Abstract
Hobbes vertritt in seinem Werk Leviathan die These, dass die Staatsbildung einem menschlichen Entschluss aus strategischer Vernunft entspringt. Es bleibt dem Menschen aus vernünftigen Gründen nichts anderes übrig, als den Naturzustand zu verlassen, denn der Naturzustand ist unerträglich, und führt über längere Zeit zu untragbaren individuellen Kosten. Deswegen, sagt Hobbes, sei die Staatsbildung strategisch rational. Sie führe zur individuellen Nutzenmaximierung eines jeden Menschen. In diesem Zusammenhang wird auf das berühmte spieltheoretische Gefangenendilemma verwiesen. Mit dem Gefangenendilemma wird das Konzept der strategischen Rationalität, das bei Hobbes zur Staatsbildung führt, erläutert. An diesem Punkt eröffnet sich aber die Diskussion zwischen einem ökonomischen und einem subjektiven Rationalitätsbegriff. Die These von Hobbes basiert auf einem ökonomisch verstandenen Rationalitätsbegriff. Es stellt sich die Frage, ob Hobbes Modell der Staatsbildung auch nach der Einführung eines subjektiven Rationalitätsbegriff noch haltbar ist. Diese Frage wird mit dem spieltheoretischen Superspiel des Gefangenendilemmas beantwortet. Es zeigt sich, dass Hobbes Konzept auch Platz für einen subjektiven Rationalitätsbegriff lässt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Einordnung 4
2.1 Antike: Platon und Aristoteles 4
2.2 Mittelalter: Niccolò Machiavelli 4
2.3 Thomas Hobbes 5
3 Der Naturzustand 6
3.1 Der Kriegszustand. 6
3.2 Naturrecht und Naturgesetz 7
3.3 Das Wesen der Menschen 7
4 Die Staatsbildung 8
4.1 Der Vertrag. 8
4.2 Unterwerfung. 9
4.3 Der Souverän 9
5 Gründe für den Menschen, den Naturzustand zu verlassen. 10
5.1 Handlungswahl. 10
5.2 Das Gefangenendilemma. 11
5.3 Das Konzept der strategischen Rationalität 11
6 Rationalitätsbegriffe. 12
6.1 Homo Oeconomicus. 12
6.2 Der subjektive Rationalitätsbegriff 13
6.2.1 Nutzenbefriedigendes statt Nutzenmaximierendes Verhalten. 13
6.2.2 Angemessenheit 14
7 Etablierung des Leviathans durch strategische Rationalität? 14
7.1 Das Superspiel 15
8 Schlussfolgerungen 16
Regine Gerber Politikwissenschaftliches Seminar WS 06/07 3
1 Einleitung
Thomas Hobbes (1588-1679) war ein englischer Staatstheoretiker und Philosoph. Vor allem durch seine Theorie des Gesellschaftsvertrags, die er in seinem Hauptwerk Leviathan begründete, wurde er berühmt.
In seiner Zeit wurde er wegen seinen radikalen Theorien angefeindet, heute verdankt er diesen, seine Position als einer der größten Klassikern der politischen Philosophie. Seine Vorstellung von der Staatsbildung und dem damit verbundenen Naturzustand ist auch heute noch ein wichtiges, und immer wieder diskutiertes Thema in der politischen Theorie.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Übergang von Hobbes` Modell des Naturzustands zum Staat. Es wird danach gefragt, wieso die Menschen einen Staatsvertrag eingehen wollen. In Hobbes` Konzept ist das eine Entscheidung der strategischen Rationalität. Diese These soll genauer untersucht und diskutiert werden.
Um Hobbes These und die daraus folgende Diskussion besser darstellen zu können, soll diese Arbeit auch die wichtigsten Grundlagen vermitteln: Im Teil der Einordnung soll Thomas Hobbes’ politische Philosophie im Zusammenhang mit seinen Vordenkern kurz dargestellt werden. Was sind die wichtigsten Unterschiede zu Platon, Aristoteles und Niccolo Machiavelli? Was lässt uns von einem Paradigmawechsel sprechen?
In Kapitel 3 und 4 sollen die Grundlagen der Hobbes`schen politischen Philosophie dargelegt werden. Wie stellt sich Hobbes den Naturzustand vor? Durch welche Gegebenheiten ist er charakterisiert? Was für ein Menschenbild zeichnet er in diesem Zusammenhang? Was führt schliesslich dazu, dass der Naturzustand zurückgelassen wird und es zu einer Staatsbildung kommt? Welche Wege führen bei Hobbes zur Staatsbildung?
Im Hauptteil soll die These erläutert werden, dass der Grund für den Vertragsschluss und damit für die Staatsbildung, ein Entschluss ist, welcher der strategischen Rationalität entspringt. In diesem Zusammenhang wird auf das berühmte, spieltheoretische Gefangenendilemma verwiesen und anschliessend die These diskutiert. Es eröffnet sich die Diskussion über einen objektiven und einen subjektiven Rationalitätsbegriff, und damit die Frage, ob Thomas Hobbes These auch
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mit einem subjektiven Rationalitätsbegriff haltbar ist. Dieser Frage wird wiederum mit dem spieltheoretischen Superspiel des Gefangenendilemmas nachgegangen. Im Teil der Schlussfolgerungen werden die wichtigsten Ereignisse kurz dargestellt.
2 Einordnung
Thomas Hobbes` politische Philosophie verkörpert einen revolutionären Bruch mit der Staatsphilosophie der Antike, des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Es darf gesagt werden, dass Thomas Hobbes ein Paradigmawechsel herbeiführt. Die gravierendsten Unterschiede zu der bis dahin geltenden politischen Philosophie sollen im Folgenden kurz skizziert werden.
2.1 Antike: Platon und Aristoteles
In der Antike wird der Mensch wird als Wesen gesehen, das auf ein Leben in einer grösseren Gesellschaft („Polis“) angelegt ist. Das ist seine natürliche Zweckbestimmung (Zippelius 2003: S.27). Damit dies gelingen kann, ist eine Integration in einen Staat notwendig. Der Mensch ist ein „ Zoon Politikon“, ein von Natur aus geselliges Wesen. Nur in der Gemeinschaft, im Zusammenwirken mit anderen Menschen, findet der Mensch seine Erfüllung. Damit sind die Staatsgründung und eine politische Betätigung notwendige Bedingungen für ein erfülltes Leben. Platon und Aristoteles sind damit frühe Vertreter eines eudämonistischen Modells (Horn 2003: 26 ). Ausserdem liegt die Betonung in der Antike sehr stark auf der moralischen Aufgabe des Staates. Ohne Moral war Politik, nicht vorstellbar. Vielmehr sollten Moral und Politik zu einer Einheit werden.
2.2 Mittelalter: Niccolò Machiavelli
Nicccolo Machiavellis Staatstheorie war für das Mittelalter sehr radikal. Auch sie stellte einen Bruch dar. Einerseits den Bruch mit den gängigen Werten des Mittelalters: Der Staat wird nicht durch die Religion legitimiert, ist nicht gottgewollt, sondern entspringt allein der vernünftigen Eigenleistung der Menschen. Ebenfalls stellt sie einen Bruch mit der Staatstheorie der Antike dar. So trennte Machiavelli seine Politik völlig von jeglicher Moral. Denn Machiavelli vertrat eine skeptische Anschauung von Moral: Moral ist korrupt, kann man zurechtbiegen und ist von wandelbaren Normen abhängig. Einzig das Bestreben, den Staat stabil und
Arbeit zitieren:
Regine Gerber, 2006, Vom Naturzustand zum Staat bei Thomas Hobbes, München, GRIN Verlag GmbH
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