Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Kulturtheorie der Berkeley School 3
3. Cultural Studies 5
3.1 Centre for Contemporary Cultural Studies 6
3.1.1 Raymond Williams und sein Einfluss in die Cultural Studies 7
3.1.2 Jugendkulturen als Betrachtungsbeispiel für Subkulturen 10
3.1.3 Der Kulturbegriff des Centre for Contemporary Cultural Studies 11
3.2 Culture as Interpretation 12
3.2.1 Dichte Beschreibung 14
3.2.2 Kultur als Text 15
3.3 Rekapitulation der Cultural Studies von Stuart Hall: 16
4. Schlussbetrachtung 18
5. Literaturverzeichnis 20
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1. Einleitung
Im Rahmen des Oberseminars „Neue Kulturgeographie“ widmet sich diese Hausarbeit dem Thema „Maps of Meaning“, welches die Bedeutungsstrukturen für die Lesbar- und Verstehbarkeit einer Kultur meint. Dieser Begriff, zu welchem Peter Jackson 1989 eine Arbeit unter gleichnamigem Titel veröffentlichte, wurde in Folge der Cultural Studies ins Leben gerufen. Peter Jackson ist seit 1993 am Lehrstuhl für Humangeographie in Sheffield beschäftigt. 2001 wurde er in die Academy of Social Siences (AcSS) aufgenommen und ist seit 2004 universitärer Forschungsdirektor für Sozialwissenschaften. Seine Untersuchungsschwerpunkte sind Sozial- und Kulturgeographie, Konsum und Identität, Familie und Ernährung.
Sein Buch „Maps of Meaning“ weist eine deutliche Abweichung von den früheren, traditionellen Methoden der Kulturgeographie auf. Es bezieht sich dabei auf zeitgenössische Sozial- und Kulturtheorien, die sowohl städtische als auch ländliche Umgebungen, Populärkultur, sowie einheimische Architektur, Volksstile und Kultur der Elite fokussieren. Jackson ist der Meinung, dass Kulturgeographie sowohl zeitgemäß als auch historisch sein müsse, theoretisch geformt, doch begründet durch wissenschaftliche Arbeit und dass man sich nicht länger mit der Evolution kultureller Landschaften und der Interpretation vergangener Umgebungen beschäftigen sollte. Kulturgeographie dürfe nicht länger ein Zelebrieren des Fremden oder eine Betrachtung des Bizarren sein. Als eine ernsthafte Intervention in die Kultur der Moderne, hat die Kulturgeographie eine stark kritische und politische Seite. Da Jackson eine zeitlang in den USA tätig war und den Titel Dr. phil. über die Sozialgeographie Puertoricaner in New York erlangt hat, sind seine Bezüge stark auf britische und amerikanische Beispiele gewichtet. Er ist aber der Meinung, dass diese Untersuchungen überall hin transferierbar sind und sagt: „If social science teaches us anything, it should be an enthusiasm for cultural difference and a willingness to see that our own society represents just one way of doing things among a wide range of possibilities.”(JACKSON 1989: X).
Im folgenden Text sind einige wichtige Stationen der Genese der Kulturgeographie verdeutlicht, die Jackson in seinem Buch anführt. Als Einführung wird zunächst die amerikanische Berkeley School und ihre Arbeit von Carl Sauer perspektiviert, um später einen Kontrast zu den Cultural Studies, insbesondere des Centre for Contemporary Cultural Studies, herzustellen. Da die Cultural Studies sehr
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differenzierte Forschungs- und Betrachtungsweisen zeigen, werden im Folgenden nur einige wichtige Ansätze herausgegriffen, um ihren Einfluss zu verdeutlichen. Dabei werden insbesondere die Forschungen des einflussreichen Raymond Williams diskutiert und die Analyse der Subkulturen an Hand von Jugendkulturen unter Betrachtung des Textes von John Clarke und seinen Kollegen veranschaulicht. In dem Buch von Clarke wird der Begriff Kultur entsprechend der Vorstellung des
CCCS definiert und daher in 3.1.3 zusammengefasst, da er für das Verständnis der
Forschung des Centre bedeutsam im Sinne eines vorläufigen
Forschungsergebnisses ist. Im Weiteren werden die Forschungsansätze der angloamerikanischen Cultural Studies in Anlehnung an Clifford Geertz und seinem Verständnis von Kulturforschung erläutert. Hierbei werden seine Theorien „Dichte Beschreibung“ und „Kultur als Text“ und deren Bedeutung für die Kulturtheorie thematisiert. Unter der Leitung von Stuart Hall änderte sich die Ebene der Kulturforschung. Er fasst das Geleistete der Cultural Studies in seinem Essay Cultural Studies: Two Paradigms (1980) zusammen. Dieses wird unter Punkt 3.3 beschrieben.
In der Hausarbeit werden zentrale Themen der Cultural Studies aufgegriffen und diese für die Bedeutung der Genese der Neuen Kulturgeographie formuliert. Es gilt dabei zu erfahren, welche Untersuchungen durchgeführt wurden, welche Einflüsse es auf den verschiedenen Ebenen gegeben hat und in wieweit sich dadurch das Kulturverständnis verändert hat.
Es sei angemerkt, dass sich die Hausarbeit nur auf die Themen bis zur Veröffentlichung des Buches beziehen und damit keine aktuellen Untersuchungen und Thesen implizieren.
2. Die Kulturtheorie der Berkeley School
Die Methode der kulturgeographischen Betrachtung der Landschaften geht in erster Linie von der Berkeley School für Kulturgeographie unter der Leitung und besonderem Einfluss von Carl Sauer (1889-1975) aus. Sauer kam als Sohn deutscher Emigranten im Mittleren Westen der USA zur Welt. Daher verbrachte er einige Jahre an einer süddeutschen Schule, wodurch er von der deutschen Kultur und den Geisteswissenschaften beeinflusst worden ist. Die nordamerikanische Kulturgeographie wurde von ihm während seiner Schaffenszeit dominiert,
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insbesondere in den 35 Jahren als Leiter der einflussreichen Berkeley School bis zu seinem Ruhestand 1957 (The Columbia Encyclopedia, Sixth Edition 2006). Sauer sah ebenso wie der Mainstream der Geographie der 1920er und 1930er Jahre die Landschaft als zentralen Forschungsgegenstand, der sich aus einer Mischung von natürlichen und menschlichen Elementen konstituierte. Die Verbindungen zur Kulturlandschaftsgeographie in Deutschland sind somit unübersehbar.
Kennzeichnend für die Berkeley School waren die historische Orientierung, die Betonung auf den Menschen als Auslöser von Umweltveränderungen, sowie eine gewisse Vorliebe für die Erforschung von Artefakten der materiellen Kultur (MIKESELL1978). Er entwickelte aus der Theorie komplexer Wechselwirkungen zwischen einer Gruppe von Menschen und der natürlichen Umwelt als charakteristisches und materialistisches Ergebnis das Konzept der Kulturlandschaft, welches bis in die 70er Jahre die geographische Forschung in den USA bestimmt hat. Er betonte, dass die Kulturlandschaft eine vermenschlichte Version der Naturlandschaft sei, in dem Sinne, dass menschliche Aktivität zu einer erkennbaren und für die Akteure sinnvollen Änderung der natürlichen Umwelt führe (KNOX &
MARSTON 2001: 235).
Sauer sieht die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt so: „Eine Kulturlandschaft wird von einem Kulturkreis aus einer natürlichen Landschaft geformt. Kultur ist das Agens, die natürliche Umwelt das Medium, die Kulturlandschaft das Resultat. Unter dem Einfluss einer Kultur, die im Laufe der Zeit selbst Veränderungen unterworfen ist, erfährt die Landschaft eine Entwicklung, die Stufenweise abläuft und zuletzt wahrscheinlich das ende ihres Zyklus erreicht. Mit der Einführung einer anderen, das heißt fremden Kultur erfolgt eine Verjüngung der Kulturlandschaft oder aber die Überlagerung der Reste einer älteren durch eine neue Kulturlandschaft.“ (SAUER 1925: 46).
Er stellt dabei dem zu der Zeit ausgeprägten Naturdeterminismus einen kulturellen Relativismus entgegen. Gleichzeitig versucht er, seinen Landschafts-Begriff als grundlegendes Leit- und Analysekonzept der Geographie zu etablieren. Neben den Wechselwirkungen zwischen Landschaften und (kulturgeleiteten) Handlungen menschlicher Gemeinschaft gilt Sauers Interesse kultureller ´Manifestationen` in der Kulturlandschaft, die Ausgangspunkte seiner morphologischen Untersuchungen zur Kulturlandschaftsgenese sind. Schwerpunkte seiner Arbeiten, wie die seiner Schüler, sind historische Rekonstruktionen natürlicher und (kultureller) landschaftsformender
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Kräfte, Identifikationen voneinander abgrenzbarer Kulturregionen und der Einfluss von Kultur auf menschliche Wahrnehmung und Handlung (vgl. MCDOWELL 1994: 149).
Sauers Vorgehensweise war sehr konservativ mit einer anti-modernistischen Einstellung. Trotzdem ist seine Arbeit über die Kulturelle Geographie in den USA in vieler Hinsicht immer noch wegweisend (JACKSON:1989: 15).
3. Cultural Studies
Die Cultural Studies entstanden Mitte der 50er Jahre im Umfeld der Erwachsenenbildung in Großbritannien. Einen wichtigen Einfluss hatten dabei die Arbeiten am Centre for Contemporary Cultural Studies.
Die Rede von Cultural Studies täuscht zunächst die Einheitlichkeit eines Forschungsstranges vor, die es so nicht gibt. Unterschiedliche Richtungen und Ausprägungen haben sich in verschiedenen nationalen Kontexten herausgebildet. So ist die britische Tradition der Cultural Studies ganz entscheidend von der sozialen, politischen und ökonomischen Situation geprägt. Vor allem das Verhältnis der „working class“ zur dominanten Kultur hat dort bei der Entwicklung eine große Rolle gespielt. Während in den USA die Erfahrungen der Klassengegensätze und damit die Fragen der Arbeiterkultur und -bildung von Beginn an keine besonders zentrale Rolle spielten, bildeten sich hingegen in den 70er und 80er Jahren eigenständige Ethnien- und Gender-Studien heraus (Vgl. WINTER 1999).
Cultural Studies erforschen die Bedeutungen (meaning) von Kultur als Alltagspraxis (everyday practice). Diese Bedeutungen werden als sozial konstruiert aufgefasst. In den Cultural Studies werden partikuläre und lokale Erscheinungen auf ihren Zusammenhang mit sozialstrukturellen Merkmalen, wie Ethnie, Klasse, Schicht, Gender und sexuelle Orientierung hin untersucht. Die Untersuchungsansätze der CS unterscheiden sich zunächst in Strukturalismus und Kulturalismus. Stuart Hall versucht mit seiner Arbeit diese beiden Stränge zusammenzuführen, was unter Punkt 3.3 noch ausgiebig erläutert wird.
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Arbeit zitieren:
Nils Christians, 2006, Maps of Meaning, München, GRIN Verlag GmbH
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