Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis VIII
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Ziel 1
1.2 Aufbau der Arbeit 3
2. Allgemeine begriffliche und konzeptionelle Grundlagen 5
2.1 Risiko und Risikomanagement 5
2.1.1 Risikodefinition 5
2.1.2 Risikoklassifikationen 8
2.1.3 Begriff und Konzeptionen des Risikomanagements. 9
2.1.3.1 Definition und historische Entwicklung des Risikomanagements 9
2.1.3.2 Phasen des Risikomanagementprozesses 11
2.2 Materialbeschaffung 14
Definition „Materialbeschaffung“ 14
2.2.1
2.2.2 Aufgaben und Ziele der Materialbeschaffung 16
2.3 Materialbeschaffungsrisiken 18
2.3.1 Lieferrisiken 19
2.3.2 Marktrisiken 20
2.3.3 Lieferantenrisiken 21
2.3.4 Operationelle Risiken 23
3. Darstellung des Marktpreisrisikos bei der Beschaffung börsengehandelter
Rohstoffe am Beispiel von Kupfer 25
3.1 Kupfer als globales Handelsgut 25
3.1.1 Gewinnungsprozess von Kupfer 25
Inhaltsverzeichnis III
3.1.2 Aktuelle Angebots- und Nachfragestruktur auf dem Weltmarkt 26
3.1.3 Kupferproduktion und -verbrauch in Deutschland 30
3.2 Bedeutung der Metallbörsen 32
Definition des Begriffs „Metallbörse“ 32
3.2.1
3.2.2 Funktionen der Metallbörse 34
3.2.3 Backwardation und Contango als risikorelevante
Marktkonstellationen 36
3.2.4 Kupferpreisermittlung 40
3.2.4.1 LME-Notierungen 40
3.2.4.2 DEL-Notiz 43
3.3 Marktpreisrisiken bei Kupfer 45
3.3.1 Kupferpreisrisiken 45
3.3.2 Währungsrisiken 46
3.3.3 Konsequenzen für Industrieunternehmen 49
4. Risikomanagement bei der Beschaffung von Kupfer. 53
4.1 Ziele des Risikomanagements bei der Beschaffung kupferhaltiger
Produkte 53
4.2 Wirkungsbezogene Maßnahmen gegen Preisrisiken bei Kupfer. 55
4.2.1 Maßnahmen des Risikotransfers auf Marktpartner 55
4.2.1.1 Vertragliche Regelungen zur Preisanpassung 55
4.2.1.2 Risikoverlagerung auf den Hersteller von Kupferprodukten 56
4.2.2 Hedging an der Metallbörse als Absicherungsinstrument 57
4.2.2.1 Preisausgleichendes Hedge-Geschäft 58
4.2.2.1.1 Hedging in seiner perfekten Form. 59
4.2.2.1.2 Ausnutzung eines Contango bzw. einer Backwardation 63
4.2.2.2 Preisfixierendes Hedge-Geschäft 65
Inhaltsverzeichnis IV
4.2.3 Möglichkeiten der Abwicklung eines preisfixierenden
Hedge -Geschäfts 66
4.2.3.1 Eigenverantwortliches Hedging 67
4.2.3.2 Abwicklung über einen Metallhändler 68
4.2.3.3 Abwicklung über einen Hersteller von Kupferprodukten 69
4.2.4 Absicherung von Währungsrisiken 72
4.2.4.1 Währungskursabsicherung bei einem preisausgleichenden
Hedge -Geschäft 73
4.2.4.2 Währungskursabsicherung bei einem preisfixierenden
Hedge -Geschäft 77
5. Anwendungsempfehlung und Fazit 81
Literaturverzeichnis 84
___________________________________________________________________
Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft Aufl. Auflage Bd. Band bspw. beispielsweise bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise COMEX Commodity Exchange DEL Deutsche Elektrolyt-Kupfer-Notiz für Leitmaterial DTG Devisentermingeschäft Euro (€) EUR Fn. Fußnote GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung Hrsg. Herausgeber ICSG International Copper Study Group i.e.S. im engeren Sinn IT Informationstechnologie Jg. Jahrgang KG Kommanditgesellschaft Kg Kilogramm Km Kilometer LME London Metal Exchange M Meter metr. T. metrische Tonne Mill. Millionen NE Nichteisen Nr. Nummer o.A. ohne Angabe o.J. ohne Jahr PVC Polyvinylchlorid QMM Quadratmillimeter
___________________________________________________________________
SHFE Shanghai Futures Exchange Sp. Spalte sog. sogenannte Tz. Textzeile u.a. unter anderem Übers. Übersetzer
USD US-Dollar ($) WVM WirtschaftVereinigung Metalle v.a. vor allem vgl. vergleiche vs. versus z.B. zum Beispiel z.T. zum Teil zzgl. zuzüglich
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Regelkreis des Risikomanagements
Abbildung 2: Objekte und Funktionen der Beschaffung i.e.S.
Abbildung 3: Liefer- und Marktrisiken der Beschaffung
Abbildung 4: Gewinnungsprozess von Raffinadekupfer
Abbildung 5: Kupfer-Nachfragestruktur nach Branchen
Abbildung 6: Terminmarkt im Contango
Abbildung 7: Verfügbarkeitsprämie bei LME-Kupfer (2001 - 05)
Abbildung 8: Terminkurve Kupfer vom 24.01.2008
Abbildung 9: Entwicklung Kupferpreis und Lagerbestände (1999 - 2007)
Abbildung 10: Entwicklung der mittleren DEL-Notiz (2000-2008)
Abbildung 11: Wechselkursentwicklung EUR / USD (Monatsdurchschnittswerte
(2000-08)
Abbildung 12: Ausnutzung günstig erscheinender Zeitpunkte eines Termin-
gesch äfts
Abbildung 13: Auswirkungen von Wechselkursveränderungen auf den Erfolg
eines preisfixierenden Hedge-Geschäfts
___________________________________________________________________
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Bergwerksproduktion („Mine Production“) von Kupfer nach Ländern und
Regionen (2006) .................................................................................................... 26 Tabelle 2: Hüttenproduktion („Smelter Production“) nach Ländern und Regionen
(2005) .................................................................................................................... 27 Tabelle 3: Produktion von raffiniertem Kupfer („Refinded Production“) nach Ländern
und Regionen (2006) ............................................................................................. 28 Tabelle 4: Verbrauch von raffiniertem Kupfer („Refined Usage“) nach Ländern und
Regionen (2006) .................................................................................................... 29 Tabelle 5: Schlussnotierungen LME-Kupfer vom 24.01.2008 ................................ 41 Tabelle 6: DEL-Notiz vom 24.01.2008 ................................................................... 44 Tabelle 7: Wechselkursschwankungen und ihr Einfluss auf den Kupfer-
Einkaufspreis ......................................................................................................... 47 Tabelle 8: Absicherung eines physischen Kaufs von Kupfer durch Hedging
(Kupfermarkt im Contango) .................................................................................... 60 Tabelle 9: Absicherung eines physischen Kaufs von Kupfer durch Hedging
(Kupfermarkt in einer Backwardation) .................................................................... 61 Tabelle 10: Realisierung eines Contango-Gewinns bei der Absicherung eines
physischen Geschäfts ............................................................................................ 63 Tabelle 11: Abwicklung einer kombinierten Rohstoffpreis- und Währungssicherung
bei der Beschaffung von Kupfer ............................................................................ 76
___________________________________________________________________
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel
Mit dem tief greifenden Wandel der Märkte in den vergangenen Jahren hat sich das Umfeld von Unternehmen stark verändert. So sind diese heutzutage mit globalen Märkten, kürzeren Produktlebenszyklen und einer zunehmenden Kundenorientierung konfrontiert, was insgesamt zu einer Erhöhung der Variantenvielfalt für Produkte führt. Diese Zunahme geht mit einem immer breiter werdenden Artikelspektrum bei gleichzeitiger Reduzierung der produktspezifischen Absatzmenge einher, so dass traditionelle Kostenvorteile über Skaleneffekte immer seltener genutzt werden können. 1
Neben dem wachsenden Variantenspektrum sind viele Unternehmen auch aufgrund des zunehmenden Kostendrucks gezwungen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu fokussieren und darüber hinausgehende Aktivitäten auszulagern. Der daraus resultierende Rückgang der Fertigungstiefe führt dazu, dass bei Industrieunternehmen die Materialkosten mittlerweile durchschnittlich weit über 50% der Gesamtkosten betragen. 2 Diese Tatsache verdeutlicht die immense Bedeutung des Einkaufs für den Erfolg einer Unternehmung.
Da die Materialkosten in vielen Industrieunternehmen den größten beeinflussbaren Kostenblock darstellen, stehen diese regelmäßig im Fokus bei geplanten Kostensenkungsprojekten. In jüngster Vergangenheit prägte vor allem die explosionsartige Entwicklung der Rohstoffpreise die Risikosituation vieler Unternehmen, da sie die aufgetretenen Preissteigerungen völlig unerwartet trafen. 3 Insbesondere sind jene Unternehmen, bei denen börsengehandelte Rohstoffe, wie z.B. Öl, Erdgas oder Kupfer, einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen und die aus der starken Volatilität 4 der Rohstoffpreise resultierenden Preisrisiken nicht abgesichert
1 Vgl. Eberle, 2005, S. 15
2 Vgl. Stölzle/Kirst, 2006, S. 24; Wildeman, 2007, S. 1 (Internetquelle Nr. 25)
3 Vgl. Wildemann, 2007, S. 1 (Internetquelle Nr. 25)
4 Volatilität = Maß für Preis- bzw. Kursschwankungen bestimmter Basiswerte (z.B. Aktien, Anlei-
hen oder Rohstoffe) oder ganzen Börsenmärkte. Die Volatilität misst die relative tägliche Preis-
bzw. Kursveränderung im Verhältnis zur durchschnittlichen Veränderung desselben Wertes in
einem bestimmten Zeitraum; Vgl. http://lexikon.meyers.de/meyers/Volatilität abgerufen am
04.03.02008
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werden, in großem Maße betroffen. 5 Eine von KPMG im Jahre 2006 durchgeführte Studie mit dem Titel „Energie- und Rohstoffpreise - Risiken und deren Absiche- rung“, beider über 500 Unternehmen aus dem deutschsprachigem Raum einbezogen wurden, kommt genau zu diesem Ergebnis. Demnach halten zwar 93% der befragten Unternehmen Risikomanagement in diesem Zusammenhang für wichtig bzw. sehr wichtig, jedoch sichern nur 62% einen Teil der benötigten Rohstoffe ab. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass 38% der betroffenen Unternehmen ihre Rohstoffpreisrisiken überhaupt nicht absichern. Die bedeutsame Stellung der Thematik zeigt sich weiter darin, dass 89% der Unternehmen angeben, dass die Rohstoffpreise einen mittelgroßen bis großen Einfluss auf die Gesamtkosten haben. 6 Ein anderes Resultat dieser Studie macht deutlich, dass das Thema Rohstoffabsicherung im Vergleich zu anderen Risikofeldern von den Unternehmen noch nicht wirklich angenommen wird. Dem folgend sichern beispielsweise 78% der befragten Unternehmen reine Finanzrisiken, wie Zins- und Fremdwährungswährungsrisiken, ab. Der Anteil bei den fertigenden Unternehmen ist mit 84% sogar noch etwas höher ist. Somit werden diese Risiken deutlich häufiger abgesichert, obwohl Rohstoffpreise im Vergleich zu Zinsen und Devisen deutlich volatiler sind. 7
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Risiken bei der Beschaffung bör-sengehandelter Rohstoffe deutscher Unternehmen zu geben. Anhand eines exemplarischen Beispiels, das den Einkaufsprozess von Kupfer und kupferhaltiger Produkte beschreibt, werden entsprechende Marktpreisrisiken aufgezeigt, um am Ende mögliche Empfehlungen im Umgang mit diesen Risiken geben zu können.
5 Vgl. KPMG, 2007, S. 8f. (Internetquelle Nr. 10)
6 Vgl. KPMG, 2007, S. 1f. (Internetquelle Nr. 10)
7 Vgl. KPMG, 2007, S. 17 (Internetquelle Nr. 10)
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1.2 Aufbau der Arbeit
Das Thema dieser Arbeit lautet „Risikomanagement in der Materialbeschaffung -Marktpreisrisiko bei börsengehandelten Rohstoffen“. Somit wirft der Titel insgesamt vier Fragen auf:
Was stellt Risikomanagement dar? Wie ist die Materialbeschaffung gekennzeichnet? Welche Faktoren beschreiben das Marktpreisrisiko bei börsengehandelten
Rohstoffen?
Welche wirkungsbezogenen Maßnahmen können gegen das Marktpreisrisi-ko getroffen werden?
Nachfolgend soll daher versucht werden, diese Fragen zu beantworten, wobei die beiden letzten Fragen den Schwerpunkt darstellen sollen. Hierzu gliedert sich diese Arbeit wie folgt:
Dieser Einleitung folgend, wird in Abschnitt 2 auf die ersten beiden Fragen einge- gangen.Dabei werden zunächst der Begriff „Risiko“ und dessen einzelne Interpreta- tionsmöglichkeitennäher erläutert. Darauf aufbauend werden anschließend die Entwicklung des Risikomanagements sowie die einzelnen Phasen des ganzheitlichen Risikomanagementprozesses dargestellt. Außerdem muss im Rahmen der begrifflichen Grundlagen auch geklärt werden, was unter der Materialbeschaffung genau zu verstehen ist. Hierzu erfolgt zunächst eine Erläuterung der Ziele und Aufgaben der Materialbeschaffung, bevor im Anschluss daran auf die einzelnen Risiken in diesem Zusammenhang eingegangen werden kann.
In Gliederungspunkt 3 werden auf die Frage, wie und weshalb ein Marktpreisrisiko bei börsengehandelten Rohstoffen entsteht, Antworten gegeben. Dabei wird dieses Risiko am Beispiel der Beschaffung von Kupfer und kupferhaltiger Produkte be- schrieben.Hierzu wird zu Beginn das „rote Metall“ an sich und die aktuelle Ange- bots-und Nachfragesituation auf dem Weltmarkt beschrieben. Darauf aufbauend folgt die Darstellung der Bedeutung der Metallbörsen in diesem Beschaffungssegment, wobei insbesondere auf die speziellen Kupfermarktkonstellationen und ihre Relevanz im Hinblick auf die Kupferpreisermittlung eingegangen wird. Abschließend werden die Marktpreisrisiken, die bei der Beschaffung börsengehandelter Rohstoffe entstehen, sowie ihre Auswirkungen für deutsche Industrieunternehmen skizziert.
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Die letze Frage, nämlich welche wirkungsbezogenen Maßnahmen gegen das Marktpreisrisiko in diesem Zusammenhang getroffen werden können, wird in den beiden abschließenden Kapiteln 4 und 5 beantwortet. Dabei werden zunächst in Punkt 4 die einzelnen Lösungsmöglichkeiten vorgestellt und im Hinblick auf deren Anwendbarkeit bei der Kupfer-Beschaffung geprüft. Im letzten Gliederungspunkt erfolgen schließlich einzelne Handlungsempfehlungen sowie ein abschließendes Fazit.
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2. Allgemeine begriffliche und konzeptionelle Grundla-
gen
2.1 Risiko und Risikomanagement
2.1.1 Risikodefinition
Der Terminus des Risikos gehört zweifellos zu den meistgebrauchten in der Betriebswirtschaftslehre. Dabei wird dieser Begriff in den verschiedensten Zusammenhängen verwendet sowie mit den unterschiedlichsten Bedeutungsinhalten versehen. 8 Folgt man der deutschsprachigen Literatur, so lassen sich drei Gruppen von Risikodefinitionen unterscheiden. Die erste Gruppe setzt bei der Begriffsbestimmung an den Wirkungen von Risiken auf unternehmerische Aktivität an (wirkungsbezogene Definition). Andere Autoren definieren dagegen ursachenbezogen und stellen dabei den Informationszustand bei Entscheidungen als Abgrenzungsmerkmal heraus. Eine Kombination aus wirkungs- und ursachenbezogener Komponente ist Bestandteil der dritten Gruppe der Risikodefinitionen. 9
Im nun Folgenden sollen die drei Definitionen des Risikos kurz erläutert werden, um im nächsten Gliederungspunkt auf die verschieden Risikoklassifikationen eingehen zu können.
Wirkungsbezogene Risikodefinitionen
In der wirkungsbezogenen Definition wird das Risiko allgemein als Möglichkeit der Zielverfehlung verstanden 10 , also die Möglichkeit, dass ein angestrebtes Ziel nicht ganz oder gar nicht erfüllt wird. Der Bezug zu Unternehmenszielen ist für diese Art von Risikodefinitionen charakteristisch. Innerhalb dieser Gruppe präzisieren die Au-toren ihre Begriffsauffassungen jedoch sehr unterschiedlich. So interpretiert Eucken z.B. Risiko als die Möglichkeit des Misslingens von Plänen 11 , während Philipp die
8 Vgl. Imboden, 1983, S. 39
9 Vgl. zu den verschiedenen Abgrenzungen z.B. Imboden, 1983, S. 40-51; Braun, 1984, S. 22-25;
sowie Härterich, 1987, S. 6-19
10 Vgl. Braun, 1984, S. 23
11 Vgl. Eucken, 1959, S.141
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Gefahr einer Fehleinschätzung im Hinblick auf angestrebte Zielvorstellungen in den Vordergrund stellt. 12 Die Verbindung zwischen Risiken und Unternehmenszielen kommt besonders bei Definitionen zum Ausdruck, die Risiko als Schadens- oder Verlustgefahr im Hinblick auf das Gewinnziel bezeichnen. 13 Im Gegensatz zur letztgenannten Risikodefinition lässt sich die mögliche positive Zielerreichung auch als Chance interpretieren. 14
Ursachenbezogene Risikodefinitionen
Bei den ursachenbezogenen Risikodefinitionen wird auf die Unsicherheit hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Informationen verwiesen und das Risiko als Informationsdefizit beschrieben. 15 Diese in der Literatur häufig vertretene Begriffsauffassung geht im Kern auf den amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Frank H. Knight zurück. Dabei wird zwischen der Sicherheit („certainty“), der messbaren Ungewissheit und der nicht messbaren Ungewissheit differenziert. Risiko wird demnach als messbare Ungewissheit („uncertainty“) verstanden, die objektiv mit Hilfe von statistischen Wahrscheinlichkeiten ermittelt werden kann. Reine Ungewissheit („real uncertainty“) liegt dagegen bei Entscheidungssituationen nur dann vor, wenn keine oder nur subjektive Wahrscheinlichkeiten angegeben werden können. 16
Diese vorgenommene Unterscheidung zeigt jedoch zwei gravierende Problembereiche auf. Erstens ist es nicht möglich, eindeutig zwischen subjektiven und objektiven Wahrscheinlichkeiten zu unterscheiden. Stellen etwa mathematisch exakt definierte objektive Häufigkeitsverteilungen aus der Vergangenheit die Basis für zukunftsbezogene Berechnungen mit Wahrscheinlichkeiten dar, so können diese Einschätzungen auch als subjektiv interpretiert werden. 17 Zweitens beschränkt sich die Berechnung mit objektiven Wahrscheinlichkeiten auf sehr wenige Bereiche im Unternehmensalltag, da zumeist die erforderliche große Zahl an relevanten Daten aus der Vergangenheit fehlt. Somit handelt es sich lediglich um subjektive Wahrscheinlichkeiten, die nach Knight kein Risiko begründen. 18
12 Vgl. Philipp, 1967, S.18; ähnliche Definitionen sind u.a. zu finden bei Wittmann, 1959, S. 189;
Schröer, 1969, S. 38
13 Vgl. z.B. Segelmann, 1959, S. 5ff.; Braun, 1984, S.23
14 Vgl. Braun, 1984, S. 23f.
15 Vgl. Härterich, 1987, S. 13
16 Vgl. Knight, 1921, S. 20; ähnlich: Albach, 1959, S. 3f.
17 Vgl. Eberle, 2005, S. 34
18 Vgl. Eberle, 2005, S. 34; Neubürger, 1989, S. 29
___________________________________________________________________
Aus diesen Gründen weichen einige Autoren von dem rein ursachenbezogenen Erklärungsansatz ab, d.h. sie verzichten auf die Notwendigkeit, objektive Wahrscheinlichkeiten zur Beschreibung einer Risikosituation angeben zu können. Dennoch wird das Risiko weiterhin als spezieller Informationszustand verstanden. 19
Wirkungs- und ursachenbezogene Risikodefinitionen
Die Gegenüberstellung von wirkungs- und ursachenbezogenen Risikodefinitionen macht deutlich, dass sich beide Erklärungsansätze inhaltlich nicht komplett ausschließen. Somit liegt es nahe, Elemente beider Auffassungen zu kombinieren, um zu einem umfassenderen und realitätsnäheren Risikobegriff zu gelangen. Daraus ergibt sich eine Begriffsdefinition, die zwei Komponenten eng miteinander verknüpft: eine wertende, wirkungsbezogene Komponente sowie eine informatorische, ursachenbezogene Komponente des Risikobegriffs. 20
Die wertende, wirkungsbezogene Komponente richtet sich allgemein nach subjektiven Zielvorstellungen und betrifft somit Zielverfehlungen. 21 Erst durch diese subjektiven Zielsetzungen wird die wertneutrale Unsicherheitsfunktion zur Risiko- bzw. Chancensituation. 22 Das informatorische, ursachenbezogene Element ist hingegen dadurch gekennzeichnet, dass der Entscheidungsträger zum Zeitpunkt seines Handelns über einen bestimmten Informationsstand verfügt. 23
Den weiteren Ausführungen dieser Arbeit soll die Risikodefinition, die auf beiden dargestellten Bestandteilen basiert, zugrundegelegt werden. Risiko wird demnach als die Möglichkeit der Zielabweichung aufgrund des unsicheren Informationsstandes (Unsicherheit über die Zukunft) verstanden.
19 Vgl. Braun, 1984, S. 24; Karten, 1978, S.308f.
20 Vgl. Braun, 1984, S. 26f.
21 Siehe Ausführungen unter „Wirkungsbezogene Risikodefinition“ weiter oben
22 Vgl. Braun, 1984, S. 27
23 Vgl. Eberle, 2005, S. 36
___________________________________________________________________
2.1.2 Risikoklassifikationen
Wie auch bei der Begriffsdefinition selbst existiert in der Literatur auch für den Klassifizierungsansatz des Risikos eine große Bandbreite. Dabei sollen mithilfe einer Klassifizierung die möglichen Ausprägungsformen von Risiken herausgearbeitet und strukturiert dargestellt werden. Nachfolgend werden daher einige Risikoklassifikationen erläutert, die für den weiteren Verlauf dieser Arbeit von Bedeutung sind.
Reine und spekulative Risiken
Während im allgemeinen Sprachgebrauch Risiko nur mit negativen Zielabweichungen in Verbindung gebracht wird, unterscheidet die wirtschaftswissenschaftliche Literatur zwischen reinen und spekulativen Risiken. 24 Reine Risiken bezeichnen nur Schadensgefahren, die als Ergebnis eine negative Zielabweichung mit sich bringen. Als Beispiel können hier Diebstahl- oder Betriebsunterbrechungsrisiken genannt werden. Spekulative Risiken umfassen dagegen neben negativen auch positive Abweichungen von angestrebten Zielwerten. Hier wird zwischen Risiko im engeren Sinne („Verlustgefahr“) und Risiko im weiteren Sinne („Chance“) unterschieden. 25 Das Devisenkursrisiko stellt in diesem Zusammenhang beispielsweise ein spekulatives Risiko dar, da sich Devisenkursschwankungen sowohl positiv als auch negativ auf das Ergebnis auswirken können.
Eine Trennung zwischen reinen und spekulativen Risiken ist in der betrieblichen Praxis jedoch kaum durchführbar, da eine Abgrenzungsproblematik bei der Kategorisierung besteht. Nach Karten erscheint die Kategorisierung in reine oder spekulative Risiken willkürlich und fließend, da diese von der individuellen Festlegung des Nullpunktes von Zielen abhängig sind. 26
Einzel- und Gesamtrisiken
Risiken können aber auch in Einzel- und Gesamtrisiken unterschieden werden. Basis hierfür ist der Umfang der Entscheidungen, auf die sich die einzelnen Risiken beziehen. 27 Das Einzelrisiko beschreibt demnach eine Risikosituation, die sich aus
24 Synonyme Begriffe für „reine“ und „spekulative“ Risiken sind „asymmetrische“ bzw. „symmetri-
sche“ Risiken (vgl. Bitz, 2000, S. 15) und „static risk“ bzw. „dynamic risk“ (vgl. Braun, 1984, S. 29)
25 Vgl. Bitz, 2000, S.15
26 Vgl. Karten, 1978, S.311
27 Vgl. Eberle, 2005, S. 39
___________________________________________________________________
einer konkreten Entscheidungssituation ergibt. Dagegen kann das aus der Summe aller Entscheidungen resultierende Risiko als unternehmerisches Gesamtrisiko bezeichnet werden. 28
Strategische und operative Risiken
Desweiteren kann eine Unterscheidung in strategische und operative Risiken vorgenommen werden. Dabei wirken strategische Risiken langfristig und haben somit große Bedeutung für das Gesamtunternehmen. Operative Risiken hingegen beziehen sich auf kurz- und mittelfristige Entscheidungen und betreffen zumeist nur Teilbereiche eines Unternehmens. 29
Die Literatur bietet noch zahlreiche weitere Klassifizierungsansätze zum Thema Risiko. Allerdings wäre eine fortführende Aufzählung nicht zielführend. Die Intention dieses Abschnittes besteht darin, jene Systematisierungsansätze aufzuzeigen, die in der Literatur 30 häufig dargestellt werden und für den weiteren Verlauf dieser Arbeit von Bedeutung sind.
2.1.3 Begriff und Konzeptionen des Risikomanagements
2.1.3.1 Definition und historische Entwicklung des Risikomanagements
Der Ursprung des Risikomanagements geht auf amerikanische Versicherungs- und Großindustrieunternehmen in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts zurück. Dabei beschränkte sich das Risikomanagement lediglich auf versicherbare Risiken und umfasste die Optimierung der Versicherungsleistungen sowie der zu zahlenden Prämie. Bei diesem Ansatz nimmt das Risikomanagement vor allem die Rolle der Verwaltung und des Einkaufs von Versicherungen wahr. 31 Großen Einfluss auf diese Entwicklung hatte v.a. das Werk „Risk management in the business enterprise“ von
28 Macharzine/Wolf, 2005, S. 652f.
29 Vgl. Farny, 1996, Sp. 1799
30 Vgl. hierzu v.a. die Ausführungen von Imboden, 1983, S.65-70
31 Vgl. Strohmeier, 2007, S. 44
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Mehr und Hedges 32 . Darin werden erstmals Inhalt und Methoden der versicherungsmäßigen Abdeckung von Unternehmensrisiken beschrieben.
Im weiteren Zeitablauf wurde das Risikomanagement jedoch auch auf nicht versicherbare Risiken ausgeweitet. Somit wurden die Aufgaben eines „Risk Managers“ 33 um die systematischen Risikoanalysen sowie um die über die Versicherung hinausgehende Schadenverhütungsmaßnahmen erweitert. Allerdings wurden die Risiken isoliert betrachtet, so dass Wechselbeziehungen zwischen Einzelrisiken und unternehmerischem Gesamtrisiko in diesem Ansatz nicht berücksichtigt wurden. Auch die mit Risikopotenzialen verbundenen Chancen wurden hier außer Acht gelassen. Dieses Konzept wird daher auch als spezielles Risikomanagement bezeichnet. 34
Im Gegensatz zur früheren speziellen Sichtweise werden heute die Inhalte und Aufgaben des Risikomanagements wesentlich umfassender gesehen. So werden einzelne Risiken nicht isoliert betrachtet, sondern immer in ihren gegenseitigen Abhängigkeiten zum unternehmerischen Gesamtrisiko. Auch Chancen als Pendant zu Risiken werden dabei berücksichtigt. 35 Voraussetzung hierfür ist jedoch die strategische Ausrichtung des Risikomanagements und die Einbindung in ein umfassendes Führungskonzept. Dieses erweiterte Konzept wird auch generelles Risikomanagement genannt. 36 Der Kernpunkt dieses Ansatzes besteht darin, im gesamten Unter-
nehmen ein allgemein erhöhtes Risikobewusstsein zu erzeugen. Risikobewusstsein umfasst dabei das Wissen über die ständig vorhandenen Risiken und deren Wirkungsmöglichkeiten. 37
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in der heutigen Zeit fast jedes Einzelrisiko, das ein Industrieunternehmen einzugehen hat, im Kontext zum Gesamtunternehmen zu sehen ist. Auch wenn Risiken nur für Teilbereiche einer Unternehmung, z.B. innerhalb eines Profit Centers, von Relevanz sind, so betreffen sie letztendlich das Gesamtunternehmen. Schon allein aufgrund dieser Einschränkung des speziellen Risikomanagements wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit der generellen Risikomanagement-Theorie gefolgt.
32 Mehr/Hedges, 1963
33 In der Literatur wird der verantwortliche Mitarbeiter im Bereich Risikomanagement als „Risk
Manager“ bezeichnet; vgl. z.B. Imboden, 1983, S. 84ff.
34 Vgl. Strohmeier, 2007, S. 44f.
35 Vgl. Strohmeier, 2007, S.45
36 Vgl. Thiemt, 2003, S. S.24ff.
37 Vgl. Braun, 1984, S.75
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Den Ausführungen Strohmeiers folgend, wird Risikomanagement demnach als ein „immanenter Bestandteil der Unternehmensführung, das alle jene Entscheidungs-und Durchsetzungshandlungen (…) umfasst, die auf eine systematische und kontinuierliche Analyse, Bewältigung und Kontrolle der unternehmerischen Risikopotenziale abzielen, um damit die Realisierung der Risikomanagement-Ziele unter Berücksichtigung des Chancenaspektes zu ermöglichen“ 38 verstanden. Andere Autoren fügen hinzu, dass die Verwirklichung der Risikomanagementziele zur „nachhaltigen Existenzsicherung der Unternehmung beiträgt“ 39 .
2.1.3.2 Phasen des Risikomanagementprozesses
Die Aufgaben des Risikomanagements bestehen nicht in der völligen Risikovermeidung bzw. -minimierung. Vielmehr sollen die vorhandenen Risiken so gesteuert werden, dass die Unternehmensziele positiv beeinflusst werden. 40 Diese Aktivitäten lassen sich in einem Risikomanagementprozess, der wiederum in Teilprozesse zerlegt werden kann, idealtypisch beschreiben. Dabei umfasst dieser Prozess die Phasen Risikoidentifikation, -bewertung, -steuerung und -überwachung, wobei die ersten beiden Schritte häufig auch zur Risikoanalyse zusammengefasst werden. 41
Darauf aufbauend soll in der nachfolgenden Abbildung 1 der Regelkreislauf des Risikomanagements graphisch dargestellt werden.
38 Strohmeier, 2007, S. 46f.
39 Braun, 1984, S. 62
40 Vgl. Eberle, 2005, S. 45
41 Vgl. Schradin, 2007, Sp. 1588ff.
___________________________________________________________________
Aufgabe der Risikoidentifikation ist die möglichst vollständige Erfassung und syste-
matische Beschreibung aller Risiken, die auf das Unternehmen einwirken. 43 Die Identifikation der Risiken ist hierbei von eminenter Wichtigkeit, da die in dieser Phase gemachten Fehler in den nachfolgenden Prozessschritten nicht mehr korrigiert werden können. Denn ein Fehler in dieser Stufe wird erst dann sichtbar, wenn ein nicht erkanntes Risiko tatsächlich auftritt. 44 Somit ist eine erfolgreiche Risikoidentifikation unabdingbare Voraussetzung für den wirksamen Einsatz risikopolitischer Maßnahmen. 45
Aufbauend auf den ersten Teilprozess der Risikoanalyse, erfolgt in einem zweiten Schritt die Risikobewertung. Dabei sollen die Gefahrenpotenziale der identifizierten Risiken aufgezeigt und ihre Wirkungen quantifiziert werden, wodurch beispielsweise ein Vergleich zwischen den Einzelrisiken möglich wird. 46 Auf dieser Grundlage kann im Anschluss daran eine Entscheidung getroffen werden, welche Risiken einen unmittelbaren Handlungsbedarf auslösen. Die Bewertungsverfahren sollten sich dabei
42 Quelle: eigene Darstellung
43 Vgl. Schradin, 2007, Sp. 1588
44 Vgl. Strohmeier, 2007, S. 49
45 Vgl. Eberle, 2005, S. 46
46 Vgl. Strohmeier, 2007, S. 50
Arbeit zitieren:
Dipl.-Bw.(FH) Eugen Eisner, 2008, Risikomanagement in der Materialbeschaffung, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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