zuversichtlich außerhalb der vertrauten Fahrrinne zu navigieren und diesen Widerstand zu überwinden, verlangt Fähigkeiten, die nur in einem kleinen Teil der Bevölkerung vorhanden sind und die sowohl den Unternehmertyp wie auch die Unternehmerfunktion ausmachen.“ 19
3.2 Potentieller Unternehmensgründer 20
Als potentielle Unternehmensgründer im engeren Sinn sind in dieser Arbeit all jene Personen zu verstehen, die ihren Willen zur Selbstständigkeit in der einen oder anderen Form bereits ausgedrückt und auch dementsprechende Handlungen, wenn auch erst im Anfangsstadium, gesetzt haben, während als potentielle Unternehmensgründer im weiteren Sinn alle geschäftsfähigen Personen im gründungsfähigen Alter zu bezeichnen sind. Für diese Arbeit werden jedoch ausschließlich potentielle Unternehmensgründer im engeren Sinn in Betracht gezogen.
16 Vgl. Ripsas, 1997, S. 71
17 Vgl. Stevenson; Jarillo; 2001, S. 16
18 Vgl. Schumpeter, 2002, S. 409ff
19 Schumpeter, 1950, S. 215
10 Klärung zentraler Begrifflichkeiten
3.3 Gründer 21
Unter dem Begriff Gründer werden Personen verstanden, die sich bereits in einer Phase des eigentlichen Gründungsprozesses befinden. Das Spektrum reicht dabei von Individuen, die eine erste Gründungsidee hatten und dahingehend bereits erste Informationsschritte unternommen haben, bis hin zu Personen, die kurz vor der Aufnahme der Geschäftstätigkeit stehen. Zum Zweck der Vereinfachung der Begrifflichkeiten werden in dieser Arbeit die Begriffe Unternehmensgründer, Gründer und potentieller Unternehmensgründer im engeren Sinn synonym verwendet.
3.4 Jungunternehmer 22
Darunter werden Personen subsumiert, die ihr Unternehmen bereits gegründet haben und sich somit in der Nach-Gründungsphase befinden. Da der Zweck der zugrundeliegenden Arbeit die Erörterung der wesentlichsten Gründungshemmnisse in Österreich während der Planungs- und Latenzphase ist, werden für die durchzuführende Primärdatenerhebung speziell Jungunternehmer, deren Unternehemensgründung erst kürzlich erfolgte, in Betracht gezogen.
Motiv für das Heranziehen von Jungunternehmern für diese Erhebung ist, dass diese Gruppe durch den kürzlich abgeschlossenen Gründungsvorgang über hervorragende Kenntnisse der österreichischen Gründungslandschaft verfügt. Zudem haben Jungunternehmer den gesamten Gründungsprozess durchschritten und verfügen demnach über bessere Erfahrungswerte als potentielle Unternehmensgründer, deren Selbstständigentätigkeit sich noch im Anfangsstadium befindet.
3.5 Phasen der Unternehmensgründung 23
Die Einteilung des Gründungsprozesses resultiert lt. Mugler in einem Drei-Phasen-Modell. 24
20 Vgl. Hunsdiek, 1986, S. 177f
21 Vgl. Frank; Korunka; Lueger, 1999, S. 17
22 Vgl. Frank; Korunka; Lueger, 1999, S. 17f
23 Da die Entwicklung eines Unternehmens ein sehr komplexer Vorgang ist, sind die einzelnen Phasen nicht
klar voneinander abgrenzbar, vielmehr überschneiden sie sich in manchen Bereichen. Für die gegenständ-
liche Arbeit stellt diese Phaseneinteilung jedoch ein durchaus brauchbares Unterscheidungskriterium dar.
11 Klärung zentraler Begrifflichkeiten
Demzufolge wird ein Unternehmensgründungsprozess wie folgt untergliedert:
• Vor-Gründungsphase
• Gründungsphase
• Nach-Gründungsphase
Im Folgenden werden diese drei Phasen der Unternehmensgründung näher definiert.
3.5.1 Vor-Gründungsphase
Unter der Vor-Gründungsphase wird jener Zeitraum verstanden, der mit der ersten Gründungsidee beginnt. Sie ist geprägt von der Reflexion des Unternehmers über eine mögliche berufliche Alternative und beinhaltet überdies die gesamte Gründungsvorbereitung. Letztlich endet die Vor-Gründungsphase mit dem definitiven Gründungsentschluss und der ersten konkreten Handlung des Gründungswilligen.
3.5.2 Gründungsphase
Diese Phase der Unternehmensgründung wird weiter in die Latenz- und Planungsphase untergliedert.
3.5.2.1 Latenzphase 25
Die Latenzphase ist primär durch die Gewinnung von Informationen und deren Verarbeitung sowie den Aufbau eines Unterstützungsnetzwerkes gekennzeichnet. Abgeschlossen wird die Latenzphase mit dem Abschluss sämtlicher Schritte, die notwendig sind, um ein Unternehmen formal zu errichten bzw. mit der konkreten Aufnahme der Gründungsplanung. Voraussetzung hierfür ist eine klare Vorstellung des Gründers von seiner Geschäftsidee und den entsprechenden Bedingungen, unter denen diese erfolgreich umgesetzt werden kann.
24 Vgl. Mugler, 1993, S. 5ff
25 Vgl. Weihe, 1994, S. 27f
Arbeit zitieren:
Manuel Baumgartner, 2008, Wesentliche Barrieren der Unternehmensgründung in Österreichs KMU während der Planungs- und Latenzphase, München, GRIN Verlag GmbH
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